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Dokumentenidentifikation DE19807785C1 04.03.1999
Titel Biegevorrichtung für Vier- oder Mehrwalzengerüste
Anmelder Mannesmann AG, 40213 Düsseldorf, DE
Erfinder Ossendorf, Horst, 42579 Heiligenhaus, DE
Vertreter P. Meissner und Kollegen, 14199 Berlin
DE-Anmeldedatum 18.02.1998
DE-Aktenzeichen 19807785
Veröffentlichungstag der Patenterteilung 04.03.1999
Veröffentlichungstag im Patentblatt 04.03.1999
IPC-Hauptklasse B21B 31/02
IPC additional class // B21B 29/00  
Zusammenfassung Die Erfindung betrifft eine Biegevorrichtung für Vier- oder Mehrwalzengerüste mit Arbeitswalzen, Stützwalzen und gegebenenfalls zwischen Arbeitswalzen und Stützwalzen angeordnete Zwischenwalzen, bei denen beidseitig an jedem Lagereinbaustück der Walzen Biegeblöcke angreifen, die in den Fenstern des Walzengerüstes vertikal geführt sind, wobei die sich jeweils vertikal gegenüberliegenden Biegeblöcke eines Walzenpaares über Kolben-Zylindereinheiten aufeinander zu- und voneinander weg bewegbar sind. Dabei greift an jedem Lagereinbaustück (5, 6) beidseitig je ein zweiter vertikal verschiebbar geführter Biegeblock (16, 17) an, der unabhängig von dem ersten Biegeblock (8, 9) über eine sich am Walzenständer (7) abstützende Kolben-Zylinder-Einheit (18) bewegbar ist.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft eine Biegevorrichtung für Vier- oder Mehrwalzengerüste mit Arbeitswalzen, Stützwalzen und gegebenenfalls zwischen Arbeitswalzen und Stützwalzen angeordnete Zwischenwalzen, bei denen beidseitig an jedem Lagereinbaustück der Walzen Biegeblöcke angreifen, die in den Fenstern des Walzgerüstes vertikal geführt sind, wobei die sich jeweils vertikal gegenüberliegenden Biegeblöcke eines Walzenpaares über Kolben-Zylinder-Einheiten aufeinander zu- und voneinander wegbewegbar sind.

Beim Walzen von Bandmaterial in Flachwalzwerken werden hohe Verformungskräfte auf das Walzgut aufgebracht, die als Reaktionskräfte von dem Walzenständer aufzunehmen sind. Trotz entsprechender Dimensionierung des Walzgerüstes kommt es zu Materialverformungen sowohl des Walzenständers wie auch der Walzen. Die Verformungen der Arbeitswalzen läßt sich zwar durch das Abstützen dieser Walzen mittels Stützwalzen und ggf. dazwischen angeordneter Zwischenwalzen verringern, aber nicht verhindern. Ohne Gegenmaßnahmen führt die Durchbiegung der Arbeitswalzen nach der dem Walzgut abgewandten Seite dazu, daß der Walzspalt eine konvexe Querschnittsform einnimmt und das Walzgut an den Kanten stärker verformt wird, als in der Mitte.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, diesen Vorgang zu beeinflussen, beispielsweise indem man die Walzen bombiert, d. h. den Walzballen konvex schleift. Damit läßt sich zwar die Durchbiegung der Walze weitgehend kompensieren, allerdings nur für eine bestimmte Walzlast.

Eine andere verbreitete Möglichkeit zur Kompensation der Walzendurchbiegung besteht darin, der Walze über spezielle Biegeeinrichtungen eine gezielte Walzenbiegung zu erteilen, die der aus der Walzkraft resultierenden Durchbiegung entgegengerichtet ist. Mit solchen Biegeeinrichtungen an den Walzen kann einerseits die Rückbiegung der aus der Walzlast resultierenden Biegung erreicht werden, andererseits können auch bestimmte Walzenbiegungen eingestellt werden, um damit das Walzgutprofil gezielten zu verändern.

Bekannte Biegevorrichtungen greifen an den Walzenzapfen bzw. an den Einbaustücken der Walzenlager an und spreizen die Walzen des Walzenpaares gegen die Stütz- oder Zwischenwalzen oder ziehen die Walzen gegen das Walzgut. Im ersten Fall spricht man von positiver, im zweiten Fall von negativer Walzenbiegung.

Eine gattungsgemäße Biegevorrichtung ist aus der europäischen Patentanmeldung 0 768 125 A1 bekannt. Dort werden die Biegekräfte über Biegeblöcke in die Lagereinbaustücke der Walzen eingeleitet, die an in den Fenstern des Walzgerüstes angeordneten Paaren von Zylinderstäben geführt sind, deren Enden indirekt mit dem Walzgerüst verbunden sind. Die bekannte Ausbildung der Biegevorrichtung hat jedoch den Nachteil, daß nur entweder positive oder negative Biegekräfte in die Arbeitswalzen eingeleitet werden können, was sich als nachteilig für den Walzprozeß gezeigt hat. Insbesondere bei der Veränderung von positiver zu negativer Biegung entstehen Situationen, in denen die Arbeitswalzen von den Stützwalzen abheben können, was zu Qualitätsverlusten am Walzgut führt.

Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, eine aus der EP 0 768 125 A1 bekannte Biegevorrichtung so zu verbessern, daß zeitgleich während des Walzprozesses eine positive und eine negative Arbeitswalzenbiegung erfolgen kann und somit sowohl eine große Variationsmöglichkeit bei der Einstellung des Bandprofils möglich wird, wie auch eine prozeßgenaue Einstellung der Walzenbiegung erfolgen kann.

Zur Lösung der Aufgabe wird erfindungsgemäß vorgeschlagen, daß an jedem Lagereinbaustück beidseitig je ein zweiter vertikal verschiebbar geführter Biegeblock angreift, der unabhängig von dem ersten Biegeblock über eine sich am Walzenständer abstützende Kolben-Zylinder-Einheit bewegbar ist.

Durch den Vorschlag der Erfindung wird es möglich, neben der aufeinander Zu- oder voneinander Wegbewegung der Arbeitswalzen zusätzliche Biegekräfte auf die Arbeitswalzen wirken zu lassen, die, abgestützt am Walzenständer, gegen die Biegekräfte der ersten Biegeblöcke gerichtet sind. Auf diese Weise wird es möglich, sowohl eine positive als auch eine negative Arbeitswalzenbiegung gleichzeitig einzuleiten, um damit das Walzprofil vielfältig beeinflussen zu können.

In einer Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, daß der zweite Biegeblock am ersten Biegeblock geführt ist. Diese Lösung bietet sich aus Platzgründen an; denn in den Fenstern des Walzgerüstes ist der Bauraum äußerst beschränkt.

Eine besonders günstige Lösung sieht vor, daß der in einem fest mit dem Walzgerüst verbundenen Führungsstück gleitend geführte erste Biegeblock mit Flachführungen versehen ist, in denen der zweite Biegeblock verschiebbar ist, und daß die Kolben- Zylinder-Einheit zur Verschiebung des zweiten Biegeblockes jeweils an einer Konsole abgestützt ist, die am Walzgerüst, in das Ständerfenster auskragend, angeordnet ist.

Die vorliegende Erfindung sieht somit zwei unabhängig voneinander verschiebbare Biegeblöcke an den Lagereinbaustücken der Arbeitswalzen vor, wobei das erste Biegeblockpaar von dem fest mit dem Walzenständer verbundenen Führungsstück geführt wird und die Verschiebung dieser Biegeblöcke den jeweils in einem Biegeblock angeordneten Zylindern erfolgt, die mit dem jeweils anderen Biegeblock verbunden sind. Das zweite Biegeblockpaar wird jeweils im ersten Biegeblockpaar geführt und separat mit fest am Walzgerüst abgestützten Zylindern axial verschoben. Mit einer derartig ausgebildeten Biegevorrichtung ist es möglich, zeitgleich die Arbeitswalze positiv und negativ zu biegen.

Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in der Zeichnung dargestellt und wird nachfolgend beschrieben. Es zeigt:

Fig. 1 die Biegevorrichtung bei einem Quarto-Walzgerüst in einem Schnitt quer zu den Walzenachsen nach der Linie B-B durch Fig. 2,

Fig. 2 die Draufsicht auf einen Schnitt nach der Linie A-A durch Fig. 1.

In Fig. 1 ist die Biegevorrichtung nach der Erfindung für ein Quartowalzgerüst mit Arbeitswalzen 1, 2 und Stützwalzen 3, 4 dargestellt. Die Lagereinbaustücke 5, 6 der Arbeitswalzen 1, 2 sind jeweils mit Biegeblöcken 8, 9 verbunden, die von im Ständerfenster 12 angeordneten Führungsstücken 13 geführt werden. Die Führungsstücke 13 sind fest mit den Holmen des Walzenständers 7 verbunden. Die übereinanderliegenden Biegeblöcke 8, 9 werden mittels zwei Zylindern 15 auseinandergespreizt oder gegeneinandergezogen und dadurch axial an den Führungsblöcken auf- und abbewegt, woraus sich die positive oder negative Arbeitswalzenbiegung ergibt. Zusätzlich zu den Biegeblöcken 8, 9 sind weitere Biegeblöcke 16, 17 mit den Lagereinbaustücken 5, 6 der Arbeitswalzen 1, 2 verbunden. Die Biegeblöcke 16, 17 sind separat vertikal verschiebbar in Flachführungen geführt, die in den Biegeblöcken 8, 9 vorgesehen sind. Jeder Biegeblock 16, 17 wird einzeln mittels Kolben-Zylinder-Einheiten 18 axial in den Biegeblöcken 8, 9 auf- und abbewegt, wobei jeder Kolben-Zylinder-Einheit 18 fest mit den Holmen des Walzenständers 7 verbunden ist. Dadurch ergibt sich ebenfalls eine positive oder negative Arbeitswalzenbiegung, die kombiniert mit der Walzenbiegung der ersten Biegeblöcke 8, 9 eingesetzt, eine zeitgleiche positive und negative Biegung an einer oder unterschiedlichen Walzen ermöglicht. Damit lassen sich beispielsweise an den beiden Arbeitswalzen 1, 2 unterschiedliche Krümmungskurven einstellen, durch die das Bandquerschnittsprofil von konvex über plan zu konkav variiert werden kann.


Anspruch[de]
  1. 1. Biegevorrichtung für Vier- oder Mehrwalzengerüste mit Arbeitswalzen, Stützwalzen und gegebenenfalls zwischen Arbeitswalzen und Stützwalzen angeordneten Zwischenwalzen, bei denen beidseitig an jedem Lagereinbaustück der Walzen Biegeblöcke angreifen, die in den Fenstern des Walzgerüstes vertikal geführt sind, wobei die sich jeweils vertikal gegenüberliegenden Biegeblöcke eines Walzenpaares über Kolben-Zylindereinheiten aufeinander zu- und voneinander weg bewegbar sind, dadurch gekennzeichnet, daß an jedem Lagereinbaustück (5, 6) beidseitig je ein zweiter vertikal verschiebbar geführter Biegeblock (16, 17) angreift, der unabhängig von dem ersten Biegeblock (8, 9) über eine sich am Walzenständer (7) abstützende Kolben-Zylinder-Einheit (18) bewegbar ist.
  2. 2. Biegevorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der zweite Biegeblock (16, 17) an dem ersten Biegeblock (8, 9) geführt ist.
  3. 3. Biegevorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß der in einem fest mit dem Walzenständer (7) verbundenem Führungsstück (13) gleitend geführte erste Biegeblock (8, 9) mit Flachführungen versehen ist, in denen der zweite Biegeblock (16, 17) verschiebbar ist und daß die Kolben- Zylinder-Einheit (18) zur Verschiebung des zweiten Biegeblockes (16, 17) jeweils an einer Konsole abgestützt ist, die am Walzenständer (7), in das Ständerfenster (12) auskragend, angeordnet ist.






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