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Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft eine Offenend-Rotorspinnvorrichtung nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1.

Bei der Herstellung von Garnen nach dem OE-Rotorspinnverfahren wird das Garn über die Abzugsdüse aus dem Inneren des Rotors abgezogen. Durch die Rotation des Rotors dreht sich der Garnschenkel und erteilt dem Garn eine echte Drehung (Echtdraht). Zusätzlich wird durch die schlupfbehaftete Abrollbewegung des Garns über die Oberfläche der Abzugsdüse eine gleichgerichtete temporäre Drehung (Falschdraht) erzeugt. Durch eine Erhöhung des Falschdrahtes kann die Spinnstabilität beim OE-Rotorspinnverfahren verbessert werden. Beide Drehungsanteile pflanzen sich nach dem Prinzip des Drehungsausgleiches in gespannten Fäden entgegen der Garnabzugsrichtung im Faden bis in die Rotorrille fort und lassen dort die Einbindezone entstehen.

Die Länge der Einbindezone wirkt sich auf die Bildung von Umwindefasern beziehungsweise sogenannten Bauchbinden aus. Umwindefasern sind einzelne Fasern, die nicht oder unvollständig in den Garnkern eingedreht sind und sich dann in wechselnder Drehrichtung zum Teil locker, zum Teil sehr fest, um die Garnperipherie winden. Durch einen erhöhten Falschdraht werden vermehrt Umwindefasern gebildet, wobei die Bildung derartiger Bauchbinden auch noch ungleichmäßig erfolgt. Dadurch leidet die Garnstruktur, und der Anwendungsbereich für OE- Rotorgarne ist eingeschränkt.

Aus der DE 39 34 166 A1 ist es bekannt, die Erzeugung von Garn durch geeignete Ausbildung der Abzugsdüse hinsichtlich der Spinnstabilität und Haarigkeit zu beeinflussen und dabei auf die Falschdrahtbildung einzuwirken. Der aus dem Rotor abgezogene Faden rollt sich über die Oberfläche des Mündungstrichters des Fadenabzugskanals ab und erfährt dabei einen Falschdraht. Diese Falschdrahtbildung wird jeweils beim und nach dem Passieren von im Wesentlichen in Garnabzugsrichtung verlaufenden Kerben reduziert. Der Faden ist dabei stets im Umlenkbereich mit der Oberfläche der Abzugsdüse mindestens zum Teil in Kontakt. Exakt mittig zwischen zwei Kerben angeordnete Vorsprünge sollen bei guter Spinnstabilität gleichzeitig die Wirkung haben, den Faden aufzurauhen. Ein regelmäßig alternierender Kontakt des Fadens zwischen Kerbe und Vorsprung soll einerseits ein stabiles Spinnen zulassen und andererseits das gewünschte haarige Garn bewirken. Das Garn wird gezupft und dadurch in einen haarigen Zustand versetzt. Die Haarigkeit entsteht zum Teil dadurch, daß äußere nicht ganz in den Faden eingebundene Fasern teilweise aus dem Fadenverband gelöst werden und nach außen abstehen. Die Kerben oder Rillen versetzen den Faden in Schwingungen. Die Fadenschwingungen setzen sich bis in die Rotorrille fort und beeinflussen die Spinnstabilität, die Garnstruktur und die Garnqualität.

Die DE 36 34 567 A1 offenbart eine Vorrichtung zum Abziehen des Garns aus der Fasersammelrille des Rotors einer Offenend- Rotorspinnvorrichtung. Die Oberfläche der Faserabzugsdüse, auf der das Garn gleitend abrollt, weist in Umfangsrichtung Sektoren auf, bei denen der Reibwert geringer ist als in den anderen Sektoren beziehungsweise im verbleibenden Sektor. Durch die geringere Reibung wird dem Garn ein geringerer Falschdraht erteilt als außerhalb der Fasereinspeisezone. Die Fasereinspeisezone ist üblicherweise durch die Lage des Faserleitkanals und dessen Ausmündung bestimmt. Der Falschdraht wird dem Garn an der Abzugsdüse erteilt. Die Umwindefasern beziehungsweise sogenannte Bauchbinden bilden sich aber bevorzugt in der Einbindezone, das heißt, in der Rotorrille beziehungsweise in der Fasereinspeisezone. Der Sektor mit der örtlich begrenzten Änderung des Reibwertes zwischen Garn und Abzugsdüsenoberfläche ist so zum Ort der Fasereinspeisung positioniert, daß die Reduzierung der Falschdrahtbildung beim Passieren des Garns durch die Fasereinspeisezone in der Rotorrille erfolgt.

Die Ablösestelle des Fadens aus der Rotorrille ist die Stelle, an der der Faden beim Abziehen am stärksten beansprucht wird. Das Fadenstück zwischen Rotorrille und der durch die Abzugsdüse bewirkten Umlenkzone wird durch den Falschdraht mit einer höheren Drehung beaufschlagt als sich allein durch die Rotordrehung ergibt. Die an der Ablösestelle eingebrachte erhöhte Drehung bewirkt eine Verbesserung der Spinnstabilität. Das Aufrechterhalten der Falschdrahtbildung ist daher üblicherweise erwünscht.

Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, die Wahrscheinlichkeit unerwünschter Bauchbindenbildung zu senken.

Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch eine Rotorspinnvorrichtung mit den Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst.

Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind Gegenstand der Unteransprüche.

Die Fadenabzugsdüse der erfindungsgemäßen Offenend- Rotorspinnvorrichtung weist eine in Umlaufrichtung des Fadens abrupt abgesetzte Vertiefung auf, deren Tiefe und Verlauf in Umfangsrichtung der Fadenabzugsdüse so ausgebildet ist, daß der Faden im wesentlichen über die gesamte Umlenkstrecke in Abzugsrichtung des Fadens und über einen Winkelbereich α der Fadenabzugsdüse von mindestens 10 Grad den Kontakt zur Fadenabzugsdüse verliert. Diese Fadenabzugsdüse bewirkt nicht nur eine steuerbare vollständige Unterbrechung der Falschdrahtbildung, sondern sogar eine Herausnahme des im Garnschenkel vorhandenen Falschdrahtes. Gleichzeitig mit dem Abfallen des Falschdrahtmomentes kollabiert die Fadenzugkraft des umlaufenden Garnschenkels auf annähernd Null. Die Herausnahme des Falschdrahtes in dem kurzen Zeitraum wirkt sich, wie Versuche gezeigt haben, überraschenderweise nicht nachteilig auf die Spinnstabilität aus.

Die in der Rotorrille angesammelten Fasern gehen in einer Zone vor dem Ablösepunkt aus der in der Faseransammlung ungedrehten Lage in eine gedrehte Lage über. Diese Übergangszone wird als Einbindezone bezeichnet. Passiert das Garn und damit die Einbindezone den Bereich der Fasereinspeisung in die Rotorrille und werden die Spinnfasern an dieser Stelle eingebunden, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Bildung von Umwindefasern. Die Einbindezone läßt sich mit einer erfindungsgemäßen Fadenabzugsdüse in einem solchen Ausmaß am Ort der Fasereinspeisung in die Rotorrille verkürzen, daß die Bildung von Umwindefasern beziehungsweise Bauchbinden wesentlich verringert werden kann. Die Kontaktunterbrechung führt zu einer kurzfristigen Veränderung beziehungsweise Herabsetzung der Drehung im Garnschenkel und zu einer Verschiebung des Kräftegleichgewichtes zwischen Garntorsions- und Widerstandsmoment in der Rotorrille, ohne die Spinnstabilität dabei nachteilig zu beeinflussen.

Mit dieser Offenend-Rotorspinnvorrichtung läßt sich auf einfache und reproduzierbare Weise eine beträchtliche gewünschte Veränderung der Struktur des Garnes und damit eine Erweiterung des Einsatzgebietes der so ersponnenen Rotorgarne erreichen.

Der Winkelbereich in Umfangsrichtung der Fadenabzugsdüse und damit der Zeitraum, in dem der Kontakt zwischen dem laufenden Faden und der Oberfläche der Fadenabzugsdüse im Umlenkbereich des Fadens unterbrochen ist und in dem kein weiterer Falschdraht erzeugt wird, liegt in der erfindungsgemäßen Ausbildung der Fadenabzugsdüse in ausreichender Größe vor, um einen wirkungsvollen Abbau der erhöhten Drehung im Garnschenkel zwischen der Rotorrille und der Fadenabzugsdüse zuzulassen. Da die Vorgänge in sehr kurzen Zeiträumen ablaufen, üben auch die Massenträgheit und die Elastizitätseigenschaften des Fadens beim Ablauf des Drehungsausgleiches und bei der Verkürzung der Einbindezone noch einen verzögernden Einfluß aus. Bei erfindungsgemäßer Ausführung der Fadenabzugsdüse wird während der Kontaktunterbrechung der Vorgang des Drehungsausgleiches und der Einbindezonenkürzung weder unterbrochen noch gestört.

Es sind Unteransprüche auf Ausbildungen der Vertiefung gerichtet, wobei Verbesserungen dadurch erzielt werden, daß ein vollständiges Ablösen des Fadens von der Oberfläche der Fadenabzugsdüse möglichst schnell, schlagartig sowie über einen längeren Zeitraum erfolgt und das Auftreffen des Fadens keine unerwünschten Störungen ausübt. Die eine abrupte Absetzung bildende Seitenfläche der Vertiefung und die Oberfläche der Fadenabzugsdüse bilden eine Kante, an der der Faden der Kontur der Oberfläche der Fadenabzugsdüse in seiner Bewegung nicht folgen kann und sich von der Oberfläche der Fadenabzugsdüse löst. Die Form der Kante kann derart ausgeführt sein, daß ein Hinterschnitt gebildet wird. Ein Anpassen des Verlaufes der Kante an die Krümmung der Garnseilkurve des Garnschenkels ermöglicht ein weitgehend gleichzeitiges Ablösen des Fadens von der Oberfläche und vermeidet so eine Verzögerung des Eintretens der völligen Kontaktunterbrechung. Mit der konstruktiven Ausführung der Vertiefung, zum Beispiel mit einer konvexen Ausbildung der Form der Seitenfläche, kann Einfluß auf die gewünschte Garnstruktur, die Garnkennwerte sowie den textilen Endartikel genommen werden.

Eine Fadenabzugsdüse, bei der die jeweils während des Spinnvorgangs fixierte Winkellage der Vertiefung, bezogen auf die Mündung des Faserleitkanals, veränderbar ist, läßt sich universell einsetzen und die Position der Vertiefung bei Partiewechsel den jeweiligen veränderten Spinnbedingungen anpassen.

Alternativ ist mit Fadenabzugsdüsen, die beim Einsetzen zwangsläufig eine vorbestimmte Lage einnehmen, ein Wechsel der Fadenabzugsdüse bei einer Anpassung an die jeweiligen Spinnbedingungen schnell, exakt und sicher durchführbar.

Eine Fadenabzugsdüse aus einem keramischen Werkstoff gewährleistet den Erhalt der Form, insbesondere der Kante, und damit das Beibehalten der gewünschten Wirkung über einen äußerst langen Zeitraum.

Garne, die mit erfindungsgemäßen Fadenabzugsdüsen ersponnen werden, weisen neben der signifikant verminderten Umwindefaseranzahl eine deutlich veränderte lockere Garnstruktur auf. Die übrigen Garnkennwerte dieser Garne ähneln denen von Garnen, die mit einer glatten Abzugsdüse ersponnen wurden. Einschränkungen in der Anwendung von Rotorgarnen gegenüber Ringgarnen, die ihre Ursache darin haben, daß übliche Rotorgarne härter im Griff sind, deutlich geringere Haarigkeit aufweisen, wird dadurch wirksam begegnet. Die lockere Garnstruktur eröffnet vielmehr den so ersponnenen Rotorgarnen neue Anwendungsgebiete, in denen vorzugsweise voluminöse und weiche Garne verarbeitet werden.

Weitere Einzelheiten der Erfindung werden anhand der Darstellung der Figuren erläutert.

Es zeigt:

Fig. 1 die vereinfachte Teilansicht einer Offenend- Rotorspinnvorrichtung mit einer Fadenabzugsdüse, teilweise im Schnitt,

Fig. 2 eine Prinzipdarstellung der Fadenbildung im OE- Spinnrotor,

Fig. 3 den OE-Spinnrotor und die Fadenabzugsdüse, entsprechend Ansicht A der Fig. 1 teilweise im Schnitt,

Fig. 4 die Fadenabzugsdüse entsprechend der Ansicht B der Fig. 1,

Fig. 5 die Fadenabzugsdüse der Fig. 4 im Schnitt C-C,

Fig. 6 die Fadenabzugsdüse entsprechend der Ansicht D der Fig. 4,

Fig. 7 die in Einzelheit E der Fig. 6 gezeigte Vertiefung im Schnitt,

Fig. 8-13 vereinfachte Darstellungen von weiteren Varianten der Vertiefung neben der in Fig. 7 gezeigten Ausbildung,

Fig. 14 eine schematische Darstellung einer der Krümmung des Garnschenkels angepaßten Kante der Vertiefung.

Der in Fig. 1 gezeigte Spinnrotor 1 weist eine Welle 2 auf. Seine Rotationsachse ist mit 3, die Rotorrille mit 4 und die Fasergleitfläche im Inneren des Spinnrotors 1 mit 5 bezeichnet. Die Rotorabdeckung 6 besitzt einen Faserleitkanal 7, dessen Mündung 8 auf die Fasergleitfläche 5 gerichtet ist. Die in der Rotorrille 4 gesammelten Fasern werden als Faden 9 durch die an der Rotorabdeckung 6 befestigte Fadenabzugsdüse 10 und das Fadenabzugsröhrchen 11 mittels einer Abzugsvorrichtung 12, die ein Abzugswalzenpaar 13, 14 aufweist, abgezogen.

Zur weiteren Erläuterung des Spinnprozesses zeigt die Fig. 2 eine Prinzipskizze der Offenend-Rotorspinnvorrichtung in perspektivischer Darstellung. Die vereinzelten Fasern 15 werden durch den Faserleitkanal 7 in das Innere des Spinnrotors 1 transportiert und treten an der Mündung 8 des Faserleitkanals 7 auf die Fasergleitfläche 5 des Spinnrotors 1 aus. Um den Weg der Fasern 15 besser zu veranschaulichen, sind Teile der Offenend-Rotorspinnvorrichtung in Fig. 2 durchsichtig dargestellt. Die Fasern 15 liegen weitgehend gestreckt an der Fasergleitfläche 5 an und wandern durch die Wirkung der Zentrifugalkraft bis in die Rotorrille 4, wo sie eine ringförmige Faseransammlung 16 bilden. Dem sich bildenden Faden 9 wird zwischen dem umlaufenden Spinnrotor 1, der als drehbare Fadenklemme wirkt, und dem Abzugswalzenpaar 13, 14, das als Klemmstelle wirkt, eine Drehung, ein sogenannter Echtdraht, erteilt. Der zwischen den Abzugswalzen 13, 14 geklemmte Faden 9 wird an der Fadenabzugsdüse 10 um cirka 90° umgelenkt. Das abgewinkelte Fadenstück, der sogenannte Garnschenkel 17, läuft durch die Rotation des Spinnrotors 1 in Drehrichtung 18 des Spinnrotors 1 um. Ziehen die Abzugswalzen 13, 14 den Faden 9, wie üblich, mit konstanter Geschwindigkeit aus dem Spinnrotor 1, stellt sich ein Zustand ein, bei dem dem Abschnitt des Fadens 9 zwischen den Abzugswalzen 13, 14 und dem Ablösepunkt 19 des Fadens 9 aus der Rotorrille 4 eine gleichbleibende Drehung erteilt wird. In der Einbindezone 20, die angrenzend an den Ablösepunkt 19 in der Rotorrille 4 liegt, gehen die Fasern 15 aus der ungedrehten Lage in der Faseransammlung 16 in eine gedrehte Lage über. Am Ablösepunkt 19, an dem der Faden 9 aus der Rotorrille 4 abgezogen wird, muß der Faden 9 so viel Festigkeit und damit so viel Drehung haben, daß er nicht zerreißt. Die Drehung am Ablösepunkt 19 kann durch Falschdraht, der durch das Abrollen des Garnschenkels 17 auf der Oberfläche der Fadenabzugsdüse 10 entsteht, erhöht werden.

Durch das Herausziehen des Fadens 9 aus dem Spinnrotor 1 wandert der Ablösepunkt 19 in gleicher Drehrichtung wie die Drehungsrichtung 18 des Spinnrotors 1. Die Länge der Einbindezone 20 hängt zum Beispiel davon ab, welche Garndrehung und welche Rotordrehzahl vorgegeben ist und wie hoch der Falschdraht ist.

Das Ausführungsbeispiel der Fig. 3 stellt einen Blick in Richtung des Rotorinneren dar. Als Spinnrotor 1 wird ein Rotor des Typs S 246 BD der Anmelderin bei einer Drehzahl von n = 63.000 eingesetzt. Der Faserrutschbereich β beträgt 65 Grad. Der Faserrutschbereich β ist der Winkelbereich zwischen dem Punkt der Fasereinspeisung 21 in den Spinnrotor und dem Punkt der Fasereinspeisung 22 in die Rotorrille 4. Im Ausführungsbeispiel werden Baumwollgarne mit einer Feinheit Tt Garn = 30 tex ersponnen. Weitere Spinnparameter sind:

Fasermaterial: 100% CO

Bandfeinheit: 3,42 ktex

Spinnunterdruck: 75 mbar

Verzug: 114.

Es ist eine Fadenabzugsdüse 10 eingesetzt, wie sie in den Fig. 4 bis 6 dargestellt ist. Die Fadenabzugsdüse 10 weist an ihrer dem Spinnrotor 1 zugewandten Oberfläche eine Vertiefung 24 auf, deren in Garnumlaufrichtung abrupt unter einem Winkel von 90° zur Oberfläche abfallende stufenförmige Seitenfläche 25 und eine flach ansteigende Seitenfläche 26 eine Vertiefung 24 bilden. Die Seitenfläche 26 steigt in Garnumlaufrichtung unter einem Winkel γ von 20,5 Grad an. Die Fadenabzugsdüse 10 weist ein Außengewinde 28 auf, durch das die Fadenabzugsdüse 10 drehbar in ein entsprechend aus Vereinfachungsgründen nicht dargestelltes Innengewinde der Rotorabdeckung 6 eingebracht wird. Der mit 29 bezeichnete Abstand a zwischen der Kante 30 und dem tiefsten Punkt 31 im Grund der Vertiefung 24 beträgt im Ausführungsbeispiel 1,5 mm.

Der durch den Garnleitkanal 32 der Fadenabzugsdüse 10 abgezogene Faden 9 läuft mit seinem Garnschenkel 17 in Drehrichtung 18 um und überquert dabei bei jeder Umdrehung die Kante 30. An der Kante 30 kann der Faden 9 in seiner in Fig. 7 strichpunktiert angedeuteten Bewegung der Kontur der Oberfläche der Fadenabzugsdüse 10 nicht folgen und verliert den Kontakt zur Oberfläche in einem Winkelbereich α von 25°. Der Faden 9 erhält am Auftreffpunkt 34 wieder Kontakt mit der Oberfläche der Fadenabzugsdüse 10. Während der Kontaktunterbrechung erfolgt eine vollständige Unterbrechung der Falschdrahtbildung im Abschnitt des Fadens 9 zwischen Ablösepunkt 19 und den Abzugswalzen 13, 14. Gleichzeitig kollabiert die Fadenzugkraft des umlaufenden Garnschenkels 17 auf annähernd Null. Es findet ein Drehungsausgleich innerhalb dieses Fadenabschnittes statt, durch den das im Ablösepunkt 19 aufgebrachte Drehmoment signifikant reduziert wird. Das geringere Drehmoment hat zur Folge, daß die Einbindezone 20 verkürzt wird.

Unter den für das Ausführungsbeispiel geltenden Spinnbedingungen hat sich gezeigt, daß die Einbindezone 20 am Ort der Fasereinspeisung 21 in die Rotorrille 4 dann auf ein Minimum reduziert wird, wenn die Lage der Kante 30, also der Beginn der Vertiefung 24, in Garnumlaufrichtung um einen Winkel δ von 65° gegen den Uhrzeigersinn zur Lage des Punktes der Fasereinspeisung 21 und damit zur Lage der Mündung 8 des Faserleitkanals 7 versetzt ist.

Die minimierte Einbindezone 20 tritt im Ausführungsbeispiel dann auf, wenn der umlaufende Garnschenkel 17 die Fasereinspeisung 22 passiert. Hierdurch wird die Bildung von Umwindefasern deutlich herabgesetzt; das Garn wird ringgarnähnlicher. In Verbindung mit den durch die Kontaktunterbrechung eingebrachten Fadenzugkraftschwingungen wird die Garnstruktur lockerer und die Herstellung von textilen Endartikeln mit weicherem Griff ermöglicht. Mit dem strichpunktierten Garnschenkel 17' wird angedeutet, daß außerhalb der Zone der Fasereinspeisung 22 in die Rotorrille 4 eine wesentlich längere Einbindezone 20' vorliegt. Durch die beschriebene Ausführung der Vertiefung 24 entsteht eine über den Umfang des Spinnrotors 1 in der Länge stark variierende Einbindezone 20, 20', die im Bereich der Fasereinbindung 22 in die Rotorrille 4 um ein vielfaches kürzer ist als die auf dem übrigen Umfang. Hierdurch wird einerseits die Umwindefaserbildung unterdrückt, und andererseits besteht eine hinreichend große Spinnstabilität.

Die Fig. 8 bis 13 zeigen in stark vereinfachter Darstellung verschiedene Varianten einer Vertiefung 24. Die Winkellage der Seitenflächen 25 und 26 kann dabei in den dargestellten alternativen Ausführungen variieren. Die Form der Seitenfläche 26 kann konvex ausgebildet sein. Die Kanten 30 der Stufe können gratig oder gratfrei, scharf gebrochen oder mit einem Radius gerundet sein. Der Grund der Vertiefung 24 kann durch einen Übergang gerundet oder kantig sein.

Die Fig. 14 zeigt eine Fadenabzugsdüse 10 mit einer stufenförmigen Kante 36, deren Verlauf an die Krümmung der Garnseilkurve des in Drehrichtung 18 umlaufenden Garnschenkels 17 angepaßt ist. Der Verlauf des Garnschenkels 17 zwischen dem Ablösepunkt 19 und dem Garnleitkanal 32 bildet sich im Spinnbetrieb abhängig von den Spinneinstellungen und vom Faserrohstoff aus. Durch den der Garnseilkurve des Garnschenkels 17 angepaßt ausgeführten Verlauf der Kante 36 verliert der Garnschenkel 17 schlagartig und gleichzeitig den Kontakt zur Oberfläche der Fadenabzugsdüse 10. Der Drehungsausgleich kann ohne Verzögerung und ungestört erfolgen.

Mit den erfindungsgemäßen Fadenabzugsdüsen 10 kann der Faden 9 zeitlich begrenzt und lokal vorherbestimmbar vollständig von der Oberfläche der Fadenabzugsdüse 10 gelüftet werden. Die Fadenabzugsdüse 10 ist so ausgebildet, daß die Vertiefung 24 bis in die Mündungsöffnung beziehungsweise dem Garnleitkanal 32 der Fadenabzugsdüse 10 hineinreicht. Die Falschdrahtbildung wird jeweils beim Überstreichen der Vertiefung 24 vollständig unterbrochen. Gleichzeitig wird der Drallstau an der Oberfläche der Fadenabzugsdüse 10 aufgehoben, und die Fadenzugkraft kollabiert auf Werte bis zu Fmin = 10 cN. Diese geänderten Spinnbedingungen führen zu einer kurzfristigen Abnahme der Drehungsverteilung im Garn, wodurch sich das Kräftegleichgewicht zwischen Garntorsions- und Widerstandsmoment in der Rotorrille verschiebt. Die durch das Kollabieren der Fadenzugkraft induzierten Fadenzugkraftschwingungen sind sehr kurz und hochfrequent und beeinflussen die Spinnstabilität nicht nachteilig.

Ist die Vertiefung 24 beziehungsweise der Bereich der Kontaktunterbrechung so positioniert, daß eine minimierte Einbindezone 20 dann erzeugt wird, wenn der Faden den Bereich der Fasereinspeisung 22 passiert, wird die Bildung von Bauchbinden signifikant unterdrückt, und die Garne weisen eine lockere Garnstruktur mit deutlich verminderter Umwindefaseranzahl auf. Die Garne weisen Garnwerte auf, die mit denen von Garnen, die mit einer glatten Fadenabzugsdüse ersponnen wurden, vergleichbar sind, können allerdings sehr viel haariger sein. Die offene Garnstruktur bei sonst ähnlichen Garnkennwerten ermöglicht für Rotorgarne neue Anwendungsbereiche, in denen vorzugsweise voluminöse und weiche Garne verarbeitet werden.


Anspruch[de]
  1. 1. Offenend-Rotorspinnvorrichtung mit einer Fadenabzugsdüse (10), durch die der Faden (9) aus seiner Einbindezone (20, 20') innerhalb des Spinnrotors (1) abgezogen und während des Umlaufs auf der Fadenabzugsdüse (10) unter zusätzlicher Ausbildung von Falschdraht schlupfbehaftet rollend umgelenkt wird, wobei die Fadenabzugsdüse (10) ein Mittel aufweist, das innerhalb einer sich über einen Teil ihres Umfanges erstreckenden Zone eine Reduzierung des Falschdrahtes bewirkt und wobei das Mittel und die Mündung (8) eines Faserleitkanals (7) zur Fasereinspeisung (21) in den Spinnrotor (1) so in Rotordrehrichtung (18) zueinander angeordnet sind, daß der Faden (9) beim Passieren des Bereiches der Fasereinspeisung (22) in die Rotorrille (4) durch die Beeinflussung des Falschdrahtes mit einer reduzierten Fadendrehung beaufschlagt ist, dadurch gekennzeichnet, daß das Mittel durch eine in Umlaufrichtung des Fadens (9) abrupt abgesetzte Vertiefung (24) gebildet ist, deren Tiefe und Verlauf in Umfangsrichtung der Fadenabzugsdüse (10) so ausgebildet ist, daß der Faden (9) im wesentlichen über die gesamte Umlenkstrecke in Abzugsrichtung des Fadens (9) und über einen Winkelbereich α von mindestens 10° den Kontakt zur Fadenabzugsdüse (10) verliert.
  2. 2. Offenend-Rotorspinnvorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Vertiefung (24) asymmetrisch ausgebildet ist, wobei die als erste vom Garnschenkel überstrichene Seitenfläche (25) der Vertiefung in Garnumlaufrichtung gesehen so steil abfällt, daß der Faden (9) der Kontur der Oberfläche der Fadenabzugsdüse (10) in seiner Bewegung nicht folgen kann und die in Garnumlaufrichtung folgende Seitenfläche (26) der Vertiefung (24) im Vergleich zur ersten Seitenfläche (25) deutlich flacher ansteigt.
  3. 3. Offenend-Rotorspinnvorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Vertiefung (24) als eine im wesentlichen radial verlaufende Stufe ausgebildet ist.
  4. 4. Offenend-Rotorspinnvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der Verlauf einer Kante (36), die von der eine abrupte Absetzung bildenden Seitenfläche (26) der Vertiefung (24) und der Oberfläche der Fadenabzugsdüse (10) gebildet ist, der Krümmung des umlaufenden Garnschenkels (17) angepaßt ist.
  5. 5. Offenend-Rotorspinnvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der Abstand a (29) zwischen der von der Seitenfläche (26) und der Oberfläche der Fadenabzugsdüse (10) gebildeten Kante (30, 36) und dem tiefsten Punkt (31) im Grund der Vertiefung (24) zwischen 1 mm und 3 mm beträgt.
  6. 6. Offenend-Rotorspinnvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Fadenabzugsdüse (10) nur eine einzige Vertiefung (24) aufweist.
  7. 7. Offenend-Rotorspinnvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die in Garnumlaufrichtung ansteigende Seitenfläche (26) der Vertiefung (24) konvex ausgebildet ist.
  8. 8. Offenend-Rotorspinnvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die jeweils während des Spinnvorgangs fixierte Winkellage der Vertiefung (24) bezogen auf die Mündung (8) des Faserleitkanals (7) veränderbar ist.
  9. 9. Offenend-Rotorspinnvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der Winkel α zwischen 15° und 25° beträgt.
  10. 10. Offenend-Rotorspinnvorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Fadenabzugsdüse (10) aus einem keramischen Werkstoff besteht.






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