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Dokumentenidentifikation DE10212313B4 15.07.2004
Titel Selbstladewaffe
Anmelder Dötsch, Werner, 56332 Dieblich, DE
Erfinder Dötsch, Werner, 56332 Dieblich, DE
Vertreter Podszus, B., Dipl.-Phys. Dipl.-Wirtsch.-Ing., Pat.-Anw., 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler
DE-Anmeldedatum 20.03.2002
DE-Aktenzeichen 10212313
Offenlegungstag 09.10.2003
Veröffentlichungstag der Patenterteilung 15.07.2004
Veröffentlichungstag im Patentblatt 15.07.2004
IPC-Hauptklasse F41A 21/28
IPC-Nebenklasse F41A 3/78   

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft eine Selbstladewaffe mit einem an einem Waffengehäuse befestigten Waffenrohr mit heckseitig angeordnetem Patronenlager und einem bei Schußabgabe sich in bezog auf das Waffenrohr axial nach hinten verschiebenden Verschlußblock eines Verschlusses.

Automatische oder halbautomatische Waffen sind häufig als Rückstoßlader ausgebildet, wobei insbesondere Selbstladepistolen mit einem Masseverschluß versehen sind, so daß das Waffenrohr während des Abfeuervorganges von hinten nur durch einen schweren Verschlußblock und von einer Schließfeder, die ihn gegen das Waffenrohr drückt, verschlossen wird.

Um ein reproduzierbares Schußverhalten derartiger Selbstladewaffen mit Masseverschluß zu gewährleisten, ist es erforderlich, daß die Masse des Verschlusses, die Federkraft der Schließfeder und die Beschaffenheit der Patrone, insbesondere der Ladung, möglichst genau aufeinander abgestimmt sind. Ist daher eine derartige Waffe im Hinblick auf einen bestimmten Patronentyp optimiert, führt das Verschießen z.B. leistungsfähiger Patronen des gleichen Kalibers häufig zu Problemen, weil die auf den Verschluß wirkenden höheren Kräfte einen zu schnellen Rücklauf des Verschlußblockes bewirken. Dieses kann dazu führen, daß die jeweilige Patronenhülse so weit aus dem Patronenlager ausgezogen wird, daß der hohe Gasdruck der jetzt nicht mehr von dem Patronenlager gestützten Hülse diese aufbläht. Dadurch kann dann ein Abreißen des hülsenförmigen Bereiches der Patronenhülse von dem Patronenboden verursacht werden. In diesem Fall treten Pulvergase unkontrolliert lagerseitig aus der Waffe aus, was zu einer Verringerung der Geschoßenergie und damit zu einer schlechten Treffergenauigkeit sowie zu starken Ablagerungen von Pulverresten im Verschluß- und Magazinbereich führt.

Aus der US 3 261 264 A ist eine Selbstladewaffe bekannt, die als Gasdrucklader ausgebildet ist. Bei dieser bekannten Waffe sind zwei das Waffenrohr außenseitig umgebende, axial hintereinander angeordnete Gaskammern vorgesehen, die durch eine Zwischenwand voneinander getrennt sind. Die Zwischenwand ist dabei mit dem Verschlußblock fest verbunden. Beide Gaskammern sind über entsprechende Gasöffnungen mit dem Innenraum des Waffenrohres verbunden.

Bei Schußabgabe gelangen die Treibladungsgase zunächst durch die dem Patronenlager benachbarten Gasöffnungen in die hintere Gaskammer, wobei diese Gaskammer und die Gasöffnungen sowie eine entsprechende Rückholfeder derart ausgelegt sind, daß der auf die Rückseite der Zwischenwand ausgeübte Gasdruck den Verschlußblock sicher geschlossen hält.

Sobald die Treibladungsgase durch die Gasöffnungen der vorderen Gaskammer gelangen, üben sie einen entsprechenden Druck auf ein axial verschiebbares Kolbenteil aus, welches sich über eine Feder an der Vorderseite der Zwischenwand abstützt. Durch diese auf die Zwischenwand und damit auch auf den Verschlußblock wirkende Kraft, in Verbindung mit der über die Patronenhülse auf den Verschlußblock wirkenden Kraft, wird Letzterer nach hinten verschoben.

Nachteilig ist bei dieser Selbstladewaffe der außerordentlich komplizierte und damit auch kostenaufwendige Aufbau. Außerdem erfolgt durch die große Anzahl erforderlicher Gasöffnungen eine relativ starke Schwächung des Waffenrohres, die durch entsprechende Maßnahmen kompensiert werden muß. Schließlich erscheint es fraglich, ob mit diesem aus zwei Gaskammern bestehenden Aufbau das Problem befriedigend lösbar ist, ein von der Treibleistung der Ladung weitgehend unabhängiges Rücklaufverhalten des Verschlußblockes zu erreichen. Denn insbesondere bei Verwendung von Masseverschlüssen ohne zusätzliche mechanische Verriegelungsvorrichtungen ist die Auslegung der vorderen Gaskammer relativ kritisch. Füllt sich diese Gaskammer nämlich, aus welchen Gründen auch immer, nicht schnell genug mit Treibladungsgasen, wird der Verschlußblock sofort bei Schußabgabe nach hinten gedrückt und diese Rückwärtsbewegung durch den Gasdruck in der vorderen Kammer noch beschleunigt. In derartigen Fällen kann es dann leicht zu einem Abreißen des hülsenförmigen Bereiches der Patronenhülse kommen.

Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Selbstladewaffe der eingangs erwähnten Art anzugeben, welche ein Verschlußsystem aufweist, bei dem auf einfache Weise erreicht wird, daß das Rücklaufverhalten des Verschlußblockes weitgehend unabhängig von der Treibleistung der Ladung der jeweiligen zu verschießenden Patrone ist.

Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die Merkmale des Anspruchs 1 gelöst. Weitere, besonders vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung offenbaren die Unteransprüche.

Die Erfindung beruht im wesentlichen auf dem Gedanken, unmittelbar nach dem Abfeuerungsvorgang einen Teil der Treibladungsgase nur zur Dämpfung und nicht zur Beschleunigung der Rücklaufbewegung des Verschlusses heranzuziehen, wobei ein hoher Treibladungsgasdruck eine hohe Dämpfung und ein niedriger Treibladungsgasdruck eine niedrige Dämpfung der Rücklaufbewegung bewirken.

Bei einem praktischen Ausführungsbeispiel der Erfindung ist daher im kaliberrohrseitigen Bereich des Patronenlagers oder im patronenlagerseitigen Bereich des Kaliberrohres mindestens eine Gasöffnung in der Wand des Waffenrohres vorgesehen, über welche bei Abfeuerung ein Teil der Treibladungsgase seitlich in eine einzige, außenseitig an dem Waffenrohr angeordnete Gaskammer entweichen kann. Da die, in Schußrichtung gesehen, vordere Wand der Gaskammer mit dem Verschlußblock verbunden ist, verschiebt bei Schußabgabe der sich axial nach hinten bewegende Verschlußblock auch diese Kammerwand, was zu einer Verringerung des Kammervolumens und damit zu einer Kompression der durch die Gasöffnung in die Gaskammer gelangten Treibladungsgase führt. Dadurch wird die Verschiebung der Kammerwand und damit auch des Verschlußblockes gedämpft.

Durch die Wahl der Anzahl der (z.B. als radiale Bohrungen ausgeführten) Gasöffnungen und deren Größe sowie durch die Kammergröße und die Abmessungen des mit dem Verschlußblock verbundenen Wandbereiches der Kammer kann das Rücklaufverhalten des Verschlußblockes für eine große Anzahl unterschiedlicher Patronentypen (mit gleichem Kaliber) optimiert werden.

Bei einer ersten Ausführungsform der Erfindung setzt sich die Gaskammer aus einem hülsenförmigen Bereich des Verschlusses und einem vorspringenden Wandbereich des Waffenrohres odes Waffengehäuses zusammen, wobei der vorspringende Wandbereich gleichzeitig als Führung fir den hülsenförmigen Bereich des Verschlusses ausgebildet ist.

Bei einer weiteren Ausführungsform der Erfindung werden die Seitenwände der Gaskammer einerseits durch einen mit dem Verschlußblock verbundenen, das Waffenrohr teilweise umschließenden schlittenförmigen Bereich des Verschlusses und andererseits durch das Waffenrohr und/oder das Waffengehäuse gebildet, während die Rückwand der Gaskammer wiederum durch einen vorspringenden Wandbereich des Waffenrohres oder durch das Waffengehäuse gebildet wird.

Sofern die Waffe mit einer sich zwischen Verschluß und Waffengehäuse abstützenden Schließfeder versehen ist, kann diese zwecks platzsparender Anordnung auch in der Gaskammer angeordnet sein.

Vorteilhafterweise sollte sich die in der Wand des Waffenrohres angeordnete Gasöffnung im heckseitigen Bereich der Gaskammer befinden.

Weitere Einzelheiten und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus den folgenden anhand von Figuren erläuterten Ausführungsbeispielen. Es zeigen:

1 einen Längsschnitt durch den verschlußseitigen Bereich einer schematisch dargestellten erfindungsgemäßen Selbstladepistole nach dem Laden einer Patrone, aber vor deren Abfeuerung;

2 einen Querschnitt durch die in 1 dargestellte Selbstladepistole entlang der dort mit II-II bezeichneten Schnittlinie;

3-5 drei 1 entsprechende Ansichten der erfindungsgemäßen Selbstladepistole bei unterschiedlichen Stellungen des Verschlusses nach Abfeuerung der Patrone.

In den 14 ist mit 1 die Selbstladepistole bezeichnet, die ein Waffengehäuse 2 (2), ein mit diesem fest verbundenes Waffenrohr 3 und einen Verschluß 4 umfaßt. Der heckseitige Teil des Waffenrohres 3 ist als Patronenlager 5 ausgebildet, in dem sich eine Patrone 6 mit Patronenhülse 7 und Geschoß 8 befindet.

Der Verschluß 4 umfaßt einen mit einem Schlagbolzenmechanismus 9 versehenen Verschlußblock 10, welcher durch eine nicht dargestellte Schließfeder gegen das Waffenrohr 3 gedrückt wird und das Patronenlager 5 heckseitig verschließt. Vorderseitig schließt sich an den Verschlußblock 10 ein schlittenförmiger, das Waffenrohr 3 umschließender Bereich 11 an, der auf dem entsprechenden Bereich des Waffengehäuses 2 gleitet, und eine vordere Wand 12 aufweist, durch welche das Waffenrohr 3 formschlüssig und gasdicht hindurchgeführt ist. Heckseitig wird der das Waffenrohr 3 umschließende Bereich 11 des Verschlusses 4 durch einen vorspringenden Wandbereich 13 des Waffenrohres 3 verschlossen, so daß sich eine Kammer 14 (im folgenden auch als Gaskammer bezeichnet) ergibt.

Das Waffenrohr 3 besitzt mehrere radial verlaufende Gasbohrungen 15, die das Innere 16 des Waffenrohres 3 mit dem heckseitigen Bereich der Gaskammer 14 verbinden.

Nachfolgend wird anhand der 3-5 auf die Wirkungsweise der erfindungsgemäßen Selbstladewaffe eingegangen:

Nach dem Zünden der Treibladung der Patrone 6 drücken die entstehenden Treibladungsgase 17 das Geschoß 8 durch das Waffenrohr 3 (3). Der Verschlußblock 10 verbleibt zunächst aufgrund seiner Trägheit und der noch geringen Rückstoßkräfte in seiner Ausgangslage. Sobald das Geschoß 8 die Gasbohrungen 15 passiert hat, gelangt ein Teil der Treibladungsgase 17 in die Gaskammer 14 und füllt diese.

Anschließend wird der Verschlußblock 10 aufgrund der Rückstoßkräfte nach hinten verschoben und die Patronenhülse 7 ausgezogen (4). Durch die Bewegung des Verschlußblockes 10 wird die vordere Wand 12 der Gaskammer 14 ebenfalls nach hinten verschoben und die in der Gaskammer 14 befindlichen Treibladungsgase 17 werden verdichtet und bremsen somit den Rücklauf der vorderen Wand 12 und des Verschlußblockes 10 ab.

Nachdem der Verschlußblock 10 vollständig ausgerückt ist (5), ist der mit Treibladungsgasen gefüllte Bereich der Gaskammer 14 maximal verdichtet und die Treibladungsgase werden durch die Gasbohrungen 15 zurück in das Waffenrohr 3 gedrückt.

Anschließend kann eine neue Patrone aus dem Magazin entnommen und in das Patronenlager 5 eingeschoben werden.

Die Erfindung ist selbstverständlich nicht durch das beschriebene Ausführungsbeispiel beschränkt. So können beispielsweise die Öffnungen zwischen dem Waffenrohr und der Gaskammer auch im Bereich des Patronenlagers liegen, sofern sie nicht durch die Patronenhülse verdeckt werden und sich die Gaskammer außenseitig über diesen Bereich erstreckt.

Bei der Gaskammer braucht es sich nicht zwingend um einen hülsenförmigen Bereich des Verschlusses zu handeln. Vielmehr kann – je nach Aufbau der Waffe – ein Teil der seitlichen Kammerwände auch durch das Waffengehäuse oder das Waffenrohr gebildet werden. Der die Gaskammer verschließende heckseitige Wandbereich kann statt durch einen Vorsprung des Waffenrohres auch durch einen entsprechenden Vorsprung des Waffengehäuses gebildet werden.

Bei der kolbenförmig von dem Verschlußblock mitgeführten vorderen Wand der Gaskammer braucht es sich nicht um die gesamte vordere Wand dieser Kammer handeln. Vielmehr ist es auch denkbar, daß nur ein Wandbereich verschoben wird, um eine Verdichtung der Treibladungsgase zwecks Dämpfung des Verschlußblock-Rücklaufes zu bewirken.

Das erfindungsgemäße Verschlußsystem kann nicht nur bei Selbstladepistolen, sondern auch bei anderen Waffen mit Masseverschluß (z.B. Maschinenpistolen) verwendet werden.

1 Selbstladewaffe, Waffe 2 Waffengehäuse 3 Waffenrohr 4 Verschluß 5 Patronenlager 6 Patrone 7 Patronenhülse 8 Geschoß 9 Schlagbolzenmechanismus 10 Verschlußblock 11 Bereich 12 vordere Wand 13 vorspringende Wandbereich 14 Kammer, Gaskammer 15 Gasöffnung, Gasbohrung 16 Innere (Waffenrohr) 17 Treibladungsgas

Anspruch[de]
  1. Selbstladewaffe mit einem an einem Waffengehäuse (2) befestigten Waffenrohr (3) mit heckseitig angeordnetem Patronenlager (5) und einem bei Schußabgabe sich in bezug auf das Waffenrohr (3) axial nach hinten verschiebenden Verschlußblock (10) eines Verschlusses (4), mit den Merkmalen:

    a) patronenlagerseitig sind in der Wand des Waffenrohres (3) eine oder mehrere Gasöffnungen (15) vorgesehen;

    b) alle patronenlagerseitig in der Wand des Waffenrohres (3) angeordneten Gasöffnungen (15) sind mit einer einzigen, außenseitig an dem Waffenrohr (3) angeordneten Gaskammer (14) verbunden, so daß bei Schußabgabe ein Teil der Treibladungsgase nur in diese Gaskammer (14) entweichen kann;

    c) die, in Schußrichtung gesehen, vordere Wand (12) der Gaskammer (14) ist mit dem Verschlußblock (10) verbunden, wobei die Gaskammer (14) und die Gasöffnungen (15) derart ausgelegt sind, daß bei Schußabgabe keine oder keine nennenswerte Verzögerung des Beginns der Rücklaufbewegung des Verschlußblockes (10) durch den in der Gaskammer (14) sich ausbildende Gasdruck erfolgt und sich durch den axial nach hinten bewegende Verschlußblock (10) durch Verschiebung der vorderen Wand (12) eine Kompression der Treibladungsgase (17) innerhalb der Gaskammer (14) ergibt, die eine definierte Dämpfung der Rücklaufbewegung des Verschlußblockes (10) bewirkt.
  2. Selbstladewaffe nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Gaskammer (14) einen hülsenförmigen, das Waffenrohr (3) umgebenden Bereich (11) des Verschlusses (4) umfaßt, und daß der hülsenförmige Bereich (11) vorderseitig durch die vordere Wand (12) des Verschlusses (4) und heckseitig durch einen nach innen vorspringenden Wandbereich (13) des Waffenrohres (3) oder Waffengehäuses (2) begrenzt ist.
  3. Selbstladewaffe nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß bei einer Waffe (1) mit einer sich zwischen Verschluß (4) und Waffengehäuse (2) abstützenden Schließfeder diese in der Gaskammer (14) angeordnet ist.
  4. Selbstladewaffe nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die in der Wand des Waffenrohres (3) angeordnete Gasöffnung (15) im heckseitigen Bereich der Gaskammer (14) angeordnet ist.
  5. Selbstladewaffe nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß gegenüber dem hülsenförmigen Bereich (11) des Verschlusses (4) mehrere, in Umfangsrichtung gleichmäßig verteilt angeordnete radiale Gasöffnungen (15) in der Wand des Waffenrohres (3) vorgesehen sind.
  6. Selbstladewaffe nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß es sich bei der Selbstladewaffe (1) um eine Faustfeuerwaffe handelt.
Es folgen 2 Blatt Zeichnungen






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