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Dokumentenidentifikation DE10031913C2 14.11.2002
Titel Verfahren und Vorrichtung zum Schutz vor Berührung verletzungsträchtiger Bauteile, Nachrüstsatz für eine derartige Vorrichtung und Verwendung eines Arbeitskleidungsstücks in einem derartigen Verfahren
Anmelder Hofmann, Manfred, 86956 Schongau, DE
Erfinder Hofmann, Manfred, 86956 Schongau, DE
DE-Anmeldedatum 30.06.2000
DE-Aktenzeichen 10031913
Offenlegungstag 03.01.2002
Veröffentlichungstag der Patenterteilung 14.11.2002
Veröffentlichungstag im Patentblatt 14.11.2002
IPC-Hauptklasse H05C 1/04
IPC-Nebenklasse F16P 3/12   A41D 13/06   A41D 13/08   B25F 5/00   B27G 19/00   B23Q 11/00   B24B 55/00   

Beschreibung[de]
STAND DER TECHNIK

Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Schutz vor Berührung verletzungsträchtiger Bauteile, insbesondere rotierenden oder alternierend beweglichen Werkzeugen, Sägemesser, Sägeblätter etc., einen Nachrüstsatz für eine derartige Vorrichtung und die Verwendung eines Arbeitskleidungsstücks in einem derartigen Verfahren.

In der häuslichen, beruflichen und Freizeitumgebung finden sich eine Vielzahl von Gegenständen und technischen Geräten, die - zumindest im Betriebszustand - an bestimmten Stellen nicht berührt werden dürfen, ohne daß dies zu mehr oder minder beträchtlichen Verletzungen für Mensch oder Tier führen würde. Dies gilt insbesondere für nahezu alle elektrisch oder motorisch betriebenen Werkzeuge zur spanenden sowie spanlosen Bearbeitung, also etwa Kreissägen (Tisch- oder Handkreissäge), Flex, Bohrmaschinen mit diversen Werkzeugaufsätzen, Messer, Schleifgeräte, Brotmaschinen, aber ebenso wie beispielsweise für heiße Gegenstände, wie etwa heiße Herdplatten, oder auch für extrem kalte Gegenstände.

Dabei obliegt die Vermeidung von Verletzungen weitestgehend der Aufmerksamkeit des Bedieners bzw. der sich im Gefahrenbereich aufhaltenden Personen oder Lebewesen, um Tiere für allgemeinst gehaltene Fälle mit einzuschließen. Im Umgang mit den vorgenannten Werkzeugen ist daher höchste Vorsicht geboten. Da jedoch der Mensch sich nicht immer völlig konzentrieren kann, und manchmal sogar mehrere Menschen im Gefahrenbereich gefährlicher Werkzeuge sind oder sein müssen, um ein Werkstück zu bearbeiten, ist die Gefahr von Verletzungen beim Umgang mit solche verletzungsträchtigen Bauteilen an den Werkzeugen, also etwa dem rotierenden Sägeblatt, der rotierenden Schleifscheibe, Messer oder dergleichen per se gegeben und niemals auszuschließen. Ein erhöhtes Risiko im Umgang mit solchen Werkzeugen findet seinen Niederschlag in den verschiedensten Statistiken und den erhöhten Beiträgen für solchermaßen gefährdete Arbeiter zu Berufsunfallversicherungen, Berufsgenossenschaften, etc.

Im Stand der Technik bekannte Mittel zur Verringerung des Ausmaßes von Verletzungen sind beispielsweise bei Kettensägen eine automatische Schaltung, die sensibel auf eine plötzliche Verringerung des Sägewiderstandes im Werkstück, also beim Übergang von hartem auf weiches Werkstückmaterial anspricht, wie es etwa der Fall ist, wenn die Kettensäge in menschliches Fleisch eingreift, und verheerende Verletzungen drohen. Die Säge schaltet sich dann sofort ab. Dieser Mechanismus kann jedoch unwirksam sein, wenn die Säge gleich, d. h., praktisch übergangslos vom Werkstück in Knochenmaterial des Menschen eingreift oder während des Überganges in beide Materialien - hartes Werkstück und weiches Fleisch gleichzeitig eingreift. Dann erhöht sich der Gesamtsägewiderstand und eine Verletzung ist für die Schutzautomatik nicht erkennbar. In beiden Fällen muß die Säge jedoch aufgrund mechanischer Trägheit verletzungsträchtig nachlaufen. Dagegen gibt es ohnehin keinerlei Schutz.

Ein weiteres Beispiel sind Handkreissägen. Sie sind aufgrund ihrer Flexibilität und Mobilität für viele Tätigkeiten im Beruf unersetzlich und stellen sogar für viele ambitionierte Heimwerker im Hobbybereich ein wichtiges und gleichzeitig preisgünstiges Werkzeug dar. Auch hier gibt es Modelle mit Schutzschaltungen in obigem Sinne, die jedoch die gleichen Nachteile aufweisen.

Aufgabe der Erfindung ist es daher, einen gegenüber dem Stand der Technik wirksameren Schutz vor Verletzungen bei Vorrichtungen mit verletzungsträchtigen Bauteilen zu schaffen. Gelöst wird diese Aufgabe durch eine Vorrichtung gemäß Patentanspruch 1, durch ein Verfahren gemäß Patentanspruch 15, durch die Verwendung eines Arbeitskleidungsstücks gemäß Patentanspruch 17 und durch einen Nachrüstsatz gemäß Patentansprüchen 18 und 19.

VORTEILE DER ERFINDUNG

Die erfindungsgemäße Vorrichtung gemäß Anspruch 1 weist gegenüber dem bekannten Lösungsansatz den Vorteil auf, daß sie gar keinen oder im Extremfall einer sehr schnellen Annäherung eines Körperteils an das gefährliche, verletzungsträchtige Bauteil einen nur äußerst kurzzeitigen Kontakt mit diesem zulassen. Damit gibt es keine Verletzungen mehr oder in dem geschilderten Extremfall wird ihr Ausmaß extrem reduziert.

Die der vorliegenden Erfindung zugrunde liegende Idee besteht darin, dafür zu sorgen, daß die Person, die mit dem gefährlichen Bauteil umgeht, einen merklichen, aber im Prinzip ungefährlichen elektrischen Schlag versetzt bekommt, wenn sie sich dem Bauteil selbst zu sehr annähert. Dabei wird unter Annäherung entweder eine so geringe Entfernung verstanden, daß beim elektrischen Schlag ein Funkenüberschlag durch den Luftspalt zwischen Bauteil und Körperteil zustande kommt, oder alternativ ein Strom durch direkten Kontakt zwischen Bauteil und Körperteil fließt, wie in obig geschildertem Extremfall.

Dafür wird das Bauteil selbst mit einer elektrischen Hochspannung - bevorzugt von mehr als 1 Kilovolt aufgeladen und die Person bzw. in bevorzugter Weise ein oder mehrere gefährdete Gliedmaßen von ihr direkt geerdet. Eine einfache Schaltung zum hauptsächlichen Einsatz in netzgekoppelten Werkzeugen enthält einen netzkoppelbaren Transformator zur Erzeugung einer Hochspannung aus der 220 V Netzspannung, einen Gleichrichter, und einen Kondensator, der eine gewisse, wohl-einstellbare Ladungsmenge bei einer bestimmten, wohl-definierten Spannung halten kann. Die Bauteilkapazität kann selbst Teil der Kondensatorkapazität sein. Es wird über den Kondensator aufgeladen und entlädt sich im Moment der Annäherung. Vorzugsweise wird danach der Kondensator und das Bauteil erneut aufgeladen, damit es für den nächsten Einsatz oder für den gleichen Einsatz einen wiederholten Schlag automatisch abgeben kann, falls der vorhergehende Schlag durch unerwartetes Ausbleiben des Zurückzuckens keine Wirkung gezeigt haben sollte. Eine Kaskadenschaltung aus Kondensatoren und Dioden kann auch als Hochspannungserzeuger verwendet werden.

Damit wird ein bislang unbekanntes technisches Prinzip für solche gefährlichen Werkzeuge, wie sie eingangs erwähnt wurden, eingeführt: Das bewußte Herbeiführen eines elektrischen Schlags mit der bewußten Herbeiführung der natürlichen, unwillkürlichen körperlichen Folge des Schlags- einem Zurückzucken, das seinerseits dazu dient, den Abstand zwischen Körperteil und Bauteil ebenso unwillkürlich und unmittelbar wieder zu vergrößern, so daß keine weitere Annäherung oder gar ein Kontakt stattfinden kann. Das erfinderische Prinzip "Hochspannung als Schutz vor Verletzungen" kehrt das bisherige Prinzip um: "Schutz vor Hochspannungsverletzungen"

Der bewußt herbeigeführte, elektrische Schlag bewirkt zumindest bei gesunden Personen, daß die Nerven des berührenden Körperteils die Muskeln der gefährdeten Körperpartie so ansteuern, daß diese unwillkürlich - über vegetative Reizleitung und Reizverarbeitung - zurückzuckt, bevor die anderenfalls unmittelbar bevorstehende Berührung überhaupt stattfinden konnte. Wenn eine Berührung aufgrund besonderer Umstände - etwa bei zu schneller Annäherung oder hoher Massenträgheit des Körperteils oder aufgrund der Ausprägung irgendeines Ausführungsbeispiels der vorliegenden Erfindung bereits erfolgt sein sollte, so bewirkt der Stromstoß auch ein Zurückzucken, so daß die zeitliche Dauer der Berührung - und damit die Schwere der Verletzung - signifikant vermindert wird im Vergleich zu der Reizleitung bei üblichen Körperreaktionen bei Verletzungen.

In einer mit verschiedenen Personen durchgeführten Versuchsreihe ist es beispielsweise keiner einzigen Person gelungen, einen 30 cm langen Aluminiumstab mit der bloßen Hand so nahe an ein mit einer erfindungsgemäßen Schutzvorrichtung versehenes, rotierendes Kreissägeblatt heranzuführen, daß dem Stab auch nur ein Kratzer zugefügt worden ist.

In bevorzugter Weise ist das gefährliche Bauteil (Messer, Sägeblatt, etc.) elektrisch in seiner Vorrichtung isoliert, damit Spannung, Potentialdifferenz und Ladungsmenge des Stromschlages gut und verläßlich dimensioniert werden können, damit auch sichergestellt ist, daß die Person keinen Schaden nimmt.

Die Wirkung des Stromschlages ist abhängig von den einzelnen, elektrischen Eigenschaften des Gesamtsystems, wie etwa wirksame Leitfähigkeiten der beteiligten elektrischen Verbindungen, Stromstärken, Spannungsstärken, Kapazitsgrößen, etc., enthaltend die Bedienperson(en), deren Kontakt zur Erde, dem gefährlichen Bauteil, der Maschine, die das Bauteil trägt und dem Werkstück, falls vorhanden. Eine bevorzugte Dimensionierung des Stromschlags sollte immer an die in dem Gesamtsystem vorherrschenden elektrischen Bedingungen angepaßt sein.

In den Unteransprüchen finden sich vorteilhafte Weiterbildungen und Verbesserungen des jeweiligen Gegenstandes der Erfindung.

Eine Spannung von mehr als 1 kV unter normalen Bedingungen, d. h., eine Person ist zumindest an einem Gliedmaß schutzgeerdet - bevorzugt eine Spannung von 5 oder 6 kv und eine Entladekapazität von 200 picoFarad bewirkt einen ausreichenden Stromschlag. Eine geringere Kapazität, z. B., 50 picoFarad gekoppelt mit höherer Spannung ist vorteilhaft, wenn eine gewisse automatische Anpassung an die Isolierungsverhältnisse der Person und des Bauteils vorgenommen werden soll.

Es versteht sich von selbst, daß die angegebenen Größen innerhalb vernünftig anzunehmender Bereiche variiert werden können, und dabei zumindest für den weitaus überwiegenden Teil von Personen in vielen verschiedenen Lebenssituationen zu dem beabsichtigten Schutz durch Zurückzucken von dem gefährlichen Bauteil führen.

Die Schaltung kann in bevorzugter Weise mit einem Regler versehen sein, der die Entladespannung regelt. Damit kann automatisch eine Anpassung der Potentialdifferenz zwischen Bauteil und Person vorgenommen werden, etwa in einem Fall, bei dem Kriech- oder Fremdströme durch das Bauteil abfließen und daher die erfinderisch wirksame Potentialdifferenz beeinflussen. Die Spannung kann also mit verschiedenen Regelstrategien einem vorgegebenen Sollwert oder alternativ einem von den elektrisch relevanten Umgebungsbedingungen abhängigen Sollwert nachgeführt werden.

Eine Einrichtung zur Aktivierung bzw. Deaktivierung der Schaltung gleichzeitig oder zeitversetzt zum Einschaltvorgang bzw. Ausschaltvorgang eines mechanisch nachlaufenden Geräts wie etwa einer Kreissäge hat den Vorteil, daß der Schutz immer vorhanden ist, wenn er benötigt wird, nicht vorher - und nicht danach. Denn ein nachlaufendes Bauteil ist ja immer noch gefährlich, obwohl das zugehörige gerät längst ausgeschaltet ist. Unnötige, elektrische Schläge werden somit vermieden. Ein in Ruhe befindliches Sägeblatt soll ja erfindungsgemäß angefaßt werden können. Eine solche Einrichtung kann z. B. einen festen oder zuschaltbaren Widerstand enthalten, über den die Ladung des Kondensators abfließen kann, ohne jemanden zu gefährden. Damit ist die Vorrichtung innerhalb eines kurzen Zeitraum automatisch entschärft.

Dasselbe gilt sinngemäß für die Nachheizphase einer gefährlich heißen Wärmequelle, wie etwa einem Küchenherd.

Des weiteren kann in vorteilhafter Weise ein Gummireibrad oder eine Walze als Reibkörper zur Erzeugung einer elektrostatisch aufgebrachten elektrischen Ladung genutzt werden, wenn sich das Bauteil bewegt, durch Translation oder Rotation. Dann kann ein Reibrad diese mechanische Bewegungsenergie durch mechanische Kopplung aufnehmen, und die durch Reibung entstehende Ladungstrennung auf einen Kondensator oder -falls geeignet auf das gefährliche Bauteil selbst und allein übertragen, sofern dessen Kapazität groß genug, bzw., geeignet ist. Diese Variante kann unter Umständen im wesentlichen ohne eine weitere explizite Schaltung auskommen, wie sie oben beschrieben wurde. Sie setzt eine Drehung des Reibrades voraus, die dann ausgenutzt werden kann. Es kann vorteilhaft überall dort angewendet werden, wo eine Stromquelle zur Erzeugung der Hochspannung nicht oder nur schwer genutzt werden kann.

In ähnlicher Weise läßt sich ein Dynamo-Generatorsystem zur Erzeugung einer Spannung nutzen, wobei die Bewegung des gefährlichen Bauteils oder eines anderen beweglichen Teils der das gefährliche Bauteil tragenden Vorrichtung vorteilhafterweise in das Dynamo-Generatorsystem integriert werden kann. Beispielsweise kann ein feststehender Magnet von einer rotierenden Induktivität umgeben sein. Eine Drehachse kann dabei beispielsweise den Magnet enthalten.

Das erfinderische Verfahren zum Schützen einer Person vor Gefahren im Kontakt mit einem gefährlichen Bauteil, enthält im wesentlichen die Schritte des Aufladens des Bauteils selbst mit einer elektrischen Spannung, und des Abgebens eines Stromschlages an die zu schützende Person, wenn diese dem Bauteil zu nahe kommt. Dabei kann auf die oben gemachten Ausführungen zur Ausgestaltung und Dimensionierung der Spannung Bezug genommen werden.

Die Schaltung kann in vielerlei Geräte und Vorrichtungen eingebaut oder je nach Anwendungsfall als Modul angekoppelt werden. Geeignet sind im wesentlichen alle gefährliche Werkzeuge oder Wärmequellen, sofern eine Berührung durch Personen oder Tiere mit einiger Sicherheit statistisch annehmbar ist.

Insbesondere elektrisch oder motorisch betriebene Werkzeuge, etwa Kreissägen wie Handkreissägen oder Tischkreissägen, Kettensägen, Fräsen, oder weitere gefährliche Werkzeuge oder Maschinen lassen sich erfindungsgemäß schützen. Des weiteren auch fest installierte Maschinen, die in der Industrie irgendein gefährliches Arbeitsverfahren durchführen und dabei gefährliche Bauteile einsetzen, etwa Pressen, Stanzen, etc., die beispielsweise noch zusätzlich durch leitfähige Vorhänge, etc., je nach Arbeitsplatzsituation abgesichert werden können.

Die Umgebung des verletzungsträchtigen Bauteils kann auch elektronisch überwacht werden, beispielsweise durch elektrische Felder, Lichtschranken Infrarotsensoren oder andere Sensorik. Daraus kann ein Signal zur Stromunterbrechung einer Induktivität, oder eines Transformators gewonnen werden, das geeignet ist, einen Schlag auszulösen, bzw., die vorbestimmte elektrische Ladungsmenge auf das Bauteil überzuleiten.

Des weiteren kann eine erzwungene Schutzerdung des Bedieners oder/und anderer gefährdeter Personen bzw. Lebewesen vorgenommen werden, z. B. durch erzwungenes Berühren eines geerdeten AUS/EIN Knopfes oder Griffs der Maschine. Dies hat den Vorteil, daß die beim Schlag wirksame Potentialdifferenz wenigstens nach einer Richtung genau definiert ist und nicht durch den Isolationsgrad der gefährdeten Person oder deren statische Aufladung - etwa durch Reibung zwischen Teppichboden und Gummisohlen weiter beeinflußbar ist. Dabei wird ein elektrisch direkter Hautkontakt zum Schutzleiter oder über geeignete elektronische Bauelemente wie Dioden, Widerstände, Varistoren etc., oder bedingt leitende Materialien hergestellt.

Eine Schutzerdung kann insbesondere nahe einer oder mehrerer gefährdeter Extremität(en) oder Körperpartie(n) - insbesondere im Bereich von Hand- oder Fußgelenk(en) - allein oder zusätzlich durch Hand- oder Fußgelenkbänder mit leitender Verbindung zu einer Ankopplung an Erdpotential - an festem externen Kontakt oder an der Werkzeug selbst vorgenommen werden. Diese Maßnahme ist sinnvoll einsetzbar bei Menschen mit Herzschrittmachern, da der Strom dann nicht in Richtung Herz fließt. Eine Schutzerdung kann auch lediglich mittelbar, z. B. über eine vorab definierte kurze Funkenflugstrecke geschaffen sein.

Weiter kann erfindungsgemäß auch Arbeits- und insbesondere Schutzkleidung - etwa beispielsweise Arbeitshandschuhe oder Arbeitsschuhe mit elektrisch leitenden Elementen versehen sein, die sicherstellt, daß der schützende Stromschlag auch durch diese meist elektrisch isolierende Kleidung an die Haut der Person durchdringt. Dies kann beispielsweise durch leitfähige Elemente, etwa metallhaltige Umkleidungen, Ein-/Aufwebungen an der Außenseite von Arbeitshandschuhen oder Arbeitsschuhen erfolgen, die eine leitfähige Verbindung zur Innenseite des Schuhes bzw. Handschuhes und von dort eine Kontaktfläche zum Strumpf und/oder zur Haut der Person aufweisen.

Schließlich kann vorteilhafterweise auch eine Strombegrenzung in die beim Stromschlag wirksame, elektrische Verbindung eingefügt werden, um die Person zu schützen.

ZEICHNUNGEN

Ausführungsbeispiele der Erfindung sind in der Zeichnung dargestellt und in der nachfolgenden Beschreibung näher erläutert.

Es zeigt:

Fig. 1 ein schematisches Schaltbild für eine Schutzschaltung mit einem gefährlichen Bauteil.

BESCHREIBUNG DER AUSFÜHRUNGSBEISPIELE

Fig. 1 ist auf einen willkürlich herangezogenen Anwendungsfall einer Schutzschaltung für Handkreissägen bezogen. Eine Handkreissäge hat mit dem schnell rotierenden Sägeblatt ein gefährliches Bauteil. Sie wird viel bewegt, Bewegungen werden nicht immer kontrolliert ausgeführt, und es gibt den Fall des Nachlaufens nach erfolgtem Ausschalten. Damit ist ein geeigneter Anwendungsfall gegeben.

Die Schaltung gemäß diesem Ausführungsbeispiel enthält einen klein dimensionierten Hochspannungstransformator 10, der lediglich eine geringe Stromlieferfähigkeit hat, die bei direkter Berührung durch eine Person oder ein Tier nicht ausreicht, diese zu gefährden. Die erzeugte Hochspannung - etwa 20 Kilovolt - wird in einem Gleichrichter 12 gleichgerichtet und lädt einen Hochspannungskondensator 14 binnen Sekundenbruchteilen, z. B. 0,3 bis 0,5 sec. auf. Das gefährliche Bauteil 18 ist schematisch linsenförmig dargestellt. Das Bauteil 18 ist das rotierende Sägeblatt. Es ist über seine Achse oder wahlweise oder aus Sicherheitsgründen zusätzlich über einen Schleifkontakt als Verbindung 17 - in Fig. 1 nur schematisch angedeutet - mit dem Kondensator 14 verbunden. Damit sammelt sich Ladung auch im Sägeblatt 14. Das Sägeblatt ist Teil des Kondensators, der eine Gesamtkapazität von 50 picoFarad besitzt. Die Gesamtladungsmenge, die dann als Stromschlag abfließt, wäre dann in erster Näherung gemäß der Formel

Q = C.U mit

Q := Ladung,

C := 50 pF Kapazität und

U := 20 kV Spannung

Q = 1 Millicoulomb.

Die so erzeugte, im Kondensator vorgehaltene Ladung erzeugt dann bei einem Berührungsversuch mit einem Finger 16 einen merklichen, aber für die Person in dieser Größenordnung ungefährlichen Stromschlag.

Der Stromschlag geht durch den Finger 16 einer Person, die gerade das gefährliche Bauteil 18 berührt. Dieses ist als Teil der Schaltung ausgebildet. Dieser Schlag geht als Funkenüberschlag durch den Luftspalt zwischen Fingerspitze und Sägeblatt. Er entfaltet dann die rettende Wirkung, die den Finger vor einer Berührung mit dem Sägeblatt schützt. Das heißt im vorliegenden Anwendungsfall berührt der Finger nicht das Sägeblatt, selbst wenn die Person den Finger mit geschlossenen Augen an das Sägeblatt heranführen würde. Stattdessen zuckt er unwillkürlich und unabhängig vom Bewußtseinszustand der Person zurück.

Obwohl die vorliegende Erfindung anhand eines bevorzugten Ausführungsbeispiels vorstehend beschrieben wurde, ist sie darauf nicht beschränkt, sondern auf vielfältige Weise modifizierbar.

In einer erweiterten Schaltung können auch mehrere Pulse nacheinander erzeugt werden, wie oben bereits erwähnt. Auch positive und negative Pulse bezogen auf Erdpotential sind möglich, eine alternierende Folge ebenfalls, um Schäden am Körper der Person gering zu halten.

Eine Umkehrung der elektrischen Verhältnisse ist prinzipiell auch möglich, bei der die Person elektrisch aufgeladen wird und das Bauteil geerdet ist. Dies empfiehlt sich etwa, wenn über das Werkstück dauernd Strom abfließen würde, weil es aufgrund von Feuchtigkeit oder Stoffnatur elektrisch leitend ist.

Ebenso kann ein Spartransformator oder eine Induktivität zur Erzeugung der aufzubringenden elektrischen Spannung benutzt werden.

Bei elektrisch nicht leitfähigen, gefährlichen Bauteilen, wie etwa manche Trennscheiben bei einer Flex, können die oben erwähnten elektrisch leitenden Elemente beispielsweise als Fäden, Fadennetz, Leitungsnetz oder als durchgehende Außenoberflächenschicht auf das Bauteil aufgebracht werden, um die Ladung an das gefährliche Bauteil heranzuleiten.

Die Erfindung umfaßt auch Nachrüstsätze für einzelne Vorrichtungen mit gefährlichen Bauteilen. Ein solcher Nachrüstsatz kann etwa eine Schaltung enthalten, wie sie erfindungsgemäß beansprucht und offenbart wird. Oder er kann ein gefährliches Bauteil enthalten, das als Verschleißteil sowieso öfter ausgetauscht wird, etwa ein Sägeblatt mit einem Adapter, der die Schutzvorrichtung enthält, die nach Einbau in das zugehörige Werkzeuggerät wirksam wird und die erfinderische Schutzwirkung beim Betrieb entfaltet.


Anspruch[de]
  1. 1. Vorrichtung mit einem verletzungsträchtigen Bauteil (18), enthaltend eine Schaltung, die Schaltung enthaltend eine Spannungsquelle (14) und eine elektrische Verbindung (17) zwischen Spannungsquelle (14) und dem verletzungsträchtigen Bauteil (18), wobei die Schaltung dazu eingerichtet ist, einen Stromschlag an eine Person abzugeben, wenn diese dem verletzungsträchtigen Bauteil (18) zu nahe kommt.
  2. 2. Vorrichtung nach Anspruch 1, bei der die Schaltung eine Einrichtung zum Begrenzen der Dauer des Stromschlages und/oder dessen abgegebener Ladungsmenge enthält.
  3. 3. Vorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, bei der die Schaltung einen Kondensator (14) zur Speicherung wenigstens eines Teils der Ladungsmenge enthält.
  4. 4. Vorrichtung nach einem der vorstehenden Ansprüche, bei der die Schaltung einen Transformator (10) zur Erzeugung von Hochspannung enthält.
  5. 5. Vorrichtung nach einem der vorstehenden Ansprüche, bei der die Schaltung einen Reibkörper zur Erzeugung von Hochspannung enthält.
  6. 6. Vorrichtung nach einem der vorstehenden Ansprüche, bei der die Schaltung ein Dynamo-Generatorsystem zur Erzeugung von Hochspannung enthält.
  7. 7. Vorrichtung nach einem der vorstehenden Ansprüche, bei der die Schaltung einen Regler zum Regeln von Hochspannung enthält.
  8. 8. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei der die Schaltung eine Einrichtung zur Aktivierung der Schaltung gleichzeitig oder zeitversetzt zum Einschaltvorgang einer die Schaltung und das verletzungsträchtige Bauteil enthaltenden Vorrichtung aufweist.
  9. 9. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei der die Schaltung eine Einrichtung zur Deaktivierung der Schaltung gleichzeitig oder zeitversetzt zum Ausschaltvorgang einer die Schaltung und das verletzungsträchtige Bauteil (18) enthaltenden Vorrichtung aufweist.
  10. 10. Vorrichtung nach einem der vorstehenden Ansprüche, weiter enthaltend eine Überwachungseinrichtung zum Überwachen einer Annäherung eines Gegenstandes an das verletzungsträchtige Bauteil (18) oder einer dieser wenigstens teilweise umschließenden Vorrichtung, und eine Auslöseeinrichtung, die das verletzungsträchtige Bauteil (18) bei erfolgter Annäherung elektrisch auflädt.
  11. 11. Vorrichtung nach einem der vorstehenden Ansprüche, die ein elektrisch oder motorisch betriebenes Werkzeuggerät darstellt.
  12. 12. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, enthaltend eine Schutzerdungseinrichtung für deren Bediener.
  13. 13. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, enthaltend eine Kopplung zu einer Bedienungseinrichtung der Vorrichtung.
  14. 14. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, enthaltend einen Erdungsset für eine oder mehrere Extremitäten des Bedieners, enthaltend ein oder mehrere Elemente aus elektrisch leitfähigem Material zum Ableiten von elektrischer Ladung von einer Extremität einer Person und wenigstens eine elektrische Verbindung zur Ankopplung an einen Erdungskontakt an der Vorrichtung.
  15. 15. Verfahren zum Schützen einer Person vor Gefahren im Kontakt mit einem verletzungsträchtigen Bauteil (18), enthaltend die Schritte,

    Aufladen des verletzungsträchtigen Bauteils (18) selbst mit einer elektrischen Spannung,

    Abgeben eines Stromschlages an die Person, wenn diese dem verletzungsträchtigen Bauteil (18) zu nahe kommt.
  16. 16. Verwendung eines Arbeitskleidungsstücks in einem Verfahren nach Anspruch 15, insbesondere eines Arbeitsschuhs oder Arbeitshandschuhs, mit elektrisch leitfähigen Elementen, die dazu eingerichtet sind, einen elektrischen Strom von der Außenseite des Arbeitskleidungsstücks her an die Haut der das Arbeitskleidungsstück tragende Person zu leiten.
  17. 17. Nachrüstsatz für eine Vorrichtung mit einem verletzungsträchtigen Bauteil (18), enthaltend eine Schaltung mit einer Spannungsquelle (14), der derart ausgebildet ist, daß die Spannungsquelle (14) mit dem verletzungsträchtigen Bauteil (18) elektrisch verbindbar ist, und bei dem die Schaltung dazu eingerichtet ist, einen Stromschlag an eine Person abzugeben, wenn diese dem verletzungsträchtigen Bauteil (18) zu nahe kommt.
  18. 18. Nachrüstsatz für eine Vorrichtung mit einem verletzungsträchtigen Bauteil (18), enthaltend das verletzungsträchtige Bauteil (18) als Austauschteil mit zugehöriger Schaltung mit einer Spannungsquelle (14), bei dem das verletzungsträchtige Bauteil (18) mit der Spannungsquelle (14) elektrisch verbunden ist und die Schaltung dazu eingerichtet ist, einen Stromschlag an eine Person abzugeben, wenn diese dem verletzungsträchtigen Bauteil (18) zu nahe kommt.






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