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Dokumentenidentifikation DE4234547C1 10.02.1994
Titel Sitzbezug für Fahrzeugsitze
Anmelder Mercedes-Benz Aktiengesellschaft, 70327 Stuttgart, DE
Erfinder Pfahler, Karl, Dr., 7000 Stuttgart, DE;
Götz, Hans, Dipl.-Ing., 7030 Böblingen, DE
DE-Anmeldedatum 14.10.1992
DE-Aktenzeichen 4234547
Veröffentlichungstag der Patenterteilung 10.02.1994
Veröffentlichungstag im Patentblatt 10.02.1994
IPC-Hauptklasse H05F 3/02
IPC-Nebenklasse B60N 2/44   B68G 11/00   
Zusammenfassung Die Erfindung betrifft einen Sitzbezug für Fahrzeugsitze, der in einem durch Reibungskräfte beaufschlagten Sitzflächenbereich über elektrisch leitende Verbindungsmittel zur Fahrzeugmasse geerdet ist, wobei im Sitzflächenbereich mehrere flexible Leiterstränge angeordnet sind, die in Abständen voneinander nebeneinander her verlaufen, und wobei in den Sitzflächenbereich mehrere beabstandet voneinander verlaufende Nahtvertiefungen eingelassen sind.
Erfindungsgemäß ist jeder der Leiterstränge gegenüber der Reibfläche des Sitzbezuges zurückspringend in einer zugeordneten Nahtvertiefung verlegt, wodurch keine Beeinträchtigung des Sitzkomforts gegeben ist. Darüber hinaus ist die Anordnung auch bei nicht gewebten Sitzbezügen z. B. aus Leder möglich.

Beschreibung[de]

Die Erfindung bezieht sich auf einen Sitzbezug für Fahrzeugsitze der im Oberbegriff des Hauptanspruches angegebenen Art.

Ein derartiger Sitzbezug ist z. B. aus der DE 87 07 183 U1 bereits bekannt, wobei der Sitzbezug in einem durch Reibungskräfte besonders strapazierten Sitzflächenbereich des Sitzkissens geerdet ist. Zur Erdung dienen eine Vielzahl parallel zueinander verlaufender Metallfäden, die in eine zwischen zwei Nahtvertiefungen liegende Gewebebahn des Bezugsstoffes eingewoben sind und über eine Kontaktleiste sowie eine Kabelverbindung mit der Fahrzeugmasse verbunden sind. Da die Metallfäden somit direkt in die reibbeaufschlagte Fläche des Sitzbezuges integriert sind, kann eine elektrostatische Aufladung in diesem Flächenbereich zuverlässig verhindert werden.

Da Metallfäden härter sind und andere Dehnungseigenschaften aufweisen als Gewebefäden aus textilem Material, kann der Sitzkomfort durch die Metallfäden erheblich beeinträchtigt sein. Auch muß der Sitzbezug zumindest im geerdeten Sitzflächenbereich aus einem Gewebematerial bestehen, durch das die Anordnung der Metallfäden erst ermöglicht wird. Bei einem Sitzbezug aus Leder oder dgl. wäre eine Erdung zur Vermeidung einer elektrostatischen Aufladung demnach nicht möglich.

Ferner ist aus der US 17 44 004 ein gattungsgemäßer Sitzbezug bekannt, in dessen Bezugsstoff ein Netzwerk aus elektrisch leitenden Drähten integriert ist, die zur Erdung mit der Fahrzeugmasse verbunden sind. Beeinträchtigungen des Sitzkomforts werden sich jedoch aufgrund der vorgesehenen Integration des Leiternetzwerkes kaum vermeiden lassen.

Gleiches gilt für einen Sitzbezug, der aus einem Textilprodukt mit elektrisch leitfähiger Einlage gearbeitet wäre, wie es aus der DE 37 41 023 A1 vorbekannt ist.

Des weiteren ist aus der DE 35 90 238 C2 eine Einrichtung zum Ableiten statischer Elektrizität von einer Sitzvorrichtung bekannt. Hierbei sind Bezugsstoff von Sitzfläche und Rückenlehne eines Bürostuhls mit einem dünnen Kunststoffgitter hinterlegt, das elektrisch leitend ausgebildet und geerdet ist. Aufgrund der damit zurückspringenden Anordnung des Kunststoffgitters gegenüber der reibbeaufschlagten Oberseite des Bezugsstoffes muß die Ladungsabfuhr durch das Gewebe des Bezugsstoffes hindurch erfolgen. Die Ladungsabfuhr durch übliche Bezugsstoffe von Fahrzeugsitzen hindurch wird jedoch nur bei relativ hohem Ladungspotential möglich sein, so daß eine übermäßige Aufladung nicht problemlos verhindert werden kann. Auch ließe sich hierbei kein gut isolierender Sitzbezug aus Leder od. dgl. verwenden, wie dies bei Fahrzeugsitzen wünschenswert ist.

Aus der US 2 858 482 ist zudem eine Erdungsvorrichtung zur Abfuhr statischer Elektrizität von der Sitzfläche einer Fahrzeugsitzbank bekannt, bei der unter dem Sitzbezug zwei zueinander parallele Leiterdrähte verlegt sind. Dabei sind die Leiterdrähte auf Distanz zum Sitzbezug unter diesem gehalten und weisen umfangsseitig abstehende Leitborsten auf, welche die Ladungsabfuhr verbessern sollen. Die Leitborsten dürfen den Verdeckbezug jedoch nicht durchdringen können, so daß die Distanzierung sehr stabil ausgeführt werden muß. Damit werden die Distanzmittel unweigerlich zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Sitzkomforts auf der Sitzbank führen müssen.

Schließlich ist aus der US 3 378 726 ein Sitzbezug für Sitzkissen sowie Rückenlehne bekannt, in die jeweils Leitgitter aus Metalldraht eingewebt sind. Auch hierbei sind Nachteile bei den Dehnungseigenschaften des Gewebes zu erwarten, die sich negativ auf den Sitzkomfort auswirken werden.

Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, einen Sitzbezug für Fahrzeugsitze der gattungsgemäßen Art dahingehend weiterzuentwickeln, daß eine übermäßige Aufladung von durch Reibungskräfte beaufschlagten Sitzflächenbereichen zuverlässig verhindert werden kann, ohne daß hierdurch der Sitzkomfort beeinträchtigt wird oder der beaufschlagte Sitzflächenbereich aus Gewebematerial bestehen muß.

Die erfindungsgemäße Lösung dieser Aufgabe ergibt sich aus den Merkmalen des Hauptanspruches.

Durch die zurückspringende Anordnung der Leiterstränge gegenüber der Reibfläche des Sitzbezuges verlaufen diese vor direkter mechanischer Beanspruchung geschützt entlang der zugeordneten Nahtvertiefung, liegen aber trotzdem an der die Ladung führenden Oberseite der Reibfläche. Hierdurch kann gewährleistet werden, daß sich kein Spannungspotential aufbaut, das nach Ladungstrennung und Berührung eines geerdeten Fahrzeugteils durch die vorher sitzende Person zu einer spürbaren Entladung führen würde. Die Aufladung an der Bekleidung der Person wird somit zumindest auf ein nicht mehr wahrnehmbares Restpotential reduziert.

Aus den übrigen Ansprüchen gehen vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung hervor.

Leiterstreifen aus amorphem Metall zeichnen sich nicht nur durch gute Leiteigenschaften für Elektrizität sondern auch durch gute Korrosionsbeständigkeit und eine hohe Duktilität sowie Reißfestigkeit aus, wodurch sie extrem dünn ausgebildet sein können (10 bis 30 µm).

Solche Leiterstreifen lassen sich vorzugsweise durch An- bzw. Aufnähen am Sitzbezug befestigen, wobei auch ein Durchnähen möglich ist, bei welchem das Band von der Nähnadel durchstochen wird.

Damit zur Befestigung der Leiterstränge kein zusätzliches Nähmaterial und kein zusätzlicher Arbeitsgang erforderlich werden, können die Leiterstränge jeweils über die Verbindungsnaht der zugeordneten Nahtvertiefung mitvernäht sein.

In weiterer Vereinfachung wäre es denkbar, Leiterstränge mit fadenähnlichem Querschnitt vorzusehen und diese als Nähgarn zu verwenden oder die Leiterstränge jeweils mit zugeordneten Textilfäden zu einem Nähfaden zu verzwirnen.

Nachfolgend ist ein Ausführungsbeispiel der Erfindung anhand einer zeichnerischen Darstellung näher erläutert.

In dieser Darstellung zeigen:

Fig. 1 einen Fahrzeugsitz eines Kraftwagens in einer perspektivischen Schrägansicht von vorn, und

Fig. 2 einen Querschnitt durch zwei Nahtvertiefungen des Sitzbezuges am Sitz gemäß Fig. 1.

Ein Fahrzeugsitz ist in üblicher Weise im Innenraum eines nicht näher dargestellten Kraftwagens befestigt, wobei sein tragendes Gestell elektrisch leitend mit der Fahrzeugmasse verbunden ist. Der Fahrzeugsitz 1 umfaßt ein Sitzkissen 2, eine Sitzlehne 3 sowie eine Kopfstütze 4, deren gepolsterte Tragstruktur jeweils mit einem an ihre Form angepaßten Sitzbezugteil 2a, 3a bzw. 4a aus Naturleder bezogen ist.

Im Zuge der Benutzung des Fahrzeugsitzes 1 werden die Oberseite des Sitzkissens 2 und die Vorderseite der Rückenlehne 3 jeweils in einem zwischen seitlichen Randwülsten liegenden Flächenbereich in besonderem Maße auf Reibung beansprucht, da es zu Relativbewegungen zwischen der Kleidung der sitzenden Person und den die Person stützenden Sitzflächen kommt. Unter ungünstigen Bedingungen, insbesondere in Abhängigkeit vom Material der Reibpartner, kann dabei statische Elektrizität erzeugt werden. Erst im Moment der Trennung der Bekleidung vom Fahrzeugsitz 1, also beim Aussteigen, findet eine vollständige Ladungstrennung statt, wonach eine sogenannte elektrostatische Aufladung gegeben ist. Berührt die ausgestiegene Person im "aufgeladenen" Zustand ein leitendes Fahrzeugbauteil, so findet schlagartig eine Entladung statt, die zwar ungefährlich ist, aber als unangenehmer Stromstoß empfunden werden kann.

Um den Aufbau eines entsprechend hohen Spannungspotentials an den Reibflächen zu verhindern, ist eine Erdung des durch Reibungskräfte hauptsächlich beaufschlagten Sitzflächenbereichs von Sitzkissen 2 und Sitzlehne 3 vorgesehen, die nicht mit einer Beeinträchtigung des Sitzkomfort verbunden ist, da die sitzende Person nicht mit den Elektrizität abführenden Mitteln in Berührung kommt. Hierzu sind entlang von vier Nahtvertiefungen 5 des Sitzbezugteils 2a und entlang von vier Nahtvertiefungen 6 des Sitzbezugteils 3a flexible Leiterstränge gegenüber der Reibfläche zurückspringend angeordnet, die aus elektrisch leitenden Material bestehen und z. B. direkt über die Sitzfedern des metallischen Federkerns mit dem Sitzgestell und damit mit der Fahrzeugmasse verbunden sein können. Alternativ wäre es ebenfalls denkbar, die Leiterstränge über eine Kontaktleiste miteinander zu verbinden, wie es aus dem gattungsgemäßen Stand der Technik bekannt ist.

Dabei erstrecken sich die Nahtvertiefungen 5 bzw. 6 gleichmäßig über die Breite des Sitzflächenbereichs vom Sitzbezugteil 2a bzw. die Breite des Sitzflächenbereichs vom Sitzbezugteil 3a verteilt in Sitzkissen - bzw. Sitzlehnenlängsrichtung, wobei sie in gleichen Abständen zueinander parallel verlaufen.

Wie im Zusammenhang mit Fig. 2 zu erkennen ist, können als Leiterstränge schmale Leiterstreifen 7 aus amorphem Metall verlegt werden, die durch Annähen zuverlässig befestigbar sind. Die Herstellung solcher schmaler Bänder aus amorphen Metallen ist z. B. aus der DE 41 11 090 A1 bereits bekannt. Prinzipiell wäre es denkbar, den Leiterstreifen 7 durch eine zusätzliche Naht anzubringen. Bei aus mehreren Bahnen zusammengenähtem Sitzflächenbereich kann der Leiterstreifen 7, wie an der linken Nahtvertiefung 5 in Fig. 2 gezeigt ist, jedoch in die als Kappnaht ausgebildete Verbindungsnaht 8 einbezogen sein, wobei er so quer durchgenäht ist, daß er nur mit einem geringen Teil seiner Querschnittsbreite in die Nahtvertiefung 5 hereinragt. Über die Verbindungsnaht 8 ist der Stoff des Sitzbezugteils 2a zudem mit einer Unterlage 9 verbunden. Zwischen Unterlage 9 und Sitzbezugteil 2a ergeben sich somit längliche Taschen, die mit Polstermaterial 10 ausgefüllt sind. Da somit eine Polsterauflage gebildet wird, drückt sich diese auch unter der Gewichtskraft einer Person nicht so stark zusammen, daß der Leiterstreifen 7 zur Reibfläche des Sitzflächenbereiches durchdringt.

Alternativ kann ein Leiterstreifen 11, wie an der rechten Nahtvertiefung 5 in Fig. 2 gezeigt ist, extrem schmal ausgebildet sein und selbst den Nähfaden der Verbindungsnaht 12 bilden, die Unterlage 9 und Sitzbezugteil 2a entlang der Nahtvertiefung 5 miteinander verbindet. Auch könnte der Leiterstreifen 11 einen Teilquerschnitt des relativ dicken Nähzwirns zum Nähen von Leder bilden. Prinzipiell wäre es darüber hinaus auch denkbar, an Kappnähten der Sitzbezugteile 2a bzw. 3a Leiterstreifen 7 und an einfachen Verbindungsnähten wie 12 Nähfäden aus Leiterstreifen 11 einzusetzen.


Anspruch[de]
  1. 1. Sitzbezug für Fahrzeugsitze, der in einem durch Reibungskräfte beaufschlagten Sitzflächenbereich über elektrisch leitende Verbindungsmittel zur Fahrzeugmasse geerdet ist, wobei im Sitzflächenbereich mehrere flexible Leiterstränge angeordnet sind, die in Abständen voneinander nebeneinander her verlaufen, und wobei in den Sitzflächenbereich mehrere beabstandet voneinander verlaufende Nahtvertiefungen eingelassen sind, dadurch gekennzeichnet, daß jeder der Leiterstränge Leiterstreifen (7, 11) gegenüber der Reibfläche des Sitzbezuges (2a, 3a) zurückspringend in einer zugeordneten Nahtvertiefung (5, 6) verlegt ist.
  2. 2. Sitzbezug nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als Leiterstränge dünne Leiterstreifen (7, 11) aus amorphem Metall vorgesehen sind.
  3. 3. Sitzbezug nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Leiterstränge Leiterstreifen (7, 11) durch Annähen am Sitzbezug (2a, 3a) befestigbar sind.
  4. 4. Sitzbezug nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Leiterstränge Leiterstreifen (7, 11) jeweils über die Verbindungsnaht (8, 12) der zugeordneten Nahtvertiefung (5) des Sitzbezuges (2a, 3a) mitfestlegbar sind.
  5. 5. Sitzbezug nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Leiterstränge Leiterstreifen (11) einen fadenähnlichen Querschnitt aufweisen und zumindest einen Teilquerschnitt des sie haltenden Nähfadens (11) bilden.






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