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Dokumentenidentifikation DE10011235C2 08.08.2002
Titel Ausstechvorrichtung zur Probenaufnahme und Verfahren zur Probenaufnahme
Anmelder Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V., 80539 München, DE
Erfinder Nordhoff, Eckhardt, Dr., 14195 Berlin, DE;
Horn, Martin, 14165 Berlin, DE;
Eickhoff, Holger, Dr., 14195 Berlin, DE;
Rosemann, Jens, 14532 Stahnsdorf, DE
Vertreter v. Bezold & Sozien, 80799 München
DE-Anmeldedatum 08.03.2000
DE-Aktenzeichen 10011235
Offenlegungstag 20.09.2001
Veröffentlichungstag der Patenterteilung 08.08.2002
Veröffentlichungstag im Patentblatt 08.08.2002
IPC-Hauptklasse G01N 1/04
IPC-Nebenklasse B01L 3/02   G01N 33/48   C12M 1/26   

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft eine Ausstechvorrichtung zur Probenaufnahme, insbesondere eine Vorrichtung zum Abtrennen von Proben aus schichtförmigen Materialien, wie z. B. eine Ausstechvorrichtung für Polymer- oder Gewebeproben, die manuell handhabbar ist, und Verfahren zum Einsatz einer derartigen Probenaufnahmevorrichtung.

Das Ausstechen von DNA- oder Proteinproben aus einer Gelmatrix (z. B. aus Agarose oder Polyacrylamid) ist ein bei Analysen in der Molekularbiologie oder Medizin häufig durchgeführter Vorgang. Bspw. wandern bei der elektrophoretischen Trennung Substanzen durch ein Trenngel. Je nach den stoffspezifischen Migrationseigenschaften und der Verfahrensweise befinden sich die Substanzen nach der Trennung als sog. Spots oder Banden an bestimmten Positionen im Trenngel. Nach einer Visualisierung der Banden werden diese zumindest teilweise ausgeschnitten und weiterbearbeitet.

Aus DE 198 15 400 A1 ist eine Probenaufnahmevorrichtung mit einer Vielzahl von Trennwerkzeugen bekannt, die gemeinsam an einem Träger befestigt und einzeln betätigbar sind. Diese Probenaufnahmevorrichtung ist für ein automatisiertes Ausstechen einer Vielzahl von Proben aus dem Trenngel ausgelegt. Es ergeben sich Vorteile bei Analysen mit hohem Substanzaufkommen und großem Probendurchsatz. Für eine Bearbeitung kleiner Probenmengen ist diese herkömmliche Probenaufnahmevorrichtung unpraktikabel. Ein weiterer Nachteil ergibt sich, wenn im Trenngel lediglich kleine Banden gebildet wurden, die aber für die nachfolgenden Bearbeitungsschritte bestmöglich ausgenutzt werden sollen. Zur Lösung der letztgenannten Probleme ist eine manuelle Probenaufnahme erforderlich, die unter der unmittelbaren visuellen Überwachung durch den Laboranten erfolgt.

Für die manuelle Probenaufnahme ist es bisher üblich, die visualisierten DNA- oder Proteinbanden im Trenngel mit einem Skalpell auszuschneiden und in ein Gefäß zur weiteren Bearbeitung zu überführen. Dieser Vorgang ist jedoch zeitaufwendig und in Bezug auf die Größe der ausgeschnittenen Bandenstücke schwer zu reproduzieren. Von Nachteil ist auch, dass mit dem Skalpell ggf. ein Träger des Trenngels beschädigt wird.

Aus DE 30 43 419 A1 ist ein kombiniertes Lochstanz- und Absauggerät für die Lochplatten-Agar-Diffusionsmethode bekannt. Das in Fig. 3 gezeigte Gerät besitzt ein Stanzrohr 1' mit einem inneren, axial verschiebbaren Hohlzylinder 2', der mit einer Vakuumpumpe (Pfeil) verbunden ist. Zum Ausstanzen einer Probe 5' aus der Polymerschicht 4' auf dem Träger 3' wird das Stanzrohr 1' mit zurückgezogenem Hohlzylinder 2' auf die Polymerschicht 4' aufgesetzt und die Schicht durchtrennt. In diesem Zustand kann die Außenluft frei am unteren Ende des Hohlzylinders 2' vorbei abgesaugt werden. Zur Probenaufnahme wird der Hohlzylinder 2' abgesenkt. Es bildet sich auf der Rückseite der Probenmitte ein Unterdruck, so dass die Probe 5' aus dem Schichtverband 4' aufgenommen werden kann. Das herkömmliche Lochstanz- und Absauggerät kann zwar zur manuellen Probenaufnahme verwendet werden. Es besitzt jedoch die folgenden Nachteile. Das Lochstanz- und Absauggerät ist nicht frei handhabbar. Der Hohlzylinder muss mit einer separaten Vakuumpumpe verbunden sein. Der Einsatz des Gerätes ist an einen ortsfesten Laborplatz gebunden. Ferner ist das herkömmliche Gerät zum Probenausstanzen nicht miniaturisierbar. Der Aufbau aus Stanzrohr und axial verschiebbarem Hohlzylinder erfordert Stanzdurchmesser im Bereich von mindestens 3 mm. Es besteht aber, insbesondere bei den für die Gentechnik relevanten Trennverfahren, ein Interesse daran, aus einer gegebenen Bande möglichst viele kleine Probenstücke auszustechen. Dies ist mit dem herkömmlichen Gerät nur eingeschränkt möglich. Schließlich besteht bei der herkömmlichen Technik die Gefahr, dass die Probe 5' beim Ausstechen beschädigt wird. Falls bspw. der Hohlzylinder 2' zu tief geschoben wird, so wird die Polymerschicht 4' auch im Bereich der Probe 5' verletzt. Es ergibt sich eine verringerte und wenig reproduzierbare Probenausbeute.

Das Interesse an einem flexibel einsetzbaren, handbetriebenen Werkzeugs zur Probenaufnahme besteht nicht nur bei den genannten Trennverfahren, sondern auch bei der Probenaufnahme aus schichtförmigen Kulturen oder Gewebematerialien.

Weitere Ausstechwerkzeuge zur Probenaufnahme sind aus der US 5 456 125 und der JP 3-240 482 A bekannt. Modifizierte Spritzen, die zur Probenaufnahme ausgelegt sind, werden in der EP 0 455 904 A2, der US 5 294 324 und der US 4 999 164 beschrieben.

Die Aufgabe der Erfindung ist es, eine verbesserte Vorrichtung zur Probenaufnahme zu schaffen, die manuell frei handhabbar ist, eine Miniaturisierung des Werkzeugs erlaubt und für eine sichere und reproduzierbare Aufnahme, Halterung und Ablage der Proben geeignet ist. Die Aufgabe der Erfindung ist es auch, ein verbessertes Verfahren zur manuellen Probenaufnahme anzugeben.

Diese Aufgaben werden durch eine Ausstechvorrichtung und ein Probenaufnahmeverfahren mit den Merkmalen gemäß den Patentansprüchen 1 und 8 gelöst. Vorteilhafte Ausführungsformen ergeben sich aus den abhängigen Ansprüchen.

Ein Merkmal der Ausstechvorrichtung ist es, eine Probenaufnahmevorrichtung mit einem Ausstechwerkzeug und einer Druckeinrichtung aufzubauen, bei der die Druckeinrichtung zur Erzeugung eines Über- oder Unterdruckes im Ausstechwerkzeug eingerichtet und mit einem Betätigungselement in einem manuell handhabbaren Gehäuse angeordnet ist, das das Ausstechwerkzeug trägt. Mit dieser Gestaltung wird erstmalig eine in einer Hand haltbare, von eventuellen Grundgeräten, wie z. B. einer Vakuumpumpe, unabhängige Vorrichtung zur Probenaufnahme geschaffen. Sowohl die Probenaufnahme als auch die Probenablage erfolgen unter Ausübung eines Über- bzw. Unterdruckes mit der im Gehäuse der Probenaufnahmevorrichtung integrierten Druckeinrichtung.

Die Druckeinrichtung ist eine manuell betätigbare Kolbendruckeinrichtung. Die Erzeugung von Über- oder Unterdruck kann grundsätzlich so erfolgen, wie es an sich von Flüssigkeitspipetten bekannt ist. Dies ist wegen der Kompatibilität der erfindungsgemäßen Probenaufnahmevorrichtung mit verfügbaren Komponenten von Pipettiersystemen von Vorteil. Ferner kann durch Einstellung der Kolbenpositionen und damit des zur Druckausbildung verwendeten Zylindervolumens der bei der Probenhandhabung verwendete Druck anwendungsabhängig angepasst werden. Die Kolbendruckeinrichtung ist mit einer Rückhalteeinrichtung ausgestattet. Die Rückhalteeinrichtung ist dazu ausgelegt, die Bewegung des Kolbens der Druckeinrichtung an mindestens einer vorbestimmten Position zu hemmen. Damit kann bei Betätigung der Probenaufnahmevorrichtung manuell das Eintreffen des Kolbens an der jeweiligen Position erfasst werden.

Das Ausstechwerkzeug ist mit einer Probenhalterung ausgestattet. Der anwendungsabhängig gebildete, rohrförmige Werkzeugkörper des Ausstechwerkzeugs, der an einem Ende eine Öffnung zur Probenaufnahme und am anderen Ende einen Anschluss zur Verbindung mit der Druckeinrichtung besitzt, enthält die Probenhalterung in seinem Inneren mit Abstand von der Öffnung. Die Probenhalterung wird beispielsweise durch eine Abstufung in der Innenwand des Werkzeugkörpers oder ein im Werkzeugkörper aufgespanntes, luftdurchlässiges Halteelement, z. B. in Form eines Netzes, gebildet.

Besondere Vorteile ergeben sich bei einem modularen Aufbau der Probenaufnahmevorrichtung aus dem Gehäuse mit der Druckeinrichtung und einem am Gehäuse lösbar ansetzbaren Ausstechwerkzeug. Das Ausstechwerkzeug kann nach Art einer Pipettenspitze ausgewechselt und an die jeweilige Aufgabe angepasst werden.

Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren sind allgemein die folgenden Schritte vorgesehen. Zunächst wird die Probenaufnahmevorrichtung mit dem Ausstechwerkzeug auf ein schichtförmiges Material aufgesetzt. Dabei ist der Kolben vorgeschoben. Das Ausstechwerkzeug trennt die gewünschte Probe aus dem Material. Im aufgesetzten Zustand wird im Ausstechwerkzeug durch Rückführung des Kolbens ein Unterdruck gebildet, so dass die Probe in das Ausstechwerkzeug gezogen wird. Die Probe wird je nach dem Betrieb der Druckeinrichtung im Ausstechwerkzeug, ggf. an der genannten Probenhalterung, festgehalten. Anschließend wird die Probenaufnahmevorrichtung zum Ort der weiteren Probenbearbeitung bewegt und die Probe bspw. in einem Gefäß abgelegt. Die Ablage der Probe erfolgt, indem im Ausstechwerkzeug mit der Druckeinrichtung ein Überdruck erzeugt wird.

Die Erfindung zeichnet sich durch die folgenden Vorteile aus. Die Probenaufnahmevorrichtung besitzt einen relativ einfachen Aufbau und kann kostengünstig hergestellt werden. Sie ist leicht an die jeweils interessierenden Probeneigenschaften anzupassen. Das Ausstechwerkzeug kann als Einwegteil aus Kunststoff hergestellt sein. Kostenaufwendige Gerätereinigungen können vermieden werden.

Ein besonderer Vorteil besteht darin, dass die zur Probenaufnahme, -halterung und -ablage erforderlichen Drucke relativ gering sein können, ohne dass die Funktionssicherheit der Probenaufnahme eingeschränkt ist. Es genügen Drucke, wie sie in herkömmlichen Flüssigkeitspipetten gebildet werden. Dies ermöglicht einerseits den kompakten Aufbau der Probenaufnahmevorrichtung und anderseits eine schonende Behandlung der Proben.

Weitere Vorteile und Einzelheiten der Ausstechvorrichtung werden aus der Beschreibung der beigefügten Zeichnungen ersichtlich. Es zeigen:

Fig. 1 eine Schnittansicht einer Probenaufnahmevorrichtung,

Fig. 2a und 2b schematische Schnittansichten von Spitzenteilen der Ausstechwerkzeuge, und

Fig. 3 eine Schnittansicht eines herkömmlichen Stanzgerätes (Stand der Technik).

Eine Probenaufnahmevorrichtung 100 umfasst gemäß Fig. 1 ein Ausstechwerkzeug 10, eine Druckeinrichtung 20 und ein Betätigungselement 30, die an bzw. in einem Gehäuse 40 angeordnet sind. Die Probenaufnahmevorrichtung 100 besitzt einen relativ zur Achse A axialsymmetrischen, im Wesentlichen zylindrischen Aufbau, dessen äußeren Gestalt in Bezug auf die Dimensionierung und Oberflächenbeschaffenheit an die gewünschte manuelle Handhabung angepasst ist. Das Ausstechwerkzeug 10 umfasst ein Spitzenteil 11 und ein Trägerteil 12. Das Spitzenteil 11 ist ein rohrförmiger, hohler Werkzeugkörper, dessen freies Ende als Trennwerkzeug 13 (z. B. umlaufende Schneide) gebildet ist. Das entgegengesetzte Ende ist im Trägerteil 12 eingelassen. Das Trägerteil 12 besitzt die Form einer Hülse, die einerseits eine Aufnahme 14 für das Spitzenteil 11 bildet und andererseits am Gehäuse 40 oder an der Druckeinrichtung 20 ansetzbar ist. Der im Inneren des Trägerteils 12 gebildete Hohlraum 15 besitzt eine Doppelfunktion. Erstens dient er der Aufnahme des angrenzenden Teils der Druckeinrichtung 20 (siehe unten). Zweitens wird auch ein Volumen freigelassen, das ein Flüssigkeitsreservoir bildet, in dem sich ggf. bei der Probenaufnahme aufgesaugte Flüssigkeitsreste sammeln können, ohne in die Druckeinrichtung 20 einzudringen.

Das Ausstechwerkzeug 10 kann einstückig oder (wie dargestellt) modular aufgebaut sein. Das Spitzenteil 11, das mit weiteren Einzelheiten gemäß Fig. 2 ausgestattet sein kann, besteht bspw. aus Kunststoff, Glas oder Metall (z. B. Edelstahl). Der Durchmesser des Trennwerkzeugs 13 an der Öffnung kann anwendungsabhängig im Sub-mm-Bereich liegen oder auch größer gewählt sein. Der Durchmesser kann bspw. 0.5 mm betragen, wenn Proben aus Trenngelen aufgenommen werden sollen. Für dicke Trenngele oder andere Materialschichten kann der Durchmesser auch im Bereich von 2 bis 4 mm liegen. Für spezielle Anwendungen zur Aufnahme von Gewebeproben aus Pflanzenblattern kann der Durchmesser auch 0.5 cm oder mehr betragen. Das Trennwerkzeug an der Öffnung 13 wird z. B. durch Anschleifen des Spitzenteils 11 gebildet.

Die Druckeinrichtung 20 ist eine Kolbendruckeinrichtung mit einem Kolben 21, der im Zylinder 22 beweglich und über einen Stab 23 mit dem Betätigungselement 30 verbunden ist. Der Zylinder 22 sitzt in einer Halterung 24 mit einer inneren, abgestuften Bohrung. In der Bohrung wird in einer ersten Stufe der Zylinder 22 getragen, an einer zweiten Stufe ein Anschlag für die Kompressionsfeder 27 des Kolbens 21 gebildet und ein Durchgangskanal 25 zur Verbindung mit dem Trägerteil 12 geformt. Am Ende der Halterung 24 ist ein O-Ring 26 zur Abdichtung gegenüber dem Trägerteil 12 vorgesehen. Der Zylinder 22 und die Halterung 24 sind mit dem Gehäuse 40 fest verbunden, so dass eine Führung für den axial gegen die Spannkraft der Feder 27 verschiebbaren Kolben 21 gebildet wird.

Am rückseitigen Ende bildet der Zylinder 22 eine Führung für das Betätigungselement 30, das einen Druckstab 31 und einen Abdeckhülse 32 umfasst. Der Druckstab 31 ist über den Stab 23 mit dem Kolben 21 und andererseits mit der Abdeckhülse 32 fest verbunden. Der Kolben 21 wird im Zylinder 22 durch manuelle Druckausübung (z. B. mit einem Finger) auf die Abdeckhülse 32 bewegt.

Das Betätigungselement 30 enthält ferner eine Kompressionsfeder 33, die eine Rückhalteeinrichtung bildet. Die Rückhalteeinrichtung besitzt die Aufgabe, der Kolbenbewegung von einer bestimmten Kolbenposition im Zylinder an einen vergrößerten Widerstand entgegenzusetzen. Wenn die Abdeckhülse 32 nach unten bewegt wird, so ist zunächst nur Arbeit gegen die Feder 27 in der Druckeinrichtung 20 zu verrichten. Wenn die Abdeckhülse 32 die Feder 33 erreicht, so muss auch gegen diese Arbeit verrichtet werden. Dies ist manuell spürbar. Dem Laboranten wird signalisiert, dass sich der Kolben 21 in einer mittleren Position im Zylinder 22 befindet.

Die Probenaufnahmevorrichtung gemäß Fig. 1 wird wie folgt verwendet. Zunächst wird der Kolben 21 der Druckeinrichtung 20 manuell vorgeschoben und anschließend die Vorrichtung 100 auf das zu verarbeitende Material aufgesetzt. Dann wird das Betätigungselement 30 freigegeben. Die Feder 27 der Druckeinrichtung 20 schiebt den Kolben 21 zurück. Es entsteht ein Unterdruck, der sich über den Kanal 25 den Hohlraum 15 und das Innere des Spitzenteils 11 bis zur Rückseite der ausgestochenen Probe ausbreitet und diese in das Ausstechwerkzeug einsaugt. Dann wird die Vorrichtung 100 abgenommen und zum Ort der weiteren Probenbearbeitung überführt. Dort wird das Betätigungselement 30 erneut vorgeschoben. Der dabei gebildete Überdruck schiebt die Probe aus dem Spitzenteil 11 bspw. auf ein Substrat oder in ein Gefäß.

Das Vorschieben des Kolbens 21 im ersten Schritt erfolgt vorzugsweise nur bis zu der mittleren Position, die bspw. durch die Rückhalteeinrichtung angezeigt wird. Damit wird zur Erzeugung des Unterdrucks nur ein Teil des Zylinders 22 verwendet. Das Restvolumen kann zur Ausbildung eines zusätzlichen Überdrucks beim Ausstoßen der Probe verwendet werden.

Die Feder 33 kann auch durch andere Bauteile zur Bildung einer Rückhalteeinrichtung ersetzt werden. Bspw. kann an der Außenseite der Abdeckhülse 32 ein umlaufender Steg oder ein Nippel vorgesehen sein, der das Einschieben der Abdeckhülse 32 in das Gehäuse 40 zwar nicht verhindert, jedoch einen geringfügigen Widerstand bildet. Anstelle einer Rückhalteeinrichtung kann auch ein Anzeigemittel in Form einer Markierung an der Abdeckhülse 32 vorgesehen sein, um eine mittlere Kolbenposition zu signalisieren.

Bei Verwendung der Vorrichtung 100 zum Probenausstechen aus Trenngelen wird das Trenngel vorzugsweise auf ein weißes oder helles Filterpapier übertragen. Dies hat eine Vielzahl von Vorteilen. Erstens wirkt das Filtermaterial wie ein Schwamm. Flüssigkeitsreste werden aufgesaugt. Außerdem wird ein heller Hintergrund gebildet, der das Erkennen der Banden erleichtert. Schließlich erlaubt das Filtermaterial ein geringfügiges Nachgeben bei Ausstechen. Das Gel wird im Bereich des Trennwerkzeugs aus der ursprünglich ebenen Schichtform deformiert. Beim Ausstechen wird das Gel zusammengedrückt, wobei benachbarte Gelbereiche in das nachgebende Filtermaterial ausweichen können. Ein Reißen des äußeren Materials wird vermieden und dadurch die Ausnutzung der Banden erhöht.

Das Ausstechwerkzeug 10 kann als separates Bauteil auch mit herkömmlichen Flüssigkeitspipetten zur Probenaufnahme verwendet werden. Hierzu wird das Ausstechwerkzeug 10, ggf. mit angepasster Hülse des Trägerteils 12 einfach an eine Pipette angesteckt, die nicht mit eine Flüssigkeit, sondern mit Luft betrieben wird.

Bei der in Fig. 1 dargestellten Ausführungsform der Ausstechvorrichtung besitzt der Werkzeugkörper des Spitzenteils 11 eine gleichförmige Innenoberfläche. Dies kann, insbesondere beim Ausstechen aus dicken Proben ausreichend sein. Für dünne Proben ist erfindungsgemäß im Spitzenteil 11 eine zusätzliche Probenhalterung vorgesehen, wie dies in Fig. 2 illustriert ist.

Fig. 2 illustriert jeweils ein freies Ende von zwei Spitzenteilen 11. An der Öffnung ist jeweils ein Trennwerkzeug 13 in Form einer umlaufenden Schneide gebildet. Mit Abstand von der Öffnung ist die Probenhalterung in Form einer Abstufung 16 oder eines Halteelements 17 gebildet. Die Abstufung 16 bildet einen umlaufenden Vorsprung auf der Innenseite des Werkzeugkörpers. Eine eingesogene Probe wird bis zu diesem Vorsprung gezogen und an diesem zurückgehalten. Ein Vorteil der erfindungsgemäßen Druckeinrichtung besteht darin, dass wegen der geringen Druckdifferenzen auch bei weiterer Druckausübung eine Probenverletzung an der Probenhalterung 16 ausgeschlossen ist. Das Halteelement 17 gemäß Fig. 2b ist bspw. ein Netz oder Gitter, das quer zur Achse des Spitzenteils 11 aufgespannt ist und dieselbe Funktion wie die Abstufung 16 besitzt. Die Probenhalterung wird vorzugsweise mit der Abstufung 16 gebildet, da diese einen einfachen Aufbau besitzt. Bspw. wird die Abstufung 16 durch Einschieben einer passenden Kapillare in das Spitzenteil 11 hergestellt.

Anwendungen der Ausstechvorrichtung ergeben sich neben der Probenaufnahme aus Trenngelen auch beim Ausstechen von Zellkulturen oder Gewebeteilen. Bspw. kann ein Pilzbefall auf Pflanzenblättern mit Hilfe der Probeaufnahmevorrichtung einfach und zuverlässig aufgenommen und einer Untersuchung zugeführt werden. Zur Untersuchung von Zuckerrüben oder Tabak, wo bisher mit Skalpellen oder Korkbohrern gearbeitet wird, kann die Ausstechvorrichtung ebenfalls verwendet werden.


Anspruch[de]
  1. 1. Ausstechvorrichtung (100) zur Probenaufnahme mit einem Ausstechwerkzeug (10), das mit einer Kolbendruckeinrichtung (20) verbunden ist, die zur Ausbildung eines Über- oder Unterdruckes im Ausstechwerkzeug (10) eingerichtet und mit einem Betätigungselement (30) in einem manuell handhabbaren Gehäuse (40) angeordnet ist, das das Ausstechwerkzeug (10) trägt, wobei die Kolbendruckeinrichtung (20) aus einem in einem Zylinder (22) beweglich geführten Kolben (21) besteht, wobei im Zylinder (22) eine Feder (27) angeordnet ist und der Kolben (21) axial gegen die Spannkraft der Feder (27) verschiebbar ist, wobei der Kolben (21) mit dem aus dem Gehäuse (40) herausragenden Betätigungselement (30) manuell betätigbar ist, wobei das Ausstechwerkzeug (10), durch ein rohrförmiges, hohles Spitzenteil (11) gebildet ist, an dessen einem Ende eine Öffnung zur Probenaufnahme und an dessen entgegengesetztem Ende ein Anschluss für die Kolbendruckeinrichtung (20) angeordnet ist, wobei an der Öffnung eine Schneide (13) und im Spitzenteil (11) mit Abstand von der Öffnung eine Probenhalterung (16, 17) angeordnet sind, und wobei am Betätigungselement (30) eine Rückhalteeinrichtung (33) oder eine Markierung zur Signalisierung einer vorbestimmten mittleren Kolbenposition angeordnet ist.
  2. 2. Ausstechvorrichtung nach Anspruch 1, bei der die Rückhalteeinrichtung (33) eine Kompressionsfeder (33) umfasst.
  3. 3. Ausstechvorrichtung nach Anspruch 1, bei der die Rückhalteeinrichtung (33) einen Vorsprung am Betätigungselement (30) umfasst.
  4. 4. Ausstechvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, bei der zwischen der Kolbendruckeinrichtung (20) und dem Ausstechwerkzeug (10) ein Flüssigkeitsreservoir (15) zur Sammlung von Flüssigkeitsresten gebildet ist.
  5. 5. Ausstechvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, bei der das Ausstechwerkzeug (10) vom Gehäuse (40) abnehmbar ist.
  6. 6. Ausstechvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, bei dem die Probenhalterung eine Abstufung (16) in der inneren Oberfläche des Spitzenteils (11) umfasst.
  7. 7. Ausstechvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, bei der die Probenhalterung ein aufgespanntes, luftdurchlässiges, gitterförmiges Halteelement (17) im Inneren des Spitzenteils (11) umfasst.
  8. 8. Verfahren zur Probenaufnahme, wobei eine Ausstechvorrichtung (100) mit den Merkmalen eines der Ansprüche 1 bis 7 verwendet wird, mit den Schritten:
    1. - Aufsetzen des Ausstechwerkzeuges (10) auf ein Material, von dem eine Probe abgetrennt werden soll, und Abtrennen des Probenbereiches,
    2. - Ausüben eines Unterdrucks am Ausstechwerkzeug (10), so dass die Probe in das Ausstechwerkzeug (10) gesogen wird,
    3. - Überführen der Probe mit der Probenaufnahmevorrichtung (100) an einen Ort der weiteren Bearbeitung, und
    4. - Ablage der Probe durch Ausübung eines Überdrucks am Ausstechwerkzeug (10).
  9. 9. Verfahren nach Anspruch 8 zur Aufnahme von Proben aus Trenngelen, Zellkulturen, Gewebeteilen und/oder Pflanzenteilen.






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