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Dokumentenidentifikation EP0756831 20.03.1997
EP-Veröffentlichungsnummer 0756831
Titel Verfahren und Vorrichtung zum Herstellen von Filzhüten
Anmelder Drzymalla, Uwe, 28857 Syke, DE
Erfinder Drzymalla, Uwe, 28857 Syke, DE
Vertragsstaaten AT, BE, CH, DE, DK, ES, FR, GB, GR, IE, IT, LI, LU, NL, SE
Sprache des Dokument De
EP-Anmeldetag 02.08.1995
EP-Aktenzeichen 951121185
EP-Offenlegungsdatum 05.02.1997
Veröffentlichungstag im Patentblatt 20.03.1997
IPC-Hauptklasse A42C 1/00

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Herstellen von Filzhüten, insbesondere von Karnevalshüten.

Filzhüte werden bisher üblicherweise in einer Reihe von Arbeitsvorgängen aus Filzstumpen oder Tiefziehfilz von Hand hergestellt. Als Tiefziehfilz wird meist Rollenfilz verwendet, der in Rollen bestimmter Breite und Länge auf dem Markt angeboten wird. Aus der Rollenware werden dann Filzplatten geschnitten, um beim späteren Pressen der Filzhüte möglichst wenig Abfall zu haben.

Das bekannte Verfahren zur Verarbeitung von Tiefziehfilz beginnt mit der Befeuchtung bzw. Nässung der einzelnen Filzstücke, was auf verschiedene Weisen geschehen kann. Die einfachste Möglichkeit besteht darin, einen Filzplattenstapel in einem Wasserbottich vollständig zu wässern und den nassen Filz anschließend bis auf eine Restfeuchtigkeit zu zentrifugieren. Der Nachteil hierbei ist, daß der Filz durch das Wässern Appretur und Farbstoffe verliert. Die Filzplatten können auch von Hand oder mechanisch einzeln eingesprüht werden. Dies ist arbeitsaufwendig und hat u. U. eine ungleichmäßige Befeuchtung der einzelnen Filzplatten zur Folge. Die einzelnen Filzplatten können auch über mehrere Stunden in feuchte Tücher eingelegt werden, wodurch sich eine sehr günstige Befeuchtung erzielen läßt. Nachteilig ist hierbei der hohe Arbeitsaufwand.

Die befeuchteten Filzstücke werden anschließend auf heiße Hutformen aufgezogen und erhalten während des Trocknungsvorgangs ihre endgültige Form.

Nach dem Trocknungsvorgang wird der noch in der Form befindliche Hut grob beschnitten, um den feuchten Filzrand um den Hut herum zu entfernen. Danach wird der fertig geformte Hut von der Hutform abgenommen und die Krempe in einem späteren Arbeitsvorgang von Hand beschnitten.

Aufgabe der Erfindung ist es, das beschriebene Herstellungsverfahren für Filzhüte hinsichtlich des Arbeitsaufwandes erheblich zu verkürzen sowie die Qualität und Reproduzierbarkeit einzelner Verfahrensschritte, wie z.B. das Beschneiden der Krempe, zu verbessern.

Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch Anspruch 1 gelöst.

Es ist eine weitere Aufgabe der Erfindung, eine Vorrichtung zum Herstellen von Filzhüten zu schaffen, die insbesondere zur Ausführung des erfindungsgemäßen Verfahrens in der Lage ist und unter Vermeidung der obengenannten Nachteile eine Serienfertigung qualitativ hochwertiger und preisgünstiger Filzhüte bei minimalem Arbeitsaufwand ermöglicht.

Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch Anspruch 3 gelöst.

Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen beschrieben.

Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines Ausführungsbeispiels unter Bezugnahme auf eine Zeichnung im einzelnen beschrieben, in der

  • Fig. 1 eine Gesamtansicht einer Ausführungsform der erfindungsgemäßen Vorrichtung zeigt,
  • Fig. 2 eine vergrößerte Darstellung eines ersten Teils der Vorrichtung nach Fig. 1 ist,
  • Fig. 3 eine vergrößerte Darstellung eines zweiten Teils der Vorrichtung nach Fig. 1 ist,
  • Fig. 4 eine vergrößerte Darstellung eines dritten Teils der Vorrichtung nach Fig. 1 ist,
  • Fig. 4a einen vergrößerten Ausschnitt aus Fig. 4 zeigt,
  • Fig. 5 ein schematischer Querschnitt durch eine Führungs- und Antriebsrollenanordnung in Fig. 2 entlang der Linie V-V ist, und
  • Fig. 6 einen mit dem erfindungsgemäßen Verfahren bzw. der Vorrichtung hergestellten fertigen Filzhut zeigt.

Fig. 1 zeigt eine bevorzugte Ausführungsform der erfindungsgemäßen Vorrichtung, die zur vollautomatischen Ausführung des erfindungsgemäßen Verfahrens in der Lage ist. Die Vorrichtung besteht in diesem Beispiel aus einer Abrolleinrichtung 1, einer Befeuchtungseinrichtung 2, einer Tiefzieheinrichtung 3 sowie einer Schneideein-richtung 4, wobei die Einrichtungen 2 bis 4 durch eine Transporteinrichtung 5 miteinander verbunden sind. Die einzelnen Einrichtungen 1 bis 4 und deren Funktion werden nachfolgend unter Bezugnahme auf Fig. 2 bis 4 im einzelnen beschrieben.

Fig. 2 zeigt zunächst die im Ganzen mit 1 bezeichnete Abrolleinrichtung, die der Bevorratung und Nachlieferung von Filzrollen sowie dem Abziehen einer Filzbahn von einer Rolle dient und im wesentlichen aus einer schräg zur Horizontalen angeordneten Rutsche 6 zur Aufnahme einer Anzahl von Filzrollen 7 sowie aus einer sich daran anschließenden Rinne 8 besteht, die zur Aufnahme der untersten Filzrolle 7 dient, von der gerade Filz abgezogen wird.

Eine im unteren Bereich der Rinne 8 angeordnete und diese durch einen Längsspalt teilweise durchsetzende Antriebswalze 9 versetzt die in der Rille befindliche Filzrolle 7 in Drehung in Pfeilrichtung, so daß eine Filzbahn 10 über das am Rand der Rinne angeordnete Abstreifblech 11 mit einer bestimmten Geschwindigkeit abläuft und von einer noch näher zu beschreibenden Transporteinrichtung 5 erfaßt und weitertransportiert wird. Das Abstreifblech 11 dient hauptsächlich dazu, den Anfang der Filzbahn 10 aufzufinden, wenn eine neue Filzrolle 7 in die Rinne 8 gelangt ist. Zur Erleichterung dieses Vorgangs kann des zweckmäßig sein, wenn die Filzrollen, die sich oberhalb der Filzrolle befinden, die gerade abgewickelt wird, in einem gewissen Abstand zu dieser gehalten werden, um eine die Drehung erschwerende Reibung zwischen den Rollen zu vermeiden. Dies kann z.B. durch einen (nicht dargestellten) Freigabemechanismus erreicht werden, der immer dann ausgelöst wird und eine neue Filzrolle freigibt, wenn eine Überwachungseinrichtung das Ende der Filzbahn (10) feststellt.

Unmittelbar nach Verlassen des Abstreifblechs wird die Filzbahn 10 von einer Transporteinrichtung 5 in Form zweier parallel laufender Nadelstreifen erfaßt. Es handelt sich hierbei um eine in der Textilindustrie verschiedentlich eingesetzte, förderbandartige Transporteinrichtung, deren Wirkungsweise in Fig. 5 weiter erläutert ist. Zwischen zwei Antriebsrollen 12 und Umlenkrollen 13 läuft ein endloser Gurt mit Obertrum 15a und Untertrum 15b um, der in regelmäßigen Abständen in Laufrichtung hintereinander mit Nadeln 15c ausgestattet ist und daher als Nadelstreifen bezeichnet wird (Fig. 2, Fig. 4, Fig. 5). Zwei derartige Transportbänder sind parallel zueinander mit Abstand so angeordnet, daß sie die Filzbahn 10 an deren Ränder erfassen. Die Andruckrollen 14 sorgen dafür, daß sich die Nadeln 15c vollständig durch die Filzbahn 10 hindurchdrükken und diese zuverlässig transportiert wird. Die Rollen 12, 13 und 14 sind in nicht dargestellten Lagerungen gehalten bzw. werden von einem steuerbaren Antrieb in Drehung versetzt.

Zum Transportieren des Filzes kann alternativ selbstverständlich jede andere, geeignete Vorrichtung eingesetzt werden, z.B. Greifer, die die Filzbahn durch Reib- und/oder Formschluß erfassen, oder auch zyklisch hin- und herbewegte Vorschubelemente, die in Vorschubrichtung jeweils leicht angehoben werden.

Fig. 2 zeigt weiterhin die Befeuchtungseinrichtung 2, die im wesentlichen aus einer Düsenanordnung 1, einer Lochplatte 18 und einer Abzugseinrichtung 19 besteht. Sobald die Transporteinrichtung 5 einen (neuen) Filzbahnabschnitt (10a) mit einer für die Herstellung eines Hutes entsprechenden Länge über die Lochplatte 18 gezogen hat, wird der Transport für die Dauer des Befeuchtungs-vorgangs unterbrochen. Bereits hier sei darauf verwiesen, daß der Transport an allen Bearbeitungseinrichtungen 2, 3, 4 gleichzeitig unterbrochen wird, um die jeweilige Bearbeitung taktweise gleichzeitig vorzunehmen, was zu einer erheblichen Zeiteinsparung führt. Der oberhalb der Lochplatte 18 befindliche Abschnitt der Filzbahn 10 wird mit Hilfe von aus der Düsenanordnung 17 austretenden Dampfstrahlen befeuchtet, wobei der Dampfzutritt über ein Ventil 20 gesteuert wird.

Das Ventil 20 wird - in Abhängigkeit von der Art und der Dicke der Filzbahn 10 so lange geöffnet, bis der Filz durch ausreichende Befeuchtung dehnfähig oder verformbar wird. Zu diesem Zweck wird beispielsweise die mechanische Spannung in der Filzbahn detektiert, und es wird das Ventil 20 geschlossen, wenn die mechanische Spannung in der Filzbahn 10 einen vorgegebenen Wert unterschreitet, d.h. wenn sich die Filzbahn vorgegeben ausdehnt. Alternativ läßt sich auch die Temperatur der Filzbahn 10 detektieren, und das Ventil 20 schließt die Düsenanordnung 17, wenn die Temperatur der Filzbahn einen vorgegebenen Wert überschreitet, bei dem erfahrungsgemäß der Filz so viel Feuchtigkeit aufgenommen hat, daß die Dehnfähigkeit und damit die Verformbarkeit des Filzes einsetzt.

Gemäß einer weiteren alternativen Ausführungsform der Erfindung läßt sich auch ein Parameter des durch die Filzbahn hindurchtretenden Dampfes, z.B. die Dampftemperatur etc,. als Steuerungsparameter verwenden; wenn z.B. die Temperatur oder der Druck des Dampfes, der durch die Filzbahn hindurchtritt, einen vorgegebenen Wert erreicht oder unterschreitet, so wird bei Auftreten dieses Kriteriums das Ventil 20 geschlossen und damit der auf die Filzbahn gerichtete Dampfstrahl unterbrochen.

Durch die Filzbahn 10 hindurchtretender, überschüssiger Dampf kann durch die aus einer Abzugshaube und einem Gebläse bestehenden Abzugseinrichtung 19 abgesaugt werden. Die Düsenanordnung 17 weist bevorzugt eine flächige Anordnung zahlreicher Düsen auf, es kann hingegen auch vorgesehen sein, eine oder mehrere Dampfdüsen unterhalb der Lochplatte 18 hin- und herzubewegen und auf diese Weise den oberhalb der Lochplatte befindlichen Filzbahnabschnitt zu befeuchten.

In einer alternativen Ausführungsform kann die Filzbahn durch Wasser befeuchtet werden, was durch Besprühen oder dadurch erfolgen kann, daß die Filzbahn durch eine mit Wasser gefüllte Wanne geführt und von einem Walzenpaar ausgepreßt wird. Wenn relativ dicker oder undurchlässiger Filz verarbeitet wird, kann es zweckmäßig sein, die Filzbahn beidseitig mit Dampf oder Wasser zu besprühen, wobei sich die Befeuchtungstemperatur nach den jeweiligen Gegebenheiten richtet.

Der befeuchtete Filzbahnabschnitt wird anschließend von den Nadelstreifen zur Tiefzieheinrichtung 3 (Fig. 3) weiterbefördert, an der die Formgebung des Hutes stattfindet. Die Tiefzieheinrichtung besteht im wesentlichen aus einem Paar zueinander komplementärer, beheizter Hutformen, der Oberform 21 und der Unterform 22, die ober- und unterhalb der Filzbahn 10 einander gegenüberstehend angeordnet sind. Zur besseren Feuchtigkeitsabfuhr können die Formen porös oder perforiert sein.

Die Hutformen 21 und 22 werden bevorzugt elektrisch beheizt, da sich so eine gleichmäßige und leicht regelbare Temperatur einstellen läßt, die je nach Farbe des Filzes im Bereich von etwa 90°C bis etwa 200°C liegt. Die Hutformen 21 und 22 sind mit Hilfe von Parallelführungen 23, 24 und Hydraulikantrieben 26, 27 vertikal in Pfeilrichtung 25 verfahrbar. Um zu verhindern, daß die Randbereiche des zwischen Ober- und Unterform befindlichen Filzbahnabschnitts, also diejenigen Teile, die später die Krempe des Huts bilden, beim Zusammenfahren der Formen übermäßig zur Mitte gezogen werden und Falten bilden, ist ein die Oberform umschließender Spannrahmen 28 vorgesehen, der vor Beginn des Tiefziehvorgangs abgesenkt und gegen die Unterform 22 angedrückt wird und den Filzbahnabschnitt am Rand festhält. Alternativ könnte die Spannkraft auch von der Transporteinrichtung selbst aufgebracht werden.

Sobald sich ein befeuchteter Filzbahnabschnitt 10a zwischen Ober- und Unterform befindet, wird die Transporteinrichtung 5 (Nadelstreifen) angehalten und die Unterform 22 nach oben bewegt, bis sich ihre Oberseite unmittelbar unterhalb der Filzbahn 10 befindet. Als nächstes wird der Spannrahmen 28 so abgesenkt, daß er eine definierte Klemmkraft auf die außerhalb der Umfangslinie der Oberform 21 befindliche Randzone der Filzbahn ausübt, wobei er diese gegen die Unterform drückt. Der Spannrahmen kann dabei so ausgeführt sein, daß er den Filzabschnitt bereits leicht vorspannt. Anschließend wird die Oberform 21 abgesenkt, wobei der Filzbahnabschnitt verformt und aufgrund der Beheizung der Formen innerhalb kurzer Zeit (abhängig von Größe, Farbe, Heiztechnik und Feuchtegrad zwischen etwa 30 Sekunden und 6 Minuten) getrocknet wird. Während des Tiefziehvorgangs kann es vorkommen, daß das Dehnungsvermögen des Filzes für die erforderliche Flächenzunahme nicht ausreicht und die vom Spannrahmen 28 gehaltene Randzone des Filzbahnabschnitts in Richtung zur Formmitte gezogen wird, was insbesondere bei hohen Hüten der Fall ist. Dabei tritt aufgrund der Filzstruktur lediglich ein Einziehen in Querrichtung auf, in Längsrichtung (= Transportrichtung) jedoch praktisch nicht. Um dieser Breitenänderung des Filzabschnitts Rechnung zu tragen, sind die Nadelstreifen 5 ab dem Bereich der Hutformen in seitlicher Richtung elastisch bzw. nachgiebig gehalten, z. B. durch an Federn gehaltene Führungselemente. Bevor der verformte Filzbahnabschnitt weitertransportiert wird, trennt ein quer verfahrbares, rotierendes Messer 30 diesen von der übrigen Filzbahn ab. Dieser Abtrennvorgang könnte selbstverständlich auch bereits an der Befeuchtungseinrichtung stattfinden.

Um eine Verformung des aus der Form gelösten, noch heißen Filzhutes aufgrund der Feuchtigkeit, des Gewichts und/oder der Spannkraft des seitlich der Krempe überstehenden Randbereichs zu vermeiden, kann es zweckmäßig sein, diesen vor dem Auseinanderfahren von Ober- und Unterform (grob) abzuschneiden. Hierzu kann z.B. eine in Fig. 3 nicht dargestellte Stanzvorrichtung dienen. Wenn dies vorgesehen wird, muß selbstverständlich der Weitertransport des Hutes durch eine geeignete (andere) Transportiereinrichtung erfolgen.

Anschließend wird der abgetrennte Filzabschnitt bzw. Filzhut zur Schneideeinrichtung 4 (Fig. 4) weiterbefördert, welche die Aufgabe hat, den Rand der Hutkrempe sauber zu beschneiden. Hierbei besteht das Hauptproblem in der Handhabung bzw. dem Festhalten von Hut und Hutkrempe, ohne daß der Hut dabei übermäßig verformt wird. Dieses Problem wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß der Hut erneut von zwei (nicht beheizten) Hutformen 31 und 32 erfaßt wird, die in einer Fig. 3 entsprechenden Weise gehalten und geführt sind, so daß der Hut einschließlich Krempe definiert aufgenommen und gehalten wird. An der Oberform 31 ist entlang deren Umfangsrand ein Stanzmesser 33 befestigt, welches in Fig. 4a als vergrößerter Ausschnitt des in Fig. 4 durch einen gestrichelten Kreis angedeuteten Bereichs dargestellt ist. Beim Zusammenfahren der Oberform 31 und der (über die Oberform hinausragenden) Unterform 32 wird der Hut relativ zu den Formen und zum Messer 33 selbsttätig positioniert und im letzten Abschnitt des Verfahrbereichs der Formen der verbleibende, über die Umfangslinie der Oberform 31 überstehende Randabschnitt durch das Messer 33 abgetrennt. Um das selbsttätige Positionieren des Hutes zwischen Ober- und Unterform zu erleichtern, kann es zweckmäßig sein, die Unterform 32 soweit hochzufahren, daß der Hut von den Nadelstreifen abgehoben wird und frei beweglich ist.

Die Vorteile der erfindungsgemäßen Einspannung der Hutkrempe mit Hilfe zweier weiterer Formen werden besonders deutlich, wenn ein Hut mit einer stark hochgezogenen bzw. wannen- oder wulstförmigen Krempe beispielsweise gemäß Fig. 6 beschnitten werden soll. Um eine (Rück-)Verformung des Hutes zu vermeiden, ist es erforderlich bzw. wünschenswert, die Hutkrempe beidseitig entlang ihrer kompliziert gebogenen Form einzuspannen, um sie maschinell beschneiden zu können. Dies wird ersichtlich durch zwei den Hut als Ganzes-aufnehmende und selbsttätig positionierende Formen, die den Hutformen 21 und 22 exakt entsprechen, erheblich erleichtert bzw. überhaupt erst ermöglicht.

Selbstverständlich kann alternativ zum Stanzen des Randes entlang der durch die Außenkante der Oberform 31 vorgegebenen Umfangslinie eine beliebige Vorrichtung vorgesehen sein, die ein sauberes Entfernen des überstehenden Randes ermöglicht, z.B. rotierende Messer oder Fräsen, und es kann auch vorgesehen sein, daß die den Hut haltenden Formen gegenüber einer in Umfangsrichtung feststehenden Schneidevorrichtung rotieren bzw. umgekehrt.

Die Entnahme der fertigen Hüte kann z. B. durch Greifer oder eine Absaugvorrichtung oder auch dadurch erfolgen, daß die Unterform 32 um 180° geschwenkt wird und der Hut in ein Magazin fällt.

Wenn Karnevalshüte bzw. Hüte mit farbigen oder sonstigen Applikationen hergestellt werden sollen, kann sich an die Schneideeinrichtung 4 noch eine weitere Bearbeitungseinrichtung anschließen, an der der Hut zunächst in entsprechender Weise in einer definierten Lage erfaßt und dann mit Applikationen wie z.B. Ansteck- oder Anklebeelementen versehen wird. Dies kann auch bereits an der Schneideeinrichtung 4 erfolgen, nachdem der Rand entfernt worden ist. Insbesondere kann vorgesehen sein, daß eine bewegliche Heißklebepistole in einem ersten Schritt Klebstoffpunkte auf eine vorbestimmte Stelle des Hutes aufbringt und in einem zweiten Schritt ein rohrförmiges, an einem Ende offenes Magazin mit den aufzuklebenden Applikationen an den Klebstoffpunkt angedrückt und wieder zurückgezogen wird, wobei das anzubringende Teil aus dem Magazin gelöst wird und am Hut festklebt.

Die beschriebenen Einzelvorgänge an den Bearbeitungseinrichtungen 1 bis 4 werden zur Gewährleistung einer taktgerechten Zusammenarbeit von einer zentralen Steuereinheit gesteuert. Die zahlreichen, hierzu erforderlichen Meß- und Überwachungseinrichtungen sind z.B. in Form von Temperatur-, Druck- und Kraftaufnehmern, optischen Sensoren usw. bekannt und werden daher nicht im einzelnen beschrieben.

Wie bereits eingangs erwähnt, führen die Einrichtungen 2 bis 4 die ihnen zugeordneten Arbeitsvorgänge jeweils gleichzeitig aus, so daß mit jedem Arbeitstakt ein fertiger Hut entsteht.


Anspruch[de]
  1. Verfahren zum Herstellen von Filzhüten, insbesondere Karnevalshüten, bei dem
    • (a) eine Filzbahn (10) von einem Vorrat, insbesondere einer Filzrolle (7) abgezogen wird,
    • (b) ein Filzabschnitt (10a) vorbestimmter Länge an einer Befeuchtungsstation mit Wasser und/oder Dampf in gesteuerter Weise befeuchtet wird,
    • (c) der Filzabschnitt (10a) an einer Tiefziehstation mit zwei komplementären Formen bis auf einen umlaufenden Randbereich unter Wärmezufuhr tiefziehartig verformt und getrocknet wird, wobei der Randbereich mit einer vorbestimmten Spannkraft festgehalten wird,
    • (d) und anschließend ein überstehender, nicht verformter Randbereich entlang einer vorbestimmten Umfangslinie abgetrennt wird.
  2. Verfahren nach Anspruch 1,

    dadurch gekennzeichnet, daß
    • (e) der Filzabschnitt (10a) nach einem der Schritte (a) bis (c) von der übrigen Filzbahn (10) abgetrennt wird,
    • (f) die Filzbahn (10)/der Filzbahnabschnitt (10a) von einem Verfahrensschritt (a bis d) zum nächsten transportiert wird, und
    • (g) die Verfahrensschritte (b) bis (e) gleichzeitig und abwechselnd mit den Schritten (a) und (f) taktweise ausgeführt werden.
  3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,

    dadurch gekennzeichnet, daß der verformte Filzabschnitt (10a) an einer Schneidestation entlang einer vorbestimmten Umfangslinie eingespannt wird, wobei ein Rand nach außen übersteht, und der überstehende Rand unter Fertigstellung eines Filzhutes insbesondere durch Schneiden, Stanzen oder Fräsen entlang der Umfangslinie entfernt wird.
  4. Verfahren nach Anspruch 1,

    dadurch gekennzeichnet, daß der Filzabschnitt in Schritt (c) bei einer geregelt einstellbaren Temperatur verformt und getrocknet wird.
  5. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,

    dadurch gekennzeichnet, daß der nicht verformte Randabschnitt unmittelbar nach dem tiefziehartigen Verformen bereits zum größten Teil grob abgetrennt wird.
  6. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche,

    dadurch gekennzeichnet, daß in der Befeuchtungsstation die Spannung in dem Filzabschnitt (10a) detektiert wird, und daß die Befeuchtung mit Wasser und/oder Dampf beendet wird, wenn die Spannung in dem Filzabschnitt (10a) unter einen vorgegebenen Wert fällt.
  7. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche,

    dadurch gekennzeichnet, daß in der Befeuchtungsstation die Temperatur des Filzabschnitts (10a) detektiert wird, und daß die Befeuchtung mit Wasser und/oder Dampf beendet wird, wenn die Temperatur des Filzabschnitts (10a) einen vorgegebenen Wert überschreitet.
  8. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche,

    dadurch gekennzeichnet, daß in der Befeuchtungsstation die Temperatur des durch den Filzabschnitt (10a) hindurchtretenden Dampfes detektiert wird, und daß die Befeuchtung mit Wasser und/oder Dampf beendet wird, wenn die gemessene Dampftemperatur über einen vorgegebenen Wert steigt.
  9. Vorrichtung zum Herstellen von Filzhüten, insbesondere Karnevalshüten, insbesondere zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1, 2 oder 3, mit
    • (a) einer Einrichtung (1) zum Abziehen einer Filzbahn (10) von einem Vorrat, insbesondere von einer Filzrolle (7),
    • (b) einer Einrichtung (2) zum gesteuerten Befeuchten eines Filzabschnitts (10a) vorbestimmter Länge mit Wasser und/oder Dampf,
    • (c) einer Einrichtung mit zwei beheizbaren, komplementären Hutformen (21, 22) zum tiefziehartigen Verformen und Trocknen des Filzabschnitts (10a), wobei ein Randbereich des Filzabschnitts (10a) allseitig über den Rand der Formen übersteht,
    • (d) einer Einrichtung (28) zum Festhalten eines umlaufenden Randbereichs des Filzabschnitts (10a) mit einer vorbestimmten Haltekraft,
    • (e) einer Einrichtung (31, 32) zum Einspannen des verformten Filzabschnitts (10a) entlang einer vorbestimmten Umfangslinie, wobei ein Rand über die Umfangslinie nach außen übersteht, und zum Entfernen des überstehenden Randes,
    • (f) einer Einrichtung (33) zum Abtrennen des Filzabschnitts (10a) von der übrigen Filzbahn,
    • (g) einer Einrichtung (5) zum selbsttätigen Transportieren der Filzbahn (10)/des Filzabschnitts (10a) von (a) bis (e),
    wobei die Einrichtungen (a) bis (e) aufeinanderfolgend angeordnet sind.
  10. Vorrichtung nach Anspruch 9,

    dadurch gekennzeichnet, daß die beheizbaren Hutformen (21, 22) auf eine regelbare Temperatur einstellbar sind.
  11. Vorrichtung nach Anspruch 9 oder 10,

    gekennzeichnet durch eine Einrichtung (28) zum Festhalten eines umlaufenden Randbereichs des Filzabschnitts (10a) mit einer vorbestimmten Haltekraft.
  12. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 9 bis 11,

    dadurch gekennzeichnet, daß auf dem Rand einer der Hutformen (31, 32) ein Schneidkanal ausgebildet ist, in den eine Schneidklinge eingreift.
  13. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 9 bis 12,

    dadurch gekennzeichnet, daß die Befeuchtungseinrichtung (2) feststehende und/oder bewegliche Düsen (17) zum gesteuerten Versprühen von Dampf und/oder Wasser ein- oder beidseitig des Filzabschnitts (10a) aufweist.
  14. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 5 bis 13,

    dadurch gekennzeichnet, daß die Befeuchtungseinrichtung (2) einen Wasserbehälter und ein Walzenpaar aufweist und daß die Filzbahn zum Befeuchten durch den Wasserbehälter und anschließend zum kontrollierten Abgeben von Feuchtigkeit durch den Walzenspalt hindurchläuft.
  15. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 9 bis 14,

    dadurch gekennzeichnet, daß die Einrichtung (31, 32) zum Einspannen des verformten Filzabschnitts (10a) aus zwei in Richtung zueinander bewegbaren Aufnahmeformen (31, 32) besteht, deren gegenüberliegende Flächen wenigstens im Randbereich ebenso wie die Hutformen (21, 22) ausgebildet sind.
  16. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 9 bis 15,

    dadurch gekennzeichnet, daß die Einspanneinrichtung (31, 32) mit einer feststehenden oder beweglichen Abtrenneinrichtung (33) zusammenwirkt oder diese bildet.
  17. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 9 bis 15,

    dadurch gekennzeichnet, daß die Einspanneinrichtung (31,32) drehbar ist und mit einer in Umfangsrichtung feststehenden Abtrenneinrichtung zusammenwirkt.
  18. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 9 bis 17,

    dadurch gekennzeichnet, daß die Einrichtung (5) zum selbsttätigen Transportieren der Filzbahn (10)/des Filzabschnitts (10a) als ein Paar mit Abstand parallel zueinander angeordneter, gesteuert antreibbarer Nadelstreifenbänder (15) ausgebildet ist, die die Filzbahn (10)/den Filzabschnitt (10a) in unmittelbarer Nähe seiner Ränder erfassen.
  19. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 9 bis 18,

    dadurch gekennzeichnet, daß zwischen der Befeuchtungseinrichtung (2), der Tiefzieheinrichtung (3) und der Schneideinrichtung (4) jeweils ein von der Transporteinrichtung (5) zu überbrückender Abstand besteht, der einem ganzzahligen Vielfachen der Länge eines zur Herstellung eines Hutes erforderlichen Filzabschnittes (10a) entspricht.






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