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Dokumentenidentifikation DE102004001620A1 19.08.2004
Titel Sattel mit einem einstückigen Sattelbaum und Verfahren zur Herstellung eines Sattelbaums aus einem Vollmaterialkörper
Anmelder Rieser, Christoph, 56593 Obersteinebach, DE
Erfinder Rieser, Christoph, 56593 Obersteinebach, DE
Vertreter Kutzenberger & Wolff, 50668 Köln
DE-Anmeldedatum 09.01.2004
DE-Aktenzeichen 102004001620
Offenlegungstag 19.08.2004
Veröffentlichungstag im Patentblatt 19.08.2004
IPC-Hauptklasse B68B 3/16
IPC-Nebenklasse B68C 1/02   
Zusammenfassung Die Erfindung betrifft einen Sattel mit einem einstückigen Sattelbaum sowie ein Verfahren zur Herstellung eines Sattelbaums, bei dem die Form des Pferderückens aufgenommen und in Daten zur Steuerung einer materialabtragenden Vorrichtung überführt wird. Die materialabtragende Vorrichtung arbeitet vorzugsweise vollautomatisch zumindest die dem Pferd zugewandte Seite des Sattelbaums anhand der zuvor in die Steuerungseinheit eingegebenen Daten aus einem Vollmaterialkörper heraus.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft einen Sattel mit einem Sattelbaum aus Holz oder Holzverbundstoff sowie ein Verfahren zur Herstellung eines auf den jeweiligen Pferderücken individuell angepassten Sattelbaums durch automatisches Herausarbeiten des Sattelbaums aus einem Vollmaterial – Körper.

Sattel werden aufgrund der unterschiedlichen Physiognomie des jeweiligen Pferderückens üblicherweise individuell angefertigt. Dabei wird regelmäßig ein auf das jeweilige Pferd angepaßter und vorzugsweise aus Holz oder Kunststoff bestehender Grundkorpus, der sogenannte Sattelbaum, über den die Rohhaut und anschließend das Satteloberleder gezogen wird, hergestellt.

Dieser Sattelbaum besteht üblicherweise aus einer Vielzahl miteinander verleimter und/oder auf andere Weise verbundenen Teilen. So werden sowohl die Fork als auch das Horn, die Bars und der Cantle einzeln und individuell gefertigt und anschließend an ihren vorzugsweise gewinkelt verlaufenden Verbindungsflächen miteinander verbunden, insbesondere verleimt. Dabei stellt sich jedoch das Problem, dass diese Einzelteile insbesondere im Bereich des Verbindungsflächen mit den benachbarten Einzelteilen sehr genau gefertigt werden müssen. Darüber hinaus werden besonders hohe Anforderungen an die Festigkeit der Verbindungen gestellt. Die Herstellung eines Sattelbaums ist daher regelmäßig äußerst arbeits- und zeitintensiv.

Der Sattelbaum wird vorzugsweise so gefertigt, dass er optimal auf die Bedürfnisse des Pferdes angepasst ist. So ist bei der Herstellung des Sattelbaums sowohl die Größe und Lage der Sattelauflage als auch die Art der Bewegung des Pferdes zu berücksichtigen. Zudem wird vorzugsweise auch die zu erwartende Veränderung durch Wachstum oder fortschreitendes Alter des Pferdes berücksichtigt.

Der Sattelbaum dient dabei dazu, das Gewicht des Reiters vorzugsweise über eine große Fläche zu verteilen. Andererseits wird durch ein weitestmögliches Freistellen des Sattelbaums gegenüber den Bewegungen des Pferdes eine vorzugsweise vollständige Beweglichkeit des Pferdes ohne Drücken und/oder Scheuern des Sattels gewährleistet.

Die Passform des Sattels am Pferd wird dabei üblicherweise dadurch sicher gestellt, dass die Form des Pferderückens visuell oder mittels geeigneter Vorrichtungen abgenommen wird. Beispielsweise wird ein Messgerippe aus Stahl, bestehend aus einer Längsstrebe und einer Vielzahl senkrecht an dieser angeordneten Querstreben, auf dem Pferderücken aufgelegt und in der Form angepasst. Dieses Messgerippe dient anschließend als Grundform, auf die der Sattelbaum aufgebaut wird.

Sattelbäume werden anschließend üblicherweise von Hand in mehreren Teilen aus einem Vollkörper aus Holz gefertigt oder aber aus mehreren Teilen zusammengesetzt. Zudem ist die Herstellung von Sattelbäumen aus Kunststoff, beispielsweise durch Gießen, bekannt.

Dabei besteht jedoch das Problem, dass zum einen ein ausschließlich visuelles Maßnehmen regelmäßiges Nacharbeiten erfordert und nicht die Möglichkeit ergibt, Duplikate anzufertigen. Bei der Verwendung von Formkörpern dürfen die Messgerippe bei der Herstellung des Sattelbaums keinerlei mechanischer Verformung unterliegen. Zudem kann auch bei einer solchen Herstellungsmethode kein Duplikat des Sattelbaums unter Umgehung des zeitintensivsten Arbeitsschritts gefertigt werden. Die Herstellung von Sattelbäumen ist daher besonders zeit- und arbeitsintensiv.

Es war die Aufgabe der Erfindung, einen Sattel und ein Verfahren zur Herstellung eines Sattelbaums zur Verfügung zu stellen, welche die Nachteile des Stands der Technik und der bekannten Verfahren nicht aufweisen.

Die Aufgabe der Erfindung wird durch einen Sattel mit den Merkmalen des Anspruchs 1 und ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 6 gelöst. Bevorzugte Ausgestaltungen der Erfindung finden sich in den jeweiligen abhängigen Ansprüchen.

Gemäß einem ersten Aspekt der Erfindung ist ein Sattel zur Verfügung gestellt worden, dessen Sattelbaum aus Holz oder einem Holzverbundstoff besteht und im wesentlichen einstückig und aus einem Stück gefertigt ist.

Einstückig im Sinne der Erfindung bedeutet, dass der Sattelbaum nur aus einem Stück besteht; d.h. dass nicht mehrere Teile vorgefertigt und dann zusammengesetzt werden. Der Fachmann versteht, dass ein Sattelbaum zusätzliche nichttragende und/oder nicht rahmenbildende Aufbauten, aufweisen kann und dennoch im wesentlichen einstückig und aus einem Stück gefertigt ist. Somit sind auch Sattel, deren Sattelbäume beispielsweise ein Horn oder Sitzschalenteile, vorzugsweise im Bereich des Cantles aufweisen, vom Erfindungsgedanken umfasst.

Aus einem Stück im Sinne der Erfindung bedeutet, dass der Sattelbaum aus einem zusammenhängenden Stück Material gefertigt wird.

Das Material des Sattelbaums ist ein vorzugsweise für Sattelbäume üblicherweise verwendetes Holz oder ein Holzverbundstoff, welcher die notwendige Festigkeit insbesondere gegen dynamische Belastungen, wie sie bei einem Sattel aufgrund des Verwendungszwecks auftreten, besitzt. In einer bevorzugten Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Sattels ist das Material des Sattelbaums ein verleimtes Schichtholz. Hierdurch wird ein Sattel geschaffen, der aus einem besonders für Sattelbäume geeigneten Material besteht. Insbesondere besteht bei der Verwendung von Holz oder Holzverbundwerkstoffen bei der Herstellung von Sattelbäumen die Möglichkeit, die über die Lebenszeit auftretenden Veränderungen der Form eines Pferderückens am Sattelbaum, sei es durch Materialwegnahme oder aber Materialauftrag, nachzubilden. Ganz besonders bevorzugt wird der Sattelbaum aus einem Holzblock gefertigt, der vorher vorzugsweise aus unterschiedlichen plattenförmigen Holzmaterialien zusammengesetzt, vorzugsweise zusammengeleimt wurde. Die plattenförmigen Holzmaterialien können aus einer Holzart bestehen oder aus mehreren Holzarten oder Verbundplatten mit mehreren Holzschichten, beispielsweise Sperrholzplatten, zusammengeleimt sein. Der Sattelbaum wird aus einem Stück, dem Holzblock, gefertigt. Da er nach der Fertigung alle wesentlichen, insbesondere tragenden Teile aufweist, ist er auch einstückig.

Die Fertigung des Sattelbaums aus einem Stück erfolgt dabei auf jede dem Fachmann zur spanabhebenden Bearbeitung von Holz oder Holzverbundstoffen, insbesondere verleimtem Schichtholz, bekannte Verfahren, beispielsweise Schnitzen, Hobeln, Fräsen, Schleifen oder dergleichen oder aber Kombinationen von zwei oder mehr Verfahren.

In einer bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung ist der Sattelbaum zumindest an seiner dem Pferd zugewandten Seite individuell auf die Form des Pferderückens abgestimmt. Besonders bevorzugt ist der Sattelbaum auch an die Sitzform des Reiters angepasst, insbesondere die Länge, Höhe und/oder die Weite des Grundsitzes sowie die Ausformung der Sitzschale.

In einer weiteren bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung ist der Sattelbaum zumindest in Teilbereichen mit Kunststofffolien und/oder Glasfasern verstärkt. Hierdurch wird ein Sattelbaum erhalten, der besonders vorteilhaft auf die auftretenden Kräfte ausgerichtet ist.

In einer weiteren bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung weist der Sattelbaum wenigstens eine Lackschicht, vorzugsweise aus Bootslack oder einem Zweikomponentenlack auf. Hierdurch wird ein Sattelbaum geschaffen, der sich besonders für die Weiterverarbeitung und das Beziehen mit der Rohhaut oder eine Verstärkung mit Kunststofffolien oder Glasfasern eignet.

In einem weiteren Aspekt der Erfindung ist ein Verfahren zur Verfügung gestellt worden, bei dem die Form des jeweiligen Pferderückens aufgenommen und in Daten überführt wird, welche einer Vorrichtung eingegeben werden, die in der Lage ist, einen Sattelbaum aus einem Vollkörpermaterial herauszuarbeiten.

Das erfindungsgemäße Verfahren ermöglicht die Herstellung von individuell auf den jeweiligen Pferderücken angepassten Sattelbäumen durch vorzugsweise vollautomatisches Herausarbeiten aus einem Vollmaterialkörper. Das Verfahren gemäß der Erfindung ist flexibel und ermöglicht eine Herstellung identischer Sattelbäume sowie die Anpassung des Herstellungsprozesses auf Veränderungen der Form des Pferderückens durch Modifizierung der Steuerungsdaten für den materialabtragenden Arbeitsschritt.

Beispielsweise können durch die vollständige Digitalisierung verschiedener Sattelformen Vergrößerungen oder Verkleinerungen, Verlängerungen oder Verkürzungen, Aufweitungen oder das Zusammenschieben des Sattelbaums, bereits in der Konstruktionsphase mittels dafür geeigneter Software vorgenommen werden. Ebenso können bereits in der Konstruktionsphase und digital verschiedene Sattelformen zusammengefügt werden, wodurch beispielsweise die Fork einer ersten Sattelform mit dem Cantle einer zweiten Sattelform eine neue Sitzschale für den Reiter ausbilden.

Die Form des Pferderückens kann auf eine Vielzahl verschiedener Arten abgenommen werden. So kann zur Erstellung einer Negativform des Pferderückens beispielsweise eine formbare Kunststoffauflage aufgelegt werden und der Form des Pferdes angepasst werden. In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung wird zur Abnahme der Form des Pferderückens aber ein Messgerippe, vorzugsweise bestehend aus einer Längsstrebe und einer Vielzahl von an dieser vorzugsweise parallel zueinander angeordneten Querstreben aus vorzugsweise Stahl auf das Pferd aufgelegt und in seiner Form dem Pferderücken angepasst.

In einer besonders bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung ist die Längsstrebe ein vorzugsweise 500 – 700 mm langer Flachstahl. In einer ganz besonders bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung weist das Meßgerippe 10 – 15 vorzugsweise gleich langer Querstreben aus Rundstahl auf. In einer überaus bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung besitzt der Flachstahl dabei Kantenlängen von 8 – 12 sowie 2 – 4 mm. Die Querstreben weisen in einer ebenfalls überaus bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung einen Durchmesser von 2 – 4 mm auf.

Hierdurch wird ein Messgerippe geschaffen, welches besonders auf die vorgesehene Verwendung abgestimmt ist und einen Ausgleich zwischen der für die erforderliche Flexibilität bei der Formerstellung und Steifheit bei der anschließenden Herstellung des Sattelbaums schafft.

Der Fachmann versteht, dass das verwendete Messgerippe bevorzugt mehrfach verwendet werden kann, wobei die durch die Verformung und eine etwaige Rückverformung entstandene erhöhte Versetzungsdichte durch eine Temperung wieder reduziert werden kann. Es entsteht in dieser bevorzugten Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens ein Messgerippe, das nahezu unbegrenzt wieder verwendet werden kann.

In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der Erfindung wird der Pferderücken direkt mittels dem Fachmann bekannten Vorrichtungen zur Digitalisierung von dreidimensionalen Oberflächen eingescant. In einer besonders bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist diese Vorrichtung in einem Rahmen angeordnet, der vorzugsweise in der Lage ist, sich relativ zum Pferd zu bewegen. Somit wird auf besonders einfache Weise ein Verfahren mit einem besonders hohen Grad an Automation und ohne die Notwendigkeit, eine Negativform herzustellen, zur Verfügung gestellt, welches in der Lage ist, die Form eines Pferderückens digital darzustellen.

Die Form des Pferderückens oder aber die abgenommene Negativform wird in Daten überführt, die zur Steuerung einer materialabtragenden Vorrichtung dienen. Diese Vorrichtung ist vorzugsweise in der Lage, anhand der eingegebenen Daten zumindest die dem Pferd zugewandte Seite eines Sattelbaums vorzugsweise vollautomatisch aus einem Vollmaterialkörper herauszuarbeiten.

Der Fachmann versteht dabei, dass die Unterseite des Sattelbaums nicht eine exakte Negativform des Pferderückens darstellen muss; vielmehr kann es von Vorteil sein, weite Bereiche des von dem Sattelbaum abgedeckten Pferderückens, so beispielsweise die Wirbelsäule, freizustellen. Die auf den Pferderücken individuell angepasste Formgebung des Sattelbaums ist in weiten Bereichen abhängig vom Fachwissen und der Erfahrung des Fachmanns. Die Umsetzung einer derartig angepassten Formgebung kann beim erfindungsgemäßen Verfahren durch eine Veränderung der zuvor ermittelten Daten erzielt werden.

Die Vorrichtung zum Steuern der materialabtragenden Vorrichtung ist dabei in der Lage, die eingegebenen Daten in Steuerimpulse für die materialabtragende Vorrichtung umzusetzen. In einer bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung ist die Steuerungs – Vorrichtung ein Computer, wie er in dem Fachmann bekannter Weise beispielsweise zur Steuerung einer CNC – Fräse verwendet wird. In einer besonders bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung erfolgt die Steuerung der materialabtragenden Vorrichtung nach Eingabe der erforderlichen Daten vollautomatisch.

Dabei wird vorzugsweise der gesamte Sattelbaum sowohl mit seiner ausgeprägten Unterseite als auch mit seinem Aufbauten in seiner Gesamtheit und an einem Stück aus einem Vollmaterialkörper, beispielsweise einem Holzquader, herausgearbeitet. Der Fachmann versteht, dass vorzugsweise die Herausarbeitung der Unterseite des Sattelbaums mittels der materialabtragenden Vorrichtung erfolgt und dass auch die Herstellung eines Sattelbaums, dessen Oberseite zumindest teilweise aus getrennt erzeugten Aufsatzteilen besteht, vom Erfindungsgedanken umfasst ist.

Die materialabtragende Vorrichtung kann jede Vorrichtung sein, die zum Herausarbeiten eines komplex geformten Körpers aus einem Vollmaterialkörper dient. Diese Vorrichtung ist in einer bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung eine spanabhebende Vorrichtung. In einer besonders bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung ist die spanabhebende Vorrichtung eine Fräse, ganz besonders bevorzugt eine CNC- Fräse. Somit wird in ganz besonders bevorzugter Weise eine Vorrichtung verwendet, die mit bekannter und leicht verfügbarer Technik komplizierteste Formen vollautomatisch und nahezu unabhängig von der Härte des zu bearbeitenden Materials aus einem Vollmaterialkörper herausarbeiten kann.

In einer weiteren bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung ist die materialabtargende Vorrichtung eine Vorrichtung, die das Material mittels eines gebündelten Strahls elektromagnetischer Strahlung, vorzugsweise eines Lasers, abträgt. Hierdurch wird ein Verfahren zur Verfügung gestellt, welches besonders exakt auch komplexeste Körper aus einem Vollmaterial herausarbeiten kann und insbesondere Materialien bearbeiten kann, die durch herkömmliche Fräswerkzeuge nicht oder nur sehr schwer zu bearbeiten sind.

In einer weiteren bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung ist die materialabtragende Vorrichtung eine Vorrichtung, die das Material mittels eines gebündelten Flüssigkeitsstrahls, vorzugsweise Wasser, herausarbeitet. Hierdurch wird ein Verfahren zur Verfügung gestellt, welches das Herausarbeiten eines Sattelbaums ermöglicht, bei dem die abgetragenen Materialien in besonders einfacher Weise mit der abfließenden Flüssigkeit abgetragen werden können.

In einer bevorzugten Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens ist das Material des Vollmaterialkörpers Holz. Hierdurch wird in bevorzugter Weise ein natürliches Material verwendet, welches sich besonders für die Verwendung als Sattelbaum und zum Überziehen mit Leder eignet.

In einer weiteren bevorzugten Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird der Sattelbaum aus einem Kunststoff gefertigt. In einer besonders bevorzugten Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens ist dieser Kunststoff mit Glasfasern verstärkt. In einer überaus bevorzugten Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens ist die Verstärkung des Kunststoffs mit Glasfasern auf Teilbereiche des Vollmaterialkörpers beschränkt. Somit kann in besonders bevorzugter Weise ein Sattelbaum hergestellt werden, der in gezielten Bereichen eine gegenüber den übrigen Bereichen erhöhte Steifigkeit aufweist oder aufgrund seiner Verstärkung mit einer geringeren Materialmenge auskommt.

Die Erfindung wird im folgenden anhand von vier Figuren näher erläutert. Diese Figuren sind jedoch lediglich beispielhafte Darstellungen eines mit einem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellten Sattelbaums sowie einer dabei verwendeten Vorrichtung und schränken den allgemeinen Erfindungsgedanken in keiner Weise ein.

1 zeigt ein Messgerippe zum Abnehmen der Form des Pferderückens in einer Seiten- und einer Vorderansicht,

2 zeigt einen Sattelbaum in vier verschiedenen Ansichten.

3 zeigt einen Holzblock, aus dem Sattelbaum gefertigt wird.

4 zeigt einen Sattelbaum, der aus dem Block gemäß 3 gefertigt wurde.

In 1 wird ein Meßgerippe 7, bestehend aus einer Längsstrebe 8 und einer Vielzahl zueinander parallel angeordneter und senkrecht mit der Längsstrebe 8 verbundener Querstreben 9 in einer Seiten- und einer Vorderansicht gezeigt. Die Längsstrebe 8 folgt im Bereich der Sattelauflage der Form des Rückgrats des Pferdes. Die Querstreben 9 folgen dagegen der senkrechten Schulterblattlinie 12 und den Rippenwölbungen 13a, 13b des Pferdes.

In 2 wird ein Sattelbaum 1 in einer Seitenansicht, einer Draufsicht sowie einer Vorder- und Hinteransicht. Der Sattelbaum 1 ist an seiner Unterseite 10 derart an den jeweiligen Pferderücken angepasst, dass das Pferd sämtliche Bewegungen ungehindert ausführen kann und das Gewicht des Reiters optimal verteilt ist. Der Sattelbaum 1 wurde gesamt, sowohl mit der ausgeprägten Unterseite 10 als auch mit sämtlichen Aufbauten an einem Stück aus einem Vollmaterialkörper, beispielsweise einem Holzquader, herausgefräst. An der Unterseite 10 des Sattelbaums 1 ist die Form des Pferderückens herausgearbeitet. An den Seiten des Sattelbaums sind im wesentlichen spiegelsymmetrische Bars 2, 3 angeordnet, auf denen im vorderen Teil des Sattelbaums 1 die Fork 6, im hinteren Teil der Cantle 11 die Sitzposition durch Ausbildung einer Sitzschale 14 eines Reiters begrenzen. Im vorliegenden Fall ist der Sattelbaum 1 gesamt, sowohl die Bars 2, 3 als auch die Fork 6 und der Cantle 11 mittels der materialabtragenden Vorrichtung (nicht gezeigt) aus einem Holzquader herausgearbeitet worden.

In 3 ist ein Holzblock 15 in vier Ansichten dargestellt, aus dem der Sattelbaum 1 gemäß 4 gefertigt wird. Der Holzblock ist aus mehreren Holzplatten gefertigt. Die Holzplatten unterscheiden sich in ihrer Größe und/oder in der Art des Materials. Bei der Holzplatte 16' handelt es sich um eine homogene Holzplatte (Kiefer) und bei der Holzplatte 16'' um eine besonders belastbare Platte, die aus mehreren verleimten Schichten besteht. Die Platte 16'''' ist eine neunfach verleimte Sperrholzplatte und die Platte 16''''' eine einundzwanzigfach verleimte Birkeplatte. Der Fachmann erkennt, dass die Holzplatten 16' und 16''' nicht aus demselben Material bestehen müssen. Der Holzblock 15 ist ein Stück im Sinne der Erfindung. Die Größe der jeweiligen Holzplatte wird so gewählt, dass möglichst wenig Material bei dem anschließenden spanabhebenden Verfahren abgetragen werden muß. Die einzelnen Holzschichten sind untereinander verleimt. Das Material der jeweiligen Schicht ist auf die dort zu erwartenden Belastungen abgestimmt.

4 zeigt den Sattelbaum, der aus dem Holzblock gemäß 3 durch Fräsen gefertigt wurde. Der Sattelbaum besteht aus einem Stück; d.h. er ist einstückig und er wurde aus einem Stück nämlich dem Holzblock gemäß 3 gefertigt. Die einzelnen Schichten des Holzblockes gemäß 3 sind in dem Sattelbaum gemäß 4 wieder zu erkennen. Sollte sich der Rücken des Pferdes im Laufe der Zeit verändern, kann der Sattelbaum durch abfräsen angepasst werden. Sollte zusätzliches Material genötigt werden, wird dies an den bestehenden Sattelbaum angeklebt und dann sofern nötig spanabhebend bearbeitet.

1 Sattelbaum 2 Bar 3 Bar 4 Steuerungs – Vorrichtung 5 materialabtragende Vorrichtung 6 Fork 7 Messgerippe 8 Längsstrebe 9 Querstrebe 10 Unterseite des Sattelbaums 11 Cantle 12 Schulterblattlinie 13a,b Rippenwölbung des Pferdes 14 Sitzschale 15 Holzblock 16 Schichten des Holzblocks

Anspruch[de]
  1. Sattel mit einem aus Holz oder Holzverbundstoff bestehenden Sattelbaum (1 ), dadurch gekennzeichnet, dass der Sattelbaum (1) im wesentlichen einstückig aus einem Stück gefertigt ist.
  2. Sattel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Sattelbaum (1) aus verleimtem Schichtholz besteht.
  3. Sattel nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Sattelbaum (1) zumindest an der dem Pferd zugewandten Seite (10) individuell auf das jeweilige Pferd angepasst ist.
  4. Sattel nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Sattelbaum (1) wenigstens eine Lackschicht, vorzugsweise aus Bootslack, aufweist.
  5. Sattel nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Sattelbaum (1) zumindest in Teilbereichen eine Verstärkung mit Glasfasern und/oder Kunststofffolie besitzt.
  6. Verfahren zur Herstellung eines Sattelbaums (1) aus einem Vollmaterialkörper aufweisend die Schritte:

    – Aufnehmen der Form des Pferderückens,

    – Überführung der Form in Daten zur Prozesssteuerung,

    – Eingabe der Daten in eine Vorrichtung (4) zum Steuern einer materialabtragenden Vorrichtung (5),

    – Herausarbeiten zumindest der dem Pferd zugewandten Seite (10) des Sattelbaums (1) aus dem Vollmaterialkörper mittels der materialabtragenden Vorrichtung (5).
  7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Form des Pferderückens mittels einer formbaren Auflage aufgenommen wird.
  8. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Form des Pferderückens eingescannt wird.
  9. Verfahren nach einem der Ansprüche 6 – 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Form des Pferderückens mit einem auflegbaren Messgerippe (7) aufgenommen wird.
  10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass das Messgerippe (7) aus einer Längsstrebe (8) und einer Vielzahl paralleler und in gleichem Abstand an der Längsstrebe (8) angeordneter Querstreben (9) besteht.
  11. Verfahren nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Längsstrebe (8) ein vorzugsweise 500 – 700 mm langer Flachstahl ist und die vorzugsweise 10 – 15 vorzugsweise gleich langen und vorzugsweise 400 – 600 mm langen Querstreben (9) aus einem Rundstahl bestehen.
  12. Verfahren nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Querstreben (9) einen Durchmesser von 2 – 4 mm aufweisen.
  13. Verfahren nach einem der Ansprüche 10 – 12, dadurch gekennzeichnet, dass der Flachstahl Kantenlängen von 8 – 12 sowie 2 – 4 mm aufweist.
  14. Verfahren nach einem der Ansprüche 6 – 13, dadurch gekennzeichnet, dass die Überführung der Form des Pferderückens in Daten zur Prozesssteuerung mittels dafür geeigneter Software erfolgt.
  15. Verfahren nach einem der Ansprüche 6 – 14, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorrichtung (4) ein Steuerungs – Computer ist.
  16. Verfahren nach einem der Ansprüche 6 – 15, dadurch gekennzeichnet, dass die materialabtragende Vorrichtung (5) eine spanabhebende Vorrichtung, vorzugsweise eine Fräse, insbesondere eine CNC – Fräse ist.
  17. Verfahren nach einem Ansprüche 6 – 15, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorrichtung (5) das Material mittels Lasers abträgt.
  18. Verfahren nach einem der Ansprüche 6 – 15, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorrichtung (5) das Material mittels eines Flüssigkeitsstrahls abträgt.
  19. Verfahren nach einem der Ansprüche 6 – 18, dadurch gekennzeichnet, dass das Vollmaterial Holz ist.
  20. Verfahren nach einem der Ansprüche 6 – 18, dadurch gekennzeichnet, dass das Vollmaterial Kunststoff, vorzugsweise ein insbesondere in Teilbereichen mit Glasfaser verstärkter Kunststoff, ist.
Es folgen 4 Blatt Zeichnungen






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