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Dokumentenidentifikation DE10021774A1 20.12.2001
Titel Darstellung von Blindenschrift ohne Prägewerkzeug/Gravur
Anmelder Koch, Thorsten, 60488 Frankfurt, DE
Erfinder Koch, Thorsten, 60488 Frankfurt, DE
Vertreter Hoffmann, P., Dipl.-Chem., Pat.-Anw., 65203 Wiesbaden
DE-Anmeldedatum 04.05.2000
DE-Aktenzeichen 10021774
Offenlegungstag 20.12.2001
Veröffentlichungstag im Patentblatt 20.12.2001
IPC-Hauptklasse B41M 3/16
Zusammenfassung Die Erfindung betrifft ein neuartiges Verfahren zum Darstellen von Blindenschrift ohne Gravuren im Druckträger. Dabei wird in einer Druckmaschine zunächst auf einem Druckträger ein Druckbild erzeugt. Dann wird auf das druckfrische Druckbild ein blähfähiges Granulat aufgebracht, das nur an den druckfrischen Stellen haftet. Danach wird nicht haftendes Granulat von dem Druckträger entfernt und dann wird in einem letzten Arbeitsgang das blähfähige Granulat durch Wärmebehandlung bei Temperaturen im Bereich von 60 bis 200°C aufgebläht. Die Erfindung betrifft auch ein Druckerzeugnis, hergestellt nach dem Verfahren, das ein beliebiges Erscheinungsbild aufweist und vorzugsweise beidseitig bedruckt ist.

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung betrifft ein neuartiges Verfahren zum Darstellen von Blindenschrift, sog. Brailschrift, das ohne die bisher üblichen Gravuren im Papier auskommt. Die Erfindung betrifft auch ein nach dem neuartigen Verfahren hergestelltes Druckerzeugnis.

Bei der Darstellung von Blindenschrift, die in der Fachwelt auch unter der Bezeichnung 'Brailschrift' bekannt ist, war man bisher auf die Verwendung ganz spezieller Schreib-, bzw. Druckmaschinen angewiesen. Diese Maschinen erzeugen Gravuren und/oder Ätzungen im Druckträger (Papier) im Hochdruckverfahren, die von blinden oder stark sehbehinderten Personen mit den Fingern ertastet und so vom Inhalt her entschlüsselt werden können.

Der Nachteil an dem bekannten Verfahren ist aber darin zu sehen, dass die Herstellung der Gravuren zeitlich aufwändig ist, dass die Gravuren eine bestimmte Mindestgröße besitzen müssen, wodurch die Darstellung des Textes relativ zu seinem Inhalt ein großes Papiervolumen benötigt, und dass Korrekturen kaum möglich sind, weil die mechanischen Eigenschaften des Druckträgers (Papier) das nicht oder nur sehr eingeschränkt zulassen.

Es bestand daher für die vorliegende Erfindung die Aufgabe, ein neuartiges Druckverfahren zu entwickeln, das prinzipiell ohne die üblichen Gravuren im Druckträger (Papier) auskommt, das mit hohen Geschwindigkeiten durchführbar ist, das von der Größe der darzustellenden Symbole her flexibel ist, das Korrekturen im Text ggf. noch während des Druckens zulässt und das trotzdem ein Druckerzeugnis liefert, das von blinden oder stark sehbehinderten Personen vom Inhalt her noch einwandfrei mit den Fingern ertastet und entschlüsselt werden kann.

Gelöst wird diese Aufgabe erfindungsgemäß durch ein Verfahren der eingangs genannten Gattung, dessen Kennzeichenmerkmale darin zu sehen sind, dass in einer Druckmaschine zunächst auf einem Druckträger ein Druckbild erzeugt wird, dass dann auf das druckfrische Druckbild ein blähfähiges Granulat aufgebracht wird, das nur an den druckfrischen Stellen haftet, dass danach nicht haftendes Granulat von dem Druckträger entfernt wird und dass in einem nachfolgenden letzten Arbeitsgang das blähfähige Granulat aufgebläht wird.

Das erfindungsgemäße Verfahren wird insbesondere mit einer Druckmaschine durchgeführt, die nach dem Offsetverfahren arbeitet. Dabei werden an den sichtbaren Bildstellen Druckfarben aufgetragen, die in druckfrischem Zustand eine Restfeuchtigkeit aufweisen. Durch die Anwesenheit der Restfeuchtigkeit wird nach dem erfindungsgemäßen Verfahren bewirkt, dass das blähbare Granulat, das in Form eines feinkörnigen Pulvers aufgebracht wird, nur an den Stellen haften bleibt, an denen sich Druckfarbe befindet, während auf dem freien Druckträger (Papier) das feinkörnige Pulver nicht haften bleibt, sondern leicht entfernt werden kann.

Als blähfähiges Granulat wird erfindungsgemäß ein Gemisch aus Harz und Quarz verwendet, das ein Mischungsverhältnis von Harz zu Quarz im Bereich von 0,1 bis 10, vorzugsweise von 0,2 bis 8, besonders bevorzugt von 0,3 bis 7, besitzt. Das blähfähige Granulat kann zusätzlich übliche Hilfsmittel enthalten wie Stabilisatoren, Bindemittel, Fotopolymere und Initiatoren.

Das Entfernen des blähfähigen Granulats vom Druckträger, an dem keine Haftung stattfindet, geschieht erfindungsgemäß bevorzugt pneumatisch durch Absaugen und Rückführen des abgesaugten Materials in den Vorratsbehälter. Es kann aber auch eine vorsichtige mechanische Entfernung vorgesehen sein, sofern diese so schonend durchgeführt wird, dass nicht zu viel Material von den Bildstellen, an denen Haftung stattfinden soll, mit entfernt wird.

Als Druckträger kann mit dem erfindungsgemäßen Verfahren jeder bekannte Druckträger bedruckt werden. Neben Papier und Karton können auch Folien aus Kunststoff, z. B. für Etiketten, oder auch Metalle, z. B. für Dosen oder Schilder, bedruckt werden.

Das Aufblähen des blähfähigen Granulats erfolgt im Rahmen der Erfindung beispielsweise durch eine Wärmebehandlung bei Temperaturen im Bereich von 60 bis 200°C, vorzugsweise im Bereich von 80 bis 180°C. Dabei schmilzt das Harz auf und verbindet sich mit dem Quarz. Das Aufblähen kann aber auch durch eine andere Energiequelle wie sichtbares Licht oder UV-Strahlung ausgelöst werden, sofern dem blähfäigen Granulat ein geeigneter Initiator als Additiv zugesetzt ist.

Nach dem erfindungsgemäßen Verfahren können überraschend Druckerzeugnisse mit beliebigem Erscheinungsbild hergestellt werden. Es kann z. B. abwechselnd eine Zeile Blindenschrift und eine Zeile optisch lesbare Schrift hergestellt werden. Dabei können die optisch lesbaren Schriftzeichen buchstabensynchron über oder unter den Zeichen der Blindenschrift angeordnet sein, es kann aber auch eine nicht synchrone Darstellung oder eine Darstellung in Textblöcken hergestellt werden.

Insbesondere bevorzugt ist ein Druckerzeugnis nach dem erfindungsgemäßen Verfahren, das beidseitig eine Bedruckung aufweist.

Besonders anwenderfreundlich an dem erfindungsgemäßen Verfahren ist, dass die Schriftgröße der Zeichen der Blindenschrift und die Schriftgröße der optisch lesbaren Schriftzeichen variabel eingestellt werden können. Es versteht sich von selbst, dass Druckerzeugnisse mit Texten in allen möglichen Sprachen und Dialekten hergestellt werden können, die für blinde oder stark sehbehinderte Personen mit den Fingern gut zu ertasten und so vom Inhalt her zu entschlüsseln sind. Ferner können erfindungsgemäß auch Zeichnungen und Diagramme dargestellt werden.

Die beispielhaft angehängte Zeichnung zeigt an dem Wort "Beispiel", wie eine buchstabensynchrone Darstellung des Wortes Beispiel nach dem erfindungsgemäßen Verfahren ausgedruckt werden kann.

Die zeichnerisch dargestellten Punkte oberhalb der optisch lesbaren Schriftzeichen sind erhaben, d. h. sie ragen wie Kuppen über die Papierebene hinaus, was in der Zeichnung allerdings nicht deutlich wird. Nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellt, sind sie aber fühlbar, d. h. mit den Fingern tastbar, sie sind für das Auge sichtbar, sie sind festhaftend mit dem Druckträger (Papier) verbunden und sie sind verschleißresistent im Rahmen ihres bestimmungsgemäßen Einsatzzweckes, nämlich des Lesens durch blinde oder stark sehbehinderte Personen durch Tasten.


Anspruch[de]
  1. 1. Verfahren zum Darstellen von Blindenschrift ohne Gravuren im Druckträger, dadurch gekennzeichnet, dass in einer Druckmaschine zunächst auf einem Druckträger ein Druckbild erzeugt wird, dass dann auf das druckfrische Druckbild ein blähfähiges Granulat aufgebracht wird, das nur an den druckfrischen Stellen haftet, dass danach nicht haftendes Granulat von dem Druckträger entfernt wird und dass dann in einem letzten Arbeitsgang das blähfähige Granulat aufgebläht wird.
  2. 2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass es mit einer Druckmaschine durchgeführt, die nach dem Offsetverfahren arbeitet, wobei an den sichtbaren Bildstellen Druckfarben aufgetragen werden, die in druckfrischem Zustand eine Restfeuchtigkeit aufweisen.
  3. 3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass als blähfähiges Granulat ein Gemisch aus Harz und Quarz verwendet wird, das ein Mischungsverhältnis von Harz zu Quarz im Bereich von 0,1 bis 10, vorzugsweise von 0,2 bis 8, besonders bevorzugt von 0,3 bis 7, besitzt.
  4. 4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Entfernen des blähfähigen Granulats vom Druckträger, an dem keine Haftung stattfindet pneumatisch durch Absaugen geschieht.
  5. 5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichent, dass das nach dem Entfernen zusammengetragene blähfähige Granulat in den Vorratsbehälter zurückgeführt wird.
  6. 6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass als Druckträger neben Papier und Karton können auch Folien aus Kunststoff oder Metalle bedruckt werden.
  7. 7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass das Aufblähen des blähfähigen Granulats durch eine Wärmebehandlung bei Temperaturen im Bereich von 60 bis 200°C, vorzugsweise im Bereich von 80 bis 180°C, erfolgt, wobei das Harz aufschmilzt und sich mit dem Quarz verbindet.
  8. 8. Druckerzeugnis hergestellt nach einem Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass es ein beliebiges Erscheinungsbild besitzt, wobei wahlweise nur Blindenschrift oder abwechselnd eine Zeile Blindenschrift und eine Zeile optisch lesbare Schrift vorliegen.
  9. 9. Druckerzeugnis nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass es optisch lesbare Schriftzeichen buchstabensynchron über oder unter den Zeichen der Blindenschrift angeordnet enthält.
  10. 10. Druckerzeugnis nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass es eine nicht synchrone Darstellung von optisch lesbaren Schriftzeichen und Schriftzeichen in Blindenschrift enthält, vorzugsweise eine Darstellung in Textblöcken.
  11. 11. Druckerzeugnis nach einem der Ansprüche 8 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass es eine beidseitige Bedruckung aufweist.
  12. 12. Druckerzeugnis nach einem der Ansprüche 8 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass es zusätzlich zu den Schriftzeichen noch Zeichnungen und Diagramme enthält.






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