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Dokumentenidentifikation DE19605617A1 21.08.1997
Titel Schwarze Glasfritte, Verfahren zu ihrer Herstellung und deren Verwendung
Anmelder Cerdec AG Keramische Farben, 60327 Frankfurt, DE
Erfinder Tünker, Gerhard, 63075 Offenbach, DE
DE-Anmeldedatum 15.02.1996
DE-Aktenzeichen 19605617
Offenlegungstag 21.08.1997
Veröffentlichungstag im Patentblatt 21.08.1997
IPC-Hauptklasse C03C 3/089
IPC-Nebenklasse C03C 3/091   C03C 3/064   C03C 8/02   
Zusammenfassung Die Verwendung üblicher Glasfritten zur Herstellung schwarzer Glasfarben macht die Mitverwendung einer größeren Menge von schwarzen Pigmenten erforderlich. Durch die Verwendung erfindungsgemäßer schwarzer Glasfritten, welche bereits in dünnen Schichten eine geringe Transmission aufweisen, läßt sich die Einsatzmenge an Pigmenten reduzieren.
Die erfindungsgemäße Glasfritte ist schwarz und enthält in der Glaszusammensetzung (in Mol-%): 10-17% K2O, 10-25% B2O3, 15-30% TiO2, 30-55% SiO2, 0-5% Al2O3, 0-5% Bi2O3, 0,05-3% Fe2O3 (Gesamteisen) und 0,1-3% Schwefel (Gesamt-Schwefel).

Beschreibung[de]

Die Erfindung richtet sich auf eine schwarze Glasfritte, deren Zusammensetzung im wesentlichen frei von Blei und Cadmium ist. Weitere Gegenstände sind ein Verfahren zur Herstellung der schwarzen Glasfritte und deren Verwendung zur Herstellung von Glasemails und anderen Dekoren auf einbrennfähigen Substraten.

Zur Dekoration von Glasartikeln, insbesondere Glasscheiben, werden Glasfarben verwendet, welche einen oder mehrere Farbkörper, wie Pigmente, und eine oder mehrere Glasfritten enthalten. Die Glasfarbe wird nach dem Auftrag auf ein Substrat eingebrannt, wobei sich ein Glasemail ausbildet. Bei der Applikation von Glasfarben auf Glasscheiben muß das Schmelzverhalten der Glasfarben den typischen Bedingungen des Biege- und Vorspannungsprozesses angepaßt sein: Typische Einbrennbedingungen sind Temperaturen zwischen etwa 600 und 650°C und Brennzeiten von wenigen Minuten.

Speziell im Autoglasbereich werden schwarze Glasfarben mit sehr niedriger Licht- und UV-Durchlässigkeit benötigt. Als schwarze Farbkörper enthalten derartige Glasfarben meistens Farboxide auf der Basis von Oxiden und Mischoxiden von Chrom, Kobalt, Nickel und Kupfer. Typische Werte für die Lichtdurchlässigkeit sind kleiner 0,1% für einen etwa 30 µm dicken eingebrannten Film. Eine solche Transmission wird von Glasfarben erreicht, welche üblicherweise 15 bis 30 Gew.-% schwarze Farbkörper enthalten. Da die Farbkörper üblicherweise erheblich teurer sind als die Glasfritte, besteht Bedarf an Glasfritten mit geringer Lichtdurchlässigkeit, welche in Glasemails mit einem möglichst geringen Gehalt an teuren Farbkörpern eine möglichst geringe Transmission aufweisen.

Die sulfidische Einfärbung von technischem Glas mit Eisenoxid führt zwar zur bekannten braunen Sulfoferrit- Färbung, nicht aber zu einer Schwarzfärbung.

Es ist auch bekannt, daß titanhaltige Gläser eine gelbliche bis braune oder blaue Färbung besitzen, wenn diese unter reduzierenden Bedingungen erschmolzen werden. Gemäß DE- Patentschrift 44 28 234 zeigt eine Glaszusammensetzung auf der Basis eines alkaliarmen Borsilikatglases mit einem Zusatz von 0,1 bis 3 Gew.-% TiO&sub2;, welche in Gegenwart von 0,01 bis 0,1 Gew.-% metallischem Silicium erschmolzen wird, eine intensive blaue bis schwarze Färbung. Wie die Erfinder der vorliegenden Erfindung feststellten, ist die Färbung dieser Gläser in dünnen, etwa 20 µm dicken Schichten nicht ausreichend, um unter Verwendung dieser Gläser die Einsatzmenge an schwarzen Farbkörpern bei der Herstellung schwarzer Glasfarben für den Autoglasbereich nennenswert reduzieren zu können.

Auch eine Glaszusammensetzung gemäß EP-B 0 482 535 mit einem färbenden Anteil auf der Basis von FeO, Selen und CoO ist nur grau, nicht aber schwarz.

Bei Front- und insbesondere Heckscheiben muß eine Bedruckung der mit einer Glasfarbe beschichteten Glasscheibe mit einer Silberleitpaste zwecks Ausbildung von Leiterbahnen möglich sein. Schließlich sollte während des Einbrennvorgangs und Verformung der Scheibe eine Migration von Silber durch die Farbe in das Glas vermieden werden, da die Migration zu einer Gelbfärbung des Floatglases führt. Eine weitere Anforderung an Glasfarben für den Autoglasbereich besteht darin, daß die aufgeschmolzene Farbe beim Verformen der Scheibe nach dem sogenannten Preß- Biege-Verfahren nicht mit dem Preßwerkzeug verkleben darf. Zudem soll die eingebrannte Glasfarbe eine hohe Säurebeständigkeit gegen Galvanoelektrolyte (pH kleiner 1) aufweisen. Schließlich soll die in der Glasfarbe enthaltene Glasfritte frei von Blei und Cadmium sein.

In der Fachwelt sind verschiedene blei- und cadmiumfreie Glasfritten und sie enthaltende Farbzubereitungen für die Ausbildung von Glasemails auf Autoglasscheiben, bekannt. Üblicherweise handelt es sich hierbei um Frittensysteme auf der Basis eines Wismut-Alkali-Borsilikatglases oder eines Alkali-Zink-Borsilikatglases oder Mischungen davon.

Bekannte Glasfrittensysteme sind nicht nur weitgehend transparent, sie erfüllen auch die vorgenannten anwendungstechnischen Erfordernisse nur teilweise: So basiert die blei- und cadmiumfreie Glasfritte gemäß EP-A 0 267 154 auf einem Gehalt an Na&sub2;O, ZnO, B&sub2;O&sub3; und SiO&sub2; und kann einige weitere Oxide, wie Bi&sub2;O&sub3; und Li&sub2;O, enthalten. Wie die Beispiele zeigen, erfüllen aber nur Glasfritten mit einem Bi&sub2;O&sub3;- oder Li&sub2;O-Gehalt den für die Anwendung auf Glas geforderten Aufschmelzbereich von deutlich unterhalb 650°C. Nachteilig an lithiumhaltigen Glasfritten ist, daß es hiermit zur Verminderung der Bruchfestigkeit von damit emaillierten Glasscheiben kommt.

Auch in der EP-A 0 370 683 werden nur ein transparenter Glasfluß mit 45 bis 65 Gew.-% Bi&sub2;O&sub3; sowie eine solche Fritte enthaltende Farbzubereitungen zur Herstellung von Glasemails beschrieben. Durch Verwendung derartiger Farbzubereitungen zur Herstellung von emaillierten Autoglasscheiben wird das Kleben der damit bedruckten Scheiben in der Biegeform vermieden. Dies wird erreicht durch einen Kristallisationsprozeß, der nach dem Aufschmelzen der Farbe einsetzt. Glasfritten mit hohem Wismutgehalt zeigen zwar verbesserte Eigenschaften, jedoch sind derartige Fritten in Abhängigkeit vom Wismutgehalt viel teurer als wismutarme oder wismutfreie Glasfritten. Zudem enthält der Glasfluß auch 2 bis 6 Gew.-% Li&sub2;O, was zu einer deutlichen Schwächung der Bruchfestigkeit des emaillierten Glases, besonders bei Mehrfachdrucken, führt. Eine Zusammensetzung gemäß WO 92/0429 enthält zwar auch eine kristallisierbare Glasfritte und Keimbildner auf der Basis von Zn&sub2;SiO&sub4;, Nachteil dieser Glasemails ist aber deren mäßige Säurebeständigkeit.

Anti-Stick-Glasfarben, wie sie in der US 4,959,090 beschrieben werden, enthalten Metallpulver und sind für den Einsatz zur Herstellung emaillierter gebogener Glasscheiben in Preßbiegeöfen geeignet. Nachteilig an den hiermit erzeugten Glasemails ist deren ungenügende Säurebeständigkeit: Zudem kommt es zu einer Verfärbung der schwarzen Farben zu grau- oder braunstichigen Farbtönen.

Das bekannte Problem der während des Einbrennens auftretenden Silberdiffusion aus einer auf die Emailfarbe gedruckten Silberpaste läßt sich gemäß EP-A 0 505 892 durch die Verwendung bleifreier Glasfritten, die Schwefel oder Sulfide gelöst enthalten, beheben; die Fritten sind aber nicht schwarz und durch den hohen Anteil an Zinkoxid wird wiederum die Säurebeständigkeit gemindert.

Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist demgemäß, eine neue Glasfritte bereitzustellen, welche intensiver schwarz gefärbt ist als vorbekannte schwarze Glasfritten. Eine weitere Aufgabe richtet sich darauf, daß die schwarze Glasfritte im wesentlichen frei von Bestandteilen ist, welche in toxikologischer (PbO und CdO) und anwendungstechnischer Hinsicht (wie Li&sub2;O und ZnO) in Glasfarben nachteilig sind. Schließlich richtet sich eine weitere Aufgabe darauf, daß die schwarze Glasfritte in Glasemails für Autoglasscheiben ohne Minderung der Gebrauchseigenschaften eingesetzt werden kann und daß die geforderte niedrige Transmission bei sehr dünnen Glasscheiben (etwa zwischen 10 und 50 µm) mit einer geringeren Menge an der Glasfritte zuzusetzenden Farbkörpern erreicht wird als unter Verwendung vorbekannter blei- und cadmiumfreier Glasfritten.

Die Aufgabe wird gelöst durch eine schwarze Glasfritte, enthaltend in der Glaszusammensetzung

K&sub2;O 10-17 Mol-% B&sub2;O&sub3; 10-25 Mol-% TiO&sub2; 15-30 Mol-% SiO&sub2; 30-55 Mol-% Al&sub2;O&sub3; 0-5 Mol-% Bi&sub2;O&sub3; 0-5 Mol-% Fe&sub2;O&sub3; 0,05-3 (Gesamt-Eisen) Mol-% S 0,1-3 (Gesamt-Schwefel) Mol-%


und Oxide aus der Reihe PbO, CdO, ZnO, Li&sub2;O, Na&sub2;O, MgO, CaO, SrO, BaO und P&sub2;O&sub5; in einer Menge von jeweils weniger als 0,5 Gew.-%.

Eine Glasfritte, welche mit Ausnahme des Eisengehalts die anspruchsgemäße Zusammensetzung aufweist, ist in der noch nicht veröffentlichten DE-Patentanmeldung 195 02 653.5 beschrieben worden. Die Offenbarung dieser Anmeldung wird in die vorliegende Anmeldung einbezogen. Eine durch Einbrennen einer Glasfritte gemäß DE-P 195 02 653.5 erhaltene dünne Glasschicht ist schwach gelblich bis günstigstenfalls braunschwarz. Um eine für schwarze Glasemails für den Autoglasbereich ausreichende Intensität zu erzielen, muß das Email 15 bis 30 Gew.-% schwarze Farbkörper enthalten. Es war überraschend, daß bereits durch den Zusatz einer kleinen Menge einer Eisenquelle, wie eines Eisenoxids oder metallischen Eisens, zu einer schwefelhaltigen Zusammensetzung gemäß DE-P 195 02 653.5 und Erschmelzen des glasbildenden Stoffgemischs unter reduzierenden Bedingungen eine intensiv schwarze Glasfritte erhältlich ist. Die intensive Eigenfarbe der erfindungsgemäßen Glasfritte macht eine deutliche Reduzierung der Menge an schwarzen Farbkörpern gegenüber einer eisenfreien, sonst aber gleich zusammengesetzten Fritte möglich. In welcher Form Eisen in der erfindungsgemäßen Fritte gebunden ist, als FeO, FeS, Fe&sub2;O&sub3;, Fe(II)-titanat mit drei- oder/und vierwertigem Titan oder in anderer Form, ist bisher nicht gesichert. In der anspruchsgemäßen Zusammensetzung ist daher der Gesamt- Eisengehalt als Fe&sub2;O&sub3; angegeben. In analoger Weise ist Gesamt-Schwefel angegeben, der im wesentlichen elementaren Schwefel und sulfidischen Schwefel umfaßt; bei der Analyse der Glasfritte wird der Gesamt-Schwefel als SO&sub3; erfaßt.

Eine bevorzugte Glasfritte enthält 0,1 bis 2, vorzugsweise 0,1 bis 1 Mol-% Fe&sub2;O&sub3; (Gesamt-Eisen). Der Gesamt-Schwefel liegt vorzugsweise im Bereich zwischen 0,1 und 2 Mol-%, insbesondere zwischen 0,2 und 1 Mol-%.

Außer den anspruchsgemäß genannten obligatorischen und fakultativen Oxiden kann die Glasfritte zusätzlich auch andere Oxide enthalten. Der Gehalt dieser anderen Oxide wird zweckmäßigerweise auf 5 Gew.-%, vorzugsweise 3 Gew.-%, begrenzt, da durch einen höheren Gehalt die physikalischen und anwendungstechnischen Eigenschaften negativ beeinflußt werden können. Eine weitere bevorzugte schwarze Glasfritte enthält (in Mol-%) 13 bis 16 K&sub2;O, 18 bis 23 B&sub2;O&sub3;, 17 bis 25 TiO&sub2;, 35 bis 50 SiO&sub2;, 0,1 bis 1 Fe&sub2;O&sub3; (Gesamt-Eisen), 0,1 bis 2 S (Gesamt-Schwefel) und weniger als 3 Gew.-% an anderen Metalloxiden aus der Reihe der genannten und nichtgenannten fakultativen Metalloxide.

Wie zuvor dargestellt, basiert die erfindungsgemäße Fritte auf K&sub2;O, B&sub2;O&sub3;, TiO&sub2;, SiO&sub2;, Fe&sub2;O&sub3; und S.

Erfindungswesentlich ist ferner, daß die Fritte im wesentlichen frei ist von PbO, CdO, P&sub2;O&sub5;, ZnO, Li&sub2;O, Na&sub2;O sowie Erdalkalimetalloxiden. Geringe Anteile (kleiner 0,5 Gew.-%) an den an sich unerwünschten Oxiden können einerseits als Verunreinigungen in den verwendeten Rohstoffen für die Glasherstellung und andererseits durch Reste eines diese unerwünschten Stoffe enthaltenden Glases im verwendeten Glasschmelzofen in die neue Glaszusammensetzung gelangen. Vorzugsweise wird der Gehalt an diesen unerwünschten Oxiden möglichst niedrig gehalten.

Die erfindungsgemäßen Glasfritten zeigen im allgemeinen einen Transformationspunkt Tg, gemessen mittels der DSC- Methode (Differential Scanning Calorimetrie), von unterhalb 550°C; bevorzugte Glasfritten haben einen Transformationspunkt von unterhalb 535°C.

Die erfindungsgemäßen Glasfritten lassen sich zu einer porenfreien, intensiv schwarzen Glasschicht aufschmelzen. Nach dem eigentlichen Schmelzprozeß kommt es zu Kristallisationseffekten, welche im Hinblick auf die Verwendbarkeit der Glasfritte in Glasfarben für den Autoglasbereich zwecks Vermeidung des Klebens beim Preß- Biege-Verfahren erwünscht sind. Die Mindestschmelztemperatur TS bevorzugter erfindungsgemäßer Glasfritten liegt unter 650°C, vorzugsweise im Bereich zwischen 590 und 620°C. Die Mindestschmelztemperatur TS wird im 4-Minuten-Brand auf Glas als Substrat ermittelt; als Beurteilungskriterium wird die Porenfreiheit der aufgeschmolzenen und damit eingebrannten Glasfritte herangezogen. Sofern im Hinblick auf die Anwendung eine niedrigere Mindestschmelztemperatur gewünscht wird, läßt sich eine solche durch Verwendung eines Gemischs aus einer erfindungsgemäßen Glasfritte und einer vorbekannten bleifreien Glasfritte mit niedrigerer Schmelztemperatur erzielen.

Wie aus den Beispielen und dem Vergleichsbeispiel hervorgeht, zeigen die erfindungsgemäßen Glasfritten eine wesentlich geringere Transmission als eine analoge, jedoch im wesentlichen eisenfreie Glasfritte. Die Transmission einer etwa 30 µm dicken pigmentfreien Glasschicht, hergestellt durch Einbrennen einer bevorzugten erfindungsgemäßen Glasfritte, beträgt weniger als 2%, gemessen über den gesamten sichtbaren Bereich. Die Abhängigkeit der Transmission von der Wellenlänge des sichtbaren Lichts ist gering. Gegenüber eisenfreien, ansonsten im wesentlichen gleich zusammengesetzten Glasfritten erlaubt es die intensive Eigenfarbe der erfindungsgemäßen Glasfritte, die Einsatzmenge an schwarzen Farbkörpern nennenswert zu reduzieren, um zu Glasemails mit vorgegebener niedriger Transparenz zu gelangen.

Die erfindungsgemäße schwarze Glasfritte ist erhältlich, indem ein Gemisch aus metalloxidbildenden üblichen Glasrohstoffen in einer polaren Zusammensetzung entsprechend 10 bis 17 Mol-% K&sub2;O, 10 bis 25 Mol-% B&sub2;O&sub3;, 15 bis 30 Mol-% TiO&sub2;, 30 bis 55 Mol-% SiO&sub2;, 0 bis 5 Mol-% Al&sub2;O&sub3;, 0 bis 5 Mol-% Bi&sub2;O&sub3;, 0,05 bis 3 Mol-% Fe&sub2;O&sub3; und Oxiden aus der Reihe PbO, CdO, ZnO, Li&sub2;O, Na&sub2;O, MgO, CaO, SrO, BaO und P&sub2;O&sub5; in einer Menge von jeweils weniger als 0,5 Gew.-%, bezogen auf die Glasfritte, und zusätzlich einer Quelle für Schwefel in einer molaren Menge, welche die in der Glasfritte verbleibende Menge von 0,1 bis 3 Mol-% übersteigt, unter reduzierenden Bedingungen bei 1000 bis 1200°C geschmolzen, die Schmelze abgeschreckt und das hierbei erhaltende brüchige Material aufgemahlen wird. Die reduzierenden Bedingungen werden durch die Anwesenheit leicht oxidierbarer Stoffe im zu schmelzenden Stoffgemisch erreicht, wie insbesondere durch die Anwesenheit von elementarem Schwefel und/oder Kohlenstoff. Zweckmäßigerweise ist auch die Gasatmosphäre reduzierend, das heißt, arm oder weitgehend frei von Sauerstoff.

Als Rohstoffe zur Herstellung der Glasfritte werden mit Ausnahme von K&sub2;O, das meist als Carbonat eingesetzt wird, vorzugsweise die Oxide, also insbesondere SiO&sub2;, B&sub2;O&sub3;, TiO&sub2;, Al&sub2;O&sub3; und Bi&sub2;O&sub3;, eingesetzt. Der Eisengehalt kann in Form von metallischem Eisen, einem Fe-Oxid oder einem Fe(II)- oder Fe(III)-Salz, etwa des Carbonts oder Sulfats, in den Ansatz eingebracht werden. Als Quelle für Schwefel eignet sich besonders bevorzugt elementarer Schwefel. Zusätzlich oder alternativ können auch Sulfide, Sulfite und sogar Sulfate als Schwefelquelle Verwendung finden. Zur Herstellung Ag-migrationsbeständiger Fritten sollte zumindest ein Teil des Schwefels in elementarer Form eingesetzt werden. Der Überschuß der Quelle für Schwefel im Glasansatz beträgt üblicherweise mehr als 10%, oft 50 bis 200% und mehr, bezogen auf den Schwefelgehalt in der Glasfritte.

Als Alkalikomponente wird typischerweise nur Kaliumoxid eingesetzt. Dieses senkt als typischer Netzwerkwandler stark die Viskosität des Flusses und sollte deshalb mit mindestens 10 Mol-% anwesend sein. Da mit zunehmendem K&sub2;O- Gehalt der Wärmeausdehnungskoeffizient der Glasfritte stark ansteigt, wird der obere Grenzwert auf 17 Mol-% begrenzt. Ein höherer K&sub2;O-Gehalt führt bei der Verwendung der Glasfritte auf Glassubstraten zu Spannungen. Vorzugsweise enthält die Glasfritte 13 bis 16 Mol-% K&sub2;O. Durch Borsäure wird der Schmelzpunkt der Fritte abgesenkt, jedoch kommt es bei einer Menge um und insbesondere oberhalb 25 Mol-% zu einer Verschlechterung der Säurebeständigkeit. Bevorzugt wird eine Menge von 18 bis 23 Mol-% B&sub2;O&sub3;. Durch die Anwesenheit von Titandioxid wird einerseits die Säurebeständigkeit erhöht, andererseits bei Konzentrationen über 15 Mol-% die Viskosität der Glasschmelze abgesenkt. Überraschenderweise läßt sich trotz des relativ hohen Titandioxidgehalts in der Glaszusammensetzung der erfindungsgemäßen Glasfritte homogen und ohne vorzeitige Kristallisationseffekte erschmelzen. Ein bevorzugter TiO&sub2;- Gehalt liegt zwischen 17 und 25 Mol-%. SiO&sub2; dient als Glasbildner; ein Gehalt unter 30 Mol-% SiO&sub2; führt zu einer unerwünschten Absenkung der Säureresistenz; ein Gehalt von mindestens 35 Mol-% SiO&sub2; und insbesondere 40 bis 45 Mol-% wird bevorzugt. Aluminiumoxid kann als fakultativer Bestandteil in geringer Menge in der Glaszusammensetzung enthalten sein. Durch die Anwesenheit von Wismutoxid wird einerseits die chemische Beständigkeit erhöht, andererseits der Schmelzpunkt abgesenkt.

Überraschenderweise zeigen die eingebrannten erfindungsgemäßen Glasfritten auch eine sehr gute Säurebeständigkeit gegen 3 Gew.-%ige Salzsäure bei Raumtemperatur nach 5 Minuten Einwirkungszeit. Unter Zugrundelegung einer 5-stufigen Beurteilungsskala (1 = abgelöst; 2 = abreibbar, 3 = matt, 4 = schwacher Angriff, 5 = kein Angriff) kann der eingebrannten erfindungsgemäßen Glasfritte eine Säurebeständigkeit im Bereich zwischen 3 und 5, vorzugsweise zwischen 4 und 5, zugeordnet werden.

Aufgrund des unerwartet günstigen Eigenschaftsbilds der erfindungsgemäßen Glasfritten lassen sich diese sehr gut zur Herstellung von tiefschwarzen Glasemails und anderen keramischen Dekoren verwenden. Für derartige Zwecke werden Farbzubereitungen eingesetzt, welche eine Glasfritte und ein anorganisches keramisches Farbpigment enthalten. Eine solche Farbzubereitung enthält im allgemeinen eine oder mehrere erfindungsgemäße Glasfritten in einer Menge von 35 bis 99 Gew.-%, ein oder mehrere Farbpigmente in einer Menge von 1 bis 20 Gew.-% und eine oder mehrere andere bleifreie Glasfritten in einer Menge von 0 bis 35 Gew.-%, etwa solche, wie sie in den zuvor zitierten Dokumenten beschrieben sind. Bei Glasfarben für den Autoglassektor werden vorzugsweise oxidische Pigmente, etwa solche auf Spinellbasis, verwendet. Meistens reicht eine Menge von weniger als 15 Gew.-% Pigment in der Farbzubereitung aus.

Die Farbzubereitungen können im Trockenauftrag oder vorzugsweise nach Überführung in eine Farbpaste unter Verwendung eines üblichen Mediums mittels Spritz-, Gieß- oder Siebdruckauftrag auf das Substrat aufgetragen werden. Die Farbpaste enthält eine solche Menge an einer zuvor beschriebenen Farbzubereitung, daß sie eine spritz-, gieß- oder siebdruckfähige Konsistenz aufweist. Zur Herstellung der Farbpaste wird ein für derartige Zwecke handelsübliches Medium verwendet; Siebdruckmedien enthalten im wesentlichen ein zur Suspendierung der Feststoffe geeignetes flüssiges organisches, organisch-wäßriges oder wäßriges Lösungsmittel, ein polymeres organisches Bindemittel und nach Bedarf Hilfsmittel zur Einstellung der rheologischen Eigenschaften der Paste sowie zur Beschleunigung des Trocknens nach dem Bedrucken.

Zur Herstellung emaillierter Scheiben für den Kraftfahrzeugbereich wird üblicherweise die Glasfarbe im Siebdruckverfahren aufgetragen; nach dem Trocknen findet der Einbrand während des üblichen Biege- und Vorspannprozesses statt. Die erfindungsgemäßen Farbpasten weisen gute Anti-Sticking-Eigenschaften auf, so daß sie ohne Verklebungsprobleme in Preß-Biege-Öfen eingebrannt werden können. In solchen Öfen erfolgt das Einbrennen und Formgeben bei einer Temperatur um und insbesondere unterhalb 650°C, vorzugsweise bei einer Temperatur zwischen 610 und 640°C, bei Brennzeiten von im allgemeinen zwischen 2 und 5 Minuten. Sofern auf der Glasscheibe auch eine Leiterbahn angeordnet sein soll, wird nach dem Bedrucken der Glasplatte mittels einer erfindungsgemäßen Farbpaste nach dem Trocknen derselben eine Silberleitpaste aufgetragen, zweckmäßigerweise gleichfalls im Siebdruckverfahren. Das so beschichtete System wird in einem einzigen Brand eingebrannt, wobei sich die Leiterbahn fest mit der Glasemailschicht verbindet.

Die erfindungsgemäße schwarze Glasfritte sowie die damit hergestellten Glasfarben, eingebrannte Emailschichten und andere Dekore zeichnen sich durch eine Reihe herausragender Eigenschaften aus: Sie sind tiefschwarz, zeigen ein ausgezeichnetes porenfreies Schmelzverhalten und lassen sich bei niedrigen Temperaturen einbrennen. Erst nach dem vollständigen Ausschmelzen kommt es zu Kristallisationserscheinungen, was im Hinblick auf die Verwendung in Glasemails für im Preß-Biege-Verfahren verformte Glasscheiben für den Kraftfahrzeugbereich von Bedeutung ist. Ein weiterer Vorteil ist, daß der Gehalt an Farbkörpern in Glasemails reduziert werden kann. Die Farbintensität der Fritte macht es auch möglich, in Glasemails Farbkörper zu verwenden, welche ganz oder weitgehend frei von Co und Ni sind; damit wird das mit einem solchen Glasemail beschichtete Glas problemlos rezyklierbar. Ferner sind die genannten Gegenstände im wesentlichen frei von Blei und Cadmium, was aus Umwelt- und toxikologischen Gründen von Bedeutung ist. Durch die weitgehende Abwesenheit von Lithiumverbindungen besteht keine Gefahr einer Verminderung der Bruchfestigkeit von mit erfindungsgemäßen Glasfritten emaillierten Glasscheiben. Glasemails mit einer gelösten Schwefel enthaltenden erfindungsgemäßen Glasfritte zeigen ferner eine verminderte Silberdiffusion. Da die Glaszusammensetzung kein oder nur eine niedrige Menge an Wismutoxid enthält, bedarf es keiner oder nur geringen Verwendung an teuerem Wismutoxid. Schließlich ist die hohe Säureresistenz der unter Verwendung der erfindungsgemäßen Glasfritte erhaltenen Glasemails oder keramischen Dekore hervorzuheben.

Beispiele 1 bis 4

Zur Herstellung der Glasfritten wurden übliche Glasrohstoffe, welche die erfindungswesentlichen und fakultativen Oxide, eine Schwefelquelle und eine Eisenquelle enthalten, gemischt. Ferner wurde dem Gemisch zusätzlich Kohlenstoff als Reduktionsmittel in wirksamer Menge zugesetzt. Einige typische Zusammensetzungen (in Gew.-%) der Versätze zur Herstellung einer Vergleichsfritte sowie der erfindungsgemäßen Fritten sind in der folgenden Tabelle 1a zusammengestellt. Das Mischungsverhältnis der Rohstoffe für SiO&sub2;, TiO&sub2;, K&sub2;O, B&sub2;O&sub3; und Quelle für Eisen entsprach im wesentlichen jenem der herzustellenden Fritte. Abweichungen zwischen der molaren Zusammensetzung des Gemischs aus den Glasrohstoffen und Hilfsstoffen und jener der daraus hergestellten Glasfritte ergeben sich durch den Verlust an Kohlenstoff und Schwefel durch vollständiges oder teilweises Verbrennen sowie durch den Eintrag von Restbestandteilen aus dem Glasschmelzofen und Verunreinigungen der Glasrohstoffe. Der jeweilige Versatz wurde bei etwa 1100°C zu einem klaren Fluß aufgeschmolzen, die Schmelze durch Eintrag in Wasser abgeschreckt und das Granulat aufgemahlen. Tabelle 1b enthält die aus dem Versatz des Beispiels 1 (=Vergleichsbeispiel) errechnete Zusammensetzung des Sollwerts in Gew.-% und Mol-% sowie die Analyse der Fritte. Tabelle 1a Versätze von Fritten in Gew.-%

Tabelle 1b Soll-Zusammensetzung (Mol-% und Gew.-%) und Analyse der Fritte des Vergleichsbeispiels



Tabelle 2 enthält die gemessenen Eigenschaften der Fritten.

  • - Farbton sowie Transmission, gemessen in % bei einer Leitwellenlänge von 550 nm an einer 30 µm dicken, bei 640°C innerhalb von 4 Minuten auf Glas eingebrannten Schicht aus Glasfritte ohne Farbkörper.
  • - Transformationspunkt Tg mittels DSC-Methode und Mindestschmelztemperatur TS beim 4-Minuten-Brand auf Glas
  • - Säurebeständigkeit (SB) der eingebrannten Farbe gegen 3%ige HCl bei Raumtemperatur nach 5 min Einwirkzeit (5-stufige Skala: 1 = abgelöst; 2 = abreibbar, 3 = matt, 4 = schwacher Angriff, 5 = kein Angriff).
Tabelle 2 Eigenschaften der Glasfritte

Beispiele 5 bis 8 Herstellung von schwarzem Glasemail auf Autoglas

Als Ausgangsfritte dienten jene des Beispiels 1 und jene des Beispiels 3. Als Farbkörper diente ein handelsübliches Schwarzpigment auf Spinellbasis. Fritte und Pigment wurden im angegebenen Verhältnis (Tabelle 3) trocken gemischt und mit einem üblichen Siebdruckmedium (Cerdec 80893) mittels Mischer und Dreiwalzwerk angepastet. Die erhaltenen Farbpasten wurden mit einem 62 T-Siebdruckgewebe auf die Badseite von 4mm-Grünglas gedruckt und bei 130°C getrocknet. Der Einbrand erfolgte unter einheitlichen Bedingungen 4 Minuten bei 660°C Ofentemperatur. Der Tabelle 3 sind der Pigmentanteil, die Transmission und die Säurebeständigkeit (Bewertungsskala) zu entnehmen. Durch den erfindungsgemäß möglichen geringeren Pigmentanteil im Email lassen sich Dekore mit besserem Glanz erhalten. Tabelle 3


Anspruch[de]
  1. 1. Schwarze Glasfritte, enthaltend in der Glaszusammensetzung

    K&sub2;O 10-17 Mol-% B&sub2;O&sub3; 10-25 Mol-% TiO&sub2; 15-30 Mol-% SiO&sub2; 30-55 Mol-% Al&sub2;O&sub3; 0-5 Mol-% Bi&sub2;O&sub3; 0-5 Mol-% Fe&sub2;O&sub3; 0,05-3 (Gesamt-Eisen) Mol-% S 0,1-3 (Gesamt-Schwefel) Mol-%


    und Oxide aus der Reihe PbO, CdO, ZnO, Li&sub2;O, Na&sub2;O, MgO, CaO, SrO, BaO und P&sub2;O&sub5; in einer Menge von jeweils weniger als 0,5 Gew.-%.
  2. 2. Glasfritte nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß sie 0,1 bis 1 Mol-% Fe&sub2;O&sub3; und 0,1 bis 2 Mol-% S enthält.
  3. 3. Glasfritte nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß sie

    K&sub2;O 13-16 Mol-% B&sub2;O&sub3; 18-23 Mol-% TiO&sub2; 17-25 Mol-% SiO&sub2; 35-50 Mol-% Fe&sub2;O&sub3; 0,1-1 Mol-% S 0,1-2 Mol-% Bi&sub2;O&sub3; 0-3 Mol-%


    und weniger als 3 Gew.-% an anderen Metalloxiden enthält.
  4. 4. Glasfritte nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß sie eine Mindestschmelztemperatur TS beim 4-Minutenbrand unter 650°C, vorzugsweise im Bereich von 590 bis 620°C, aufweist.
  5. 5. Glasfritte nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß ihre Transmission für eine 30 µm dicke eingebrannte Glasschicht weniger als 2% beträgt.
  6. 6. Verfahren zur Herstellung einer schwarzen Glasfritte mit einer Zusammensetzung gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man ein Gemisch aus metalloxidbildenden üblichen Glasrohstoffen in einer molaren Zusammensetzung entsprechend 10 bis 17 Mol-% K&sub2;O, 10 bis 25 Mol-% B&sub2;O&sub3;, 15 bis 30 Mol-% TiO&sub2;, 30 bis 55 Mol-% SiO&sub2;, 0 bis 5 Mol-% Al&sub2;O&sub3;, 0 bis 5 Mol-% Bi&sub2;O&sub3;, 0,05 bis 3 Mol-% Fe&sub2;O&sub3; und Oxiden aus der Reihe PbO, CdO, ZnO, Li&sub2;O, Na&sub2;O, MgO, CaO, SrO, BaO und P&sub2;O&sub5; in einer Menge von jeweils weniger als 0,5 Gew.-%, bezogen auf die Glasfritte, und zusätzlich einer Quelle für Schwefel in einer molaren Menge, welche die in der Glasfritte verbleibende Menge von 0,1 bis 3 Mol-% übersteigt, unter reduzierenden Bedingungen bei 1000 bis 1200°C aufschmilzt, die Schmelze abschreckt und das erhaltene brüchige Material aufmahlt.
  7. 7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß das zu schmelzende Gemisch elementaren Schwefel als Quelle für Schwefel enthält und die Gasatmosphäre im Schmelzaggregat reduzierend ist.
  8. 8. Verfahren nach Anspruch 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, daß das zu schmelzende Gemisch zusätzlich Kohlenstoff enthält.
  9. 9. Verwendung einer schwarzen Glasfritte gemäß Anspruch 1 zur Herstellung eines Glasemails oder Dekors auf einem einbrennfähigen Substrat.






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