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Dokumentenidentifikation EP0763789 09.12.1999
EP-Veröffentlichungsnummer 0763789
Titel Verfahren und Vorrichtung zur Messung und Regelung einer Aufkohlungs- und/oder Nitrieratmosphäre
Anmelder Göhring, Werner, 47533 Kleve, DE
Erfinder Göhring, Werner, 47533 Kleve, DE
DE-Aktenzeichen 59603550
Vertragsstaaten AT, CH, DE, LI
Sprache des Dokument De
EP-Anmeldetag 14.09.1996
EP-Aktenzeichen 961148707
EP-Offenlegungsdatum 19.03.1997
EP date of grant 03.11.1999
Veröffentlichungstag im Patentblatt 09.12.1999
IPC-Hauptklasse G05D 11/00
IPC-Nebenklasse G01N 27/40   G01N 27/406   G01N 27/417   C04B 35/52   C21D 1/74   

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Messung und Regelung der Konzentration fester oder flüssiger Stoffe und/oder der Übertragungseigenschaften einer Aufkohlungs- und/oder Nitrieratmosphäre zur Erzielung eines bestimmten Konzentrationsverlaufes des übertragenen Elementes in der Randschicht metallischer Werkstücke durch angepaßte Zufuhr von Kohlenwasserstoff, Luft, O2, CO2, N2O, N2 oder NH3 in einen Ofenraum, wobei die zugeführte Menge eines oder mehrerer dieser Gase durch eine elektrische Meßgröße bestimmt wird, die zwischen den Elektroden einer in den Ofenraum eingebauten Meßzelle anliegt, deren eine Elektrode in einem Referenzmittel und deren andere Elektrode in der Atmosphäre angeordnet ist und letztere mit einem allseits von der Atmosphäre umgebenen ionenleitenden Festelektrolyten in Berührung steht.

Eine solche zur C-Regel-Regelung von Aufkohlungsatmosphären benutzte Meßzelle ist in der Offenlegungsschrift DE 38 33 968 beschrieben. Sie entspricht auch dem technologischen Hintergrund dieser Erfindung. Die Erfindung bezieht sich jedoch allgemein auf Festelektrolyt-Meßzellen und schließt beispielsweise auch Stickstoff-Übertragungsatmospharen ein.

Es hat sich gezeigt, daß bei einer üblichen Bauart von Sauerstoff-Meßzellen immer noch ein langsames Driften der Meßspannung -meist nach oben- erfolgt (siehe Zeitschrift HTM 49 (1994) 2 S. 90). Bei der Regelung der Atmosphären ist daher in gewissen Zeitabständen eine Kontrolle des Meßwertes und eine Anpassung der daraus berechneten Gleichgewichtskonzentration (C-Pegel) an den tatsächlichen Wert mit einem Korrekturfaktor nötig.

Es wurde erkannt, daß eine im Laufe der Zeit immer höher werdende Spannung der Sauerstoff-Meßzellen auf einer katalytischen Wirkung von atomarem Sauerstoff auf den Atmosphären-Bestandteil CH4 beruht. An der Elektrode ist atomarer Sauerstoff vorhanden, der als starker Elektronenakzeptor die Spaltung von CH4 katalysiert. Das zerfallende CH4 reagiert mit Sauerstoff und bewirkt in Elektrodennähe einen niedrigeren Sauerstoffpartialdruck als an den Werkstücken im Ofenraum.

In den Berührungsbereichen des Elektrolyten mit den Elektroden laufen zwei prinzipiell verschiedene Reaktionen ab:

  • Die dem Meßprinzip entsprechende Austauschreaktion zwischen den Leerstellen im Elektrolyten [Vö] und den Sauerstoffionen an den beiden Elektrolytoberflächen O--(O). Letztere stehen wiederum im Austausch mit den Sauerstoffionen an den Elektroden O--(E). Dort stellt sich das elektrochemische Gleichgewicht zwischen Ionen, Atomen und Elektronen ein. [Vö] &lrarr2; O--(O) &lrarr2; O--(E) &lrarr2; O(E) &lrarr2; 2e(E)
  • Die Störreaktionen CH4 + O--(Referenz) → CO + 2H2 + 2e oder H2 + O--(Referenz) → H2O + 2e entsprechen den Vorgängen an einer Brennstoffzelle. Vom Referenzmittel durch den Elektrolyten wandernde Sauerstoffionen reagieren mit der Atmosphäre. Es findet ein stetiger Ionentransport durch den Elektrolyten statt.

Neue Meßzellen zeigen meist richtig an. Mit zunehmender Betriebsdauer wird die Anzeige fehlerhaft. Eine mögliche Ursache ist eine allmähliche Erhöhung der katalytischen Aktivität der Elektrode in der Referenzluft. Es entsteht ein stärkerer "Einbaudruck" der Sauerstoffionen in den Elektrolyten, der sich als "Ausbaudruck" an die Atmosphärenseite des Elektrolyten überträgt. Die Folge davon ist eine verbesserte Reaktionsbereitschaft der Ionen mit der Atmosphäre. Wenn jedoch bei offenem Meßstromkreis Sauerstoffionen aus dem Elektrolyten austreten, dann reagieren sie beim Aufkohlen meist mit CH4-Spaltprodukten oder Cad und bilden CO. Dadurch wird das Sauerstoffpotential geringer und bewirkt einen Anstieg der Meßzellenspannung. Beim Abkohlen weist die Atmosphäre einen geringeren CH4-Anteil auf. Die vom Referenzmittel herkommenden Sauerstoffionen reagieren dann vorwiegend mit H2 zu H2O oder mit CO zu CO2. Dabei entsteht ein Abfall der Meßzellenspannung.

Die beschriebene Veränderung an der Meßzelle verursacht das Driften der Störreaktionen. Die Stärke der Verfälschung des Meßergebnisses wird jedoch durch den Grad der Elektronenteilleitfähigkeit des Elektrolyt-Werkstoffes bestimmt. Am offenen Stromkreis kommt der Ionenstrom durch den Elektrolyten nur in dem Maße zustande, wie aus Gleichgewichtsgründen Elektronen durch den Elektrolyten wieder zur Elektrode im Referenzmittel zurückwandern können. Die durch den Elektrolyten geförderten Sauerstoffionen treten als Sauerstoffatome aus uns verfälschen das chemische Potential an der Meßelektrode. Das gemessene falsche Rotential läßt sich schlecht korrigieren. Ziel der Erfindung ist es, unverfälschte Elektrodenpotentiale richtig zu messen.

Ein weiterer Nachteil der bekannten Meßzellen ist, daß -infolge der meist hohen chemischen Triebkraft zwischen der Atmosphäre und dem Referenzmittel- nur eine entsprechend geringe Elektronenteilleitfähigkeit des Elektrolytwerkstoffes zulässig ist. Das ist ein wichtiger Grund, weswegen z. Zt. nur wenige Festelektrolytsorten in Meßzellen Anwendung finden können.

Eine Aufgabe der Erfindung ist es, die Vorgänge an der Meßzelle dem Geschehen an der Werkstückoberfläche anzupassen, um dadurch die Messung der Gleichgewichtskonzentration der Atmosphäre im Dauerbetrieb zu verbessern und außerdem auch die Einflußgröße der Stoffübertragungsgeschwindigkeit zu erfassen. Dabei ergibt sich im Rahmen dieser Anpassung die weitergehende Aufgabe, eine Vorrichtung zur Erhöhung der Betriebssicherheit und zur Erweiterung der Meßmöglichkeiten zu schaffen, bei der die Unzulänglichkeiten der für die Meßzellen zur Verfügung stehenden Baustoffe möglichst wenig zur Geltung kommen.

Die Lösung der Aufgabe erfolgt durch den in Anspruch 1 beschriebenen Verfahrensschritt, der die ionenleitende Verbindung zwischen der Referenz-Elektrode und der Atmosphären-Elektrode unterbricht. An der elektronenleitenden Trennwand in der Atmosphäre endet die Diffusionsmöglichkeit der Ionen infolge der chemischen Triebkraft. An den Berührungsstellen des in der Atmosphäre angeordneten Elektrolyten mit der metallischen Trennwand und mit der Meßelektrode stellt sich das elektrochemische Gleichgewicht nur zwischen Atomen der Atmosphäre und Elektronen ein. Die Meßelektrode ist durch diesen Verfahrensschritt vollständig vom Zustrom von Ionen abgeschirmt, die vom Referenzmittel herkommen können. Die an der Elektrode in der Atmosphäre zum Betrieb des Meßgerätes zerfallenden Ionen wurden zuvor in der Atmosphäre gebildet. Die Ionensperre vermeidet einerseits die vorbeschriebene Verfälschung der Potentiale an der Elektrode in der Atmosphäre. Andererseits ist sie Voraussetzung für die Eignung der Zelle zu Messungen der Übertragungsgeschwindigkeit und zur Anwendung von Elektrolyten, die verschiedene Ionensorten leiten.

In Anspruch 2 ist die Ausführung der Meßzelle mit Elektrolyten erhöhter Elektronenteilleitfähigkeit beschrieben. Sowohl in der Atmosphäre als auch im Referenzmittel sind die Elektroden an separaten Festelektrolyten angeordnet, die wiederum mit elektronenleitenden Trennwänden in Berührung stehen. Letztere sind dann mit dem Festelektrolyten verbunden, der die Atmosphäre vom Referenzmittel trennt. Diese Anordnung vermeidet neben der vorbeschriebenen Verfälschung der Potentiale an der Atmosphären-Elektrode auch die Verfälschung des elektrischen und chemischen Potentials an der Referenzelektrode. Letztere macht sich bei einem erhöhten Ionendurchgang durch die Meßzelle bemerkbar.

In Anspruch 3 ist eine Ausführungsform der Erfindung beschrieben, bei der die Ionen nicht der chemischen Triebkraft zwischen Atmosphäre und Referenzmittel ausgesetzt sind. Die Meßzelle wird durch Teilung der in Anspruch 1 beschriebenen Trennwand und Nutzung derselben als Gehäuse für zwei prinzipiell gleiche Bauteile ausgeführt Der eine Bauteil enthält einen Elektrolyten, der allseits von der Atmosphäre umgeben ist und der andere Bauteil einen Elektrolyten, der allseits vom Referenzmittel umgeben ist. Der letztgenannte Bauteil kann für mehrere bei gleicher Temperatur befindliche Meßzellen benützt werden. Die elektronenleitende Verbindung der beiden Trennwand-Bauteile erfolgt über ein Gerät, das Elektronen nur in einer Richtung fördert. Für Konzentrationsmessungen ist dazu eine im elektrochemischen Gleichgewicht befindliche galvanische Spannungsquelle erforderlich. Sie kann für mehrere Meßzellen -unabhängig von der Art der Ionenleiter und deren Temperatur- benutzt werden. Eine andere Möglichkeit ist der Elektronentransport über einen elektronischen Baustein -z.B. eine Elektronenröhre-, der Elektronen nur dann fördert, wenn über ein Spannungsmeßgerät ein Strom fließt. Eine als Gleichspannungsquelle umgewandelte Netzspannung ist zur Messung der Übertragungsgeschwindigkeit besonders geeignet.

Nach Anspruch 4 dient die Spannungsmessung zwischen den beiden Elektroden der Meßzelle zur fehlerfreien Ermittlung der Gleichgewichtskonzentration der Atmosphäre mit der Werkstückoberfläche (C-Pegel oder N-Potential).

Der wichtigste Vorteil einer solchen Meßzelle liegt in der richtigen Messung des Sauerstoffpotentials in einer stark CH4-haltigen Aufkohlungsatmosphäre. Eine solche Atmosphäre übt eine starke Reduzierwirkung auf adsorbierte Sauerstoffatome aus. Dies beschleunigt einerseits die Aufkohlungsgeschwindigkeit, fördert jedoch andererseits die beschriebenen Störreaktionen.

Nach Anspruch 5 dient die Messung der elektrischen Stromstärke -bei Stromfluß zwischen den beiden Elektroden- zur Ermittlung der Übertragungsgeschwindigkeit der Atmosphäre auf die Werkstückoberfläche.

Die Kohlenstoffübertragung an der Werkstückoberfläche erfolgt nach folgendem Reaktionsschema: COad → Cad + Oad Bekanntlich ist der Abtransport des adsorbierten Sauerstoffs von der Werkstückoberfläche der geschwindigkeitsbestimmende Teilschritt der Kohlenstoffübertragung. Bei Anwendung eines Sauerstoffionen leitenden Festelektrolyten in der erfindungsgemäßen Meßzelle, entspricht die Stärke des Stromflusses zwischen den beiden Elektroden der Transportgeschwindigkeit des Sauerstoffes. Der Stromfluß wird u.a. durch die Konzentration und die Spalteigenschaften von CO sowie durch die Sauerstoffionen-Bildungs- und Zerfalls-Eigenschaften der Atmosphäre an der Elektrode und der Trennwand hervorgerufen. Die Einbauintensität der Ionen in den Elektrolyten wird vorwiegend durch den CO-Gehalt der Atmosphäre bestimmt; die Ausbauintensität hauptsächlich durch die Reduzierwirkung von CH4-Spaltprodukten und H2. Dieser Vorgang entspricht prinzipiell der Platzwechselzahl des adsorbierten Sauerstoffs an der Werkstückoberfläche. Da sehr wenig Sauerstoff des gespaltenen CO in die Werkstückoberfläche eindringt, kennzeichnet der O-Platzwechsel auch die Aufkohlungsgeschwindigkeit. Die gemessene Stromstärke [µA] ist somit proportional zur Transportgeschwindigkeit des Kohlenstoffs [mol/s].

Der vorbeschriebene Stromfluß wird vom Aufkohlungsgrad der Elektrode beeinflußt. Es ist daher zweckmäßig, nicht aufkohlende Elektrodenwerkstoffe -wie Edelmetalle- anzuwenden. Damit unterliegt die gemessene Aufkohlungsgeschwindigkeit der Atmosphäre keinen Veränderungen durch eine Aufkohlung der Meßstelle.

Für gelegentliche Messungen des Übertragungsverhaltens bei fortschreitender Aufkohlung kann man die Elektrode und die Berührungsstelle mit der Trennwand in der Atmosphäre -anstelle der üblichen Edelmetalle- aus demselben Werkstoff wie die Werkstücke ausführen. Sie müssen dann bei jeder Übertragungs-Charge erneuert werden. Auf diese Weise lassen sich auch werkstoffabhängige Einflüsse auf die Aufkohlungsgeschwindigkeit ermitteln. Sie werden jedoch zweckmäßigerweise nur einmal gemessen und dann in das Berechnungsprogramm des C-oder N-Profils übernommen.

Bei der Messung des Übertragungsverhaltens der Atmosphäre fließen an den vier bzw. sechs in Reihe geschalteten Berührungsflächen Metall/ Elektrolyt gleich große Elektronen- bzw. Ionenströme. Die Anordnung des im Referenzmittel liegenden Festelektrolyten hat hierbei die Aufgabe, die anliegende Spannung der Konzentrationsdifferenz (C-Pegel) proportional zu halten. Der besondere Vorteil der Anwendung eines Referenzmittels bei einer derartigen Messung dürfte bei Atmosphären liegen, deren Gleichgewichtskonzentration ebenfalls geregelt ist. Das ist beispielsweise bei Aufkohlungsatmosphären der Fall.

Der Stromfluß durch die Meßzelle hängt von mehreren sich ändernden Einflüssen ab, z.B. von der Größe der Berührungsfläche zwischen Elektrode und Elektrolyt oder von Vergiftungserscheinungen an den Elektroden. Die absolute Höhe des Stromflusses spielt bei der Überprüfung der Übertragungseigenschaften einer Atmosphäre durch Personen keine Rolle. Zum Auffinden oder Aufrechterhalten der bestgeeigneten Gasmengen dient der Maximalwert der µA-Messung. Für eine automatische Regelung des Meßwertes oder zur Benützung des Wertes zur Berechnung der Konzentration des übertragenen Stoffes in der Randschicht der Werkstücke ist jedoch eine Justierung bzw. Eichung des Meßwertes in die in Abhängigkeit zum Stromfluß sich ändernden Größen [gC/(cm2*s)] bzw. [gN/(cm2*s)] erforderlich.

In Anspruch 6 ist eine Justierung des Meßwertes beschrieben. Dazu wird eine Justierspannung angelegt und die Meßzelle anstelle der Atmosphäre mit einem gleichbleibenden Justiergas (z.B. Luft) beaufschlagt. Dabei stellt sich ein Stromfluß ein, der unabhängig von der Übertragungsgeschwindigkeit der Atmosphäre ist. Verändert sich der Stromfluß von Justierung zu Justierung, so ist dies auf vorbeschriebene Einflüsse der Meßzelle zurückzuführen. Anhand der Veränderung des Justier-Stromflusses wird der Meßwert der Übertragungsgeschwindigkeit berichtigt. Diese Umrechnung des aktuellen Stromflusses auf einen festgelegten Vergleichszustand ist einfach -ggf. automatisch- zu bewirken. Hiermit läßt sich eine stets gleichbleibende Stoffübertragung bei einem µA-Sollwert reproduzierbar herbeiführen, ohne daß dazu die absolute Höhe der Übertragungswerte bekannt sein muß.

Bei der Regelung einer Atmosphäre wird die Übertragungsgeschwindigkeit erhöht, wenn Stoffe in den Ofenraum eingeführt werden, die die Spaltung von CH4 und NH3 fördern. Das sind elektronenakzeptierende Lewis-Säuren, z.B. CO2 oder Sauerstoffatome, die sich aus Luft, O2 oder N2O im heißen Ofenraum abspalten. Eine hohe Übertragungsgeschwindigkeit der Atmosphäre wird nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen angestrebt. Sie fördert auch die Gleichmäßigkeit der Stoffübertragung an allen Stellen des Werkstückes und an allen Werkstücken innerhalb einer Charge.

Die Übertragungsgeschwindigkeit unterliegt einer Vielzahl schlecht abzuschätzender Einflüsse, z.B. in den Ofenraum eingeschleppte Fremdstoffe oder Oxydations- / Reduktionsvorgänge von Charge oder Ofenauskleidung. Die erfindungsgemäße erstmalige Möglichkeit der kontinuierlichen Messung und Regelung der Übertragungsgeschwindigkeit gestattet daher eine wesentliche Verbesserung der Qualität und Berechenbarkeit der Stoffübertragung.

Bei der Stickstoffübertragung ist nach Literaturangaben der Abtransport des an der Werkstückoberfläche adsorbierten Sauerstoffs ebenfalls ein wichtiger Schritt des Übertragungsvorganges. In sauerstoffhaltigen Nitrieratmosphären ist die Transportgeschwindigkeit des Sauerstoffs nach dem Bodenstein-Prinzip auch für die Stickstoff-Übertragungsgeschwindigkeit aussagefähig.

Nach Anspruch 7 kann die Messung der Gleichgewichtskonzentration und der Übertragungsgeschwindigkeit in zeitlicher Folge mit derselben Meßzelle erfolgen Hierbei ist es zweckmäßig, zur Messung der Übertragungsgeschwindigkeit eine Meßzelle nach Anspruch 11 mit einer Netz-Triebspannungsquelle anzuwenden. Bei der anschließenden Konzentrationsmessung mit einer anderen Triebspannungsquelle ist dann nur eine kurze Wartezeit bis zur Einstellung des elektrochemischen Gleichgewichtes nötig. Bei der Anwendung von Sauerstoffionenleitern tritt eine vorteilhafte Begleiterscheinung dieser kombinierten Messung auf. Die bei der Übertragungsmessung geförderten Sauerstoffionen halten bei der Zerfallsreaktion die Elektrode rußfrei.

Nach Anspruch 8 kann zur Messung der Übertragungsgeschwindigkeit und der Gleichgewichtskonzentration die Meßzelle mit mehreren Elektrolyten ausgerüstet werden, die unterschiedliche Ionensorten leiten. Es ist möglich, daß N- oder C-Ionenleiter im Referenzmittel eine zu hohe Elektronenteilleitfähigkeit aufweisen oder daß sie aus anderen Gründen nicht geeignet sind. Dann kann auf das bewährte Referenzmittel Luft und als Elektrolyt auf Sauerstoffionen leitendes Zirkondioxyd zurückgegriffen werden.

In den Ansprüchen 9 und 10 sind die Vorrichtungen beschrieben.

Nach Anspruch 11 wird vorgeschlagen, als Triebkraft eine elektrische Gleichspannungsquelle anzuwenden. Sie kann bei einigen Anwendungsfällen dem Netz entnommen werden. Über die Höhe der Spannung bzw. einen Widerstand kann erstmals die Triebkraft der Ionen eingestellt werden. Eine Netz-Triebspannungsquelle ist apparativ sehr einfach und eignet sich gut zur Messung der Übertragungsgeschwindigkeit über den Stromfluß zwischen den Elektroden. Auch zur Regelung von Plasmaöfen ist eine solche Triebspannungsquelle zweckmäßig.

Nach Anspruch 12 wird vorgeschlagen, als Triebspannungsquelle eine galvanische Zelle (Festelektrolytzelle) anzuwenden, die sich im elektrochemischen Gleichgewicht befindet. Das kann eine in der Kraftfahrzeugtechnik angewandte Lambda-Sonde sein. Die Triebspannungsquelle kann auch eine durch Ionendurchgang verfälschte Spannung aufweisen. Sie wird in der Gesamtmeßzelle berichtigt. Die Spannung der erfindungsgemäßen Meßzelle entspricht den thermodynamischen Daten.

Nach Anspruch 13 wird vorgeschlagen, anstelle einer Triebspannungsquelle einen elektronischen Baustein -z.B- eine Elektronenröhre- anzuwenden, der Elektronen nur dann fördert, wenn diese zum Betrieb des Spannungsmeßgerätes fließen.

Nach Anspruch 14 werden Meßzellen für Stoffe vorgeschlagen, für die es keine Elektrolyte mit guter Ionenleitfähigkeit und geringer Elektronenteilleitfähigkeit gibt. In den erfindungsgemäßen Meßzellen können auch Elektrolyte mit hoher Elektronenteilleitfähigkeit benutzt werden, wenn sie kombiniert mit einem Ionenleiter mit geringer Elektronenteilleitfähigkeit eingesetzt werden. Wenn einer der beiden Elektrolyte Elektronenteilleitfähigkeit aufweist, erfolgt an diesem ein elektrischer Potentialausgleich. Ein störender Ionenfluß kommt nur zustande, wenn die Elektronen auch durch den anderen Elektrolyten rückströmen können. Die Anforderungen an einen der beiden Elektrolyten sind somit sehr gering.

Nach Anspruch 15 wird vorgeschlagen, die gasberührten Oberflächen der Elektrolyte teilweise mit einer elektrisch nicht leitenden Schicht zu versehen. An den Oberflächen der Elektrolyte (4) und (7) befinden sich elektrische Ladungsträger. Kurzschlüsse zwischen den elektrischen Potentialen an den metallischen Berührungsstellen (1) und (8) bzw. (5) und (10) durch Oberflächenleitung müssen verhindert werden.

Die Erfindung wird anhand der Zeichnungen erläutert:

Fig. 1
zeigt das Verfahrensschema der Erfindung zur fehlerfreien Potentialbildung an der Atmosphärenelektrode.
Fig. 2
zeigt das Verfahrensschema der neuen Meßzelle.
Fig. 3
zeigt die Vorrichtung einer konventionellen Meßzelle in einer Ausführung mit zwei Ionensperren.
Fig. 4
zeigt die Vorrichtung der neuen Meßzelle mit einer galvanischen Triebspannungsquelle.
Fig. 5
zeigt die Vorrichtung der neuen Meßzelle mit einer Netz-Triebspannungsquelle.
Fig. 6
zeigt die durch Ionendurchgang entstehenden elektrischen Potentialdifferenzen in einer Meßzelle.
Fig. 7
zeigt die elektrischen Potentiale einer Meßzelle mit zwei Elektrolyten geringer Elektronenleitung.
Fig. 8
zeigt die elektrischen Potentiale an einer N2-Meßzelle mit Elektrolyten unterschiedlicher Elektronenleitfähigkeit.

In den Figuren 1 bis 5 sind folgende gleiche Bauteile:

  • Die Elektrode an der Referenzseite (1),

    der allseits von der Atmosphäre umgebene Festelektrolyt (4) und die Elektrode in der Atmosphäre (5).
Bei Berührung der Elektroden (1) und (5) mit den Sauerstoffionen-Leerstellen des Elektrolytwerkstoffes treten an den Elektroden unterschiedliche elektrische Einzelpotentiale auf. Zur Messung der Differenz dieser Einzelpotentiale ist nach dem Stand der Technik ein Meßkreis erforderlich, in dem ein Strom fließen muß. Bei der bekannten Bauweise (Fig. 1) dient dazu der durch den Elektrolyt (2) in einer Richtung fließende Ionenstrom. Bei der neuen Bauweise (Fig. 2) bildet der durch Bauteil (9) in einer Richtung geführte Elektronenstrom den notwendigen Meßkreis. Bei der konventionellen Bauweise erfolgt die Unterbrechung des Sauerstoff-Ionenstromes an der Ionensperre (3). Bei der neuen Bauweise werden die Ionen nicht durch die unterschiedlichen chemischen Potentiale angetrieben. Die notwendige Triebkraft bewirkt eine teils veränderbare elektrische Spannung.

Fig. 3 zeigt die Vorrichtung einer konventionellen Meßzelle, die mit Elektrolyten erhöhter Elektronenteilleitfähigkeit arbeitet. Sie ist im Vorrichtungsanspruch 9 erläutert. Der Unterschied zur bekannten Vorrichtung besteht in der Anordnung der beiden metallischen Ionensperren (3) und (16). An den Elektrolyten (4) und (7) herrscht jeweils eine sehr geringe elektrische Potentialdifferenz, die auch bei relativ leitfähigem Elektrolytwerkstoff keinen bemerkbaren Elektronenrückstrom zuläßt.

Fig. 4 zeigt die Vorrichtung der neuen Festelektrolyt-Meßzelle. Sie ist in den Vorrichtungsansprüchen 10 und 12 erläutert. Hierbei sind zwei Einbaustellen in den Ofenraum vorgesehen. Die beiden Bauteile (8) und (10) sind zueinander elektrisch isoliert in den Ofenraum eingebaut. Benützt man als Triebkraft eine galvanische Zelle, z.B. die Spannung einer Lambda-Sonde zur Abgasmessung an Kraftfahrzeugen oder einer anderen durch Ionendurchgang falsch anzeigenden Festelektrolyt-Meßzelle, dann liefert die Gesamtmeßzelle nach Anspruch 12 berichtigte Meßwerte.

Fig. 5 zeigt die Vorrichtung der neuen Festelektrolyt-Meßzelle nach den Ansprüchen 10 und 11. Die Netz-Triebspannungsquelle (14) ist über Widerstand (15) einstellbar. Außerdem läßt sich über Widerstand (16) der innere Gesamtwiderstand bzw. der Kurzschlußstrom der Meßzelle einstellen. Es ist ein Vorteil dieser Ausführungsform, daß man die Triebkraft der Ionen mit Hilfe der beiden Widerstände der Elektronenteilleitfähigkeit und der Ionenleitfähigkeit des Elektrolytwerkstoffes anpassen kann. Das macht z.B. Messungen bei niedrigeren Temperaturen möglich, als dies mit konventionellen Meßzellen der Fall ist.

Nachfolgend wird untersucht, unter welchen Bedingungen die Spannung E der Meßzelle den thermodynamischen Daten entspricht. Diese Spannung setzt sich aus zwei an den Elektroden entstehenden Teilspannungen zusammen. Nach der Literatur ist eine Voraussetzung für deren repräsentative Addierung ein gleiches elektrochemisches Potential der Sauerstoffionen ηO-- (Summe von chemischem Potential der Sauerstoffionen µO-- und elektrischem Potential ϕ) im Elektrolyten. Dann entspricht die elektrische Potentialdifferenz an den Elektroden den thermodynamischen Daten. Diese Forderung ist erfüllt, wenn Elektrolyte mit guter Ionenleitfähigkeit und gleicher Anzahl von Ionen-Leerstellen angewandt werden.

An den erfindungsgemäßen Meßzellen treten gegenüber dem Inneren der Elektrolyte veränderte elektrische Oberflächenpotentiale Δ ϕ auf. Dies ist auch bei bekannten Meßzellen der Fall, wenn ein Fremdpotential -z.B. Masse- an einer Elektrode anliegt. Bis zum Ladungsausgleich wird dadurch ein Ionenübergang ausgelöst. Danach nehmen die übergetretenen Ionen mit der Umgebung ein Gleichgewicht an. Bleibend verändern sich dabei nur die elektrischen Oberflächenpotentiale. Gleiche elektrische Oberflächenpotentiale heben sich bei der Messung der Potentialdifferenz heraus und man braucht sie daher nicht zu beachten.

Fig. 6 ist repräsentativ für alle Meßzellen, die gleiche η0---Werte annehmen können. Das ist bei den Meßzellen nach den Ansprüchen 9, 12 und sinngemäß auch 14 der Fall. Die vom Innern der Elektrolyte abweichenden elektrischen Oberflächenpotentiale werden bei Vorhandensein einer Störreaktion durch die unterschiedlichen Sauerstoffpotentiale µo an den Elektrolyten (2) und (4) ausgelöst. Die metallische Trennwand kann jedoch als Mittelwert nur ein einziges elektrisches Potential ϕ annehmen. Dieser gleiche Wert überträgt sich auf die Elektroden. Die Spannung der Meßzelle entspricht daher den thermodynamischen Daten.

Bei Meßzellen nach Anspruch 12 ist zwischen den Gehäusen (8) und (10) eine galvanische Triebspannungsquelle angeordnet, in der elektrochemisches Gleichgewicht herrscht. Dieses Gleichgewicht überträgt sich über die Triebspannungsquelle auf die Gesamtmeßzelle. Die an den Elektrolytoberflächen entstehenden elektrischen Potentialsprünge Δ ϕ sind -wie in Fig. 6 dargestellt- alle gleich groß.

Fig. 7 zeigt die Lage der elektrischen Potentiale und die kennzeichnenden Spannungen E bei einer Meßzelle nach Anspruch 12 mit einer galvanischen Triebspannungsquelle. Sie ist charakteristisch für Meßzellen, bei denen beide Elektrolyte eine niedrige Elektronenteilleitfähigkeit aufweisen.

Fig. 8 zeigt die elektrischen Potentiale bei einer bevorzugten Meßzelle für das Stickstoffpotential nach Anspruch 14. Bekannte Stickstoffionenleiter haben für konventionelle Meßzellen eine zu geringe Ionenleitfähigkeit und eine zu hohe Elektronenteilleitfähigkeit. Bei vorgenannter Meßzelle ist am Stickstoffionenleiter -wie vorbeschrieben- ein elektrischer Potentialausgleich zulässig, da in der Referenzluft ein Sauerstoffionenleiter mit geringer Elektronenteilleitfähigkeit benützt wird. Im Prinzip genügt ein leitfähiger Stickstoffionenbilder. Die Spannung der Meßzelle entspricht bei galvanischer Triebspannungsquelle den thermodynamischen Daten. Dazu müssen das Sauerstoffpotential der Luft auf deren Stickstoffpotential umgerechnet werden und evtl. unterschiedliche Stöchiometriefaktoren der Elektrolyte berücksichtigt werden. Bei einer dementsprechenden Kombination für Kohlenstoffionenleiter kann CO2 als Referenzmittel dienen.

Die erheblichen Vorteile einer mit zwei Elektrolyt-Tabletten ausgerüsteten Meßzelle nach Anspruch 3 liegen im einfachen Aufbau und der Betriebssicherheit einer solchen Meßzelle. Außerdem wirken sich die Unzulänglichkeiten der zur Verfügung stehenden Baustoffe weniger aus. Dadurch bedingte Meßfehler können festgestellt und automatisch korrigiert werden.

Am Beispiel der Sauerstoff-Meßzelle sind die zur Verfügung stehenden Elektrolyt-Werkstoffe aus dotiertem Zirkondioxyd immer noch bruchempfindlich. Auch neigt der Werkstoff bei höher werdenden Temperaturen und niedriger werdendem Sauerstoffpotential zunehmend zur Elektronenteilleitung. Bei Bruch, des die Atmosphäre vom Referenzmittel trennenden Festelektrolyten, treten Meßfehler auf, die bei der konventionellen Bauweise der Meßzellen während des Betriebs nicht festgestellt werden können. Bei der neuen Meßzelle erfolgt die Trennung von Referenzluft und Atmosphäre sicher mit hitzebeständigem Baustahl. Weiterhin kommen Elektrolyt-Tabletten zur Anwendung, die nicht dicht gesintert sein müssen. Auch beeinflußt ein Riß im Elektrolyten die Genauigkeit der Meßzelle nicht, da an allen Stellen der Elektrolyt-Tablette der gleiche Sauerstoffteildruck herrscht. Die Elektronenteilleitfähigkeit des Elektrolytwerkstoffes kann wesentlich höher sein als bei den bekannten Meßzellen, da an den metallischen Berührungsstellen der Elektrolyte (4) und (7) nur sehr geringe elektrische Potentialunterschiede auftreten.

Die Werkstoffe einer Festelektrolyt-Meßzelle können sich in der Übertragungsatmosphäre im Laufe der Zeit verändern. Die Folge davon sind Thermospannungen oder sonstige Fehlspannungen, die sich dem Meßwert überlagern. Bei der konventionellen Bauweise der Meßzellen lassen sich solche Fehler während des Betriebes nicht feststellen. Bei der neuen Meßzelle heben sich durch Werkstoffveränderungen bewirkte Thermospannungen zum Teil auf. Zur Sicherheit können Thermospannungen und sonstige Fehlspannungen in einer kurzen Betriebspause zwischen den aus dem Ofenraum führenden elektrischen Leitungen (6), (12), (11) und (13) separat gemessen werden. Gegebenenfalls läßt sich der Meßwert einer Zelle -auch automatisch- berichtigen.

Die geringeren Ansprüche an den Festelektrolyt-Werkstoff und die Korrekturmöglichkeit von werkstoffbedingten Fehlspannungen verleihen der neuen Bauform der Meßzelle eine erheblich längere Haltedauer und eine viel größere Sicherheit gegen Meßfehler, als dies mit der konventionellen Bauform möglich ist.

Außerdem erleichtern die wesentlich geringeren Anforderungen an die Elektrolytqualität das Anwenden und Entwickeln neuer Festelektrolytwerkstoffe erheblich. Lt. Literatur gibt es einen Stickstoffionen leitenden Festelektrolyt auf AlN-Basis, der jedoch bei der seitherigen Qualitätsanforderung wegen zu hoher Elektronenteilleitfähigkeit noch nicht eingesetzt werden kann.

Die Erfindung wird -bezüglich der Messung der Übertragungsgeschwindigkeit- an drei Beispielen erläutert:

Das erste Beispiel betrifft eine Anwendungsweise bei der lediglich optimale Stoffübertragungsbedingungen gesucht werden. Diese beziehen sich auf die Gleichmäßigkeit der Schichtbildung und einen geringen Gasverbrauch zur Herstellung der Atmosphäre. Zum Auffinden, Auf rechterhalten bzw. gelegentlichen Überprüfen der bestgeeigneten Gasmengen dient der Maximalwert des die Übertragungsgeschwindigkeit kennzeichnenden µA-Wertes.

Bei einer Aufkohlungsatmosphäre (C-Pegel 1,1%) wird die günstigste dem Ofenraum zugeführte Erdgasmenge gesucht. Es ergaben sich bei der Erprobung mit verschiedenen Erdgasmengen folgende µA-Werte:

Bei 1 m3/h 180 µA; bei 1,2 m3/h 185 µA; bei 1,4 m3/h 175 µA. Bei etwa 1,2 m3/h lag die günstigste Erdgasmenge.

Die absolute Höhe des µA-Wertes spielt beim Auffinden des Maximalwertes keine Rolle. Eine Justierung oder Eichung des µA-Wertes ist hierzu nicht erforderlich.

Auf dieselbe Weise kann beim Nitrieren oder Nitrocarburieren die optimale NH3-Menge oder die der Zusatzgase CO2, N2O, Luft oder O2 bestimmt werden.

An einem zweiten Beispiel wird die automatische Justierung einer Meßzelle für die Übertragungsgeschwindigkeit erläutert. Damit lassen sich reproduzierbare Übertragungswerte der Atmosphäre erzielen. Dies dürfte der wichtigste Anwendungszweck sein. Zur Justierung des Stromflusses einer Meßzelle dient eine konstante Justierspannungsquelle in der Größenordnung von 30 - 50 mV. Bei der neuen Bauweise der Meßzelle wird diese anstelle der Triebspannungsquelle (14) und der Widerstände (15)(16) angelegt; bei der konventionellen Bauweise wird die Justierspannungsquelle an den Elektroden (1) und (5) angelegt. Die Elektrolyte (4) und (7) mit den Elektroden (1) und (5) werden belüftet. Bei der Betriebstemperatur des Ofens betrug der Stromfluß 320 µA. Unter Übertragungsbedingungen (Elektrolyt (4) und Elektrode (5) mit der Atmosphäre in Berührung) betrug der Meßwert mit der Triebspannungsquelle 164 µA. Bei einer späteren Nachjustierung wurden unter Justierbedingungen 334 µA und als aktueller Wert in der Atmosphäre 168 µA gemessen. Der berichtigte Meßwert beträgt 168 * 320/334 = 161 µA. Das sind 161/164 = 98% der bei der Erstjustierung herrschendenden Übertragungsgeschwindigkeit.

In einem dritten Beispiel wird eine Eichung des justierten Meßwertes mit kurzzeitig aufgekohlten Folien erläutert. Nach Literaturangaben beträgt die auf den C-Pegel Cp und den Randkohlenstoffgehalt CR bezogene C-Übertragungsgeschwindigkeit v an den nicht aufkohlenden Edelmetallelektroden: v = v0/Cpn * (Cp-CR)n   [gC/(cm2*s)] Hierbei ist vO die Anfangs-Aufkohlungsgeschwindigkeit bei CR=0 .

Mit Hilfe kurzzeitig aufgekohlter Folien läßt sich die Anfangs-Aufkohlungsgeschwindigkeit bei der Eichung vO[Eich] und die Reaktionsordnung n berechnen. Für 1 und 3 min. aufgekohlte 0,05 mm dicke Folien gilt: n = ln (%C1-%C0) - ln ((%C3-%C1)/2) / (ln (Cp-(%C0+(.56*(%C1-%C0))))-ln (Cp-(%C1+(.618*(%C3-%C1))))) v0[Eich] = (%C1-%C0) * 3,25*10-6 / ((Cp-(0,56*(%C1-%C0)))n)   [gC/(cm2*s)]

Bei einer Aufkohlungsatmosphäre aus Erdgas+Luft liegen folgende Meßwerte vor [siehe Zeitschrift HTM 43 (1986) 4 S. 204]: %CO = 0,1   %C1 = 0,421   %C3 = 0,911   Cp = 1,15%C Mit diesen Werten errechnet sich n = 0,378 und v0[Eich] = 1,055*10-6   [gC/(cm2*s)]

Prinzipiell sind zwei Eichungen bei unterschiedlichen Übertragungsgeschwindigkeiten erforderlich. Der Einfachheit halber wird ein linearer Zusammenhang zwischen vO und µA-Messung angenommen: v0 = v0[Eich] * µA-Atm.[aktuell] * µA-Luft [Eichjustierung] / (µA-Atm.[Eichung] * µA-Luft [Nachjustierung])

Der bei der Aufkohlung herrschende aktuelle Stromfluß betrug 165 µA. Bei der Eichung war der Stromfluß in der Atmosphäre 188 µA und der Justierwert mit Luft 365 µA. Der letzte Nachjustierwert mit Luft lag bei 388 µA. Der aktuelle v0-Wert beträgt damit: v0 = 1,055*10-6 * 165 * 365 / (188 * 388) = 8.71*10-7   [gC/(cm2*s)]

Während der Aufkohlung mit einem C-Pegel Cp=1,15%C beträgt somit die übertragene C-Menge: v = 8,71*10-7/1,150,378 * (1,15-CR)0,378   [gC/(cm2*s)] = 8,26*10-7 * (1,15-CR)0,378   [gC/(cm2*s)] bzw. 1,05*10-5 * (1,15-CR)0,378   [%C*cm/s]. Damit läßt sich während des Aufkohlungsvorganges die übertragene C-Menge in Abhängigkeit vom Rand-C-Gehalt berechnen. Herrscht beispielsweise ein Rand-C-Gehalt von CR=1,02%, beträgt diese: v[1,02] = 3,82*10-7   [gC/(cm2*s)]   bzw. auf (Cp-CR) bezogen: β[1,02] = 2,94*10-6   [gC/(cm2*s*%C)]   bzw. 3,74*10-5   [cm/s].

Bei Atmosphären mit niedrigen Übertragungsgeschwindigkeiten kann die v0-Ermittlung mit Folien von den Werten bei dickeren Werkstücken abweichen. Dann muß ein Plättchen der aufzukohlenden Stahlsorte ca 1 Std. aufgekohlt und durch Wägung die übertragene C-Menge ermittelt werden. Hieraus kann man mit Hilfe einer Computer-Simulationsrechnung die bei Aufkohlungsbeginn herrschende Eich-Übertragungsgeschwindigkeit vO[Eich] ermitteln.

Besonders vorteilhaft ist nachstehend beschriebene Regelung der C-Übertragungsgeschwindigkeit bei Aufkohlungsatmosphären aus direkt in den Ofenraum eingeführten Brennstoff-Luftgemischen:

  • Bei geringen Sollwertabweichungen wird nur die eingeführte Brennstoffmenge verändert;
  • bei stärkerem Absinken der Übertragungswerte erfolgt kurzzeitig eine zusätzliche Zufuhr von O2.
Die Zufuhr von O2 erhöht sowohl die Reaktionsgeschwindigkeit des Brennstoffes als auch den CO-Gehalt der Atmosphäre. Beides bewirkt bei gleichem Brennstoffverbrauch eine erhöhte C-Übertragungsgeschwindigkeit. Dadurch verkürzen sich die Aufkohlungszeiten und eine Rußabscheidung im Ofenraum wird verhindert. Eine verbesserte Ausnutzung der Ofenanlage bringt höhere Energie- und Kosteneinsparungen, als der dazu notwendige Aufwand für O2.

Bei der Regelung der N-Übertragungsgeschwindigkeit treten höhere Werte ein, wenn zum Ammoniak folgende Gase zugegeben werden:

  • CO2 bei gleichzeitiger Erhöhung des C- und O- Anteils der Verbindungsschicht an der Werkstückoberfläche; Luft, O2 oder N2O, bei Erhöhung nur des O-Anteils.

In Nitrieratmosphären hat die Übertragungsgeschwindigkeit einen stärkeren Einfluß als die gemessenen N-Konzentrationen. In der Praxis bringt die Anwendung der Erfindung eine Verbesserung der Wiederholbarkeit der Eigenschaften der Verbindungsschicht von Charge zu Charge. Dies bezieht sich auf deren gleichmäßige Dicke an allen Stellen des Werkstückes und deren Porenanteil.

Die Erfindung eignet sich auch zur Erzeugung von Oxydschichten bestimmter Dicke an der Werkstückoberfläche, insbesondere in unmittelbarem Anschluß an eine Nitrocarburierbehandlung. Im Ofenraum wird die Nitrieratmosphäre durch eine oxydierende Atmosphäre -z.B. N2+Luft- verdrängt. Mit einer Sauerstoffmeßzelle wird das jeweilige Sauerstoffpotential und die Sauerstoff-Übertragungsgeschwindigkeit der Atmosphäre erfaßt. Die Regeleinrichtung beendet die oxydierende Behandlung, wenn die aus diesen Werten berechnete Dicke der Oxydschicht dem Sollwert entspricht.

Bei einer konventionellen Sauerstoff-Meßzelle kann bei offenem Stromkreis ein ständiger Ionenstrom vom Referenzmittel zur Atmosphäre auftreten. Die Erfindung vermeidet hierbei auftretende Meßfehler. Außerdem bietet sie erstmals eine kontinuierliche Meßgröße für die Übertragungsgeschwindigkeit einer Atmosphäre. Ihre Fortschrittlichkeit liegt z. Zt. in einer verbesserten Gleichmäßigkeit und Berechenbarkeit der Aufkohlungswirkung aller über das Sauerstoffpotential regelbaren CH4-haltigen Aufkohlungsatmosphären. Auch kann die Übertragunggeschwindigkeit sauerstoffhaltiger Nitrieratmosphären auf den maximal erzielbaren Wert geregelt werden. Das führt bei unterschiedlicher Gas-Anströmung der Werkstücke zu einer gleichmäßigen Schichtdicke.

Die neue Meßzelle mit zwei Elektrolyt-Tabletten vermeidet außerdem seitherige Meßfehler durch Elektrolytbruch und Fehlspannungen durch Baustoff-Veränderung. Sie arbeitet anstelle der üblichen chemischen mit einer elektrischen Triebkraft, die den Hauptteil der Meßspannung aufbringt. An den Elektrolyten liegen nur kleine Potentialdifferenzen an, die auch bei erhöhter Elektronenteilleitfähigkeit der Elektrolyte keinen ständigen Ionenstrom auslösen, der einen Meßfehler zur Folge hätte. Außerdem braucht der Elektrolyt nicht im Meßmedium und im Referenzmittel eine geringe Elektronenteilleitfähigkeit aufweisen. Es genügt, wenn das in einem der beiden Medien der Fall ist. Eine solche Meßzelle stellt nur geringe Anforderungen an die Elektrolyt-Qualität. Bei Anwendung von gegebenenfalls zwei verschiedenen Ionenleitern sind Meßzellen für N- und C-Potentiale zu erwarten. Damit ließen sich auch sauerstoffreie Atmosphären beim -Nitrieren nur mit NH3- oder beim -Aufkohlen nur mit Kohlenwasserstoffen- regeln. Letzteres schafft durch Messen und Regeln des C-Pegels -z.B. beim Aufkohlen mit Plasmaunterstützung- u.a. folgende neue Möglichkeiten: Beim Aufkohlvorgang können an der gesamten Werkstückoberfläche (auch an Kanten und Spitzen) Carbide verhindert werden. Außerdem ist eine geregelte abkohlende Diffusion mit H2 möglich, die bei verkürzter Diffusionsdauer zu dem bei größerer Einsatztiefe gewünschten waagerechten Teil des C-Verlaufs in der aufgekohlten Schicht führt.

Die erfindungsgemäße Meßzelle verbessert grundsätzlich die Meßgenauigkeit in Stahlschmelzen und bei der Hochtemperatur-Aufkohlung. Bei den notwendigen hohen Temperaturen liegt bei allen bekannten Elektrolytsorten eine das Meßergebnis beeinflussende Elektronenteilleitfähigkeit vor.


Anspruch[de]
  1. Verfahren und Vorrichtung zur Messung und Regelung der Konzentration fester oder flüssiger Stoffe und/oder der Übertragungseigenschaften einer Aufkohlungs- und/oder Nitrieratmosphäre zur Erzielung eines bestimmten Konzentrationsverlaufes des übertragenen Elementes in der Randschicht metallischer Werkstücke durch angepaßte Zufuhr von Kohlenwasserstoff, Luft, O2, CO2, N2O, N2 oder NH3 in einen Ofenraum, wobei die zugeführte Menge eines oder mehrerer dieser Gase durch eine elektrische Meßgröße bestimmt wird, die zwischen den Elektroden einer im Ofenraum eingebauten Meßzelle anliegt, deren eine Elektrode in einem Referenzmittel und deren andere Elektrode in der Atmosphäre angeordnet ist und letztere mit einem allseits von der Atmosphäre umgebenen ionenleitenden Festelektrolyten in Berührung steht,

    dadurch gekennzeichnet,

    daß die ionenleitende Verbindung zwischen den Elektroden im Referenzmittel und in der Atmosphäre durch mindestens eine ausschließlich Elektronen leitende Trennwand unterbrochen wird.
  2. Verfahren nach Anspruch 1,

    dadurch gekennzeichnet,

    daß auch die im Referenzmittel angeordnete Elektrode mit einem allseits vom Referenzmittel umgebenen ionenleitenden Festelektrolyten in Berührung steht und zwischem diesem und dem die Atmosphäre vom Referenzmittel trennenden Festelektrolyten eine ausschließlich Elektronen leitende Trennwand angeordnet ist.
  3. Verfahren nach Anspruch 1,

    dadurch gekennzeichnet,

    daß die Trennwand in zwei Bauteilen ausgeführt wird, die auch Referenzmittel und Atmosphäre trennen, diese Trennwand-Bauteile über ein elektronisches Bauteil, das Elektronen nur in einer Richtung durchläßt und/oder fördert, miteinander in leitender Verbindung stehen, der eine Trennwand-Bauteil mit einem allseits vom Referenzmittel umgebenen Festelektrolyten mit Elektrode in Berührung steht und

    der andere Trennwand-Bauteil mit einem allseits von der Atmosphäre umgebenen Festelektrolyten mit Elektrode in Berührung steht.
  4. Verfahren nach Anspruch 1 bis 3,

    dadurch gekennzeichnet,

    daß -in bekannter Weise- als Meßgröße zur Ermittlung und Regelung der Gleichgewichtskonzentration der Atmosphäre mit den Werkstücken (C-Pegel bzw. N-Potential) die elektrische Spannung der Meßzelle dient.
  5. Verfahren nach Anspruch 1 bis 3,

    dadurch gekennzeichnet,

    daß als Meßgröße zur Ermittlung und Regelung der Übertragungsgeschwindigkeit der Atmosphäre auf das Werkstück die Stärke des elektrischen Stromes dient, der zwischen den beiden Elektroden der Meßzelle fließt.
  6. Verfahren nach einem der Anspruche 1 bis 3 und 5,

    dadurch gekennzeichnet,

    daß die auf den Stromfluß einwirkenden Veränderungen an der Meßzelle mit Hilfe einer konstanten Justier-Spannungsquelle und reproduzierbarer Justier-Begasungen -z.B. mit Luft- erfaßt werden, wobei der als Meßwert dienende Stromfluß durch Multiplikation des aktuellen Stromflusses mit einem Faktor ermittelt wird, der sich aus dem Stromfluß bei der Erst-Justierung, dividiert durch den Stromfluß bei der Nach-Justierung, ergibt.
  7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,

    dadurch gekennzeichnet,

    daß an der Meßzelle die Spannungsmessung und eine Messung des Stromflusses in zeitlicher Folge vorgenommen werden.
  8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7,

    dadurch gekennzeichnet,

    daß die Elektrolyte im Referenzmittel und in der Atmosphäre aus Leitern unterschiedlicher Ionensorten bestehen.
  9. Vorrichtung zur Ausführung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1, 2 und 4 bis 8, gekennzeichnet durch folgenden Aufbau der Meßzelle:
    • Elektrode im Referenzmittel (1) mit Verbindungsleitung zum Meßgerät

         in Berührung mit
    • Festkörperelektrolyt (7) allseits vom Referenzmittel umgeben

         in Berührung mit
    • metallischer Trennwand im Referenzmittel in Form einer Blindelektrode (16) als Ionensperre

         in Berührung mit
    • Festkörperelektrolyt (2), der die Atmosphäre vom Referenzmittel trennt

         in Berührung mit
    • metallischer Trennwand in der Atmosphäre in Form einer Blindelektrode (3) als Ionensperre

         in Berührung mit
    • Festkörperelektrolyt (4) allseits von der Atmosphäre umgeben

         in Berührung mit
    • Elektrode in der Atmosphäre (5) mit Verbindungsleitung zum Meßgerät.
  10. Vorrichtung zur Ausführung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 und 3 bis 8, gekennzeichnet durch folgenden Aufbau der Meßzelle:
    • Elektrode im Referenzmittel (1) mit Verbindungsleitung (6) zum Meßgerät

         in Berührung mit
    • Festkörperelektrolyt (7) allseits vom Referenzmittel umgeben

         in Berührung mit
    • metallischer Trennwand, die die Atmosphäre vom Referenzmittel trennt, in Form eines ersten im Ofenraum angeordneten Gehäuses (8),

         elektronenleitend verbunden
    • über ein Bauteil (9) mit einem zweiten im Ofenraum angeordneten metallischen Gehäuse (10)

         in Berührung mit
    • Festkörperelektrolyt (4) allseits von der Atmosphäre umgeben

         in Berührung mit
    • Elektrode in der Atmosphäre (5) mit Verbindungsleitung (11) zum Meßgerät.
  11. Vorrichtung zur Ausführung des Verfahrens nach Anspruch 10,

    dadurch gekennzeichnet,

    daß das Bauteil (9) aus einer Gleichspannungsquelle (14) besteht, die durch das Stromnetz gespeist wird.
  12. Vorrichtung zur Ausführung des Verfahrens nach Anspruch 10,

    dadurch gekennzeichnet,

    daß das Bauteil (9) aus einer Festkörperelektrolytzelle oder aus einer anderen im elektrochemischen Gleichgewicht befindlichen galvanischen Zelle besteht.
  13. Vorrichtung zur Ausführung des Verfahrens nach Anspruch 10,

    dadurch gekennzeichnet,

    daß das Bauteil (9) aus einem elektronischen Baustein -z.B. einer Elektronenröhre- besteht.
  14. Vorrichtung nach Anspruch 8,

    dadurch gekennzeichnet,

    daß ein Stoff, an dem sich Ionen eines Elementes -z.B. Stickstoff- oder Kohlenstoffionen- bilden, als Elektrolyt (4) mit hoher Elektronenleitfähigkeit in der Atmosphäre angeordnet ist und ein anderer ionenleitender Elektrolyt (7) mit geringer Elektronenteilleitfähigkeit im Referenzmittel -z.B. Sauerstoffionenleiter in Luft- angeordnet ist.
  15. Vorrichtung nach Anspruch 9 oder 10,

    dadurch gekennzeichnet,

    daß die gasberührten Oberflächen der Festelektrolyte (4) und (7) teilweise mit einer elektrisch nicht leitenden Schicht versehen sind.






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