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Dokumentenidentifikation DE3803368C2 28.10.1993
Titel Übungs-Geschoß-Seemine
Anmelder Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Bundesministerium der Verteidigung, dieses vertreten durch den Präsidenten des Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung, 56068 Koblenz, DE
Erfinder Brix, Christian, Dipl.-Ing., 5452 Weißenthurm, DE
DE-Anmeldedatum 05.02.1988
DE-Aktenzeichen 3803368
Offenlegungstag 17.08.1989
Veröffentlichungstag der Patenterteilung 28.10.1993
Veröffentlichungstag im Patentblatt 28.10.1993
IPC-Hauptklasse F42B 8/28

Beschreibung[de]

Eine Übungs-Seemine dient dazu die Besatzungen der Minenlegefahrzeuge mit der Handhabung derartiger Unterwasserwaffen vertraut zu machen. Hierzu gehört insbesondere das Anbordnehmen der Mine sowie deren Klarmachen und das Verbringen am Einsatzort. Obwohl es sich nur um eine Übungs- Seemine handelt muß diese jedoch, um eine effektive Ausbildung zu gewährleisten, sowohl der Gefechtsmine genau nachgebildet sein als auch deren einsatzgemäße Funktionen bis hin zum Verbringungsort vornehmen können.

Die Übungs-Seemine unterscheidet sich von der zugehörigen Gefechtsmine im wesentlichen dadurch, daß sie am Verbringungsort nicht durch überlaufende Wasserfahrzeuge aktiviert und dabei zerlegt wird sondern nach Durchführung des Verbringungsvorganges wieder geborgen wird und nach einer Überholung wiederverwendbar ist. Die Bergung wird dabei in der Regel durch ein entsprechend ausgerüstetes Marinefahrzeug vorgenommen, wobei die größte Schwierigkeit im genauen Auffinden des nunmehr auf dem Meeresboden liegenden Minenkörpers besteht. Zum Kenntlichmachen dieses Verbringungsorts ist eine Vorrichtung gemäß DE-PS 30 01 212 bekanntgeworden, bei welcher in einem Minengefäß eigens eine Lichtboje angeordnet ist, welche über eine Lichtleine mit dem Minengefäß verbunden ist und nach Auflösen eines Lösestückes durch einen dann freiwerdenden zweiarmigen und federnd gegeneinander gelagerten Hebelmechanismus zum Aufschwimmen freigegeben wird.

Eine derartige Vorrichtung zum Kenntlichmachen des Verbringungsortes einer Übungsseemine hat jedoch erhebliche Nachteile. So muß hier eigens eine Lichtboje im Minengefäß angeordnet werden, welche einzig und allein die Aufgabe des Aufzeigens des Verbringungsorts hat. Sie stellt also neben dem Minengefäß und ggf. einer weiteren Nutzlast ein weiteres kompliziertes Bauteil dar. Die Auslösemechanik ist darüber hinaus sehr aufwendig, zumal der eigentliche Schwenkvorgang durch gespannte elastische Haltegurte unterstützt werden muß und ein Trennen der Lichtboje vom Minengefäß erst nach Lösen dieser Haltegurte möglich ist. Der Einsatz des Haltegurtsystems in der dort beschriebenen Weise bringt des weiteren den Nachteil mit sich, daß im Falle des Absinkens der Übungs-Seemine nach dem Wurf diese an einem so ungünstigen Ort auf dem Meeresgrund zu liegen kommt, daß ein einwandfreies Funktionieren des Haltegurtsystems nicht mehr gegeben ist. So gesehen birgt dieses System die Gefahr, daß die Lichtboje sich vom Minengefäß nicht trennen und somit auch nicht aufschwimmen kann, was zur Folge hat, daß der Verbringungsort der Übungs-Seemine auf dem Meeresgrund nicht auffindbar und diese damit in der Regel verloren ist. Der Verlust ist dabei mit hohen Wiederbeschaffungskosten verbunden. Auch das Aufsprühen mit anderen Mitteln, wie beispielsweise Sonar oder ähnlichem, ist dabei kostenintensiv und nur von sehr geringem Erfolg. In keinem Fall aber ist eine Anwendung dieses Systems auf eine Geschoß-Seemine möglich.

Geschoß-Seeminen stellen dabei eine Neuentwicklung auf dem Gebiet der Seeminentechnik dar.

Eine Geschoß-Seemine besteht im wesentlichen aus einem Geschoß, unter dem sich eine Treibladung befindet und einer Aufrichtvorrichtung, die gewährleistet, daß die Geschoß-Seemine nach dem Verbringen auf dem Meeresgrund so positioniert wird, daß die Projektilspitze zur Wasseroberfläche hin zeigt. Bei Überlauf durch ein Schiff wird über Sensoren (Druck, Schall, Magnetik) die Treibladung aktiviert und das Geschoß auf eine so große Geschwindigkeit gebracht, daß es in der Lage ist, das überlaufende Schiff zu treffen, seinen Schiffskörper zu durchschlagen und so zu beschädigen, daß es gefechtsunfähig wird.

Da die Besatzungen der Minenlegefahrzeuge die Handhabung derartiger Seeminen wie Umschlag und Minenwurf anhand von Übungsminen ebenfalls lernen müssen, ist es notwendig auch hier eine Übungsversion zu schaffen.

Da es sich bei der Geschoß-Seemine um einen völlig neuen Minentyp handelt, sind Übungsminen hierfür noch nicht existent.

Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, für Geschoß- Seeminen eine Übungsversion zu schaffen, die nicht nur bis zum Absinken auf den Grund die Eigenschaften einer Gefechtsgeschoß-Seemine aufweist und nach dem Wurf wiederverwendbar ist, sondern darüber hinaus auch möglichst einfach aufgebaut ist, so daß sie entsprechend robust und nach dem Bergen wieder schnell für einen neuen Übungseinsatz herrichtbar ist.

Diese Aufgabe wird ausgehend vom Oberbegriff des Anspruchs 1 erfindungsgemäß durch die Ausbildung entsprechend den Merkmalen des Kennzeichens des Anspruchs 1 gelöst.

Die erfindungsgemäße Vorrichtung zeichnet sich durch ihre sehr einfache und robuste Konstruktion aus. Hierdurch bedingt ist auch eine schnelle Wiederherrichtung nach dem Bergen der Übungs-Seemine möglich.

Pyrotechnische oder elektrische Hilfsenergien sind grundsätzlich nicht erforderlich. Das Gerät weist durch die Zwangstrennung des mit einem Hohlraum versehenen "Geschosses" von dem Grundgewicht eine hohe Funktionszuverlässigkeit auf. Die Fertigungskosten sind verhältnismäßig niedrig. Da das Gerät nahezu wartungsfrei ist, sind auch diese sehr gering.

Ein weiterer Vorteil der erfindungsgemäßen Übungsversion der Geschoß-Seemine ist die Funktion des eigentlichen "Geschosses" als Auftriebskörper, also gewissermaßen als Lichtboje. Daher kann auf den Einbau einer gesonderten zum Wiederauffinden notwendigen Lichtboje verzichtet werden. Dieses hat noch den Vorteil der Kostenersparnis bei der Entwicklung und Beschaffung. Darüber hinaus führt es zu einer erhöhten Funktionszuverlässigkeit.

Durch die erfindungsgemäße Wirkverbindung Lösestück, Hebelmechanismus und "Geschoß" ist es möglich das "Geschoß" direkt nach Auflösen des Lösestücks vom Grundgewicht zu trennen, da die Auftriebskraft des "Geschosses" bedingt durch seine Geometrie und die der Enden der langen Hebelarme selber den Hebelmechanismus nach außen drückt und somit den Weg für das Aufsteigen des Geschosses freigibt. Eine Unterstützung des Abspreizvorgangs durch federelastische Hilfsmittel ist dabei an sich nicht notwendig. Ein derartiges Hilfsmittel kann somit wie in einer vorteilhaften Ausführung im Anspruch 2 beschrieben ausschließlich der Beschleunigung des Trennvorganges von "Geschoß" und Grundgewicht dienen.

Durch die US-PS 37 63 512 wird eine Vorrichtung zum Wiederauffinden von Unterwasserwaffen, hier Torpedos, beschrieben, die zu Übungszwecken abgeschossen wurden.

Die Vorrichtung ist dabei als eigenständiges Bauteil ausgebildet. Zur Markierung ist ein elektrischer Leuchtkörper nebst Energiequelle vorgesehen.

Nachteilig ist dabei, daß die Vorrichtung aus einer Vielzahl kompliziert aufgebauter Einzelteile besteht, worunter insbesondere die Elektrik fällt. Ferner stellt sie ein eigenes Bauteil dar, so daß für den Übungstorpedo eigens eine Aufnahmevorrichtung geschaffen werden muß. Dabei muß dafür Sorge getragen werden, daß die Aufnahmevorrichtung so angelegt ist, daß der Lampenteil problemlos heraustreten und an die Wasseroberfläche gelangen kann. In jedem Fall ist in der offenbarten Vorrichtung ein eigenes Bauteil zu sehen, welches nur durch erheblichen Aufwand wiederverwendet werden kann.

Die Erfindung ist in der Zeichnung in einem Ausführungsbeispiel näher erläutert. Es zeigen in schematischer Darstellung

Fig. 1 eine Übungs-Geschoß-Seemine in der linken Hälfte im Längsschnitt und in der rechten Hälfte in der Ansicht sowie

Fig. 2 einen Querschnitt im Bereich des Lösestücks in der linken Hälfte und in der rechten Hälfte eine Draufsicht der Übungs-Geschoß-Seemine.

Die Übungsversion der Geschoß-Seemine weist einen Auftriebsteil als "Geschoß" 1 auf, welches mit dem innenliegenden Hohlraum 2 versehen ist. Das "Geschoß" 1 besitzt an seinem bodenseitigen Ende einen äußeren Absatz 3 mit schräger Schulter 4. Bedingt durch den innenliegenden Hohlraum 2 und durch die bevorzugte Ausführung in einer Leichtmetall-Legierung fungiert das "Geschoß" 1 als Auftriebskörper.

Das Geschoßheck ist lösbar mit einem Grundgewicht 6 verbunden, welches als zylinderförmiger Topf ausgebildet ist, dessen Wandung 8 hier sechs gleichmäßig über den Umfang verteilt angeordnete axial bis zum Boden 11 verlaufende Längsschlitze 7 aufweist. Jedem Längsschlitz 7 ist ein L-förmiger Sperrhebel 9 zugeordnet. Der lange Arm des Sperrhebels 9 liegt am Längsschlitz 7 und ist so lang, daß eine am oberen freien Ende dieses Armes angebrachte Nase 10 die schräge Schulter 4 des Absatzes 3 übergreift und damit das "Geschoß" 1 in seiner Lage fixiert. Der kurze Arm des Sperrhebels 9 läuft radial auf dem Boden 11 des Grundgewichtes 6.

Das flache innere Ende dieses Arms ist an ein im Zentrum des Bodens 11 eingelassenes Lösestück 12 angelehnt, d. h. stützt sich an diesem ab und wird so in der dargestellten Position gehalten. Die Sperrhebel 9 verfügen über einen Drehpunkt 13, zum Beispiel in Form eines im Grundgewicht angeordneten Bolzens, welcher im Kreuzungspunkt des langen und kurzen Armes der Sperrhebel 9 liegt und deren Verschwenken oder Abkippen ermöglicht, so daß die Nase 10 der Sperrhebel 9 das "Geschoß" 1 freigibt.

Im Innenraum des Grundgewichtes 6 ist eine Plattform 14 zum Beispiel eingeschweißt, welche sich in der Nähe des Bodens 11 befindet, wobei der Abstand zwischen diesen so bemessen ist, daß nach der Aktivierung des Lösestücks 12 und die dadurch bedingte Freigabe des Sperrhebels 9 dessen kurzer Arm verschwenkbar ist. Die Plattform kann dabei durchgehend oder zum Beispiel auch ringförmig sein. Auch eine andersartige Form der Abstützung ist möglich. Zwischen der Plattform 14 und dem Boden 5 des "Geschosses" 1 ist zur Unterstützung des Trennvorgangs zwischen dem "Geschoß" 1 und dem Grundgewicht 6 ein vorgespanntes Federelement 15, vorzugsweise in Gestalt einer zylindrischen Schraubenfeder, angeordnet, deren Außendurchmesser etwa dem Innendurchmesser des Grundgewichts 6 entspricht. Das Federelement 15 stützt sich mit seinem hinteren Ende an der Plattform 14 und mit seinem vorderen Ende am Boden 5 des "Geschosses" 1 ab.

Auf der Plattform 14 ist weiterhin ein Lichtleinenmagazin 16 angeordnet, in welchem aufgewickelt, sich selbst stützend und von innen nach außen ablaufend, eine Lichtleine 17 liegt, welche die Verbindung des Grundgewichtes 6 mit dem "Geschoß" 1 herstellt.

Die Funktion der Übungs-Geschoß-Seemine ist wie folgt:

Die Übungs-Geschoß-Seemine sinkt nach dem Wurf auf den Meeresgrund ab. Dadurch kommt das Lösestück 12, welches durch ein mono- oder polykristallines Salzstück dargestellt wird, mit dem Seewasser in Berührung und löst sich auf. Nach dessen vollständigem Auflösen wird der kurze Arm der Sperrhebel 9 freigegeben. Der Auftrieb des "Geschosses" 1, unterstützt durch das Federelement 15, drückt nunmehr über die schräge Schulter 4den langen Arm der Sperrhebel 9 radial nach außen, und das "Geschoß" 1 steigt an die Wasseroberfläche. Dabei wird die Lichtleine 17 abgespult. Das "Geschoß" treibt dann an der Wasseroberfläche und kann wieder aufgenommen werden. Mittels der Lichtleine 17 ist auch das Grundgewicht 6 wieder aufnehmbar. Die Übungs-Geschoß-Seemine ist danach verhältnismäßig schnell wieder einsatzbereit.


Anspruch[de]
  1. 1. Übungs-Seemine bestehend aus einem Grundgewicht und einem in diesem einsteckbar und trennbar gehalterten Auftriebsteil, wobei beide Teile über eine im Grundgewicht aufgewickelte Lichtleine verbunden sind und die Trennung des Auftriebsteils vom Grundgewicht nach Auflösen eines einen Hebelmechanismus fixierenden kristallines Lösestücks erfolgt, dadurch gekennzeichnet, daß
    1. - das Auftriebsteil als "Geschoß" geformt ist und in ein topfartiges Grundgewicht (6) eingesteckt und gehalten ist,
    2. - das "Geschoß" (1) einen innenliegenden Hohlraum (2) aufweist,
    3. - die Wandung (9) des Grundgewichtes (6) mit drei oder mehr gleichmäßig über den Umfang verteilt angeordneten Längsschlitzen (7) versehen ist,
    4. - der Hebelmechanismus aus jeweils einzeln den Längsschlitzen (7) zugeordneten, nach außen um einen Drehpunkt (13) kippbaren Sperrhebeln (9) besteht,
    5. - deren langer Hebelarm in den Längsschlitzen (7) in Richtung der Wandung (8) verlaufend angeordnet ist, und
    6. - deren oberes Ende eine nach innen zeigende Nase (10) aufweist, mit dem sie eine am "Geschoß" (1) ausgebildete schräge Schulter (4) übergreifen,
    7. - deren kurzer radial nach innen zeigender Hebelarm mit seinem inneren Ende gegen das im Boden (11) des Grundgewichts (6) angeordnete Lösestück (12) angelehnt ist, und
    8. - nach Aktivierung des Lösestückes (12) das "Geschoß" (1) vom Grundgewicht (6) trennbar ist.
  2. 2. Übungs-Seemine, dadurch gekennzeichnet, daß im Grundgewicht (6) ein vorgespanntes Federelement (15) vorgesehen ist, dessen eines Ende am Boden (5) des Geschosses (1) anliegt und dessen anderes Ende sich auf einer im Abstand vom Boden (11) des Grundgewichtes (6) angeordneten Plattform (14) abstützt.
  3. 3. Geschoß-Seemine nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Federelement (15) eine Schraubenfeder ist.






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