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Dokumentenidentifikation EP0752710 16.12.1999
EP-Veröffentlichungsnummer 0752710
Titel Verfahren zur Erzeugung von Actinium-225 aus Radium-226
Anmelder Europäische Atomgemeinschaft (EURATOM), Luxemburg/Luxembourg, LU
Erfinder Koch, Lothar, 76356 Weingarten, DE;
Fuger, Jean, 75045 Wössingen, DE;
van Geel, Jacques, 76275 Ettlingen-Oberweier, DE
Vertreter derzeit kein Vertreter bestellt
DE-Aktenzeichen 59603610
Vertragsstaaten AT, BE, CH, DE, DK, ES, FI, FR, GB, GR, IE, IT, LI, LU, MC, NL, PT, SE
Sprache des Dokument De
EP-Anmeldetag 03.07.1996
EP-Aktenzeichen 961107216
EP-Offenlegungsdatum 08.01.1997
EP date of grant 10.11.1999
Veröffentlichungstag im Patentblatt 16.12.1999
IPC-Hauptklasse G21G 1/06
IPC-Nebenklasse A61K 51/10   

Beschreibung[de]

Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Erzeugung von Actinium-225 aus Radium-226 mit Hilfe einer von einer Kernstrahlung ausgelösten Kernreaktion.

Ein solches Verfahren ist z.B. aus der EP-0 443 479-B1 bekannt. Gemäß diesem Verfahren wird das Radium-226 in einem thermischen Neutronenfluß eines Kernreaktors bestrahlt, wobei u.a. Thorium-229 entsteht. Der Thoriumanteil wird dann chemisch isoliert und daraus wird das entstehende Radium-225 abgetrennt. Schließlich wird aus dem Radium das einwachsende Actinium-225 isoliert.

Radiotherapeutische Methoden zur lokalen Bekämpfung von Krebserkrankungen (Metastasen) gewinnen mit Fortschritten in der Molekularbiologie immer mehr an Bedeutung. Im Prinzip werden dabei kurzlebige alphastrahlende Nuklide in monoklonale Antikörper eingebaut, die, in den Körper des Patienten gebracht, von den malignen Zellen bevorzugt aufgenommen werden und diese durch intensive Bestrahlung mit sehr kurzer Reichweite zerstören. An das Radionuklid werden dabei besondere Anforderungen gestellt: Es muß sich für die Konjugation an einen geeigneten Antikörper binden lassen, muß eine kurze Halbwertzeit haben (in der Größenordnung von einigen Stunden) und seine Zerfallsprodukte müssen chemisch und radiologisch weitgehend unschädlich sein.

Unter den möglichen Kandidaten für ein derartiges Radionuklid spielen Actinium-225 und Wismut eine hervorragende Rolle, und zwar bezüglich Wismut entweder das Isotop Bi-212 (Halbwertzeit 60,6 Minuten) oder das Isotop Bi-213 (Halbwertzeit 47 Minuten). Die Herstellung von Bi-212 für medizinische Zwecke wurde in der Zeitschrift Ing. J. Nucl. Med. Biol. 9 (1982), Seite 83 beschrieben. Dieses Isotop hat allerdings den Nachteil, daß als Folgeprodukt ein gamma-aktives Thalliumisotop auftritt, das zu einer unerwünschten Strahlenbelastung des Patienten führt.

Dies gilt zwar nicht für Bi-213, jedoch ist dieses Isotop nicht in ausreichenden Mengen verfügbar und kann auch bisher nicht mit vertretbarem Aufwand in diesen Mengen aus U-233 hergestellt werden. Dieses Uranisotop U-233 bildet über mehrere Zerfallsschritte Actinium-225 und dieses schließlich Bi-213.

Der Nachteil dieses bekannten Verfahrens liegt in der unerwünscht großen Verunreinigung des Actinium-225 mit anderen Actinium-Isotopen oder anderen Folgeprodukten der Zerfallsreihen von Thorium-232, Uran-238 und Uran-235.

Aufgabe der Erfindung ist es also, ein Verfahren der obengenannten Art anzugeben, bei dem das als Basisprodukt für die Therapie wichtige Isotop Ac-225 weniger stark verunreinigt ist.

Diese Aufgabe wird durch die in den unabhängigen Ansprüchen definierten Verfahren gelöst. Bezüglich von Merkmalen bevorzugter Ausführungsformen der Erfindung wird auf die abhängigen Ansprüche verwiesen.

Nachstehend wird die Erfindung anhand zweier bevorzugter Ausführungsbeispiele und der beiliegenden Zeichnungen näher erläutert.

Figur 1 zeigt einen Ausschnitt aus der Nuklidkarte mit den für das erfindungsgemäße Verfahren wichtigen Isotopen der Elemente Ra und Ac.

Figur 2 zeigt die natürliche Zerfallskette von Ac-225 zu dem therapeutisch wichtigen Bi-213.

Ausgangspunkt des Verfahrens ist Radium-226. Man erzeugt ein Target aus diesem Material und setzt es in einem "schnellen Brüter" einem Fluß von schnellen Neutronen aus. Dabei ergibt sich durch eine (n,2n)-Kernreaktion Radium-225 sowie durch eine (n,γ)-Kernreaktion Radium-227. Wie Figur 1 zeigt, unterscheiden sich die Halbwertzeiten dieser beiden Radioisotope stark. Man nützt diesen Umstand aus und läßt das Target nach der Bestrahlung soweit abklingen, daß nach einer anschließenden chemischen Abtrennung des Actinium-Gemisches mangels Ra-227 kaum mehr neues Actinium nachgebildet wird.

Nun kann aus dem Gemisch von Ra-226 (Target), Ra-225 und dem sich neu bildenden Ac-225 erneut chemisch das Ac-225 abgetrennt werden, das dann für therapeutische Zwecke, u.a. auch zur Bildung von Wismut-213 gemäß der natürlichen Zerfallskette, die in Figur 2 gezeigt ist, konfektioniert wird.

Im Rahmen der Erfindung kann die oben erwähnte Bestrahlung durch einen schnellen Neutronenfluß auch in einer Spallationsquelle erfolgen. Weiter kann das Radium-225 auch durch Bestrahlung eines Radium-226-Targets mit einer hochenergetischen γ-Strahlung unmittelbar erzeugt werden, wobei dann eine (γ, n)-Kernreaktion in Frage kommt und praktisch kein störendes Radium-227 entsteht. Dabei entfällt also das Abklingen des Targets nach der Bestrahlung und die erste chemische Isolierung des sich bildenden Actiniums. Diese γ-Strahlung kann insbesondere von der Bremsstrahlung beschleunigter Elektronen in einem Elektronenbeschleuniger gebildet werden.

Die Erfindung erlaubt eine dem Bedarf leicht anzupassende Erzeugung von sauberem Ac-225 und seiner therapeutisch wichtigen Zerfallsprodukte.


Anspruch[de]
  1. Verfahren zur Erzeugung von Actinium-225 aus Radium-226 mit Hilfe einer von einer Kernstrahlung ausgelösten Kernreaktion, dadurch gekennzeichnet, daß ein Target aus Radium-226 einer Bestrahlung mit hochenergetischen Neutronen bzw. γ-Quanten ausgesetzt wird, bei der durch eine (n,2n)-Reaktion bzw. (γ,n)-Reaktion Ra-225 entsteht, daß nach einer Wartezeit, in der ggf. mitgebildetes Ra-227 größtenteils zerfällt, die inzwischen durch Zerfall gebildeten Actiniumisotope aus dem Targetmaterial chemisch abgetrennt werden und daß schließlich aus dem verbleibenden Targetmaterial nochmals neu gebildetes Actinium chemisch abgetrennt wird, bei dem es sich nun fast ausschließlich um das Isotop Ac-225 handelt.
  2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Bestrahlung in einem "schnellen" Reaktor mit hochenergetischen Neutronen erfolgt.
  3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Bestrahlung mittels hochenergetischer Neutronen erfolgt, die aus einer Spallationsquelle stammen.
  4. Verfahren zur Erzeugung von Actinium-225 aus Radium-226 mit Hilfe einer von einer Kernstrahlung ausgelösten Kernreaktion, dadurch gekennzeichnet, daß ein Target aus Radium-226 einer Bestrahlung mit hochenergetischen γ-Strahlen ausgesetzt wird, bei der durch eine (γ,n)-Kernreaktion Ac-225 entsteht.
  5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Bestrahlung in der Bremsstrahlung eines Elektronenbeschleunigers erfolgt.






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