PatentDe  


Dokumentenidentifikation DE19804042A1 09.09.1999
Titel Geruchsbinder für aldehydhaltige Desinfektionsmittel
Anmelder Widulle, Herbert, Dipl.-Chem. Dr., 22547 Hamburg, DE
DE-Anmeldedatum 03.02.1998
DE-Aktenzeichen 19804042
Offenlegungstag 09.09.1999
Veröffentlichungstag im Patentblatt 09.09.1999
IPC-Hauptklasse A01N 35/02

Beschreibung[de]
1. Stand der Technik

Zur Sicherstellung eines hohen Hygienestandards in Krankenhäusern, Arztpraxen und lebensmittelverarbeitenden Betrieben ist eine Keimabtötung auf Flächen oder auf oder in geräten notwendig. Dabei werden bevorzugt Aldehyde, quaternäre Ammoniumverbindungen, Amine, Phenole, Peroxide oder Mischungen derselben eingesetzt. Dabei sind Aldehyde und Peroxide die einzigen Wirkstoffgruppen, die ein umfassendes Wirkungsspektrum haben, also sowohl Bakterien, Pilze oder Mycobakterien abtöten können, als, auch Viren oder Sporen zerstören können. Die Desinfektion mit Peroxiden ist dabei stark von der Art der Verschmutzung abhängig: Besteht die Gefahr, daß mit Blutverschmutzungen zu rechnen ist, so ist nur die Desinfektion mit Peressigsäure oder mit Kaliummonopersulfat erfolgversprechend. Dabei sind sowohl Kaliummonopersulfat als auch Peressigsäure für viele Oberflächen sehr korrosiv, so daß die praktische Verwendbarkeit dieser Wirkstoffe eingeschränkt ist. Peressigsäure zeichnet sich zusätzlich noch durch einen sehr scharfen, stechenden, unangenehmen Geruch aus, so daß die Verwendbarkeit weiter eingeschränkt wird.

Aldehyde demgegenüber sind wenig korrosiv und greifen die meisten Materialien nicht an. Ihr Hauptnachteil ist der starke, stechende Geruch, der besonders beim Glutardialdehyd als unangenehm empfunden wird. Während Formaldehyd aus toxikologischen Gründen abgelehnt wird, obgleich der Geruch als frisch empfunden wird, so liegt die Ablehnung des Glutaraldehydes in der Regel an dem Geruch. Glyoxal ist zwar praktisch geruchlos, die Wirksamkeit ist aber viel zu schlecht, um einen Einsatz in Desinfektionsmittels als alleiniger Wirkstoff zu rechtfertigen. Der Einsatz von Succindialdehyd oder von Ethylhexanal erfolgt nur in geringem Umfang, da diese Aldehyde für einen häufigen Einsatz zu teuer sind.

Bereits seit einigen Jahren versucht man, das Geruchsproblem der Aldehyde durch eine Abmischung mit anderen Desinfektionsmittelwirkstoffe zu mildem. Üblich sind zum Beispiel Abmischungen mit quaternären Ammoniumverbindungen, die geruchlos sind. Durch eine geschickte Abmischung kann der Anteil der Aldehyde in der Gebrauchsverdünnung auf die Hälfte oder weniger verringert werden. Bei diesen Abmischungen müssen aber Wirkungsschwächen gegenüber Viren, Sporen und Mycobakterien akzeptiert werden. Stand der Technik ist deshalb der Versuch, die Gerüche der Aldehyde mit Parfümölen zu überdecken. Dafür werden häufig Citrus- oder Eukalyptusnoten verwendet, die mit dem Geruch der Aldehyde gut harmonieren sollen und den stechenden Geruch der Aldehyde in einen frischen umändern sollen. Dabei wird durch die Parfümeure angestrebt, daß die Verdampfungsraten von Aldehyd und Parfüm als Funktion der Zeit parallel zueinander verlaufen. Bei großflächigem Einsatz hat sich aber gezeigt, daß dies nicht möglich ist. So war vor einigen Jahren ein Flächendesinfektionsmittel im Markt, das mit einer Eukalyptusnote parfümiert war. Dieses Mittel wurde bei einer Einsatzkonzentration von 0,025 gew% Glutardialdehyd in der Gebrauchsverdünnung als akzeptabel bezeichnet und bei einer Gebrauchsverdünnung mit 0,03 gew% Glutaraldehyd nicht mehr. Die Kunden klagten bei einem Gehalt von 0,03% bereits über Kopfschmerzen und wechselten das Produkt gegen ein anderes aus.

In der DE 195 23 320 wurde beschrieben, daß es möglich ist, mit Terpenen, bevorzugt Citrusterpenen, den stechenden Geruch von Aldehyden vollständig zu überdecken. Für die ebenfalls aufgestellte Behauptung, die Terpene würden die Wirksamkeit gegenüber Mycobakterien verbessern, wurde kein Beleg beigebracht. Leider hat sich gezeigt, daß es möglich ist, mit Terpenen den Geruch von aldehydischen Flächendesinfektionsmitteln zu verbessern. Eine Verwendung der in der DE 195 23 320 offenbarten Methode bei Instrumentendesinfektionsmitteln oder anderen Anwendungen, bei denen die zu desinfizierenden Körper in die Gebrauchsverdünnung eingetaucht werden und die desinfizierten Oberflächen nicht während der Einwirkzeit abtrocknen ist nur eingeschränkt möglich: Die Terpene reagieren mit Gummi und lassen es quellen und klebrig werden. Es besteht also ein großer Bedarf an Methoden, die stechenden, unangenehmen Gerüche von Aldehyden in Desinfektionsmitteln zu überdecken, ohne die guten Materialverträglichkeiten der Aldehyde zu verschlechtern.

2. Beschreibung der Erfindung

Erstaunlicherweise und auch für den Fachmann völlig überraschend hat es sich gezeigt, daß es möglich ist, den stechenden Geruch von aldehydischen Desinfektionsmitteln mit einfachen Mitteln aufzuheben. Dabei können die gewählten Mittel integraler Bestandteil von Lebensmitteln und unserer Nahrung, Bestandteile von pflanzlichen Drogen oder künstlich hergestellte Inhaltstoffe derselben sein. Besonders erstaunlich ist, daß die Substanzen, die die aldehydischen Gerüche unwirksam machen, einen niedrigeren Dampfdruck als die Aldehyde haben, deren Geruch sie entfernen. Die erfindungsgemäßen Verbindungen sind Carboxylate und deren Ester, Aldehyde, Ketone, Acetale oder Ketale, die neben der funktionellen Gruppe mindestens einen aromatischen Ring im Molekül haben. Dabei sind Aldehyde, Ketone, Acetale oder Ketale bevorzugt, bei denen die Carbonylgruppe mit einem aromatischen Ring über konjugierte Doppelbindungen verbunden sind oder Bestandteil eines konjugierten Systems ist, das mindestens einen aromatischen Ring einschließt. Dabei ist es möglich, daß das Molekül neben der Carbonylgruppe noch andere funktionelle Gruppen enthält, wie z. B. aber nicht ausschließlich Hydroxy- oder Carboxylgruppen. Auch das Vorkommen von primären, sekundären oder tertiären Amino- oder Amidogruppen ist möglich. Intergraler Bestandteil der Erfindung ist, daß die erfindungsgemäßen Riechstoffe trotz eines erheblich geringeren Dampfdrucks als die Aldehyde, wie zum Beispiel, aber nicht ausschließlich, Formaldehyd, Glyoxal, Succindialdehyd, Glutardialdehyd, Ethylhexanal, die zum Zwecke der Desinfektion verwendet werden, die Riechrezeptoren auf den Schleimhautepithelen blockieren und so ein Riechen der Aldehyde, die zu Desinfektionszwecken verwendet werden, unmöglich machen oder stark einschränken. Als erfindungsgemäße Riechstoffe können verwendet werden, ohne daß die folgende Aufzählung einen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt: Methoxyzimtaldehyd, Zimtaldehyd, Zimtsäure, Coumann, Salicin, Vanillin, Baldrinal, Heliotropin, Safrol, Benzaldehyd. Besonders erstaunlich ist, daß bereits geringen Mengen dieser Inhaltstoffe den scharfen, stechenden Geruch der aldehydischen Desinfektionsmittel sicher überdecken vermögen. So können die erfindungsgemäßen aromatischen Wirkstoffe den stechenden Geruch der aldehydischen Wirkstoffe eines Flächendesinfektionsmittels überdecken, wenn sie zu den stechend riechenden Aldehyden im Verhältnis eins zu fünfhundert bis eins zu fünf eingesetzt werden, wobei die höhere Zahl des Verhältnisses den relativen Gehalt an Aldehyden für die Desinfektion angibt. Das genaue Verhältnis von erfindungsgemäßem aromatischen Riechstoff und stechend riechendem Aldehyd, das notwendig ist, um den stechenden Geruch der aldehydischen Desinfektionsmittelwirkstoffe unwirksam zu machen, muß in Versuchen festgestellt werden. Dabei hat es sich gezeigt, daß die Vorteile der erfindungsgemäßen aromatischen Verbindungen bei Desinfektionsmitteln, die bei Gebrauch abdampfen, größer sind als bei Desinfektionsmitteln, die bei Gebrauch nicht oder nur wenig abdampfen, wie zum Beispiel, aber nicht ausschließlich Instrumentendesinfektionsmitteln. Besonders bevorzugt sind dabei riechende aromatische Inhaltstoffe, die eine eigene keimtötende Wirkung haben und die Desinfektionsleistung der aldehydischen Desinfektionswirkstoffe verbessern können. Da die Verwender zwar über den stechenden Geruch der Desinfektionsmittel nach dem Stand der Technik klagen, aber andererseits den aldehydischen Geruch gewöhnt sind, kann es für einzelne Anwendungsgebiete, wie z. B. für Arztpraxen oder Krankenhäuser notwendig sein, die Menge an erfindungsgemäßem aromatischem Geruchsstoffen so niedrig zu halten, daß eine aldehydische Note beim Abtrocknen von Flächendesinfektionsmitteln noch bemerkbar ist. Die erfindungsgemäßen Desinfektionsmittel auf Basis von Aldehyden können neben den aldehydischen Wirkstoffen und den erfindungsgemäßen aromatischen Geruchsüberdeckern noch weitere an sich bekannte Wirk- oder Hilfsstoffe enthalten. So ist es zum Beispiel möglich, als Wirkstoffe eine Kombination von quaternären Ammoniumverbindungen mit verschiedenen oder auch nur einem Aldehyd zu wählen, und den Gehalt an erfindungsgemäßen aromatischen Geruchsüberdeckern dem niedrigeren Gehalt an desinfizierendem Aldehyd anzupassen.

Als weitere Inhaltstoffe sind anionische Tenside, kationische Tenside, amphotere Tenside, nichtionische Tenside, Lösevermittler, Korrosionsinhibitoren, Farbstoffe oder auch weitere Riechstoffe möglich, ohne daß die Basis der Erfindung verlassen wird. Als anionische Tenside werden bevorzugt Ethercarbonsäuren, sekundäre Alkansulfonate, Laurylsulfate, Sulfosuccinate oder Laurylethersulfate verwendet, ohne daß diese Liste abschließend gemeint sein soll. Die Verwendung von kationischen Tensiden ist einerseits möglich, um die Konzentrationen an aldehydischen Wirkstoffen gering zu halten andererseits um nicht miteinander lösliche Inhaltstoffe von Desinfektionsmitteln in einander löslich zu machen. Als kationische Inhaltstoffe werden hier beispielhaft, aber nicht ausschließend Benzalkoniumchlorid, Didecyldimethylammoniumchlorid, Dioctylammoniumchlorid, Hexadecyltrimethylammoniumbromid genannt. Octoamidopropylbetain oder Cocamidopropylbetain oder Cocoamphodiacetat seinen hier beispielhaft, aber nicht abschließend genannt. Als nichtionische Tenside werden bevorzugt Fettalkoholethoxylate verwendet, die verzeigt oder nichtverzeigt sein können. Auch die Verwendung von Fettalkoholalkoxylaten, z. B. Ethylenoxid/Propylenoxid-Addukten oder Ethylenoxid/Butylenoxidaddukten ist möglich.

Als Lösevermittler können Alkohole wie z. B., aber nicht ausschließlich, Ethanol, die Propanole, Propylenglycol, Butyldiglycol oder Polypropylenglycol verwendet werden. Als Korrosioninhibitoren werden in derartigen Desinfektionsmitteln die üblich wie z. B. Benzo- oder Tolyltriazol gegen Buntmetallkorrosionen oder Phosphate oder Phosphonate gegen Leichtmetall- oder Eisenkorrosionen verwendet. Farbstoffe und Parfümöle sind für die Beschreibung der Erfindung so unwichtig, und in den derzeit handelsüblichen Desinfektionsmitteln derartig genau spezifiziert, daß eine weitere Beschreibung dieser möglichen Inhaltsstoffe zur Beschreibung der Erfindung nicht nötig sind. Die Erfindung wird mit den folgenden Beispielen näher erläutert:

Der Geruch der beispielhaft aufgeführten wurde 15 min nach dem Auftragen auf einen PVC- Fußboden getestet.




Anspruch[de]
  1. 1. Aldehydisches Desinfektionsmittel, dadurch ausgezeichnet, daß es Ester, Carboxylate, Aldehyde, Ketone, Ketale oder Acetale mit einem aromatischen Kohlenstoffgerüst in einem Verhältnis zu den desinfizierend wirkenden Aldehyden des Mittels von eins zu fünfhundert bis eins zu fünf enthält.
  2. 2. Aldehydisches Desinfektionsmittel nach Anspruch 1, dadurch ausgezeichnet, daß bei den geruchsüberdeckenden aromatischen Stoffen mindestens eine Ester-, Carbonyl-, Ketal-, Acetal- oder Carboxylgruppe mit mindestens einem aromatischen Ring über ein konjugiertes Elektronensystem verbunden ist.
  3. 3. Aldehydisches Desinfektionsmittel nach den Ansprüchen eins und zwei, dadurch ausgezeichnet, daß es zusätzlich mindestens eine Amino- oder Amidogruppe enthält.
  4. 4. Aldehydisches Desinfektionsmittel nach den Ansprüchen eins bis drei, daß die geruchsüberdeckenden aromatischen Stoffe als Inhaltsstoffen in Gewürzen oder Drogen vorkommen.
  5. 5. Aldehydisches Desinfektionsmittel nach den Ansprüchen eins bis vier, dadurch ausgezeichnet, daß es in der Anwendungslösung zwischen 0,001 und 0,1 Prozent Aldehyde enthält.
  6. 6. Aldehydisches Desinfektionsmittel nach den Ansprüchen eins bis fünf, dadurch ausgezeichnet, daß es Aldehyde aus der Gruppe Formaldehyd, Glyoxal, Succindialdehyd, Glutardialdehyd, Ethylhexanal enthält.
  7. 7. Aldehydisches Desinfektionsmittel nach den Ansprüchen eins bis sechs, dadurch ausgezeichnet, daß als geruchsüberdeckende Stoffe Methoxyzimtaldehyd, Zimtaldehyd, Zimtsäure, Benzaldehyd, Coumann, Salicin, Vanillin, Baldrinal, Helioitropin oder Safrol enthalten sind.
  8. 8. Aldehydisches Desinfektionsmittel nach den Ansprüchen eins bis sieben, dadurch ausgezeichnet, daß es ein Konzentrat ist, das vor Gebrauch mit Wasser verdünnt wird.






IPC
A Täglicher Lebensbedarf
B Arbeitsverfahren; Transportieren
C Chemie; Hüttenwesen
D Textilien; Papier
E Bauwesen; Erdbohren; Bergbau
F Maschinenbau; Beleuchtung; Heizung; Waffen; Sprengen
G Physik
H Elektrotechnik

Anmelder
Datum

Patentrecherche

  Patente PDF

Copyright © 2008 Patent-De Alle Rechte vorbehalten. eMail: info@patent-de.com