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Dokumentenidentifikation DE102004034790A1 03.02.2005
Titel Blatt- oder bahnförmige dekorative Beschichtungsfolie sowie Verfahren zum Herstellen einer solchen
Anmelder KUNZ Holding GmbH & Co. KG, 72669 Unterensingen, DE
Erfinder Haller, Heinz, Dr., 73207 Plochingen, DE
Vertreter Hiebsch und Kollegen, 78224 Singen
DE-Anmeldedatum 19.07.2004
DE-Aktenzeichen 102004034790
Offenlegungstag 03.02.2005
Veröffentlichungstag im Patentblatt 03.02.2005
IPC-Hauptklasse B05D 3/06
IPC-Nebenklasse C09D 5/20   C08J 5/18   B32B 27/10   B32B 27/20   B32B 27/08   B32B 27/18   
Zusammenfassung Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen eines blatt- oder bahnförmigen dekorativen, kratz- und/oder abriebfesten Beschichtungsmaterials, insbesondere Beschichtungsfolie, mit den Schritten:
- Beschichten einer Trägerschicht (10) aus Papier und/oder Kunststoff mit einer flüssigen oder pastösen, von organischen Lösungsmitteln freien Basisschicht (12), die strahlenhärtende, jedoch keine thermisch härtenden Harze sowie einen abrasiven, bevorzugt anorganischen Füllstoff aufweist,
- Trocknen der mit der Basisschicht (12) beschichteten Trägerschicht (10), insbesondere unter Wärmezufuhr,
- Aufbringen einer ein strahlenhärtendes Harz und keine abrasiven Füllstoffe enthaltenden Deckschicht (14) auf die getrocknete, unvernetzte Basisschicht (12) und
- gemeinsames Aushärten und/oder Vernetzen der Deckschicht sowie der strahlenhärtenden Harze in der Basisschicht durch Bestrahlen der Deckschicht mit UV- und/oder Elektronenstrahlen.

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen eines blatt- oder bahnförmigen dekorativen Beschichtungsmaterials, insbesondere eine Beschichtungsfolie, eine derartige dekorative Beschichtungsfolie sowie eine Verwendung einer solchen.

Aus dem Stand der Technik sind dekorative Beschichtungsfolien, etwa in Form von sogenannten Finish-Folien, allgemein bekannt; sie werden da beispielsweise zum Herstellen von Möbeln verwendet und ausnahmsweise zur Herstellung von Laminatfußböden.

Insbesondere in diesem Einsatzgebiet bzw. für die Beschichtung von anderen, stark beanspruchten Flächen wie etwa im Küchen- oder industriellen Produktionsbereich kommt es besonders auf die Abriebfestigkeit einer mit einer Beschichtungsfolie erzeugten Beschichtung an. Aus dem Stand der Technik sind dabei Vorgehensweisen bekannt, bei welchen für Laminatfußböden korundhaltige, duroplastische Harze verwendet werden; der Korund ist entweder in einem (ansonsten füllstofffreien) Papierträger enthalten, der dann mit Melamin-Formaldehyd-Harz getränkt wird, oder geeignete Papiere werden mit korundhaltigen Harzen imprägniert (siehe hierzu etwa die DE 195 08 797 C1). Nach dem Aufpressen der Harzfilme mit einem darunter liegenden, ebenfalls mit Harz imprägnierten (und typischerweise bedruckten) Papier auf eine Trägerplatte erhält man einen dekorativen Werkstoff mit abriebfester, duroplastischer Beschichtung.

Eine alternative Vorgehensweise zum Herstellen von abriebfesten Beschichtungen ist in der DE 42 19 446 offenbart: In strahlenhärtende Bindemittel werden Füllstoffe (meist Korund) eingebracht, wobei die Bindemittel dann flüssig auf einen Träger aufgebracht werden. Nach einer Vernetzung durch Bestrahlung mittels UV- bzw. Elektronenstrahlen werden die Korundpartikel fest in das vernetzte Bindemittel eingebunden, so dass die gewünschte Beschichtung mit hoher Abriebfestigkeit entsteht.

Allerdings eignen sich die beiden vorbeschriebenen Vorgehensweisen aus dem Stand der Technik nur bedingt und unter bestimmten Voraussetzungen für die Herstellung von beliebig kaschierfähigen und ummantelungsfähigen (d.h. hoch flexiblen) folienartigen Beschichtungen. Beschichtungen mit duroplastischen und strahlenvernetzten Bindemitteln sind nämlich insbesondere bei größeren Schichtdicken und hoher Vernetzungsdichte sehr spröde. Zudem sind die auf die vorstehend beschriebene Weise hergestellten Beschichtungen, sofern sie in Folienform vorliegen, nicht plan, sondern neigen unerwünscht zu starkem Einrollen (Schüsseln), so dass eine spätere Weiterverarbeitung deutlich erschwert ist.

Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, ein dekoratives Beschichtungsmaterial, insbesondere in Form einer dekorativen Beschichtungsfolie, zu schaffen, welches gegenüber aus dem Stand der Technik bekannten Materialien deutlich flexibler ist und sich damit für das flächige Kaschieren und für Ummantelungsaufgaben eignet, und welches zudem in planer Form vorliegt bzw. nach Beendigung des Herstellungsprozesses sich nicht in unerwünschter Weise einrollt. Ferner ist ein Verfahren zum Herstellen eines derartigen Beschichtungsmaterials (Beschichtungsfolie) zu schaffen.

Die Aufgabe wird durch das Verfahren mit den Merkmalen des Hauptanspruchs, die Beschichtungsfolie mit den Merkmalen des unabhängigen Anspruchs 13 sowie die Verwendung nach dem Patentanspruch 17 gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen beschrieben.

In erfindungsgemäß vorteilhafter Weise wird Gebrauch gemacht von einer für die Basisschicht verwendeten Masse, welche Harze aufweist, die strahlenhärtend (strahlenhärtbar) sind (im Rahmen der vorliegenden Erfindung soll als „strahlenhärtend" solches Harz verstanden werden, welches mit Hilfe von Elektronenstrahlen vernetz- und härtbar ist – ESH – oder durch Bestrahlung mit UV-Licht, wobei hier ggf. Photoinitiatoren zuzugeben sind), jedoch nicht thermisch aushärten.

Ein derartiges Bindemittelsystem als Basisschicht im Rahmen der vorliegenden Erfindung sorgt vorteilhaft zum einen dafür, dass die die Abriebfestigkeit bewirkenden Füllstoffe (z.B. Korund) mit hoher Bindewirkung gehalten werden können, gleichzeitig eignet sich eine solche Beschichtung jedoch zusätzlich zum äußerst haftfähigen Auftragen der Deckschicht (Decklack), wobei erfindungsgemäß die sich durch zwei Schichten (Deckschicht und Basisschicht) erstreckende Strahlenvernetzung für die gute Haftung sorgt. Ferner ermöglicht der Decklack, dass die glatte Korundschicht vollständig abgedeckt ist. Entsprechend wirkt sich eine solche, erfindungsgemäß hergestellte Anordnung dann schonend auf eventuelle im Produktionsprozess nachgeschaltete Aggregate (etwa Präge- oder Bemusterungsplatten für die resultierende Oberfläche) aus, da schädliche Abrasionseffekte wirksam verhindert werden können.

Schließlich zeichnet sich das erfindungsgemäß eingesetzte Bindemittel durch hohe Transparenz aus, so dass ein weiterbildungsgemäß auf der unterliegenden Trägerschicht aus Papier oder Kunststoff gebildete Bemusterung (z.B. eine Aufdruck) in hoher Bildqualität nach Fertigstellung der Schichtanordnung sichtbar bleibt.

Durch die beschriebenen Maßnahmen wird dann erreicht, dass die so erzeugte Beschichtungsfolie überraschend starke Abriebfestigkeit zeigt; unter Anwendung der nach EN 13329 geregelten Kriterien zur Messung der Abriebfestigkeit werden Werte deutlich oberhalb 2.500 Umdrehungen erreicht, so dass auf die beschriebene Weise Beschichtungen der Abriebklasse AC3 hergestellt werden können, was deutlich oberhalb dem mit dem beschriebenen Stand der Technik bei vergleichbarer Schichtdicke Erreichbaren liegt.

Während es einerseits bevorzugt ist, die Deckschicht lösungsmittelfrei aufzutragen (so dass insoweit nach dem Aushärten bzw. Vernetzen die vorteilhaft im Bereich zwischen etwa 10 und 30 Mikrometern liegende Schichtdicke im feuchten Zustand unverändert bleibt), ist es alternativ möglich, dass strahlenhärtbare Harze für die Deckschicht auch in einer wässrigen Dispersion vorliegen.

Während erfindungsgemäß vorgesehen ist, die Deckschicht ohne abrasive Füllstoffe (Al2O3, SiO2 usw.) und weiterbildungsgemäß vorteilhaft ohne thermisch härtende Harze vorzusehen, ist es durch die vorliegende Erfindung jedoch nicht ausgeschlossen, dass der Deckschicht zu Zwecken der Einfärbung Pigmente (etwa TiO2) zugesetzt werden, oder aber das Harz der Deckschicht durch sogenannte Nanopartikel zur Verbesserung der Kratzfestigkeit modifiziert ist; zur ergänzenden Offenbarung wird auf die WO 00/22039 verwiesen, welche im Hinblick auf die Vorgehensweise bei der Modifikation durch Nanopartikel in die vorliegende Offenbarung einbezogen gelten soll.

Besonders bevorzugt ist es zudem, weiterbildungsgemäß die Deckschicht vor dem Vernetzen zu strukturieren. Gerade dann, wenn die unterliegende Trägerschicht eine Bedruckung oder dergleichen Bemusterung aufweist, bietet es sich an, zur Erzeugung von Holzfaser- oder Maserungseffekten eine dieser (Holz-)Bedruckung korrespondierende Strukturierung der Deckschicht vorzunehmen, indem die Strukturierungswerkzeuge entsprechend dem unterliegenden Muster ausgerichtet werden. Durch den erfindungsgemäß vorteilhaften Umstand der abrasiven füllmittelfreien Deckschicht lässt sich eine derartige Strukturierung verschleißarm und einfach vor dem erfindungsgemäßen Elektronenstrahl-Härten bzw. -Vernetzen (zusammen mit den entsprechend strahlenhärtbaren Komponenten der unterliegenden Basisschicht) erreichen.

Durch die vorliegende Erfindung wird in vorteilhafter Weise eine Beschichtungsfolie erreicht, welche sich günstig als Kaschierfolie eignet: Nicht nur weist diese (gerade gegenüber den aus dem Stand der Technik bekannten Produkten) deutlich erhöhte Flexibilitätseigenschaften auf (so dass auch problematische Kaschieraufgaben, wie etwa die Ummantelung von Profilleisten oder Möbelteilen, problemlos und ohne Brüche bzw. Risse realisiert werden können), auch ist das erfindungsgemäße Verfahrensprodukt außerordentlich plan und neigt nicht zum nachteiligen Ein- bzw. Aufrollen. Nicht zuletzt aus diesem Grunde bietet es sich weiterbildungsgemäß auch an, die erfindungsgemäße Beschichtungsfolie rückseitig mit einer geeigneten Siegel- bzw. Heißklebeschicht zu versehen, so dass diese dann, etwa durch Bügeln oder dergleichen, problemlos auf einem gewünschten Kaschierungsträger (z.B. einer zu beschichtenden Holzplatte) aufgebracht werden kann.

Es bleibt festzuhalten, dass, im Gegensatz zu einigen aus dem Stand der Technik bekannten Produkten, das erfindungsgemäße Verfahrensprodukt strukturell fertiggestellt ist, insbesondere also in einem nachfolgenden Beschichtungs- bzw. Kaschierprozess auf einem Kaschierträger keine weitere strukturelle bzw. chemische Modifikation der Beschichtung erfolgt. Eine Veränderung der Oberfläche hinsichtlich ihrer polymeren Eigenschaften geschieht also während der weiteren Verarbeitung nicht.

Weiter weiterbildungsgemäß im Rahmen der Erfindung kann durch Zugabe von Mattierungsmitteln der beabsichtigte Glanzgrad eingestellt werden; Glanzgrade zwischen fünf und achtzig (gemessen nach DIN 67530 bei 60°) sind realistisch erreichbar. Weiterhin oder alternativ kann durch die Zugabe von sogenannten Slipadditiven in die Beschichtungsmasse der Deckschicht die Kratzfestigkeit weiter erhöht werden.

Nicht zuletzt aufgrund ihrer überragenden Abriebfestigkeitswerte, deutlich oberhalb von 2.500 U (gemessen nach der Methode S42 gemäß Norm EN 13329) eignet sich das erfindungsgemäße Verfahrensprodukt bzw. die erfindungsgemäße dekorative Beschichtungsfolie für stark beanspruchte Beschichtungsflächen, etwa Fußbodenplatten oder Fußbodenpaneelen. Zusätzlich sind bevorzugte Anwendungsgebiete im Rahmen der vorliegenden Erfindung der industrielle Produktionsbereich bzw. Küchenoberflächen.

Da zudem, im Vergleich zu zum Stand der Technik bekannten abriebfesten Oberflächen, entweder die Abriebeigenschaften deutlich verbessert sind, oder aber Produkte mit vergleichbaren Abriebfestigkeiten eine deutlich größere Schichtdicke (mit den damit verbundenen Nachteilen der Sprödigkeit und fehlenden Eignung für Flexibilität erfordernde Beschichtungen) aufweisen würde, steht zu erwarten, dass durch die vorliegende Erfindung der kratzfesten Beschichtung völlig neue Einsatz- und Anwendungsgebiete erschlossen werden. In diesem Zusammenhang ist dann festzustellen, dass, nicht zuletzt aufgrund der durch die relativ dünnen Schichten realisierten Materialersparnisse, Kostenreduzierungen in den Herstellungskosten möglich sind, welche die Größenordnung von 20% erreichen.

Weitere Vorteile, Merkmale und Einzelheiten der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung bevorzugter Ausführungsbeispiele sowie anhand der einzigen Zeichnung; diese zeigt in

1 den schematischen Schichtaufbau der dekorativen Beschichtungsfolie gemäß einer ersten, bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung.

Der in der 1 gezeigte bahnförmige Träger weist eine typischerweise 35 bis 90 Mikrometer dicke Lage aus bedrucktem Papier als Trägerschicht 10 auf. Die Bedruckung erfolgt in Richtung auf eine zweilagige Beschichtung, nämlich eine unmittelbar auf der Papierschicht 10 aufgebrachte Basisschicht 12 sowie eine wiederum darauf aufgebrachte Deckschicht 14. Während die Basisschicht 12 zum Erreichen einer maximalen Abriebfestigkeit formuliert ist und abrasive, anorganische Füllstoffe (insbesondere Al2O3 sowie SiO2) aufweist, dient die Deckschicht unter anderem der Versiegelung der Basisschicht und bestimmt die weiteren Oberflächeneigenschaften, insbesondere Glanzgrad, Haptik und Oberflächenstruktur.

Die Basisschicht, mit ansonsten bekannten Beschichtungsaggregaten als Walzenauftrag, mittels Schlitzdüse oder Koma-Rakel mit einer typischen Schichtdicke zwischen etwa 10 und 100 Mikrometern aufgetragen, weist wässrige strahlenhärtende Harze zwischen 22% und 95% (im Beispiel: 40%) sowie anorganische Füllstoffe in Form der oben angegebenen abrasiven Stoffe sowie zusätzlich Farbpigmente (z.B. TiO2) im möglichen Bereich zwischen 10% und 70%, im Ausführungsbeispiel ca. 60%.

Eine typische Rezeptur zur Herstellung des Beschichtungsmaterials für die Basisschicht 12 könnte etwa wie folgt realisiert werden:

  • – 60 Teile wässriges strahlenhärtendes Harz (IRR 395, 40%ig)
  • – 40 Teile Füllstoff (Plakor 30).

Die Deckschicht besteht aus einem strahlenhärtenden Bindemittel, das entweder vollständig lösemittelfrei sein kann, oder aus einer strahlenhärtenden, wässrigen Dispersion besteht (max. ca. 50% bis 90% Wasser). Geeignete Harze für die Deckschicht sind Polyesteracrylate, Epoxyacrylate oder Urethanacrylate, wobei diese zur Verbesserung der Kratzfestigkeit in ihrer molekularen Struktur durch sogenannte Nanopartikel modifiziert sein können.

Weiterhin kann durch Zugabe von Mattierungsmitteln der Glanzgrad in der gewünschten Weise eingestellt werden (typische Glanzgrade zwischen 5 und 80, DIN 69530 bei 60°), auch können sogenannte Slipadditive zur weiteren Erhöhung der Kratzfestigkeit zugesetzt werden.

Ein typisches strahlenhärtbares Harzprodukt zur Realisierung der Deckschicht ist z.B. Ebecryl 1016. Der Auftrag erfolgt wiederum durch bekannte Beschichtungsmöglichkeiten, etwa Walzen-, Schlitzdüsen- oder Rakelauftrag, wobei das Auftragen sowohl inline (direkt nach einer Trocknung der Basisschicht), als auch in einem gesonderten Schritt, offline und in einer separaten Beschichtungsanlage erfolgt. Das darauffolgende Härten der Deckschicht durch Bestrahlung (UV- bzw. Elektronenstrahlen) bewirkt zusätzlich das Aushärten der strahlenhärtbaren Komponenten der Basisschicht, wobei im Fall der Härtung mit UV-Strahlung geeignete Photoinitiatoren den strahlenhärtbaren Komponenten zugesetzt sind.

Die so erzeugte Beschichtungsfolie zeichnet sich durch sehr hohe Abriebfestigkeit, jenseits von 1.500 Umdrehungen, üblicherweise jenseits von 2.500 U (Methode S42 entsprechend Norm EN 13329) aus.

Es handelt sich bei diesem Produkt um eine sogenannte Finish-Folie, da Bindemittel der Deckschicht und der Basisschicht vollständig ausgehärtet und vernetzt sind. Bei einer weiteren, nachfolgenden Verarbeitung, z.B. durch Aufkaschieren auf ein geeignetes Trägermaterial, erfolgen keine weiteren Änderungen der polymeren Eigenschaften. Insbesondere ist auch eine Verarbeitung unter hohem Druck und hoher Temperatur beim Auf kaschieren aus diesem Grunde nicht notwendig.

Das Folienprodukt zeichnet sich neben der beschriebenen hohen Abriebfestigkeit durch eine hohe Flexibilität und geringe Sprödigkeit aus, so dass es insbesondere in Kaschier- und Ummantelungsanlagen zur Veredelung verschiedenster Produkte, etwa Holzwerkstoffplatten, Leisten und mechanisch stark beanspruchter Möbelteile, eingesetzt werden kann. Die hohe Abriebfestigkeit macht es zu einer idealen Beschichtung für die Herstellung von Fußbodenplatten oder Fußbodenpanelen.


Anspruch[de]
  1. Verfahren zum Herstellen eines blatt- oder bahnförmigen dekorativen, kratz- und/oder abriebfesten Beschichtungsmaterials, insbesondere Beschichtungsfolie, mit den Schritten:

    – Beschichten einer Trägerschicht (10) aus Papier und/oder Kunststoff mit einer flüssigen oder pastösen, von organischen Lösungsmitteln freien Basisschicht (12), die strahlenhärtende, jedoch keine thermisch härtenden Harze sowie einen abrasiven, bevorzugt anorganischen Füllstoff aufweist,

    – Trocknen der mit der Basisschicht (12) beschichteten Trägerschicht (10), insbesondere unter Wärmezufuhr,

    – Aufbringen einer ein strahlenhärtendes Harz und keine abrasiven Füllstoffe enthaltenden Deckschicht (14) auf die getrocknete, unvernetzte Basisschicht (12) und

    – gemeinsames Aushärten und/oder Vernetzen der Deckschicht sowie der strahlenhärtenden Harze in der Basisschicht durch Bestrahlen der Deckschicht mit UV- und/oder Elektronenstrahlen.
  2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die flüssige oder pastöse Basisschicht (12) in einer Schichtdicke zwischen 10 und 100 Mikrometern aufgetragen wird und/oder in einer solchen Schichtdicke aufgetragen wird, dass die Basisschicht im getrockneten Zustand eine Dicke zwischen 20 und 70 Mikrometern aufweist, und/oder die Deckschicht (14) in einer Schichtstärke zwischen 10 und 30 Mikrometern aufgebracht wird.
  3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die strahlenhärtenden Harze der Basisschicht ein wässriges Gemisch aus großmolekularen und kleinmolekularen Präpolymeren sind, wobei bevorzugt die Partikelgröße der abrasiven Füllstoffe einer Schichtdicke der Basisschicht (12) angepasst ist.
  4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass als Deckschicht lösungsmittelfreie und/oder wasserfreie Harze oder Harze in einer strahlenhärtenden, wässrigen Dispersion eingesetzt werden, die einen Wassergehalt von maximal 70 % aufweist/en.
  5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Deckschicht vor dem Aushärten und/oder Vernetzen strukturiert wird und weiter bevorzugt die Strukturierung der Deckschicht bildlich synchron mit einem vor dem Beschichten auf der Trägerschicht (10) aufgedruckten Muster erfolgt.
  6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass das strahlenhärtende Harz der Deckschicht in seiner molekularen Struktur durch Nanopartikel modifiziert wird.
  7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Trägerschicht eine trockene Bahn ist, die aus der Gruppe bestehend aus vorimprägniertem Papier mit thermischem oder strahlenvernetzbarem Bindemittel, Kunststofffolie, Holzfurnier, Faserstoffbahn und/oder flexibles Paneelenstrubstrat, ausgewählt wird.
  8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass das Trocknen der Basisschicht so erfolgt, dass die mit der Trägerschicht beschichtete Basisschicht eine Restfeuchte unter 1 % aufweist und/oder die mit der Basisschicht beschichtete Trägerschicht klebfrei und wickelfähig vorliegt.
  9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, gekennzeichnet durch das Aufbringen eines thermisch reaktiven Klebers auf die der Basisschicht entgegengesetzten Seite der Trägerschicht, wobei der Kleber ein Auftragsgewicht im Bereich zwischen 2 und 20 gr./m2, bevorzugt 2 bis 10 gr./m2, weiter bevorzugt 2 bis 5 gr./m2, aufweist und/oder der Kleber eine Reaktionstemperatur < 160°C, bevorzugt < 100°C, aufweist.
  10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass der Kleber so ausgewählt und eingerichtet ist, dass der Schritt des gemeinsamen Aushärtens und/oder Vernetzens der Deckschicht und der Basisschicht keine Aktivierung des Klebers bewirkt.
  11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Schritte des Beschichtens der Trägerschicht, des Trocknens der beschichteten Trägerschicht, des Aufbringens der Deckschicht und des gemeinsamen Aushärtens und/oder Vernetzens in einem durchgehenden, kontinuierlichen Verfahrensablauf (inline) erfolgt.
  12. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 11, gekennzeichnet durch das Aufpressen des dekorativen, kratz- und/oder abriebfesten Beschichtungsmaterials auf einen Träger aus Papier, Kunststoff, Holz oder Holzwerkstoffe mittels einer statischen Presse oder mittels einer kontinuierlich arbeitenden Doppelbandpresse mit einem Druck im Bereich zwischen 1 und 80 bar sowie einer Temperatur im Bereich zwischen 100°C und 180°C.
  13. Blatt- oder bahnförmige dekorative Beschichtungsfolie mit

    – einer Trägerschicht (10) aus Papier und/oder Kunststoff,

    – einer auf der Trägerschicht gebildeten, ein strahlenhärtendes, jedoch kein thermisch härtendes Harz sowie einen abrasiven, bevorzugt anorganischen Füllstoff aufweisenden Basisschicht (12) und

    – einer auf der Basisschicht gebildeten Deckschicht (14), die ein strahlenhärtendes Harz und keine abrasiven Füllstoffe aufweist,

    – wobei die Beschichtungsfolie eine Abriebfestigkeit von mehr als 1.500 Umdrehungen, bevorzugt von mehr als 2.500 Umdrehungen, gemessen nach EN 13329 (Methode S42), aufweist.
  14. Beschichtungsfolie nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, dass die Basisschicht und die Deckschicht im ausgehärteten und/oder vernetzten Zustand eine gemeinsame Dicke von weniger als 50 Mikrometern aufweisen und transparent sind.
  15. Beschichtungsfolie nach Anspruch 13 oder 14, dadurch gekennzeichnet, dass die durch die Basisschicht sowie die Deckschicht sichtbare Trägerschicht aus Papier und/oder Kunststoff eine Bemusterung aufweist.
  16. Beschichtungsfolie nach einem der Ansprüche 13 bis 15, dadurch gekennzeichnet, dass die Deckschicht (14) eine Strukturierung aufweist, wobei die Strukturierung bildlich mit einer auf der Trägerschicht vorgesehenen Bemusterung oder Bedruckung synchronisiert ist.
  17. Verwendung der Beschichtungsfolie nach einem der Ansprüche 1 bis 16 zum Herstellen von Fußböden, insbesondere flexiblen Fußbodenelementen, Arbeitsplatten, Türen, Fensterbänken, Möbeln, Oberflächen von Küchen oder von industriellen oder Labor-Umgebungen.
Es folgt ein Blatt Zeichnungen






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