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Dokumentenidentifikation DE69011988T2 12.01.1995
EP-Veröffentlichungsnummer 0405291
Titel Lagerstabile Azadirachtin-Formulierung.
Anmelder W.R. Grace & Co.-Conn., New York, N.Y., US
Erfinder Carter, Charles G., Silver Spring, MD 20901, US;
Luthra, Narendar Pal, Columbia, MD 21046, US;
Hull, Clifford Joseph, Jr., Laurel, MD 20707, US;
Walter, James Frederic, Ashton, MD 20861, US
Vertreter Stolberg-Wernigerode, Graf zu, U., Dipl.-Chem. Dr.rer.nat.; Suchantke, J., Dipl.-Ing.; Huber, A., Dipl.-Ing.; von Kameke, A., Dipl.-Chem. Dr.rer.nat.; Voelker, I., Dipl.-Biol.; Franck, P., Dipl.-Chem.ETH Dr.sc.techn., Pat.-Anwälte, 22607 Hamburg
DE-Aktenzeichen 69011988
Vertragsstaaten CH, DE, DK, ES, FR, GB, IT, LI, NL, SE
Sprache des Dokument En
EP-Anmeldetag 19.06.1990
EP-Aktenzeichen 901115113
EP-Offenlegungsdatum 02.01.1991
EP date of grant 31.08.1994
Veröffentlichungstag im Patentblatt 12.01.1995
IPC-Hauptklasse A01N 25/22
IPC-Nebenklasse A01N 65/00   A01N 43/90   

Beschreibung[de]
Hintergrund der Erfindung Gebiet der Erfindung

Die vorliegende Erfindung betrifft Pestizid-Zusammensetzungen und insbesondere lagerstabile Pestizid-Formulierungen, die Azadirachtin als Wirkstoff enthalten.

Beschreibung des Standes der Technik

Die biologischen Aktivitäten der Neembaumsamen sind seit längerer Zeit bekannt. Von besonderer Bedeutung sind die stark ausgeprägten Pestizideigenschaften von Azadirachtin, dem hauptsächlichen Wirkstoff des Neemsamens. Azadirachtin ist ein Tetranortriterpenoid, das in vielen Insekten, Milben, Nematoden etc. zu einer Fraßhemmung und zu Wachstumsstörungen führt.

Es existieren vielfältige, im Stand der Technik bekannte Verfahren zur Extraktion von Azadirachtin aus Neemsamen einschließlich der Verwendung von Lösungsmitteln wie Methanol, Ethanol, Wasser, Methylenchlorid, Chloroform, Hexan, Methylethylketon, Butanol, Petroleumbenzol, Ether, Aceton, Methyl-tert.-butylether, Diethylcarbonat etc. Im allgemeinen ist festgestellt worden, daß die Effizienz der Extraktausbeute gesteigert werden kann durch Erhöhung der Lösungsmittelpolarität, d.h. von Hexan zu Ethanol, Ethanol zu Methanol, Methanol zu Wasser, etc. Obgleich verschiedene Studien zur Untersuchung der relativen Effizienzen der Lösungsmittelextraktion durchgeführt worden sind, ist der Lagerstabilität von Azadirachtin in Lösung nur wenig Beachtung geschenkt worden.

Die bedeutendste Beschränkung für den erfolgreichen Einsatz von Azadirachtin als Pestizid und lnsektenabwehrmittel liegt in der Instabilität des Azadirachtins in Lösung. Eine Studie hat ergeben, daß Hitze und Sonnenlicht (UV-Strahlung) einen schnellen Abbau von Azadirachtin verursachen. J. Environ. Sci. Health, A17(1), 57-65 (1982) von J. B. Stokes und R. E. Redfern. Der durch Sonnenlicht verursachte Abbau von Azadirachtin kann in wirksamer Weise reduziert werden durch Zugabe von UV-absorbierenden Zusätzen wie p-Aminobenzoesäure (PABA), Neemöl, Engelwurzelöl, Rizinusöl oder Kalmusöl.

Andere Faktoren, die dafür bekannt sind, daß sie die Lagerstabilität von Azadirachtin beeinflussen, betreffen die Konzentration von Azadirachtin in Lösung und den pH-Wert der Lösung. Das US- Patent Nr. 4 556 562 (Larson) offenbart die Verbesserung der Lagereigenschaften von Azadirachtin in wäßrigen Ethanolemulsionen durch Einstellung der Konzentration von Azadirachtin im Bereich von 2000 bis 4000 ppm und Einstellung des pH-Wertes im Bereich von 3,5 bis 6,0.

Es wurde nunmehr herausgefunden, daß die Stabilität von Azadirachtin in Lösung durch Anwesenheit von protischen Lösungsmitteln wie insbesondere Wasser, Säuren und Basen vermindert wird.

Zusammenfassung der Erfindung

Ein Ziel der vorliegenden Erfindung liegt in der Bereitstellung einer nicht-toxischen, natürlichen Pestizid-Formulierung auf der Grundlage eines Extrakts aus Neemsamen mit verbesserter Lagerstabilität.

Ein weiteres Ziel der vorliegenden Erfindung liegt in der Bereitstellung eines Verfahrens zur Herstellung lagerstabiler Azadirachtin-Formulierungen, bei dem die Formulierung gekennzeichnet ist durch ihr nicht-abbauendes Lösungsmittelsystem.

Ein weiteres Ziel der vorliegenden Erfindung liegt in der Bereitstellung einer lagerstabilen Neemsamenextraktformulierung mit Azadirachtin als Pestizid-Wirkstoff, bei der die Formulierung gekennzeichnet ist durch Einschluß von Lösungsmitteln, die Azadirachtin nicht abbauen.

Erfindungsgemäß sind bestimmte neue Pestizid-Formulierungen, die Azadirachtin als Wirkstoff enthalten, bereitgestellt worden, wobei die Formulierungen gekennzeichnet sind durch den besonderen nicht-abbauenden Charakter des Lösungsmittelsystems in Bezug auf Azadirachtin. Der hier verwendete Begriff "nicht-abbauend" bezieht sich auf aprotische Lösungsmittel, die den Abbau von Azadirachtin in Lösung nicht hervorrufen. Die erfindungsgemäßen aprotischen Lösungsmittel sind gekennzeichnet durch die Abwesenheit jeglicher saurer oder basischer Funktionalitäten. Die erfindungsgemäßen Azadirachtin-Formulierungen weisen aufgrund ihrer nicht-abbauenden Lösungsmittelsysteme eine gegenüber den auf Ethanol-Wasser basierenden Formulierungen des Standes der Technik verbesserte Lagerstabilität auf.

Detaillierte Beschreibung

Die vorliegende Erfindung betrifft lagerstabile Azadirachtin- Zusammensetzungen, die unter Verwendung nicht-abbauender Lösungsmittelsysteme formuliert worden sind. Der hier verwendete Begriff "lagerstabil" bezieht sich auf Formulierungen, die nach einem Jahr bei Raumtemperatur (25ºC) mindestens 80% ihres Wirkstoffgehalts beibehalten. Es ist nunmehr gefunden worden, daß die Stabilität von Azadirachtin im wesentlichen durch die Gegenwart protischer Lösungsmittel, wie insbesondere solche Lösungsmittel herabgesenkt wird, die saure oder basische funktionelle Gruppen aufweisen, wie insbesondere Wasser, Säuren und Basen.

Zur Verwendung für die erfindungsgemäßen Azadirachtin-Formulie rungen sind grundsätzlich zwei nicht-abbauende Lösungsmittel akzeptabel, nämlich Alkohole und "aprotische" Lösungsmittel. Erfindungsgemäß werden Azadirachtin-Formulierungen mit verbesserter Stabilität erhalten, wenn das Lösungsmittelsystem der Formulierung entweder zu mehr als 50 Vol.-% aus alkoholischen Lösungsmitteln, die weniger als 5% Wasser enthalten, oder zu mehr als 50 Vol.-% aus aprotischen Lösungsmitteln besteht, die weniger als 15% Wasser enthalten.

Aprotische Lösungsmittel sind definiert als polare Lösungsmittel mit moderat hohen Dielektrizitätskonstanten, die keinen sauren Wasserstoff enthalten, Morrison und Boyd, Organic Chemistry 3rd. Edition, 31 (1974). Die vielfältigen Faktoren, die festlegen, ob ein gegebenes Lösungsmittel protisch oder aprotisch ist, werden lediglich qualitativ verstanden. Die protonenabgebende oder protonenaufnehmende Interaktion ist gewöhnlich am größten, wenn das an dem Proton haftende Atom Stickstoff oder Sauerstoff ist. Dieses Verhalten ist auf die Wasserstoffbindung zurückgeführt worden. Im allgemeinen steigt die Stärke der Wasserstoffbindung mit steigender Acidität der protonenabgebenden Gruppe und mit steigender Basizität der protonenaufnehmenden Gruppe. Zur erfindungsgemäßen Verwendung geeignete aprotische Lösungsmittel sind solche Lösungsmittel, die keine sauren oder basischen funktionellen Gruppen enthalten und nicht in Säuren oder Basen zerfallen, einschließlich - aber nicht beschränkt auf - Ketone, Nitrile, substituierte Aromaten wie Alkyl- oder halogenierte Aromaten, Amide, Sulfoxide, Alkylcarbonate, chlorierte Aliphaten, aromatische Aldehyde, Sulfone, Ether, Ester, und dergleichen oder Mischungen derselben. Die für die erfindungsgemäße Verwendung bevorzugten aprotischen Lösungsmittel schließen Aceton, 2- Butanon, 3-Methyl-2-butanon, Cyclohexanon, Acetonitril, Xylole, Chlorbenzol, Methylenchlorid, Chloroform, Trichlorethan, Ethylenchloridbenzaldehyd, Sulfolan, Methyl-tert.-butylether, Dibutylether, Ethylacetat, Propylacetat, Amylacetat, Dimethylsulfoxid (DMSO), Dimethylformamid (DMF), Dimethylacetamid, Diethylcarbonat, Propylencarbonat, Ethylencarbonat, und Mischungen derselben ein, sind aber nicht darauf beschränkt. Vielfältige andere Lösungsmittel mit den obigen aprotischen Eigenschaften sind dem Durchschnittsfachmann bekannt, und die Auswahl eines bestimmten Lösungsmittels als solche ist nicht entscheidend für die Erfindung unter der Voraussetzung, daß Azadirachtin darin eine hohe Löslichkeit besitzt, und daß das Lösungsmittel zu keinem Abbau des Azadirachtins durch Interaktionen der Protonenabgabe oder Protonenaufnehme führt.

Für die erfindungsgemäße Verwendung geeignete alkoholische Lösungsmittel schließen Methanol, Ethanol, Propanol, Isopropanol, Butanol, 2-Butanol, tert.-Butanol, Benzylalkohol und dergleichen sowie Mischungen derselben ein, sind aber nicht darauf beschränkt.

Für die erfindungsgemäßen Lösungsmittelsysteme nicht akzeptable Lösungsmittel sind diejenigen protischen Lösungsmittel, die durch Anwesenheit saurer oder basischer funktioneller Gruppen charakterisiert sind, die Protonen-Transfer-Reaktionen durchlaufen können, aus denen geladene Gruppen wie RCOO&supmin; oder RNH&sub3;&spplus; resultieren. Derartige Lösungsmittel, von denen man weiß, daß sie Azadirachtin abbauen, schließen Basen wie Amine oder Hydroxide und Säuren wie Mineralsäuren oder Carbonsäuren ein. Die endgültigen erfindungsgemäßen Azadirachtin-Formulierungen können jedoch geringere Mengen dieser Lösungsmittel enthalten, wie typischerweise weniger als 1 Vol.-% zur Kontrolle des pH-Wertes und dergleichen.

Die erfindungsgemäßen lagerstabilen Azadirachtin-Formulierungen können nach einem von zwei allgemeinen Vorgehensweisen hergestellt werden.

Nach einer ersten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung wird Azadirachtin und Neemöl zusammen aus getrockneten Neemsamen extrahiert, die auf eine Maschenzahl von etwa 5 grob vermahlen worden sind. Die gemahlenen Neemsamen werden extrahiert durch Verwendung eines polaren Lösungsmittels mit einer Löslichkeit für Azadirachtin. Gewünschtenfalls kann die Extraktion mit dem polaren Lösungsmittel wiederholt werden, um die Effizienz der Extraktion zu optimieren.

Da getrocknete Neemsamen zwischen 6 und 15% Wasser enthalten, führt diese Extraktion mit polarem Lösungsmittel zusätzlich zur Extraktion von Azadirachtin auch zur Extraktion einer signifikanten Menge Wasser. Die Neemsamen-Extrakte enthalten typischerweise etwa 20 Vol.-% Wasser. Da Wasser ein protisches Lösungsmittel ist, das Azadirachtin abbaut, führt dessen Anwesenheit in Neemsamenextrakten oberhalb der zuvor definierten vertretbaren Werte zu einer Verminderung der Lagerstabilität der Azadirachtin-Formulierungen. Man hat festgestellt, daß die zulässige Obergrenze des Wassergehalts in einem Neemsamen-Extrakt von dem aprotischen/protischen Charakter des bestimmten Lösungsmittelsystems des Extrakts abhängt. Insbesondere, wenn das Lösungsmittelsystem zu mehr als 50 Vol.-% aus aprotischen Lösungsmitteln wie Ketonen oder Estern besteht, muß die Konzentration an Wasser weniger als 15 Vol.-% der gesamten Lösung betragen. Alternativ muß die Konzentration an Wasser, wenn das Lösungsmittelsystem mehr als 50% alkoholische Lösungsmittel (die protischer sind) umfaßt, weniger als 5%, vorzugsweise weniger als 2% und am meisten bevorzugt weniger als 1 Vol.-% der gesamten Lösung betragen.

Es existieren vielfältige Verfahren zur Reduzierung der Wasserkonzentration in den endgültigen Lösungen auf Werte innerhalb der oben definierten akzeptablen Grenzen, einschließlich - aber nicht beschränkt auf - weiteres Extrahieren der Neemsamen-Extrakte mit einem mit Wasser nicht mischbaren Lösungsmittel, Verdünnen der Extrakte mit einem geeigneten aprotischen Lösungsmittel, oder Trocknen der Extrakte unter Verwendung eines geeigneten Adsorptionsmittels.

Nach einer bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung werden getrocknete Neemsamen, zu einem groben Pulver mit einer Maschenzahl von etwa 5 vermahlen worden sind, mit einem nicht-polaren, für Azadirachtin unlöslichen, aprotischen Lösungsmittel wie Hexan extrahiert, um das Neemöl aus den Samen zu entfernen. An diese "Aufreinigungs"-Extraktion schließt sich eine zweite Extraktion der entfetteten Neemsamen unter Verwendung eines polareren, für Azadirachtin löslichen Lösungsmittels an. Wie bei der ersten Ausführungsform kann diese Extraktion wiederholt werden, um die Effizienz der Extraktion zu optimieren.

Die endgültigen erfindungsgemäßen Azadirachtin-Pestizidformulierungen enthalten vorzugsweise 5 bis 50% an emulgierendem oberflächenaktiven Stoff, 0 bis 40% Neemöl, 0 bis 1% p-Aminobenzoesäure oder deren Ester, und weniger als 1% Essigsäure oder Natriumhydroxid zur Einstellung des pH-Wertes zwischen etwa 3,8 und 4,2.

Ohne weitere Ausarbeitung wird davon ausgegangen, daß ein Durchschnittsfachmann die vorliegende Erfindung unter Berücksichtigung der detaillierten Beschreibung in vollem Umfang ausführen kann.

Die folgenden Beispiele dienen der Veranschaulichung der Erfindung in Übereinstimmung mit den erfindungsgemäßen Grundsätzen, wobei sie die Erfindung jedoch nicht beschränken, was lediglich durch die anhängenden Patentansprüche erfolgt. Sämtliche Anteile und Prozentgehalte beziehen sich auf das Gewicht, sofern nichts anderes angegeben wird.

Beispiel 1

2 kg Neemsamen wurden zunächst zu einem groben Pulver mit einer Maschenzahl von ungefähr 5 vermahlen und anschließend 24 Stunden lang mit Hexan unter mildem Schütteln zur Entfernung des Neemöls extrahiert. Eine Menge von 0,5 kg der öllosen Samen wurde anschließend mit 1 l 95%-igem Ethanol bei 70ºC 4 Stunden lang zur Entfernung des Azadirachtins extrahiert. Die Extraktion mit Ethanol wurde mit den verbleibenden Mengen an gemahlenen Neemsamen zweimal wiederholt, wodurch ein endgültiger Extrakt gewonnen wurde, der eine Zusammensetzung von 4,5 g/l Azadirachtin und 16,5% H&sub2;O aufwies. Der ethanolische Extrakt wurde in Proben von 4 bis 100 ml unterteilt. Diesen wurden Molsiebe von 3 Å in den Mengen von 20, 30, 40 und 80 g der Siebe pro Probe zugegeben. Die Proben wurden verschlossen und nach Schütteln für 12 Stunden bei Raumtemperatur analysiert. Die Ergebnisse sind in Tabelle I dargestellt.

Tabelle I
Probe Menge an zugeg. Sieben (g) endgültiger Gehalt an H&sub2;O AZAD (g/l) Kapazität g H&sub2;O / g Sieb

Beispiel 2

Die Proben aus Beispiel 1 wurden anschließend formuliert zu einer brauchbaren Formulierung durch Vermischen von Tween-20, Neemöl, PABA und einer genauen Menge Ethanol. Der endgültige Gehalt einer jeden Formulierung wurde so eingestellt, daß 20% Tween-20, 10% Neemöl, 1% PABA enthalten waren und der pH-Wert 3,8 betrug. Die Proben wurden anschließend in verschlossene Behälter überführt, in einem Inkubator bei 55ºC gelagert, und periodisch auf den Gehalt an Azadirachtin A analysiert.

Tabelle II Gehalt an Azadirachtin A in formulierten Proben
Lagerzeit bei 55º C Probe

Die Ergebnisse zeigen überzeugend, daß eine Formulierung mit einem geringen Wassergehalt stabiler ist.

Beispiel 3 Mehrstufige Extraktion von Azadirachtin mit Methylethylketon (MEK)

Das Extraktionsverfahren erfolgte im Chargenbetrieb durch Vermahlen von 2 kg Neemsamen zu einer Partikelgröße mit einer Maschenzahl von 5, Extrahieren des Neemöls aus den gemahlenen Samen durch Überführung in einen 15 l fassenden Glasbehälter mit 10 l Hexan, und Schütteln für 24 Stunden bei Raumtemperatur. Das Lösungsmittel wurde durch ein Nr. 41 Whatman-Papier filtriert, und der trockene Samenkuchen wurde zurückgehalten. Die entfetteten Samen wurden in 5 Portionen von jeweils 500 g unterteilt.

Die mehrstufige Extraktion von Azadirachtin mit MEK erfolgte für eine Zeitdauer von 5 Stunden bei 60ºC unter Atmosphärendruck. Die erste Portion Samen wurde in einen 2 l fassenden Einhalsrundkolben überführt, in den 1 l MEK zugegeben wurde. Der Kolben wurde an eine Rotavap angeschlossen und unter den angegebenen Bedingungen behandelt. Die Rückgewinnung des Lösungsmittels erfolgte durch Filtration durch einen Büchner-Trichter unter Verwendung eines Nr. 41 Whatman-Papiers. Das zurückerhaltene Lösungsmittel wurde über Nacht bei Raumtemperatur in einer Polyethylenflasche mit einem Fassungsvermögen von 1 l gelagert. Das Lösungsmittelvolumen wurde unter Verwendung von frischem MEK vor jeder nachfolgenden Extraktion auf 1 l eingestellt.

Der MEK-Extrakt wurde formuliert durch Zugabe von 20% Tween-20 und 1% PABA, vermischt und in einen Ofen mit einer Temperatur von 55ºC überführt, und es wurden periodisch Proben hinsichtlich der Konservierung von Azadirachtin A entnommen. Die in Tabelle III dargestellten Ergebnisse zeigen, daß der MEK-Extrakt eine sehr viel höhere Lagerstabilität als der Ethanol-Extrakt mit 11% H&sub2;O aufwies.

Tabelle III
Zeit bei 55ºC (Stunden) Azadirachtin (g/l) MEK 11% H&sub2;O / Ethanol

Beispiel 4

Ein roher Ethanol-Extrakt von Neemsamen, der sowohl Azadirachtin A als auch Azadirachtin B enthielt, wurde mit einem aprotischen Lösungsmittel verdünnt, um die gewünschte Lösungsmittelmischung bereitzustellen. In einigen Fällen (Tabelle IV, Zeilen 5 und 6) wurde Wasser hinzugegeben, um den Wassergehalt der Mischung zu erhöhen. Für jedes Lösungsmittelsystem wurde die Originallösung geteilt. Ein Anteil wurde verwendet, um den anfänglichen Wassergehalt und die anfänglichen Konzentrationen an Azadirachtin zu bestimmen. Der verbleibende Anteil wurde in ein verschlossenes Röhrchen überführt und für die angegebene Zeitdauer auf 75ºC erhitzt. Die erhitzten Proben wurden anschließend auf den Gehalt an Azadirachtin analysiert. In der Tabelle IV ist die relative, nach der Erhitzung verbliebene Menge an Azadirachtin angegeben.

Tabelle IV Effekt aprotischer Lösungsmittel auf die Stabilität von Azadirachtin
% aprotisch AZAD PrOAc 2-Butanon Tween-20 / Neemöl ** Prozent der ursprünglichen Konzentration nach 40 Stunden bei 75ºC. * nach 48 Stunden bei 75ºC.

Beispiel 5

Eine rohe, aus gereinigtem Neemsamen-Extrakt (hergestellt nach dem Verfahren von D. R. Schröder und K. Nakanishi, J. Natural Products, 50, 241-284 (1987)) erhaltene Mischung, die 8% Azadirachtin A und 6% Azadirachtin B enthielt, wurde in jedem der in Tabelle V angegebenen Lösungsmittel gelöst. Die analysenreinen Lösungsmittel wurden vor der Verwendung über 3 Å 5 Molekularsiebe getrocknet. Für jedes Lösungsmittel oder jede Lösungsmittelkombination wurde die anfängliche Lösung in drei Teile geteilt. Einer der drei Teile wurde für die Bestimmung des Wassergehalts und der anfänglichen Konzentrationen an Azadirachtin verwendet. Die verbleibenden Proben wurden in verschlossene Röhrchen überführt und 48 Stunden lang auf 75-85ºC erhitzt. Die Proben wurden anschließend auf den Gehalt an Azadirachtin analysiert. In Tabelle V ist die relative, nach dem Erhitzen verbliebene Menge an Azadirachtin angegeben.

Tabelle V Stabilität von Azadirachtin in verschiedenen Lösungsmitteln
Lösungsmittel % Azadirachtin AZAD Methanol Ethanol n-Propanol n-Butanol tert.-Butanol Aceton Acetonitril 2-Butanon/Ethanol* Dimethylsulfoxid Dimethylformamid * Verhältnis von 2-Butanon/Ethanol beträgt 3:1 ** Prozent verbliebenes Azadirachtin nach 48 Stunden bei 75-83ºC


Anspruch[de]

1. Lagerstabile Pestizid-Zusammensetzung umfassend eine Azadirachtin enthaltende Neemsamen-Extraktlösung, bei der die Lösung dadurch gekennzeichnet ist, daß sie mindestens 50 Vol.-% aprotisches Lösungsmittel und weniger als 15 Vol.- % Wasser aufweist.

2. Lagerstabile Pestizid-Zusammensetzung nach Anspruch 1, bei der das aprotische Lösemittel ausgewählt ist aus der Gruppe der Nitrile, substituierten Aromaten, chlorierten Aliphaten, aromatischen Aldehyde, Sulfone, Ether, Ester, Amide, Sulfoxide, Alkylcarbonate, Ketone, und Mischungen derselben.

3. Lagerstabile Pestizid-Zusammensetzung nach Anspruch 1 oder 2, bei der die Lösung vermischt ist mit 5 bis 50% oberflächenaktivem Stoff, 0 bis 40% Neemöl, 0 bis 1 % p-Aminobenzoesäure oder deren Ester, und der pH-Wert zwischen 3,8 und 4,2 eingestellt ist.

4. Verfahren zur Herstellung einer lagerstabilen Pestizid-Zusammensetzung, umfassend die Schritte:

a. Extrahieren von Azadirachtin aus grob gemahlenen Neemsamen mit einem polaren, aprotischen Lösungsmittel, und

b. Einstellen des Azadirachtin-Extrakts aus (a) entweder durch Verdünnen oder weiteres Extrahieren mit einem mit Wasser nicht mischbaren aprotischen Lösungsmittel, um eine lagerstabile Pestizid-Zusammensetzung zu erhalten, welche dadurch gekennzeichnet ist, daß sie mehr als 50 Vol.-% aprotisches Lösungsmittel und weniger als 15 Vol.-% Wasser aufweist.

5. Verfahren nach Anspruch 4 zur Herstellung einer lagerstabilen Pestizid-Zusammensetzung, umfassend die Schritte:

a. Extrahieren von Neemöl aus grob gemahlenen Neemsamen mit einem nicht-polaren, Azadirachtin-unlöslichen aprotischen Lösungsmittel,

b. Extrahieren von Azadirachtin aus den entfetteten Neemsamen mit einem polaren, aprotischen Lösungsmittel, und

c. Einstellen des Azadirachtin-Extrakts aus (b) durch Verdünnen mit zusätzlichen aprotischen Lösungsmitteln oder weiteres Extrahieren mit einem mit Wasser nicht mischbaren aprotischen Lösungsmittel, um eine lagerstabile Pestizid-Zusammensetzung zu erhalten, die dadurch gekennzeichnet ist, daß sie mehr als 50 Vol.-% aprotisches Lösungsmittel und weniger als 15 Vol.-% Wasser aufweist.

6. Verfahren nach Anspruch 4 zur Herstellung einer lagerstabilen Pestizid-Zusammensetzung, umfassend die Schritte:

a. Extrahieren von Azadirachtin und Neemöl aus grob gemahlenen Neemsamen mit einem polaren, aprotischen Lösungsmittel, und

b. Einstellen des Azadirachtin-Extrakts aus (a) entweder durch Verdünnen oder weiteres Extrahieren mit einem mit Wasser nicht mischbaren aprotischen Lösungsmittel, um eine lagerstabile Pestizid-Zusammensetzung zu erhalten, die dadurch gekennzeichnet ist, daß sie mehr als 50 Vol.-% aprotisches Lösungsmittel und weniger als 15 Vol.-% Wasser aufweist.

7. Verfahren nach den Ansprüchen 4 bis 6, bei dem das aprotische Lösungsmittel ausgewählt wird aus der Gruppe der Ketone, Nitrile, substituierten Aromaten, chlorierten Aliphaten, aromatischen Aldehyde, Sulfone, Ether, Ester, Amide, Sulfoxide, Alkylcarbonate, und Mischungen derselben.

8. Lagerstabile Pestizid-Zusammensetzungen, die eine Azadirachtin enthaltende Neemsamen-Extraktlösung umfaßt, wobei die Lösung dadurch gekennzeichnet ist, daß sie mindestens 50 Vol.-% alkoholisches Lösungsmittel und weniger als 5 Vol.-% Wasser aufweist.

9. Lagerstabile Pestizid-Zusammensetzung nach Anspruch 8, bei der das alkoholische Lösungsmittel ausgewählt ist aus der Gruppe von Methanol, Ethanol, Propanol, Isopropanol, Butanol, 2-Butanol, t-Butanol, Benzylalkohol und Mischungen derselben.

10. Lagerstabile Pestizid-Zusammensetzung nach Anspruch 8 oder 9, bei der die Lösung vermischt ist mit 5 bis 50% oberflächenaktivem Mittel, 0 bis 40% Neemöl, 0 bis 1% p-Aminobenzoesäure oder deren Ester, und der pH-Wert zwischen 3,8 und 4,2 eingestellt ist.

11. Verfahren zur Herstellung eines lagerstabilen Pestizids, umfassend die Schritte:

a. Extrahieren von Azadirachtin aus grob gemahlenen Neemsamen mit einem alkoholischen Lösungsmittel, und

b. Einstellen des Azadirachtin-Extrakts aus (a) entweder durch Verdünnen oder weiteres Extrahieren mit einem mit Wasser nicht mischbaren aprotischen Lösungsmittel, um eine lagerstabile Pestizid-Zusammensetzung zu erhalten, die dadurch gekennzeichnet ist, daß sie mehr als 50 Vol.-% alkoholisches Lösungsmittel und weniger als 5 Vol.-% Wasser aufweist.

12. Verfahren nach Anspruch 11 zur Herstellung einer lagerstabilen Zusammensetzung, umfassend die Schritte:

a. Extrahieren von Neemöl aus grob gemahlenen Neemsamen mit einem nicht-polaren, Azadirachtin-unlöslichen aprotischen Lösungsmittel,

b. Extrahieren von Azadirachtin aus den entfetteten Neemsamen mit einem alkoholischen Lösungsmittel, und

c. Einstellen des Azadirachtin-Extrakts aus (b) entweder durch Verdünnen oder weiteres Extrahieren mit einem mit Wasser nicht mischbaren aprotischen Lösungsmittel, um eine lagerstabile Pestizid-Zusammensetzung zu erhalten, die dadurch gekennzeichnet ist, daß sie mehr als 50 Vol.-% alkoholisches Lösungsmittel und weniger als 5 Vol.-% Wasser aufweist.

13. Verfahren nach Anspruch 11 zur Herstellung einer lagerstabilen Pestizid-Zusammensetzung, umfassend die Schritte:

a. Extrahieren von Azadirachtin und Neemöl aus grob gemahlenen Neemsamen mit einem alkoholischen Lösungsmittel, und

b. Einstellen des Azadirachtin-Extrakts aus (a) entweder durch Verdünnen oder weiteres Extrahieren mit einem mit Wasser nicht mischbaren aprotischen Lösungsmittel, um eine lagerstabile Pestizid-Zusammensetzung zu erhalten, die dadurch gekennzeichnet ist, daß sie mehr als 50 Vol.-% alkoholisches Lösungsmittel und weniger als 5 Vol.-% Wasser aufweist.

14. Verfahren nach den Ansprüchen 11 bis 13, bei dem das alkoholische Lösungsmittel ausgewählt wird aus der Gruppe von Methanol, Ethanol, Propanol, Isopropanol, Butanol, 2-Butanol, t-Butanol, Benzylalkohol, und Mischungen derselben.

15. Lagerstabile Pestizid-Zusammensetzung, die eine Azadirachtin enthaltende Neemsamen-Extraktlösung umfaßt, dadurch gekennzeichnet, daß die Lösung eine Mischung von aprotischen und alkoholischen Lösungsmitteln enthält, bei der die Menge an aprotischem Lösungsmittel mindestens 50 Vol.-% und die Menge an Wasser weniger als 15 Vol.-% betragen.

16. Lagerstabile Pestizid-Zusammensetzung nach Anspruch 15, bei der die Lösung ferner 5 bis 50% oberflächenaktive Substanz, 0 bis 40% Neemöl, 0 bis 1% p-Aminobenzoesäure oder deren Ester einschließt, und bei der der pH-Wert zwischen 3,8 und 4,2 eingestellt ist, wobei sich die Prozentangaben auf das Gewicht beziehen.

17. Lagerstabile Pestizid-Zusammensetzung nach Anspruch 15 oder 16, bei der die Lösung dadurch gekennzeichnet ist, daß sie weniger als 5 Vol.-% Wasser aufweist.

18. Lagerstabile Pestizid-Zusammensetzung nach den Ansprüchen 15 bis 17, bei der das aprotische Lösungsmittel ausgewählt ist aus der Gruppe bestehend aus Nitrilen, substituierten Aromaten, chlorierten Aliphaten, aromatischen Aldehyden, Sulfonen, Ethern, Estern, Amiden, Sulfoxiden, Alkylcarbonaten, Ketonen, und Mischungen derselben.

19. Lagerstabile Pestizid-Zusammensetzung nach den Ansprüchen 15 bis 18, bei der das alkoholische Lösungsmittel ausgewählt ist aus der Gruppe von Methanol, Ethanol, Propanol, Isopropanol, Butanol, 2-Butanol, t-Butanol, Benzylalkohol, und Mischungen derselben.

20. Lagerstabile Pestizid-Zusammensetzung nach den Ansprüchen 15 bis 19, bei der das aprotische Lösungsmittel und das alkoholische Lösungsmittel in der Lösungsmischung in einem Verhältnis von 3 : 1 vorhanden sind.

21. Verfahren zur Herstellung einer lagerstabilen Pestizid-Zusammensetzung, umfassend die Schritte:

a. Extrahieren von Neemöl aus grob gemahlenen Neemsamen mit einem nicht-polaren, Azadirachtin-unlöslichen aprotischen Lösungsmittel,

b. Extrahieren von Azadirachtin aus den entfetteten Neemsamen mit einem alkoholischen Lösungsmittel, und

c. Einstellen des Azadirachtin-Extrakts aus (b) durch Verdünnen oder weiteres Extrahieren mit einem mit Wasser nicht mischbaren aprotischen Lösungsmittel, um eine lagerstabile Pestizid-Zusammensetzung zu erhalten, die dadurch gekennzeichnet ist, daß die Zusammensetzung eine Mischung von aprotischen und alkoholischen Lösungsmitteln enthält, bei der der Gehalt an aprotischem Lösungsmittel mindestens 50 Vol.-% und der Gehalt an Wasser weniger als 15 Vol.-% betragen.

22. Verfahren nach Anspruch 21, bei dem die Zusammensetzung dadurch gekennzeichnet ist, daß sie weniger als 5 Vol.-% Wasser aufweist.

23. Verfahren nach Anspruch 21 oder 22, bei dem das mit Wasser nicht mischbare aprotische Lösungsmittel ausgewählt wird aus der Gruppe bestehend aus Ketonen, Nitrilen, substituierten Aromaten, chlorierten Aliphaten, aromatischen Aldehyden, Sulfonen, Ethern, Estern, Amiden, Sulfoxiden, Alkylcarbonaten, und Mischungen derselben.

24. Verfahren nach den Ansprüchen 21 bis 23, bei dem das alkoholische Lösungsmittel ausgewählt wird aus der Gruppe bestehend aus Methanol, Ethanol, Propanol, Isopropanol, Butanol, 2-Butanol, t-Butanol, Benzylalkohol, und Mischungen derselben.

25. Verfahren zur Herstellung einer lagerstabilen Pestizid-Zusammensetzung, umfassend die Schritte:

a. Extrahieren von Azadirachtin und Neemöl aus grob gemahlenen Neemsamen mit einem alkoholischen Lösungsmittel, und

b. Einstellen des Azadirachtin-Extrakts aus (a) entweder durch Verdünnen oder weiteres Extrahieren mit einem mit Wasser nicht mischbaren aprotischen Lösungsmittel, um eine lagerstabile Pestizid-Zusammensetzung zu erhalten, dadurch gekennzeichnet, daß die Zusammensetzung eine Mischung von aprotischen und alkoholischen Lösungsmitteln enthält, bei der die Menge an aprotischem Lösungsmittel mindestens 50 Vol.-% und die Menge an Wasser weniger als 15 Vol.-% betragen.

26. Verfahren nach Anspruch 25, bei dem die Zusammensetzung dadurch charakterisiert ist, daß sie weniger als 5 Vol.-% Wasser aufweist.

27. Verfahren nach Anspruch 25 oder 26, bei dem das mit Wasser nicht mischbare aprotische Lösungsmittel ausgewählt wird aus der Gruppe bestehend aus Ketonen, Nitrilen, substituierten Aromaten, chlorierten Aliphaten, aromatischen Aldehyden, Sulfonen, Ethern, Estern, Amiden, Sulfoxiden, Alkylcarbonaten, und Mischungen derselben.

28. Verfahren nach den Ansprüchen 25 bis 27, bei dem das alkoholische Lösungsmittel ausgewählt wird aus der Gruppe bestehend aus Methanol, Ethanol, Propanol, Isopropanol, Butanol, 2-Butanol, t-Butanol, Benzylalkohol, und Mischungen derselben.







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