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Dokumentenidentifikation DE19815029A1 07.10.1999
Titel Walzenwechselverfahren für ein Walzgerüst
Anmelder SMS Schloemann-Siemag AG, 40237 Düsseldorf, DE
Erfinder Denker, Wolfgang, Dipl.-Ing., 57258 Freudenberg, DE
Vertreter Hemmerich, Müller & Partner, 57072 Siegen
DE-Anmeldedatum 03.04.1998
DE-Aktenzeichen 19815029
Offenlegungstag 07.10.1999
Veröffentlichungstag im Patentblatt 07.10.1999
IPC-Hauptklasse B21B 31/08
IPC-Nebenklasse B21B 13/02   B21B 29/00   
Zusammenfassung Die vorliegende Erfindung betrifft ein Walzenwechselverfahren für ein Walzgerüst (1) eines mehrgerüstigen Walzwerks für Metallband (5), insbesondere Stahlband (5), wobei das Walzgerüst (1) Arbeitswalzen (8) und Stützwalzen (10) aufweist,
- wobei nach dem Beenden des Walzens eines ersten Metallbandes (5) das Walzgerüst (1) angehalten wird und die Arbeitswalzen (8) ausgebaut werden,
- wobei mindestens ein zweites Metallband (5) in dem Walzwerk ohne das Walzgerüst (1) gewalzt wird,
- wobei die Stützwalzen (10) während des Walzens des mindestens einen zweiten Metallbandes (5) mittels eines geschlitzten Stützwalzenwechselstuhls (11) gewechselt werden,
- wobei nach dem Beenden des Walzens des zweiten Metallbandes (5) die Arbeitswalzen (8) eingebaut werden und
- wobei mindestens ein drittes Metallband (5) in dem Walzwerk mit dem Walzgerüst (1) gewalzt wird.

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung betrifft ein Walzenwechselverfahren für ein Walzgerüst eines mehrgerüstigen Walzwerks für Metallband, insbesondere Stahlband, wobei das Walzgerüst Arbeitswalzen und Stützwalzen aufweist, wobei nach dem Beenden des Walzens eines ersten Metallbandes das Walzgerüst angehalten wird, die Arbeitswalzen gewechselt werden und nach dem Wechsel der Arbeitswalzen ein weiteres Metallband in dem Walzwerk gewalzt wird.

Derartige Walzenwechselverfahren sind bekannt.

Wenn bei einem Walzgerüst mit Arbeits- und Stützwalzen die Stützwalzen gewechselt werden sollen, muß im Stand der Technik das Walzgerüst ebenfalls angehalten werden. Der Wechsel der Stützwalzen wird dann von Hand oder teilautomatisch durchgeführt.

Der Stillstand des Walzgerüsts und damit verbunden des ganzen Walzwerks führt zu Produktionsausfall. Dies ist besonders ungünstig, wenn dem Walzwerk andere Anlagen vor- oder nachgeordnet sind, z. B. eine Beizanlage, die eigentlich weiterlaufen könnte.

Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, ein Walzenwechselverfahren für ein Walzgerüst zur Verfügung zu stellen, mittels dessen die Stillstandzeiten des Walzwerks deutlich verringert werden können.

Die Aufgabe wird dadurch gelöst,

  • - daß nach dem Beenden des Walzens eines ersten Metallbandes das Walzgerüst angehalten wird und die Arbeitswalzen ausgebaut werden,
  • - daß mindestens ein zweites Metallband in dem Walzwerk ohne das Walzgerüst gewalzt wird,
  • - daß die Stützwalzen während des Walzens des mindestens einen zweiten Metallbandes mittels eines geschlitzten Stützwalzenwechselstuhls gewechselt werden,
  • - daß nach dem Beenden des Walzens des zweiten Metallbandes die Arbeitswalzen eingebaut werden und
  • - daß mindestens ein drittes Metallband in dem Walzwerk mit dem Walzgerüst gewalzt wird.

Die Stillstandszeiten des Walzwerks können noch weiter verringert werden, wenn die Stützwalzen Kupplungen für Schmier- und/oder Kühlmedien aufweisen und die Kupplungen beim Wechsel der Stützwalzen automatisch von den Stützwalzen ab- bzw. an die Stützwalzen angekuppelt werden. Derartige automatische Kupplungen an Walzen sind für Arbeits- und Zwischenwalzen von Walzgerüsten bereits bekannt. Sie können bei entsprechender, an sich bekannter Auslegung der Kupplungen für Stützwalzen einfach auch bei Stützwalzen angewendet werden.

Falls das Walzgerüst Zwischenwalzen aufweist, werden die Zwischenwalzen vorzugsweise zusammen mit den Arbeitswalzen aus- und eingebaut.

Weitere Vorteile und Einzelheiten ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung eines Ausführungsbeispieles. Dabei zeigen in Prinzipdarstellung

Fig. 1 ein Reversierwalzwerk,

Fig. 2 ein Walzgerüst des Reversierwalzwerks und

Fig. 3 einen geschlitzten Stützwalzenwechselstuhl mit Stützwalzen.

Gemäß Fig. 1 besteht ein Reversierwalzwerk aus zwei Walzgerüsten 1, 2 und zwei Haspeln 3, 4. Ein Stahlband 5 wird reversierend von einem der Haspel 3, 4 abgehaspelt, läuft dann über eine der Umlenkrollen 6, 7 in die Walzgerüste 1, 2 ein und wird über die andere der Umlenkrollen 6, 7 dem anderen der Haspel 3, 4 zugeführt. Die Umlenkrollen 6, 7 sind in Richtung der Pfeile von Fig. 1 an das Stahlband 5 anschwenkbar.

Die Walzgerüste 1, 2 sind sogenannte Sechsrollengerüste, weisen also jeweils ein Paar Arbeitswalzen 8, ein Paar Zwischenwalzen 9 und ein Paar Stützwalzen 10 auf. Wenn die Walzen 8, 9, 10 z. B. des Walzgerüsts 1 gewechselt werden sollen, so geschieht dies wie folgt.

Zunächst wird der momentane Stich des Reversierwalzwerks beendet. Das heißt, das Stahlband 5 wird bspw. von dem einen Haspel 3 zum anderen Haspel 4 gehaspelt, während es von beiden Walzgerüsten 1, 2 gewalzt wird. Dieses Walzen entspricht dem Walzen des ersten Metallbandes gemäß dem ersten Merkmal von Anspruch 1.

Sodann wird das Walzen des Stahlbandes 5 unterbrochen. Es werden also beide Walzgerüste 1, 2 angehalten. In diesem Zustand werden, wie schematisch in Fig. 2 dargestellt, die Arbeitswalzen 8 und die Zwischenwalzen 9 nach der einen Seite aus dem Walzgerüst 1 ausgebaut. Dies ist besonders einfach und schnell möglich, wenn die Arbeitswalzen 8 und die Zwischenwalzen 9 in einer sogenannten Kassette gelagert sind. Beim Ausbau der Arbeits- und Zwischenwalzen 8, 9 erfolgt ein automatisches Abkuppeln der Schmier- und Kühlmedienkupplungen für die Arbeits- und Zwischenwalzen 8, 9.

Nach dem Ausbau der Arbeitswalzen 8 und der Zwischenwalzen 9 des einen Walzgerüsts 1 wird das Stahlband 5 wieder vom Haspel 4 zum Haspel 3 gefördert. Während dieses Fördervorgangs durchläuft das Stahlband 4 beide Walzgerüste 1, 2. Gewalzt wird das Band aber nur im Walzgerüst 2. Das Walzgerüst 1 wird lediglich durchlaufen. Dabei wird das Stahlband 5 mittels nicht dargestellter Rollen in Walzposition gehalten. Dieses Umhaspeln vom Haspel 4 auf den Haspel 3 entspricht dem Walzen des zweiten Metallbandes gemäß dem zweiten Merkmal von Anspruch 1.

Während dieses Walzens des Stahlbandes 5 durch das Walzgerüst 2 werden die Stützwalzen 10 ausgebaut. Auch hier ist der Ausbau wieder schematisch in Fig. 2 dargestellt. Der Ausbau der Stützwalzen 10 während des Durchlaufens des Stahlbandes 5 durch das Walzgerüst 1 ist möglich, weil die Stützwalzen 10, wie in Fig. 3 schematisch dargestellt, zum Ausbau und zum Einbau von einem Stützwalzenwechselstuhl 11 aufgenommen werden, der in der Bandlaufebene geschlitzt ist.

Nach dem Ausbau der Stützwalzen 10 werden - ebenfalls während des Walzens des Stahlbandes 5 - neue Stützwalzen 10 eingebaut. Danach wird der momentane Walzvorgang beendet und das Walzen wieder unterbrochen. Sodann werden neue Arbeitswalzen 8 und neue Zwischenwalzen 9 eingebaut. Dabei erfolgt ein automatisches Wiederankuppeln der Kupplungen für Schmier- und Kühlmedien an die Arbeits- und Stützwalzen 8, 9. Abschließend werden die Arbeitswalzen 8 und damit das Walzgerüst 1 dann noch kalibriert.

Nach dem Kalibrieren der Arbeitswalzen 8 wird das Stahlband 5 wieder von beiden Walzgerüsten 1, 2 reversierend gewalzt. Dieses Walzen entspricht dem Walzen des dritten Metallbandes gemäß dem letzten Merkmal von Anspruch 1.

Die Stützwalzen 10 müssen ebenso wie die Arbeitswalzen 8 und die Zwischenwalzen 9 geschmiert werden. Gegebenenfalls kann auch eine Kühlung erforderlich sein. Es ist somit nötig, zumindest zur Schmiermittelver- und -entsorgung, gegebenenfalls auch zur Kühlmittelver- und -entsorgung, entsprechende Leitungen an die Stützwalzen 10 anzuschließen. Zum Anschluß derartiger Leitungen sind nicht dargestellte Kupplungen vorgesehen, die beim Wechsel der Stützwalzen 10 automatisch von den Stützwalzen 10 abgekuppelt bzw. an sie angekuppelt werden.

Automatische Medienkupplungen sind für Arbeitswalzen 8 und Zwischenwalzen 9 von Walzgerüsten 1, 2 allgemein bekannt. Derartige Medienkupplungen sind auch für die Stützwalzen 10 verwendbar.

Wie obenstehend erläutert, muß bei einem Reversierwalzwerk der Stichplan nicht geändert werden. Es muß lediglich öfter reversiert werden, da während des Walzenwechsels nur ein Walzgerüst 2 zum Walzen des Stahlbandes 5 zur Verfügung steht. Bei einem kontinuierlichen Walzwerk hingegen müssen die einzelnen Stichabnahmen anders verteilt werden, um auch ohne das eine Walzgerüst 1, dessen Walzen 8, 9, 10 gewechselt werden, dieselbe Gesamtstichabnahme zu erzielen.

Das Verfahren des Stützwalzenwechsels parallel zur weiter produzierenden Walzanlage hat seinen Vorteil darin, daß je nach Anzahl der Gerüste die Anlage bei zweigerüstiger Anlage zu 50% und bei fünfgerüstiger Anlage zu 80% weitergenutzt werden kann.

Zweigerüstige Reversieranlagen würden dann während des Stützwalzenwechsels entsprechend öfter reversieren, d. h. die Produktion liefe zu 50% ohne Einschränkung weiter. Fünfgerüstige Tandemstraßen würden während des Stützwalzenwechsels nur eine reduzierte Gesamtabnahme fahren können. Dies kann entweder durch angepaßte Stichpläne kompensiert werden oder auch durch die Verlegung von Produktionsbändern mit geringerer Dickenabnahme in den Stützwalzenwechsel eingeplant werden. Die Anlage kann während des Stützwalzenwechsels als viergerüstige Walzstraße weitergenutzt werden. Bezugszeichenliste 1, 2 Walzgerüste

3, 4 Haspel

5 Stahlband

6, 7 Umlenkrollen

8 Arbeitswalzen

9 Zwischenwalzen

10 Stützwalzen

11 Stützwalzenwechselstuhl


Anspruch[de]
  1. 1. Walzenwechselverfahren für ein Walzgerüst (1) eines mehrgerüstigen Walzwerks für Metallband (5), insbesondere Stahlband (5), wobei das Walzgerüst (1) Arbeitswalzen (8) und Stützwalzen (10) aufweist,
    1. - wobei nach dem Beenden des Walzen eines ersten Metallbandes (5) das Walzgerüst (1) angehalten wird und die Arbeitswalzen (8) ausgebaut werden,
    2. - wobei mindestens ein zweites Metallband (5) in dem Walzwerk ohne das Walzgerüst (1) gewalzt wird,
    3. - wobei die Stützwalzen (10) während des Walzens des mindestens einen zweiten Metallbandes (5) mittels eines geschlitzten Stützwalzenwechselstuhls (11) gewechselt werden,
    4. - wobei nach dem Beenden des Walzens des zweiten Metallbandes (5) die Arbeitswalzen (8) eingebaut werden und
    5. - wobei mindestens ein drittes Metallband (5) in dem Walzwerk mit dem Walzgerüst (1) gewalzt wird.
  2. 2. Walzenwechselverfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Stützwalzen (10) Kupplungen für Schmier- und/oder Kühlmedien aufweisen und daß die Kupplungen beim Wechsel der Stützwalzen (10) automatisch von den Stützwalzen (10) ab- bzw. an die Stützwalzen (10) angekuppelt werden.
  3. 3. Walzenwechselverfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Walzgerüst (1) nach dem Einbau der Arbeitswalzen (8) und vor dem Walzen des dritten Metallbandes (5) kalibriert wird.
  4. 4. Walzenwechselverfahren nach Anspruch 1, 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß das Walzgerüst (1) Zwischenwalzen (9) aufweist und daß die Zwischenwalzen (9) mit den Arbeitswalzen (8) aus- und eingebaut werden.






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