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Dokumentenidentifikation DE10136397A1 13.02.2003
Titel Mittel zum Abtöten oder Auflösen von Kokzidien und Oozysten
Anmelder Widulle, Herbert, Dipl.-Chem. Dr., 22547 Hamburg, DE
Erfinder Widulle, Herbert, Dipl.-Chem. Dr., 22547 Hamburg, DE
DE-Anmeldedatum 26.07.2001
DE-Aktenzeichen 10136397
Offenlegungstag 13.02.2003
Veröffentlichungstag im Patentblatt 13.02.2003
IPC-Hauptklasse A01N 59/26
IPC-Nebenklasse A01N 37/02   

Beschreibung[de]
Stand der Technik

Die enge Haltung von Tieren ist in der Tierzucht eine Notwendigkeit, den notwendigen Schutz der Tiere zu sichern und eine ökonomische Arbeitsweise sicherzustellen. Dabei sinken die Kapitalkosten für die Unterbringung umso mehr, je kleiner die Fläche ist, die ein Tier zur Verfügung hat. Diese enge Unterbringung in Zusammenhang mit der Umstellung von Dungmistung der Weiden und Felder auf Gülledüngung haben die Überlebensmöglichkeiten für Parasiten und bakterielle Krankheitserreger drastisch erhöht. Eine effektive und einfache Gegenmaßnahme war die Spaltenhaltung bei Rindern und Schweinen und die Käfighaltung bei Geflügel. Aus Tierschutzgründen soll jetzt die Käfighaltung für Geflügel verboten werden. Es ist also mit einem Anstieg der Tierkrankheiten zu rechnen. Im Gegensatz zu früher können aber mit vorsorglich gegebenen Antibiotika die mangelnde Hygiene in spaltenlosen Ställen oder bei Bodenhaltung von Geflügel nicht ausgeglichen werden, da aus Gründen des Gesundheitsschutzes die Gabe von Antibiotika und Antihelmintika an Tiere, die der Gewinnung von Lebensmittel dienen, stark eingeschränkt werden soll.

Seit vielen Jahren werden parasitäre Würmer, deren adulte Formen in den Därmen der Tiere leben, in Geflügelställen und anderen Ställen mit Produkten bekämpft, die neben phenolischen Wirkstoffen, wie zum Beispiel Chlormetakresol, noch Schwefelkohlenstoff enthalten. Diese Mittel sind erprobt und wirksam, die Anwendung ist aber für die Person, die das Mittel ausbringt, gefährlich. Schwefelkohlenstoff ist ein starkes Nervengift und außerdem auch noch leicht brennbar und leicht entzündlich. Die Anwendung von derartigen Mischungen ist also sogar dann gefährlich, wenn der Verwender eine Atemschutzmaske trägt, da Schwefelkohlenstoff auch durch die unverletzte Haut absorbiert werden kann. Der Schwefelkohlenstoff ist also notwendig, um die Eier der Darmwürmer zu lysieren oder auch durch die intakte Eihülle hindurch die Oozyste so zu schädigen, daß sie nicht mehr sporulieren kann.

Vor einigen Jahren wurde ein Zweikomponentensystem von der Fa. Schülke & Mair propagiert. Bei diesem System entstand der gefährliche Schwefelkohlenstoff erst beim Mischen der beiden Komponenten vor Ort mit Wasser, so daß zumindest die Brandgefahr verringert war. Durchgesetzt hat sich das System aber nie.

Unter der Nummer DE 43 17 083 A1 ist ein Mittel offenbart worden, das Kokzidieneier sicher abtöten soll, ohne daß Schwefelkohlenstoff verwendet werden soll. Dieses Produkt enthält neben 25 Prozent Chlormetakresol eine keratolytisch wirksame Säure wie zum Beispiel Thioglycolsäure, Ameisensäure oder Salicylsäure, ein Alkalisalz eines Sulfonates, wie zum Beispiel ein Alkylarylsulfonat oder ein sekundäres Alkansulfonat und einen Ethylenglycoldialkylether. Die Verwendung von anderen üblichen Inhaltsstoffen neben diesen mindestens notwendigen ist natürlich sinnvoll und wird auch beschrieben. Das Mittel, das in der DE 43 17 083 A1 beschrieben wird, tötet Ascarideneier ab und verhindert im Laborversuch die Infektion mit Kokzidien. Die Wirksamkeit des Mittel beruht aber nicht nur, wie in der Offenlegungsschrift beschrieben, auf der keratolytischen Wirkung der offenbarten Säuren oder Säurekombinationen, sondern auch auf dem Fettlösevermögen der ausgewählten Tenside. Gut penetrierende Tenside, wie sie für die Abtötung und Auflösung von Oozysten notwendig sind, sind aber immer stark fischtoxisch und stark toxisch auf der verletzten Haut. Nichtionische Tenside von der Art, wie sie in der DE 43 17 083 A1 als Inhaltsstoffe für das offenbarte Mittel beschrieben werden, sind zwar biologisch abbaubar nach Wasch- und Reinigungsmittelgesetz, aber sie verringern die Oberflächenspannung des Wassers so stark, daß die Kiemen von Fischen und anderen Wassertieren nicht mehr funktionieren und die Tiere ersticken. Für eine Entgiftung des Produktes ist also eine Neutralisation der Säure in dem Produkt nicht ausreichend.

Es wurde also ein Produkt gesucht, das Oozysten lysieren oder ihre Sporulation verhindern kann und das gleichzeitig leicht zu entgiften ist.

Beschreibung der Erfindung

Die im Stand der Technik gestellte Aufgabe, ein gut abbaubares, leicht zu entgiftendes Desinfektionsmittel zu erstellen, das genauso wirksam ist wie die bekannten Desinfektionsmittel auf Basis nichtionischer Tenside oder Schwefelkohlenstoff sollte wie folgt gelöst werden:

Statt der in der DE 43 17 083 A1 beschriebenen organischen Säure, die keratolytisch wirken sollte, wurde Phosphorsäure verwendet. Ziel war es, die korrosiven Eigenschaften von organischen Säuren gegenüber Metallen zu verbessern. Kontrollen mit getrockneten Krebstieren und sporulierten Oozysten zeigten dann, daß Phosphorsäure sporulierte Oozysten auflösen kann und auch getrocknete Krebse lösen kann. Zum Lösen von Chlormetakresol oder einem anderen Phenol in der Phosphorsäure kann es notwendig sein, ein Tensid zur Mischung zuzugeben, wie zum Beispiel Alkylarylsulfonsäure oder das entsprechende Alkalisalz, Natriumalkansulfonat, nichtionisches Tensid, auch endgruppenverschlossen, oder auch ein kationisches Tensid als Lösevermittler sind möglich. Bevorzugt sind aber nichtionische und anionisches Tenside.

Erstaunlicherweise und auch für den Fachmann völlig unerwartet, zeigte es sich, daß Kombinationen von Phosphorsäure mit amphiphiler organischer Säure die besten Ergebnisse bei der Lysis von Oozysten erbrachten. Dabei waren besonders gut Kombinationen von Phosphorsäure mit Propionsäure. Es sind aber auch Kombinationen von Phosphorsäure mit anderen organischen Säure, wie zum Beispiel Buttersäure, Hydroxybuttersäure, Hydroxypentansäure, Pentansäure, Hexansäure, Hydroxyhexansäure, Milchsäure, Ameisensäure, Essigsäure oder Zitronensäure oder Weinsäure möglich. Besonders bevorzugt wegen der guten lösevermittelnden Eigenschaften und der guten Wirksamkeit der Kombinationen Phosphorsäure mit Propionsäure auf sporulierte Oozysten ist aber die Kombination Phosphorsäure mit Propionsäure bevorzugt. Es kann notwendig sein, um eine klare Lösung der Inhaltstoffe des Produktes ineinander und eine klare Gebrauchsverdünnung zu bekommen, neben der Propionsäure noch eine oder mehrere andere organische Säuren zu verwenden, wie zum Beispiel Buttersäure, Hydroxybuttersäure, Hydroxypentansäure, Pentansäure, Hexansäure, Hydroxyhexansäure, Milchsäure, Essigsäure oder Ameisensäure. Verwendet werden können in Hochkonzentraten problemlos alle flüssigen organischen Säuren mit einer Kettenlänge von einem bis zehn Kohlenstoffatomen und einer guten Löslichkeit in Wasser. Feste organische Säure wie beispielhaft Zitronensäure oder Weinsäure mit einer Kettenlänge von einem bis zehn Kohlenstoffatome können demgegenüber nur in Produkten mit einem geringeren Aktivgehalt und einer höheren Anwendungskonzentration verwendet werden. Sie sind deshalb weniger bevorzugt. Insgesamt sind natürlich wenig oder nicht riechende Säure bevorzugt. Bezogen auf die Massengehalte sind besonders bevorzugt Kombinationen von Phosphorsäure mit organischer Säure im Verhältnis eins zu zwei bezogen auf die Phosphorsäure bis zwei zu eins, bezogen auf die Phosphorsäure. Kombinationen, die diesen Verhältnissen nicht entsprechen, sind zwar ebenfalls möglich, sind aber nicht bevorzugt.

Die erfindungsgemäßen Mittel enthalten neben einer bakteriziden oder fungiziden Phenolverbindung, wie zum Beispiel Chlormetakresol, Biphenylol, Tetrabromkresol, Pentachlorphenol, Dichlorkresol, Chlorthymol oder Thymol, wobei diese Aufzählung nicht als abschließend zu verstehen ist, eine keratolytisch wirksame Menge an Phosphorsäure.

Zusätzlich enthalten die Mittel noch ein Tensid oder eine flüssige organische Säure oder eine Mischung dieser Komponenten. Ebenfalls ist es möglich, die Phenolverbindung in dieser Mischung mit einer flüssigen organischen Säure, die auch keratolytisch wirken kann, bevorzugt Propionsäure, in Lösung zu bringen. Dabei kann es notwendig und hilfreich sein, mehr Tensid oder flüssiger organischer Säure zu dem Konzentrat zuzugeben als notwendig ist, um dieses klarzustellen, um so eine Gebrauchsverdünnung klarzustellen und sicherzustellen, daß auch nach Lösen von Oozysten, die Fette freisetzen, eine Gebrauchsverdünnung klar ist und kein Phenol ausfällt. Für die Wirksamkeit gegenüber Oozysten sind aber die Mengen an Phosphorsäure und organischer Säure in dem Produkt und die Menge und die Art der Phenolverbindung entscheidend. So sind die Mischungen aus Phosphorsäure mit organischer Säure und der Phenolverbindung wirksamer als die in der DE 43 17 083 A1 beschriebenen Mischungen aus ausgewählten Tensiden mit Phenolverbindungen und einer keratolstisch wirkenden organischen Säure. Die bessere Wirksamkeit gilt sogar dann, wenn statt der in der DE 43 17 083 A1 offenbarten komplizierten und teuren Tensidmischungen einfach nur ein Standardtensid wie zum Beispiel Alkylarylsulphonsäure ausgewählt und verwendet wird. Ebenfalls unnötig sind bei der Kombination von Phenolverbindung mit Phosphorsäure und organischer Säure Lösungsvermittler, die womöglich schlecht biologisch abbaubar sind und sich mit der Gülle nicht entsorgen lassen. Demgegenüber ist der Zusatz an Phosphorsäure zum Produkt ökologisch unbedenklich: Gülle wird als Dünger verwendet, um den Stickstoff- und den Phosphatgehalt des Bodens zu erhöhen. In vielen Fällen muß zusätzlich zur Gülledüngung noch eine Phosphatdüngung erfolgen, um die Pflanzen optimal ernähren zu können.

Die Erfindung soll mittels einiger Beispiele näher erläutert und verdeutlicht werden. Hier wie bei allen anderen Angaben sind dimensionslose Angaben als Massenprozente zu verstehen:





Die angegebenen Wirksamkeit im Lysistest sind relative Wirksamkeiten, die bei verschiedenen Testungen gefunden wurden und mittels eines Standards normiert wurden. Das Produkt Neopredisan 135 ist das Produkt, das von dem in der DE 43 17 083 A1 genannten Erfinder vertrieben wird und deshalb hier als Vergleich und als Stand der Technik verwendet wird. Die Einwirkdauer bei dem Lysistest betrug vier Stunden, die Konzentration in der Gebrauchsverdünnung betrug drei Prozent des Konzentrates. Die hier genannten Ergebnisse stimmen nicht mit den Ergebnissen überein, die mit nicht sporulierten Oozysten im Vortest nach DVG erzielt werden und die allgemein genannt werden. Die in der Tabelle genannten Daten wurden mit sporulierten Oozysten erzielt.

Die erfindungsgemäßen Mischungen sind klare, viskose Produkte, die leicht nach Propionsäure riechen, wenn diese als organische Säure verwendet worden ist. Wegen des stechenden Geruches ist die Verwendung von Ameisensäure oder Buttersäure nicht bevorzugt. Besonders angenehm riechen die Produkte, in denen statt Propionsäure Milchsäure verwendet wird.

Die Produkte haben einen pH-Wert von null bis drei, wobei die tiefen pH- Werte durch freie Sulphonsäuren hervorgerufen werden, die sich in den Konzentraten besser lösen lassen als Natrium- oder Kaliumsulphonate. Die Korrosivität der Gebrauchsverdünnungen wird durch die Phosphorsäure gemildert, die mit Beton, Zementen und vielen Metallen Schutzüberzüge bildet, die den weiteren Angriff der sauren Gebrauchsverdünnung abmildert oder verhindert. Als weitere Korrosioninhibitoren können Benzotriazol, Tolyltriazol, Butindiol oder auch anionische Inhibitoren wie zum Beispiel langkettige Dicarbonsäuren verwendet werden. Die Verwendung von Benzotriazol und Tolyltriazol ist aber bevorzugt. Dabei werden Tolyltriazol oder Benzotriazol bevorzugt in einer Konzentration von einem bis 1000 ppm in der Gebrauchsverdünnung eingesetzt, je nach dem wie empfindlich die zu desinfizierenden Metalloberflächen sind.


Anspruch[de]
  1. 1. Mittel zur Vernichtung von Parasiten, Parasiteneiern und Dauerformen der Parasiten in Tierställen und menschlichen Behausungen, dadurch ausgezeichnet, daß es eine kurzkettige organischen Säure und Phosphorsäure enthält.
  2. 2. Mittel nach Anspruch eins, dadurch ausgezeichnet, daß die kurzkettige organisches Säure Propionsäure, Buttersäure, Hydroxybuttersäure, Hydroxypentansäure, Pentansäure, Hexansäure, Hydroxyhexansäure, Milchsäure, Ameisensäure, Essigsäure, Zitronensäure oder Weinsäure ist.
  3. 3. Mittel nach den Ansprüchen eins und zwei, dadurch ausgezeichnet, daß es Phenol oder ein Phenolderivat enthält.
  4. 4. Mittel nach den Ansprüchen eins bis drei, dadurch ausgezeichnet, daß das Phenolderivat Chlormetakresol, Biphenylol, Tetrabromkresol, Pentachlorphenol, Dichlorkresol, Chlorthymol oder Thymol ist.
  5. 5. Mittel nach den Ansprüchen eins bis vier, dadurch ausgezeichnet, daß es ein Azol, Imidazol oder Di- oder Triazol enthält.
  6. 6. Mittel nach den Ansprüchen eins bis fünf, dadurch ausgezeichnet, daß das Triazol ein Tolyltriazol oder ein Benzotriazol ist.
  7. 7. Mittel nach den Ansprüchen eins bis sechs, dadurch ausgezeichnet, daß es ein anionisches Tensid enthält.
  8. 8. Mittel nach den Ansprüchen eins bis sieben, dadurch ausgezeichnet, daß es ein nichtionisches Tensid enthält.
  9. 9. Mittel nach den Ansprüchen eins bis acht, dadurch ausgezeichnet, daß es vor Gebrauch verdünnt wird.
  10. 10. Mittel nach den Ansprüchen eins bis neun, dadurch ausgezeichnet, daß es zur Reinigung und Entwesung von unbelebten Oberflächen verwendet wird.






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