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Dokumentenidentifikation DE10109587A1 05.09.2002
Titel Kutsche
Anmelder Eckelmann, Klaus, 09661 Rossau, DE
Erfinder Eckelmann, Klaus, 09661 Rossau, DE
Vertreter Patentanwälte Findeisen & Neumann, 09112 Chemnitz
DE-Anmeldedatum 28.02.2001
DE-Aktenzeichen 10109587
Offenlegungstag 05.09.2002
Veröffentlichungstag im Patentblatt 05.09.2002
IPC-Hauptklasse B62C 1/02
Zusammenfassung Die Erfindung betrifft eine Kutsche, bestehend aus einem Fahrwerk mit mindestens zwei Rädern und aus einem, auf dem Fahrwerk gelagerten und die Nutzungsmöglichkeiten der Kutsche bestimmenden Aufbau. Es wird die Aufgabe gelöst, eine solche Kutsche zu schaffen, die gegenüber bisher bekannten technischen Lösungen zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten aufweist. Dies wird erreicht, indem der Aufbau zumindest teilweise als geschlossene Baueinheit (3) mit zumindest einer Tür (4) und einem Fenster (5) ausgestaltet ist und wobei der Innenraum der geschlossenen Baueinheit (3) eine technische Ausstattung für die Übernachtung von zumindest einer Person aufweist.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft eine Kutsche, bestehend aus einem Fahrwerk mit mindestens zwei Rädern und aus einem, auf dem Fahrwerk gelagerten und die Nutzungsmöglichkeiten der Kutsche bestimmenden Aufbau.

Nachdem Kutschen über mehrere Jahrhunderte das wichtigste Landfahrzeug zur Lasten- und Personenbeförderung waren, sind sie seit Beginn der Industrialisierung weitgehend von Fahrzeugen mit verbrennungs- oder elektromotorischem Antrieb verdrängt worden. Lediglich für wenige kulturhistorisch geprägte Einsätze (z. B. Fiaker in Wien) sowie im Pferdesport werden noch immer Kutschen verwendet, wobei eine moderne Konstruktion eines solchen Pferderennwagens z. B. aus DE 197 26 066 C1 bekannt ist.

Sowohl das zunehmende ökologische Bewußtsein der Menschen als auch das in einer Industriegesellschaft psychologisch bedingte Auftreten von "Nostalgie" hat in den letzten Jahren ein zunehmendes Interesse an Kutschen bewirkt. Gleichzeitig ist auf diesem Gebiet eine verstärkte Verkaufs- und Entwicklungstätigkeit festzustellen. Dabei ist bemerkenswert, dass die traditionelle Kutschenform weitgehend unverändert bleibt und die Entwicklungstätigkeit vorzugsweise auf die Verbesserung von Fahrdynamik und Fahrkomfort gerichtet ist. So beschreibt DE 90 14 297 U1 eine Kutsche, bei der die Räder in Anlehnung an PKW-Konstruktionen mit Schraubenfederbeinen am Rahmen abgestützt sind.

Auch die aus DE 91 03 465 U1 bekannte Kutsche besteht aus einem Räder aufweisenden Fahrwerk und aus einem, auf dem Fahrwerk gelagerten Aufbau. Dabei sind alle Teile, die über die Oberkante des Rades mit dem größten Durchmesser nach oben ragen (Kutschbock, Sitze für Fahrgäste usw.) am Aufbau lösbar befestigt. Demzufolge kann der benötigte Stauraum bei Nichtnutzung der Kutsche während der Winterpause oder beim Transport der Kutsche mit Kraftfahrzeugen zu Turnierplätzen vorteilhaft reduziert werden.

Die sog. Systemkutsche gemäß DE 90 14 028 U1 kann unter Verwendung von lediglich einem Fahrgestell für verschiedenartige Anwendungen modifiziert werden. Hierbei wird dem Unterwagen eine Grundkonstruktion zugeordnet, an der unterschiedliche Aufbauten befestigt werden können. Somit kann z. B. alternativ ein Zweisitzer oder ein Viersitzer geschaffen werden.

Die bisher bekannten modernen Kutschenkonstruktionen sind für eine sinnvolle Freizeitgestaltung grundsätzlich geeignet. Allerdings ist die mögliche Nutzung auf den unmittelbaren Fahrbetrieb begrenzt, der wegen der Belastbarkeit sowohl der Zugtiere als auch der Fahrgäste nur wenige Stunden betragen sollte. Weitere Möglichkeiten, z. B. das Zurücklegen größerer Entfernungen über mehrere Tage während einer Urlaubsreise, können kaum realisiert werden oder erfordern erhebliche zusätzliche Aufwendungen und Kosten, indem z. B. die Zugtiere ausgetauscht oder Hotelübernachtungen beansprucht werden müssen.

Aufgabe der Erfindung ist es, eine Kutsche zu schaffen, die gegenüber bisher bekannten technischen Lösungen zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten aufweist. Dies soll insbesondere durch einen Aufbau mit funktionell erweiterter Konstruktion erreicht werden.

Diese Aufgabe wird gelöst, indem der Aufbau zumindest teilweise als geschlossene Baueinheit mit zumindest einer Tür und einem Fenster ausgestaltet ist und wobei der Innenraum der geschlossenen Baueinheit eine technische Ausstattung für die Übernachtung von zumindest einer Person aufweist. Vorteilhafte Ausgestaltungen sind in den Ansprüchen 2 bis 10 beschrieben.

Mit einer solchen Konstruktion werden die Nutzungsmöglichkeiten wesentlich erweitert, ohne dass auf die typischen Merkmale einer traditionellen Kutsche verzichtet würde. Durch die neuartige Innenausstattung wird jedoch eine völlig neue Qualität erreicht, nämlich eine Kutsche, die zur Beherbergung von Personen geeignet ist. Die Qualität dieser Beherbergung ist vom jeweiligen Ausstattungsgrad der Kutsche abhängig. Dabei sollte, um einerseits die notwendige Akzeptanz beim potentiellen Nutzer zu erzielen und um andererseits die Herstellungs- und Wartungskosten überschaubar zu halten, minimal das Niveau eines kleinen ortsfesten Ferienhauses und maximal das Niveau eines Mittelklassehotels angestrebt werden. Unabhängig von den für Kutschen ohnehin relevanten Merkmalen wird es nunmehr möglich, mit einer Kutsche auch größere Entfernungen in mehreren Tagen zurückzulegen. Dies ergibt insbesondere im Freizeitbereich erhebliche Vorteile. So werden Kostenvorteile erzielt, indem ein Austausch der Zugtiere oder auch die Notwendigkeit einer Hotelübernachtung entfällt. Weiterhin können somit landschaftlich interessante Gebiete erschlossen werden, die aus ökologischen Gründen für Kraftfahrzeuge gesperrt sind und in denen keine festen Gebäude errichtet werden dürfen. Die Nutzung einer solchen Kutsche ist jedoch nicht nur für Anwendungen im Fahrbetrieb "fernab der Zivilisation" von Interesse. So können durch Nutzung mehrerer Kutschen an einem Standort Kapazitäten für eine kurzzeitige Unterbringung zusätzlicher Gäste geschaffen werden, z. B. während Großveranstaltungen. Schließlich wirkt das originelle Aussehen zweifelsfrei als Blickfang, so dass diese Kutsche z. B. vor einem Hotel in Doppelfunktion als Wohnraum und als Werbeträger genutzt werden könnte.

Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in der Zeichnung dargestellt und wird nachfolgend beschrieben. Es zeigen in jeweils perspektivischer Darstellung:

Fig. 1 den prinzipiellen Aufbau einer erfindungsgemäßen Kutsche

Fig. 2 eine erste Variante zur Ausgestaltung der geschlossenen Baueinheit des Aufbaus

Fig. 3 eine zweite Variante zur Ausgestaltung der geschlossenen Baueinheit des Aufbaus

Die in Fig. 1 dargestellte Kutsche besteht aus einem Fahrwerk mit insgesamt vier Rädern. Die grundsätzliche Konstruktion solcher Kutschen ist an sich bekannt und soll an dieser Stelle nicht näher erläutert werden. Im vorliegenden Sachverhalt ist vielmehr der Aufbau wesentlich, der dem Fahrwerk zugeordnet wird und die Nutzungsmöglichkeiten der Kutsche gegenüber traditionellen Konstruktionen wesentlich verbessert. Der Aufbau weist an der in Fahrtrichtung vorderen Seite und oberhalb der Vorderräder einen Kutschbock 1 auf, auf dem der Pferdeführer während der Fahrt sitzt. Die während der Fahrt an der Deichsel 2 zu befestigenden Pferde sind in der Zeichnung nicht näher dargestellt. Hinter dem Kutschbock 1 ist der Aufbau als geschlossene Baueinheit 3 ausgestaltet.

Diese geschlossene Baueinheit 3 wird in der Zeichnung in einer bevorzugten Variante in Blockbohlenbauweise gezeigt. Hierfür sind zahlreiche Ausgestaltungen möglich, z. B. unter Verwendung einer umlaufenden Dachreeling entsprechend Fig. 1, wobei eine solche Variante vom Betrachter als nostalgisch und besonders angenehm empfunden werden wird. Die geschlossene Baueinheit 3 kann aber auch gemäß Fig. 2 mit einer leichten Dachschräge gestaltet werden, wobei eine solche Variante beim Betrachter eventuell den Eindruck eines "fahrenden Ferienhauses" erweckt. Weiterhin kann auch eine weitgehend kastenförmige Konstruktion gemäß Fig. 3 gewählt werden. In Fig. 2 und Fig. 3 wird übrigens auf die Darstellung der Dachabdeckung verzichtet, um den Innenaufbau der geschlossenen Baueinheit 3 besser darstellen zu können. Alternativ zur Blockbohlenbauweise kann die geschlossene Baueinheit 3 auch als ein Grundkörper ausgestaltet werden, der aus verschiedenartigen Materialien herstellbar ist und als Baukastensystem durch unterschiedliche Außenbeplankungen den jeweils konkreten Gestaltungswünschen des Nutzers angepaßt werden kann.

In jedem Fall sind in der geschlossenen Baueinheit 3 zumindest eine Tür 4 und ein Fenster 5 vorgesehen. Die Tür 4 kann gemäß Fig. 1 an einer Längsseite des Aufbaus angeordnet werden. Für eine optimale Raumausnutzung ist es allerdings vorteilhaft, wenn diese Tür 4 der Stirnseite des Aufbaus zugeordnet wird, die dem Kutschbock 1 entgegengesetzt angeordnet ist. Eine solche Ausgestaltung ist in Fig. 2 und Fig. 3 dargestellt.

Der Innenraum der geschlossenen Baueinheit 3 ist mit einer solchen technischen Ausstattung versehen, die für zumindest eine Person eine Übernachtung ermöglicht. Eine konkrete Innenausstattung ist in der Zeichnung allerdings nicht näher dargestellt. Auf jeden Fall muß die Ausstattung im Innenraum der geschlossenen Baueinheit 3 das Kriterium "Beherbergung" erfüllen. Deshalb ist zumindest ein Bett vorgesehen. Die weitere technische Ausstattung im Innenraum der geschlossenen Baueinheit 3 wird in Abhängigkeit der angestrebten Nutzungsmöglichkeiten festgelegt, wobei der erreichbare Komfort zwischen spartanisch und luxuriös zu bewerten sein wird. So können ein Tisch und zumindest ein Sitzmöbel vorgesehen werden. Ferner kann ein Schrank angeordnet werden. Mit dieser Grundausstattung, die grundsätzlich im einzigen Innenraum 6 eines nicht näher unterteilten Aufbaus gemäß Fig. 2 montiert werden kann, wird bereits eine angenehme Beherbergung ermöglicht. Hierbei sind an der Außenseite der geschlossenen Baueinheit 3 (in der Zeichnung allerdings nicht näher dargestellte) Anschlußmittel für die im Innenraum ausgestaltete Elektroinstallation vorgesehen, damit eventuell am Standort der Kutsche verfügbare Versorgungsleitungen von den Bewohnern der Kutsche genutzt werden können.

Weitere Komfortverbesserungen werden erreicht, sofern innerhalb der geschlossenen Baueinheit 3 eine Wasch- und/oder Toiletteneinrichtung angeordnet ist. Für längerfristige Nutzungen ergibt ferner die Anordnung einer Kücheneinrichtung spürbare Vorteile. Für derartige Ausgestaltungen sollte der Innenraum der geschlossenen Baueinheit 3 mindestens zwei separate Räume 6 und 7 aufweisen. Eine solche Konstruktion ist aus Fig. 3 ersichtlich. Dabei wird die Sanitäreinrichtung vorzugsweise in dem Raum 7 installiert, der an der dem Kutschbock 1 zugeordneten Stirnseite vorgesehen ist und ein zusätzliches Fenster 8 aufweist, jedoch keine direkte Verbindung zur Tür 4. Demzufolge gelangt der Nutzer beim Betreten des Aufbaus zunächst in den als "Wohnteil" ausgestatteten Raum 6, in dem gegebenenfalls auch die Kücheneinrichtung installiert sein kann. Bei einer solchen Ausstattung mit einer Wasch- und/oder Toiletten- und/oder Kücheneinrichtung werden an der Außenseite der geschlossenen Baueinheit 3 nicht nur Anschlußmittel für die Elektroinstallation vorgesehen, sondern ebenfalls (allerdings auch hier nicht näher dargestellte) Anschlußmittel für die Sanitärinstallation, damit eventuell am Standort der Kutsche verfügbare Versorgungs- bzw. Entsorgungsleitungen von den Bewohnern der Kutsche genutzt werden können.


Anspruch[de]
  1. 1. Kutsche, bestehend aus einem Fahrwerk mit mindestens zwei Rädern und aus einem, auf dem Fahrwerk gelagerten und die Nutzungsmöglichkeiten der Kutsche bestimmenden Aufbau, dadurch gekennzeichnet, dass der Aufbau zumindest teilweise als geschlossene Baueinheit (3) mit zumindest einer Tür (4) und einem Fenster (5) ausgestaltet ist und wobei der Innenraum der geschlossenen Baueinheit (3) eine technische Ausstattung für die Übernachtung von zumindest einer Person aufweist.
  2. 2. Kutsche nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die geschlossene Baueinheit (3) des Aufbaus in Blockbohlenbauweise ausgestaltet ist.
  3. 3. Kutsche nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die geschlossene Baueinheit (3) des Aufbaus als Grundkörper ausgestaltet ist, dem unterschiedliche Außenbeplankungen zuordenbar sind.
  4. 4. Kutsche nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass im Innenraum der geschlossenen Baueinheit (3) zumindest ein Bett angeordnet ist.
  5. 5. Kutsche nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass im Innenraum der geschlossenen Baueinheit (3) ein Tisch und zumindest ein Sitzmöbel angeordnet sind.
  6. 6. Kutsche nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass im Innenraum der geschlossenen Baueinheit (3) zumindest ein Schrank angeordnet ist.
  7. 7. Kutsche nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass im Innenraum der geschlossenen Baueinheit (3) eine Wasch- und/ oder Toiletteneinrichtung angeordnet ist.
  8. 8. Kutsche nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass im Innenraum der geschlossenen Baueinheit (3) eine Kücheneinrichtung angeordnet ist.
  9. 9. Kutsche nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Innenraum der geschlossenen Baueinheit (3) mindestens zwei separate Räume (6; 7) aufweist.
  10. 10. Kutsche nach Anspruch 1 und mindestens einem weiteren der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass an der Außenseite der geschlossenen Baueinheit (3) des Aufbaus Anschlußmittel für die im Innenraum ausgestaltete Elektro- und/oder Sanitärinstallation vorgesehen sind.






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