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Dokumentenidentifikation DE19928414A1 05.07.2001
Titel Sammelsystem zur gleichzeitigen durchgängigen Getrennterfassung von Abfällen und Altprodukten
Anmelder Schäfer, Thilo, 72072 Tübingen, DE
Erfinder Schäfer, Thilo, 72072 Tübingen, DE
DE-Anmeldedatum 24.12.1999
DE-Aktenzeichen 19928414
Offenlegungstag 05.07.2001
Veröffentlichungstag im Patentblatt 05.07.2001
IPC-Hauptklasse B65F 1/00

Beschreibung[de]

Bisherige Abfall-Getrenntsammelsysteme bringen erhebliche Probleme für die angeschlossenen Haushalte und Betriebe (Abfallzwischenlagerung in Gebäuden und auf Grundstücken, Platzproblem, Hygiene, Brandgefahr aber auch ständig wechselnde Abholtermine im Abfallkalender, Fremd- und Fehlbenutzung von Müllgroßbehältern, keine verursachergerechte Abfallgebührenverteilung auf die Nutzer), für die Entsorgungsträger (hoher Verwaltungs- und Kostenaufwand für Behälter, Gebührenerhebung, Sammelterminierung, Öffentlichkeitsarbeit) für die beschäftigten Müllwerker (Hygiene, z. T. hohe Traglasten), für die Entsorgungsbetriebe (aufwendige, anfällige und teure Pressfahrzeuge, hoher Abfuhraufwand für jeweils abfallartenspezifische Abfuhren z. T. mit jeweils speziellen Fahrzeugen, hohe Kapitalkosten), für die Sortierbetriebe (mangelnde Sortenreinheit, Vermengung durch Verdichtung auf dem Sammelweg) und für die Verwertungsbetriebe (inputbedingte Qualitätsversluste des wiederzuverwertenden Materials). Letztlich ergeben sich aus den aufgeführten, teilweise verketteten Problemen auch ökonomische Probleme des Recyclings, die mit den bestehenden Sammeltechnologien nicht lösbar sind.

Die nachfolgend beschriebene Erfindung bezieht sich auf ein Getrenntsammelsystem für Abfälle und/oder Altprodukte, mit dem vom Anfallort an nach Stoffgruppen und/oder Produktgruppen durchgängig bis hin zur Wiederverwendung/Wiederverwertung eine Getrennthaltung erfolgt und mit dessen Hilfe gleichzeitig parallel die verschiedenen Abfälle, Altstoffe oder Altprodukte erfasst werden. Die Abfälle werden am Anfallort (im Betrieb, im Haushalt) stoff- und/oder produktgruppenspezifisch getrennt gesammelt und in Leichtbehältnissen wie Foliensäckchen mit abfallartenspezifischer Farbe und/oder in Bündeln (z. B. für Papier, Pappe, Karton) erfasst. In so gepackter Form werden sie zur Sammlung gleichzeitig bereitgestellt und per Sammelfahrzeug abgeholt und transportiert. Beim Entladen der Sammelfahrzeuge werden die Behältnisse nach Art und Farbe getrennt weiter in die jeweilige Verwertungslogistik bzw. -Verfahrenstechnik gegeben.

Neben der Bündelung kommen als Sammelbehälter reissfeste, verschließbare und recyclingfähige Kunststofffoliensäcke zum Einsatz. Größe, Volumen und Form der Säckchen sind so zu wählen, dass sie zu den in Haushalten und Betrieben üblichen Sammeleinbauten passen und das jeweils sammelbare Abfallvolumen so begrenzen, dass das Einzelgewicht nur eine kleine Traglast (i. d. R. unter 10 kg) abgibt. Das im Einzelfall verfügbare Sammelvolumen kann durch unterschiedliche Säckchengrößen und die eingesetzte Säckchenzahl flexibel und individuell gestaltet werden. Es wird für jede getrennt zu erfassende Abfallart jeweils eine bestimmte Säckchenfarbe verwendet. Die Farbfoliensäcke sind opak, so dass eine optische Kontrolle des Inhalts möglich ist. Die Säckchen selbst sind die Sammelbehälter. Feste Großbehälter, Containerstellplätze und Abfallzwischenlagerung können entfallen.

Die Abfallgebühren werden auf die Systemnutzer über die Anzahl und Größe der Säckchen mengenbezogen verursachergerecht verteilt.

Durch einen kurzen Abholturnus (z. B. ein- oder zweimal wöchentlich) ist keine Zwischenlagerung der Abfälle erforderlich, Platz-, Geruchs- und Hygieneprobleme entfallen dementsprechend.

Die bei herkömmlichen Sammelsystemen mechanisch und/oder hydraulisch vorgenommene Abfallverdichtung zum Zwecke des Transports geschieht beim hier vorgeschlagenen System bereits weitgehend beim Befüllen der Säckchen. Leichte und großvolumige Abfälle z. B. Verpackungsabfälle werden gestopft. Für Papier eignet sich dagegen das flache Bündel am besten, weil es die maximale Verdichtung mit sich bringt, optisch kontrollierbar ist und bei einem wöchentlichen Abholturnus für durchschnittliche Haushalte nur relativ kleine Gewichte anfallen.

Die verschiedenen Sammelfraktionen werden gemeinsam und gleichzeitig mit derselben Logistik erfasst. Zum Abholzeitpunkt werden die Säckchen zur Sammlung (z. B. an der Straße) einzeln, in Gruppen oder (z. B. aus Wohnanlagen oder Betrieben) in Stapel-Rollcontainern bereitgestellt. Dabei werden alle Säckchen, gleich welcher Farbe, gleichzeitig abgeholt. Die Abholung kann mit einem einfachen Transportfahrzeug (z. B. Pritschenfahrzeug mit Hebebühne) erfolgen. Es können auch spezielle Fahrzeuge mit ausfahrbaren Förderbändern und/oder Greifern eingesetzt werden. Die Sortierung der Säcke nach Farben wird entweder an einem Verteilpunkt oder an einer Sortieranlage vorgenommen oder sie beginnt bereits beim Beladen bzw. auf dem Abholfahrzeug. Dieses kann mit Stapel-Rollgitterboxen bestückt werden, in die die Säcke farblich getrennt von Hand eingestapelt werden. Es können aber auch am Fahrzeug angebrachte automatische (Roboter-)Greifarme eingesetzt werden, die die Säckchenfarbe und/oder weitere Identifikationsmerkmale erkennen und die aufgenommenen Pakete in einzelne Laderaumabschnitte sortieren. Diese Laderaumabschnitte können mit geeigneten, abfallspezifischen Verdichtungseinrichtungen ausgestattet sein, um die verfügbare Ladefläche anpassbar optimal zu nutzen.

Bei der Erfassung von Hand müssen die Säckchen z. B. vom Straßenrand aufgenommen und auf die Ladefläche des Sammelfahrzeugs gesetzt werden. Dort werden sie erneut aufgenommen und farbsortiert in die im Fahrzeug bereitstehenden jeweiligen Stapel-Rollgitterboxen gelegt. Eine Sammelvariante mit geringerem Arbeitseinsatz ist das Absetzen der Rollgitterboxen auf die Straße. Die Sammler müssen dann lediglich die Säckchen in die Gitterboxen setzen, die dann auf die Hebebühne geschoben werden. Eine noch weniger Arbeitsaufwand verursachende Variante wäre die morgendliche (diebstahlgesicherte) Bereitstellung von Rollgitterboxen an den Straßenecken. Die Abfallsäckchen müssten dann von den Nutzern selbst direkt in die Gitterboxen gelegt werden. Die Rollgitterboxen würden dann zur Abfuhrzeit per Hebebühnen-LkW abgeholt. Bei der letzteren Variante wäre die eventuelle Gefahr des Zerfledderns von Abfallsäckchen, die einzeln an den Straßenrand gestellt werden, nicht gegeben.

Eine Wahlmöglichkeit der Säckchengröße ermöglicht eine individuelle Anpassung an das tatsächliche wöchentliche Aufkommen der jeweiligen Abfälle am Ort ihrer Entstehung im Haushalt oder Betrieb. Die wöchentliche Abholung aller Abfallarten macht eine Zwischenlagerung der Abfälle in den Gebäuden oder auf den Grundstücken i. d. R. nicht mehr erforderlich. Schädlingsbefall, Geruchsbildungen, winterliches Einfrieren von Biotonnen und Platzprobleme entfallen.

Ein weiterer Vorteil des Abfallsäckchen-Sammelsystems liegt in der differenzierten Gebührenerhebung. Durch eine abfallarten- und mengenbezogene Gebührenkalkulation und die damit verbundene Preisgestaltung für die Abfallsäckchen kann die Abfallvermeidung und die Wertstoffverwertung gezielt gefördert werden. Damit wird nicht nur eine optimierte Getrennterfassung sondern auch eine verursachungsgerechte Gebührenzuteilung erzielt. Die Gebühren werden nicht als Unterposten einer Nebenkostenabrechnung abgebucht, sondern können nach Einführung eines solchen Säckchensystems direkt über den Verkauf der Säckchen erhoben werden. Die Grundgebühr (zur Deckung von Fixkosten) kann dadurch erhoben werden, dass mit dem Jahresgebührenbescheid eine entsprechende Anzahl von Abfallsäckchen zur Verfügung gestellt wird (Grundausstattung).

Selbstverständlich kann das Säckchensystem auch an das jeweils bestehende Wertstofferfassungssystem angepasst werden. Beispielsweise könnten Restmüll, Bioabfall, und Leichtverpackungen in Säckchen, parallel Altpapier in Bündeln und Altglas weiterhin über Depotcontainer erfasst werden.

Darüber hinaus sind Verfeinerungen und auch qualitative Erweiterungen möglich. Beispielsweise können außer den bisher üblichen Abfallfraktionen weitere Aufgliederungen in Einzelfraktionen vorgenommen werden (z. B. versch. Papiersorten) oder neben den Abfällen auch Produkte wie ausgebrauchte Elekro-Kleingeräte oder z. B. auch waschbare textile Windeln, eingesammelt werden. Letztere werden dann an die angeschlossene Windelwäscherei weitergegeben, die die Frischwindeln mit demselben Logistiksystem in umgekehrter Folge und ohne zusätzlichen Verkehrsaufwand verteilen lassen kann.

Für Gebrauchsprodukte zur Wiederverwendung oder Zerlegung (z. B. Elektrogeräte) ist durch diese Form der Getrennterfassung wie bei den Abfällen mit einem höheren Erfassungs- und Reinheitsgrad zu erwarten. In jedem Fall erhöht sich durch die Getrennterfassung und Getrennthaltung mit Hilfe dieses Systems die Qualität des Reyclings.

Bei der Säckchensammlung werden keine anderen Behältnisse außer den farbigen Systemsäckchen mitgenommen, die durch Kennzeichnung anzeigen, dass die Entsorgungsgebühren hierfür bezahlt sind. Deseiteren ist eine Ausstattung mit maschinenlesbaren Identifikationsmerkmalen (z. B. Strichcodes) möglich. Beim Einsammeln ist eine visuelle Kontrolle der verschlossenen Foliensäckchen auf Fehlbefüllungen hin möglich, sofern opakes Folienmaterial verwendet wird. Bei der Erfassung oder nach der gemeinsamen Sammlung der Säckchen erfolgt die Farbsortierung (nach Abfallarten) und anschließend die Weitergabe an die Verwerter bzw. beim Restmüll zur Behandlung. Nach Öffnung und Entleerung der Säckchen in den Verwertungsanlagen können diese als verwertbare (einfarbige) Kunststofffraktion erfasst und zu einem hochwertigen Recycling gegeben werden. Aus den gebrauchten Sammelsäckchen können somit erneut Sammelsäckchen gleicher Qualität hergestellt werden. Wenn für Bioabfall abbaubare Foliensäckchen verwendet werden, können diese mit kompostiert werden. Dadurch wird das Handling erheblich erleichtert und die Arbeitssicherheit auch hinsichtlich Gesundheitsaspekten erhöht.

Beim Einsatz des Säckchensystems entrichten die Gebührenzahler als Jahresgebühr zunächst nur eine Gebühr, die die Fixkosten der Abfallentsorgung abdeckt und erhalten hierfür eine Grundausstattung an Säckchen, deren Fassungsvermögen den durchschnittlichen Abfallvolumina des dadurch abgedeckten Zeitraums entspricht. Darüber hinaus benötigte Säckchen können z. B. in geeigneten und hierfür von der zuständigen Behörde autorisierten Ladengeschäften örtlich nachgekauft werden. Da die Säckchen besonders zu kennzeichnen sind, ist ein Missbrauch auszuschließen und ein Fehlgebrauch nicht naheliegend. Die Verteilung der Grundausstattung kann in Form einer haushaltsindividuellen persönlichen Übergabe stattfinden (was insbesondere zu Beginn des Modellprojekts nahe liegt) oder durch Postversand mit dem Gebührenbescheid.

Im Unterschied zu Festbehältersystemen ist das für die Abfallsammellogistik einzusetzende Kapital beim Säckchensystem sehr gering. Eine individuelle Anpassung des Abfallbehältervolumens an die tatsächlich im einzelnen Haushalt oder Betrieb anfallenden Abfallarten und Abfallmengen ist beim Säckchensystem weitestgehend möglich.

Die benutzten Kunststoffoliensäckchen sind selbst wieder recyclingfähig und werden (sofern es sich nicht - wie beim Bioabfall naheliegend - um biologisch abbaubare mitzukompostierende Säckchenfolien handelt) nach Entleerung als Abfall farbgetrennt erfasst und in der Verwertung zugeführt. Somit werden die eingesetzten Behältnisse im Stoffkreislauf geführt.


Anspruch[de]
  1. 1. Sammelsystem für Abfälle und Altprodukte, das durch seine Beschaffenheit und Hilfsmittel (farbunterschiedliche Foliensäckchen mit diversen Volumina und Bündel) gewährleistet, dass Abfälle und Altprodukte vom Anfallort an in jeweils individuellen Mengen zeitlich parallel, bei abfallartenspezifischer und mengenbezogen verursachergerechter Gebührenverteilung, weitestgehend getrennt erfasst und durchgängig über die händische oder maschinelle Verladung, Sortierung und Verdichtung bis zur Wiederverwendung bzw. Wiederverwertung getrennt gehalten werden.
  2. 2. Sammelsystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Hilfsmittel maschinenlesbare Identifikationsmerkmale tragen.
  3. 3. Sammelsystem nach Anspruch 1 oder 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Übernahme der Abfälle von den Systemnutzern bei der Erfassung mit Hilfe elektronisch gesteuerter mechanischer Erfassungsgeräte erfolgt.
  4. 4. Sammelsystem nach einem oder mehreren der vorgenannten Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass bei der Erfassung eine Verdichtung mit Hilfe elektronisch gesteuerter mechanischer abfallspezifischer Verdichtungsvorrichtungen auf dem Erfassungsfahrzeug erfolgt.






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