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Dokumentenidentifikation DE3919036A1 13.12.1990
Titel Flüssige herbizide Mischformulierungen
Anmelder Hoechst AG, 6230 Frankfurt, DE
Erfinder Frisch, Gerhard, Dr., 6390 Wehrheim, DE
DE-Anmeldedatum 10.06.1989
DE-Aktenzeichen 3919036
Offenlegungstag 13.12.1990
Veröffentlichungstag im Patentblatt 13.12.1990
IPC-Hauptklasse A01N 47/34
IPC-Nebenklasse A01N 57/20   
IPC additional class // (A01N 47/34,57:20,39:02,43:40)A01N 25/30,B01F 17/50,17/52  
Zusammenfassung Herbizide Zubereitungen von Linuron und salzartig gelösten Wirkstoffen aus der Gruppe der Phenoxyessig- und Phenoxypropionsäuren, Glufosinate, Glyphosate, Dimethylphosphinoylhydroxyessigsäure, 3-Isopropyl-(1H)benzo-2,1,3-benzo-thiazin-4-on-2,2-dioxid und 1,1'-Dimethyl-4,4'-bipyridiniumchlorid haben keine oder nur geringe Neigung zu Kristallwachstum, wenn sie
a) 1-40 Gew.-% Linuron,
b) 1-55 Gew.-% mindestens eines der salzartig gelösten Wirkstoffe,
c) 0,5-20 Gew.-% eines Ligninsulfonats,
d) 0,1-10 Gew.-% eines Salzes einer polymerisierten Alkylnaphthalinsulfonsäure,
e) 0-25 Gew.-% üblicher Hilfsmittel aus der Gruppe enthaltend Netzmittel, Entschäumer, Verdicker, Konservierungsmittel, Frostschutzmittel und das Eintrocknen verhindernde Zusätze und
f) 20-80 Gew.-% Wasser enthalten.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft flüssige herbizide Mischformulierungen mit Linuron. Flüssige herbizide Mischformulierungen sind solche, bei denen mindestens 2 Wirkstoffe in der anwendungsfertigen Formulierung vorliegen. Mischformulierungen sind häufig vorteilhaft gegenüber Einzelformulierungen, weil beispielsweise durch Wirkstoffkombinationen eine Wirkungsverbesserung erreicht oder das phytotoxische Verhalten der Herbizide deutlich verbessert werden kann. Weiterhin können die anwendungstechnischen Eigenschaften verbessert und Verpackungen minimiert werden.

Bekannt sind solche Mischformulierungen schon beispielsweise von Isoproturon und CMPP Salzlösungen (EP-A 01 30 370) oder von Glufosinate, Simazin und Diuron (EP-A 2 97 305). In diesen Beispielen liegen die Wirkstoffe Isoproturon bzw. Diuron + Simazin in feinverteilter, fester Form, CMPP bzw. Glufosinate in Salzform in wäßriger Lösung vor. Diese in fester Form dispergierten Wirkstoffe haben Wasserlöslichkeiten von höchstens 55 mg/l Wasser bei 20°C, so daß die Gefahr des Kristallwachstums bei üblichen Lagertemperaturen von -10° bis +50°C vergleichsweise minimal ist. Kristallwachstum in den Formulierungen ist zu vermeiden, weil dies meist zur Instabilität der Dispersion führt. Außerdem ändert sich mit der Kristallgröße die biologische Verfügbarkeit der Wirkstoffe und damit die herbizide Wirkung bei der Anwendung der Formulierung. Bekannt ist weiterhin, daß man Wirkstoffen, die aufgrund ihrer höheren Löslichkeiten zum Beispiel in Wasser oder Ölen zu Kristallwachstum neigen, Farbstoffe zusetzt (EP-17 879 (US-44 41 919), DE-A-23 01 922 (US-39 87 187)), die die Kristallisation hemmen können.

Es wurde nun gefunden, daß überraschenderweise bei Mischformulierungen von speziellen salzartigen Wirkstoffen mit dem fest dispergierten Herbizid 3-(3,4-Dichlorphenyl)-1- methoxy-1-methyharnstoff (Linuron), das eine Wasserlöslichkeit von etwa 81 mg/l Wasser bei 24°C hat, Kristallwachstum verhindert bzw. weitgehend unterdrückt werden kann, wenn man sich einer speziellen Tensidkombination bedient.

Gegenstand der Erfindung sind flüssige herbizide Zubereitungen (Mischformulierungen) mit einem Gehalt von

  • a) 1-40 Gew.-%, vorzugsweise 8 bis 35 Gew.-%, Linuron,
  • b) 1-55 Gew.-%, vorzugsweise 8-38 Gew.-%, mindestens eines salzartig gelösten Wirkstoffs aus der Gruppe enthaltend Salze von Phenoxyessig- und Phenoxypropionsäuren, Glufosinate, Glyphosate, Dimethylphosphinoylhydroxyessigsäure und 1,1&min;-Dimethyl- 4,4&min;-bipyridiniumchlorid,
  • c) 0,5-20 Gew.-%, vorzugsweise 0,5-6 Gew.-%, eines Ligninsulfonats,
  • d) 0,1-10 Gew.-%, vorzugsweise 0,1-5 Gew.-%, eines Salzes einer polymerisierten Alkylnaphthalinsulfonsäure,
  • e) 0-25 Gew.-%, vorzugsweise 0 bis 15 Gew.-%, üblicher Hilfsmittel aus der Gruppe enthaltend Netzmittel, Entschäumer, Verdicker, Konservierungsmittel, Frostschutzmittel und das Eintrocknen verhindernde Zusätze und
  • f) 20-80 Gew.-%, vorzugsweise 30-65 Gew.-%, Wasser.


Linuron (Bestandteil a) ist in der Mischformulierung hauptsächlich als fester dispergierter Wirkstoff und nur zu einem geringen Teil in gelöster Form enthalten.

Die salzartig gelösten Wirkstoffe sind bevorzugt herbizid wirksame Phenoxyessig- bzw. Phenoxypropionsäurederivate in Form der Alkali-, Erdalkali- und gegebenenfalls substituierten Ammoniumsalze, insbesondere der Natrium-, Kalium- und Ammoniumsalze, wobei letztere durch 1 bis 3 Substituenten aus der Gruppe C1-C4-Alkyl, Hydroxyethyl, Hydroxypropyl, Polyethoxyethyl oder Amino-(C1-C4)-Alkyl substituiert sein können; ebenso geeignet sind Salze von Glyphosate und Dimethylphosphinoylhydroxyessigsäure, insbesondere in den vorstehend analog genannten Salzformen, weiterhin 1,1&min;-Dimethyl-4,4&min;-bipyridiniumchlorid und insbesondere Glufosinate in den analog genannten möglichen Salzformen. Dabei können optisch aktive Verbindungen sowohl als racemisches Gemisch, als Gemisch mit überwiegendem Anteil eines Enantiomeren oder in enantiomeren-reiner Form eingesetzt werden.

Die spezifisch genannten Herbizid-Wirkstoffe und einige ihrer Salze sind bekannt und zum großen Teil in Ch. R. Worthing&min;s "The Pesticide Manual", A World Compendium, 8th Ed. (1987) by the British Crop Protection Council beschrieben, z.B.: Monolinuron auf Seite 583, Substanz Nr. 8670; Glufosinate, d.h. 2-Amino-4- (hydroxy(methyl)phosphinoyl)butansäure auf Seite 448, Subst.-Nr. 6930; Glyphosate, d.h. N-(Phosphonomethyl)-glycin auf Seite 449, subst.-Nr. 6950; 1,1&min;-Dimethyl-4,4&min;- bipyridiniumchlorid auf Seiten 630, 631, subst.-Nr. 9320. Weiterhin sind in diesem Handbuch eine Reihe von erfindungsgemäß einsetzbaren Phenoxyessig- und Phenoxypropionsäure-Herbiziden beschrieben. Dimethylphosphinoylhydroxyessigsäure und einige ihrer Salze sind in EP-A 01 06 114 oder US-A 45 94 098 beschrieben.

Die erfindungsgemäß in den herbiziden Mischformulierungen enthaltene Tensidkombination setzt sich vornehmlich aus den zwei Komponenten (c) und (d) zusammen, die essentiell sind, um das Kristallwachstum des Linurons in einer Fertigmischung mit einem oder mehreren der salzartig gelösten Wirkstoffe zu verhindern. Neben diesen beiden Tensidkomponenten können in dieser Fertigmischung noch übliche Hilfmittel, z.B. Netzmittel wie Natriumsalze von Alkylethersulfaten mit 1 - 3 EO (z.B. ®Genapol LRO, HOECHST) Entschäumer auf Siliconbasis (beispielsweise die ®Silcolapse Reihe von ICI) vorhanden sein. Ebenso können anorganische und/oder organische Verdicker, beispielsweise auf Aluminumsilikat-, Xanthan-, Methylcellulose-, Polysaccharid-, Erdalkalisilikat-, Gelantine- und Polyvinylalkohol-Basis, Verwendung finden; ebenso, wenn nötig, entsprechende Konservierungsmittel wie beispielsweise solche auf Formaldehyd-Benzoesäure- und Triphenylzinn-Basis. Wenn notwendig, können auch Frostschutzmittel zugesetzt werden wie Harnstoff und Polyole wie Glykol, Propylenglykol, Glycerin und Zucker.

Als wirksame Tensidkombinationen, die im vorliegenden Fall das Kristallwachstum bei Linuron wirksam unterdrücken, kommen bevorzugt solche in Frage, die als Bestandteil (c) Ligninsulfonate in ihren möglichen Salzformen, z.B. ®Vanisperse CB und/oder ®Ufoxane 3A der Firma Borregard, Sarpsborg, Norwegen, und als Bestandteil (d) ein Na-Salz einer polymerisierten Alkyl-Naphthalinsulfonsäure wie ®Darvan Nr. 1 (R.T. Vanderbuilt Comp. Norwalk, CT 06855, USA-Datenblatt 07.01.81) enthalten.

Die vorgenannten Tenside können besonders bevorzugt im Falle eines Ligninsulfonats (z.B. ®Vanisperse CB, ®Ufoxane 3A) mit 1-6 Gew.-% und im Falle eines Na-Salzes einer polymerisierten Alkyl-Naphthalinsulfonsäure wie ®Darvan Nr. 1) mit 0,5-4 Gew.-% eingesetzt werden.

Der Wirkstoff für die feste disperse Phase (Linuron) kann besonders bevorzugt in einer Menge von 10-20 Gew.-% und die salzartig gelösten Wirkstoffe (z.B. Glufosinate, Glyphosate) mit 10 bis 30 Gew.-% eingesetzt werden.

Herstellen lassen sich die erfindungsgemäßen herbiziden Mischformulierungen, indem man gemäß jeweiliger Rezeptur anteilig Wasser vorlegt und unter Rühren die Tenside (c) und (d) mit gegebenenfalls weiteren Hilfsstoffen (e) und dann die Wirkstoffe (a) und (b) hinzugibt. Die zunächst erhaltene Suspension wird (wenn notwendig auch nach vorausgegangener Vorzerkleinerung) mittels Reibkugelmühlen (z.B. Perlmühlen der Fa. Drais, Backofen, Netzsch) in bekannter Weise feinstvermahlen, wobei 90% der Festpartikel bevorzugt deutlich kleiner als 10 µm sein sollten.

In der nachfolgenden Tabelle I sind Beispiele für Mischformulierungen aufgeführt, die anwendungstechnisch einwandfrei und lagerstabil sind. In der Tabelle II sind Vergleichsbeispiele zu finden, die starkes Kristallwachstum zeigen und/oder instabil sind, d.h. im Lagerversuch bei 50°C weniger als 3 Monate stabil sind. Bei den Vergleichsversuchen wurden z.B. Farbstoffe eingesetzt, die in bekannten Fällen Kristallwachstum bremsen; in anderen Beispielen der Tabelle II wurde wenigstens eines der als essentiell bezeichneten Tenside (c) und (d) gegen ähnliche ausgetauscht, wobei sich zeigte, daß mit der erfindungsgemäßen Tensidkombination deutlich bessere Effekte, wie z.B. Lagerstabilität oder geringeres Kristallwachstum erreicht wird.

In den Tabellen sind die Mengen als Gewichtsprozente zu verstehen, soweit nichts anderes angegeben ist. Tabelle I

Tabelle II


Anspruch[de]
  1. 1. Herbizide Zubereitung mit einem Gehalt an
    1. a) 1-40 Gew.-% Linuron,
    2. b) 1-55 Gew.-% mindestens eines salzartig gelösten Wirkstoffs aus der Gruppe enthaltend Salze von Phenoxyessig- und Phenoxypropionsäuren, Glufosinate, Glyphosate, Dimethylphosphinoylhydroxyessigsäure und 1,1&min;-Dimethyl-4,4&min;-bipyridiniumchlorid,
    3. c) 0,5-20 Gew.-% eines Ligninsulfonats,
    4. d) 0,1-10 Gew.-% eines Salzes einer polymerisierten Alkylnaphthalinsulfonsäure,
    5. e) 0-25 Gew.-% üblicher Hilfsmittel aus der Gruppe enthaltend Netzmittel, Entschäumer, Verdicker, Konservierungsmittel, Frostschutzmittel und das Eintrocknen verhindernde Zusätze und
    6. f) 20-80 Gew.-% Wasser.
  2. 2. Zubereitung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß sie
    1. a) 8-35 Gew.-% Linuron,
    2. b) 8-38 Gew.-% mindestens eines salzartig gelösten Wirkstoffs aus der Gruppe enthaltend Salze von Phenoxyessig- und Phenoxypropionsäuren, Glufosinate, Glyphosate, Dimethylphosphinoylhydroxyessigsäure und 1,1&min;-Dimethyl-4,4&min;-bipyridiniumchlorid,
    3. c) 0,5-6 Gew.-% eines Ligninsulfonats,
    4. d) 0,1-5 Gew.-% eines Salzes einer polymerisierten Alkylnaphthalinsulfonsäure,
    5. e) 0-15 Gew.-% üblicher Hilfsmittel aus der Gruppe enthaltend Netzmittel, Entschäumer, Verdicker, Konservierungsmittel, Frostschutzmittel und das Eintrocknen verhindernde Zusätze und
    6. f) 30-65 Gew.-% Wasser
  3. enthält.
  4. 3. Zubereitung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß sie als Bestandteil (b) Glufosinate oder Glyphosate oder ein Gemisch davon in salzartig gelöster Form enthält.
  5. 4. Zubereitung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, das sie
    1. a) 10 bis 20 Gew.-% Linuron,
    2. b) 10 bis 30 Gew.-% Glufosinate, Glyphosate oder ein Gemisch davon in Form des jeweiligen Alkalimetall-, Erdalkalimetall-, Ammonium- oder mono- bis trisubstituierten Ammoniumsalzes,
    3. c) 1 bis 6 Gew.-% eines Natriumligninsulfonats,
    4. d) 0,5 bis 4 Gew.-% eines polymerisierten Alkyl- Naphthalinsulfonsäure-Na-Salzes
    5. e) 0 bis 15 Gew.-% üblicher Hilfsmittel und
    6. f) 30 bis 65 Gew.-% Wasser
  6. enthält.
  7. 5. Zubereitung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß 90% der Festpartikel kleiner als 10 µm sind.
  8. 6. Verfahren zur Herstellung der nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 5 definierten Zubereitung, dadurch gekennzeichnet, daß man die Bestandteile (c), (d), (e) und (f) unter Rühren vermischt, danach die Bestandteile (a) und (b) zufügt und anschließend mit üblichen Reibekugelmühlen fein vermahlt.
  9. 7. Verwendung der nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 5 definierten Zubereitung zum Bekämpfen von unerwünschtem Pflanzenwuchs.






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