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Dokumentenidentifikation DE3721863C2 23.08.1990
Titel Verfahren und Vorrichtung zum Biegen einer Glasscheibe
Anmelder Vegla Vereinigte Glaswerke GmbH, 5100 Aachen, DE
Erfinder Vanaschen, Luc, Eupen, BE;
Kuster, Hans-Werner, Dr., 5100 Aachen, DE;
Radermacher, Herbert, Raeren, BE
DE-Anmeldedatum 02.07.1987
DE-Aktenzeichen 3721863
Offenlegungstag 12.01.1989
Veröffentlichungstag der Patenterteilung 23.08.1990
Veröffentlichungstag im Patentblatt 23.08.1990
IPC-Hauptklasse C03B 23/035

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Biegen einer in horizontaler Lage auf Biegetemperatur erhitzten Glasscheibe, bei dem die auf Transportrollen in die Biegestation transportierte Glasscheibe durch einen auf die Unterseite der Glasscheibe wirkenden Differenzdruck von den Transportrollen abgehoben und durch einen von unten gegen die Glasscheibe gerichteten heißen Gasstrom gegen die oberhalb der Transportebene angeordnete Biegeform gepreßt wird.

Ein Verfahren dieser Art ist aus der DE 35 23 675 A1 bekannt. Bei diesem bekannten Verfahren erfolgt das Abheben der Glasscheibe von den Transportrollen innerhalb der Biegestation durch den von unten gegen die Glasscheibe gerichteten heißen Gasstrom, durch den die Glasscheibe anschließend gegen die Biegeform gepreßt wird.

Bekannt ist ferner ein Biegeverfahren, bei dem eine als Vakuumbiegeform ausgestaltete Haltevorrichtung als ein auf der Unterseite offenes Gehäuse ausgebildet ist, dessen untere lichte Öffnung die Form der gebogenen Glasscheibe aufweist und die unter Beaufschlagung mit Vakuum mit einem Ende beginnend fortschreitend unter gleichzeitiger Biegung der Glasscheibe auf dieser aufgewälzt wird und dabei die Glasscheibe von einer Transportrollenbahn abnimmt (DE 33 00 388 C1).

Ebenfalls bekannt ist ein Verfahren, bei dem die auf Biegetemperatur erhitzte Glasscheibe von einer Haltevorrichtung gehalten wird, die aus einem auf der Unterseite offenen Unterdruckgehäuse besteht, dessen untere lichte Öffnung als ebener, der Scheibenfläche angepaßter Ring ausgebildet ist, und bei dem die Verformung der Glasscheibe durch Fallenlassen der Glasscheibe von dieser Haltevorrichtung auf einen Formring erfolgt (EP 00 05 306 B1).

Ferner gehört ein Vakuum-Biegeverfahren zum Stand der Technik, bei dem die Vakuum-Biegeform aus einem unter Unterdruck setzbaren Gehäuse besteht, bei dem die untere Öffnung die gleiche geometrische Form wie die Glasscheibe, jedoch mit größerer Abmessung, aufweist. Innerhalb des Gehäuses ist die Biegeform starr angeordnet. Das Anlegen der Glasscheibe an die Biegeform erfolgt dabei durch den auf den Umfang der Glasscheibe wirkenden Unterdruck (DE-OS 21 19 699).

Ausgehend von dem eingangs genannten Verfahren liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, die Einwirkungszeit des heißen Gasstroms zu verkürzen.

Gemäß der Erfindung wird diese Aufgabe dadurch gelöst, daß der Differenzdruck zum Abheben der Glasscheiben von den Transportrollen durch ein die Biegeform umgebendes unter Unterdruck setzbares Gehäuse mit einer unteren, der Form der Glasscheibe entsprechenden Öffnung und einer den Randbereich der Glasscheibe berührenden, die Öffnung begrenzenden ringförmigen ebenen Kontaktfläche erzeugt wird, daß durch Anheben des Gehäuses relativ zur Biegeform die Glasscheibe gegen die Biegeform angehoben wird, und daß im Augenblick der Berührung der Biegeform durch die Glasscheibe zum Biegen der Glasscheibe der heiße Gasstrom eingeschaltet wird.

Im Gegensatz zu dem bekannten Verfahren erfolgt bei dem erfindungsgemäßen Verfahren das Abheben der auf Biegetemperatur erhitzten Glasscheibe von der Transportbahn und das Anheben bis zur Biegeform nicht durch den dynamischen Druck des nach oben gerichteten heißen Gasstroms, sondern allein durch den statischen Differenzdruck, der infolge des in dem Gehäuse eingestellten Unterdrucks auf die untere Oberfläche der Glasscheibe wirkt. Erst wenn die heiße Glasscheibe mit Hilfe des Unterdruckgehäuses gegen die Biegeform angelegt worden ist, wird der Heißgasstrom eingeschaltet, der nunmehr ausschließlich zum Biegen der Glasscheibe dient. Auf diese Weise wird einerseits die Phase, in der der Heißluftstrom eingeschaltet wird, verkürzt und dadurch eine Verringerung der für den Heißluftstrom notwendigen Energie erreicht, während andererseits die Vorteile, die durch die Anwendung des Heißgasstromes zum eigentlichen Biegen der Glasscheibe erzielt werden, in vollem Umfang erhalten bleiben.

Das erfindungsgemäße Verfahren wird nachfolgend anhand der Zeichnung, die eine für die Durchführung des Verfahrens geeignete Biegevorrichtung in einer teilweise aufgebrochenen perspektivischen Darstellung zeigt, näher beschrieben.

Die Biegevorrichtung umfaßt einen aus aufeinanderfolgenden Transportrollen 20 bestehenden Horizontalförderer, mit dessen Hilfe die Glasscheiben 21 durch einen nicht dargestellten Ofen und von diesem Ofen in die Biegestation bis unterhalb einer vollflächigen Biegeform 22 transportiert werden. Die Biegeform 22 ist an einem Halterohr 23 befestigt, das seinerseits an einem Rahmen 24 befestigt ist. Der Rahmen 24 hängt an Ketten oder Seilen 25, die außerhalb des die Biegestation umgebenden Gehäuses von drehbar gelagerten Wellen 26 betätigt werden. Die Wellen 26 werden von dem Getriebemotor 28 betätigt, durch den auf diese Weise die Biegeform 22 angehoben und abgesenkt werden kann.

Die Biegeform 22 ist innerhalb eines senkrecht ausgerichteten Strömungskanals 30 angeordnet, durch den auf etwa 600°C erhitzte Luft mit einem bestimmten Druck und einem bestimmten Volumenstrom von unten nach oben strömt. Die seitliche Begrenzungswand 31 des Strömungskanals 30 im Bereich der eigentlichen Biegekammer weist eine Eintrittsöffnung 32 für die Glasscheiben 21 auf. Die Begrenzungswand 33 weist eine Öffnung 34 auf, durch die die gebogene Glasscheibe aus der Biegestation hinaustransportiert wird.

Zum Biegen der Glasscheiben dient der aufwärts gerichtete heiße Gasstrom, der die auf Biegetemperatur befindlichen Glasscheiben 21 an die nach unten gerichtete Formfläche der Biegeform 22 anpreßt.

Zum Transport der gebogenen Glasscheibe aus der Biegestation hinaus dient ein auf Rädern 38 laufender Wagen 39, auf dem ein Tragring 40 montiert ist, der in Form und Größe dem Umfang der gebogenen Glasscheibe entspricht. Der Wagen 39 fährt auf zwei Schienen 42, die sich bis in die Biegestation hinein erstrecken.

Die Biegeform 22 ist von einem Gehäuse 44 umgeben, das unabhängig von der Biegeform 22 aufwärts und abwärts bewegt werden kann. Zu diesem Zweck ist das Gehäuse 44 auf seiner oberen Seite mit einem Rahmen 45 versehen, der seinerseits an vier Ketten oder Seilen 46 befestigt ist. Die Ketten oder Seile 46 durchdringen die obere Abschlußwand des die Biegestation umgebenden Gehäuses und werden außerhalb der Biegekammer von drehbaren Wellen 48 betätigt. Die Wellen 48 werden über eine Kette 49 von dem Getriebemotor 50 betätigt, der auf diese Weise das Gehäuse 44 anhebt und absenkt.

Gegen das die Biegeform 22 tragende Halterohr 23 ist die obere Abschlußwand des Gehäuses 44 durch eine die Relativbewegung zwischen dem Gehäuse 44 und der Biegeform 22 erlaubende Dichtung 52 abgedichtet. Das Gehäuse 44 ist mit einem Sauggebläse 54 versehen und weist auf seiner Unterseite eine Öffnung auf, die der Form der Glasscheibe 21 entspricht und geringfügig kleiner ist als diese, so daß die Glasscheibe 21 entlang ihrem äußersten Randbereich von der die Öffnung begrenzenden Randfläche 55 des Gehäuses 44 ergriffen und festgehalten werden kann.

Die Arbeitsweise dieser Biegevorrichtung ist wie folgt:

Die auf Biegetemperatur erhitzte Glasscheibe 21 läuft durch die Öffnung 32 in die Biegestation ein und wird durch nicht dargestellte Mittel exakt positioniert. Während dieser Zeit befindet sich das Gehäuse 44 auf einer Höhe kurz oberhalb der Transportebene, so daß die ringförmige Randfläche 55 oberhalb der oberen Oberfläche der Glasscheibe 21 liegt. Die im Innern des Gehäuses befindliche Biegeform 22 nimmt ebenfalls eine Lage ein, bei der der unterste Bereich der Biegefläche einige Zentimeter oberhalb der Glasscheibe 21 liegt.

Sobald die Glasscheibe 21 genau positioniert ist, senkt sich das Gehäuse 44 bis kurz oberhalb der Glasscheibe 21 ab, wobei das Sauggebläse 54 eingeschaltet ist. Wenn die Randfläche 55 des Gehäuses 44 in die Nähe der Glasscheibe 21 kommt, wird diese durch die Unterdruckwirkung im dem Gehäuse 44 von diesem angesaugt und festgehalten. Das Gehäuse 44 und die Biegeform 22 fahren nun unter Beibehaltung ihrer gegenseitigen Position mitsamt der Glasscheibe 21 gleichzeitig nach oben, damit nun der Wagen 39 mit dem Tragring 40 unter die Biegeform 22 gefahren werden kann. Wenn die Biegeform 22 ihre obere Endstellung erreicht hat, setzt das Gehäuse 44 seinen Weg nach oben noch ein Stück fort. Gleichzeitig wird nun der heiße Gasstrom eingeschaltet. Während der weiteren Aufwärtsbewegung des Gehäuses 44 relativ zur Biegeform 22 wird die Glasscheibe 21 gegen die Biegefläche der Biegeform 22 angelegt und löst sich von der Randfläche 55 des Gehäuses 44. Das Gewicht der Glasscheibe 21 wird nun vollständig von dem heißen Gasstrom übernommen, der darüber hinaus für einen gleichmäßigen Anpreßdruck sorgt und die Glasscheibe 21 in die durch die Biegeform 22 vorgegebene Form biegt. Um den Biegevorgang zu unterstützen und den für die Biegung insbesondere der Randbereiche der Glasscheibe erforderlichen Differenzdruck zu erhöhen, kann während des Biegevorgangs das Sauggebläse 54 eingeschaltet bleiben. Gegebenenfalls kann während dieser Zeit die Saugwirkung des Gebläses 54 noch verstärkt werden.

Während dieses Biegevorgangs bzw. unmittelbar danach hat der Wagen 39 mit dem Tragring 40 seine Position unterhalb der Biegeform 22 eingenommen. Nun wird die Biegeform 22 bis kurz oberhalb des Tragrings 40 abgesenkt. Der heiße Gasstrom wird abgeschaltet bzw. gedrosselt, und die Glasscheibe 21 legt sich unter der Wirkung ihres Eigengewichts auf den Tragring 40 ab. Mit diesem wird sie nun in die nachfolgende Behandlungsstation gefahren, und die Einrichtung ist für den nächsten Biegezyklus bereit.


Anspruch[de]
  1. 1. Verfahren zum Biegen einer in horizontaler Lage auf Biegetemperatur erhitzten Glasscheibe, bei dem die auf Transportrollen in die Biegestation transportierte Glasscheibe durch einen auf die Unterseite der Glasscheibe wirkenden Differenzdruck von den Transportrollen abgehoben und durch einen von unten gegen die Glasscheibe gerichteten heißen Gasstrom gegen die oberhalb der Transportebene angeordnete Biegeform gepreßt wird, dadurch gekennzeichnet, daß der Differenzdruck zum Abheben der Glasscheiben von den Transportrollen durch ein die Biegeform umgebendes unter Unterdruck setzbares Gehäuse mit einer unteren, der Form der Glasscheibe entsprechenden Öffnung und einer den Randbereich der Glasscheibe berührenden, die Öffnung begrenzenden ringförmigen ebenen Kontaktfläche erzeugt wird, daß durch Anheben des Gehäuses relativ zur Biegeform die Glasscheibe gegen die Biegeform angehoben wird, und daß im Augenblick der Berührung der Biegeform durch die Glasscheibe zum Biegen der Glasscheibe der heiße Gasstrom eingeschaltet wird.
  2. 2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß während des Biegens durch den heißen Gasstrom zur Unterstützung des die Biegung bewirkenden Differenzdruckes insbesondere in den Randbereichen der Glasscheibe die Saugwirkung in dem Gehäuse aufrechterhalten wird.
  3. 3. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1 oder 2, mit einer aus horizontalen Transportrollen (20) bestehenden Transportbahn, einer oberhalb der Transportbahn angeordneten Biegeform (22) und einem die Biegestation umgebenden Strömungskanal (30) für einen vertikal nach oben gegen die Biegeform (22) gerichteten heißen Gasstrom, dadurch gekennzeichnet, daß die Biegeform (22) von einem unter Unterdruck setzbaren mit einer eine ebene Kontaktfläche aufweisenden unteren Saugöffnung versehenen Gehäuse (44) umgeben ist, wobei die Saugöffnung der Form der Glasscheibe entspricht und geringfügig kleiner ist als diese, und daß das Gehäuse (44) relativ zur Biegeform (22) in vertikaler Richtung verschiebbar gelagert ist.






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