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Dokumentenidentifikation DE3126289C2 26.05.1988
Titel Sicherungseinrichtung für Geschoßzünder
Anmelder Diehl GmbH & Co, 8500 Nürnberg, DE
Erfinder Weidner, Peter, Ing.(grad.), 8431 Breitenbrunn, DE
DE-Anmeldedatum 03.07.1981
DE-Aktenzeichen 3126289
Offenlegungstag 20.01.1983
Veröffentlichungstag der Patenterteilung 26.05.1988
Veröffentlichungstag im Patentblatt 26.05.1988
IPC-Hauptklasse F42C 15/36
Zusammenfassung Bei einer Sicherungseinrichtung (10) für Geschoß-Zünder (3) soll als zweites Umweltkriterium für die Entriegelung eines Sicherungselementes (42) gegen vorzeitige Scharfstellung der Zündkette die Erwärmung ausgenutzt werden, die im Geschoß (1) nach seinem Abschuß während Freifluges auftritt; und zwar bevorzugt durch Staudruck-Luftströmung auftretende Erwärmung, zusätzlich oder stattdessen aber auch Erwärmung aufgrund der Arbeitsweise der Brennkammer eines mit Nachbrenner ausgestatteten Geschosses. Dafür ist jenes Sicherungselement (42) mit einem Entriegelungs-Funktionselement aus einem Material mit Form-Erinnerungsvermögen (sog. "memory"-Metall) ausgestattet, dessen bei Überschreiten der Umwandlungstemperatur freigesetzten Gitterkräfte durch die erhebliche und definiert vorgebbare Formänderung unmittelbar die Sicherungs-Entriegelung bewirken. In thermischer Serienschaltung damit kann ein aus gleichem Material bestehendes Selbstzerlegungs-Entriegelungsglied (64) vorgesehen sein, das abhängig von der Scharfstellung des Zünders (3) und zeitlich dagegen versetzt eine Selbstzerlegung des Geschosses (1) auslösen kann, wenn dessen Sprengstoff (4) nicht infolge Zielaufschlags gezündet wurde.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft eine Sicherungseinrichtung gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1.

Eine solche Sicherungseinrichtung ist aus der DE-OS 20 35 170 bekannt. Als zweites Sicherungselement zur Gewährleistung der sogenannten Vorrohrsicherheit (Scharfstellung des Zünders erst nach Durchmessen eines Sicherheitsabstandes im freien Geschoß-Flug nach dem Austritt aus der Mündungsöffnung des Abschuß-Waffenrohres) ist dort ein Schmelzkörper vorgesehen, der mit seiner Stirnfläche während des Geschoß-Freifluges der Staudruckwärme ausgesetzt ist. Wenn dieser Körper bis auf seine Schmelztemperatur erhitzt ist, ermöglicht das den Vorschub eines federbelasteten Stempels zur Freigabe eines Rotors, so daß der Zünder in seine Scharfstellung übergehen kann. Der Schmelzkörper selbst ist zunächst so geformt und eingebaut, daß eine hinter der Geschoß-Stirn die Wandung des Zündergehäuses durchquerende Bohrung verschlossen bleibt, bis der Körper auf seine Schmelztemperatur erhitzt ist. Dann wird das geschmolzene Material durch die Strömung abgeführt, die nach Freigabe der Bohrung vom Stirn-Staudruck hervorgerufen wird.

Nachteilig an dieser Sicherungseinrichtung ist insbesondere, daß die über den Schmelzkörper erfolgende Entriegelung für die Scharfstellung des zweiten Sicherungselementes (dort des Rotors) konstruktiv schwierig definierbar ist, weil der Schmelzkörper im Zuge seiner Erwärmung vor dem endgültigen Wegschmelzen zunächst in Folge einer plastischen Übergangs- Konsistenz eine undefinierte Formgebung einnimmt, also nun ein Konstruktionsteil ohne definierte mechanische und geometrische Eigenschaften wird. In diesem Übergangsstadium ist weder eine eindeutige Verriegelung noch eine eindeutige Freigabe durch dieses erste Sicherungselement gewährleistet. Vom federbeaufschlagten Stößel kann das plastisch erweichte Material zumindest teilweise in die Austrittsöffnungen hineingedrückt werden, in denen es auf eine wesentlich geringere Temperatur als vor der Staudruck-Stirnfläche abkühlt und sich wieder verfestigen kann; mit der Folge, daß keine zeitlich und kinematisch definierte (konstruktiv vorhersehbare) Entriegelung oder sogar gar keine Entriegelung mehr stattfindet und das Geschoß zum Blindgänger wird. Eine konstruktive Einschränkung stellt es darüberhinaus dar, nur die durch den Staudruck hervorgerufene Erwärmung in der kaliberbedingt beschränkten Stirnfläche für das Aufheizen des Entriegelungs- Schmelzkörpers verfügbar zu haben, also keinen an sich wünschenswert weiten konstruktiven Spielraum für die Materialwahl und Formgebung des Schmelzkörpers einerseits in Hinblick auf die ballistischen Gegebenheiten (Abgangsgeschwindigkeit und Querschnittsfläche der Geschoß-Stirn) andererseits verfügbar zu haben, weil die Strömungs- (Austritts-) Öffnungen in der Seitenwand des Zündergehäuses wie gesagt nicht zu staudruck- und strömungsbedingter Erwärmung beitragen können - denn sie werden erst zur Passage geöffnet, wenn die Entriegelung bereits durch Erschmelzen des Blockierkörpers freigegeben ist.

Aus der US-PS 29 37 596 ist eine gattungsähnliche Sicherungseinrichtung bekannt, bei der aber die Luftstaudruck-Erwärmung während des Geschoß- Freifluges zum Verdampfen einer Flüssigkeitsfüllung in einem Ausdehnungsgefäß herangezogen wird, das ein kolbenförmiges Kontaktstück für das Schließen eines elektrischen Stromkreises gegen die Kraft einer Rückstellfeder mit einstellbarer Vorspannung verschiebt.

Nachteilig bei dieser Sicherungseinrichtung ist insbesondere der apparative Aufwand und die grundsätzlich störanfällige Arbeitsweise eines solchen flüssigkeitsgefüllten Dehnungsgefäßes. Nachteilig ist darüberhinaus auch die schlecht definierte, da gleitende, Kontaktgabe; denn die voreinstellbare Federspannung bestimmt lediglich, nach Erreichen welchen Mindestdruckes die Verdampfung der Flüssigkeitsfüllung im Dehnungsgefäß zum Beginn der Kontaktverschiebung führt, hat jedoch danach keinen Einfluß mehr auf eine definierte Kontaktgabe bei definierten Erhitzungsgegebenheiten.

In Erkenntnis dieser Mängel bei herkömmlichen Sicherungseinrichtungen gattungsgemäßer Art, bei denen also ein zweites Sicherungselement während des Geschoß-Freifluges luftstaudruck-erwärmungsbedingt entriegeln soll, liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, eine Sicherungseinrichtung gattungsgemäßer Art derart auszulegen, daß eine eindeutige Entriegelungsfunktion für die Scharfstellung des Zünders bei Erreichen einer definiert vorgegebenen Temperatur an der Entriegelungseinrichtung mittels eines nicht nur vor sondern auch nach Ansprechen auf diese kritische Temperatur definierte mechanische Gegebenheiten aufweisenden Konstruktionselementes sichergestellt ist.

Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß bei der Sicherungseinrichtung gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1 die Entriegelungseinrichtung des zweiten Sicherungselements gemäß dem kennzeichnenden Teil des Anspruches 1 ausgestattet ist.

Durch diese Lösung ist sichergestellt, daß keine undefinierten, schleichenden Funktionen im Zuge der Entriegelung des zweiten Sicherungselementes auftreten, die Scharfstellung des Zünders also erst bei definiert vorgebbarer Erwärmung des maßgeblichen Entriegelungs-Konstruktionselementes und dann schlagartig eintritt; wobei dieses Konstruktionselement auch danach wieder definierte geometrische und mechanische Eigenschaften aufweist, also konstruktive Funktionen z. B. später bei der Geschoß-Zündung im Ziel oder zur Selbstzerlegung übernehmen kann.

Als solches Konstruktionselement könnte grundsätzlich beispielsweise ein Bimetall mit Umschlag-Schnappverhalten Einsatz finden, in dem sich bei Temperaturanstieg Biegespannungen aufbauen, die erst bei Überschreiten einer konstruktiv vorgegebenen definierten Temperatur zu einem Umschnappen aus einer ersten geometrischen Konfiguration in eine zweite, beispielsweise zu schlagartigem Übergang von einer Krümmungsrichtung zur entgegengesetzten Krümmungsrichtung, führt, um die bis dahin sichergestellte Verriegelung freizugeben und somit ein Einfahren der Sprengkapsel in die Zünder-Wirkungslinie freizugeben oder zu bewirken. Günstiger ist es jedoch, für dieses Konstruktionselement innerhalb des zweiten Sicherungselements gemäß dem weiterbildenden Anspruch 2 ein Material mit Formerinnerungsvermögen (sog. "Memory- Legierung") anzuwenden, das, wie als solches bekannt (vgl. z. B. H. Rissmann in METALL 28. Jg. H 10 S. 976 - 978; L. Delaey u. a. in METALL 31. Jg. H 12 S. 1325 - 1331), bei Überschreiten einer materialspezifisch vorgebbaren Gefügeumwandlungstemperatur aus einer bei der Herstellung eingeprägten geometrischen Form infolge Freisetzens von Formerinnerungs-Kristallgitterkräften in eine ursprünglich gegebene geometrische Form übergeht. Bei dieser Formänderung kann es sich je nach den Vorbehandlungsgegebenheiten während der Herstellung dieses Konstruktionselementes um vorrangig eindimensional oder zweidimensional wirkende Vergrößerungen oder Verkleinerungen (Längung oder Kürzung eines Zylinders bzw. Aufweitung oder Schrumpfung des Innen- oder Außendurchmessers eines Ringes) handeln, oder aber um Torsionserscheinungen oder Biegeerscheinungen. Der besondere Vorteil der Verwendung von Material mit Formerinnerungsvermögen für das temperaturabhängig wirkende Konstruktionselement in dem zweiten Sicherungselement einer Geschoßzünder-Sicherungseinrichtung liegt darin, daß bei Überschreiten der Umwandlungstemperatur auch mit kleinbauendem Konstruktionselement vergleichsweise große Kräfte freigesetzt werden, da es sich bei diesen Kräften um das Auswirken von Kristallgitterkräften handelt, so daß auf engstem Raum definierte mechanische Vorgänge auch unter ungünstigen Umgebungsbedingungen - beispielsweise Riegelverschiebung auch unter Einfluß beschleunigungsbedingt oder erwärmungsbedingt vergrößerter Reibungskoeffizienten - schlagartig ausgelöst und durchgeführt werden können; wobei weiterhin konstruktiv von Vorteil ist, daß das Konstruktionselement aus diesem Material nicht nur vor sondern auch nach Eintritt der Formumwandlungsvorgänge die weitgehend gleichen mechanischen Eigenschaften und jeweils definiert vorgebbare geometrische Konfigurationen aufweist, also auch nach Wirksamwerden der temperaturabhängig ausgelösten Umwandlungsvorgänge weiterhin ein voll funktionstüchtiges Konstruktionselement im Geschoß-Zünder zur Verfügung steht. Das Einsetzen der Formumwandlung kann über die Wärmeeinleitung mittels Kopplungselementen, nämlich in Hinblick auf die Wärmeübergangsgegebenheiten und in Hinblick auf die Wärmeaufnahme-Flächen bezogen auf das Volumen des Umwandlungsmaterials, konstruktiv beeinflußt werden; wobei insbesondere durch großes Verhältnis von Wärmeübergangsfläche zu Volumen des Konstruktionselementes aus Material mit Formerinnerungsvermögen die rasche und angenäherte homogene Aufheizung des gesamten Gefüges im Interesse praktisch schlagartiger Kristallgitterumwandlung und somit Formänderung sicherstellbar ist.

Gemäß der Realisierung nach Anspruch 3 kann auch im Rahmen der erfindungsgemäßen Sicherungseinrichtung innerhalb des zweiten Sicherungselements eine Entriegelungseinrichtung entsprechend derjenigen nach der DE-PS 15 78 496 vorgesehen sein, also eine zünderfeste federbelastete Abstützung eines Bolzens über ein kreisförmiges, der Luftreibungserhitzung ausgesetztes Konstruktionselement als Entriegelungseinrichtung im Bereich des Zünder-Vorderteiles. Jedoch weist diese ringförmige Entriegelungseinrichtung nun nicht mehr nur eine Verriegelungsfunktion auf, sondern nach Freigabe der Formerinnerungskräfte infolge Überschreitens der Umwandlungstemperatur dient der infolge verkleinerten Außendurchmessers nun nicht mehr in Verriegelungsstellung abgestützte Ring selbst als Vorschub-Anschlag des unter Einfluß der Druckfeder vorgeschobenen Bolzens und damit als Druckübertragungselement für die spätere Auslösung des dann scharfgestellten Zünders.

Die abgewandelte Ausführungsform nach Anspruch 4 weist insbesondere den Vorteil kleinerer radialer Abmessungen der Entriegelungseinrichtung für das zweite Sicherungselement bei gleichzeitig vergrößerter Funktionssicherheit auf, weil nicht mehr durch eine radial wirkende Entriegelung ein Vorschubelement freigegeben werden muß, sondern unmittelbar die Axialverkürzung der Entriegelungseinrichtung aus Material mit Formerinnerungsvermögen die federbelastete Axialbewegung zum Entsichern freigibt.

Die Weiterbildung gemäß Anspruch 5, also den axial schrumpfenden Stempel innerhalb des zweiten Sicherungssystems nicht nur zur Freigabe dessen Entriegelung, sondern auch zum Aufbringen der Entriegelungskraft selbst einzusetzen, weist den ganz wesentlichen zusätzlichen sicherheitstechnischen Vorteil auf, - im Einklang mit dem Nato-Standardisierungsübereinkommen über allgemeine Konstruktionsrichtlinien und -merkmale für die Sicherheit von Munitions-Zündsystemen - für die Entriegelung des zweiten Sicherungselementes keiner Vorrichtung mehr zu bedürfen, die gespeicherte Energie in Form einer gespannten Feder nach abschußbedingter Teilentsicherung oder gar in Zünder-Sicherstellung beinhaltet. Denn die zur Formänderung führenden, bei Überschreiten der Umwandlungstemperatur freigesetzten Kristallgitterkräfte werden nun unmittelbar zur Freigabe des Einschwenkens der Sprengkapsel in die Zündlinie herangezogen, bzw. können im Rahmen dieser Weiterbildung zur erfindungsgemäßen Lösung auch - etwa durch Freisetzen von Torsionsbewegungen im Zuge der Formerinnerungs-Umwandlung - sogar unmittelbar selbst zum Einschwenken der Sprengkapsel in die Zündlinie ausgenutzt werden.

Aus der DE-PS 15 78 496 ist es als solches bekannt, zum Aufheizen des entsprechenden Konstruktionselementes der Entriegelungseinrichtung während freien Geschoß-Fluges die Staudruck-Luftströmung im Bereiche des Zünder-Vorderteiles unter dessen hohlkegelstumpfförmige Mantelfläche eintreten zu lassen und nach Strömungsführung durch Leitkanäle durch diese Wandung wieder austreten zu lassen. Gemäß den Weiterbildungen nach Anspruch 6 oder Anspruch 7 fördert es die Eigensicherheit eines mit derartigem Zünder ausgestatteten Geschosses, wenn solche zur thermischen Aktivierung der Entriegelungseinrichtung des zweiten Sicherungselements dienenden Leitkanäle erst für die Luftdurchströmung freigegeben werden, wenn sie abschußbedingt, insbesondere also im Zuge der Entriegelungswirkung des ersten Sicherungselements, freigegeben wurden.

Insbesondere in Zusammenhang mit dieser zusätzlichen Sicherungsmaßnahme kann zweckmäßigerweise gemäß Anspruch 8 vorgesehen sein, das aus Material mit Formungserinnerungsvermögen (Memory-Metall) bestehende Entriegelungs-Konstruktionselement des zweiten Sicherungssystemes durch eine stationäre Lufthülle thermisch isoliert im Zünder anzuordnen und erst infolge der Abschuß-Beschleunigung - beispielsweise im Zuge der Öffnung der Luftströmungs-Leitkanäle - an Wärmeaufnehmer oder Wärmekoppler thermisch anzuschließen, so daß bloße Umgebungserhitzung des an sich sichergestellten Zünders (beispielsweise als Folge eines Depotbrandes) noch nicht zur kritischen Erwärmung auf Umwandlungstemperatur führen kann und dadurch auf jeden Fall bis zum Auftreten einer Abschuß- Beschleunigung (Entriegelung des ersten Sicherungselement) das thermisch ansprechende zweite Sicherungselement zuverlässig verriegelt bleibt.

Gemäß der Weiterbildung nach Anspruch 9 kann die erfindungsgemäße Sicherungseinrichtung vorteilhafterweise zugleich auch dafür herangezogen werden, bei selbstzerlegender Munition (etwa Übungsmunition oder auf fliegende Ziele einzusetzende Munition) die Selbstzerlegungs-Entriegelung zeitabhängig nach Eintritt der Scharfstellung des Zünders zu entriegeln und damit die Selbstzerstörung zur Unschädlichmachung der Munition einzuleiten. Diese funktionelle Kopplung an die Zünder-Scharfstellung durch Einrichtung der Zündlinie erfolgt zweckmäßigerweise durch eine thermische Serienschaltung gemäß Anspruch 10, wodurch sichergestellt ist, daß die Selbstzerlegung erst außerhalb der Vorrohr- Sicherheitsdistanz, also im freien Geschoß-Flug in unkritischer Entfernung vom Abschuß-Waffenrohr, eintreten kann.

Im folgenden wird unter Hinweis auf die Zeichnungen der Gegenstand der Erfindung beschrieben. Dabei sind in den Zeichnungen bevorzugte Ausführungsbeispiele zur erfindungsgemäßen Lösung und ihren Weiterbildungen unter Beschränkung auf das Wesentliche vereinfacht dargestellt; wobei für das aus Formerinnerungsmaterial bestehende Konstruktionselement der Entriegelungseinrichtung für das zweite Sicherungselement und für eine etwaige Selbstzerlegungs-Auslösung hinsichtlich der ausgenutzten Formänderungsvorgänge und hinsichtlich der konstruktiven Geometrie die zeichnerisch dargestellten Lösungsvorschläge in erster Linie nur Prinzipbeispiele darstellen, die insbesondere nach den Aufheizungsgegebenheiten in der Staudruck-Luftströmung und nach den Wärmeübertragungsgegebenheiten Gegenstand vielfältig geometrisch abgewandelter Ausführungsformen sein können. Es zeigt:

Fig. 1 im Mittelängsschnitt einen - hier drallstabilisierten - Munitionsartikel mit aufgesetztem Zünder aber ohne Treibladung,

Fig. 2 einen Zylinder mit thermisch auslösbarer Schrumpfring-Entriegelungseinrichtung seines zweiten Sicherungselements, bei Luftströmungsfreigabe vom ersten Sicherungselement her, in Sicherstellung,

Fig. 3 den Zünder gemäß Fig. 2 nach Auslösung des ersten Sicherungselementes,

Fig. 4 den Zünder gemäß Fig. 2/ Fig. 3 nach Entriegelung seines zweiten Sicherungselements

Fig. 5 in Abwandlung des Zünders gemäß Fig. 2 bis Fig. 4 einen Zünder mit Schrumpfkolben-Entriegelungseinrichtung für sein zweites Sicherungselement in Zünder-Sicherstellung,

Fig. 6 den Einbau der Entriegelungseinrichtung mit einem Konstruktionselement aus Metall mit Formerinnerungsvermögen in das zweite Sicherungselement eines Zünders gemäß Fig. 5,

Fig. 7 in Abwandlung der Ausgestaltung des zweiten Sicherungselements gemäß Fig. 2 bzw. Fig. 5 einen Zünder, der innerhalb seines zweiten Sicherungselements keiner Federkraft für die Entriegelung zur Zündlinien-Freigabe bedarf, in thermischer Serienschaltung zum zweiten Sicherungselement

Fig. 8 den Zünder gemäß Fig. 7 bei entriegeltem zweitem Sicherungselement aber noch nicht freigegebenem Selbstzerlegungs- Entriegelungsglied und

Fig. 9 in vergrößerter Detaildarstellung einen Ausschnitt aus Fig. 7/ Fig. 8, jedoch bei freigegebenem Selbstzerlegungs- Entriegelungsglied.

Fig. 1 zeigt im Axiallängsschnitt ein Geschoß 1 mit in seine Stirnöffnung 2 eingesetztem Zünder 3. Beim dargestellten Beispiel handelt es sich um ein Sprenggeschoß, also um eine im wesentlichen ganz mit Sprengstoff 4 gefüllte Geschoßhülle 5, die für den Abschuß des Geschosses 1, hinter einem Führungsband 6 für Hervorrufen des Stabilisierungsdralles im Zuge des Vortriebes durch ein mit entsprechendem Drallzug versehenes Waffenrohr, mit einer (in der Zeichnung nicht dargestellten) Treibladungshülse auszustatten ist.

Bei entsichertem, also scharfgestelltem Zündsystem bewirkt ein etwa auf Zielannäherung oder auf Aufschlag ansprechender Auslösungsmechanismus 7 das Anstechen einer Sprengkapsel 8, die ihrerseits eine Übertragungsladung 9 initiiert, um den Sprengstoff 4 zu zünden und somit im Ziel die Splitterwirkung der Geschoßhülle 5 und die Sprengstoff-Gasschlagwirkung auszulösen.

Damit der Sprengstoff 4 nicht schon bei der Handhabung des Geschosses 1 vor dem Abschuß bzw. beim oder unmittelbar nach dem Abschuß zündet, enthält der Zünder 3 eine mehrfach wirkende Sicherungseinrichtung 10, die die Zünder-Wirkungskette über die Sprengkapsel 8 und Übertragungsladung 9 auf den Sprengstoff 4 erst ermöglicht, wenn aufgrund wenigstens zweier voneinander unabhängiger umweltbedingter physikalischer Erscheinungen feststeht, daß der Abschuß des Geschosses 1 im Waffenrohr (in der Zeichnung nicht dargestellt) stattgefunden und das Geschoß 1 auch die Waffenrohrmündung verlassen und eine die Rohrsicherheit gewährleistende Sicherheitsstrecke vor der Mündung durchflogen hat.

In Fig. 2 ist eine solche Sicherungseinrichtung 10 detaillierter dargestellt. Als die Abschuß- und Rohrsicherheit gewährleistendes erstes Sicherungselement 11 findet darin ein sog. doppeltes Rückschießbolzensystem 12 Anwendung, das in Sicherstellung (Fig. 2) einen Schwenkhebel 13 zunächst arretiert. In der Sicherstellung steht der Schwenkhebel 13 formschlüssig mit einer Verriegelungshülse 15 in Eingriff, die in den Rotor 14 oder ein damit verbundenes Bauteil eingreift, um zunächst noch ein Einschwenken des Rotors 14 in die beschriebene Zündlinie zu verhindern. Im Inneren der Verriegelungshülse 15 ist die Anstichnadel 16 geführt, die in Sicherstellung des Zünders 3 ebenfalls ein Einschwenken des Rotors 14 in die Scharfstellung blockieren würde.

Beim Abschuß des Geschosses 1 aus einem Waffenrohr bewirkt die starke und andauernde Beschleunigung unter Einwirkung der Treibladung, daß das erste Sicherungselement 11 für Teil-Entsicherung des Zünders 3 entriegelt, indem beim doppelten Rückschießbolzensystem 12 zunächst der erste Bolzen 17 aufgrund seiner Masseträgheit gegen die Wirkung einer Feder 18 zurückgleitet, woraufhin eine Sperrkugel 19 freigegeben wird und auch der zweite Bolzen 20 infolge seiner Masseträgheit im vorbewegten Geschoß-Zünder 3 gegen die Wirkung einer Feder 21 zurückgleiten kann und einen Sperrstift 22 aus dem Schwenkhebel 13 herauszieht, der damit unter Einfluß (Fig. 3) einer Schwenkfeder 23 außer Eingriff mit der Verriegelungshülse 15 gerät. Wie in Fig. 3 gezeigt, wird diese damit unter Einfluß einer Feder 24 bis zum Eingriff eines Anschlages 25 aus der Sperrstellung für den Rotor 14 herausgehoben, der danach nur noch durch den verbleibenden Eingriff der Anstichnadel 16 an einem Einschwenken in die Zünd-Wirkungslinie gehindert ist.

Mit dieser abschußbedingten Freigabe der Verriegelungshülse 15 durch das erste Sicherungselement 11 wird die Bodenfläche 26 eines kegelstumpfförmigen Zünder- Vorderteiles 27 von einer Dichtfläche 28 abgehoben, um Austrittsöffnungen 29 von Luft-Leitkanälen 30 freizugeben, die geneigt zur Zünder-Längsachse 31, (Fig. 4) von einem Verteilraum 32 ausgehend und azimutal gegeneinander versetzt, durch das kegelstumpfförmige Zünder-Vorderteil 27 verlaufen. In der Kegelstumpf- Stirnfläche 33 sind Öffnungen 34 ausgebildet, durch die im freien Fluge des Geschosses 1 außerhalb des Waffenrohres unter Wirkung des Staudruckes Luft in den Verteilraum 32 eintreten kann, um daraufhin durch die Leitkanäle 30 zu strömen und an der Kegelstumpf- Bodenfläche 26 wieder auszutreten.

In diesem kegelstumpfförmigen Zünder-Vorderteil 27 ist die in der Verriegelungshülse 15 und damit diesem Vorderteil 27 gegenüber koaxial verschiebbare Anstichnadel 16 von einer Feder 35 belastet in Richtung auf die Zünder-Spitze (Kegelstumpf-Stirnfläche 33) abgestützt, indem der Stützteller 36 einer Nadelhalterung 37 unter Zwischenlage eines Radial-Schrumpfringes 38 mit kegelstumpfförmiger Außenmantelfläche 39 gegen eine umlaufende Stützschulter 40 anliegt.

Der Schrumpfring 38 liegt im Bereiche des Verteilraumes 32 im Strömungsweg der durch die Öffnungen 34 eintretenden und die Leitkanäle 30 durch die Austrittsöffnungen 29 wieder verlassenden Staudruck-Luftströmung, so daß im freien Flug des schnell fliegenden Geschosses 1 aufgrund der Luftreibung entlang der Außenmantelfläche 39 eine rasche, starke Erhitzung des Schrumpfringes 38 erfolgt.

Der Radial-Schrumpfring 38 wirkt als Entriegelungseinrichtung 41 eines zweiten Sicherungselements 42, mittels dessen unter Einfluß der am Schrumpfring 38 auftretenden Luft-Reibungswärme im Geschoß-Freiflug die Zündkette für Scharfstellung entriegelt wird. Dafür weist die Entriegelungseinrichtung 41 in Form des Schrumpfringes 38 ein Material auf, das bei Überschreiten einer definierten Temperatur schlagartig eine vorgegebene Formänderung erfährt, hier eine radiale Schrumpfung auf einen kleineren Außendurchmesser. Dafür eignet sich insbesondere das eingangs beschriebene Material mit Formerinnerungsvermögen (sog. "Memory"-Legierungen), das bei Überschreiten einer Umwandlungstemperatur Kristallgitter Kräfte freisetzt, die diesen Körper zwingen, wieder eine vorher gegebene geometrische Form anzunehmen. Diese Formumwandlung - nämlich radiale Schrumpfung des Ringes 38 - setzt bei Überschreiten der Umwandlungstemperatur praktisch schlagartig ein, weil der Ring 38 mit konischer Außenmantelfläche 39 im Verhältnis zum Ringvolumen eine große der Luftreibungs Erhitzung ausgesetzte Wirk-Außenfläche aufweist, im Ring 38 selbst also nur geringe Temperaturunterschiede auftreten.

Die Handhabungssicherheit, Rohrsicherheit und Vorrohrsicherheit des Zünders 3 ist also dadurch gewährleistet, daß das erste Sicherungselement 11 nur infolge der Abschußbeschleunigung im Waffenrohr ausgelöst wird, woraufhin erst durch Freigabe der Austrittsöffnungen 29 - also durch Vorschieben der vom Schwenkhebel 13 freigegebenen Verriegelungshülse 15 mit daran befestigtem Zünder-Vorderteil 27 - das zweite Sicherungselement 42 in Funktionsbereitschaft gesetzt wird, dessen Entriegelungseinrichtung 41 erst nach für die Aufheizung des Materials mit Formerinnerungsvermögen hinreichender Geschoß-Freiflugzeit auslöst, indem der Ring 38 auf einen solchen Durchmesser schrumpft, daß die gespannte Feder 35 ihn im Freiraum zwischen der Stützschulter 40 bis zur Anlage gegen eine Prallplatte 43 vorschieben kann. Damit wird die Anstichnadel 16 aus der Arretierungsöffnung im Sprengkapsel-Rotor 14 herausgezogen, die nun - bei drallstabilisierten Geschossen 1 unter Fliehkrafteinwirkung, bei flügelstabilisierten Geschossen 1 unter Einwirkung einer gespeicherten Kraft wie etwa derjenigen der Schwenkfeder 23 mittels des Schwenkhebels 13 - in die Zündlinie eingeschwenkt werden kann, womit der Zünder 3 dann scharfgestellt ist (Fig. 4). Die Anstichnadel 16 ist nun über ihren Stützteller 13 und den geschrumpften Ring 38 unmittelbar axial gegen die Prallplatte 43 abgestützt, so daß bei Auftreffen des vorderen Bereiches des Zünders 3 auf ein Ziel die Anstichnadel 16 die infolge eingeschwenkten Rotors 14 vor ihrer Spitze liegende Sprengkapsel 8 (s. a. Fig. 1) und über diese die Übertragungsladung 9 und damit die Sprengstoff-Füllung des Geschosses 1 zündet.

Damit werden, wie es die einschlägigen Sicherheits- Konstruktionsvorschriften fordern, zwei ab Abschuß des Geschosses 1 voneinander unabhängig wirksam werdende Umweltkriterien ausgenutzt, um das Geschoß 1 erst nach Durchfliegen einer Sicherheitszone vor der Waffenrohrmündung scharfzustellen. Das zweite Sicherheitskriterium für diese Scharfstellung ist das Überschreiten einer definierten, relativ hohen Temperatur, die praktisch nur im Geschoß-Freiflug aufgrund der Staudruckwirkung der die Leitkanäle 30 durchströmenden Luft hervorgerufen wird, wobei diese Leitkanäle 30 überhaupt erst zur Luftdurchströmung freigegeben werden, wenn das erste Sicherungselement 11 abschußbedingt ausgelöst hat.

Die Zeitspanne bis zum Entriegeln des zweiten Sicherungselement 42 läßt sich, außer über die Materialwahl und die damit zusammenhängende Umwandlungstemperatur- Vorgabe für die Entsicherungseinrichtung 41 in Form des Schrumpfringes 38, insbesondere auch über die Schrumpfring-Wandstärke vorgeben, also über das Zeitverhalten des Eindringens der luftreibungsbedingten Erwärmung von der Außenmantelfläche 39 ins Materialinnere, bis über das gesamte Gefüge die Umwandlungstemperatur überschritten ist. Das Zeitverhalten der Entriegelung selbst, also beispielsweise schleichender oder sprunghafter Übergang der federbelasteten Abstützung des Nadelhalterungs-Tellers 36 von der Schulter 40 gegen die Prallplatte 43, läßt sich konstruktiv in weiten Grenzen über die Außenwandungsgeometrie des Schrumpfringes 38 vorgeben.

Konstruktiv günstiger kann es sein, eine möglichst einfache Geometrie für das aus einer Memory-Legierung bestehende Funktionselement zu wählen. Beim Ausführungsbeispiel gem. Fig. 5 besteht das zentrale, wärmegesteuerte Funktionselement für die Entriegelungseinrichtung 41 deshalb aus einem flachen zylindrischen Schrumpfstempel 44, der im Bereiche des Luftströmungs- Verteilraumes 32 zwischen zwei Wärmeaufnehmern 45, 46 aus Kupfer oder anderem gut wärmeleitenden Material unter Einwirkung einer Entriegelungsfeder 35 axial eingespannt ist. Der vordere Wärmeaufnehmer 45 ist über eine Isolierschicht 47 unmittelbar gegen die Prallplatte 43 und, für den Luftdurchgang von den Öffnungen zu den dagegen versetzten Leitkanälen 30, rückwärtigen gegen den flachen Schrumpfstempel 44 mit einem kronenförmig ausgezackten, umlaufenden Rand (vgl. Fig. 6) abgestützt. Der gegenüberliegend an den Schrumpfstempel 44 anliegende Wärmeaufnehmer 46 weist jenem Rand 48 gegenüber eine Rille 49 auf, um definierte Axialdruckzonen am Schrumpfstempel 44 vorzugeben.

Bei hinreichender luftströmungsbedingter Erhitzung der Wärmeaufnehmer 45, 46 und damit des Schrumpfstempels 44 für Überschreiten der materialbedingten Umwandlungstemperatur - wenn zuvor wie in Zusammenhang mit Fig. 2 beschrieben das erste Sicherungselement 11 das Zünder-Vorderteil 27 zum Freigeben der Leitkanal-Austrittsöffnungen 29 angehoben hat - verringert der Schrumpfstempel 44 praktisch schlagartig seine axiale Länge (Scheibendicke), so daß unter Einwirkung der Entriegelungsfeder 35, wie in Zusammenhang mit Fig. 4 beschrieben, auch die Anstichnadel 16 als zweite Arretierung aus dem Sprengkapsel- Rotor 14 herausgezogen und letzterer in Scharfstellungs-Linie eingeschwenkt wird, um bei Zielaufschlag auf das Zünder-Vorderteil 27 von der zurückgeschobenen Anstichnadel 16 initiiert zu werden.

Zwar ist bei den vorstehend beschriebenen Ausführungsbeispielen für eine erfindungsgemäße Sicherungseinrichtung 10 bereits die Rohr- und die Vorrohrsicherheit sowie die Depotsicherheit (auch gegen Depotbrand) gewährleistet, weil erst nach abschußbedingter Aktivierung des ersten Sicherungselements 11 das zweite Sicherungselement 42 in Funktionsbereitschaft gesetzt wird und erst nach Ablauf hinreichend lang andauernder Freifluggegebenheiten dessen Entriegelungseinrichtung 41 für die Scharfstellung der Zündkette gelöst wird; dennoch ist es in Hinblick auf den anzustrebenden Sicherheitsstandard grundsätzlich unerwünscht, daß die Vorbereitungsfunktion und die Entriegelungsfunktion in Zusammenhang mit der Wirksamkeit des zweiten Sicherungselements 42, auch unter Depotgegebenheiten, unter Einfluß eines vorgespannten Kraftspeichers in Form der Hebefeder 24 bzw. der Entriegelungsfeder 35 stehen.

Bei dem abgewandelten Ausführungsbeispiel zur erfindungsgemäßen Sicherungseinrichtung gem. Fig. 7/ Fig. 8 erfolgt die Wirkungs-Vorbereitung des zweiten Sicherungselementes 42 daher nicht indirekt aufgrund der Abschuß-Beschleunigung - nämlich durch Auslösung einer Verriegelung einer Hebefeder 24, vgl. Fig. 3 -; vielmehr wird nun parallel zur beschleunigungsbedingten Funktion des ersten Sicherungselements 11 ebenfalls unmittelbar als Folge der Abschuß-Beschleunigung ein Scher-Element 50 durchbrochen, das in Sicherstellung des Zünders 3 einen hohlkegelstumpfförmigen Wärmekoppler 51 aus thermisch gut leitendem Material noch von der Entriegelungseinrichtung 41 thermisch getrennt hält (vgl. Fig. 7). In dieser Sicherstellung liegt der Wärmekoppler 51 mit seiner Kegelaußenwandung 52 derart innen gegen die hohlkegelförmige Zünderinnenwandung 53 an, daß dort im Zünder 3 angebrachte Luftdurchtrittsöffnungen 54 zunächst verschlossen sind. Der davorliegende konische Bereich der Zünderspitze 55 mit einer Lufteintrittsöffnung 56 im Zentrum der Kegelstumpf- Stirnfläche 33 ist vorzugsweise ebenfalls in der Sicherstellung des Zünders 3 zunächst noch versperrt, nämlich durch eine kegelstumpfförmige Strömungsbarriere 57, die koaxial in den konisch sich verjüngenden vorderen Bereich des Zünderspitzenmantels 58 formschlüssig eingefügt ist.

Die Entriegelungseinrichtung 41 weist nun einen Stab aus Material mit Formerinnerungsvermögen auf, der derart eingestellt ist, daß seine Länge bei Überschreiten der Umwandlungstemperatur eine erhebliche Verkürzung erfährt. Im Inneren des hohlkegelstumpfförmigen Wärmekopplers 51 ist diese Entriegelungseinrichtung 41 an einem kegelstumpfförmigen Wärmeaufnehmer 59 befestigt, der zünderfest gehaltert und insbesondere axial abgestützt ist. In der (bezogen auf die Flugrichtung eines Geschosses mit diesem Zünder 3) rückwärtigen Verlängerung ist an der Entriegelungseinrichtung 41 die Anstichnadel 16 befestigt.

Aufgrund abschußbedingter Beschleunigung des Zünders 3 erfolgt nicht nur eine Teilentsicherung des Sprengkapsel- Rotors 14 (z. B. mittels eines ersten Sicherungselements 11 entsprechend Fig. 2/Fig. 3; bei Fig. 8/Fig. 9 nicht näher dargestellt), sondern gleichzeitig auch eine Rücksetzung des Wärmekopplers 51 unter Zerbrechen des Scher-Elementes 50 (etwa ausgebildet als Scherbolzen oder als Scherring), so daß (Fig. 8) der Wärmekoppler 51 sich mit seiner Innenmantelfläche auf die Außenmantelfläche des Wärmeaufnehmers 59 aufsetzt und infolge dieser Axialverlagerung gegenüber der Zünderinnenwandung 53 die Luftdurchtrittsöffnungen 54 sowie einen kegelmantelförmigen Leitkanal 30 freigibt. Zugleich wird infolge der Abschußbeschleunigung die kegelstumpfförmige Strömungsbarriere 57 zurückversetzt, um ebenfalls an ihrer Außenmantelfläche einen kegelmantelförmigen Leitkanal 30 zur Lufteintrittsöffnung 56 freizugeben, bis sie mit ihrer Grundfläche 60 unter Zwischenlage einer thermischen Isolierschicht 61 gegen die Stirnfläche des Wärmekopplers 51 anliegt und diesen staudruckbeaufschlagt noch stärker gegen den konischen Wärmeaufnehmer 59 andrückt.

Während in der Sicherstellung gemäß Fig. 7 der kegelmantelförmige Luftraum um den Wärmeaufnehmer 59 herum eine thermische Isolierschicht darstellt, die verhindert, daß der Wärmeaufnehmer 59 sich infolge Umgebungserwärmung; etwa bei einem Depotbrand, aufheizt, stellt das funktionsvorbereitete zweite Sicherungselement 42 gem. Fig. 8 durch die Isolierschicht 61 zwischen Strömungsbarriere 57 und Wärmekoppler 51 sowie durch den kegelmantelförmigen Luftzwischenraum entlang der Zünderinnenwandung 53 sicher, daß bloße Umgebungserwärmung - etwa bei einem Depotbrand - noch nicht zu kritischer Aufheizung des Wärmeaufnehmers 59 und damit zum Ansprechen der Entriegelungseinrichtung 41 führt. Lediglich der Staudruck-Lufteintritt unter Freiflugbedingungen, also die Luftströmung entlang der Kegelaußenwandung 52, führt zum Erhitzen des Wärmekopplers 51 und damit zum Aufheizen des Wärmeaufnehmers 59 unter Abgabe dieser Erwärmung an die Entriegelungseinrichtung 41. Wenn nach einer gewissen Freiflugspanne die Formerinnerungs-Umwandlungstemperatur des Memory-Materials dieser stangenförmige Entriegelungseinrichtung 41 überschritten wird, werden die Umwandlungs-Kristallkräfte mit der Wirkung einer spürbaren axialen Verkürzung der Entriegelungseinrichtung 41 freigesetzt, was zum Herausheben der Anstichnadel 16 aus dem noch aus der Zündkette ausgeschwenkten Sprengkapsel-Rotor 14 führt; dieser wird nun fliehkraftbedingt oder unter Einfluß eines Schwenkhebels in die Zündlinie eingeschwenkt, womit der Zünder 3 scharfgestellt ist, wie oben beschrieben. Bei Aufschlag der Zünderspitze 55 auf ein Ziel werden die Strömungsbarriere 57, der Wärmekoppler 51, der Wärmeaufnehmer 59 und die Entriegelungseinrichtung 41 im Zünder 3 axial zurückgeschoben, so daß die an der Entriegelungseinrichtung 41 befestigte Anstichnadel 16 nun die in die Linie der Zündwirkungskette eingeschwenkte Sprengkapsel initiiert.

Wenn der in Fig. 7/Fig. 8 dargestellte Zünder 3 auch für Selbstzerleger-Munition Anwendung finden soll, die eine gewisse Zeitspanne nach dem Abschluß bei trefferlosem Fehlschuß durch Selbstzerlegung unschädlich werden muß, ist es zweckmäßig, mit dem Memory-Bauelement in Form der Entriegelungseinrichtung 41 ein weiteres Konstruktionselement mit Formerinnerungsvermögen thermisch in Serie zu schalten.

Gemäß einem bevorzugten Ausführungsbeispiel im Rahmen der vorliegenden Erfindung wird hierzu, wie in Fig. 9 detailliert dargestellt, eine mit der Entriegelungseinrichtung 41 mechanisch wie thermisch in Verbindung stehende Nadelhalterung 37&min; in Entriegelungsstellung des Zündkapsel-Trägers (beispielsweise des Rotors 14) mit einer vorzugsweise konischen Stützfläche 62 gegen einen weiteren Wärmeaufnehmer 63 angezogen, so daß eine Wärmeüberleitung von dem unter Freifluggegebenheit von der Luftströmung aufgeheizten Wärmekoppler 51 über den Wärmeaufnehmer 59, die Entriegelungseinrichtung 41, die Nadelhalterung 37&min; und deren konische Stützfläche 62 auf einen weiteren Wärmeaufnehmer 63 stattfindet, der mit einem ebenfalls aus Memory-Material bestehenden Entriegelungsglied 64 thermisch gekoppelt ist. Beim dargestellten bevorzugten Realisierungsbeispiel handelt es sich hier um ein U-förmiges oder O-förmiges Bauelement ähnlich der in Fig. 2 . . . Fig. 4 dargestellten Entriegelungseinrichtung 41, das nun aber derart voreingestellt ist, daß die bei Überschreiten der Umwandlungstemperatur frei werdenden Kristallkräfte zu einer Aufweitung des lichten Innendurchmessers führen.

In verriegelter Stellung (siehe Fig. 7 und Fig. 8) bewirkt das Entriegelungsglied 64 aufgrund seines kleinen lichten Innendurchmessers eine Axialabstützung einer Halterungshülse 65 für eine parallel zur Anstichnadel 16 in die Sprengkapsel 8 eintreibbare Selbstzerleger-Initiiernadel 66 gegen die Kraft einer gespannten Vortriebsfeder 67, die im Inneren des Wärmeaufnehmers 63 zünderfest axial abgestützt ist.

Wenn das Selbstzerleger-Entriegelungsglied 64 über die Nadelhalterung 37 und den Wärmeaufnehmer 63 freiflugströmungsbedingt bis auf Überschreiten der Umwandlungstemperatur aufgeheizt ist, vergrößert es seinen lichten Durchmesser und gerät dadurch außer Eingriff mit einer Einkerbung oder (wie in Fig. 9 dargestellt) einer kragenförmigen Ausbuchtung an der Selbstzerleger-Halterungshülse 65, so daß die gespannte Vortriebsfeder 67 freigegeben wird und die Selbstzerleger-Initiiernadel 66 in die Sprengkapsel 8 eintreibt, um das mit dem Zünder 3 ausgestattete Geschoß durch Selbstzerlegung im Flug unschädlich zu machen.

Durch diese thermische Serienschaltung der beiden Entriegelungselemente 41, 65 ist gewährleistet, daß die Selbstzerlegereinrichtung nur dann und erst dann in Funktion treten kann, wenn abschußbeschleunigungsbedingt das zweite Sicherungselement 42 funktionsbereit gesetzt wurde und freiflugbedingt die Zündkette entsichert hat, andererseits aber nach einer konstruktiv vorgegebenen Flugzeit noch keine trefferbedingte Zünderauslösung erfolgte. Diese weitere Flugzeitspanne nach Durchmessen des Vorrohr-Sicherheitsbereiches, also nach Scharfstellung des Zünders 3, ist konstruktiv in weiten Grenzen über die Wärmekopplung vom zuerst aufgeheizten Memory-Element zum danach aufheizenden Memory-Element und durch die formgebungsbedingte Erwärmungscharakteristik des zweiten Memory-Elementes in Form des Entriegelungsgliedes 64 selbst vorgebbar.

Im Rahmen der Erfindung kann der erfindungsgemäße Einsatz eines Funktionsteiles aus Memory-Material zum Entriegeln des zweiten Sicherungselementes und/oder einer Selbstzerlegungs-Einrichtung, ggf. zugleich zum Scharfstellen des Zünders bzw. zum Initiieren der Selbstzerlegung, aber auch bei Geschossen erfolgen, deren Konstruktion und/oder geringe Freifluggeschwindigkeit eine Erwärmung des definierten Bereiches einer in der Geschoß-Spitze untergebrachten Sicherungseinrichtung nicht realisierbar macht, wie etwa im Falle panzerbrechender Hohlladungs-Munition mit Nachbrenner. Hier ist der Zünder hinter der Sprengstoff-Ladung im Geschoß angeordnet, so daß die thermische Beeinflussung zur Entriegelung des zweiten Sicherungselementes von der Brennkammer des dahinter, etwa in einem Leitwerk, angeordneten Nachbrenners aus während der Freiflugphase des Geschosses erfolgen kann.


Anspruch[de]
  1. 1. Sicherungseinrichtung (10) für einen Geschoß-Zünder (3) mit einem ersten Sicherungselement (11) für Teil-Entsicherung unter Einfluß von beim Abschuß auftretenden Beschleunigungskräften und mit einem zweiten Sicherungselement (42) für Scharfstellung der Zündkette von der Sprengkapsel (8) zur Übertragungsladung (9), wobei das zweite Sicherungselement (42) eine der Luftstaureibungswärme im Geschoß-Freiflug ausgesetzte Entriegelungseinrichtung (41) mit einem Konstruktionselement aufweist, das temperaturabhängig seine konstruktiv vorgegebene Verriegelungsform verliert, dadurch gekennzeichnet, daß dieses Verriegelungs-Konstruktionselement der Entriegelungseinrichtung (41) aus einem Material erstellt ist, welches bei Überschreiten einer materialspezifisch definierten Temperatur schlagartig eine konstruktiv vorgegebene, definierte Formänderung erfährt.
  2. 2. Sicherungseinrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Entriegelungseinrichtung (41) ein Konstruktionselement aus einem Material mit Formerinnerungsvermögen (sog. "Memory-Metall") aufweist, das infolge Überschreitens seiner Umwandlungstemperatur Formänderungs-Kristallgitterkräfte freisetzt.
  3. 3. Sicherungseinrichtung nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Entriegelungseinrichtung (41) als thermisch verformbares Konstruktionselement einen Radial-Schrumpfring (38) aufweist, der in Richtung der Zünder-Längsachse (31) von einer Entriegelungsfeder (35) gegen eine Stützschulter (40) abgestützt ist.
  4. 4. Sicherungseinrichtung nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Entriegelungseinrichtung (41) als thermisch verformbares Konstruktionselement einen Axial-Schrumpfstempel (44) aufweist, der im Zünder-Vorderteil (27) von einer Entriegelungsfeder (35) axial abgestützt ist.
  5. 5. Sicherungseinrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Entriegelungseinrichtung (41) als thermisch verformbares Konstruktionselement einen im Zünder-Vorderteil (27) aufgehängten Zuganker (70) aufweist.
  6. 6. Sicherungseinrichtung nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das thermisch umformbare Konstruktionselement im Bereiche von im Zünder-Vorderteil (27) ausgebildeten Staudruckluftströmungs-Leitkanälen (30) angeordnet ist, die in Sicherstellung des Zünders (3) geschlossen und abschußbeschleunigungsbedingt vom ersten Sicherungselement (11) freigebbar sind.
  7. 7. Sicherungseinrichtung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Leitkanäle (30) in der Bodenfläche (26) eines am Zünder (3) axial vorschiebbaren Vorderteils (27) münden.
  8. 8. Sicherungseinrichtung nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß im Zünder-Vorderteil (27) wenigstens ein abschußbeschleunigungsbedingt Staudruckluftströmungs- Leitkanäle (30) freigebender Verschluß (Wärmekoppler 51; Strömungsbarriere 57) vorgesehen ist.
  9. 9. Sicherungseinrichtung nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß im Zünder-Vorderteil (27) ein abschußbeschleunigungsbedingt die thermische Kopplung zwischen Staudruckluftströmungs-Leitkanälen (30) und der Entriegelungseinrichtung (41) sicherstellender Wärmekoppler (51) vorgesehen ist.
  10. 10. Sicherungseinrichtung nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß mit dem thermisch umformbaren Konstruktionselement der Entriegelungseinrichtung (41) des zweiten Sicherungselements (42) ein Selbstzerlegungs- Entriegelungsglied (64) thermisch koppelbar ist, das bei Überschreiten einer definiert vorgebbaren Kristallgitter-Umwandlungstemperatur eine vorgegebene Entriegelungs- Formänderung erfährt.






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