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Verfahren zur Behandlung von Muskelfleisch - Dokument DE4441018A1
 
PatentDe  


Dokumentenidentifikation DE4441018A1 23.05.1996
Titel Verfahren zur Behandlung von Muskelfleisch
Anmelder Richter, Peter, Dr., 98711 Vesser, DE;
Voigt, Roland, Dipl.-Ing., 98574 Schmalkalden, DE
Erfinder Richter, Peter, Dr., 98711 Vesser, DE;
Voigt, Roland, Dipl.-Ing., 98574 Schmalkalden, DE
Vertreter Schmalz, H., Dipl.-Ing.Dr.-Ing., Pat.-Anw., 98590 Mittelschmalkalden
DE-Anmeldedatum 17.11.1994
DE-Aktenzeichen 4441018
Offenlegungstag 23.05.1996
Veröffentlichungstag im Patentblatt 23.05.1996
IPC-Hauptklasse A23L 1/314
IPC-Nebenklasse A23L 3/3562   A23L 3/358   A23B 4/20   A23B 4/24   
Zusammenfassung Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Behandlung von Muskelfleisch, insbesondere von Schweine- und Rindfleisch.
Aufgabe der Erfindung ist es ein weitgehend von manueller Arbeit freies und damit auch großtechnisch anwendbares Verfahren zur Behandlung von Fleisch zu entwickeln, bei dem auch die im gewachsenen Zustand zusammenhängend belassenen Schlachttierkörperhälften oder -viertel, so beeinflußt werden, daß einerseits durch eine gezielte Reduzierung der Säuerung, bei Muskelfleisch mit hohen Gehalten an energiereichen Verbindungen, die Absolutwerte von Milchsäure im Fleisch verringert und damit die End-pH-Werte ohne Zugabe von alkalischen Stoffen erhöht werden und andererseits eine Verlangsamung der Säuerung (Bildung von Milchsäure pro Zeiteinheit) erreicht wird, wodurch die Fleischqualität positiv beeinflußt wird.
Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe dadurch gelöst, daß dem glykolisierenden Muskelfleisch von Schlachtschweinen in einem Zeitraum von unmittelbar post mortem bis 12 Stunden post mortem und von Schlachtrindern in einem Zeitraum von unmittelbar post mortem bis 24 Stunden post mortem, Kohlenhydrate und/oder Lactone in Mengen von 0,1 bis 5,0% schnell verteilt zugeführt werden.

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Behandlung von Muskelfleisch, insbesondere von Schweine-und Rindfleisch. Aus einer Vielzahl von Veröffentlichungen und aus Patenten ist bekannt, daß die Qualität des Muskelfleisches in hohem Maß durch seinen Säuerungsgrad bestimmt wird, der durch die Messung des pH-Wertes leicht erfaßt werden kann und der abhängig ist vom Vorrat des Muskels an Glykogen sowie von anderen energiereichen Verbindungen zum Zeitpunkt des Tötens des Tieres und von der Vollständigkeit des Abbaues dieser Verbindung/-en zu Milchsäure. So sind die für Handels- und Verarbeitungsfleisch wichtigen Fleischqualitätsparameter wie Safthaltevermögen und Wasserbindung, Verarbeitungseignung (Penetrations-bereitschaft, Farbbildung), Haltbarkeit und Verzehrsqualität (Fleischaroma, Saftigkeit und Textur) auch vom Säuerungsgrad des Fleisches abhängig.

Durch eine geringere Säuerung des Fleisches wird die Wasserbindung verbessert und die Lösung der fibrillären Eiweiße durch Salzlösungen begünstigt. Dadurch werden höhere Ausbeuten an Endprodukt erzielt und die Qualität derselben erhöht. Beispielsweise wird so der Scheibenzusammenhalt bei Kochschinken verbessert und bei der Brühwurstproduktion eine hohe Qualität durch die verbesserte Bindung von Fett und Wasser erreicht.

In diesem Zusammenhang ist aus der EP 0 209 268 ein Verfahren bekannt, die Wasserbindung des Fleisches durch die Erhöhung des pH-Wertes mittels Zusatz von alkalischen Stoffen zu verbessern. Da solche alkalischen Stoffe nicht in jedem Land zugelassen sind, stellte man sich an anderer Stelle die Aufgabe, den zugesetzten alkalischen Stoff während des Verarbeitungsprozesses zu verbrauchen. Dieser Prozeß ist jedoch sehr schwer zu beherrschen und in der Praxis werden, wie die Veröffentlichung im Mitteilungsblatt der Bundesanstalt für Fleischforschung Kulmbach 33, (1994), 301 zeigt, stets Teile des zugesetzten Stoffes im Endprodukt wiedergefunden. In der DE 40 22 007 wird daher ein Verfahren zur Vergleichmäßigung des pH- Wertes von Fleischstücken durch Osmose beschrieben. Hierbei werden die niedrigen pH-Werte der einen Fleischstücken auf Kosten solcher Fleischstücke mit hohen pH-Werten dadurch ausgeglichen, daß bei einer Temperatur von -1°C bis +2°C auf das geschichtete Fleisch in anerober Atmosphäre ein Druck von ca. 300 kg/cm² über einen Zeitraum von mindestens sieben Tagen aufgebracht wird. Da mit diesem Verfahren lediglich die unterschiedlichen pH-Werte des Fleisches ausgeglichen werden, sind bei Einsatz von Fleischstücken mit vorwiegend niedrigen pH-Werten auch nur vergleichsmäßigte niedrige pH-Werte zu erwarten. Darüberhinaus ist dieses Verfahren beispielsweise für einen großtechnischen Einsatz nicht geeignet, da die lange Verweilzeit des Fleisches im Lagerbehälter zwangsläufig einen diskontinuierlichen Verfahrensablauf erzwingt.

Darüberhinaus gehört es andererseits seit langer Zeit zum Fachwissen des Fleischers, die pH-Werte des Fleisches oder von Rohwurstbrät durch Fermentation von zusätzlich zugesetzten Zuckerstoffen zu Säuren mit dem Ziel der Verbesserung der Farbbildung und der schnelleren Wasserabgabe abzusenken. In diesem Zusammenhang beschreibt die US-A-40 238 513 ein Verfahren zur pH-Wert-Absenkung im Rohwurstbrät durch zusätzliche Zugabe von Zucker bei gleichzeitigem Einsatz des Stammes pediococcus pentosaceus. Die EP-0 063 303 beschreibt ein analoges Verfahren unter Zusatz von Glucose und des gleichen Stammes bei einer Temperatur unter 10°C zur Säuerung des Fleisches für die Kochschinkenproduktion. Dieses Verfahren hat den Nachteil, daß die meisten Fleischteile bereits ausreichend gesäuert sind und das nun auch diese Fleischteile noch zusätzlich gesäuert werden. Die damit verbundene verringerte Wasserbindung und die reduzierte Eiweißlöslichkeit verursachen erfahrungsgemäß Qualitätsmängel und Ausbeuteverluste.

Weiterhin ist bekannt, daß nicht nur der Säuerungsgrad des Fleisches, sondern auch die Geschwindigkeit der Säuerung des Fleisches post mortem (p.m.) die Fleischqualität bestimmt. Eine zu schnelle Säuerung, d. h. eine hohe Geschwindigkeit der Bildung von Milchsäure pro Zeiteinheit im Gewebe, verbunden mit einer Temperaturerhöhung, sind die Ursache für Strukturveränderungen an den Zellmembranen der Muskelzellen. Diese sind wiederum die Ursache für die, in den letzten Jahren vor allem am Schweinefleisch offenkundig gewordenen, extremen Fleischqualitätsmängel wie Wasserlässigkeit, Verringerung des Wasserbindevermögens, Weißfleischigkeit, Verringerung der Haltbarkeit, Veränderung von Geschmack und Textur, Erhöhung der Koch- und Bratverluste, und die Veränderungen der Verarbeitungseigenschaften wie die Veränderung der Penetrationsbereitschaft. Dieses strukturveränderte, wasserlässige Fleisch wird auch als PSE-Fleisch bezeichnet, ist als Handelsfleisch nur mit Einschränkungen geeignet und bereitet auch bei der Fleischverarbeitung viele Probleme.

Daher wird beispielsweise in der EP 0 500 288 ein Verfahren zur Verringerung der Bildung des strukturveränderten, wasserlässigen Fleisches beschrieben. Bei diesem Verfahren wird durch eine intensive schockartige Kühlung der Anteil an PSE-Fleisch reduziert. Dazu wird in manueller Arbeit stückiges Kohlendioxid in, ebenfalls von Hand, zwischen den Muskeln eingeschnittenen Taschen eingelegt. Natürlich verhindern die mit diesem Verfahren verbundenen hohen manuellen Aufwendungen einen effektiven großtechnischen Einsatz dieses Verfahrens.

Daher liegt der vorliegenden Erfindung die Aufgabe zugrunde, ein weitgehend von manueller Arbeit freies, und damit auch großtechnisch anwendbares Verfahren zur Behandlung von Fleisch zu entwickeln, bei dem auch die im gewachsenen Zustand zusammenhängend belassen Schlachttierkörperhälften oder -viertel, so beeinflußt werden, daß einerseits durch eine gezielte Reduzierung der Säuerung, bei Muskelfleisch mit hohen Gehalten an energiereichen Verbindungen, die Absolutwerte von Milchsäure im Fleisch reduziert und damit die End-pH-Werte ohne Zugabe von alkalischen Stoffen erhöht werden und andererseits durch die Verlangsamung der Säuerung (Bildung von Milchsäure pro Zeiteinheit) die Voraussetzungen geschaffen werden, daß die Zellstruktur des Muskelgewebes besser erhalten bleibt. Das auf diese Weise behandelte Fleisch soll sich durch eine bessere Wasserbindung, durch eine bessere Löslichkeit der fibrillaren Eiweiße durch Salzlösungen und durch gleichmäßigere Verarbeitungseigenschaften und damit durch seine Eignung für die Qualitätsproduktion von Verarbeitungserzeugnissen mit guter Ausbeute auszeichnen. Bei der Verwendung als Handelsfleisch stellen die Kriterien Wasserbindung und Haltbarkeit einen günstigen Kompromiß dar. Darüberhinaus soll das Verfahren auch dazu geeignet sein, diese durch die Behandlung des Fleisches erzielten positiven Eigenschaften desselben zu konservieren.

Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe dadurch gelöst, daß dem glykolisierenden Muskelfleisch von Schlachtschweinen in einem Zeitraum von unmittelbar p.m. bis 12 Stunden p.m. und von Schlachtrindern in einem Zeitraum von unmittelbar p.m. bis 24 Stunden p.m., Kohlenhydrate und oder Lactone in Mengen von 0,1 bis 5,0% schnell verteilt zugeführt werden.

Durch die Zugabe der angegebenen erfindungsgemäßen Stoffe wird die Bildung von Milchsäure im Muskelfleisch im Vergleich zum normalen Glykolyseverlauf um ca. 100 bis 350 mg % verringert. Dies führt zu einer Erhöhung des End-pH-Wertes um 0,1 bis 0,3 Einheiten und reduziert die Bildung der Milchsäure pro Zeiteinheit bis zu 50%. Dadurch wird der Anteil an wasserlässigem Fleisch verringert. Diese Erfindung führte zu der Erkenntnis, daß der postmortale Abbau der energiereichen Verbindungen wie z. B. Glykogen zu Milchsäure im Muskelfleisch der Schlachttierkörper durch den Zusatz der erfindungsgemäßen Stoffe aktiv beeinflußt werden kann. Die Glykolyse wird bei Zugabe der erfindungsgemäßen Zusätze, einerseits in Abhängigkeit von der Art der Zusätze und deren Kombination, und andererseits in Abhängigkeit von deren Konzentration und der Reaktionstemperatur, in ihrer Vollständigkeit, in ihrer Geschwindigkeit und in der Kontinuität des Ablaufes wesentlich verändert. Die Wirkung der erfindungsgemäßen Zusätze beruht offenbar auf der Veränderung der Aktivität der glykolytisch wirksamen Enzyme im Muskelfleisch.

Darüberhinaus werden die erfindungsgemäßen Zusätze gleichzeitig zur Konservierung der ausgezeichneten Eigenschaften des, mit dem erfindungsgemäßen Verfahren behandelten, Fleisches verwendet. Die positiven Eigenschaften des behandelten Fleisches werden über Tage hinweg erhalten.

Als wirksam für die Beeinflussung des Glykogenabbaues nach dem erfindungsgemäßen Verfahren erwiesen sich unter anderem die schlachttierkörpereigenen Kohlenhydrate Glykogen und Glucose. Dies macht einen Zusatz dieser Stoffe absolut unbedenklich. Aber z. B. auch die handelsüblichen Disaccharide Saccharose, Lactose und Maltose, und auch andere Saccharide wie nichtsüßende Zucker und Stärken wurden untersucht und erwiesen sich als Substanz oder in Mischungen als wirksam. Auch Lactone, wie z. B. Gluconsäurelacton, ein in der Fleischwirtschaft zugelassener und häufig verwendeter Zusatzstoff, wurden auf ihre Wirksamkeit untersucht. Neben der nachgewiesenen erfindungsgemäßen Wirkung auf die Milchsäurebildung war gleichzeitig die erwartete Säuerung durch Bildung von Säuren aus den Lactonen festzustellen. Als besonders wirksame Einsatzkonzentration wurden 0,3% bis 3,0% ermittelt, wobei die Obergrenze bei süßenden Zuckern lediglich durch den Geschmack festgelegt wird. Höhere Konzentrationen sind einsetzbar, wenn geschmacklich neutrale Kohlenhydrate verwendet werden, wobei die jeweilige Höhe der Konzentration substanzabhängig den Grad der Wirkungen in direktem Zusammenhang bestimmt. Darüberhinaus wurde festgestellt, daß Wirkungsverstärkungen bei Mischungen der Substanzen und/oder bei Veränderung der Ionenkonzentration eintraten.

Daher ist es erfindungswesentlich, daß dem erfindungsgemäß behandelten bzw. zu behandelnden Muskelfleisch gleichzeitig oder anschließend an die Zugabe der bereits genannten erfindungsgemäßen Stoffe anorganische Salze verteilt zugegeben werden. Durch die Zugabe der anorganischen Salze wird eine Erhöhung der Ionenkonzentration auf 0,4 bis 1,0 erreicht, wodurch einer Verstärkung der bereits beschriebenen erfindungsgemäßen Wirkungen der erfindungsgemäßen Zusätze hervorgerufen wird. Darüberhinaus führt die Erhöhung der Ionenkonzentration zu einer zusätzlichen Konservierung der Eigenschaften des behandelten Fleisches auf Grund einer irreversiblen Änderung der Konformation der myofibrillären Proteine.

Der günstigste Zeitpunkt für die Zugabe der erfindungsgemäßen Zusätze richtet sich nach dem Verlauf der Glykolyse. Für Schweinefleisch und Rindfleisch sind unterschiedliche Glykolyseabläufe charakteristisch. Im normal glykolysierenden Schweinefleischmuskel ist die Säuerung in maximal 12 Stunden beendet. Demgegenüber kann die Säuerung im Rindfleischmuskel bis zu 24 Stunden andauern. Im schnell glykolisierenden Schweinefleischmuskel hingegen wird die Milchsäure in Minutenzeiträumen bis zu zwei Stunden p.m. gebildet und im schnell glykolisierenden Rindfleischmuskel verläuft die Milchsäurebildung in einem Zeitraum von mehreren Stunden. Um die Glykolyse aktiv beeinflussen zu können ist es notwendig, einen möglichst großen Bereich der Glykolyse zu erfassen. Daher sind die Zusätze zu einem frühestmöglichen Zeitpunkt einzubringen, d. h. bei Schweinefleisch unmittelbar p.m. und bei Rindfleisch in Minuten bis zu wenigen Stunden p.m. Dabei bietet sich beim Rindfleisch eine Bestimmung der Fleischqualität vor dem Zusatz der erfindungsgemäßen Stoffe an, wozu der Zeitpunkt nach der Hälftentrennung geeignet ist.

Im Rahmen der Erfindung wurde außerdem festgestellt, daß die Wirkung der Zusätze deutlich von der Reaktionstemperatur beeinflußt wird. Warmes Fleisch wird durch die erfindungsgemäßen Zusätze wesentlich stärker beeinflußt, als durch intensive Kühlung bereits abgekühltes Fleisch.

Kennzeichnend ist darüberhinaus, daß dem glykolisierenden Muskelfleisch neben den bereits genannten Zusätzen Wirkstoffe wie Bakterizide und/oder Salze der Ascorbinsäure zugesetzt werden. Durch den Zusatz der Bakterizide verbessert man die Haltbarkeit und durch die Salze der Ascorbinsäure wird die Umrötung optimiert.

Erfindungswesentlich ist auch, daß die Zugabe der erfindungsgemäßen Substanzen in Lösungen oder durch Einbringen dieser Substanzen in fester Form, insbesondere durch das Injizieren der Lösungen oder der festen Stoffe in den ganzen Tierkörper oder in Teile des Tierkörpers, in die grobzerlegten Teilstücken oder in die feinzerlegten Teilstücken, oder durch die Zugabe der Lösungen oder der festen Stoffe zum zerlegten und zerkleinerten Fleisch, gegebenenfalls in Verbindung mit einer mechanischen Behandlung vor und ! oder nach Substanzzugabe, erfolgt. Durch diese erfindungsgemäße schnelle Verteilung wird erreicht, daß ein großer Bereich der Glykolyse beeinflußt werden kann, wobei insbesondere durch das Injizieren der Substanzen eine großtechnische Anwendung dieses Verfahrens ermöglicht wird.

Wesentlich ist darüberhinaus, daß eine Fleischqualitätsermittlung drei bis sieben Stunden nach dessen erfindungsgemäßen Behandlung durch pH-Wert- Messung und/oder durch Impulsimpedanzmessung erfolgt und unmittelbar nach dieser Fleischqualitätsbestimmung und der damit verbundenen Sortierung die Weiterverarbeitung des Fleisches zu den jeweiligen Endprodukten vorgenommen wird. Dabei erfolgt die Sortierung des behandelten Fleisches nach den Gesichtspunkten der Weiterverarbeitung. Das behandelte Schweinefleisch mit hohen pH-Werten von über 6,2 wird vorzugsweise mit hohen Ausbeuten und ausgezeichneten Qualitäten zu Brühwursterzeugnissen verarbeitet. Behandeltes Fleisch mit pH-Werten von 5,8 bis 6,2 wird vorzugsweise für Kochschinken und Einlagefleisch für Brühwursterzeugnisse und für Fleischerzeugnisse verwendet. Dieser Verarbeitung wird auch behandeltes Fleisch mit erhöhten End-pH-Werten über pH 5,8 auf Grund der veränderten Verarbeitungseigenschaften zugänglich, auch wenn noch Strukturveränderungen vorliegen. Fleisch mit pH- Werten unter 5,8 ohne oder mit Strukturveränderungen wird vorzugsweise für Rohwursterzeugnisse verwendet.

Eine andere Variante des Einsatzes des erfindungsgemäßen Verfahrens besteht darin, das Fleisch gezielt auf eine Verarbeitung zu einem bestimmten pH-Wert hin erfindungsgemäß zu behandeln und zu vergleichmäßigen.

Darüberhinaus besteht mit dem erfindungsgemäßen Verfahren die Möglichkeit die Fleischqualität der gesamten Produktion zu einem guten Handels-oder Verarbeitungsfleisch zu vergleichmäßigen.

Nachfolgend soll die Erfindung an Hand eines Ausführungsbeispieles näher erläutert werden. In den Fig. 1 und 2 sind Meßergebnisse für den pH-Wert- Verlauf beziehungsweise den Milchsäuregehalt über die Zeit p.m. bei erfindungsgemäß behandelten und unbehandelten Fleisch gegenübergestellt. Zur Ermittlung dieser Kurven wurde aus einer Hälfte eines Schlachtschweines 40 Minuten p.m. der M. longisimus dorsi (Kotlettmuskel) entnommen und die Fleischqualität durch Messung des pH 45-Wertes und des R-Wertes (Maß für den Abbau der Adenosinnucleotide) bestimmt. Die gemessenen Werte pH 45 = 6,5 und R 60 = 0,79 sind für normalqualitatives Fleisch typisch. Eine Stunde p.m. wurden 500 Gramm des Kotlettmuskels gewolft und mit 4 Gramm Glucose vermischt. Der Rest des Muskels wurde als Vergleichsprobe unter gleichen Bedingungen gelagert. In dem mit Glucose behandelten und gewolften Fleisch und in der unbehandelten Vergleichsprobe wurden in gleichen Zeitabständen der pH-Wert gemessen. Die Meßergebnisse sind in Fig. 1 graphisch dargestellt. Wie aus dieser Figur deutlich zu erkennen ist, verläuft die Säuerung im behandelten Fleisch (Kurve 2) langsamer als im unbehandelten Fleisch (Kurve 1). Der End-pH-Wert nach 24 Stunden p.m. unterscheidet sich im Fleisch sehr deutlich und liegt beim behandelten Fleisch mit pH = 5,95 um 0,2 Einheiten über den pH-Wert von 5,75 im unbehandelten Fleisch. Das führt zu einer verbesserten Wasserbindung und zu einer erhöhten Bereitschaft zur Lösung der fibrillären Eiweiße durch Salzlösungen. Parallel zur Bestimmung der pH-Werte wurde die zeitabhängige Bildung der Milchsäure im behandelten und unbehandelten Fleisch durch die Methode der enzymatischen Bestimmung der Milchsäure ermittelt und in Fig. 2 graphisch dargestellt. Wie dem Kurvenverlauf zu entnehmen ist, bildeten sich im unbehandelten Fleisch (Kurve 1) innerhalb von 24 Stunden 920 mg % Milchsäure und im behandelten Fleisch (Kurve 2) nur 690 mg %. Dabei verläuft die Bildung der Milchsäure im behandelten Fleisch in den ersten sieben Stunden p.m. langsamer als im unbehandelten Fleisch und nach ca. sieben Stunden ist im behandelten Fleisch der Prozeß der Milchsäurebildung beendet, das heißt es wird überhaupt keine Milchsäure mehr gebildet. Diese erfindungswesentlichen Unterschiede werden auf die, durch die in der Erfindung beschriebene, Beeinflussung der Glykolyse durch die erfindungsgemäß zugegebenen Stoffe zurückgeführt, die offenbar die Aktivität der Enzyme in charakteristischer Weise verringern. Während diese glykolytische Aktivität der Enzyme in den ersten Stunden p.m. bereits eingeschränkt wird, sinkt sie nach sechs bis sieben Stunden nach Zugabe der erfindungsgemäßen Stoffe auf Null ab.

Bei Zugabe des erfindungsgemäßen Zusatzes Glucose zu Muskelfleisch mit geringen oder aufgebrauchten Glykogenvorräten aber noch vorhandener Enzymaktivität wurde eine zusätzliche Säuerung beobachtet, was nur durch den Glucoseabbau zu Milchsäure erklärbar ist.


Anspruch[de]
  1. 1. Verfahren zur Behandlung von Muskelfleisch dadurch gekennzeichnet, daß dem glykolisierenden Muskelfleisch von Schlachtschweinen in einem Zeitraum von unmittelbar post mortem bis 12 Stunden post mortem und von Schlachtrindern in einem Zeitraum von unmittelbar post mortem bis 24 Stunden post mortem, Kohlenhydrate und oder Lactone in Mengen von 0,1 bis 5,0% verteilt zugeführt werden.
  2. 2. Verfahren nach Anspruch 1 dadurch gekennzeichnet, daß dem nach Anspruch 1 behandelten bzw. zu behandelnden Muskelfleisch gleichzeitig oder anschließend an die Zugabe der Stoffe nach Anspruch 1 anorganische Salze verteilt zugegeben werden.
  3. 3. Verfahren nach Anspruch 1, oder 1 und 2 dadurch gekennzeichnet, daß dem glykolisierenden Muskelfleisch neben den in diesen Ansprüchen bereits genannten Zusätzen Wirkstoffe wie Bakterizide und/oder Salze der Ascorbinsäure zugesetzt werden.
  4. 4. Verfahren nach der Ansprüchen 1 bis 3 dadurch gekennzeichnet, daß die Zugabe der erfindungsgemäßen Substanzen in Lösungen oder durch Einbringen dieser Substanzen in fester Form, insbesondere durch Injizieren der Lösungen oder der festen Stoffe in den ganzen Tierkörper oder in Teile des ganzen Tierkörpers, in die grobzerlegten Teilstücken oder in die feinzerlegten Teilstücken, oder durch Zugabe der Lösungen oder der festen Stoffe zum zerlegten und zerkleinerten Fleisch, gegebenenfalls in Verbindung mit einer mechanische Behandlung vor und/oder nach Substanzzugabe, erfolgt.






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