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Dokumentenidentifikation DE69903599T2 12.06.2003
EP-Veröffentlichungsnummer 0974621
Titel Marineblaue Mischungen von faserreaktiven Azofarbstoffen
Anmelder DyStar Textilfarben GmbH & Co Deutschland KG, 60318 Frankfurt, DE
Erfinder Pedemonte, Dr., Ronald P., 65817 Eppstein-Vockenhausen, DE
DE-Aktenzeichen 69903599
Vertragsstaaten CH, DE, FR, GB, LI
Sprache des Dokument EN
EP-Anmeldetag 13.07.1999
EP-Aktenzeichen 991134867
EP-Offenlegungsdatum 26.01.2000
EP date of grant 23.10.2002
Veröffentlichungstag im Patentblatt 12.06.2003
IPC-Hauptklasse C09B 67/22
IPC-Nebenklasse C09B 62/01   D06P 1/38   

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung liegt auf dem Gebiet der faserreaktiven Farbstoffe. Sie beschreibt marineblaue Farbstoffmischungen von faserreaktiven Azofarbstoffen und deren Verwendung zum Färben von hydroxy- und/oder carbonamidgruppenhaltigem Fasermaterial.

In der Vorliteratur DE 41 42 766 werden verwandte Mischungen von faserreaktiven Azofarbstoffen beschrieben.

Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist eine Farbstoffmischung aus mindestens einem Disazofarbstoff der Formel (1) und mindestens einem Monoazofarbstoff der Formel (2)

in denen

R&sub1;, R&sub2;, R&sub3; und R&sub4; zueinander gleich oder voneinander verschieden sind, jeweils für Wasserstoff, Methyl, Ethyl, Methoxy, Ethoxy, Sulfo oder Carboxy stehen, R&sub5;, R&sub6;, R&sub7; und R&sub8; zueinander gleich oder voneinander verschieden sind und jeweils für Wasserstoff, Methyl, Ethyl, Methoxy, Ethoxy oder Sulfo stehen,

Y jeweils unabhängig voneinander für Vinyl, β-Chlorethyl, β-Thiosulfatoethyl oder β-Sulfatoethyl steht,

a, b, c und d die Zahl 0 oder 1 bedeuten, wobei mindestens eine der Zahlen b und c die Zahl 1 bedeutet und wobei im Falle von b gleich 1 a 0 und im Falle von c gleich 1 d 0 bedeutet,

M für Wasserstoff oder ein Alkalimetall steht, Z&sub1; und Z&sub2; unabhängig voneinander unter den faserreaktiven Gruppen der Formeln (3a), (3b), (3c), 3(d) und (3e)

ausgewählt sind, wobei Q für Chlor, Cyanamido, Hydroxy, Alkoxy mit 1 bis 4 Kohlenstoffatomen, Phenoxy, Sulfophenoxy, Pyridino, Carboxypyridino, Carbamoylpyridino oder eine Gruppe der allgemeinen Formeln (4a) oder (4b)

steht, in denen

R&sub9; Wasserstoff, Alkyl mit 1 bis 4 Kohlenstoffatomen, Cyclohexyl, Alkoxy mit 1 bis 4 Kohlenstoffatomen, Hydroxyalkyl mit 2 bis 4 Kohlenstoffatomen, Sulfoalkyl, mit 1 bis 4 Kohlenstoffatomen, gegebenenfalls 1- bis 2fach durch Chlor, Brom, Methyl, Ethyl, Methoxy, Sulfo oder Carboxy substituiertes Phenyl oder Monosulfonaphthyl, Disulfonaphthyl, durch Phenyl substituiertes Alkyl mit 2 bis 6 Kohlenstoffatomen, Den wobei der Alkylrest durch eine Heterogruppe aus der Reihe O, S, NH, SO&sub2;, CO, CO-NH oder NH-CO unterbrochen sein kann und der Phenylsubstituent wiederum 1- bis 2fach durch Chlor, Brom, Methyl, Ethyl, Methoxy, Sulfo oder Carboxy substituiert sein kann, bedeutet und R&sub1;&sub0; eine der für R&sub9; angegebenen Bedeutungen hat, W für jeweils gegebenenfalls substituiertes Arylen, Alkylen oder Alkylenarylen, wobei die Alkylenreste vorzugsweise 1 bis 6 Kohlenstoffatome, besonders bevorzugt 1 bis 4 Kohlenstoffatome und insbesondere 1 bis 3 Kohlenstoffatome enthalten, wie Methylen, Ethylen und n-Propylen, oder bei Unterbrechung durch eine Heterogruppe wie O, S, NH, SO&sub2;, CO, CO-NH, NH-CO vorzugsweise 2 bis 6 Kohlenstoffatome enthalten, Arylen vorzugsweise Phenylen oder Naphthylen bedeutet, wobei als Substituenten des Phenylens vorzugsweise 1 bis 2 Substituenten aus der Gruppe Alkyl mit 1 bis 4 Kohlenstoffatomen, wie Methyl und Ethyl, Alkoxy mit 1 bis 4 Kohlenstoffatomen, wie Methoxy und Ethoxy, Carboxy, Sulfo und Chlor, insbesondere davon Methyl, Ethyl, Methoxy und Ethoxy, in Frage kommen und es sich bei den Substituenten des Naphthylens vorzugsweise um 1 oder 2 Sulfogruppen handelt, steht;

Y die oben angegebene Bedeutung hat und

n die Zahl 1 oder 2 bedeutet.

Bevorzugt sind Farbstoffmischungen, enthaltend den mindestens einen Disazofarbstoff der Formel (1) in einem Anteil von 50 bis 95 Gew.-% und den mindestens einen Farbstoff der Formel (2) in einem Anteil von 5 bis 50 Gew.-%.

Besonders bevorzugt sind Farbstoffmischungen, enthaltend den mindestens einen Disazofarbstoff der Formel (1) in einem Anteil von 60 bis 80 Gew.-% und den mindestens einen Farbstoff der Formel (2) in einem Anteil von 20 bis 40 Gew.-%.

Eine Sulfogruppe ist eine Gruppe der Formel -SO&sub3;M, eine Sulfatogruppe ist eine Gruppe der Formel -OSO&sub3;M und eine Thiosulfatogruppe ist eine Gruppe der Formel -S-SO&sub3;M.

Bevorzugt stehen die Reste R&sub1; und R&sub3; jeweils unabhängig voneinander für Wasserstoff oder Methoxy und insbesondere Wasserstoff. Bevorzugt stehen die Reste R&sub2; und R&sub4; für Wasserstoff. Besonders bevorzugt stehen R&sub1;, R&sub2;, R&sub3; und R&sub4; jeweils für Wasserstoff.

Bevorzugt steht M für Wasserstoff, Lithium, Natrium oder Kalium.

Die Farbstoffe der Formel (1) und ebenso die Farbstoffe der Formel (2) können, insbesondere bei gleichem Chromophor, innerhalb der Bedeutung von Y konstitutionell unterschiedliche faserreaktive Gruppen -SO&sub2;-Y besitzen. Insbesondere kann die Farbstoffmischung Farbstoffe gleichen Chromophors entsprechend der Formel. (1) und/oder Farbstoffe gleichen Chromophors entsprechend der Formel (2) enthalten, in denen die faserreaktiven Gruppen -SO&sub2;-Y zum einen Vinylsulfonylgruppen und zum anderen β-Chlorethylsulfonyl- oder β-Thiosulfatoethylsulfonyl- oder bevorzugt β-Sulfatoethylsulfonylgruppen sind. Enthalten die Farbstoffmischungen die jeweiligen Farbstoffkomponenten in Form eines Vinylsulfonylfarbstoffes, so liegt der Farbstoffanteil des jeweiligen Vinylsulfonylfarbstoffes zu dem jeweiligen β-Chlor- oder β-Thiosulfato- oder β-Sulfatoethylsulfonylfarbstoff bei bis zu etwa 30 mol-%, bezogen auf den jeweiligen Farbstoffchromophor. Bevorzugt steht Y für Vinyl oder β-Sulfatoethyl. Hierbei sind solche Farbstoffmischungen bevorzugt, bei welchen der Anteil an den Vinylsulfonylfarbstoffen zu den β-Sulfatoethylsulfonylfarbstoffen im Molverhältnis zwischen 5 : 95 und 30 : 70 liegt.

Bevorzugt sind Farbstoffmischungen aus mindestens einem Disazofarbstoff der Formel (5) und mindestens einem Disazofarbstoff der Formel (6)

in denen M eine der obengenannten Bedeutungen besitzt und D&sub1; und D&sub2; durch R&sub1; bis R&sub4; sowie Z&sub1; und Z&sub2; wie oben definiert substituiertes Phenyl, 3-Vinylsulfonylphenyl, 4-Vinylsulfonylphenyl, 3-(β-Sulfatoethylsulfonyl)phenyl oder 4-(β-Sulfatoethylsulfonyl)phenyl bedeuten und D&sub3; und D&sub4; 3-Vinylsulfonylphenyl, 4-Vinylsulfonylphenyl, 3-(β-Sulfatoethylsulfonyl)phenyl oder 4-(β-Sulfatoethylsulfonyl)phenyl bedeuten, wobei im Falle, daß sowohl Vinylsulfonyl- als auch β-Sulfatoethylsulfonylgruppen in den Farbstoffmischungen vorliegen, das molare Verhältnis zwischen den Vinylsulfonylanteilen und den β-Sulfatoethylsulfonylanteilen im Molverhältnis zwischen 5 : 95 und 30 : 70 liegt.

Bevorzugte Farbstoffmischungen enthalten einen oder mehrere Disazofarbstoffe der Formel (1), in der a die Zahl O, c 0 und b 1 bedeutet, wobei Z&sub1; eine faserreaktive Gruppe der Formeln 3d oder 3e darstellt.

In den faserreaktiven Gruppen der Formeln 3a und 3b ist Q bevorzugt Alkoxy mit 1 bis 4 Kohlenstoffatomen, ganz besonders bevorzugt Methoxy, oder ist eine Verbindung der Formel 4b, ganz besonders bevorzugt 4-(β- Sulfatoethylsulfonyl)anilin.

Die Farbstoffe der Formeln (1) und (2) sind literaturbekannt, zum Beispiel die Disazofarbstoffe der Formel (1) aus der US-PS 2,657,205 und aus der japanischen Patentanmeldungsveröffentlichung Sho-58-160 362 sowie aus der US-PS 4,257,770 und der darin genannten Literatur. Disazofarbstoffe der Formel (2) werden in der koreanischen Patentschrift 90-4223 beschrieben.

Die erfindungsgemäßen Farbstoffmischungen können als Präparation in fester oder in flüssiger (gelöster) Form vorliegen. In fester Form enthalten sie im allgemeinen die bei wasserlöslichen und insbesondere faserreaktiven Farbstoffen üblichen Elektrolytsalze, wie Natriumchlorid, Kaliumchlorid und Natriumsulfat, und können des weiteren die in Handelsfarbstoffen üblichen Hilfsmittel enthalten, wie Puffersubstanzen, die einen pH-Wert in wäßriger Lösung zwischen 3 und 7 einzustellen vermögen, wie Natriumacetat, Natriumborat, Natriumhydrogencarbonat, Natriumdihydrogenphosphat und Dinatriumhydrogenphosphat, geringe Mengen an Sikkativen oder, falls sie in flüssiger, wäßriger Lösung (einschließlich des Gehaltes von Verdickungsmitteln, wie sie bei Druckpasten üblich sind) vorliegen, Substanzen, die die Haltbarkeit dieser Präparationen gewährleisten, wie beispielsweise schimmelverhütende Mittel.

Im allgemeinen liegen die Farbstoffmischungen als Farbstoffpulver mit einem Gehalt von 10 bis 80 Gew.-%, bezogen auf das Farbstoffpulver bzw. die Präparation, an einem Elektrolytsalz, das auch als Stellmittel bezeichnet wird, vor. Diese Farbstoffpulver können zudem die erwähnten Puffersubstanzen in einer Gesamtmenge von bis zu 5%, bezogen auf das Farbstoffpulver, enthalten. Sofern die erfindungsgemäßen Farbstoffmischungen in wäßriger Lösung vorliegen, so beträgt der Gesamtfarbstoffgehalt in diesen wäßrigen Lösungen bis zu etwa 50 Gew.-%, wobei der Elektrolytsalzgehalt in diesen wäßrigen Lösungen bevorzugt unterhalb 10 Gew.-%, bezogen auf die wäßrige Lösung, beträgt; die wäßrigen Lösungen (Flüssigpräparationen) können die erwähnten Puffersubstanzen in der Regel in einer Menge von bis zu 5 Gew.-%, bevorzugt bis zu 2 Gew.-%, enthalten.

Die erfindungsgemäßen Farbstoffmischungen können in üblicher Weise hergestellt werden, so durch mechanisches Mischen der einzelnen Farbstoffe in den erforderlichen Anteilen oder durch Synthese mittels der üblichen Diazotierungs- und Kupplungsreaktionen unter Verwendung von entsprechenden Mischungen der Diazo- und Kupplungskomponenten in einer dem Fachmann geläufigen Weise und den hierzu erforderlichen Mengenanteilen. So kann man beispielsweise in der Weise vorgehen, daß man wäßrige Lösungen der beiden Kupplungskomponenten 1-Amino-8-naphthol-3,6-disulfonsäure und 1,3-Phenylendiamin-4-sulfonsäure und, als Diazokomponenten, der Anilinverbindungen der Formeln (7a), (7b), (7c), (7d) und/oder (8)

mit R&sub1;, R&sub2;, R&sub3;, R&sub4;, R&sub5;, R&sub6;, R&sub7;, R&sub8;, Z&sub1;, Z&sub2;, a, b und Y der obengenannten Bedeutung in den entsprechenden Anteilen herstellt und diese Anilinverbindungen in üblicher Weise in stark saurem Medium diazotiert und dann die Kupplungsreaktion der 1-Amino-8-naphthol-3,6-disulfonsäure mit einer dieser Diazokomponenten bei einem pH-Wert unterhalb von 1,5 durchführt. Die zweite Kupplungsreaktion mit dem gebildeten Monoazofarbstoff zum Disazofarbstoff entsprechend der Formel (1) erfolgt mit einer weiteren Diazokomponente bei einem pH-Wert zwischen 3 und 6. Anschließend wird durch Hinzufügen der wäßrigen Lösung der 1,3-Phenylendiamin-4-sulfonsäure und einer Diazokomponente der Formel 8 oder 9 die Kupplungsreaktion zum Disazofarbstoff entsprechend der Formel (2) bei einem pH-Wert zwischen 3 und 6 durchgeführt. Die so erhaltene Farbstoffmischung kann aus der Lösung in üblicher Weise isoliert werden, so beispielsweise durch Aussalzen mit einem Elektrolytsalz, wie Natriumchlorid, Kaliumchlorid oder Lithiumchlorid, oder durch Sprühtrocknung.

Farbstoffmischungen, in denen die Farbstoffchromophore beispielsweise neben einer β-Chlorethylsulfonyl- oder β-Thiosulfatoethylsulfonyl- oder β-Sulfatoethylsulfonylgruppe noch Anteile mit Vinylsulfonylgruppen enthalten, können neben der obengenannten Methode durch Einsatz entsprechender Vinylsulfonylausgangsaniline auch in der Weise hergestellt werden, daß man die Farbstoffmischung, in der Y für einen β-Chlorethyl- oder β-Thiosulfatoethyl- oder β-Sulfatoethylrest steht, mit einer nur für einen Teil dieser Gruppen erforderlichen Menge an Alkali umsetzt und hierbei einen Teil der genannten β-substituierten Ethylsulfonylgruppen in die Vinylsulfonylgruppen überführt. Diese Maßnahme geschieht nach allgemeinen bekannten Methoden der Überführung von β-substituierten Ethylsulfonylgruppen in die Vinylsulfonylgruppe.

Die neuen Farbstoffmischungen aus den Farbstoffen der Formeln (1) und (2) liefern nach den in der Technik für faserreaktive Farbstoffe zahlreich beschriebenen Anwendungs- und Fixierverfahren auf hydroxy- und/oder carbonamidgruppenhaltigen Fasermaterialien tief marineblaue Färbungen mit gutem Farbaufbau und guter Auswaschbarkeit nicht fixierter Farbstoffanteile. Darüber hinaus sind die erhaltenen Färbungen gut ätzbar.

Gegenstand der vorliegenden Erfindung sind deshalb auch die Verwendung der neuen Farbstoffmischungen zum Färben und Bedrucken von hydroxy- und/oder carbonamidgruppenhaltigen Fasermaterialien bzw. Verfahren zum Färben und Bedrucken solcher Fasermaterialien unter Verwendung einer erfindungsgemäßen Farbstoffmischung, indem man die Farbstoffmischung in gelöster Form auf das Substrat appliziert und die Farbstoffe durch Einwirkung eines alkalisch wirkenden Agens oder durch Hitze oder durch beide Maßnahmen auf der Faser fixiert.

Hydroxygruppenhaltige Materialien sind natürliche oder synthetische hydroxygruppenhaltige Materialien, wie beispielsweise Cellulosefasermaterialien, auch in Form von Papier, oder deren Regeneratprodukte und Polyvinylalkohole.

Cellulosefasermaterialien sind vorzugsweise Baumwolle, aber auch andere Pflanzenfasern, wie Leinen, Hanf, Jute und Ramiefasern. Regenerierte Cellulosefasern sind beispielsweise Zellwolle und Viskosekunstseide.

Carbonamidgruppenhaltige Materialien sind beispielsweise synthetische und natürliche Polyamide und Polyurethane, insbesondere in Form der Fasern, beispielsweise Wolle und andere Tierehaare, Seide, Leder, Polyamid-6.6, Polyamid-6, Polyamid-11 und Polyamid-4.

Die Anwendung der erfindungsgemäßen Farbstoffmischungen erfolgt nach allgemein bekannten Verfahren zum Färben und Bedrucken von Fasermaterialien gemäß den für faserreaktive Farbstoffe bekannten Anwendungstechniken. Da die Farbstoffe der erfindungsgemäßen Farbstoffmischungen zueinander eine sehr gute Kombinierbarkeit zeigen, können die erfindungsgemäßen Farbstoffmischungen auch mit Vorteil in den Ausziehfärbeverfahren eingesetzt werden. Demgemäß erhält man mit ihnen beispielsweise auf Cellulosefasern nach den Ausziehfärbeverfahren aus langer Flotte bei Temperaturen zwischen 40º und 105ºC, gegebenenfalls bei Temperaturen bis zu 130ºC, unter Druck und gegebenenfalls in Gegenwart von üblichen Färbehilfsmitteln unter Verwendung von säurebindenden Mitteln und gegebenenfalls neutralen Salzen, wie Natriumchlorid oder Natriumsulfat, Färbungen in sehr guten Farbausbeuten und mit ausgezeichnetem Farbaufbau und gleicher Nuance. Man kann dabei so vorgehen, daß man das Material in das warme Bad einbringt und dieses allmählich auf die gewünschte Färbetemperatur erwärmt und den Färbeprozeß bei dieser Temperatur zu Ende führt. Die das Ausziehen der Farbstoffe beschleunigenden Neutralsalze können dem Bade gewünschtenfalls auch erst nach Erreichen der eigentlichen Färbetemperatur zugesetzt werden.

Ebenfalls erhält man nach den üblichen Druckverfahren für Cellulosefasern, - die entweder einphasig, beispielsweise durch Bedrucken mit einer Natriumhydrogencarbonat oder ein anderes säurebindendes Mittel und das Farbmittel enthaltenden Druckpaste und anschließendes Dämpfen bei 100º bis 103ºC, oder zweiphasig, beispielsweise durch Bedrucken mit neutraler oder schwach saurer, das Farbmittel enthaltender Druckpaste und anschließendes Fixieren entweder durch Hindurchführen der bedruckten Ware durch ein heißes elektrolythaltiges alkalisches Bad oder durch Überklotzen mit einer alkalischen elektrolythaltigen Klotzflotte und anschließendem Verweilen dieses behandelten Materials oder anschließendem Dämpfen oder anschließender Behandlung mit Trockenhitze, durchgeführt werden können, - farbstarke Drucke mit gutem Stand der Konturen und einem klaren Weißfond. Der Ausfall der Drucke ist von wechselnden Fixierbedingungen nur wenig abhängig. Sowohl in der Färberei als auch in der Druckerei sind die mit den erfindungsgemäßen Farbstoffmischungen erhaltenen Fixiergrade sehr hoch. Bei der Fixierung mittels Trockenhitze nach den üblichen Thermofixierverfahren verwendet man Heißluft von 120º bis 200ºC. Neben dem üblichen Wasserdampf von 101º bis 103ºC kann auch überhitzter Dampf und Druckdampf von Temperaturen bis zu 160ºC eingesetzt werden.

Die säurebindenden und die Fixierung der Farbstoffe auf den Cellulosefasern bewirkenden Mittel sind beispielsweise wasserlösliche basische Salze der Alkalimetalle und der Erdalkalimetalle von anorganischen oder organischen Säuren, ebenso Verbindungen, die in der Hitze Alkali freisetzen. Insbesondere sind die Alkalimetallhydroxide und Alkalimetallsalze von schwachen bis mittelstarken anorganischen oder organischen Säuren zu nennen, wobei von den Alkalimetallverbindungen vorzugsweise die Natrium- und Kaliumverbindungen gemeint sind. Solche säurebindenden Mittel sind beispielsweise Natriumhydroxid, Kaliumhydroxid, Natriumcarbonat, Natriumhydrogencarbonat, Kaliumcarbonat, Natriumformiat, Natriumdihydrogenphosphat und Dinatriumhydrogenphosphat.

Durch die Behandlung der Farbstoffe der erfindungsgemäßen Farbstoffmischungen mit den säurebindenden Mitteln, gegebenenfalls unter Wärmeeinwirkung, werden die Farbstoffe chemisch an die Cellulosefaser gebunden. Insbesondere die Cellulosefärbungen zeigen nach der üblichen Nachbehandlung durch Spülen zur Entfernung von nicht fixierten Farbstoffanteilen ausgezeichnete Naßechtheiten, zumal sich nicht fixierte Farbstoffanteile aufgrund ihrer guten Kaltwasserlöslichkeit leicht auswaschen lassen.

Die Färbungen auf Polyurethan- und Polyamidfasern werden üblicherweise aus saurem Milieu ausgeführt. So kann man beispielsweise dem Färbebad Essigsäure und/oder Ammoniumsulfat und/oder Essigsäure und Ammoniumacetat oder Natriumacetat zufügen, um den gewünschten pH-Wert zu erhalten. Zur Erreichung einer brauchbaren Egalität der Färbung empfiehlt sich ein Zusatz von üblichen Egalisierhilfsmitteln, wie beispielsweise auf Basis eines Umsetzungsproduktes von Cyanurchlorid mit der dreifach molaren Menge einer Aminobenzolsulfonsäure oder Aminonaphthalinsulfonsäure oder auf Basis eines Umsetzungsproduktes von beispielsweise Stearylamin mit Ethylenoxid. In der Regel wird das zu färbende Material bei einer Temperatur von etwa 40ºC in das Bad eingebracht, dort einige Zeit darin bewegt, das Färbebad dann auf den gewünschten schwach sauren, vorzugsweise schwach essigsauren pH-Wert nachgestellt und die eigentliche Färbung bei einer Temperatur zwischen 60º und 98ºC durchgeführt. Die Färbungen können aber auch bei Siedetemperatur oder bei Temperaturen bis zu 120ºC (unter Druck) ausgeführt werden.

Die nachstehenden Beispiele dienen zur Erläuterung der Erfindung. Die Teile sind Gewichtsteile, die Prozentangaben stellen Gewichtsprozente dar, sofern nicht anders vermerkt. Gewichtsteile stehen zu Volumenteilen im Verhältnis von Kilogramm zu Liter.

Beispiel 1

300 Teile eines elektrolythaltigen Farbstoffpulvers, das den marineblaufärbenden Disazofarbstoff der Formel (A)

zu 50% enthält, werden mit 67 Teilen eines elektrolythaltigen Farbstoffpulvers, das den goldgelbfärbenden Disazofarbstoff der Formel (B)

zu 75% enthält, in einem mechanischen Mischer gemischt.

Die erhaltene erfindungsgemäße Farbstoffmischung ergibt nach den in der Technik für faserreaktive Farbstoffe üblichen Applikations- und Fixierverfahren beispielsweise auf Cellulosefasermaterialien Färbungen und Drucke in grünstichig marineblauen Tönen.

Beispiel 2

Zur Herstellung einer erfindungsgemäßen Farbstoffmischung diazotiert man eine Suspension von 169 Teilen 4-(β-Sulfatoethylsulfonyl)anilin in 450 Teilen Eiswasser und 110 Teilen einer 30%igen wäßrigen Salzsäure mit 104 Teilen einer 40%igen wäßrigen Natriumnitritlösung. Nach Zugabe von 127,6 Teilen 1-Amino-8-naphthol-3,6-disulfonsäure und 18,8 Teilen 1,3-Phenylendiamin-4-sulfonsäure führt man die Kupplungsrekation bei einem pH-Wert zwischen 1 und 1,3 und einer Temperatur von unterhalb 20ºC durch, wobei der pH-Bereich durch etwa 30 Teile Natriumhydrogencarbonat gehalten wird. Nach Beendigung der Diazotierungsreaktion wird der pH-Wert mit 20 Teilen Natriumcarbonat auf 5-6 erhöht, wobei man einen roten Monoazofarbstoff und einen gelben. Disazofarbstoff der Formel (B) erhält. In einem getrennten Ansatz werden 125 Teile der Verbindung der Formel

in 400 Teilen Eiswasser und 72 Teilen einer 30%igen Salzsäure mit 69 Teilen einer 40%igen wäßrigen Natriumnitritlösung diazotiert. Diese Diazosuspension wird dann der obigen, den roten Monoazofarbstoff und den gelben Disazofarbstoff enthaltenden Suspension bei pH 5-6 zugegeben, wobei der pH-Wert mit 20 Teilen Natriumcarbonat gehalten wird.

Man erhält eine grünstichig marineblaue Farbstofflösung, in welcher die Farbstoffe der Formeln (C) und (B) im Verhältnis von 80% : 20% enthalten sind.

Diese Farbstofflösung kann durch Zugabe von 5 Teilen eines Natriumphosphat-Puffers auf einen pH-Wert von 4,5 eingestellt werden. Durch weiteres Verdünnen mit Wasser oder durch Eindampfen der Lösung kann diese flüssige Farbstoffmischung sodann auf die gewünschte Stärke für eine Flüssigpräparation eingestellt werden. Man erhält mit dieser Farbstoffmischung grünstichig marineblaue Färbungen auf Cellulose.

Beispiele 3-8

In den nachfolgenden Tabellenbeispielen sind weitere neue Farbstoffmischungen aus den Farbstoffen entsprechend den Formeln (5) und (6)

mit Hilfe der Komponenten dieser Farbstoffe beschrieben (M hat hierbei eine der obengenannten Bedeutungen). Auch diese Farbstoffmischungen ergeben in dem erfindungsgemäßen Mischungsverhältnis beispielsweise auf Cellulosefasermaterialien nach den in der Technik für faserreaktive Farbstoffe üblichen Applikations- und Fixierverfahren grünstichig marineblaue Färbungen.

Farbstoffmischungen aus Disazofarbstoffen (5) und 6)
Farbstoffmischungen aus Disazofarbstoffen (5) und 6) Forsetzung


Anspruch[de]

1. Farbstoffmischung aus mindestens einem Disazofarbstoff der Formel (1) und mindestens einem Monoazofarbstoff der Formel (2)

in denen

R&sub1;, R&sub2;, R&sub3; und R&sub4; zueinander gleich oder voneinander verschieden sind, jeweils für Wasserstoff, Methyl, Ethyl, Methoxy, Ethoxy, Sulfo oder Carboxy stehen, R&sub5;, R&sub6;, R&sub7; und R&sub8; zueinander gleich oder voneinander verschieden sind und jeweils für. Wasserstoff, Methyl, Ethyl, Methoxy, Ethoxy oder Sulfo stehen, Y jeweils unabhängig voneinander für Vinyl, β-Chlorethyl, β-Thiosulfatoethyl oder β-Sulfatoethyl steht,

a, b, c und d die Zahl 0 oder 1 bedeuten, wobei mindestens eine der Zahlen b und 6 die Zahl 1 bedeutet und wobei im Falle von b gleich 1 a 0 und im Falle von c gleich 1 d 0 bedeutet,

M für Wasserstoff oder ein Alkalimetall steht, Z&sub1; und Z&sub2; unabhängig voneinander unter den faserreaktiven Gruppen der Formeln (3a), (3b), (3c), 3(d) und (3e)

ausgewählt sind, wobei Q für Chlor, Cyanamido, Hydroxy, Alkoxy mit 1 bis 4 Kohlenstoffatomen, Phenoxy, Sulfophenoxy, Pyridino, Carboxypyridino, Carbamoylpyridino oder eine Gruppe der allgemeinen Formeln (4a) oder (4b)

steht, in denen

R&sub9; Wasserstoff, Alkyl mit 1 bis 4 Kohlenstoffatomen, Cyclohexyl, Alkoxy mit 1 bis 4 Kohlenstoffatomen, Hydroxyalkyl mit 2 bis 4 Kohlenstoffatomen, Sulfoalkyl mit 1 bis 4 Kohlenstoffatomen, gegebenenfalls 1- bis 2fach durch Chlor, Brom, Methyl, Ethyl, Methoxy, Sulfo oder Carboxy substituiertes Phenyl oder Monosulfonaphthyl, Disulfonaphthyl, durch Phenyl substituiertes Alkyl mit 2 bis 6 Kohlenstoffatomen, wobei der Alkylrest durch eine Heterogruppe aus der Reihe O, S, NH, SO&sub2;, CO, CO-NH oder NH-CO unterbrochen sein kann und der Phenylsubstituent wiederum 1- bis 2fach durch Chlor, Brom, Methyl, Ethyl, Methoxy, Sulfo oder Carboxy substituiert sein kann, bedeutet und R&sub1;&sub0; eine der für R&sub9; angegebenen Bedeutungen hat, W für jeweils gegebenenfalls substituiertes Arylen, Alkylen oder Alkylenarylen, wobei die Alkylenreste vorzugsweise 1 bis 6 Kohlenstoffatome, besonders bevorzugt 1 bis 4 Kohlenstoffatome und insbesondere 1 bis 3 Kohlenstoffatome enthalten wie Methylen, Ethylen und n-Propylen, oder bei Unterbrechung durch eine Heterogruppe wie O, S, NH, SO&sub2;, CO, CO-NH, NH-CO vorzugsweise 2 bis 6 Kohlenstoffatome enthalten, Arylen vorzugsweise Phenylen oder Naphthylen bedeutet, wobei als Substituenten des Phenylens vorzugsweise 1 bis 2 Substituenten aus der Gruppe Alkyl mit 1 bis 4 Kohlenstoffatomen, wie Methyl und Ethyl, Alkoxy mit 1 bis 4 Kohlenstoffatomen, wie Methoxy und Ethoxy, Carboxy, Sulfo und Chlor, insbesondere davon Methyl, Ethyl, Methoxy und Ethoxy, in Frage kommen und es sich bei den Substituenten des Naphthylens vorzugsweise um 1 oder 2 Sulfogruppen handelt, steht,

Y die oben angegebene Bedeutung hat und

n die Zahl 1 oder 2 bedeutet.

2. Farbstoffmischung nach Anspruch 1, enthaltend den mindestens einen Disazofarbstoff der Formel (1) in einem Anteil von 50 bis 95 Gew.-% und den mindestens einen Monoazofarbstoff der Formel (2) in einem Anteil von 5 bis 50 Gew.-%.

3. Farbstoffmischung nach Anspruch 1, enthaltend den mindestens einen Disazofarbstoff der Formel (1) in einem Anteil von 60 bis 80 Gew.-% und den mindestens einen Monoazofarbstoff der Formel (2) in einem Anteil von 40 bis 20 Gew.-%.

4. Farbstoffmischung nach Anspruch 1, wobei R&sub1; und R&sub3; jeweils unabhängig voneinander für Wasserstoff oder Methoxy und R&sub2; und R&sub4; jeweils für Wasserstoff stehen.

5. Farbstoffmischung nach Anspruch 1, wobei R&sub1;, R&sub2;, R&sub3; und R&sub4; jeweils für Wasserstoff stehen.

6. Farbstoffmischung nach Anspruch 1, enthaltend mindestens einen Disazofarbstoff der Formel (5) und mindestens einen Disazofarbstoff der Formel (6)

in denen M die in Anspruch 1 genannte Bedeutung hat und D&sub1; und D&sub2; durch R&sub1; bis R&sub4; und Z&sub1; und Z&sub2; der oben in Anspruch 1 genannten Bedeutung substituiertes Phenyl, 3-Vinylsulfonylphenyl, 4-Vinylsulfonylphenyl, 3-(β-Sulfatoethylsulfonyl)phenyl oder 4-(β-Sulfatoethylsulfonyl)- phenyl und D&sub3; und D&sub4; 3-Vinylsulfonylphenyl, 4-Vinylsulfonylphenyl, 3-(β-Sulfatoethylsulfonyl)phenyl oder 4-(β-Sulfatoethylsulfonyl)- phenyl bedeuten.

7. Farbstoffmischung nach Anspruch 1, wobei a die Zahl 0 und b die Zahl 1 bedeutet, Z&sub1; die in Anspruch 1 unter der Formel 3d oder 3e genannte Bedeutung hat und c für die Zahl 0 steht.

8. Verfahren zur Herstellung der Farbstoffmischung gemäß Anspruch 1, bei dem man die Einzelfarbstoffe in den erforderlichen Mengenverhältnissen vermengt oder die Farbstoffmischung mittels der üblichen Diazotierungs- und Kupplungsreaktionen unter Einsatz entsprechender Mischungen der Diazo- bzw. Kupplungskomponenten synthetisiert.

9. Verfahren zum Färben oder Bedrucken von hydroxy- und/oder carbonamidgruppenhaltigen Fasermaterialien, bei dem man die genannten Materialien mit einer Farbstoffmischung gemäß Anspruch 1 färbt bzw. bedruckt.







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