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Dokumentenidentifikation DE4402064A1 27.07.1995
Titel Verfahren zur Bekämpfung von Schädlingen in Schüttgut
Anmelder Kohlensäurewerk Deutschland GmbH, 53557 Bad Hönningen, DE
Erfinder Oppitz, Horst, 04425 Taucha, DE
DE-Anmeldedatum 25.01.1994
DE-Aktenzeichen 4402064
Offenlegungstag 27.07.1995
Veröffentlichungstag im Patentblatt 27.07.1995
IPC-Hauptklasse A01N 59/26
IPC-Nebenklasse A01M 1/20   A01M 13/00   
IPC additional class // (A01N 59/26,59:04)  
Zusammenfassung Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Bekämpfung von Schädlingen (Nagetieren, Insekten) in Schüttgut, insbesondere in Körnerfrüchten, wie Getreide. Eine bislang häufig eingesetzte effektive Behandlungsmethode sieht die Begasung mit Phosphan (PH3) oder anderen Schädlingsbekämpfungsmitteln, die gas- oder dampfförmig vorliegen und schwerer als Luft sind, vor. Gemäß der Erfindung läßt man zusätzlich CO2 - zweckmäßig in Form von Trockeneisscheiben - unter Ausnutzung der Schwerkraft in das Schüttgut eindringen. Obwohl die Menge an Schädlingsbekämpfungsmittel stark verringert werden kann, tritt die entwesende Wirkung sehr viel schneller ein. Besonders vorteilhaft setzt man Zinkphosphid als Vorläufer für das Schädlingsbekämpfungsmittel und Trockeneis als CO2-Quelle ein.

Beschreibung[de]

Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Bekämpfung von Schädlingen im Schüttgut, wobei man ein von CO&sub2; verschiedenes gas- oder dampfförmiges Bekämpfungsmittel unter Ausnutzung der Schwerkraft in das Gut eindringen läßt.

Zur Bekämpfung von Schädlingen (insbesondere Nagetieren, wie Mäuse, und Insekten, wie Milben, Motten und Käfer) in Schüttgut wie beispielsweise Getreide, begast man dieses mit geeigneten Begasungsmitteln (Räuchermitteln oder Fumigantien) Begasungsmittel, die gas- oder dampfförmig vorliegen und schwerer als Luft sind, bespielsweise Methylbromid oder Phosphan (PH&sub3;; früher "Phosphin" genannt) sind besonders vorteilhaft. Zur Ausbringung von Phosphan werden üblicherweise Vorläufer eingesetzt, die insbesondere durch Hydrolyse Phosphan entwickeln. Hierzu gehören Zink-, Kalzium- und Aluminiumphosphide, wobei sich Aluminiumphosphid als besonders vorteilhaft erwiesen hat. Man geht dabei so vor, daß man festes Phosphid auf der Oberfläche des Schüttgutes verteilt. Das bei der Hydrolyse entstehende Phosphan ist schwerer als Luft und "sickert" allmählich unter Ausnutzung der Schwerkraft in das Schüttgut ein, wobei es schädlingsbekämpfend wirkt. Diese Schädlingsbekämpfungsmethode ist recht zeitaufwendig.

Eine andere Methode sieht die Verwendung von Kohlendioxid als Schädlingsbekämpfungsmittelsmittel vor, dabei wird das zu behandelnde Gut mit Kohlendioxid bei erhöhtem Druck behandelt. Diese Methode ist einerseits recht teuer, andererseits setzt sie naturgemäß völlig abdichtbare Behältnisse, die zudem druckfest sein müssen, voraus.

Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein verbessertes Verfahren zur Schädlingsbekämpfungsmittel anzugeben. Diese Aufgabe wird durch das Verfahren der vorliegenden Erfindung gelöst.

Das erfindungsgemäße Verfahren von Schädlingen im Schüttgut, wobei man ein von CO&sub2; verschiedenes gas- oder dampfförmiges Schädlingsbekämpfungsmittelsmittel in das Schüttgut eindringen läßt, sieht vor, daß man zusätzlich CO&sub2; unter Ausnutzung der Schwerkraft in das. Schüttgut eindringen läßt.

Prinzipiell kann Kohlendioxid in jedem Aggregatzustand, sei es fest, flüssig oder gasförmig, dem zu behandelnden Schüttgut zugeführt werden, zweckmäßig indem man es auf die Oberfläche oder in die Nähe der Oberfläche des Schüttguts leitet. Besonders vorteilhaft ist die Verwendung von Kohlendioxid in Form von Trockeneis. Beispielsweise kann man Trockeneisschnee oder Trockeneisformkörper wie Pellets, Würfel oder Scheiben, in Oberflächenbereiche oder auf der Oberfläche des Schüttguts einbringen. Im Rahmen der vorliegenden Erfindung wird das Trockeneis am vorteilhaftesten in Form von Scheiben eingesetzt, deren Gewicht optimal im Bereich von 2 bis 2,5 kg liegt. Besonders günstig ist es, das Trockeneis bzw. die Trockeneisscheiben in Behältern (vorteilhaft Styropor®-Behälter) auf das Schüttgut zu stellen, wobei die Behälter für CO&sub2; durchlässig sind, z. B. gelocht sind. Für Trockeneisscheiben des Gewichts von 2 bis 2,5 kg sind Behälter mit einer Grundfläche von beispielsweise 10 × 16 cm und einer Höhe von 16 cm sehr gut geeignet; sie sollten einen festsitzenden Deckel aufweisen. Gewünschtenfalls kann man auch eine Verteilung der Kohlensäurepartikel auf der Oberfläche vornehmen. Die Menge an Kohlendioxid kann in einem weiten Bereich schwanken, dabei soll die Menge allerdings nicht derart groß sein, daß das Schüttgut, insbesondere wenn es sich um Getreide oder andere Körnerfrüchte handelt, unerwünscht abkühlt. Vorzugsweise setzt man 125 bis 500 g, insbesondere 150 bis 250 g, Trockeneis pro Tonne zu behandelndem Schüttgut ein.

Prinzipiell kann man gemäß dem erfindungsgemäßen Verfahren beliebige gas- oder dampfförmige Schädlingsbekämpfungsmittel einsetzen, insbesondere solche, die man unter Ausnutzung der Schwerkraft in das Schüttgut eindringen läßt. Bevorzugtes Schädlingsbekämpfungsmittelsmittel ist Phosphan (PH&sub3;), bzw. Phosphan liefernde Vorläufer wie Metallphosphide, die unter Hydrolyse Phosphan freisetzen. Bevorzugte Vorläufer sind Aluminiumphosphid, Zinkphosphid und Kalziumphosphid, insbesondere Aluminiumphosphid.

Überraschenderweise wurde festgestellt, daß man die Menge an Schädlingsbekämpfungsmittel auf 90 bis 30 Gew.-%, ja sogar auf einen noch niedrigeren Wert, derjenigen Menge reduzieren kann, die ohne Zusatz von CO&sub2; eingesetzt wird. So setzt man vorzugsweise Aluminiumphosphid als Schädlingsbekämpfungsmittel ein, und zwar in einer solchen Menge, daß 2 bis 8 g, vorzugsweise 3 bis 5 g PH&sub3; pro Tonne zu behandelndem Schüttgut freigesetzt werden.

Das erfindungsgemäße Verfahren wird zweckmäßig bei einer Temperatur von 4 bis 25 °C im Schüttgut durchgeführt. Es kann aber auch bei höheren oder tieferen Temperaturen, z. B. zwischen 0° und 40°C, durchgeführt werden. Man kann es bei gegenüber dem Umgebungsdruck vermindertem oder erhöhtem Druck durchführen. Vorzugsweise führt man es bei Umgebungsdruck, d. h. bei etwa 1 bar (abs.) durch. Der Zeitbedarf ist sehr viel niedriger als bei entsprechenden Bekämpfungsverfahren bislang üblich. So wurde festgestellt, daß bei Verwendung von Aluminiumphosphid als Vorläufer des Schädlingsbekämpfungsmittels Phosphan bereits nach 12 Stunden in 20 Meter Tiefe im Schüttgut in einer Konzentration von 25 ppm vorliegt; ohne zusätzliche Anwendung von CO&sub2; braucht man hierfür mindestens 48 Stunden.

Insbesondere bei Verwendung von Phosphan oder einem Vorläufer davon sind den Flammpunkt herabsetzende oder die Explosionsneigung herabsetztende Zusätze wie fluorierte Kohlenwasserstoffe unnötig.

Prinzipiell eignet sich das Verfahren zur Behandlung beliebigen Schüttgutes, dessen Entwesung wünschenswert ist. Besonders geeignet ist das Verfahren zur Anwendung auf Körnerprodukte oder deren Weiterverarbeitungserzeugnisse, beispielsweise Getreide und Getreideerzeugnisse.

Das erfindungsgemäße Verfahren weist erhebliche Vorteile gegenüber bekannten Verfahren auf. Beispielsweise kann die Menge an anzuwendendem Schädlingsbekämpfungsmittel erheblich gesenkt werden: die Begasung mit Phosphan erfordert 17 bis 28 g Phosphan pro Tonne zu behandelndem Getreide. Diese Menge kann beim erfindungsgemäßen Verfahren auf 2 bis 8 g Phosphan reduziert werden. Dabei ist der Verbrauch an Kohlendioxid vergleichsweise gering. Ferner zeichnet sich das Verfahren durch eine schnelle Durchdringung des Schüttguts aus, wobei außerdem eine Durchdringung auch in tiefe Bereiche möglich ist. Insgesamt wird also die Umweltbelastung stark herabgesetzt.

Ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist ein Kombinationspräparat zur Schädlingsbekämpfungsmittel, umfassend Phosphan oder einen Vorläufer davon, und CO&sub2;. Vorzugsweise umfaßt das Kombinationspräparat zur Schädlingsbekämpfungsmittel einerseits Phosphan oder ein unter Hydrolyse Phosphan freisetzendes Metallphosphid, und CO&sub2; in Form von Trockeneis. Dabei kann das CO&sub2; in Form von Trockeneisschnee, Pellets oder vorzugsweise Trockeneisscheiben vorliegen. Ein besonders bevorzugtes Kombinationspräparat umfaßt Aluminiumphosphid und CO&sub2; in Form von Trockeneisscheiben.

Ein weiterer Gegenstand der Erfindung ist ein Kit zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens. Es umfaßt ein von CO&sub2; verschiedenes gas- oder dampfförmiges Schädlingsbekämpfungsmittel, welches schwerer als Luft ist, oder einen Vorläufer davon, und CO&sub2; zur simultanen Anwendung in voneinander getrennten Behältern. Ein bevorzugtes Kit umfaßt Aluminiumphosphid und CO&sub2; in Form von Trockeneis, insbesondere von Trockeneisschnee, Trockeneispallets oder besonders Trockeneisscheiben. Vorzugsweise liegen die Bestandteile des Kits in gelochten Behältern vor, wobei der für das Trockeneis vorgesehene Behälter zweckmäßig ein Isoliergefäß, wie beispielsweise ein gelochter Behälter aus Styropor ist.

Selbstverständlich kann man das erfindungsgemäße Verfahren in geschlossenen Behältern oder in Aufbewahrungsräumen wie Silos durchführen. Ein Vorteil des Verfahrens ist es, daß man es auch im Freien durchführen kann. Notwendig ist hier die Abdeckung des Schüttguts nach Aufbringen des Schädlingsbekämpfungsmittels und des Trockeneises durch mehrschichtige, PH&sub3;-undurchlässige Folie.

Die vorliegende Erfindung wird durch das folgende Beispiel weiter erläutert, ohne daß sie in ihrem Umfang eingeschränkt werden sollen.

Beispiel: Schädlingsbekämpfung im Getreidesilo

Die Schädlingsbekämpfung wurde in einem Getreidesilo von 28 m Höhe und 8 m Durchmesser durchgeführt. Im Silo wurden 7400 t Roggen (Höhe des Schüttguts 20 m) gespeichert. Die Temperatur des Schüttguts betrug etwa 24°C. Das Schüttgut war sehr stark mit Schädlingen befallen (insbesondere Kornkäfer, Getreidelaufkäfer und Essigfliege). Als Schädlingsbekämpfungsmittel wurde Aluminiumphosphid (Firma Depia, Freiburg, Wirkstoffgehalt 57%) eingesetzt. Die Aufwandmenge an Schädlingsbekämpfungsmittel betrug 37 kg (5 g/t) PH&sub3; (AL). Die Aufwandmenge an Trockeneis betrug 1.200 kg (0,160 kg/t). Das Trockeneis wurde in Scheiben von einem Gewicht von 2,5 kg auf Styroportafeln auf dem Getreide ausgelegt. Das Schüttgut wurde dann durch eine mehrschichtige, PH&sub3;-undurchlässige Folie abgedeckt. Zur zuverlässigen Schädlingsbekämpfung sollte der Sollwert für die PH&sub3;-Konzentration 200 ppm betragen, und zwar 4 Tage lang. Der PH&sub3;-Istwert wurde in 20 m Tiefe im Schüttgut mittels Dräger-Meßröhrchen (PH&sub3; 25/a) gemessen. Der Istwert in 20 m Tiefe betrug nach 12 Stunden 25 ppm, nach 25 Stunden 200 ppm und nach 50 Stunden 400 ppm. Nach 72 Stunden war das Schüttgut vollständig entwest.


Anspruch[de]
  1. 1. Verfahren zur Bekämpfung von Schädlingen, in Schüttgut, wobei man ein von CO&sub2; verschiedenes gas-, oder dampfförmiges Schädlingsbekämpfungsmittel in das Schüttgut eindringen läßt, dadurch gekennzeichnet, daß man zusätzlich CO&sub2; unter Ausnutzung der Schwerkraft in das Schüttgut eindringen läßt.
  2. 2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man das CO&sub2; in Form von Trockeneis einsetzt.
  3. 3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß man die Menge an Schädlingsbekämpfungsmittel auf 90 bis 30 Gew.-% derjenigen Menge reduziert, die ohne Zusatz von CO&sub2; eingesetzt wird.
  4. 4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß man als Schädlingsbekämpfungsmittel Phosphan (PH&sub3;) oder einen phosphanliefernden Vorläufer einsetzt.
  5. 5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß man Zinkphosphid, Aluminiumphosphid oder Kalziumphosphid, vorzugsweise Aluminiumphosphid, einsetzt.
  6. 6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß man Aluminiumphosphid als Schädlingsbekämpfungsmittel einsetzt, und zwar in einer solchen Menge, daß 2 bis 8 g vorzugsweise 3 bis 5 g Phosphan pro Tonne Schüttgut freigesetzt werden.
  7. 7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß man pro Tonne zu behandelndem Schüttgut 125 bis 500 g Trockeneis einsetzt.
  8. 8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß es sich beim Schüttgut um Körnerfrüchte, vorzugsweise Getreide handelt.
  9. 9. Kombinationspräparat zur Schädlingsbekämpfung, umfassend Phosphan oder einen Vorläufer davon, und CO&sub2;.
  10. 10. Kombinationspräparat nach Anspruch 9, umfassend Phosphan oder ein unter Hydrolyse Phosphan freisetzendes Metallphosphid, und CO&sub2; in Form von Trockeneis.
  11. 11. Kit zur Durchführung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 8, umfassend ein von CO&sub2; verschiedenes, gas- oder dampfförmiges Schädlingsbekämpfungsmittel, welches schwerer als Luft ist, oder einen Vorläufer davon, und CO&sub2; zur simultanen Anbindung in von einander getrennten Behältern.
  12. 12. Kit nach Anspruch 11, umfassend Aluminiumphosphid und CO&sub2; in Form von Trockeneis zur simultanen Anwendung in von einander getrennten Behältern.






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