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Dokumentenidentifikation DE19717395A1 29.10.1998
Titel Druckfähige Quellpaste und deren Verwendung
Anmelder Stockhausen GmbH & Co. KG, 47805 Krefeld, DE
Erfinder Houben, Jochen, Dr., 47906 Kempen, DE;
Mertens, Richard, Dr., 47803 Krefeld, DE
Vertreter BOEHMERT & BOEHMERT, 28209 Bremen
DE-Anmeldedatum 24.04.1997
DE-Aktenzeichen 19717395
Offenlegungstag 29.10.1998
Veröffentlichungstag im Patentblatt 29.10.1998
IPC-Hauptklasse C08L 33/02
IPC-Nebenklasse C08L 35/00   C08L 33/24   C08J 3/24   A01F 25/13   A01G 13/02   D06N 3/04   C09D 11/10   
IPC additional class // (C08L 33/02,33:24)(C08L 35/00,33:24)C08K 5/053,G02B 6/04  
Zusammenfassung Die Erfindung betrifft eine druckfähige Quellpaste, die als Mischungskomponente
1. Polymere mit Carboxyl- und Amidgruppen-Einheiten und
2. als Vernetzer einen Aldehyd oder eine Aldehyd abspaltende Verbindung
enthält. Gegebenenfalls kann die Mischung weitere Zusatzstoffe wie Verdicker enthalten. Die Polymerkomponente mit Carboxyl- und Amidgruppen wird durch radikalische Copolymerisation von Monomeren, die Amidgruppen und von Monomeren, die Carboxylgruppen enthalten, hergestellt, wobei auch weitere Comonomere mit einpolymerisiert werden können. Die Erfindung betrifft ferner die Verwendung der Quellpaste zur Herstellung von absorbierenden Fasern, Geweben und Flächengebilden wie Folien durch Aufbringen der Quellpaste auf das Trägermaterial und nachfolgender thermischer Behandlung.

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung betrifft eine druckfähige Quellpaste, die eine Mischung von Polymeren mit Carboxyl- und Amidgruppen-Einheiten und Aldehydvernetzern enthält. Die Quellpaste kann über lange Zeit gelagert werden, ohne daß Verdickung oder Gelierung eintritt. Sie wird auf Trägermaterialen unterschiedlichster Art aufgetragen und durch Einwirkung von Wärme vernetzt. Dabei entstehen Strukturen, die ein hohes Aufnahmevermögen für Wasser und wäßrige Flüssigkeiten haben.

Superabsorbierende Polymere sind seit längeren bekannt und in Form von Pulvern z. B. unter der Bezeichnung FAVOR oder CABLOC im Handel. Allerdings ist die Verarbeitung von Pulvern technisch aufwendig und, sobald der Abrieb zu einatembarem Feinanteil führt, arbeitsmedizinisch nicht unbedenklich.

Eine alternativ mögliche Polymerisation von Monomerlösung auf vorgefertigten Flächen oder Fäden ist zwar bekannt, ist aber wegen der nötigen Schutzgastechnik und den zu beachtetenden Sicherheitsvorschriften Betrieben der chemischen Industrie vorbehalten und kann nicht in Betriebe anderer Branchen wie z. B. der Druck- und Textilindustrie verlagert werden.

EP 188 091 beschreibt absorptionsfähige poröse Flächengebilde, deren Herstellung durch Foulardieren einer Mischung aus einer wäßrige Lösung eines unvernetzten Praepolymers mit einem Vernetzer auf ein Nonwoven und anschließender thermischer Vernetzung erfolgt. Nachteilig an dem genannten Verfahren ist, daß die Vernetzer vom Typ der Polyhaloalkanole, Haloepoxialkane und Polyglycidylether wegen ihrer Reaktivität erst kurz vor der Verarbeitung zugegeben werden können, da es sonst bereits bei der Lagerung zu unerwünschten Verdickungen der Mischung kommt und daß die beschriebenen Vernetzer gesundheitlich sehr bedenklich sind.

In der EP 357 474 wird das Aufsprühen von niedrigviskosen wäßrigen Lösungen unvernetzter Polyacrylsäuren auf Flächengewebe aus Cellulose und nachfolgender thermischer Vernetzung zu wasserquellbaren Gelen durch gleichzeitig aufgebrachte Vernetzer beschrieben. Als Vernetzer werden mehrwertige Metallionen sowie Epoxide, Aziridine, Polyglycidylether beschrieben, die wegen ihres Krebs erzeugenden Potentials so gut wie nicht mehr einsetzbar sind, als besonders problematisch gelten dabei die Hygiene- und Lebensmittelverpackungsbranche. Darüber hinaus bewirken sie bei der Lagerung der Beschichtungslösungen bereits bei Raumtemperatur eine vorzeitige Vernetzung, so daß eine weitere Verarbeitung der hochviskosen bzw. gelierten Masse nicht mehr möglich ist.

In der DE-OS 23 27 249 wird ein Waschverfahren beschrieben, bei dem wasserunlösliche, feste Kationenaustauscher auf Basis von Polymerisaten aus (Meth)acrylsäure, (Meth)acrylamid und Formaldehyd bzw. Formaldehyd-Amin- Kondensaten eingesetzt werden. Die Polymerisation der Monomere findet in Gegenwart des Formaldehyds statt und führt direkt zu vernetzten, wasserunlöslichen Polymeren. Es wird kein isolierbarer wasserlöslicher Zustand des Polymers durchlaufen, in dem eine Verarbeitung als gelöstes Polymer möglich wäre.

In der US-Re 32 649, Seite 7, wird Glyoxal ebenfalls als mögliches Vernetzungsreagenz bei der Herstellung von Superabsorbern erwähnt, jedoch handelt es sich hier ebenso wie in der DE-OS 23 27 249 um eine Polymerisation, die in einem Schritt zu vernetzten, wasserunlöslichen Polymerisaten führt, bei der keine löslichen Zwischenstufen isoliert werden können.

In der DE 195 21 431 A1 wird ein Verfahren beschrieben, bei dem reaktionsfähige Vernetzer wie polyfunktionale Epoxide, Aziridine, Polyglycidether und Epihalohydrine kurz vor dem Druckvorgang zu einer wäßrigen Lösung einer vorvernetzten Polyacrylsäure gegeben werden. Obwohl hier bereits eine druckfähige Paste beschrieben wird, haben diese reaktionsfähigen Vernetzer den entscheidenden Nachteil, daß die Mischung der beiden Komponenten wegen einer schon bei Raumtemperatur einsetzenden Verdickung nicht lange gelagert werden kann, sondern stündlich wieder frisch angesetzt werden muß.

Der Erfindung lag deshalb die Aufgabe zugrunde, eine druckfähige Paste bereitzustellen, die in einem Arbeitsgang auf vorgefertigte Flächengebilde aufzubringen ist und die nach einer anschließenden thermischen Nachbehandlung in der Lage ist, in Gegenwart von Wasser oder wäßrigen Lösungen zu quellen und dabei das ursprüngliche Volumen zu vervielfachen. Die fertige Paste soll mindestens eine Woche bei Raumtemperatur lagerbar sein, ohne daß es zu Viskositätsänderungen der Paste oder zu einem Nachlassen des Quellvermögens nach der Verarbeitung kommt. Weiter muß die Paste frei sein von leichtentzündlichen oder gefährlichen Stoffen. Die Vernetzung soll bereits bei Temperaturen von 140°C möglich sein und darf bei Temperaturen ab 160°C wegen der thermischen Belastbarkeit des Trägermaterials bzw. aus wirtschaftlichen Gründen nur maximal 5 Minuten in Anspruch nehmen. Danach muß die Vernetzung beendet sein und das beschichtete Substrat muß eine ausreichende Quellfähigkeit und Quellgeschwindigkeit haben. Weiter soll das entstandene Gel eine ausreichende Festigkeit aufweisen.

Die erfindungsgemäße Aufgabe konnte überraschenderweise durch ein Gemisch zweier Komponenten gelöst werden, wobei es sich bei der Komponente 1 um eine wäßrige Lösung eines Copolymers aus Carboxylgruppen und Amidgruppen enthaltenden Monomeren und bei der Komponente 2 um einen Aldehydvernetzer handelt, wobei ggf. weitere Zusatzstoffe in der Mischung vorhanden sein können.

  • A) Gegenstand der Erfindung ist somit eine Quellpaste aus einer Komponente 1, bestehend aus einer wäßrigen, teil- oder völlig neutralisierten Lösung eines Polymers, das durch radikalische Polymerisation von Mischungen aus
    • a) Amidgruppen enthaltenden Monomeren und
    • b) Carboxylgruppen und/oder Carboxylatgruppen enthaltenden Monomeren sowie
    • c) ggf. weiteren radikalisch polymerisierbaren Monomeren
    hergestellt ist und
  • B) aus einer Komponente 2, bestehend aus einem Vernetzer sowie
  • C) ggf. weiteren Zusatzstoffen, dadurch gekennzeichnet, daß die Vernetzerkomponente 2 ein Aldehyd oder eine Aldehyd abspaltende Verbindung ist.

Das Polymer der Komponente 1 besteht bevorzugt aus

  • a) 1-80 ,besonders bevorzugt aus 1-60 und insbesondere bevorzugt zu 1 bis 20 Molprozent Amidgruppen enthaltende, radikalisch polymerisierter Monomere und
  • b) 20-99, besonders bevorzugt aus 40-99 und insbesondere bevorzugt zu 80-99 Molprozent teilneutralisierter carboxylgruppenhaltiger, radikalisch polymerisierter Monomere.

Amidgruppen enthaltende Monomere nach a) sind beispielsweise (Meth)acrylsäureamide wie Acrylamid, Methacrylamid und Vinylcarbonsäureamide wie N-Vinylformamid und N-Vinylacetamid. Vorzugsweise verwendet man Acrylamid.

Als carboxylgruppenhaltige Monomere nach b) kommen neben Acrylsäure noch Methacrylsäure, Maleinsäure, Fumarsäure, Itakonsäure sowie deren Salze und Mischungen in Frage. Als Gegenionen kommen beispielsweise Natrium, Kalium, Ammonium, Alkylammonium, Alkanolammonium oder deren Mischungen in Frage. Bevorzugt wird als carboxylgruppenhaltiges Monomer Acrylsäure mit dem Gegenion Natrium eingesetzt.

Der Neutralisationsgrad der Carboxylgruppen der erfindungsgemäßen Polymere ist mitentscheidend für die Quelleigenschaften und die Retention der vernetzten Quellpasten und liegt vorzugsweise bei mindestens 25, insbesondere bevorzugt bei mindestens 50 Molprozent. Die Neutralisation der Carboxylgruppen kann erfindungsgemäß vor oder nach der Polymerisation stattfinden, wobei häufig ein Teil des Neutralisationsmittels vor und der Rest nach der Polymerisation zugegeben wird. In jedem Fall ist aber darauf zu achten, daß durch Alkalizugabe keine ungewollte Verseifung der Amidgruppen enthaltenden Monomere eintritt. Im bereits gebildeten Polymer kann es aber durchaus sinnvoll sein. Durch eine saure Verseifung der aus beispielsweise Vinylcarbonsäureamiden entstandenen Einheiten Amingruppen zu erzeugen, die ihrerseits mit der Vernetzerkomponente 2 vernetzend zu reagieren vermögen.

Zusätzlich zu den Monomeren a) und b) können in die Polymerkomponente 1

  • c) 0-49 Mol% andere, anionische oder nichtionische Monomere
einpolymerisiert sein wie beispielsweise (Meth)allylsulfonsäure, Vinylsulfonsäure, 2- Acrylamido-2-methyl-1-propansulfonsäure, Mono(meth)acrylsäure-ester von Alkoholen, Vinylester, Alkyloxethylaten oder Alkylphenoloxethylaten. Die Comonomeren werden zur Modifizierung der Polymereigenschaften eingesetzt, beispielsweise um die Haftung auf dem Trägermaterial zu verbessern, um die Salzstabilität zu erhöhen oder um die Flexibilität anzupassen.

Bei der Herstellung der erfindungsgemäßen Quellpasten werden die Polymerisate meistens in Form von 15 bis 60 Gew.-%, bevorzugt 20 bis 40 Gew.-% wäßrigen Lösungen eingesetzt. In besonderen Fällen, etwa bei der Herstellung von Folien, kann es erforderlich werden, daß Anteile von die Filmbildung verbessernden alkoholischen Zusätzen zu der wäßrigen Phase erforderlich werden.

Die Herstellung der Copolymerisate ist Stand der Technik und erfolgt entweder durch adiabatische oder isotherme Polymerisation der Lösung der Monomeren, wobei die Neutralisation ganz oder teilweise schon in der Monomerenlösung stattfinden kann oder erst beim fertigen Polymerisat. Typischerweise wird die Polymerisation unter Verwendung eines Redoxpaares als Initiator oder eines thermisch-initiierbaren Katalysators oder einer Mischung dieser beiden gestartet. Typische Redoxpaare, die insbesondere bei der Polymerisation in wäßriger Lösung angewendet werden sind: Wasserstoffperoxyd/Ascorbinsäure, Natriumpersulfat/Natriumbisulfit; Hydroxylaminhydrochlorid/Wasserstoffperoxid; Ascorbinsäure/t-BHP, Redoxsysteme unter Einschluß von Metallsalzen,und andere bekannte Systeme. Wird die Polymerisation in organischen Lösungsmitteln durchgeführt, finden häufig organische Peroxide, gegebenenfalls in Kombination mit Redoxpartnern Anwendung. Zur Steuerung des Molgewichtes kann es sinnvoll sein, kettenübertragende Verbindungen, sogenannte Regler, wie z. B. Mercaptoethanol, Thioglykolsäure oder andere einzusetzen.

In einigen Fällen hat es sich als günstig erwiesen, die erfindungsgemäß einzusetzenden Copolymerisate bei der Herstellung mit geringen Mengen radikalisch vernetzender Monomere mit der Maßgabe vorzuvernetzen, daß keine wasserunlöslichen Anteile entstehen. Die wäßrigen Lösungen dieser leicht vorvernetzten Polymerisate können der erfindungsgemäßen Quellpaste u. a. für die Verarbeitung günstige rheologische Eigenschaften verleihen oder aber die Film- und Quelleigenschaften des vernetzten Endproduktes verbessern.

Die Komponente 2 fungiert als Vernetzer und verbindet in einer Mannichreaktion die einzelnen Polymerketten über die dort eingebauten Acrylamidfunktionen zu einem wasserunlöslichen aber immer noch wasserquellbaren Netzwerk. Als Vernetzer kommen alle wasserlöslichen oder leicht wasserdispergierbaren Verbindungen mit mindestens einer Aldehydfunktion in Betracht oder solche Verbindungen, die in Gegenwart von Wasser und bei Erwärmung Aldehydgruppen freisetzen. Beispielsweise seien hier Formaldehyd, Hexamethylentriamin, Acetaldehyd, Paraldehyd, Glyoxal, Trimeres Glyoxalhydrat und Glyoxylsäure genannt.

Die Quellpaste wird durch Mischen der wäßrigen Polymerlösung (Komponente 1) und des Vernetzers (Komponente 2) hergestellt und kann direkt danach verarbeitet werden. Vielfach hat es sich als vorteilhaft erwiesen, auch die Vernetzerkomponente in Form einer Lösung zuzusetzen. Das Gewichtsverhältnis von Polymer zu Vernetzer innerhalb der Quellpaste kann in weiten Bereichen schwanken. Üblicherweise liegen die Vernetzergehalte bezogen auf den Polymeranteil im Bereich von 1 bis 15 Gew.-%, vorzugsweise von 1 bis 9 Gew.-%. In Abhängigkeit vom Gehalt an Amidgruppen tragenden Monomeren des Polymers ist mehr oder weniger Vernetzer erforderlich, um gewünschte Quell- und Retentionseigenschaften zu erzeugen. Ebenso ist die Vernetzungsaktivität des Vernetzers bei der einzusetzenden Menge zu berücksichtigen. Die genauen Vernetzermengen sind für den Fachmann im Zuge einer Produktoptimierung ohne Schwierigkeiten zu ermitteln.

Zur Einstellung der gewünschten Viskosität der erfindungsgemäßen Quellpasten ist dem Durchschnittsfachmann das Verdünnen mit Wasser oder der Zusatz von Verdickern oder Tensiden geläufig. Im Gegensatz zu den Mischungen aus der Lehre der deutschen Anmeldung DE 195 21 431 A1 kann die Quellpaste mehrere Wochen ohne Qualitätseinbuße gelagert werden, was eine deutliche Erleichterung im Produktionsprozeß darstellt. Auch entfällt die Handhabung von stark toxischen, cancerogenen oder mutagenen Vernetzern beim, meist im Umgang mit derartigen Substanzen ungeübten Endverbraucher, wie das nach dem Stand der älteren Anmeldungen EP 188 091, EP 357 474 und DE 195 21 431 noch nötig ist.

In der Quellpaste können noch weitere, nicht einpolymerisierte Zusatzstoffe mit vorteilhafter Wirkung enthalten sein. Insbesondere kommen hier Stoffe zur Verringerung der Sprödigkeit (Härte) des getrockneten Produkts, solche zur Verringerung der Klebrigkeit, zur Verbesserung der Druckviskosität und zur Erhöhung der Leitfähigkeit in Frage. So können zur Verbesserung der Gelstabilität und zur Einstellung der gewünschten Druckviskosität übliche, in Wasser wirksame Verdicker, wie etwa Cellulosederivate oder aber höher vernetzte Polyacrylate zugesetzt werden, wie sie z. B. unter der Bezeichnung "Cabloc CTF" von der Firma Stockhausen vertrieben werden. Diese quellen in der Polyacrylatlösung nicht wie üblich auf, verbessern aber das Viskositätsverhalten beim Druckvorgang deutlich.

Die so hergestellte Quellpaste kann nach bekannten Methoden auf ein vorgefertigtes Flächengebilde, Gewebe, Vlies oder auf Fäden aufgebracht werden. Bevorzugt wird dabei das Aufdrucken oder Aufrakeln mittels Schablone auf Gewebe oder auf Nonwoven zur Erreichung eines gleichmäßigen Musters.

Anschließend muß das so aufgebrachte Polymer zur Vernetzung gebracht werden, was durch eine thermische Behandlung erreicht werden kann. Die Dauer der thermischen Behandlung hängt dabei von der angewendeten Temperatur und von der Konzentration des gewählten Vernetzers, sowie vom Molverhältnis der in den Polymerketten eingebauten Amideinheiten ab. Sie kann zwischen 100°C und 160°C, bevorzugt 130-160°C, besonders bevorzugt zwischen 140 und 150°C liegen. Auf jeden Fall muß die Temperatur der Vernetzung oberhalb des Siedepunktes des Lösungsmittels (Wasser) und unterhalb der Schrumpfungstemperatur des Trägersubstrates liegen. Aus wirtschaftlichen Gründen liegt die zur Verfügung stehende Zeit bei unter 5 Minuten, bevorzugt unter 2 Minuten.

Die erfindungsgemäße Quellpaste weist nach dem Vernetzen vorteilhaft eine Retention von mindestens 25 g/g, vorzugsweise mindestens 60 g/g auf und besitzt ferner ebenfalls nach dem Vernetzen eine Quellhöhe pro 10 g/m2 Trockensubstanzauftrag von mindestens 0,8 mm, vorzugsweise von mindestens 1,0 und insbesondere von mindestens 1,5 mm.

Die Herstellung von trägerfreien Folien erfolgt zunächst durch Aufbringen der Quellpaste auf ein Trägermaterial, vorzugsweise aus Metall oder Kunststoff und gegebenenfalls unter Verwendung von Trennmitteln. Nach der Entfernung des Lösemittels, das gegebenenfalls unterhalb des Siedepunktes des Lösemittels erfolgt und der thermischen Vernetzung wird die Folie, oftmals nach vorheriger Konditionierung, von dem Trägermaterial entfernt.

Das fertige Substrat kann Verwendung in mehreren Industriebereichen finden, so in der Kabelindustrie, in der Hygieneindustrie, bei Lebensmittelverpackungen, in Anwendungen des Landschaftsbaus, in der Bekleidungsindustrie oder auch in der Beerdigungsbranche.

Zur Testung der verschiedenen Quellpasten wurden diese jeweils auf einem Kämmertisch mittels Schablone auf ein Polyestergewebe aufgerakelt und anschließend im Heraeus Umlufttrockenschrank getrocknet. Es wurde stets ein gleichmäßiges Muster von Punkten erhalten. Dabei unterlag die Trockenauflage gewissen, im Labor naturgemäßen Schwankungen.

Anwendungstechnische Messungen Messung der Quellhöhe und Quellgeschwindigkeit

Zur Messung der Quellhöhe und der Quellgeschwindigkeit wird ein kreisrunder Ausschnitt (25,4 cm2) des beschichteten Flächengebildes in einen Kunststoffbecher mit einem Innendurchmesser von 80,5 mm und einer Höhe von 30 mm gegeben. Auf dieses Vlies werden zuerst zwei dünne Polyestervliese (Dicke 0,5 mm) und dann ein runder Stempel mit einem Durchmesser von 80 mm und einem Gewicht von 100 g gegeben. Dieser Stempel verfügt über 60 durchgehende Bohrungen von je 2 mm Durchmesser. Bei der Messung wird die Höhe der Stempeloberkante beobachtet. In den Becher werden 75 ml VE-Wasser (Leitfähigkeit < 0,1 mS) gegeben und der Anstieg der Stempeloberkante nach 1 und 10 Minuten notiert (Doppelbestimmung), wobei als Nullpunkt die Stempeloberkante vor Zugabe des Wassers genommen wird. Um den Einfluß der unterschiedlichen Auftragsmengen zu eliminieren wird in einem Rechenschritt die Quellhöhe bezogen auf einen Polymerauftrag von 10 g/m2 berechnet.

Bestimmung der Retention

Zur Bestimmung der Retention wird ein kreisförmiges Stück des bedruckten Gewebes mit einem Durchmesser von 3 cm in einem handelsüblichen Teebeutel eingeschweißt. Der Beutel wird anschließend für dreißig Minuten in einer Schale mit dest.-Wasser getaucht, 10 Minuten lang aufgehängt und bei 1200 UpM in einer handelsüblichen Wäscheschleuder 5 Minuten lang geschleudert. Es wird das Gewicht des geschleuderten Teebeutels bestimmt. Zur Berechnung der Retention wird vom Gewicht des geschleuderten Teebeutels das Gewicht des trockenen Teebeutels mit Gewebe abgezogen und durch das Gewicht des aufgedruckten Polymers dividiert.

Beispiele Beispiel 1

1000 g einer Lösung eines Copolymerisats aus 90 Molprozent Acrylsäure und 10 Molprozent Acrylamid mit einem Neutralisationsgrad von 50% und einer Trockensubstanz von 25 Gew.-% und einer mittleren Molmasse von 200 000 g/mol wird mit 37,5 g Glyoxal 40%-ig verrührt. Die erhaltene Paste hat eine Viskosität von 9700 mPas (bestimmt bei 20°C mit einem Brookfield-Viskosimeter Spindel 4/10 UpM) und wird nach einer Stunde mittels Schablone auf ein Polyestergewebe aufgedruckt. Die bedruckten Substrate werden auf Spannrahmen für jeweils zwei Minuten in einem Umlufttrockenschrank der Marke Heraeus erhitzt. Es werden folgende Resultate erhalten:





Beispiel 2

Die fertig formulierte aber nicht verbrauchte Mischung aus Beispiel 1 wurde eine Woche bei Raumtemperatur gelagert und hatte dann eine Viskosität von 10 200 mPas (20°C, Brookfield Spindel 4/10 UpM). Die Paste wurde erneut, wie im Beispiel 1 beschrieben, verarbeitet:





Beispiel 3

Die Paste aus Beispiel 1 wurde insgesamt 4 Wochen gelagert. Die Paste hatte nach dieser Lagerzeit eine Viskosität von 9600 mPas. Verarbeitung wie in Beispiel 1 beschrieben:





Beispiel 4

100 g der wäßrigen Copolymerisatlösung aus Beispiel 1 werden statt mit Glyoxal mit 3,83 g Glyoxylsäure (50%ig in Wasser) vermischt und nach einem Tag Lagerung wie in Beispiel 1 beschrieben verarbeitet.





Beispiel 5

100 g einer Lösung eines Terpolymerisats aus 94 Molprozent Acrylsäure, 5 Molprozent Acrylamid und 1 Molprozent Methoxypolyethylenglykol(1000)methacrylsäureester (Bisomer S 10W), Neutralisationsgrad 50%, TS 25%, Viskosität 11 000 mPas wurde mit 3,75 g Glyoxal 40%-ig verrührt und wie im Beispiel 1 beschrieben, weiterverarbeitet.





Beispiel 6

100 g der Copolymerisatlösung aus Beispiel 1 wurde mit 3 g Hexamethylentetramin vermischt und wie im Beispiel 1 beschrieben verarbeitet.





Beispiel 7

Das Beispiel 6 wurde wiederholt, nur wurde der Neutralisationsgrad des verwendeten Copolymers vor Zugabe des Hexamethylentetramins mit Natronlauge auf 60 Molprozent bzw 70 Molprozent erhöht.





Beispiel 8

Die Quellpaste nach Beispiel 4 wurde mit dest. Wasser 1 : 1 verdünnt, und anschließend auf Aramidfasern aufgezogen. Die so behandelten Aramidfasern wurden mit einem Heißluftfön kurzzeitig thermisch behandelt. Die behandelten Aramidfasern wurden einem Quelltest wie in der EP 482 703, Seite 5 ab Zeile 50 beschrieben unterzogen. Dabei wurde eine Polymerauflage von 16 Gew.-% erhalten. Das Produkt war sofort dicht und das auch bis zum Testende nach 6 Tagen.

Vergleichsbeispiel 1

Das Polymer aus Beispiel 1 wird mit 2 Gew.-% Ethylenglykolbisglycidylether vermischt. Die Produktmischung hat eine anfängliche Viskosität von 11 000 mPas. Bereits nach 4 Stunden Lagerung bei Raumtemperatur ist die Viskosität auf 27 000 mPas angestiegen. Nach einer Lagerzeit von 48h ist das Produkt vollständig vernetzt und läßt sich nur noch unter großer Kraftanstrengung und unter Verwendung von scharfkantigem Werkzeug bröckchenweise aus dem Vorratsgefäß entfernen.

Vergleichsbeispiel 2

Es wird ein dem Beispiel 1 vergleichbares Polymer mit einer Viskosität von 20 200 mPas verwendet, mit dem Unterschied, daß es sich um ein reines Homopolymer von Acrylsäure mit einem Neutralisationsgrad von 50% handelt, d. h. es sind keine Amidfunktionen an die Polymerkette gebunden. Dieses Polymerisat, das als 30%-ige wäßrige Lösung vorliegt wird mit 3,75.Gew.-% Glyoxal vermischt und wie im Beispiel 1 angegeben gedruckt und getrocknet.





Beispiel 9

Ein wäßrige Lösung eines Polymers aus 30 Molprozent Acrylsäure, 30 Molprozent Natriumacrylat und 40 Molprozent Acrylamid mit einer WS von 28% und einer Viskosität von 7800 mPas wurde mit 0,75 Gew.-% Glyoxal 40%-ig vermischt und wie im Beispiel 1 beschrieben verarbeitet. Das bedruckte Gewebe wurde im Heraues-Trockenschrank 2 Minuten bei 150°C erhitzt.





Beispiel 10

Eine wäßrige Lösung eines Polymers aus 20 Molprozent Acrylsäure, 20 Molprozent Natriumacrylat und 60 Molprozent Acrylamid mit einer WS von 27% und einer Viskosität von 14 400 mPas wurde mit 0,75 Gew.-% Glyoxal und mit 0,5 Gew.-% Glyoxal vermischt und wie im Beispiel 1 beschrieben verarbeitet. Die Trocknung erfolgte 2 Minuten lang im Heraeus- Umlufttrockenschrank bei 150°C.






Anspruch[de]
  1. 1. Quellpaste aus
    1. A) einer Komponente 1, bestehend aus einer wäßrigen, teil- oder völlig neutralisierten Lösung eines Polymeren, das durch radikalische Copolymerisation von Mischungen aus
      1. a) Amidgruppen enthaltenden Monomeren und
      2. b) Carboxylgruppen und/oder Carboxylatgruppen enthaltenden Monomeren sowie
      3. c) ggf. weiteren, radikalisch polymerisierbaren Monomeren
      hergestellt ist.
    2. B) einer Komponente 2, bestehend aus einem Vernetzer und
    3. C) ggf. weiteren Zusatzstoffen,
    dadurch gekennzeichnet, daß die Vernetzerkomponente 2 ein Aldehyd oder ein Aldehyd abspaltende Verbindung ist.
  2. 2. Quellpaste nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Polymer der Komponente 1 aus
    1. a) 1-80, bevorzugt aus 1-60, und insbesondere aus 1-20 Mol% Amidgruppen enthaltenden, radikalisch polymerisierten Monomeren
    2. b) zu 20-99, bevorzugt zu 40-99, und insbesondere zu 80-99 Mol% teilneutralisierten, carboxylgruppenhaltigen, radikalisch polymerisierten Monomeren sowie
    3. c) 0-49 Mol%, bezogen auf die Monomeren a) + b) weiterer, mit a) und b) copolymerisierbaren einpolymerisierten Monomeren besteht.
  3. 3. Quellpaste nach einem der Ansprüche 1 bis 2, dadurch gekennzeichnet, daß als Amidgruppen enthaltende Monomere a) für das Polymer der Komponente 1 Acrylamid und/oder Methacrylamid verwendet werden.
  4. 4. Quellpaste nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß als carboxylgruppenhaltige Monomere für das Polymer der Komponente 1 Acrylsäure, Methacrylsäure, Maleinsäure, Fumarsäure, Itakonsäure oder Mischungen dieser Säuren verwendet werden.
  5. 5. Quellpaste nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die in das Polymer der Komponente 1 einpolymerisierten Monomeren b) zu mindestens 25, vorzugsweise zu mindestens 50 Mol% neutralisiert sind.
  6. 6. Quellpaste nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Vernetzerkomponente 2 als Aldehyde oder Aldehyd abspaltende Verbindungen Formaldehyd, Paraldehyd, Glyoxal, Glyoxylsäure oder Hexamethylentetramin oder deren Mischungen enthält oder daraus besteht.
  7. 7. Quellpaste nach einem der Ansprüche 1 bis 6, gekennzeichnet durch einen Gehalt an Vernetzerkomponente 2 von 1-15 Gew.-%, bezogen auf das eingesetzte Polymer der Komponente 1.
  8. 8. Quellpaste nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß sie nach dem Vernetzen eine Retention von mindestens 25 g/g, vorzugsweise mindestens 60 g/g aufweist.
  9. 9. Quellpaste nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß sie nach dem Vernetzen eine Quellhöhe pro 10 g/m2 Trockensubstanzauftrag von mindestens 0,8 mm, vorzugsweise von mindestens 1,0 mm und besonders bevorzugt von mindestens 1,5 mm aufweist.
  10. 10. Verwendung der Quellpaste nach einem der Ansprüche 1 bis 7 zur Herstellung von absorbierenden Fasern, Faserbündeln, Fäden, Vliesen, Geweben und sonstigen vorgefertigten Flächengebilden durch Aufbringen der Quellpaste auf das Trägermaterial und nachfolgender thermischer Behandlung.
  11. 11. Verwendung der Quellpaste nach einem der Ansprüche 1 bis 7 bei der Herstellung von Energie- und Kommunikationskabeln sowie von Vliesen und Geweben für den landwirtschaftlichen Bereich, für die Bekleidungs- und Hygieneindustrie sowie für die Beerdigungsbranche.






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