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Dokumentenidentifikation DE19504936C1 15.05.1996
Titel Arzneimittel auf der Grundlage von Magnesiumchlorid
Anmelder Wörwag Pharma GmbH, 70499 Stuttgart, DE
Erfinder Bauer, Kurt Heinz, Prof. Dr., 79112 Freiburg, DE;
Wörwag, Fritz, Dr., 70192 Stuttgart, DE
Vertreter Witte, Weller, Gahlert, Otten & Steil, 70178 Stuttgart
DE-Anmeldedatum 15.02.1995
DE-Aktenzeichen 19504936
Veröffentlichungstag der Patenterteilung 15.05.1996
Veröffentlichungstag im Patentblatt 15.05.1996
IPC-Hauptklasse A61K 33/10
Zusammenfassung Ein Arzneimittel, das als Wirkstoff Magnesiumchlorid enthält, liegt in Kombination mit Magnesiumcarbonat in fester Form vor.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein Arzneimittel auf der Grundlage von Magnesiumchlorid und ggf. pharmazeutisch verträglichen Hilfsstoffen.

Ein derartiges Arzneimittel ist aus der EP 04 01 096 A1 bekannt. Das daraus bekannte Arzneimittel enthält eine Lösung von Magnesiumchlorid oder Magnesiumcarbonat in saurem Milieu mittels organischer Säuren.

Arzneimittel, die als Wirkstoff Magnesiumchlorid enthalten, werden beispielsweise zur Therapie der Hypomagnesiämie herangezogen (siehe C.-J. Estler "Pharmakologie und Toxikologie", 3. Auflage, Seite 330, Schattauer Verlag).

Magnesiumchlorid in fester Form ist eine hygroskopische Substanz, die aus der Umgebung Wasser anzieht. Durch die Wasseraufnahme quillt Magnesiumchlorid auf und zerfließt nach und nach.

Daher werden bekannte Arzneimittel, die Magnesiumchlorid als Wirkstoff enthalten, überwiegend in wässeriger Lösung, und zwar in Form von Infusionslösungen, eingesetzt.

Das Magnesiumchlorid bereitet nicht nur bei der Lagerung oder Halterung aufgrund seiner hygroskopischen Eigenschaften erhebliche Schwierigkeiten, sondern auch bei dessen Verarbeitung. Aufgrund der hygroskopischen Eigenschaften ist es nicht möglich, die üblichen Verfahren zur Herstellung galenisch aufbereiteter Feststoffe wie bspw. Vermischen mit anderen Feststoffen, Pressen in Komprimate durchzuführen, da aufgrund der stark hygroskopischen Eigenschaften pulverförmiges Magnesiumchlorid zum Zusammenbacken neigt, somit die entsprechenden Gerätschaften verklebt. Auch das Herstellen von Komprimaten ist nicht möglich, da die Preßwerkzeuge an hygroskopischem Magnesiumchloridbrei verkleben.

Es ist daher Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Arzneimittel, das als Wirkstoff Magnesiumchlorid enthält, zu schaffen, das als Feststoff verarbeitbar und als Arzneimittel in fester Form herstellbar ist.

Erfindungsgemäß wird die Aufgabe dadurch gelöst, daß es in Kombination mit Magnesiumcarbonat in fester Form vorliegt, wobei das Gewichtsverhältnis zwischen Magnesiumchlorid und Magnesiumcarbonat zwischen 1 : 10 und 50 : 1 liegt.

Untersuchungen haben gezeigt, daß Mischungen aus festem Magnesiumchlorid und festem Magnesiumcarbonat nicht die hygroskopischen Eigenschaften von Magnesiumchlorid zeigen, so daß solche Mischungen nach den gängigen Verfahren zur Herstellung von Feststoffarzneimitteln verarbeitet werden können, ohne daß die Gefahr besteht, daß Werkzeuge, bspw. Preßwerkzeuge oder auch Mischer oder dergleichen, verkleben. Ferner wurde festgestellt, daß solche Feststoffmischungen, nachdem sie einmal verarbeitet sind, ebenfalls nicht mehr die hygroskopischen Eigenschaften von Magnesiumchlorid zeigen, so daß auch die fertiggestellten festen Arzneimittel auf Dauer haltbar sind.

Ein weiterer Vorteil dieser Kombination besteht darin, daß das zugesetzte Mittel Magnesiumcarbonat dieselben Kationen, nämlich Magnesiumionen, wie Magnesiumchlorid enthält, so daß neben den im Arzneimittel wirkenden Kationen Mg2+ keine anderen Ionen vorhanden sein müssen. Dies wird als besonderer Vorteil dahingehend angesehen, daß das quasi als "Trocknungsmittel" wirkende Magnesiumcarbonat auch noch zusätzlich das Kation beisteuert, das schon bei dem Wirkstoff Magnesiumchlorid vorhanden ist. Das durch das Magnesiumcarbonat zusätzlich hinzugefügte Carbonat- Anion ist für die therapeutischen Zwecke der Verabreichung von Magnesiumchlorid unschädlich. Bei oraler Verabreichung kann das Carbonat-Anion durch die Magensäure allenfalls durch Chloridionen ersetzt werden, so daß letztendlich nur noch das Anion des Wirkstoffes Magnesiumchlorid, nämlich das Chlorid- Anion, vorliegt.

Die Form der Mischung der Feststoffe kann beliebig gewählt werden, also Pulver, Granulat, Komprimat, Tablette, Drag}e oder dergleichen.

Vorzugsweise liegt das Gewichtsverhältnis zwischen Magnesiumchlorid und Magnesiumcarbonat zwischen 1 : 1 und 10 : 1, höchst vorzugsweise zwischen 4 : 1 und 8 : 1.

In diesem Mengenverhältnis sind die gängigen Verarbeitungs- und Konfektionsverfahren problemlos durchzuführen.

In einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung liegt das Magnesiumchlorid als wasserfreies Magnesiumchlorid, als Magnesiumhexahydrat oder -heptahydrat oder in anderer Form und das Magnesiumcarbonat als wasserfreies Magnesiumcarbonat, als basische Magnesiumcarbonate oder in anderer Form vor.

Diese Auswahl hat den Vorteil, daß das Magnesiumcarbonat in unterschiedlich löslichen Formen zugesetzt werden kann, die auch eine abgestufte "Trocknungswirkung" aufweisen, so daß dem Galeniker eine große Variationsbreite an Magnesiumcarbonatzusätzen zur Verfügung steht. Leichtes basisches Magnesiumcarbonat und schweres basisches Magnesiumcarbonat sind auf dem Gebiet der Medizin eingesetzte Magnesiumcarbonatverbindungen, die neben Magnesiumcarbonat noch Magnesiumhydroxyd in einem bestimmten Anteil enthalten.

Diese Auswahl gibt nun andererseits gegenüber dem zuvor erwähnten Magnesiumcarbonat als Verarbeitungspartner die entsprechende breite Bandbreite an Wirkstoff, um für den jeweils gewünschten Einsatzzweck die jeweils optimale Feststoffmischung vorliegen zu haben.

Dadurch wird dem Galeniker die Möglichkeit eröffnet, in Abhängigkeit davon, ob es sich um langwierige Verarbeitungsverfahren handelt, bei denen das Magnesiumchlorid sehr lange mit der Luftfeuchtigkeit in Berührung treten kann, oder ob es sich nur um kurzzeitige Misch- und Preßverfahren handelt, flexibel darauf zu reagieren, und er kann die dafür optimale Mischung an Magnesiumchlorid und Magnesiumcarbonat auswählen. Diese Mischung wird auch in Abhängigkeit der endfertigen Galenik auszuwählen sein, d. h., ob das in fester Form vorliegende Endprodukt abschließend noch beschichtet wird und wie die Durchlässigkeit gegenüber Feuchtigkeit von solchen Beschichtungen ist. Werden Beschichtungen eingesetzt, die nur wenig oder überhaupt nicht wasserdurchlässig sind, so reicht es, so viel an Magnesiumcarbonat zuzusetzen, daß während der Verarbeitung keine nennenswerte Feuchtigkeit aufgenommen werden kann.

Bevorzugt sind solche festen Arzneimittel, die als Komprimat vorliegen, und dies ist ggf. äußerlich mit einer Lackierung versehen.

Als Komprimat liegt das Arzneimittel als kompakter Körper vor, dessen mit der Umgebung in Kontakt stehende Oberfläche zur Masse relativ gering ist.

Eine Lackierung hat nun den Vorteil, daß durch eine äußere Schutzschicht das Eindringen von Feuchtigkeit in den Kern der Magnesiumchlorid/Magnesiumcarbonatmischung erschwert oder vollständig gehindert ist, so daß auch auf Dauer eine große Lagerstabilität erzielt werden kann. Dadurch können solche Tabletten bspw. in Tablettenröhrchen verpackt werden und müssen nicht nochmals in zusätzlichen Schutzverpackung wie bspw. Blisterverpackungen konfektioniert werden.

In einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung weist das Arzneimittel über der Lackierung noch eine Acrylharzschicht auf.

Diese Maßnahme hat nun den Vorteil, daß eine für die orale Verabreichung besonders günstige Außenfläche geschaffen wird, die darüber hinaus durch entsprechende Auswahl des Acrylharzes einfach mit einer wasserundurchlässigen äußersten Schicht versehen werden kann.

Bei der Verarbeitung der Bestandteile Magnesiumchlorid und Magnesiumcarbonat können die üblichen pharmazeutisch verträglichen Trägersubstanzen und Verarbeitungshilfsstoffe wie Cellulose, Öle und dergleichen mit verarbeitet werden.

Es versteht sich, daß die vorstehend genannten und die nachstehend noch zu erläuternden Merkmale nicht nur in den angegebenen Kombinationen, sondern auch in anderen Kombinationen oder in Alleinstellung einsetzbar sind, ohne den Rahmen der Erfindung zu verlassen. Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines ausgewählten Ausführungsbeispiels näher beschrieben und erläutert.

Beispiel 1

Es werden die nachfolgenden Rohstoffe Ziffer 1-7 eingewogen, über ein Sieb mit 1,5 mm Maschenweite gesiebt und in einem "Rhönrad"-Mischer 15 Minuten bei 25 Umdrehungen pro Minute gemischt. Rohstoffmischung 1. Magnesiumchlorid-6-hydrat: 20,000 kg

2. Magnesiumcarbonat, schwer basisch: 3,000 kg

3. Rizinus, Öl, hydriert, Cutina HR: 4,000 kg

4. Polyvinyl-Polypyrrolidon (PVPP), kreuzvernetzt, unlöslich-Polyplasdone XL (Crospovidone NF): 2,500 kg

5. Siliciumdioxid, hochdisp. CAB-O-SIL M-5: 0,660 kg

6. Cellulose, Carboxymethyl-Natrium, Ac-Di-Sol Typ SD 711 NF (Croscarmelose Sodium): 1,320 kg

7. Cellulose, Sanacel 150: 1,020 kg

Die preßfertige Mischung wird auf einer Rundläufer-Tablettiermaschine zu einem Oblong 10 mm × 25 mm, ohne Bruchrille, mit einem Gewicht von 1.625 mg gepreßt.

Die gepreßten Kerne werden anschließend mit folgender Lösung lackiert, bis das Gewicht 1.650 mg beträgt. Lackierlösung Cellulose, Hydroxypropyl, Klucel LF: 0,500 kg

Ethanol, unvergällt, 96% Mindestalkoholgehalt, Sorte 410: 4,500 kg

Nach dem Aufbringen der Filmlösung wird etwa für zwei Stunden nachgetrocknet.

Derartig hergestellte Tabletten sind an der Umgebung für mehrere Monate haltbar, ohne daß ein durch Feuchtigkeitsaufnahme verursachtes Aufquellen oder sonstige Veränderungen beobachtet werden.

Beispiel 2

Es werden gepreßte Kerne entsprechend Beispiel 1 hergestellt, die jedoch nicht mit einer Lackierlösung versehen werden.

Auch die gepreßten Kerne sind mehrere Wochen an der Umgebung ohne Anzeichen einer Wasseraufnahme durch Aufquellen lagerbar.

Beispiel 3

Ein nach der Verfahrensvorschrift von Beispiel 1 hergestelltes lackiertes Oblong wird noch mit einem Acrylharz (Eudragit E100), das aus einer Mischung von Dimethylaminoethylmethacrylat und einem Methacrylsäureester mit einem mittleren Molekulargewicht von 150 000 zusammengesetzt ist, oberflächlich besprüht.

Die so erhaltene Filmtablette kann mit Wasser benetzt werden, ohne daß ein Aufquellen als Anzeichen von Wasseraufnahme beobachtet wird.

Beispiel 4

Es wird ein Oblong mit 10 mm × 25 mm entsprechend der Vorschrift von Beispiel 1 hergestellt, mit der Ausnahme, daß der Gehalt an Magnesiumcarbonat an der Rohrstoffmischung 6,000 kg ist.

Ein solcher Rohling zeigt bei freiem Liegen an der Umgebung selbst nach mehreren Wochen keine Anzeichen von Wasseraufnahme durch Aufquellen.

Dies gilt gleichermaßen für Bruchstellen an einem aufgebrochenen Rohling.


Anspruch[de]
  1. 1. Arzneimittel auf der Grundlage von Magnesiumchlorid und ggf. pharmazeutisch verträglichen Hilfsstoffen, dadurch gekennzeichnet, daß es in Kombination mit Magnesiumcarbonat in fester Form vorliegt, wobei das Gewichtsverhältnis zwischen Magnesiumchlorid und Magnesiumcarbonat zwischen 1 : 10 und 50 : 1 liegt.
  2. 2. Arzneimittel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Gewichtsverhältnis zwischen Magnesiumchlorid und Magnesiumcarbonat zwischen 1 : 1 und 10 : 1, vorzugsweise zwischen 4 : 1 und 8 : 1, liegt.
  3. 3. Arzneimittel nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Magnesiumchlorid als wasserfreies Magnesiumchlorid, als Magnesiumhexahydrat oder -heptahydrat oder in anderer Form und das Magnesiumcarbonat als wasserfreies Magnesiumcarbonat, als basische Magnesiumcarbonate oder in anderer Form vorliegen.
  4. 4. Arzneimittel nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß es als Komprimat mit einer äußerlichen Lackierung vorliegt, wobei die Lackierung vorzugsweise mit einer Acrylharzschicht geschützt ist.






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