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Dokumentenidentifikation DE69809546T2 02.10.2003
EP-Veröffentlichungsnummer 0984784
Titel ANTITUMORALE VERBINDUNGEN ZUR BEHANDLUNG VON MUCOVISCIDOSIS
Anmelder Centre National de la Recherche Scientifique (C.N.R.S.), Paris, FR
Erfinder STOVEN, Veronique, F-75006 Paris, FR;
LENOIR, Gerard, F-75007 Paris, FR;
LALLEMAND, Jean-Yves, F-91120 Palaiseau, FR;
ANNEREAU, Jean-Philippe, F-75015 Paris, FR;
BARTHE, Joel, F-75007 Paris, FR;
BLANQUET, Sylvain, F-75013 Paris, FR
Vertreter Samson & Partner, Patentanwälte, 80538 München
DE-Aktenzeichen 69809546
Vertragsstaaten AT, BE, CH, CY, DE, DK, ES, FI, FR, GB, GR, IE, IT, LI, LU, MC, NL, PT, SE
Sprache des Dokument FR
EP-Anmeldetag 28.05.1998
EP-Aktenzeichen 989283817
WO-Anmeldetag 28.05.1998
PCT-Aktenzeichen PCT/FR98/01074
WO-Veröffentlichungsnummer 0098053839
WO-Veröffentlichungsdatum 03.12.1998
EP-Offenlegungsdatum 15.03.2000
EP date of grant 20.11.2002
Veröffentlichungstag im Patentblatt 02.10.2003
IPC-Hauptklasse A61K 31/675
IPC-Nebenklasse A61K 31/70   A61K 31/165   A61K 31/475   C07K 14/47   G01N 21/64   

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft einen neuen Ansatz für die Behandlung von Mukoviszidose, der Chemotherapie, insbesondere eine Antikrebs-Chemotherapie einsetzt.

Mukoviszidose ist eine genetisch-bedingte Krankheit mit Äußerung insbesondere auf pulmonaler Ebene, die auf einem Fehler in dem Gen, das das Protein CFTR (für "Cystic Fibrosis Transmembrane Conductance Regulator"), ein Protein, das in der Lage ist, direkt oder indirekt an dem Transport der Chloridionen durch die Zellmembranen hindurch teilzunehmen, kodiert, beruht.

Das CFTR-Protein stammt allgemein aus der Familie der ABC (für "ATP Binding Cassette")-Transporter, einer sehr großen Familie von Proteinen, deren Mitglieder sich ebenso bei den Eukaryoten wie bei den Prokaryoten finden. Dies sind im allgemeinen aktive Transporter, die ATP hydrolysieren, um das chemische Potential zu liefern, das für deren Transportfunktion erforderlich ist. So transportieren sie bei den Eukaryoten verschiedene Typen von Molekülen durch die Zellmembranen hindurch. Unter den Molekülen, die transportiert werden können, kann man die Ionen, die Vitamine, die Peptide, die Zucker wie auch Arzneimittelsubstanzen oder andere Drogen aufführen. Ihre Organisation insgesamt weist gemeinsame Eigenschaften auf: sie umfassen im allgemeinen eine Transmembranregion (TM), die an der Auswahl der zu transportierenden chemischen Entität teilnimmt, und eine Domäne zur Bindung von Nukleotiden, die ATP hydrolysiert, um das für den Transport erforderliche chemische Potential zu liefern (NBF für "Nucleotide Binding Fold").

Die diese Proteine kodierenden Gene gehen häufig aus der Fusion von zwei Genen von analoger Struktur hervor.

Die Struktur der entsprechenden Proteine ist dann im allgemeinen die Folgende:

(TM1)-(NBF1)-(TM2)-(NBF2)

Das CFTR-Protein stellt ein Mitglied von 1480 Aminosäuren einer Unterfamilie der Familie der ABC-Transporter, die als MRP/CFTR-Unterfamilie bezeichnet wird, dar. Außer dem CFTR- Protein umfasst diese Unterfamilie das menschliche MRP-Protein. Die zwei Proteine weisen tatsächlich, eine Sequenzähnlichkeit von ungefähr 50% auf. Das MRP-Protein (für "Multidrug Resistance associated Protein") ist bekanntermaßen an Phänomenen einer mehrfachen Resistenz gegen die Arzneimittel, die bei der Chemotherapie von Krebs eingesetzt werden, beteiligt (M. Dean, R. Allikmets, Current Opinion in Genetics & Development, 5, 779-785, 1995). Das CFTR-Protein steht gleichfalls einem anderen Mitglied der MRP/CFTR-Unterfamilie strukturell sehr nahe, dem Protein YCF1 (für "Yeast Cadmium Resistance Factor 1"), das der Hefe Saccharomyces cerevisiae den Phänotyp von Resistenz gegen Cadmiumionen verleiht (Tommasini et al., PNAS, 93, 6743-6748, 1996). Außer ihrer strukturellen Ähnlichkeit weisen die Proteine MRP und YCF1 eine analoge Wirkungsweise auf: sie exportieren die Moleküle und die Ionen in Form von deren Addukten mit Glutathion (G. J. Zaman et al., PNAS, 92, 7690-7694, 1995).

Das CFTR-Protein weist gleichfalls nicht vernachlässigbare strukturelle Analogien zu dem STEG-Protein aus Hefe, das bei der Hefe Saccharomyces cerevisiae das Pheromon "Faktor a" transportiert (J. L. Teem et al., Cell, 73, 335-346, 1993), wie auch zu dem menschlichen MDR-Protein (für "Multidrug Resistance Protein"), das als MRP bekanntermaßen an den Phänomenen einer mehrfachen Resistenz gegen die Antikrebs-Arzneimittel beteiligt ist, auf. Das menschliche MDR-Protein und das Protein STEG stammen aus einer anderen Unterfamilie der ABC- Transporter, die als MDR/TAP bezeichnet wird.

So sind die allgemeine Zugehörigkeit des CFTR-Proteins zu der Familie der ABC-Transporter wie auch dessen Funktion als Transporter von Chloridionen jetzt wohlbekannt.

Bei einem an Mukoviszidose leidenden Kranken ist das CFTR- Protein mutiert. Es wurden mehr als 600. Mutationen verzeichnet, aber in etwa 70% der Fälle ist die fragliche Mutation eine Deletion eines Phenylalanins an Position 508, in dem Abschnitt NBF1 (ΔF508) der Gesamtstruktur des Proteins. Es scheint, dass diese Mutation einen Faltungsfehler des Proteins mit sich bringt, das dann im Inneren der Zelle abgebaut wird, ohne seine posttranslationale Reifung zu vollenden (Riordan, J. R., Rommens, J. M., Kerem, B. S., Alon, N., Rozmahel, R., Grzelczack, Z., Zielenski, J., Lok, S., Plavic, N., Chou, J. L., Drumm, M. L., Iannuzzi, M. C., Collins, F. S., Tsui, L. C. (1989) Science 245, 1066-1072). Das Fehlen eines reifen oder funktionsfähigen CFTR-Proteins führt zu einer fehlenden Sekretion der Chloridionen. Der sogenannte Schweißtest, der die Sekretion der Chloridionen misst, wurde übrigens seit 1953 entwickelt und bleibt unverzichtbar, um Mukoviszidose zu diagnostizieren.

Bis heute wurden Versuche unternommen, um Mukoviszidose durch Gentherapie zu behandeln, indem Systeme entwickelt wurden, um an die Kranken eine das Wildtyp-CFTR-Protein kodierende Nukleinsäure, die entweder von Virus-Trägervehikeln oder von Trägervehikeln in Form von kationischen Lipiden transportiert wird, zu verabreichen. Versuche zur Verabreichung eines solchen Komplexes aus DNA und kationischen Lipiden erfolgten an Lungen von Mäusen auf intratrachealem Wege (Yoshimura et al., "Nucleic Acid Research, 20: 3233-3240, 1992) oder ferner durch Aerosol (Stribling et al., Proc. Natl. Acad, Sci. 89: 11277- 11281, 1992). Es wurde gleichfalls festgestellt, dass die Verabreichung des CFTR kodierenden Gens komplexiert mit kationischen Lipiden an eine unter Mukoviszidose leidende Modell-Maus die Korrektur des Fehlens der Chloridionenkanalfunktion zur Folge hatte (Hyde et al., Nature 362: 250-255, 1993).

So zielen die Therapieansätze, die bis heute für die Mukoviszidose in Betracht gezogen werden, einzig auf den genetischen Mängel (Mutation in dem das CFTR-Protein kodierenden Gen) ab, den sie zu korrigieren suchen. Sie verbinden die Wirksamkeit der Behandlung mit der Wiederherstellung einzig der Chloridionenkanalfunktion, die durch ein funktionsfähiges CFTR-Protein ausgeübt wird.

Indessen sind, obgleich der fehlende Transport der Chloridionen effektiv eine klinische Manifestation der Mukoviszidose darstellt, andere Manifestationen noch nicht vollständig erklärt.

So sind beispielsweise die von der Mukoviszidose hauptsächlich betroffenen Organe jene, in denen Glutathion sezerniert wird, insbesondere die Leber, oder jene, in denen Glutathion an Entgiftungsmechanismen teilnehmen kann (Lungen, Dünndarm, Dickdarm).

Außerdem wurde festgestellt, dass bei den an Mukoviszidose leidenden Patienten übermäßige Entzündungsreaktionen vorhanden sind. Bei diesen Patienten wird häufig eine chronische Entzündung der Atemwege festgestellt. In diesem Falle ist eine sehr hohe Anzahl von Neutrophilen in den Atemwegen der Kranken vorhanden, auch in Abwesenheit einer nachweisbaren Infektion. Es ist möglich, dass diese Entzündung dem Auftreten der chronischen Infektion vorangeht. Diese Ansammlung von Neutrophilen bringt die massive Freisetzung von freien Radikalen und Peroxiden in den Zellen der Atemwege der Kranken mit sich. Nun ist bekannt, dass das extra- und intrazelluläre Glutathion eine zentrale Rolle bei der Kontrolle der Entzündungsreaktion spielt, indem es die Zellen vor dem Angriff dieser Oxidationsmittel schützt. Nun scheint dieser Schutz bei den an Mukoviszidose leidenden Kranken verändert zu sein. Es scheint folglich, dass die Mukoviszidose das Glutathion daran hindert, seine übliche Rolle zu spielen.

Untersuchungen, die an der Familie der ABC-Transporterproteine ausgeführt worden sind, haben deren relative Vielseitigkeit nachgewiesen. Obgleich jedes eine eigene Funktion aufweist, scheinen sie eine gemeinsame Wirkungsweise aufzuweisen, die es ihnen erlaubt, gemeinsame Funktionen sicherzustellen. Es ist beispielsweise gezeigt worden, dass das menschliche MRP-Protein in vitro YCF1 bei der Hefe ersetzen und darin die Entgiftungsfunktion von Cadmium sicherstellen kann (Tommasini et al., PNAS, 93, 6743-6748, 1996). Es kann gleichfalls das Protein STEG in der Hefe ersetzen, worin es den Transport des Faktors a sicherstellt (J. L. Teem et al., Cell, 73, 335-346, 1993). Ebenso ist ein chimäres Protein von STEG, in dem die NBF1-Domäne von STEG gegen die NBF1-Domäne von CFTR ausgetauscht worden ist, funktionsfähig und transportiert wirksam den Faktor a (J. L. Teem et al., Cell, 73, 335-346, 1993). Schließlich scheint, dass die die Proteine CFTR, MDR und MRP kodierenden Gene in vivo unter gekoppelten transkriptidnellen Kontrollmechanismen stehen (Trezise, A. E., Romano, P. R., Gill, D. R., Hyde, S. C., Sepulveda, F. V., Buchwald, M., Higgins, C. F., EMBO J., 11, 4291-4303, 1992 & M. A. Izquierdo, J. J. Neezfjes, A. E. L. Mathari, M. J. Flens, G. L. Scheffer, R. J. Scheper, British Journal of Cancer, 74, 1961-1967, 1996).

Die Erfinder haben jetzt gefunden, dass auf überraschende Weise diese Vielseitigkeit der ABC-Transporterproteine dazu eingesetzt werden kann, um eine Behandlung der Mukoviszidose durch Chemotherapie ins Auge zu fassen, indem dem Patienten bestimmte Typen von Mitteln verabreicht werden. Diese Verabreichung führt zu der Expression oder der Überexpression einer Verbindung, die die Rolle eines funktionsfähigen CFTR-Proteins spielen und folglich die Mängel des mutierten CFTR-Proteins beheben kann.

Aus diesem Grunde hat die Erfindung die Verwendung von mindestens einem Mittel, dessen Verabreichung an einen an Mukoviszidose leidenden Patienten bei diesem Patienten zur Expression oder Überexpression von wenigstens einer ABC-Transporterverbindung führt, zur Herstellung eines Medikaments, das zur Verhütung und/oder zur Behandlung von Mukoviszidose bestimmt ist, zum Gegenstand.

Es wird angenommen, dass für die Behandlung von Mukoviszidose der Wirkmechanismus der exprimierten oder überexprimierten Verbindung so ist, dass diese das mangelhafte CFTR-Protein bei dem Kranken ersetzen kann. Es wird angenommen, dass die Verbindung dann eine Funktion ausübt, die normalerweise durch das Wildtyp-CFTR-Protein erfüllt wird und die das mangelhafte CFTR-Protein bei dem an Mukoviszidose leidenden Patienten nicht erfüllen kann.

So sind die für die Behandlung von Mukoviszidose einsetzbaren Mittel jene, die in dem Organismus des Patienten die Expression oder die Überexpression einer ABC-Transporterverbindung, welche das mangelhafte CFTR-Protein ersetzt, induzieren können.

Es können verschiedene Ausführungsweisen in Betracht gezogen werden. Gemäß einer ersten Ausführungsweise kann in Betracht gezogen werden, Mittel zu verabreichen, die die Expression oder die Überexpression des mutierten CFTR-Proteins des Kranken induzieren. Dieses wird dann in einem solchen Ausmaß exprimiert, dass es trotz des Vorhandenseins einer Mutation seine Funktionsfähigkeit wiedererlangt.

Gemäß einer anderen Ausführungsweise wird man Mittel auswählen, die zu der Expression oder der Überexpression des MDR- Proteins führen.

Außerdem legen die durch die Erfinder ausgeführten Arbeiten nahe, dass das CFTR-Protein zusätzlich zu seiner Rolle als Kanal für Chloridionen eine Rolle als Glutathion-Pumpe spielt. Diese Hypothese könnte bestimmte klinische Manifestationen, die an Mukoviszidose leidende Kranke, bei denen das CFTR- Protein nicht funktionsfähig ist, zeigen, erklären.

Außerdem haben die Erfinder in der NBF1-Domäne des CFTR-Proteins die Existenz einer potentiellen Glutathion-Bindungsstelle nachgewiesen, was die Rolle erklären könnte, die von Glutathion bei der Transporterfunktion, die durch das CFTR- Protein ausgeübt wird, gespielt wird. Die Rolle des CFTR-Proteins als Glutathion-Pumpe erlaubt insbesondere, die chronische Entzündung, die für Mukoviszidose charakteristisch ist, besser zu verstehen. Tatsächlich ist Glutathion ein Schüsselmolekül bei der Auslösung und Kontrolle von Entzündungsreaktionen. Es nimmt am Metabolismus von proinflammatorischen Verbindungen, wie den Leukotrienen, aber gleichfalls an der Kontrolle dieser Reaktionen als schützendes Agens gegen die durch die Neutrophilen freigesetzten Oxidationsmittel (Radikale, Hydroperoxide ...) teil.

Aus diesem Grunde betrifft die Erfindung insbesondere die Verwendung mindestens eines Mittels, dessen Verabreichung an einen Patienten, der an Mukoviszidose leidet, bei dem Patienten zu der Expression oder Überexpression einer Glutathion-ABC- Transporterverbindung führt, für die Herstellung eines Medikaments, das für die Verhütung und/oder Behandlung von Mukoviszidose bestimmt ist.

Unter "Glutathion-Transporterverbindung" versteht man gemäß der Erfindung eine Verbindung, die aus der bereits erwähnten oder eingeordneten Familie der ABC-Transporter stammt, die ihre Transportfunktion über die Zwischenstufe des Glutathions ausüben. Man versteht darunter gleichfalls jedes Fragment oder Analog eines solchen Transporters, das aus einer oder mehreren Mutationen hervorgeht, das die Transporteigenschaft über das Zwischenprodukt des Glutathions beibehält.

Unter Glutathion versteht man das Glutathion selbst oder dessen Addukte mit anderen Verbindungen. Es kann sich um natürliche Addukte, wie die Leukotriene, oder ferner um Entgiftungs- Addukte mit Schwermetallen, starken Oxidationsmitteln (freien Radikalen, Peroxiden ...) oder Drogen handeln.

Es ist tatsächlich bereits ermittelt worden, dass eine bestimmte Anzahl von Proteinen, insbesondere das menschliche MRP-Protein, Drogen und Arzneimittel, insbesondere die Antikrebs-Mittel, über die Zwischenstufe des Glutathions, entweder in Form von direkten Glutathion-Droge-Addukten oder durch gleichzeitige oder nacheinander erfolgende Bindung des Glutathions und der Droge, exportiert (G. J. Zaman et al., PNAS, 92, 7690-7694, 1995).

Gemäß einer besonders bevorzugten Weise wird man anstreben, das MRP-Protein zu exprimieren oder zu überexprimieren. In diesem Falle, aber gleichfalls in dem allgemeineren Falle, wo die exprimierte oder überexprimierte Verbindung ein ABC- Transporter, insbesondere das MDR-Protein ist, sind die gemäß der Erfindung einsetzbaren Mittel vorzugsweise Antikrebs- Mittel vom antineoplastischen Typ, d. h. zytotoxische Antikrebs-Mittel, die für die Behandlung von Krebs so selektiv wie möglich die Krebs-Zielzellen töten müssen. Tatsächlich ist bekannt, dass die Verabreichung dieser Antikrebs-Mittel bei an Krebs leidenden Patienten häufig die Tendenz zeigt, Resistenzphänomene gegen die Antikrebs-Mittel vom pharmakokinetischen Typ, die durch die Überexpression von Proteinen vom MRP- oder MDR-Typ verursacht werden, zu erzeugen (M. Dean, R. Allikmets, Current Opinion in Genetics & Development, 5, 779-785, 1995; Jedlitschky et al., Cancer Research, Band 56, 1. März 1996, 988-994; Akimaru, Cytotechnology, Band 19, Nr. 3, 196, 221- 227; Jedlitschky, Cancer Research, Band 54, Nr. 18, 1994, 4833-4836; Jedlitschky et al., Anti-cancer drugs, Band 5, Suppl. 01, September 1994, 4; Mueller et al., PNAS, Band 91, 1994, 13033-13037; Ishikawa, J., Natl. Cancer Inst., Band 87, Nr. 21, 1995, 1639-1640; Leier et al., Biochemical Journal, Band 314, Nr. 2, 1996, 433-437).

Die Erfindung zielt folglich für die Behandlung von Mukoviszidose ab auf die Verwendung der vier großen Familien von antineoplastischen Mitteln, die bei der Behandlung von Krebs eingesetzt werden: die Alkylierungsmittel, die Interkalationsmittel, die Antimetabolite und die Spindelgifte.

Die Alkylierungsmittel sind Mittel, die in der Lage sind, ein Proton eines Moleküls durch eine Alkylgruppe zu ersetzen. Sie modifizieren die Struktur der DNA auf signifikante Weise im Moment der Mitosen, deren Abwicklung sie stören. Unter den großen Familien von Alkylierungsmitteln, die gemäß der Erfindung einsetzbar sind, kann man die Stickstofflost-Verbindungen, die Nitrosoharnstoffe, die Platin-Derivate, die Derivate von Ethylenimin, die Dimethansulfonoxyalkane, die Derivate von Piperazin, die Derivate von Methylhydrazin aufführen. Repräsentative Beispiele der Stickstofflost-Verbindungen sind Chlorambucil, Cyclophosphamid, Ifosfamid, Estraztustin, Melphalan, Chlormethin. Vorteilhafterweise verwendet man Ifosfamid, insbesondere in Kombination mit einem Interkalationsmittel.

Die Interkalationsmittel sind Mittel, die sich zwischen die zwei komplementären Stränge der DNA interkalieren, wodurch sie die Replikation der DNA, die Transkription in mRNA und die Proteinsynthese blockieren. Die großen Familien, die gemäß der Erfindung eingesetzt werden können, umfassen, auf nicht einschränkende. Weise, die Anthracycline, die Anthraceredione, die Anthracene, die Derivate von Acridin, die Ellipticine und die Actinomycine. Man setzt vorzugsweise die Anthracycline ein, unter denen man auf nicht einschränkende Weise Clarubicin, Doxorubicin, Daunorubicin, Epirubicin, Idarubicin, Zorubicin und Pirabucin aufführen kann. Man wird vorzugsweise Epirubicin, insbesondere in Kombination mit Ifosfamid einsetzen.

Eine dritte Familie von Verbindungen, die gemäß der Erfindung einsetzbar sind, wird durch die Antimetabolite oder Antogonisten oder strukturellen Analoga gebildet, die gewöhnlich einen oder mehrere Schritte der Nukleinsäuresynthese hemmen. Deren Verbindungen werden auf nicht einschränkende Weise durch die Antifolsäureverbindungen, die Antipurine und die Antipyrimidine repräsentiert. Man kann insbesondere Amethopterin (Methotrexat), Mercaptopurin, 5-Fluoruracil oder ferner Cytarabin aufführen.

Eine andere Kategorie von Antikrebs-Mitteln wird durch die Spindelgifte repräsentiert, die die zelluläre Mitose blockieren. Dies sind Antimitose-Mittel, deren repräsentative Familien die Epipodophyllotoxine und die Vinca-Alkaloide sind. Unter den Epipodophyllotoxinen kann man Teniposid oder ferner Etoposid aufführen. Unter den Vinca-Derivaten kann man beispielsweise Vindesin, Vinorebin, Vincristin oder ferner Vinblastin aufführen. Man wird vorzugsweise Colchicin und dessen Derivate aufführen. Besonders zufriedenstellende Ergebnisse wurden mit Colchicin erhalten, das umso vorteilhafter ist, als dieses Produkt dafür bekannt ist, wenig toxisch zu sein.

Schließlich muss man gleichfalls die Familie der Taxoide oder Taxus-Alkaloide (Taxol, Taxoter ...) aufführen.

Gemäß einer anderen Ausführungsweise kann man gleichfalls verschiedene zytolytische Mittel einsetzen, wie beispielsweise Bleomycin, Dacarbazin, Hydroxycarbamid, Asparaginase, Mitoguazon oder ferner Plicamycin.

Man wird insbesondere Natriumphenylbutyrat, ein zytostatisches Mittel, das bei den Harnstoffzyklus-Krankheiten mit Manifestationen in der Leber eingesetzt wird, aufführen.

Man wird gleichfalls als Mittel, die gemäß der Erfindung einsetzbar sind, die Mittel aus der Familie der Makrolide aufführen, die für ihre Eigenschaften der Induzierung der Überexpression des MDR-Proteins, was zu dem Phänomen einer Resistenz gegen Medikamente (MDR) führt, bekannt sind. Beispiele für diese Induktoren sind jene, die in der Veröffentlichung Seelig, Eur. J. Biochem., 25, 252-261 (1998) aufgeführt sind.

Bestimmte wurden bereits als Teil der Antikrebs-Mittel aufgeführt. Diese Induktoren umfassen insbesondere Actinomycin D, Clotrimazol, Colchicin, Daunorubicin, Doxorubicin, Epothilon A, Erythromycin, Eroposid, Isosafrol, Midazolam, Nifedipin, Phenobarbital, Puromycin, Reserpin, Rifampicin, Taxol, Vinblastin, Vincristin, Cysteinmethylester, Epinephrin, Farnosol.

Als Beispiel wird man vorzugsweise Azithromycin aufführen, das in Dosen unter jenen, die erforderlich sind, um eine antibakterielle Aktivität zu erhalten, verabreicht wird (Jaffe et al., Lancet 1998; 351: 420).

Ein anderes Beispiel für ein das MDR-Protein induzierendes Makrolid, das gemäß der Erfindung einsetzbar ist, ist Erythromycin (Grant et al., Toxicol. Appl. Pharmacol., 1995; 133: 269- 76).

Allgemeiner erlauben die durch die Erfinder ausgeführten Arbeiten, eine Auswahl von Mitteln vorzunehmen, die bei der Verhütung und/oder der Behandlung von Mukoviszidose nützlich sein können, indem die mRNAs der Proteine CFTR, MRP und MDR in den Zellen der Patienten quantitativ bestimmt werden. Gemäß einer bevorzugten Ausführungsweise sind die nützlichen Mittel folglich jene, deren Verabreichung zu dem Auftreten oder einer Erhöhung der mRNAs, die diesen Proteinen entsprechen, und folglich zu einer Expression oder Überexpression des MRP-Proteins und/oder des MDR-Proteins und/oder gegebenenfalls des CFTR- Proteins selbst führt.

Es kann insbesondere interessant sein, beispielsweise Mittel zu testen, die für die Zellen nicht ausreichend toxisch sind, um in einer Antikrebs-Therapie wirksam zu sein, aber indessen ausreichend wirksam sind, um ein "multi drug resistance" (MDR)-Phänomen zu erzeugen, das im Rahmen der Erfindung ausgenutzt wird.

Alle diese Verbindungen können unter Bedingungen eingesetzt werden, die ausreichen, um die Expression oder die Überexpression des MRP- und/oder MDR- und/oder CFTR-Proteins auszulösen.

Für die Krebstherapie wird gewöhnlich die Polychemotherapie auf generellem, intermittierendem und sequentiellem Wege eingesetzt. Man kann gleichfalls in Betracht ziehen, diesen Behandlungstyp gemäß der Erfindung einzusetzen.

Die Erfindung hat folglich gleichfalls die Verwendung für die Herstellung eines Arzneimittels, das für die Verhütung und/oder die Behandlung von Mukoviszidose bestimmt ist, eines Mittels, das mindestens ein Antikrebs-Mittel und/oder ein Makrolid enthält, als Kombinationsprodukt für eine gleichzeitige, getrennte oder zeitlich gestaffelte Verwendung zum Gegenstand.

Das Kombinationsprodukt wird vorzugsweise ein Alkylierungsmittel und ein Interkalationsmittel umfassen, und noch mehr bevorzugt ist das Alkylierungsmittel Ifosfamid und das Interkalationsmittel ist Epirubicin.

Die gemäß der Erfindung einsetzbaren Produkte werden vorzugsweise mit einer Glutathion-Vorstufe für eine gleichzeitige, getrennte oder zeitlich gestaffelte Verwendung verabreicht. Man hat tatsächlich häufig festgestellt, dass die an Mukoviszidose leidenden Kranken einen Glutathion-Mangel aufweisen und die Verabreichung einer Glutathion-Vorstufe es erlaubt, eine Erhöhung des Glutathionspiegels zu begünstigen. Wenn die verabreichten Mittel Antikrebs-Mittel sind, die die Expression oder die Überexpression des MRP-Proteins induzieren, ist die gleichzeitige Verabreichung einer Glutathion-Vorstufe besonders wünschenswert, da die Aktivität des MRP-Proteins von Glutathion abhängt. Unter den Glutathion-Vorstufen kann man beispielsweise N-Acetylcystein (beispielsweise jenes, das unter der Bezeichnung Mucomyst vertrieben wird) oder ferner N- Acetyllysin aufführen.

Außerdem kann man dem Patient eine Verbindung verabreichen, die das mangelhafte CFTR-Protein direkt ersetzt, indem es die Rolle eines Glutathion-Transporters spielt.

Man kann so eine Glutathion-Transporter-Verbindung als Arzneimittel für die sekundäre Verhütung und/oder die Behandlung von Mukoviszidose einsetzen. Die Klonierung einer Glutathion- Transporterverbindung in der Rattenleber ist bereits durch bestimmte Autoren erfolgt (Yi et al., PNAS Band 92, Nr. 5, 1995, 1495-1499). Indessen wurde die Möglichkeit eines Zusammenhangs mit Mukoviszidose niemals in Betracht gezogen.

Diese Verbindung wird vorzugsweise ein Fragment einer Glutathion-ABC-Transporterverbindung sein, insbesondere ein Fragment des CFTR-Proteins, das die NBF1-Domäne umfasst, und insbesondere ein Fragment, das die potentielle Glutathionbindungsstelle, die in den Beispielen, die unter Bezugnahme auf die Fig. 3 folgen, identifiziert wird, umfasst. Es handelt sich vorzugsweise um ein Fragment, das die Reste I448-Q452, S478-K481, M498-I506, A566-L568, A596-T599 enthält, die in Biegungen, die sich an den N-terminalen Enden der Faltblatt- Elemente 1 bis 4 der NBF1-Domäne befinden, lokalisiert sind. Die gleichzeitige Verabreichung einer Glutathion-Vorstufe ist gleichfalls vorteilhaft.

Andere Eigenschaften und Vorteile der Erfindung werden ersichtlich im Verlauf der folgenden detaillierten Beschreibung von Ausführungsbeispielen der Erfindung, die durch die Fig. 1 bis 4 veranschaulicht wird, die die Struktur der NBF1-Domäne des CFTR-Proteins und die Lage der potentiellen Glutathionbindungsstelle in dem CFTR-Protein darstellen.

Die Fig. 1 stellt die Topologie des zentralen Faltblatts eines Modells von NBF1 dar. Es umfasst ein Faltblatt mit sechs parallelen Strängen, deren Zuordnung angegeben ist. Ein siebter Strang ist antiparallel zugeordnet (die Stränge 1 bis 6 sind jeweils: L453-G458, N505-S511, N538-G542, D567-D572, RGOO-V603. Der Strang 7 umfasst die Reste K643-D648). Es sind die Positionen der Walker-Consensus-Sequenzen A und B und die ABC-Signatur angegeben.

Die Fig. 2 stellt schematisch ein Modell der NBF1-Domäne des CFTR-Proteins dar. Die Faltblatt-Elemente 1 bis 7 sind mit S1 bis S7 bezeichnet. Die Helices 1 bis 6 sind mit H1 bis H6 bezeichnet. Die Position der ABC-Signatur (Sequenz LSGGQ) ist angegeben. Die Position des Phenylalanins 508 ist durch eine CPK-Darstellung auf dem Strang S2 angegeben.

Die Fig. 3 stellt ein Modell der NBF1-Domäne des CFTR-Proteins dar, in dem die potentiell an der Bindung des Glutathions beteiligten Reste dunkelgrau dargestellt sind.

BEISPIEL 1: Untersuchung der Struktur des CFTR-Proteins Experimentelle Vorgehensweise 1. Konstruktion des Plasmids

Man schleust das die NBF1-Domäne des CFTR-Proteins (Sequenz R450-I586) kodierende Gen in E. coli ein. Um dies zu tun, wurde die vollständige CFTR-cDNA von Transgene (Strasbourg, Frankreich) bereitgestellt. Das NBF1 kodierende DNA-Fragment wurde durch PCR amplifiziert. Für die Voramplifizierung wurden die Oligonukleotide 5'-GC AGA TCT AGA GGA CAG TTG TT-3' (SEQ ID No. I) und 3'-TA CAA AAT TGT CTT TTT CTT ATT CTT AAG CG-5' (SEQ IN No. 2) eingesetzt. Das Amplifizierungsprodukt wurde durch die BamHI- und EcoRI-Restriktionsstellen in das Plasmid pGEX-KT (Hakes und Dixon, Anal. Biochem., 202, 293-298, 1992) eingeführt. In diesem Plasmid wird NBF1 in Form eines Fusionsproteins mit der Glutathion-S-transferase (GST) produziert. Eine flexible Polyglycin-Verbindungssequenz (Linker) und eine Schnittstelle für Thrombin trennen GST und NBF1 in dem Fusionsprotein. Das dieses Fusionsprotein kodierende Gen wurde sequenziert und entspricht dem erwarteten Gen gut. Das endgültige Plasmid aus dieser Konstruktion wurde in einen RecA-E. coli JM101TR-Stamm eingeschleust.

2. Expression und Reinigung des GST-NBF1-Fusionsproteins:

Die transformierten Bakterien wurden bei 28ºC in LB-Kulturmedium (Trypton 15 g, Hefeextrakt 5 g, NaCl 8 g, Tris-Base 0,52 g, Ampicillin 100 mg pro Liter bei pH 7,25) kultiviert. Die Expression des Fusionsproteins wurde durch 0,1 mM IPTG bei einer OD von 0,8 bis 2,5 bei 600 nm (Absorptionsfrequenz der Bakterien) induziert. Die Bakterien wurden bei 4000 g 25 min zentrifugiert, dann vor dem Beschallen zweimal mit kalter PBS gespült. Eine erneute Solubilisierung wurde mit einer Lösung von PBS/0,1 mM und PMSF/Triton X100, 1% erreicht. Die Bakterien wurden auf einem Eisbad 5 min bei 40 W mit Hilfe einer kleinen Sonde beschallt.

Die Suspension wurde bei 17000 U/min 40 min bei 4ºC mittels eines JA20-Rotors (Beckman) zentrifugiert. Der Überstand wurde mit 5 ml einer Glutathion-Matrix (G4B, Pharmacia) bei Umgebungstemperatur 30 min inkubiert. Die Säule wurde gefüllt. Die Elution des Fusionsproteins wurde mit einer Lösung von 10 mM Glutathion und 50 InH Tris bei pH = 8 bei einer Durchlaufgeschwindigkeit von 0,05 ml/min erhalten. Die bei 280 nm absorbierenden Fraktionen wurden vereinigt und in Anteilen von 500 ul auf eine Ionenaustauschersäule (MonoQ, Pharmacia) aufgetragen. Die Elution wurde bei einer 150 mM NaCl-Lösung beobachtet, und es wurde ein Protein von 42 kD auf einem SDS-PAGE-Gel identifiziert, dann durch Massenspektroskopie bestätigt. Die Produktionsausbeuten an löslichem Fusionsprotein betragen 5 mg/l Kultur.

3. Schneiden des GST-NBF1-Fusionsproteins:

Nach der Reinigung wurde die Fusionsproteinprobe gegen einen Puffer (150 mM NaCl, CaCl&sub2; 2,5 mM, Tris/HCl 50 mM) bei pH = 8 dialysiert. Menschliches Thrombin (T7009, Sigma) wurde bis zu einer Endkonzentration von 5u pro mg Fusionsprotein zugesetzt. Die Mischung wurde 30 min bei Umgebungstemperatur inkubiert. Die Produkte der Schnittreaktion wurden auf einem SDS-PAGE-Gel charakterisiert und es wurde ein Protein mit einem Molekulargewicht von 18 kD (das jenem entsprach, das für NBF1 erwartet wurde) beobachtet.

Ergebnisse:

Das GST-NBF1-Fusionsprotein wird durch einen anti-NBF1- Antikörper (MATG 1061, vertrieben von Transgene) wirksam erkannt. Die Affinität dieses rekombinanten Proteins zu ATP wurde verifiziert. Um dies zu tun, wurde das Erkennen eines fluoreszierenden ATP-Derivats (TNT-ATP) nachgewiesen. Das rekombinante Protein ist folglich in einer funktionsfähigen Form produziert worden. Indessen ist es nach dem Schneiden mit Thrombin nicht möglich, die GST und die NBF1-Domäne an einer mit Glutathion (GSH) gepfropften Affinitätssäule gemäß einer analogen experimentellen Vorgehensweise zu jener, die oben beschrieben worden ist, zu trennen. Obgleich sie auf einem Elektrophoresegel perfekt getrennt werden, koeluieren die Proteine NBF1 und GST an einer Säule von immobilisiertem GSH. Diese Beobachtung legt nahe, dass (wie für GST vorgesehen) NBF1 auf der GSH-Säule zurückgehalten wird, was mit der Existenz einer Glutathionbindungsstelle in NBF1 übereinstimmt.

BEISPIEL 2: Nachweis des Vorhandenseins einer potentiellen Glutathionbindungsstelle in der NBF1-Domäne

Ein Strukturmodell für die NBF1-Domäne von CFTR (Annereau et al., C. R. Acad. Sci. Paris, Sciences de la Vie/Life Sciences, 320, 113-121, 1997 und Annereau et al., FEBS Letters, 407, 303-308, 1997) ist aufgrund von Homologie mit der bekannten Struktur der Nukleotid-Bindungsdomänen der ATPase F1 vom Rind (Abrahams J. P., Leslie A. G. W., Lutter R., Walker J. F., 1994, Nature, 370, 621-628) konstruiert worden. Diese Domäne umfasst einen hydrophoben Kern, der aus einem β-Faltblatt mit 6 parallelen Strängen gebildet wird, deren Zuordnung bezogen auf die Reihenfolge in der Primärsequenz in Fig. 1 angegeben ist (die Stränge 1 bis 6 sind jeweils: L453-G458, N505-S511, N538-O542, D567-D572, R600-V603). Diese Faltblatt-Elemente alternieren mit 6 α-Helices (K464-E474, Y517-D529, Q552-Y563, L581-V591, S605-K611, S631-L636). Die α-Helices ordnen sich beiderseits der Mittelebene des zentralen β-Faltblatts an, wie in Fig. 2 gezeigt (FEBS Letters, Band 407, S. 303-308, 1997). An der Oberfläche der Domäne befindliche Biegungen oder Krümmungen verbinden die Helices mit den Faltblattelementen.

Die potentielle Existenz einer Glutathionbindungsstelle in NBF1 von CFTR, die mit der Glutathionbindungsstelle in der GST praktisch übereinanderlegbar ist, wird durch Vergleich dieses Modells mit der bekannten Struktur der GST (Glutathion-S- transferase, ein Protein, das eine Glutathionbindungsstelle aufweist und das die Reaktionen nukleophiler Angriffe des Glutathions katalysiert) nachgewiesen. Fig. 3 zeigt die Reste von NBF1, die an der Bindung des Glutathions potentiell beteiligt sind. Sie befinden sich in einer Region, die eine Spalte bildet an den Enden von Strängen, die an einem β-Faltblatt beteiligt sind. Diese Reste befinden sich genauer in Biegungen an den N-terminalen Enden der Faltblatt-Elemente 1 bis 4 der NBF1-Struktur. Diese Biegungen enthalten die Reste I448-Q452, S478-K481, M498-I506, A566-L568, A596-T599.

BEISPIEL 3: Behandlung von Mukoviszidose durch eine Kombination von Epirubicin und Cyclophosphamid

Es wurde die folgende Antitumor-Behandlung verabreicht:

- Epirubicin (Farmorubicine®), 110 mg während zwei Tagen (J1 und J2);

- Ifosfamid (Holoxan®), 3,3 g während fünf Tagen (J1 bis J5);

- Filgrastim (Neupogen®), 300 ug pro Tag während acht Tagen (J8 bis J15);

unter einer Deckmedikation von:

- Granisetron (Kytril®) für die Verhütung von Übelkeit;

- Methylprednisolon (Solumedrol®, Corticoid);

- Mesna (Mucofluid®);

- dann, drei Monate später, hat der Kranke erneut sechs Zyklen von Epirubicin und Ifosfamid erhalten.

Der behandelte Kranke wies einen ΔF 508-Genotyp, eine Mutation, die einer Deletion eines Phenylalanins an Position 508 in Exon 12 von CFTR auf einem Allel entspricht, und eine andere Mutation G673X, die sich in Exon 13 auf dem anderen Allel befindet, auf. Dieser Kranke zeigte seit seiner Geburt in 1968 alle klinischen Anzeichen, die mit der Krankheit verbunden sind: positive Schweißtests, wiederholte Sinusitis, wiederholte Bronchitis, Polypen der Nasenhöhle u. s. w. In 1989 wies er eine Infektion mit Pseudomonas aeruginosa auf, die bei Mukoviszidose klassisch und bei diesen Kranken praktisch endgültig ist. Außerdem wurde im April 1993 ein Fibrosarkom am linken Oberschenkel diagnostiziert. Der Kranke unterzog sich einer chirurgischen und radiotherapeutischen Behandlung, dann einer Chemotherapie von Juli bis Oktober 1993, gefolgt von einer erneuten Behandlung im Januar 1994. Betreffend das klinische Bild der Mukoviszidose wurden in der Folge der chemotherapeutischen Behandlung die folgenden Besserungen beobachtet:

- der respiratorische Zustand des Kranken hat sich beträchtlich verbessert;

- seine Infektion durch Pseudomonas aeruginosa ist verschwunden;

- seine respiratorischen Parameter erreichen ungefähr 75% der theoretischen Werte;

- er hat einen respiratorischen Zustand wiedererlangt, der ungefähr äquivalent ist zu jenem, den er zu Beginn seiner Adoleszenz aufwies;

- er erklärt sich selbst als von der Mukoviszidose geheilt.

Ein Schweißtest, der bei ihm zu Beginn des Jahres 1997 ausgeführt wurde, hat sich immer noch als sehr positiv erwiesen, was anzeigt, dass die Chloridionenkanalfunktion bei diesem Patienten nicht wiederhergestellt worden ist. Diese Feststellung verbunden mit der Tatsache, dass der Kranke sich selbst von der Mukoviszidose als geheilt erklärt, erlaubt die Schlussfolgerung, dass eine andere essentielle Funktion durch die chemotherapeutische Behandlung wiederhergestellt worden ist. Dank der Arbeiten, die durch die Erfinder ausgeführt worden sind, kann man jetzt annehmen, dass es sich um eine Transportfunktion mittels Glutathion handelt.

BEISPIEL 4: Nachweis der Überexpression der MDR- und MRP- Proteine bei dem Patienten nach chemotherapeutischer Behandlung gemäß Beispiel 3

Die mRNA der Proteine CFTR, NDR und MRP wurde durch RT-PCR an Epithelzellen, die bei dem Patient von Beispiel 3 (Patient A) gesammelt und analysiert worden sind, quantitativ bestimmt. Die gleiche quantitative Bestimmung erfolgte bei einem an Mukoviszidose leidenden Patienten, der niemals Antikrebs-Mitteln ausgesetzt worden war (Patient B).

Bei Patient B waren die mRNAs von CFTR, MDR und MRP nicht nachweisbar, aber sie wurden unzweideutig bei Patient A identifiziert.

Diese Ergebnisse stützen die Hypothese an der Basis der Erfindung, gemäß welcher die Besserung des klinischen Zustands des Kranken auf den Ersatz des CFTR durch MDR und/oder MRP zurückzuführen ist. Tatsächlich ist das mutierte CFTR-Protein, auch überexprimiert, a priori nicht funktionsfähig.

BEISPIEL 5: Behandlung von Mukoviszidose durch eine für ein Lymphom verordnete Chemotherapie

Der in 1969 geborene Kranke leidet an einer Mukoviszidose, die im Alter von zwei Monaten durch einen positiven Schweißtest diagnostiziert worden ist. Sein klinisches Bild ist für Mukoviszidose typisch (externe Pankreasinsuffizienz, Polypose der Nebenhöhlen, chronische Pseudomonas aeruginosa-Infektion). Es folgt eine Standardgrundbehandlung für seine Mukoviszidose: respiratorische Bewegungstherapie, mehrere Antibiotikatherapie-Kuren pro Jahr, Vitamine. Im August 1992 wies er ein Lymphom vor Stadium IV auf. Er unterzog sich vier Kuren mit einer Kombination von Adriamycin, Cyclophosphamid (Endoxan Asta®), Cytarabin (Aracytine®), Vincristin (Oncovin®), Methylprednisolon (Depamedrol®), Bleomycin, Methotrexat im Oktober 1992 und November 1992. Im Januar 1993 unterzog er sich einer neuen Behandlung mit einer Kombination von Methotrexat, Cytarabin und Methylprednisolon. Eine jegliche chemotherapeutische Behandlung endet im April 1993. Auf Ebene der Lungen wird der Kranke von März 1993 bis Dezember 1993 als umgewandelt eingestuft, durch ihn selbst und durch die Mediziner, die ihn betreuen; kein Husten mehr, keine respiratorische Bewegungstherapie mehr, er unterzieht sich körperlichen Anstrengungen ohne Probleme und er weist mehrere normale Lungenuntersuchungen auf. In Abwesenheit einer chemotherapeutischen Erhaltungstherapie- Behandlung sind bestimmte Symptome seit Ende 1994 wieder zurückgekommen, wie eine Verstärkung des Hustens. Indessen wurde eine bemerkenswerte Besserung des Zustands des Patienten über einen Zeitraum von einem Jahr nach der Lymphomangriffsbehandlung festgestellt.

Der behandelte Patient war homozygot hinsichtlich einer Mutation in Exon 20 innerhalb der Domäne NBF2.

SEQUENZPROTOKOLL

(1) ALLGEMEINE ANGABEN

(i) ANMELDER:

(A) NAME: CENTRE NATIONALE DE LA RECHERCHE SCIENTIFIQUE (CNRS)

(B) STRASSE: 3, RUE MICHEL ANGE

(C) ORT: PARIS Cedex 16

(E) LAND: FRANKREICH

(F) POSTLEITZAHL: 75794

(ii) BEZEICHNUNG DER ERFINDUNG: ANTIKREBS-MITTEL FÜR DIE BEHANDLUNG VON MUKOVISZIDOSE

(iii) ANZAHL DER SEQUENZEN: 2

(iv) COMPUTERLESBARE FASSUNG:

(A) DATENTRÄGER: Diskette

(B) COMPUTER: IBM-PC-kompatibel

(C) BETRIEBSSYSTEM: PC-DOS/MS-DOS

(D) SOFTWARE: PatentIn Release #1.0, Version #1.30 (EPA)

(vi) DATEN DER FRÜHEREN ANMELDUNG:

(A) ANMELDENUMMER: FR 9706667

(B) HINTERLEGUNGSDATUM: 30. Mai 1997

(2) ANGABEN ZU SEQ ID NO: 1:

(i) SEQUENZKENNZEICHEN:

(A) LÄNGE: 22 Basenpaare

(B) ART: Nukleotid

(C) STRANGFORM: einzelsträngig

(D) TOPOLOGIE: linear

(ii) ART DES MOLEKÜLS: DNA

(ix) MERKMAL

(A) NAME/SCHLÜSSEL: 5'-3'-Oligonukleotid

(xi) SEQUENZBESCHREIBUNG: SEQ ID NO: 1:

(2) ANGABEN ZU SEQ ID NO: 2:

(i) SEQUENZKENNZEICHEN:

(A) LÄNGE: 31 Basenpaare

(B) ART: Nukleotid

(C) STRANGFORM: einzelsträngig

(D) TOPOLOGIE: linear

(ii) ART DES MOLEKÜLS: DNA

(ix) MERKMAL

(A) NAME/SCHLÜSSEL: 3'-5'-Oligonukleotid

(xi) SEQUENZBESCHREIBUNG: SEQ ID NO: 2:


Anspruch[de]

1. Verwendung für die Herstellung eines Medikaments, das zur Verhütung und/oder zur Behandlung von Mukoviszidose bestimmt ist, mindestens eines Mittels, dessen Verabreichung bei einem Patienten, der an Mukoviszidose leidet, bei dem Patienten zur Expression oder Überexpression mindestens einer ABC-Transporterverbindung führt.

2. Verwendung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Mittel bei dem Patienten zur Expression oder Überexpression des mutierten CFTR-Proteins des Patienten führt.

3. Verwendung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die exprimierte oder überexprimierte Verbindung das MDR-Protein ist.

4. Verwendung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die exprimierte oder überexprimierte Verbindung eine ABC-Transporterverbindung für Glutathion ist.

5. Verwendung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die exprimierte oder überexprimierte Verbindung das MRP-Protein ist.

6. Verwendung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die exprimierte oder überexprimierte Verbindung das MRP-Protein und/oder das MDR-Protein und/oder das CFTR-Protein ist.

7. Verwendung nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass das Mittel ein Antikrebs-Mittel ist.

8. Verwendung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass das Antikrebs-Mittel ein Alkylierungsmittel ist.

9. Verwendung nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass das Mittel ausgewählt ist aus Stickstofflost und dessen Derivaten, Nitrosoharnstoffen, Platin-Derivaten, Derivaten von Ethylenimin, Dimethansulfonoxyalkanen, Derivaten von Piperazin und Derivaten von Methylhydrazin.

10. Verwendung nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass das Mittel ein Stickstofflost oder ein Derivat davon ist, vorzugsweise Cyclophosphamid.

11. Verwendung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass das Antikrebs-Mittel ein Interkalationsmittel ist.

12. Verwendung nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass das Mittel ausgewählt ist aus Anthracyclinen, Anthraceredionen, Anthracenen, Acridin- Derivaten, Ellipticinen, Actinomycinen.

13. Verwendung nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass das Mittel ein Anthracyclin ist.

14. Verwendung nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, dass das Mittel ausgewählt ist aus Aclarubicin, Doxorubicin, Daunorubicin, Epirubicin, Idarubicin, Zorubicin, Pirabucin.

15. Verwendung nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, dass das Mittel Epirubicin ist.

16. Verwendung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass das Antikrebs-Mittel ein Antimetabolit ist.

17. Verwendung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Antikrebs- Verbindung ein Spindelgift ist.

18. Verwendung nach Anspruch 17, dadurch gekennzeichnet, dass das Spindelgift Colchicin oder seine Derivate ist.

19. Verwendung nach Anspruch 17, dadurch gekennzeichnet, dass das Mittel ausgewählt ist aus Epipodophyllotoxinen und Vinca-Alcaloiden.

20. Verwendung nach Anspruch 19, dadurch gekennzeichnet, dass das Mittel ausgewählt ist aus Vindesin, Vinorelbin, Vincristin und Vinblastin.

21. Verwendung nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass das Mittel ein Analogon eines Antikrebs-Mittels ist.

22. Verwendung nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass das Mittel ein Makrolid ist.

23. Verwendung nach Anspruch 22, dadurch gekennzeichnet, dass das Mittel Azithromycin ist.

24. Verwendung nach Anspruch 22, dadurch gekennzeichnet, dass das Mittel Erythromycin ist.

25. Verwendung nach einem der Ansprüche 7 bis 24, dadurch gekennzeichnet, dass das Medikament mindestens ein Antikrebs-Mittel und mindestens ein Makrolid als Kombinationsprodukt für eine gleichzeitige, getrennte oder zeitlich gestaffelte Verwendung enthält.

26. Verwendung nach Anspruch 25, dadurch gekennzeichnet, dass das Kombinationsprodukt ein Alkylierungsmittel und ein Interkalationsmittel enthält.

27. Verwendung nach Anspruch 26, dadurch gekennzeichnet, dass das Alkylierungsmittel Ifosfamid ist, und das Interkalationsmittel Epirubicin ist.

28. Verwendung nach einem der Ansprüche 1 bis 27, dadurch gekennzeichnet, dass das Mittel in Kombination mit einer Glutathion-Vorstufe als Kombinationsprodukt für eine gleichzeitige, getrennte oder zeitlich gestaffelte Verwendung vorliegt.

29. Verwendung nach Anspruch 28, dadurch gekennzeichnet, dass die Glutathion-Vorstufe ausgewählt ist aus N-Acetylcystein oder N-Acetyllysin.







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