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Dokumentenidentifikation DE69613041T2 13.09.2001
EP-Veröffentlichungsnummer 0737478
Titel Verwendung von Erdalkalimetallsalzen zur Behandlung von okularem oder palpebralem Juckreiz und okularer oder palpebraler Dysästhesie
Anmelder L'Oréal S.A., Paris, FR
Erfinder de Lacharriere, Olivier, F-75015 Paris, FR;
Breton, Lionel, F-78000 Versailles, FR
Vertreter Beetz & Partner, 80538 München
DE-Aktenzeichen 69613041
Vertragsstaaten DE, ES, FR, GB, IT
Sprache des Dokument FR
EP-Anmeldetag 11.03.1996
EP-Aktenzeichen 964005029
EP-Offenlegungsdatum 16.10.1996
EP date of grant 30.05.2001
Veröffentlichungstag im Patentblatt 13.09.2001
IPC-Hauptklasse A61K 33/22
IPC-Nebenklasse A61K 33/14   A61K 33/06   A61K 33/00   A61K 31/19   

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung betrifft die Verwendung von Strontiumsalzen zur Herstellung von pharmazeutischen Zusammensetzungen zur Behandlung, insbesondere zur Behandlung auf topischem Wege, von okularem und/oder palpebralem Juckreiz und/oder okularer und/oder palpebraler Dysästhesie. Sie betrifft ferner die Verwendung von Strontiumsalzen in kosmetischen Zusammensetzungen, die zur Pflege oder zum Schminken der Augen oder der Lider vorgesehen sind, sowie ein Verfahren zum Schminken empfindlicher Augen.

Manche Patienten leiden im Bereich der Augen und Augenlider sehr häufig an Jucken oder Juckreiz und dysästhesischen Empfindungen, wobei die genaue Ursache nicht immer bekannt ist. Es kann sich auch um Juckreiz oder dysästhesische Empfindungen allergischen Ursprung handeln.

Unter dysästhesischen Empfindungen werden Empfindungen von Brennen oder Erwärmung, Prickeln, Kribbeln, unangenehmem Hautgefühl und Ziehen verstanden. Diese Empfindungen können auch mit Rötungen einhergehen.

Alle diese ophthalmischen Anzeichen können auch mit Rosacea oder gegebenenfalls Konjunktivitis verbunden sein.

Von den Faktoren, die die pruringinösen oder dysästhesischen ophthalmischen oder palpebralen Anfälle auslösen, können schnelle Temperaturänderungen, Wärme und insbesondere Einwirkung von UV- oder IR-Strahlung, relativ niedrige Luftfeuchte, Einwirkung von starkem Wind oder Luftströmungen (Gebläse, Klimaanlagen), Aufbringen von grenzflächenaktiven Stoffen (Haarwaschmittel), Einwirkung von toxischen oder reizenden Dämpfen (Lösemittel) oder Staub, reizende Tropfen oder reizende, örtlich wirkende, ophthaimologische Mittel, reizende, dermatologische oder kosmetische, örtlich wirkende palpebrale Mittel (α-Hydroxysäuren, Retinoide) oder die Verwendung von bestimmten Kosmetika genannt werden, auch wenn diese nicht als im hohen Maße reizend gelten. Weitere Faktoren, die pruringinöse oder dysästhesische ophthalmische oder palpebrale Anfälle auslösen, schließen Allergene ein, insbesondere Pollen, Tierhaar, Milben und Schimmelpilze.

Bis heute ist der pathologische Mechanismus dieser Anzeichen kaum bekannt und die okularen und/oder palpebralen Dysästhesien werden derzeit mit Corticoiden und auch lokalen Antiseptika in Form von ophthalmischen Cremes oder in Form von Tropfen behandelt.

Die Corticoide wirken relativ gut, um die oben beschriebenen Symptome zu dämpfen, sie lösen jedoch leider oftmals sehr nachteilige Nebenwirkungen aus, beispielsweise Atrophien. Außerdem sensibilisieren sie gegenüber Pilzinfektionen oder Bakterieninfektionen und die Kinetik ihrer Wirkung ist oftmals langsam (mehrere Minuten bis mehrere Stunden). Ihre regelmäßige Verwendung kann ferner zu einer Arzneimittelabhängigkeit führen. Auch wirken sie nicht unmittelbar und die dysästhesischen Empfindungen bestehen noch mehrere Minuten weiter.

Es besteht daher ein Bedarf für eine Behandlung von okularem und palpebralem Juckreiz und okularer und palpebraler Dysästhesie mit unmittelbarer Wirkung, die die oben aufgeführten Nachteile nicht aufweist.

Die Erfindung betrifft daher die Verwendung eines oder mehrerer Strontiumsalze zur Behandlung dieser Erkrankungen und insbesondere die Verwendung eines oder mehrerer Strontiumsalze, die gegebenenfalls mit mindestens einem Neuropeptid-Antagonisten und/oder mindestens einem Antagonisten eines Entzündungsmediators kombiniert sind.

Die Anmelderin hat festgestellt, daß die okularen und/oder palpebralen Dysästhesien mit der Stimulierung von Nervenfasern und der Ausschüttung von Neuropeptiden durch sensitive Nervenendigungen, wie beispielsweise Substanz P und CGRP (vom Calcitonin-Gen stammendes Peptid, Calcitonin Gene Related Peptide in angelsächsischer Terminologie), und Entzündungsmediatoren zusammenhängt, die nach der Fixierung bestimmter Neuropeptide (insbesondere Substanz P) an Mastzellen-Rezeptoren freigesetzt werden. Bei den Entzündungsmediatoren handelt es sich genauer um Histamin, Heparin, Serotonin, Interleukin 1 (IL 1), Interleukin 6 (IL 6), Interleukin 8 (IL 8) und Tumor Necrosis Factor-α (TNF-α). Ferner werden im Entzündungsprozeß neutrophile weiße Blutkörperchen durch bestimmte Neuropetide (insbesondere CGRP) angelockt.

Die heute wurde die Verwendung von Strontiumsalzen zur Behandlung von okularem und/oder palpebralem Juckreiz und/oder okularer und/oder palpebraler Dysästhesie noch nicht in Betracht gezogen.

Die vorliegende Erfindung betrifft die Verwendung mindestens eines Strontiumsalzes zur Herstellung einer pharmazeutischen oder dermatologischen Zusammensetzung zur Behandlung von okularem und/oder palpebralem Juckreiz und/oder okularer und/oder palpebraler Dysästhesie.

Die Erfindung betrifft ferner eine kosmetische, pharmazeutische oder dermatologische Zusammensetzung für empfindliche Augen, die in einem kosmetisch, pharmazeutisch oder dermatologisch akzeptablen Medium mindestens ein Strontiumsalz und mindestens einen Neuropeptid-Antagonisten und/oder mindestens einen Antagonisten eines Entzündungsmediators enthält.

Durch das Auftragen von Zusammensetzungen, die ein oder mehrere Salze eines oder mehrerer Erdalkalimetalle insbesondere in Kombination mit einem oder mehreren Neuropeptid-Antagonisten und/oder Antagonisten von Entzündungsmediatoren enthält, auf die Augen oder die Augenlider kann eine deutliche Verminderung und sogar ein vollständiges Verschwinden der okularen dysästhesischen Empfindungen und des Juckreizes erzielt werden; es wird sehr schnell und in jedem Fall wesentlich schneller als mit Corticoiden eine schmerzstillende und beruhigende, präventive und kurative Wirkung auf die Augen und Augenlider festgestellt. Außerdem tritt keine Arzneimittelabhängigkeit auf.

Durch die Erdalkalimetallsalze ist es auch möglich, kosmetische Zusammensetzungen für empfindliche Augen zu konzipieren, insbesondere Lotionen zum Abschminken oder zur Reinigung der Augen und Produkte zum Schminken für empfindliche Augen und insbesondere Lidschatten, Mascara, Konturenstifte oder Eyeliner für empfindliche Augen.

Die Erfindung betrifft auch die Verwendung mindestens eines Strontiumsalzes in einer kosmetischen Zusammensetzung für empfindliche Augen, die ein kosmetisch akzeptables Medium enthält.

Ein weiterer Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zum Schminken empfindlicher Augen und ein Verfahren zur Behandlung empfindlicher Augen, das darin besteht, auf die Lider, Wimpern oder unter empfindliche Augen eine Zusammensetzung aufzutragen, die mindestens ein Strontiumsalz in einem kosmetisch oder pharmazeutisch akzeptablen Medium enthält.

Die erfindungsgemäße Zusammensetzung enthält ein kosmetisch, pharmazeutisch oder dermatologisch akzeptables Medium, d. h. ein Medium, das mit der Haut und den Augen kompatibel ist. Die Zusammensetzung, die das oder die Erdalkalimetallsalze enthält, wird insbesondere auf topischem Wege angewandt.

Von den erfindungsgemäß verwendbaren Erdalkalimetallsalzen können die Salze von Barium, Calcium, Magnesium, Strontium und/oder Beryllium genannt werden. Bei den Salzen kann es sich beispielsweise um Carbonate, Bicarbonate, Sulfate, Glycerophosphate, Borate, Chloride, Nitrate, Acetate, Hydroxide und Persulfate sowie Salze von α- Hydroxysäuren (Citrate, Tartrate, Lactate, Malate) oder Fruchtsäuren, Salze von Aminosäuren (Aspartat, Arginat, Glykocholat, Fumarat) oder Salze von Fettsäuren (Palmitat, Oleat, Caseinat, Behenat) handeln. Das Salz ist beispielsweise unter Calciumnitrat, Magnesiumnitrat, Calciumborat, Magnesiumborat, Calciumchlorid, Magnesiumchlorid, Calciumsulfat, Magnesiumsulfat, Calciumacetat oder Magnesiumacetat ausgewählt. Vorteilhaft handelt es sich bei dem Salz um ein Magnesiumsalz oder besser noch um ein Strontiumsalz und insbesondere ein Chlorid oder Nitrat.

Die Anmelderin hat in überraschender Weise festgestellt, daß die Eignung der Erdalkalimetallsalze zur Behandlung von empfindlichen Augen insbesondere davon herrührt, daß diese Salze Inhibitoren bezüglich der Freisetzung von TNF-α und sogar Inhibitoren bezüglich der Freisetzung von Neuropeptiden, wie CGRP und Substanz P, sind.

Die Erdalkalimetallsalze werden in den erfindungsgemäßen Zusammensetzungen vorzugsweise in einem Mengenanteil von 0,01 bis 20% des Gesamtgewichts der Zusammensetzung, insbesondere von 0,1 bis 15% des Gesamtgewichts der Zusammensetzung und besser noch von 0,5 bis 8% verwendet.

Die erfindungsgemäßen Zusammensetzungen können in beliebigen, üblicherweise für eine topische Anwendung eingesetzten galenischen Formen vorliegen; die Zusammensetzung kann insbesondere in Form von wäßrigen, wäßrig-alkoholischen oder öligen Lösungen, Dispersionen vom Typ Lotion oder Serum, Emulsionen von flüssiger oder halbflüssiger Konsistenz vom Typ Milch, die durch Dispergieren einer Fettphase in einer wäßrigen Phase (O/W) oder umgekehrt (W/O) hergestellt werden, Suspensionen oder Emulsionen weicher, halbfester oder fester Konsistenz vom Typ einer wäßrigen oder wasserfreien Creme oder eines wäßrigen oder wasserfreien Gels oder auch in Form von Mikroemulsionen, Mikrokapseln, Mikropartikeln oder Vesikeldispersionen vom ionischen und/oder nichtionischen Typ oder gepreßten oder gegossenen Pulvern vorliegen. Die Zusammensetzungen werden nach herkömmlichen Verfahren hergestellt. Sie sind im wesentlichen für eine topische Anwendung vorgesehen.

Für eine topische Anwendung mit therapeutischer Zielsetzung liegen die Zusammensetzungen insbesondere als Gel, Creme oder Salbe zur Behandlung von palpebralem Juckreiz und/oder palpebraler Dysästhesie und in Form von Augentropfen oder Augenspüllösungen zur Behandlung von okularem Juckreiz und/oder okularer Dysästhesie vor.

Für eine kosmetische Anwendung können die Zusammensetzungen insbesondere Cremes zur Pflege oder zum Schutz von empfindlichen Augen, Milche oder Lotionen zum Reinigen oder Abschminken der Augen und Produkte zum Schminken der Augen und insbesondere empfindlicher Augen, wie Konturenstifte, Mascara, Eyeliner und Lidschatten, darstellen.

Die Mengenanteile der verschiedenen Bestandteile der Zusammensetzungen sind so, wie sie herkömmlich auf den jeweiligen Gebieten eingesetzt werden.

Wenn die Zusammensetzung eine Emulsion ist, kann der Anteil der Fettphase im Bereich von 5 bis 80 Gew.-% und vorzugsweise von 5% bis 50 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der Zusammensetzung, liegen. Die Öle, Emulgatoren und Coemulgatoren, die in der als Emulsion vorliegenden Zusammensetzung verwendet werden, sind unter den herkömmlich in der Kosmetik und Dermatologie verwendeten Verbindungen ausgewählt. Der Emulgator und der Coemulgator liegen in der Zusammensetzung in einem Mengenanteil von 0,3% bis 30 Gew.-% und vorzugsweise von 0,5 bis 20 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der Zusammensetzung, vor. Die Emulsion kann ferner Lipidvesikel enthalten.

Wenn die erfindungsgemäße Zusammensetzung eine ölige Lösung oder ein öliges Gel ist, kann die Fettphase mehr als 90% des Gesamtgewichts der Zusammensetzung ausmachen.

Die erfindungsgemäße Zusammensetzung kann selbstverständlich auch Zusatzstoffe enthalten, die auf den jeweiligen Gebieten üblich sind, wie beispielsweise hydrophile oder lipophile Gelbildner, hydrophile oder lipophile Wirkstoffe, Konservierungsmittel, Antioxidantien, Lösungsmittel, Parfums, Füllstoffe, Filter zum Lichtschutz, Geruchsabsorber, Pigmente und Färbemittel. Die Mengenanteile der verschiedenen Zusatzstoffe sind so, wie sie herkömmlich auf den jeweiligen Gebieten verwendet werden, beispielsweise 0,01 bis 20% des Gesamtgewichts der Zusammensetzung. Die Zusatzstoffe können entsprechend ihrer Art in die Fettphase, die wäßrige Phase und/oder die Lipidkügelchen gegeben werden.

Von den erfindungsgemäß verwendbaren Ölen können Mineralöle (Vaselineöl), pflanzliche Öle (flüssige Fraktion von Sheabutter, Sonnenblumenöl), tierische Öle (Perhydrosqualen), synthetische Öle (Purcellinöl), Siliconöle (Cyclomethicon) und fluorierte Öle (Perfluorpolyether) genannt werden. Es können auch Fettalkohole, Fettsäuren (Stearinsäure) oder Wachse (Paraffin, Carnaubawachs oder Bienenwachs) verwendet werden. Von den erfindungsgemäß verwendbaren Emulgatoren können beispielsweise Glycerinstearat, Polysorbat 60 oder 80 und das Gemisch von PEG-6/PEG-32/Glykolstearat genannt werden, das unter der Bezeichnung Tefose 63 von der Firma Gattefosse im Handel ist.

Von den hydrophilen Gelbildnern können die Carboxyvinylpolymere (Carbomer), Acrylcopolymere, wie die Copolymere von Acrylaten und Alkylacrylaten, die Polyacrylamide, Polysaccharide, wie Hydroxypropylcellulose, natürliche Gummen und Tone genannt werden; als lipophile Gelbildner können die modifizierten Tone, wie die Bentone, Metallsalze von Fettsäuren, wie Aluminiumstearat, hydrophobe Kieselsäure, Polyethylene und Ethylcellulose genannt werden.

Von den hydrophilen Wirkstoffen können die Proteine oder Proteinhydrolysate, Aminosäuren, Polyole, Harnstoff, Allantoin, Zucker und Zuckerderivate, wasserlösliche Vitamine, Stärke, Bakterienextrakte oder Pflanzenextrakte und insbesondere Extrakte von Aloe Vera genannt werden.

Von den lipophilen Wirkstoffen können Tocopherol (Vitamin E) und seine Derivate, Retinol (Vitamin A) und seine Derivate, die essentiellen Fettsäuren, Ceramide und etherische Öle verwendet werden.

Es ist erfindungsgemäß ferner möglich, mit den Erdalkalimetallsalzen auch weitere Wirkstoffen zu kombinieren, insbesondere Vernarbungsmittel (z. B. Vitamin B12), antiseptische Mittel (z. B. Borsäure), antiallergische Mittel (z. B. Natriumchromglycat), antivirale Mittel (z. B. Aciclovir), anästhesierende Mittel (z. B. Lidocain-Hydrochlorid und seine Derivate), nicht steroidale entzündungshemmende Mittel (z. B. Indometacin), Neuropeptid- Antagonisten (Antagonisten der Substanz P, CGRP-Antagonisten) und Antagonisten von Histamin, Interleukin (insbesondere IL 1) oder TNF-α (Tumor Necrosis Factor-α) sowie Corticoide in einer geringen Menge, wobei diese verschiedenen Mittel von Erdalkalimetallsalzen verschieden sind.

Die Anmelderin definiert einen Neuropeptid-Antagonisten als beliebiges Molekül organischen oder anorganischen Ursprungs, das befähigt ist, eine Inhibierung der Bindung des Neuropeptids an den Rezeptor oder eine Inhibierung der Synthese und/oder der Freisetzung des Neuropeptids durch die sensitiven Nervenfasern hervorzurufen. Ebenso definiert die Anmelderin einen Antagonisten eines Entzündungsmediators als beliebiges Molekül organischen oder anorganischen Ursprungs, das befähigt ist, eine Inhibierung der Bindung des Entzündungsmediators an den Rezeptor oder eine Inhibierung der Synthese und/oder der Freisetzung des Mediators durch die sensitiven Nervenfasern hervorzurufen.

Es handelt sich bei den Neuropeptid-Antagonisten vorteilhaft um Rezeptor-Antagonisten. Der Neuropeptid-Antagonist oder die Neuropeptid-Antagonisten sind vorzugsweise unter den Antagonisten der Substanz P und den CGRP-Antagonisten und insbesondere Rezeptorantagonisten ausgewählt.

Es kann erfindungsgemäß beispielsweise CGRP 8-37, ein anti-CGRP-Antikörper als CGRP-Antagonist verwendet werden.

Die Neuropeptid-Antagonisten und die Antagonisten von Entzündungsmediatoren können beispielsweise in einem Mengenanteil von 0,000001 bis 10% des Gesamtgewichts der Zusammensetzung und besser noch von 0,0001 bis 5% verwendet werden.

Von den erfindungsgemäß verwendbaren Antagonisten von Entzündungsmediatoren können die Diethylendiaminderivate, wie Cinnarizin und Cyclizin, die Aminopropanderivate (Dexchlorpheniramin, Tripolidin), Phenothiazinderivate (Alimnemazin, Promethazin), Auranofin, Lisophylin, A802715, Sulfasalazin, Cetirizin HCl, Loratidine, Esbatine und Setastine HCl genannt werden.

Es wurden Versuche durchgeführt, die die Aktivität verschiedener Strontiumsalze als Antagonisten der Substanz P im Bezug auf Spantide II, das als Substanz P-Antagonist bekannt ist, und im Vergleich mit einem anderen Erdalkalimetallsalz, Calciumnitrat, zeigen.

Der Versuch besteht darin, die Aktivität verschiedener Verbindungen bezüglich der Freisetzung der Substanz P zu bestimmen, die durch antidrome Stimulierung des Ischiasnerv hervorgerufen wird. Die Freisetzung wird durch Anfärben mit einem Farbstoff (Evans Blau) sichtbar gemacht. Je stärker die Färbung ist, desto höher ist die freigesetzte Menge an Substanz P, d. h. anders ausgedrückt, je größer die inhibierende Wirkung des Substanz P-Antagonisten ist, desto schwächer ist die Färbung.

Die Ergebnisse sind in der nachfolgenden Tabelle zusammengefasst:

Tabelle 1

Es geht aus der Tabelle hervor, daß die Strontiumsalze eine hohe Aktivität bezüglich der Inhibierung der Freisetzung der Substanz P aufweisen, wohingegen das Calciumsalz bei gleicher Konzentration überhaupt keine Aktivität zeigt.

Tabelle 2

Es geht aus der Tabelle hervor, daß die Strontiumsalze die Freisetzung der Substanz P mit hoher Aktivität inhibieren, wohingegen das Calciumsalz auch bei wesentlich höherer Konzentration überhaupt keine Aktivität zeigt.

Durch den folgenden Versuch kann gezeigt werden, daß die Erdalkalimetallsalze und insbesondere Magnesiumchlorid, Strontiumchlorid oder Calciumchlorid sowie Strontiumnitrat TNF-α-Inhibitoren sind.

Der Versuch wird an menschlichen Monocyten (Linie U937) durchgeführt, die mit einem Phorbolester (PMA) nach dem Verfahren stimuliert werden, das von Schindler et al. beschrieben wurde (Correlations and interactions in the production of interleukin-6 (IL-6), IL-1 an Tumor Necrosis Factor (TNF) in human blood mononuclear cells: IL-6 supresses IL-1 and TNF; Bood 75 (1990) 40-47).

Der Phorbolester stimuliert die Synthese und/oder Absonderung von TNF-α durch menschliche Monocyten in Kultur auf natürliche Weise.

Die Aktivität der Moleküle wird als Funktion ihrer Fähigkeit bestimmt, die Absonderung von TNF-α zu vermindern oder sogar zu unterdrücken.

Die Zellen (Monocyten) werden 48 h bei 37ºC in Gegenwart von PMA bei einer Konzentration von 10 nM inkubiert. Die abgesonderte Menge des TNF-α wird quantitativ durch immuno-enzymatische Bestimmung (ECA) unter Verwendung von im Handel erhältlichen Kits ermittelt.

Jedes Molekül wird bei 3 verschiedenen Konzentrationen (10-S. 10~ und 10&supmin;³ M) getestet, wobei bei jedem Experiment auch ein Referenzmolekül (Dexamethason) bei 7 Konzentrationen als interner Standard getestet wird.

Die Ergebnisse werden als Prozentsatz der Inhibierung im Vergleich mit einer Blindprobe (ohne zu testendes Molekül) nach Subtraktion des Untergrunds angegeben. Die Tabelle gibt die mittlere inhibitorische Wirkung an, die mit den Molekülen erzielt wurde (die Ergebnisse sind als % Inhibierung ausgedrückt; es handelt sich um den Mittelwert aus 3 Messungen).

Der Wert IG50 (50%ige Verminderung der Absonderung, die durch PMA hervorgerufen wird) wird für das Referenzmolekül aus der kompetitiven Kurve nach einem nicht linearen Regressionsmodell berechnet.

Tabelle

Es wird festgestellt, daß die Inhibierung von TNF-α mit der Salzkonzentration steigt.

Die folgenden Beispiele erläutern die Erfindung. In den Beispielen sind die Mengenanteile in Gewichtsprozent angegeben.

Beispiel 1: Augentropfen

Strontiumchlorid 3%

Grundmasse: ad 100%

Natriumchlorid

Natriumborat

Polysorbat 60

Borsäure

Wasser

Beispiel 2: Salbe

Magnesiumnitrat 5%

Grundmasse: ad 100%

Benzalkoniumchlorid

Natriumedetat

D-Mannit

Carbomer

Natriumhydroxid

Wasser

Beispiel 3: Lösung

Calciumborat 2%

Grundmasse:

Borsäure 5%

Natriumchlorid 0,3%

Phenylmercuriborat 0,5%

Wasser ad 100%

Beispiele 4 und 5: Salben

Diese Beispiele unterscheiden sich von Beispiel 2 durch den Zusatz von 0,1% Sendide bzw. Loratidine.

Beispiel 6:

Dieses Beispiel unterscheidet sich von Beispiel 1 durch die Verwendung von 5% Strontiumnitrat.


Anspruch[de]

1. Verwendung mindestens eines Strontiumsalzes zur Herstellung einer pharmazeutischen oder dermatologischen Zusammensetzung zur Behandlung von okularem oder palpebralen Juckreiz und/oder okularer oder palpebraler Dysästhesie.

2. Verwendung mindestens eines Strontiumsalzes in einer kosmetischen Zusammensetzung, die ein kosmetisch akzeptables Medium enthält und für empfindliche Augen vorgesehen ist.

3. Verwendung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Strontiumsalz unter den Chloriden, Carbonaten, Boraten, Nitraten, Acetaten, Hydroxiden, Sulfaten, Fruchtsäuresalzen und Aminosäuresalzen von Strontium ausgewählt ist.

4. Verwendung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das Salz unter Strontiumchlorid und Strontiumnitrat ausgewählt ist.

5. Verwendung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das Stroritiumsalz in einem Mengenanteil von 0,01 bis 20 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der Zusammensetzung, verwendet wird.

6. Verwendung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das Strontiumsalz in einem Mengenanteil von 0,5 bis 8 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der Zusammensetzung, verwendet wird.

7. Verwendung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Zusammensetzung ferner einen Wirkstoff enthält, der unter den Proteinen oder Proteinhydrolysaten, Aminosäuren, Polyolen, Harnstoff, Zuckern und Zuckerderivaten, Vitaminen, Stärke, Pflanzenextrakten, Ceramiden, etherischen Ölen und Sonnenschutzfiltern ausgewählt ist.

8. Verwendung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Zusammensetzung ferner mindestens ein Mittel enthält, das unter den Vernarbungsmitteln, antiseptischen Mitteln, antiallergischen Mitteln, anästhesierenden Mitteln, antiviralen Mitteln, nicht steroidalen entzündungshemmenden Mitteln, Neuropeptid-Antagonisten und Antagonisten von Entzündungsmediatoren, die von dem Salz verschieden sind, ausgewählt ist.

9. Verwendung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Zusammensetzung ferner mindestens ein Mittel enthält, das unter den Substanz P-Antagonisten und den CGRP-Antagonisten ausgewählt ist.

10. Verwendung nach Anspruch 8 oder 9, dadurch gekennzeichnet, daß der Neuropeptid-Antagonist ein Rezeptor-Antagonist ist.

11. Verwendung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Zusammensetzung in einer zur topischen Anwendung geeigneten Form vorliegt.

12. Verwendung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Zusammensetzung eine wässrige, ölige oder wässrig-alkoholische Lösung, Wasser-in-Öl-Emulsion, Öl-in-Wasser-Emulsion, Mikroemulsion, ein wässriges Gel, wasserfreies Gel, Serum, eine Vesikeldispersion, Mikrokapseldispersion, Mikropartikeldispersion oder ein gepreßtes oder gegossenes Pulver ist.

13. Verwendung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Zusammensetzung in Form eines Gels, einer Creme oder einer Salbe zur Behandlung von palpebralem Juckreiz und/oder palpebralen Dysästhesien vorliegt.

14. Verwendung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Zusammensetzung in Form von Augentropfen zur Behandlung von okularem Juckreiz und/oder okularen Dysästhesien vorliegt.

15. Verwendung nach einem der Ansprüche 1 bis 13, dadurch gekennzeichnet, daß die Zusammensetzung eine Milch oder Lotion zur Reinigung oder zum Abschminken von empfindlichen Augen oder ein Schminkprodukt für empfindliche Augen, beispielsweise ein Konturenstift, Mascara, Eyeliner oder Lidschatten, ist.

16. Verfahren zum Schminken empfindlicher Augen, das darin besteht, bei Personen mit empfindlichen Augen auf die Lider, die Wimpern oder unter die Augen eine kosmetische Zusammensetzung aufzubringen, die in einem kosmetisch akzeptablen Medium ein Strontiumsalz enthält.

17. Kosmetische, pharmazeutische oder dermatologische Zusammensetzung für empfindliche Augen, die in einem kosmetisch, pharmazeutisch oder dermatologisch akzeptablen Medium mindestens ein Strontiumsalz und mindestens einen Neuropepfid-Antagonisten und/oder mindestens einen Antagonisten eines Entzündungsmediators enthält.

18. Zusammensetzung nach Anspruch 17, dadurch gekennzeichnet, daß das StTontiumsalz unter den Chloriden, Carbonaten, Boraten, Nitraten, Acetaten, Hydroxiden, Sulfaten, Fruchtsäuresalzen und Aminosäuresalzen ausgewählt ist.

19. Zusammensetzung nach einem der Ansprüche 17 oder 18, dadurch gekennzeichnet, daß das Salz das Strontiumchlorid und Strontiumnitrat ist.

20. Zusammensetzung nach einem der Ansprüche 17 bis 19, dadurch gekennzeichnet, daß das Strontiumsalz in einem Mengenanteil von 0,01 bis 20 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der Zusammensetzung, verwendet wird.

21. Zusammensetzung nach einem der Ansprüche 17 bis 20, dadurch gekennzeichnet, daß das Strontiumsalz in einem Mengenanteil von 0,5 bis 8 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der Zusammensetzung, verwendet wird.

22. Zusammensetzung nach einem der Ansprüche 17 bis 21, dadurch gekennzeichnet, daß die Zusammensetzung ferner einen Wirkstoff enthält, der unter den Proteinen oder Proteinhydrolysaten, Aminosäuren, Polyolen, Harnstoff, Zuckern und Zuckerderivaten, Vitaminen, Stärke, Pflanzenextrakten, Ceramiden, etherischen Ölen und Sonnenschutzfiltern ausgewählt ist.

23. Zusammensetzung nach einem der Ansprüche 17 bis 22, dadurch gekennzeichnet, daß die Zusammensetzung ferner mindestens ein Mittel enthält, das unter den Vernarbungsmitteln, antiseptischen Mitteln, antiallergischen Mitteln, anästhesierenden Mitteln, antiviralen Mitteln und nicht steroidalen entzündungshemmenden Mitteln ausgewählt ist.

24. Zusammensetzung nach einem der Ansprüche 17 bis 23, dadurch gekennzeichnet, daß der Neuropeptid-Antagonist unter den Substanz P-Antagonisten und den CGRP- Antagonisten ausgewählt ist.

25. Zusammensetzung nach einem der Ansprüche 17 bis 24, dadurch gekennzeichnet, daß der Neuropeptid-Antagonist ein Rezeptor-Antagonist ist.

26. Zusammensetzung nach einem der Ansprüche 17 bis 25, dadurch gekennzeichnet, daß die Zusammensetzung in einer für eine topische Anwendung, zum Injizieren oder Einnehmen geeigneten Form vorliegt.

27. Zusammensetzung nach einem der Ansprüche 17 bis 26, dadurch gekennzeichnet, daß die Zusammensetzung eine wäßrige, ölige oder wässrig-alkoholische Lösung, Wasser-in-Öl-Emulsion, Öl-in-Wasser-Emulsion, Mikroemulsion, ein wässriges Gel, wasserfreies Gel, Serum, eine Vesikeldispersion, Mikrokapseldispersion, Mikropartikeldispersion oder ein verpresstes oder gegossenes Pulver ist.

28. Zusammensetzung nach einem der Ansprüche 17 bis 27, dadurch gekennzeichnet, daß sie in einer zur topischen Anwendung geeigneten Form vorliegt.

29. Zusammensetzung nach einem der Ansprüche 17 bis 28, dadurch gekennzeichnet, daß sie als Milch oder Lotion zur Reinigung oder zum Abschminken von empfindlichen Augen oder Schminkprodukt für empfindliche Augen, beispielsweise Konturenstift, Mascara, Eyeliner oder Lidschatten, vorliegt.







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