PatentDe  


Dokumentenidentifikation DE19610120A1 18.09.1997
Titel Chromojet-Verfahren
Anmelder DLW AG, 74321 Bietigheim-Bissingen, DE
Erfinder Tincman, Haluk, Dipl.-Textil-Chem.Ing., 74081 Heilbronn, DE
Vertreter Müller-Boré & Partner, 81671 München
DE-Anmeldedatum 14.03.1996
DE-Aktenzeichen 19610120
Offenlegungstag 18.09.1997
Veröffentlichungstag im Patentblatt 18.09.1997
IPC-Hauptklasse D06P 3/24
IPC-Nebenklasse D06P 1/39   D06P 1/41   D06P 1/52   D06P 1/607   D06B 1/02   D06B 11/00   
IPC additional class // C09D 11/10,D06N 3/00  
Zusammenfassung Die Erfindung betrifft ein neues Verfahren für den Mehrfarben-Differentialdruck von Textilwaren, insbesondere von Teppichen, aus Polyamidfasern mit unterschiedlicher Anfärbbarkeit, bei dem das zu bedruckende Produkt mit einer Druckpaste, die gleichzeitig kationische und anionische Farbstoffe mit beliebigen Kombinationskennzahlen (K-Werte) enthält, bedruckt und wie üblich gedämpft, gewaschen und getrocknet wird, wobei man auf das zu bedruckende, trockene Produkt mit Hilfe einer Chromojet-Spritzdruckanlage eine wäßrige Druckpaste aufspritzt, die neben den Farbstoffen ein synthetisches Verdickungsmittel auf Acrylatbasis mit hoher Ionenresistenz, ggf. ein kationisches, anionisches oder nichtionogenes Differenzierungsmittel sowie ggf. einen Säurespender enthält, jedoch frei von Reservierungsmitteln ist.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein neues Mehrfarben-Differentialdruck-Verfahren, mit dem Textilwaren, insbesondere textile Bodenbeläge, aus Polyamidfasern mit unterschiedlicher Anfärbbarkeit bedruckt werden können. Mit dieser neuen Drucktechnik ist die Darstellung völlig neuartiger Musterungen möglich. Mit Hilfe dieses neuen Mehrfarben-Differentialdruck-Verfahrens oder auch Chromojet- Verfahrens ist es somit erstmalig möglich, anders als beim bekannten Reservedruck, auf den Einsatz von Reservierungsmitteln zu verzichten.

Die Erfindung betrifft daher auch die mit dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellten tuftgemusterten Textilbeläge.

Der Reservedruck, der insbesondere bei der Teppich-Colorierung an Bedeutung gewonnen hat, verlangt den Einsatz von Reservierungsmitteln, die, wenn es sich um faserstoffaffine Produkte handelt, die Farbstoffe an ihrer Fixierung verhindern, bzw. im Falle von faseraffinen Produkten auf die Faser aufziehen und im wesentlichen die Aminogruppen blockieren.

Die Verwendung der erforderlichen Reservierungsmittel erfordert die Beachtung zahlreicher zeit- und kostenaufwendiger Maßnahmen. So müssen je nach angewandter Technik die das Aufziehen der Farbstoffe kennzeichnenden Kombinationszahlen, die als K-Werte bzw. K&min;-Werte bezeichnet werden, berücksichtigt und aufeinander abgestimmt werden neben der Einhaltung geeigneter pH-Werte. Von einer gleichzeitigen Verwendung von sowohl an ionischen als auch kationischen Farbstoffen wird nach den Lehren des Standes der Technik abgeraten, da die erhaltenen Farbdrucke in Bezug auf Lichtechtheit zu wünschen übriglassen.

Aus der DE 34 10 920 A1 ist ein Verfahren für den Differentialdruck von Textilwaren, insbesondere Teppichen, aus Polyamidfasern unterschiedlicher Anfärbbarkeit sowie eine Druckpaste zu dessen Durchführung bekannt, bei dem der Druckpaste ein kationisches Reservierungsmittel auf der Basis von quaternären Fettaminpolyglykolethern oder quaternären Ammoniumpolyglykolen zugesetzt wird, wobei die Druckpaste gleichzeitig kationische und anionische Farbstoffe enthält.

Insgesamt ergibt sich, daß der Reservedruck eine Möglichkeit der Teppichcolorierung mittels Druck darstellt. Allerdings braucht man hier Reservierungsmittel, da in zwei Arbeitsgängen gearbeitet wird. Erst wird mit einer Druckpaste, die ein Reservierungsmittel enthält, ein Teil der Ware bedruckt und dann wird diese Ware überfärbt. Bei dieser Überfärbung werden die bedruckten Stellen reserviert, d. h. an diesen Stellen ist keine Affinität gegenüber der Färbeflotte mehr vorhanden. Die nicht bedruckten Stellen werden dann gefärbt. Dieses Verfahren ist jedoch aufwendig und kostenintensiv.

Daher ist es Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren für den Mehrfarben-Differentialdruck von Textilwaren, insbesondere von Teppichen aus Polyamidfasern mit unterschiedlicher Anfärbbarkeit anzugeben, wobei nur noch ein Arbeitsgang notwendig ist und die beim Reservedruck aufgezeigten Nachteile vermieden werden.

Diese Aufgabe wird durch das Verfahren gemäß Patentanspruch 1 sowie durch den tuftgemusterten Textilbelag gemäß Anspruch 9 gelöst.

In den Unteransprüchen sind vorteilhafte Ausführungsformen der Erfindung enthalten.

Durch die erfindungsgemäße Chromojet-Drucktechnik für tuftgemusterte Textilbeläge wird nun eine einzigartige Gestaltungsmöglichkeit erstmalig geschaffen. Mit der erfindungsgemäßen Drucktechnik ist die Darstellung völlig neuartiger Musterungen möglich. Es ist erfindungsgemäß erstmalig gelungen mit Hilfe des Chromojet-Verfahrens unterschiedlich anfärbende Faserkomponenten (bis zu sechs verschiedene anfärbbare Materialien) unterschiedlich mit bis zu 12 möglichen Druckwerken anzudrucken. Wie der Fachmann weiß, hängt die Anzahl der Druckwerke natürlich von der verwendeten Spritzdruckanlage ab. Somit können mit 12 Druckwerken und sechs verschiedenen anfärbbaren Materialien bis zu 72 Aufdruckfarben erzielt werden. Die erfindungsgemäße Drucktechnik eröffnet neue Dimensionen der Gestaltung.

Im Vergleich zum konventionellen Reservedruck wird erfindungsgemäß die Colorierung und Designierung des Bodenbelags in einem Arbeitsgang ohne Einsatz von Reservierungsmittel erreicht. Das erfindungsgemäße Verfahren ist daher sehr kostengünstig.

Gemäß dem erfindungsgemäßen Verfahren wird das zu bedruckende Produkt, das immer nur eine rohweiße Ware sein kann, mit Hilfe einer Chromojet-Spritzdruckanlage bedruckt, wobei eine wäßrige Druckpaste aufgespritzt wird, die neben den Farbstoffen ein synthetisches Verdickungsmittel auf Acrylatbasis mit hoher Ionenresistenz, gegebenenfalls ein kationisches, anionisches oder nichtionogenes Differentierungsmittel sowie gegebenenfalls einen Säurespender enthält, jedoch völlig frei von Reservierungsmitteln ist. Die rohweiße Ware besteht aus Polyamidfasern. Hier kommen alle üblichen Nylontypen in Betracht. Bevorzugt wird Nylon 6 und Nylon 66. Diese Polyamide, die Wasser absorbieren und quellen, können verhältnismäßig einfach mit Dispersionsfarbstoffen, Säurefarbstoffen oder Metallkomplexfarbstoffen gefärbt werden. Das Färben der Polyamidfasern mit Säurefarbstoffen resultiert aus der Umsetzung mit den Aminoendgruppen. Die Anzahl dieser reaktiven Stellen wird vom Molekulargewicht beeinflußt, kann jedoch durch Zusätze, wie Viskositätsstabilisatoren modifiziert werden. Die Vorgehensweise beim Färben von Polyamidfasern ist jedoch dem Fachmann allgemein bekannt.

Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren müssen in der Druckpaste anionische und kationische Farbstoffe gleichzeitig vorliegen, was die Überwindung eines Vorurteils insofern notwendig machte, als Ausfällungen der Farbstoffkombination zu erwarten waren. Die K-Werte der Farbstoffe spielen zum Unterschied von den bekannten Reservedruck-Verfahren keine Rolle und K-Wert-gleiche Farbstoffe können sowohl in kontinuierlichen als auch in diskontinuierlichen Verfahren eingesetzt werden.

Die erzielten Effekte werden sowohl im Zweiphasenverfahren als auch nur in einer Phase, nämlich nur mit Druckpaste, erreicht, d. h. daß Bunteffekte auch mit Direktdruck erzielt werden. Die Lichtechtheit der erhaltenen Drucke ist von Continue- bzw. Kufenfärbungen nicht zu unterscheiden und die erfindungsgemäße Drucktechnik versetzt den Fachmann in die Lage, bis zu 6-farbigen Farbdifferentierungen zu erzielen, wie sie sonst nur bei maximaler Kufenfärbung erreicht werden.

Die Erfindung wird durch die folgenden Beispiele näher erläutert.

Die in den Druckpasten verwendeten Verdickungsmittel, Differenzierungsmittel und Säurespender waren die folgenden:

Tanaprint ST-160® ist ebenso wie Tanaprint EP 2000 ein anionaktives synthetisches Verdickungsmittel auf Acrylatbasis mit hoher Ionenresistenz für das Bedrucken von Teppichen mit Säure- und Metallkomplexfarbstoffen (Handelsprodukt der Fa. Sybron/Tanatex).

Sandogen NH® ist ein kationaktives Differentierungsmittel auf Fettaminpolyglykolether-Basis für das Färben von Polyamidfasern mit Säure- und Metallkomplexfarbstoffen (Handelsprodukt der Fa. Sandoz AG).

Sandacid V® ist ein nichtionogener phosphatfreier Säurespender in Form einer heterocyclischen Verbindung (Handelsprodukt der Fa. Sandoz AG).

Beispiel 1

Es wurde ein Teppich mit einem Flächengewicht von 790 g/m² aus unterschiedlich anfärbbaren Polyamidsorten eingesetzt. Die Rezeptur für die 8 Druckpasten war wie folgt:

Die Druckpasten wurden mit 400 cPs mit Hilfe einer unter dem Handelsnamen Variatronic bekannten Chromojet-Spritzdruckanlage auf die trockene Weise Differential-Polyamidware mit 2,8 bar aufgespritzt, bei ca. 98°C ca. 15 Minuten lang kontinuierlich gedämpft, gewaschen und bei 150° getrocknet.

Der erhaltene Druck war von hoher Qualität und Lichtechtheit.

Anschließend wurde die aufgerollte Ware geschoren sowie mit einem Rücken versehen.

Die im obigen Beispiel in der Druckpaste eingesetzten Produkte sind mit gleichwertigen Produkten anderer Fabrikate beliebig austauschbar.

Als synthetische Verdickungsmittel sind nur solche auf Acrylatbasis mit hoher Ionenresistenz verwendbar.

Das Differentierungsmittel kann ein kationisches, anionisches oder nichtionogenes Produkt sein. Beispiele hierfür sind Sandogen NH, Albegal W, Ciba, nichtionogen, Alkylaminpolyglykolether; Levegal ESR, Bayer, anionisch, Zubereitung von Sulfonaten; Burandol 901 oder 902, Baur & Gaebel, an ionische, synergetische Kombination von Färbereihilfsmitteln; Setavin KS, Zschimmer & Schwarz, nichtionogen/kationisch, Ethylenoxidaddukte; Tanapal AD, Sybron/Tanatex, nichtionogen, oxethyliertes Fettamin.

Beispiele für geeignete Säurespender sind Formalaktin 6855, Baumheier, Esterverbindungen; Kalmit 45, Baumheier, Salz einer oganischen Säure. Meropan EF, CHT, spezielle Ester, Sandacid VS, Sandoz, organisches Formiat.

Beispiel 2

Auch hier wurde ein Teppich mit einem Flächengewicht von 770 g/cm² aus unterschiedlich anfärbbaren Polyamidsorten eingesetzt. Die Druckpaste der 8 verschiebenen Farben wurde mit einem Druck von 2,9 bar auf die trockene rohweiße Polyamidware gespritzt und wie oben in Beispiel 1 beschrieben ist, weiter verarbeitet. Die Rezeptur für die 8 Aufdruckfarben war wie folgt

Der erhaltene Druck war von hoher Qualität und Lichtechtheit.

Beispiel 3

Es wurde ein Teppich mit einem Flächengewicht von 750 g/cm²aus unterschiedlich einfärbbaren Polyamidsorten eingesetzt.

Die Rezeptur für die 8 Andruckfarben war wie folgt:

Die Druckpaste wurde mit jeweils 400 cPs auf die Polyamidware mit einem Druck von 2,7 bar aufgespritzt, bei 98° ungefähr 15 Minuten lang kontinuierlich gedämpft, gewaschen und bei 150°C getrocknet.

Der erhaltene Druck war von hoher Qualität und Lichtechtheit.


Anspruch[de]
  1. 1. Verfahren für den Mehrfarben-Differentialdruck von Textilwaren, insbesondere von Teppichen, aus Polyamidfasern mit unterschiedlicher Anfärbbarkeit, bei dem das zu bedruckende Produkt mit einer Druckpaste, die gleichzeitig kationische und anionische Farbstoffe mit beliebigen Kombinationskennzahlen (K-Werte) enthält, bedruckt und wie üblich gedämpft, gewaschen und getrocknet wird, dadurch gekennzeichnet, daß man auf das zu bedruckende, trockene Produkt mit Hilfe einer Chromojet-Spritzdruckanlage eine wäßrige Druckpaste aufspritzt, die neben den Farbstoffen ein synthetisches Verdickungsmittel auf Acrylatbasis mit hoher Ionenresistenz, ggf. ein kationisches, anionisches oder nichtionogenes Differentierungsmittel sowie ggf. einen Säurespender enthält, jedoch frei von Reservierungsmitteln ist.
  2. 2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als synthetisches Verdickungsmittel Tanaprint ST-160® in einer Menge von 5-40 g/l Druckpaste verwendet wird.
  3. 3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als Differentierungsmittel kationische Alkylaminoethoxylate in einer Menge von 0,5-30 g/l Druckpaste verwendet werden.
  4. 4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als Säurespender Sandacid V® in einer Menge von 0,5-20 g/l Druckpaste verwendet wird.
  5. 5. Verfahren nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche 1-4, dadurch gekennzeichnet, daß das Aufspritzen der Druckpaste bei 300 bis 1000 cps erfolgt.
  6. 6. Verfahren nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche 1-5, dadurch gekennzeichnet, daß das bedruckte Produkt bei Temperaturen von 70 bis 102°C gedämpft und nach dem Waschen bei 80 bis 180°C getrocknet wird.
  7. 7. Verfahren nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche 1-6, dadurch gekennzeichnet, daß man eine Druckpaste verwendet, deren pH-Wert zwischen 4 und 7, insbesondere zwischen 3 und 6,5, liegt.
  8. 8. Verfahren nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß das bedruckte, gedämpfte, gewaschene und getrocknete Produkt in üblicher Weise geschert und gegebenenfalls mit einem Rücken versehen wird.
  9. 9. Tuftgemusterter Textilbelag, hergestellt nach dem Verfahren nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche 1 bis 8.






IPC
A Täglicher Lebensbedarf
B Arbeitsverfahren; Transportieren
C Chemie; Hüttenwesen
D Textilien; Papier
E Bauwesen; Erdbohren; Bergbau
F Maschinenbau; Beleuchtung; Heizung; Waffen; Sprengen
G Physik
H Elektrotechnik

Anmelder
Datum

Patentrecherche

Patent Zeichnungen (PDF)

Copyright © 2008 Patent-De Alle Rechte vorbehalten. eMail: info@patent-de.com