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Dokumentenidentifikation DE19821643A1 18.11.1999
Titel Verfahren zum Anspinnen eines Fadenendes
Anmelder Novibra GmbH, 73079 Süßen, DE
Erfinder Stahlecker, Gerd, 73054 Eislingen, DE;
Braxmeier, Hans, 73079 Süßen, DE
Vertreter Patentanwälte Wilhelm & Dauster, 70174 Stuttgart
DE-Anmeldedatum 14.05.1998
DE-Aktenzeichen 19821643
Offenlegungstag 18.11.1999
Veröffentlichungstag im Patentblatt 18.11.1999
IPC-Hauptklasse D01H 4/50
IPC-Nebenklasse D01H 4/24   
Zusammenfassung Zum Anspinnen eines Fadenendes an einer Spinnstelle einer Offenend-Rotorspannmaschine wird für eine kurze Vorspeise-Zeitspanne die zuvor stillgesetzte Speisewalze eingeschaltet. Dadurch kann sich der Faserbart, der durch die weiterlaufende Auflösewalze ausgedünnt worden war, erneuern. Die während der Vorspeise-Zeitspanne ausgekämmten Fasern werden bei stillgesetztem Spinnrotor als Abfall abgeführt. Nach Beendigung der Vorspeise-Zeitspanne wird die Speisewalze soweit zurückgedreht, daß der Faserbart den Wirkungsbereich der Auflösewalze verlassen hat. Zum eigentlichen Anspinnen wird die Speisewalze erneut eingeschaltet.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Anspinnen eines Fadenendes an einer Spinnstelle einer Offenend-Rotorspinnmaschine, bei welchem eine vor dem Anspinnen stillgesetzte Speisewalze für eine kurze Vorspeise-Zeitspanne eingeschaltet wird, wodurch das als Faserbart ausgebildete Ende eines Faserbandes zum Erneuern des Faserbartes einer rotierenden Auflösewalze dargeboten wird, bei welchem ferner die während der Vorspeise-Zeitspanne aus dem Faserbart ausgekämmten Einzelfasern als Abfall abgeführt werden und bei welchem zum eigentlichen Anspinnen die Speisewalze erneut eingeschaltet wird. Die Erfindung betrifft weiterhin eine Offenend-Rotorspinnmaschine zum Durchführen des Verfahrens.

Bei einem in der DE 24 58 042 C2 beschriebenen Verfahren dieser Art soll ein Faserbart erzeugt werden, der sich immer in gleicher Form einstellt und damit eine exakte Dosierung der für den Anspinnvorgang zugespeisten Fasermenge gestattet. Dies wird dadurch erreicht, daß zwischen der Beendigung der Vorspeise-Zeitspanne und dem für das eigentliche Anspinnen erneuten Einschalten der Speisewalze eine exakt vorgegebene weitere Zeitspanne eingehalten wird. Obwohl während dieser weiteren Zeitspanne Einzelfasern aus dem Faserbart ausgekämmt werden, die ebenfalls als Abfall abgeführt werden, wird dennoch reproduzierbar ein Faserbart geschaffen, der eine definierte Menge von Fasern enthält und beim Einschalten der Zuspeisung für das eigentliche Anspinnen somit eine definierte Menge an Fasern abgibt.

Das Abführen ausgekämmter Einzelfasern als Abfall geht bei praktischen Offenend-Rotorspinnmaschinen üblicherweise so vonstatten, daß die abzuführenden Einzelfasern über einen Faserkanal zunächst in den Spinnrotor gelangen und von dort über den Rotorrand abgesaugt werden. Dies funktioniert gut, solange der Spinnrotor stillgesetzt ist oder nur mit geringer Drehzahl angetrieben ist. Zum Anspinnen wird jedoch der in der Regel zuvor stillgesetzte Spinnrotor bis zu einer Anspinndrehzahl hochgefahren. Dabei kann es vorkommen, daß einige Einzelfasern, die noch als Abfall abgeführt werden sollen, in einem gewissen Drehzahlbereich des Spinnrotors nicht abgesaugt werden, obwohl an sich die Fliehkräfte des noch mit geringer Drehzahl laufenden Spinnrotors für ein Festhalten der Einzelfasern noch nicht ausreichen. Solche "vagabundierenden" Einzelfasern rollen sich im Spinnrotor auf und bilden sogenannte Fasernester, die sich auf der Ansetzstelle des angesponnenen Fadenendes absetzen und dadurch die Ansetzstelle im Faden beeinträchtigen.

Zum Vermeiden solcher vagabundierender Einzelfasern ist es durch die DE 196 24 537 A1 bekannt, daß während des Anspinnvorganges an dem den Spinnrotor umgebenden Rotorgehäuse ein Ventil geöffnet wird, durch welches ein Luftstrom in den Spinnrotor geblasen wird, der das Absaugen von vagabundierenden Einzelfasern unterstützt. Der Luftstrom bleibt so lange aufrechterhalten, bis es keine vagabundierenden Einzelfasern mehr gibt und bis die für das eigentliche Anspinnen zugespeisten Einzelfasern durch Fliehkraft im Spinnrotor gehalten werden. Diese Vorgehensweise, die bei größeren Spinnrotoren recht gut funktioniert, versagt jedoch bei extrem kleinen Spinnrotoren mit einem faserführenden Durchmesser von weniger als 27 mm.

Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, das Anspinnen ohne vagabundierende Einzelfasern durchzuführen.

Die Aufgabe wird dadurch gelöst, daß die Speisewalze nach Beendigung der Vorspeise-Zeitspanne so weit zurückgedreht wird, daß der Faserbart den Wirkungsbereich der Auflösewalze verlassen hat.

Da die Auflösewalze nach Beendigung der Vorspeise-Zeitspanne aus dem Faserbart keine Einzelfasern mehr auskämmt, können vagabundierende Einzelfasern gar nicht erst entstehen. Darüber hinaus wird durch die gleichmäßigere Faserverteilung die Festigkeit der Ansetzstelle verbessert. Selbstverständlich darf die Speisewalze nur so weit zurückgedreht werden, daß der Faserbart nach wie vor vorhanden ist.

Zwar ist es durch die deutsche Offenlegungsschrift 20 18 701 bekannt, unmittelbar bei einem Fadenbruch die Speisewalze um eine vorbestimmte Strecke zurückzudrehen, damit ein Beschädigen der Fasern durch weiteres Auskämmen des Faserbartes vermieden wird und damit keine unerwünschten Fasern in die Spinnvorrichtung gelangen. Bei der vorliegenden Erfindung geht es aber nicht um Maßnahmen, die unmittelbar bei einem Fadenbruch eingeleitet werden sollen, sondern um Maßnahmen, die im Zuge einer Erneuerung eines zuvor ausgekämmten Faserbartes während eines Anspinnvorganges zu treffen sind.

In weiterer Ausgestaltung der Erfindung ist der Spinnrotor wenigstens so lange stillgesetzt, bis der Faserbart den Wirkungsbereich der Auflösewalze verlassen hat. Dadurch ist sichergestellt, daß aus dem Faserbart ausgekämmte Einzelfasern, welche in den Spinnrotor gelangen, auf jeden Fall vollständig als Abfall abgeführt werden. Sie können sich im Spinnrotor nicht in unerwünschter Weise zu einem Fasernest aufrollen.

Die Dosierung zum eigentlichen Anspinnen kann verbessert werden, wenn der dem Zurückdrehen der Speisewalze entsprechende Zeitverzug beim Einschalten der Speisewalze zum eigentlichen Anspinnen als Zeitvorgabe berücksichtigt wird. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, daß der zurückgezogene Faserbart erst wieder seine eigentliche vorhergehende Ausgangsposition erreichen muß, auch wenn es sich bei der Zeitvorgabe nur um Sekundenbruchteile handelt.

Zum Durchführen des Verfahrens wird in Ausgestaltung der Erfindung ein verfahrbares Anspinngerät vorgesehen, welches einen Hilfsantrieb besitzt, mit dem die Speisewalze in beiden Drehrichtungen antreibbar ist.

Weitere Vorteile und Merkmale der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung eines Ausführungsbeispieles.

Es zeigen:

Fig. 1 eine teilweise geschnittene Spinnstelle einer Offenend-Rotorspinnmaschine während des Betriebszustandes,

Fig. 2 ein an dieser Spinnstelle befindliches Anspinngerät, welches gerade einen Fadenbruch behebt,

Fig. 3 eine teilweise geschnittene Ansicht in Richtung des Pfeiles III der Fig. 1 auf einen Teil der Zuführ- und Auflöseeinrichtung während des Auskämmens eines Faserbartes,

Fig. 4 die Ansicht der Fig. 3 nach dem zurückziehen des Faserbartes,

Fig. 5 ein nicht maßstabgerechtes Ablaufdiagramm zur Erläuterung der erfindungsgemäßen Verfahrensschritte.

Die in Fig. 1 dargestellte Spinnstelle 1 ist eine von vielen in einer Offenend-Rotorspinnmaschine in einer Reihe nebeneinander angeordneten Spinnstellen. Auf jeder Maschinenseite gibt es in der Regel wenigstens einhundert derartiger Spinnstellen 1.

Die Spinnstelle 1 enthält als wesentliche Bestandteile eine Zuführ- und Auflöseeinrichtung 2, eine Dralleinrichtung 3 sowie eine Abzugseinrichtung 4 zum Abziehen des ersponnenen Fadens 5. Der Faden 5 wird in nicht dargestellter Weise einer Spuleinrichtung zugeführt und dort zu einer Kreuzspule aufgewickelt.

Die Zuführ- und Auflöseeinrichtung 2 enthält eine Speisewalze 6 zum Zuführen von nicht dargestelltem Fasermaterial, eine Auflösewalze 7 zum Auflösen dieses Fasermaterials zu Einzelfasern sowie einen Faserzuführkanal 8 zum Transportieren der Einzelfasern zu der Dralleinrichtung 3. Dieser Vorgang ist beim Offenend-Rotorspinnen allgemein bekannt.

Die Speisewalze 6 ist in axialer Richtung in das Innere der Spinnstelle 1 hinein verlängert und mit einem Schneckenrad 9 verbunden, welches von einer Schnecke 10 antreibbar ist. Jeder Spinnstelle 1 ist einer solche Schnecke 10 zugeordnet, wobei sämtliche Schnecken 10 auf einer in Maschinenlängsrichtung durchlaufenden Antriebswelle 11 angeordnet sind. Im Bereich des Schneckenrades 9 ist eine Kupplung 12 vorgesehen, mittels welcher der Antrieb der Speisewalze 6 unterbrochen werden kann. Dadurch kann trotz weiterlaufender Antriebswelle 11 bei einem Fadenbruch die Speisewalze 6 stillgesetzt werden. Die Kupplung 12 wird von einem Fadenwächter 15 kommandiert, der sich im Bereich der Abzugseinrichtung 4 befindet und der über elektrische Leitungen 13, 14 mit der Kupplung 12 verbunden ist.

Zur Bedienungsseite hin ist die Speisewalze 6 mit einem konusförmigen Antriebsritzel 16 versehen, über welches die Speisewalze 6, wenn sie vom maschinenseitigen Antrieb getrennt ist, durch externe Einrichtungen vorübergehend angetrieben werden kann.

Die Auflösewalze 7 ist in bekannter Weise mit einer Zahngarnitur 17 versehen, die aus dem zugeführten Fasermaterial die für das Offenend-Rotorspinnverfahren benötigten Einzelfasern auskämmt. Die Auflösewalze 7 ist in einem von der Spinnstelle 1 abschwenkbaren Auflösewalzengehäuse 18 angeordnet, wobei als Schwenkachse vorteilhaft die Antriebswelle 11 vorgesehen ist. Das Auflösewalzengehäuse 18 ist nach oben bis zu einer Abdeckung 19 verlängert, mit welcher bei Betrieb der Bereich der Dralleinrichtung 3 unter Zwischenschalten eines Dichtungsringes 27 abgedeckt werden kann. Die Abdeckung 19 ist mit einem der Dralleinrichtung 3 zugewandten Ansatz 20 versehen, in welchem sich eine Mündung 21 des Faserzuführkanals 8 befindet.

Die Auflösewalze 7 ist auf einer Welle 22 angeordnet, die an ihrem hinteren Ende einen Antriebswirtel 23 aufweist, gegen den sich ein Antriebsriemen 24 anlegt. Der Antriebsriemen 24 ist vorteilhaft als in Längsrichtung der Maschine durchlaufender Tangentialriemen ausgebildet. Jedem Antriebswirtel 23 ist eine Andrückrolle 25 zugeordnet, die auch das zurücklaufende Trum 26 des Antriebsriemens 24 führt. Die Auflösewalze 7 wird bei einem Fadenbruch nicht stillgesetzt.

Die Dralleinrichtung 3 enthält einen Spinnrotor 28, in dessen offene Vorderseite der Ansatz 20 mit der Mündung 21 des Faserzuführkanals 8 hineinragt. Der Spinnrotor 28 läuft in einer Unterdruckkammer 29 um, die sich im Innern eines Rotorgehäuses 30 befindet. Die Unterdruckkammer 29 ist in Pfeilrichtung A an eine nicht dargestellte Saugeinrichtung angeschlossen.

Der Spinnrotor 28 ist auf einen Schaft 31 aufgepreßt, der in bekannter Weise radial mittels zweier Stützscheibenpaare 32 und 33 gelagert und in axialer Richtung gegen ein Spurlager 34 abgestützt ist. Der Schaft 31 wird von einem in Maschinenlängsrichtung durchlaufenden Tangentialriemen 35 angetrieben. Pro Spinnstelle 1 ist eine Andrückrolle 36 vorgesehen, die den Tangentialriemen 35 im Bereich jedes Schaftes 31 belastet und die auch das zurücklaufende Trum 37 des Tangentialriemens 35 führt. Die Aufhängung 38 der Andruckrolle 36 ist nur angedeutet und so gestaltet, daß sie zusammen mit der Andrückrolle 36 um eine nicht dargestellte Achse verschwenkbar und durch eine Belastungsfeder belastbar ist.

Dem Schaft 31 des Spinnrotors 28 ist eine als Zangenbremse ausgebildete Bremse 39 zugeordnet. Diese Bremse 39 besitzt in bekannter Weise zwei Zangenarme 40, die mittels Betätigungseinrichtungen um eine nur angedeutete Schwenkachse 41 zangenartig sich öffnen und schließen können. Damit lassen sich zwei Bremsbacken der Bremse 39 unterhalb des Tangentialriemens 35 dem Schaft 31 zustellen. Die Bremse 39 ist über ein Betätigungselement 42 von der Bedienungsseite her betätigbar. Beim Bremsen wird zugleich die Andrückrolle 36 vom Tangentialriemen 35 abgehoben, was über eine ebenfalls von der Bedienungsseite her betätigbare Zugstange 43 geschieht. Das Betätigungselement 42 und die Zugstange 43 sind im Inneren der Spinnstelle 1 an einem doppelarmigen Bremshebel 44 angebracht. Dieser Bremshebel 44 ist um eine Schwenkachse 45 verschwenkbar und über eine Angriffsfläche 46 von der Bedienungsseite her betätigbar. Beim Anheben der Angriffsfläche 46 wird die Bremse 39 dem Schaft 31 zugestellt, gleichzeitig wird dabei die Andrückrolle 36 abgehoben.

Die Abzugseinrichtung 4 enthält ein Walzenpaar, welches aus einem in Maschinenlängsrichtung durchlaufenden angetriebenen Abzugszylinder 47 sowie einer Druckwalze 48 besteht. Die Abzugseinrichtung 4 zieht den ersponnenen Faden 5 ab, wonach er in Abzugsrichtung B der nicht dargestellten Kreuzspule zugeführt wird. Zur Abzugseinrichtung 4 gehört ein Abzugskanal 49, der im Ansatz 20 beginnt und aus dessen Austrittsöffnung 50 der Faden 5 bei Betrieb austritt.

In Fig. 2 ist von der Spinnstelle 1 nur der Bereich der Bedienungsseite dargestellt, wobei angenommen sei, daß ein Fadenbruch eingetreten ist.

Zum Beheben des Fadenbruches ist ein Anspinngerät 51 in bekannter Weise zur Spinnstelle 1 gefahren. Mittels dieses Anspinngerätes 51 wird ein mit der Kreuzspule verbundenes Fadenende 52 an einen im Spinnrotor 28 befindlichen Faserring angesponnen. Das Fadenende 52 muß zu diesem Zwecke rückwärts durch den Abzugskanal 49 bis in das Innere des Spinnrotors 28 eingeführt werden. Das Anspinngerät 51 besitzt eine Vielzahl von Funktionselementen, von denen nachfolgend nur diejenigen beschrieben werden, die für die eigentliche Erfindung wesentlich sind.

Das Anspinngerät 51 besitzt zunächst Einrichtungen 53 zum Betätigen und Lösen der Bremse 39, wobei von diesen Einrichtungen 53 nur ein an der Angriffsfläche 46 des Bremshebels 44 in Betätigungsrichtung c angreifender Hebel dargestellt ist. Durch diese Einrichtungen 53 kann der Spinnrotor 28 während eines Anspinnvorganges stillgesetzt werden, wobei auch die Andrückrolle 36 in bereits erläuterter weise angehoben wird. Dieses Still setzen des Spinnrotors 28 dient vorrangig dem Zweck, bei abgeschwenktem Auflösewalzengehäuse 18 das Innere des Spinnrotors 28 von Faserresten zu reinigen.

Das Anspinngerät 51 besitzt ferner einen Hilfsantrieb 54, welches einen Antriebskopf 55 mit einem Innenkonus aufweist, der dem Antriebsritzel 16 entsprechend der Zustellrichtung D zustellbar ist und entsprechend der anderen Pfeilrichtung E wieder zurückziehbar ist. Dadurch kann die Speisewalze 6 vorübergehend, wenn sie von ihrem maschinenseitigen Antrieb abgekuppelt ist, extern angetrieben werden. Der Antriebskopf 55 ist in beiden Drehrichtungen F und G antreibbar. Der Zweck hierfür wird später noch erläutert werden.

Das Anspinngerät 51 enthält außerdem einen Zubringer 56, an dessen der Spinnstelle 1 zugewandtem Ende ein Hilfabzugswalzenpaar 57 angebracht ist. Dieses Hilfsabzugswalzenpaar 57 kann in beiden Drehrichtungen entsprechend dem Doppelpfeil H-K angetrieben werden, so daß das Fadenende 52 in den Spinnrotor 28 zurückgeführt und ein angesponnener Faden 5 später wieder abgezogen werden kann.

Sämtliche an dem Anspinngerät 51 angebrachten Funktionselemente, auch die zeichnerisch nicht dargestellten, sind durch eine Programmsteuerung 58 über elektrische Leitungen 59 steuerbar.

Da bei stillgesetzter Speisewalze 6 die Auflösewalze 7 weiter umläuft, werden aus dem Fasermaterial weiterhin einige Einzelfasern 60 ausgekämmt, die über den Faserzuführkanal 8 in das Innere des Spinnrotors 28 gelangen. Sobald das Wartungsgerät 51 den Spinnrotor 28 stillgesetzt hat, werden diese Einzelfasern 60 als Abfall 61 über die Unterdruckkammer 29 und die nicht dargestellte Saugeinrichtung abgeführt. Der Verfahrensablauf beim Anspinnen im einzelnen wird weiter unten im Zusammenhang mit der Fig. 5 noch erläutert werden.

Wie aus der Fig. 3 ersichtlich ist, ist der bei Betrieb in Drehrichtung F rotierenden Speisewalze 6 ein als Zuführtisch ausgebildetes Klemmelement 62 zugeordnet, welches mit der Speisewalze 6 eine Klemmstelle 63 für ein zugeführtes Faserband 64 bildet. Das Klemmelement 62 ist um eine Schwenkachse 66 schwenkbar und durch eine Belastungsfeder 67 an die Speisewalze 6 angedrückt. Der Speisewalze 6 ist ein Einlauftrichter 65 zum Einführen und Verdichten des Faserbandes 64 vorgeordnet.

Bei normalem Spinnbetrieb bildet sich im Anschluß an die Klemmstelle 63 ein Faserbart 68, der durch die Zahngarnitur 17 der Auflösewalze 7 ständig zu Einzelfasern 60 ausgekämmt wird. Diese Einzelfasern 60 werden bei normalem Spinnbetrieb im Spinnrotor 28 zu einem Faserring gesammelt und zu einem Faden 5 versponnen.

Wenn nun ein Fadenbruch eintritt, wird in bereits beschriebener Weise die Speisewalze 6 sofort stillgesetzt, während die Auflösewalze 7 in Drehrichtung L weiterhin mit unverminderter Geschwindigkeit rotiert. Trotz stillgesetzter Speisewalze 6 ragt der Faserbart 68 weiterhin in die Zahngarnitur 17 und wird mehr und mehr ausgedünnt. Die weiterhin ausgekämmten Einzelfasern 60 gelangen noch in den Spinnrotor 28, aus welchem sie - wegen des gebrochenen Fadens 5 - jedoch nicht abgezogen werden, sondern im Inneren des Spinnrotors 28 verbleiben, solange dieser noch rotiert. Die im Innern des Spinnrotors 28 nicht versponnenen, befindlichen Faserreste müssen bei einem Reinigungsvorgang aus dem Spinnrotor 28 entfernt werden, wozu der Spinnrotor 28 stillgesetzt oder mit sehr langsamen Drehungen durch das Anspinngerät 51 angetrieben wird.

Der bei stillgesetzter Speisewalze 6 mehr und mehr ausgedünnte Faserbart 68 enthält eine unbekannte Anzahl von Fasern, so daß ein Dosieren für einen anschließenden Anspinnvorgang nicht möglich ist. Aus diesem Grunde ist es erforderlich, durch das Wartungsgerät 51 den Faserbart 68 zunächst zu erneuern, damit er wieder die vollständige Menge von Fasern enthält, die bekannt ist. Hierzu wird durch den Hilfsantrieb 54 bei Beginn des Anspinnvorganges die stillgesetzte Speisewalze 6 für eine kurze Zeitspanne extern angetrieben, und zwar so lange, bis sich der Faserbart 68 gänzlich erneuert hat. Während dieser Zeitspanne ist durch die Betätigungseinrichtungen 53 der Spinnrotor 28 gebremst, so daß die beim Erneuern des Faserbartes 68 ausgekämmten Einzelfasern 60 als Abfall 61 abgeführt werden können.

Bei dem eingangs beschriebenen Verfahren zum Stand der Technik wird nach der Erneuerung des Faserbartes 68 die Speisewalze 6 über den Hilfsantrieb 54 erneut stillgesetzt. Dabei ging man beim Stand der Technik davon aus, daß nach dem Stillsetzen der Speisewalze 6 und dem Start der eigentlichen Zuspeisung für das Anspinnen eine definierte Zeitspanne vorliegt, während welcher der Faserbart 68 in einer reproduzierbaren Weise ausgedünnt wird, so daß trotz nochmaligem Auskämmen die Anzahl der Fasern im Faserbart 68 nunmehr bekannt ist. Dabei kann es allerdings vorkommen, daß während dieser Faserbartregulierung nicht sämtliche Einzelfasern 60 als Abfall 61 abgeführt werden, da ja zum Anspinnen der Spinnrotor 28 wieder zu rotieren beginnt. Es können somit Einzelfasern 60, die nicht für das eigentliche Anspinnen vorgesehen sind, als vagabundierende Fasern im Spinnrotor 28 verbleiben und sich in unerwünschter Weise zu einem Fasernest aufrollen, welches sich um die Ansetzstelle legt, sobald das Fadenende 52 in den Spinnrotor 28 zurückgeführt wurde.

Um dies zu vermeiden, wird entsprechend der vorliegenden Erfindung gemäß Fig. 4 nach dem Erneuern des Faserbartes 68 die Speisewalze 6 durch den Hilfsantrieb 54 eine kleines Stück in Drehrichtung G zurückgedreht, und zwar so lange, bis der Faserbart 68 die Zahngarnitur 17 der Auflösewalze 7 verlassen hat. Dieser zurückgezogene Faserbart ist in Fig. 4 mit der Bezugsziffer 69 versehen. Dies bedeutet erfindungsgemäß, daß nach dem Erneuern des Faserbartes 68 überhaupt keine vagabundierenden Einzelfasern 60 mehr ausgekämmt werden, sondern daß der entsprechend Fig. 4 zurückgezogene Faserbart 69 in voller Konsistenz erhalten bleibt. Somit können sich keine vagabundierenden Einzelfasern 60 im wieder anlaufenden Spinnrotor 28 zu einem Fasernest aufrollen. Erst zum eigentlichen Anspinnen wird die Speisewalze 6 wieder in Drehrichtung F durch den Hilfsantrieb 54 angetrieben, und zwar zu einem Zeitpunkt, zu welchem der Spinnrotor 28 eine für das Festhalten der Einzelfasern 60 ausreichende Drehzahl erreicht hat. Diese Drehzahl liegt dann vor, wenn die Fliehkräfte im Spinnrotor 28 ausreichend sind, die Einzelfasern 60 an der Rotorwandung zu halten.

Der gesamte Anspinnvorgang, soweit er für die vorliegende Erfindung wesentlich ist, wird nachfolgend anhand des Ablaufdiagramms nach Fig. 5 erläutert. Dabei ist darauf hinzuweisen, daß dieses Ablaufdiagramm weder hinsichtlich der Zeiten noch hinsichtlich der Drehzahlen maßstabsgerecht ist, sondern lediglich der qualitativen Erläuterung dient.

Das Ablaufdiagramm nach Fig. 5 besitzt drei Ordinaten, von denen n1 die Drehzahl der Auflösewalze 7, n2 die Drehzahl der Speisewalze 6 und n3 die Drehzahl des Spinnrotors 28 veranschaulicht. Auf den jeweiligen Abszissen ist die Zeitachse t aufgetragen.

Die Drehzahlkurve der Auflösewalze 7 ist mit der Bezugsziffer 70 versehen. Die einzelnen Drehzahlkurven der Speisewalze 6 haben die Bezugsziffern 71, 72 und 73. Die Drehzahlkurven des Spinnrotors 28 sind mit dem Bezugsziffern 74, 75 und 76 bezeichnet.

Es sei angenommen, daß zu einem Zeitpunkt I (siehe gestrichelte Linie) ein Fadenbruch eingetreten ist. Dieser Fadenbruch wird nach dem Eintreffen des Anspinngerätes 51 an der betreffenden Spinnstelle 1 behoben, und es sei ferner angenommen, daß zu einem Zeitpunkt II (siehe die andere gestrichelte Linie) der normale Spinnvorgang wiederhergestellt ist.

Wie ersichtlich, bleibt die Drehzahl n1 der Auflösewalze 7 trotz eingetretendem Fadenbruch durchgehend konstant. Dadurch ergeben sich die erläuterten Probleme, die ein Dosieren der Fasermenge während eines Anspinnvorganges erschweren.

Die Drehzahlen n2 und n3 werden zweckmäßig gemeinsam abgehandelt, da sie voneinander abhängig sind. Selbstverständlich sind während eines Anspinnvorganges noch weitere Funktionen des Anspinngerätes 51 in Tätigkeit, die aber hier außer Betracht bleiben können.

Wenn zu einem Zeitpunkt I ein Fadenbruch an einer Spinnstelle 1auftritt, kommt die betreffende Speisewalze 6 unmittelbar danach, gesteuert durch den Fadenwächter 15, zu einem Zeitpunkt a zum Stillstand. Man erkennt, daß dieser Zeitpunkt a mit dem Zeitpunkt I nahezu identisch ist, und zwar wegen der Tatsache, daß die Speisewalze 6 bei Betrieb nur sehr langsam läuft. Ab dem Zeitpunkt a bleibt die Spinnstelle 1 für eine unbestimmte Zeit, nämlich bis zum Eintreffen des Anspinngerätes 51, sich selbst überlassen. Während dieser Zeit läuft neben der Auflösewalze 7 auch der Spinnrotor 28 mit unverminderter Geschwindigkeit weiter.

Es sei nunmehr angenommen, daß zu einem Zeitpunkt b das Anspinngerät 51 an der gestörten Spinnstelle 1 eingetroffen ist. Das Anspinngerät 51 betätigt mittels seiner Einrichtungen 53 zunächst die Bremse 39 und setzt den Spinnrotor 28 still. Da die Spinnrotoren 28 heute mit wesentlich mehr als 100 000 min-1 rotieren, kommt der Spinnrotor 28 erst nach einer etwas längeren Zeitspanne zum Stillstand, im vorliegenden Fall zum Zeitpunkt c. Nunmehr sind sowohl die Speisewalze 6 als auch der Spinnrotor 28 stillgesetzt, während lediglich die Auflösewalze 7 weiterrotiert.

Nach dem Stillsetzen des Spinnrotors 28 müssen die in seinem Innern festsitzenden Faserreste entfernt werden, was nicht allein durch die maschinenseitige Absaugung möglich ist. Aus diesem Grunde wird in aller Regel die Abdeckung 19 durch Abschwenken entfernt, so daß nicht dargestellte Reinigungselemente das Innere des Spinnrotors 28 säubern können. Hierzu ist es üblich, über einen nicht dargestellten externen Antrieb den Spinnrotor 28 ganz langsam rotieren zu lassen, so daß die Reinigungselemente jede Stelle des Spinnrotors 28 erreichen. Diese Rotorreinigung ist mit der Drehzahlkurve 75 zwischen den Zeitpunkten d und e veranschaulicht.

Nach der Reinigung des Spinnrotors 28, wenn die Abdeckung 19 wieder geschlossen ist, werden weiterhin Einzelfasern 60 aus dem Faserbart 68 ausgekämmt, die in den Spinnrotor 28 gelangen, jedoch nunmehr - bei noch stillgesetztem Spinnrotor 28 - sofort durch die Saugeinrichtung über den vorderen Rotorrand abgesaugt werden. Allerdings ist die im Faserbart 68 befindliche Fasermenge zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht bekannt. Aus diesem Grunde ist ab einem Zeitpunkt f vorgesehen, den Faserbart 68 in beschriebener Weise zu erneuern, damit die in ihm vorhandene Fasermenge für ein Dosieren bekannt ist. Dies geschieht dadurch, daß mittels des Hilfsantriebs 54 zum Zeitpunkt f die Speisewalze 6, obwohl sie von der Antriebswelle 11 abgekoppelt ist, angetrieben wird. Dies ist mittels der Drehzahlkurve 72 dargestellt, und das Erneuern des Faserbartes 68 dauert von dem Zeitpunkt f bis zum Zeitpunkt g. Diese Zeitspanne ist als Vorspeise-Zeitspanne T bezeichnet.

Zum Zeitpunkt g wird nun die Speisewalze 6 nicht, wie früher üblich, einfach angehalten, sondern die Speisewalze 6 wird durch den Hilfsantrieb 54 entsprechend der Drehrichtung G (siehe Fig. 4) langsam rückwärts angetrieben. Dies darf allerdings nur so weit geschehen, daß noch ein zurückgezogener Faserbart 69 ein Stück die Klemmstelle 63 überragt. Erst dann wird die Speisewalze 6 stillgesetzt. Dies ist bei einem Zeitpunkt h der Fall. Der zurückgezogene Faserbart 69 gelangt nicht mehr in die Zahngarnitur 17 der weiterlaufenden Auflösewalze 7, so daß keinerlei vagabundierende Einzelfasern 60 mehr ausgekämmt werden.

Nunmehr kann das Anspinnengerät 51 über seine Einrichtungen 53 die Bremse 39 wieder lösen, so daß der Spinnrotor 28 ab dem Zeitpunkt i zu seiner Betriebsdrehzahl hochläuft. Gegebenenfalls kann die Hochlaufkurve 76 des Spinnrotors 28 künstlich etwas gestreckt werden, beispielsweise durch mehrmaliges Anheben der Andrückrolle 36 durch das Anspinngerät 51. Während des Hochlaufens des Spinnrotors 28 erfolgt das eigentliche Anspinnen, und zwar durch erneutes Einschalten der Speisewalze 6 zu einem Zeitpunkt k und durch Zurückführen des Fadenendes 52 in den Spinnrotor 28. Sobald das Fadenende 52 die Sammelrille des Spinnrotors 28 erreicht hat, findet es dort bereits neu eingespeiste Fasern in Form eines Faserringes vor, so daß das Anspinnen erfolgen kann. Es wird somit über den Zubringer 56 sofort wieder ein Faden 5 abgezogen, der eine Ansetzstelle aufweist, an welcher sich kein Fasernest befindet. Der ganze Anspinnvorgang ist abgeschlossen, bevor der Spinnrotor 28 völlig zu seiner Betriebsdrehzahl hochgelaufen ist. Ab dem Zeitpunkt II kann das Anspinngerät 51 die Spinnstelle 1 wieder verlassen.

Selbstverständlich ist der gesamte Anspinnvorgang wesentlich komplexer, als vorstehend dargelegt wurde. Erläutert wurden diejenigen Maßnahmen, die für die vorliegende Erfindung von Bedeutung sind.


Anspruch[de]
  1. 1. Verfahren zum Anspinnen eines Fadenendes an einer Spinnstelle einer Offenend-Rotorspinnmaschine, bei welchem eine vor dem Anspinnen stillgesetzte Speisewalze für eine kurze Vorspeise-Zeitspanne eingeschaltet wird, wodurch das als Faserbart ausgebildete Ende eines Faserbandes zum Erneuern des Faserbartes einer rotierenden Auflösewalze dargeboten wird, bei welchem ferner die während der Vorspeise-Zeitspanne aus dem Faserbart ausgekämmten Einzelfasern als Abfall abgeführt werden und bei welchem zum eigentlichen Anspinnen die Speisewalze erneut eingeschaltet wird, dadurch gekennzeichnet, daß die Speisewalze nach Beendigung der Vorspeise-Zeitspanne so weit zurückgedreht wird, daß der Faserbart den Wirkungsbereich der Auflösewalze verlassen hat.
  2. 2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Spinnrotor wenigstens so lange stillgesetzt ist, bis der Faserbart den Wirkungsbereich der Auflösewalze verlassen hat.
  3. 3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß der dem Zurückdrehen der Speisewalze entsprechende Zeitverzug beim Einschalten der Speisewalze zum eigentlichen Anspinnen als Zeitvorgabe berücksichtigt wird.
  4. 4. Offenend-Rotorspinnmaschine mit einer Vielzahl von Spinnstellen und mit einem verfahrbaren, jeweils einer Spinnstelle zustellbaren Anspinngerät, wobei jede Spinnstelle mit einer bei einem Fadenbruch stillsetzbaren, mit einem Klemmelement eine Klemmstelle bildenden Speisewalze zum Zuspeisen eines Faserbandes, mit einer bei einem Fadenbruch weiterlaufenden Auflösewalze und mit einem mittels einer Bremse stillsetzbaren, in einem an eine Saugeinrichtung angeschlossenen Rotorgehäuse befindlichen Spinnrotor versehen ist und wobei das Anspinngerät mit Einrichtungen zum Betätigen und Lösen der Bremse, mit einem Hilfsantrieb zum Antreiben der Speisewalze sowie mit einer Programmsteuerung versehen ist, zum Durchführen des Verfahrens nach einem der vorhergehende Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß mittels des Hilfsantriebes (54) die Speisewalze (6) in beiden Drehrichtungen (F, G) antreibbar ist.






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