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Dokumentenidentifikation DE10339191A1 17.03.2005
Titel Coilbox zwischen Vorstraße und Fertigstraße im Warmwalzwerk
Anmelder SMS Demag AG, 40237 Düsseldorf, DE
Erfinder Bäumer, Klaus, 57223 Kreuztal, DE;
Ehls, Bernhard, 57271 Hilchenbach, DE;
Beuter, Matthias, 57319 Bad Berleburg, DE;
Runkel, Thomas, 57074 Siegen, DE;
Krüger, Matthias, Dr., 57271 Hilchenbach, DE;
Schmitz, Peter, 40883 Ratingen, DE
Vertreter Hemmerich und Kollegen, 57072 Siegen
DE-Anmeldedatum 22.08.2003
DE-Aktenzeichen 10339191
Offenlegungstag 17.03.2005
Veröffentlichungstag im Patentblatt 17.03.2005
IPC-Hauptklasse B21B 41/00
Zusammenfassung Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Erweiterung des Einsatzes einer Aufwickel- und Abwickelstation (Coilbox) zwischen Vorstraße und Fertigstraße für gewalztes Bandmaterial in Warmwalzwerken. Die Erweiterung des Einsatzes der Coilbox wird dadurch erreicht, daß zur Behandlung kleinerer Bundgewichte in einer dornlosen Coilbox dem abzuwickelnden Coil eine zum Rollengang (4) gerichtete Andruckkraft (F) aufgezwungen wird und/oder das Coil in eine Rollgangssenke gelegt wird, und/oder daß zur Erhöhung des Materialdurchsatzes insbesondere mit mittleren Bundgewichten bei einer dornlosen Coilbox der Aktivtransfer und der Passivtransfer eines Coils von einer ersten Wickelstation zu einer zweiten Wickelstation zeitlich und gewichtsmäßig miteinander kombiniert werden, und/oder daß zur variablen Erhöhung und Vergleichsmäßigung der Bandtemperatur vor oder hinter der dornlosen Coilbox dem Band Wärme zugeführt wird und/oder Band bzw. Coilbox wärmeisoliert werden. Die Erfindung betrifft auch eine entsprechende ausgestaltete Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Anlage zur Erweiterung des Einsatzes einer Aufwickel- und Abwickelstation (Coilbox) zwischen Vorstraße und Fertigstraße für gewalztes Material in Warmwalzwerken.

Der Einsatz einer Coilbox in Warmwalzwerken ist bekannt. Die Technologie der Coilbox erfordert für die Verarbeitung ein bestimmtes Mindestgewicht des Bandes. Das Mindestgewicht hängt im wesentlichen von der Materialfestigkeit, der Banddicke und der Ausführung der Coilbox ab. Wird das Mindestgewicht unterschritten, kann aufgrund zu geringer Reibkräfte zwischen Abwickelrollen und Bandmaterial das zu einem Coil aufgewickelte Band nicht mehr abgewickelt werden. Damit kann die Coilbox für Bänder unterhalb des Mindestgewichtes nicht genutzt werden.

Bei einer Coilbox wird die erste Station zum Aufwickeln des Coils genutzt. Das nachfolgende Abwickeln des Coils erfolgt zu Beginn ebenfalls auf der ersten Station. Gleichzeitig mit dem Abwickeln wird das Coil von der ersten zur zweiten Station übergeben. Solange das Coil noch auf der ersten Station abgewickelt wird, kann kein weiteres Band in der Coilbox aufgenommen werden; es muß eine Mindestpause zwischen zwei Bändern eingehalten werden. Die Mindestpause hängt wesentlich von der Bauausführung und der Steuerung der Coilbox ab.

Die Belegungszeit der ersten Station hängt auch von den Geschwindigkeiten des Materialeinlaufes und des Materialauslaufes ab. Die maximalen Geschwindigkeiten werden von den Möglichkeiten der Ausrüstung vor und hinter Coilbox und vom Produktionsprogramm bestimmt und können nur in Grenzen verändert werden. Durch die Mindestpause und die maximalen Geschwindigkeiten wird der Materialdurchsatz in einer Warmbandstraße begrenzt und eine Coilbox kann in Warmwalzstraßen mit hohem Materialdurchsatz nur eingeschränkt eingesetzt werden.

In den bekannten Coilboxen wird eine Übergabe von der ersten zur zweiten Station mit unterstützenden Mechanismen durchgeführt. Dies kann ein zentrisch in das Coil eingreifender Dorn oder gemäß dem Dokument US 5,987,955 B ein Verfahren mit einer Wiegebewegung sein. Auch andere Mechanismen sind bekannt, wie z.B. über Hebel schwenkbare Rollen, die sich an dem Außenumfang des Coils anlegen. Diese Art der Übergabe wird im weiteren als sogenannte aktive Übergabe bezeichnet, die bei Bändern mit hohen Bundgewichten das Verfahren mit der kürzesten Zeitdauer für die Übergabe darstellt.

Bei einer dornlosen Übergabe existiert ein weiteres Verfahren der Übergabe des Coils von der ersten zur zweiten Wickelstation durch einen auslaufseitig wirkenden Bandzug auf das abzuwickelnde Coil. Dieser Bandzug wird typischer Weise vom ersten Gerüst aufgebaut, kann aber auch durch andere Einrichtungen ganz oder teilweise aufgebaut werden. Das Dokument DE 1 038 857 A1 beschreibt notwendige Vorkehrungen, die verhindern, daß das Coil dabei gegen feste Anschläge fährt und beschädigt wird. Diese Art der Übergabe wird im weiteren als sogenannte passive Übergabe bezeichnet. Für Coils unterhalb einer definierten Gewichtsgrenze erfolgt immer eine passive Übergabe, sofern diese nicht durch Rückhaltemechanismen verhindert wird. Die Belegungszeit der ersten Wickelstation ist vom Bundgewicht abhängig und kann kürzer oder länger als bei der aktiven Übergabe sein.

Bei den bekannten Verfahren mit aktiver Übergabe ist es nicht möglich, während einer aktiven Übergabe eine passive Übergabe zuzulassen oder zu erzwingen. Bei dem in dem Dokument EP 0 933 147 A1 beschriebenen Wiegeverfahren entstehen aufgrund der Verschiebung der Abwickelstation gegen Bandlaufrichtung Lücken im Rollgang, in die während einer aktiven Übergabe ein passiv übergebendes Coil einsinken würde und dadurch Beschädigungen am Coil und der Coilbox erfolgen würden. Werden Lücken mit einschwenkbaren Rollen geschlossen, müssen diese Rollen vor Verschieben der Rollen ausgeschwenkt werden; dann jedoch entsteht wieder eine Rollgangslücke.

In den meistens Anwendungsfällen wird mit Einsatz einer Coilbox ein deutlich höheres und gleichmäßigeres Temperaturniveau über die Bandlänge erzielt. Trotzdem wird auch bei Einsatz einer Coilbox noch kein idealer Temperaturverlauf in einem Band erreicht werden. Auch wird dem Band innerhalb der Coilbox durch Abstrahlung und Rollenkontakte Wärme entzogen, besonders an den äußeren Windungen.

Unterschiedliche Temperaturen und ein zusätzlicher unstetiger Temperaturverlauf über die Bandlänge sind nachteilig. Insbesondere bei fehlender oder unzulänglicher Banddickenregelung führen die Temperaturunterschiede zu unterschiedlichen Walzkräften in der Fertigstraße und damit zu unterschiedlichen Banddicken über die Bandlänge. Die Gleichmäßigkeit der Banddicke über die Bandlänge ist jedoch ein wichtiges Qualitätsmerkmal.

Auf dem Hintergrund des oben geschilderten Standes der Technik besteht die Aufgabe der Erfindung darin, technische Maßnahmen bereit zu stellen, mit denen in einer Coilbox deutlich kleinere Bundgewichte behandelt werden können.

Auch sollen mit der Erfindung Maßnahmen bereit gestellt werden, mit denen der Materialdurchsatz in einer Coilbox deutlich erhöht werden kann. Dies gilt auch und besonders für Kontistraßen mit geringer Geschwindigkeit der Walzgerüste vor und hinter der Coilbox und möglicherweise kurzen Abständen zwischen dem letzten Walzgerüst vor der Coilbox und dem Einlauf der Coilbox. Maßnahmen zur Erhöhung des Materialdurchsatzes sind insbesondere bei kleinen Bundgewichten für den Einsatz einer Coilbox wichtig.

Ferner besteht die Aufgabe der Erfindung darin, Maßnahmen zu schaffen, mit denen im Zusammenhang mit einer Coilbox ein höheres und gleichmäßigeres Temperaturniveau des Bandes erreicht werden kann.

Die zuvor genannte Aufgabe wird mit folgenden Maßnahmen gelöst:

  • 1. Zur Verringerung des Mindestgewichtes des Bandes wird der Einsatz einer Andrückvorrichtung in einer dornlosen Coilbox vorgeschlagen, die zum einen mit der von oben auf das Coil wirkenden Kraft die Reibkräfte zwischen Coil und Abwickelrollen erhöht und zum anderen mit einer speziellen geometrischen Anordnung einen ungewollten Transfer des Coils verhindert.

    Beim Abwickeln des Coils gemäß Skizze A1 wird bis unmittelbar vor und zu Beginn einer Übergabe des Coils von der ersten Wickelstation 2a und 2b zur zweiten Wickelstation 4 eine in der Höhe verstellbare Andrückvorrichtung 1 mit einer Andrückkraft F eingesetzt.

    Mit Rollen der Andrückvorrichtung 1a und 1b, oder mit den Bodenrollen der Wickelstation 2a und 2b oder auch in Kombination kann eine Tasche gebildet werden, in der das Coil C, oder C' auch bei Zug durch den auslaufseitigen Treiber T gehalten wird. Dadurch ist es ausgeschlossen, daß ein Coil, selbst bei sehr geringem Gewicht, gegen den Bundöffner 3 gezogen werden kann. Nach Heben des Bundöffners 3 wird die Tasche durch Heben und Absenken der entsprechenden Rollen wieder geöffnet.

    Weiterhin kann die Andrückvorrichtung mit einer oder mehreren Rollen 1a und 1b ausgeführt werden. Die Rollen 1a und 2b können wahlweise quer zur Materiallaufrichtung auch mit je zwei Rollen und einer mittleren Lagerung ausgeführt werden. Die Rollenkanten sind zur Vermeidung von Einwalzungen verrundet.

    Gemäß Skizze A2 kann durch Absenken der Rolle 2a und Anheben der Rolle 2b eine frühest mögliche Passivübergabe des Coils C, oder C' in Richtung der Treibrollen T eingeleitet werden.

    Das Verfahren zum dynamischen Heben und Senken der Andrückvorrichtung entsprechend der Unrundheit des Coils wird folgendermaßen beschrieben: Die Massenträgheit der Andrückvorrichtung wird durch eine entsprechende Regelung der Andrückkraft kompensiert mit der Folge, daß die auf das Coil wirkende Andrückkraft F unabhängig von einer Unrundheit des Coils weitgehend konstant bleibt. Die Kompensation der Andrückkraft erfolgt unter Berücksichtigung der vertikalen Geschwindigkeiten der Andrückvorrichtung aufgrund der Coilunrundheit. Die Andrückkraft wird um den Betrag der daraus resultierenden Beschleunigungskräfte erhöht oder verringert.

    Die Höhe der maximalen Andrückkraft für unterschiedliche Materialeigenschaft und Betriebsweisen wird durch Versuche ermittelt, in einer Steuerung gespeichert und für den weiteren Einsatz wieder abgerufen.

    Mit diesen Maßnahme der Erfindung können gegenüber der bisherigen Lösungen in einer Coilbox Bänder mit deutlich geringeren Gewichten verarbeitet werden. Der Einsatzbereich der Coilbox wird für ein geringstnotwendiges spezifisches Bundgewicht (Coilgewicht zu Coilbreite) ab 2 kg/mm erweitert.
  • 2. Zur Erhöhung des Materialdurchsatzes in einer Coilbox wird erfindungsgemäß die Kombination von Aktiv- und Passivtransfer bei einer dornlosen Coilbox vorgeschlagen. Damit kann zu jedem Zeitpunkt eines Aktivtransfers ein Passivtransfer erfolgen. Dadurch kann die Belegungszeit der ersten Station und die notwendige Mindestpause zwischen zwei Bändern reduziert werden und der Materialdurchsatz in einer Coilbox erhöht werden.

    Für die Belegungszeit der ersten Station gelten nach Diagramm B1

    – für die aktive Übergabe eine feste Zeitdauer im Diagrammbereich A. Dieser Bereich gilt für größere Bundgewichte.

    – für die passive Übergabe eine variable Zeitdauer in Abhängigkeit vom Bundgewicht. Die Zeitdauer steigt von einem Minimalwert im Diagrammbereich P (kleinere Bundgewichte) bis zu dem Wert der oberen Linie im Diagrammbereich AP (mittlere Bundgewichte). In dem Bereich AP kann bisher eine aktive Übergabe nicht angewendet werden, da bedingt durch Gewichtsverringerung beim Abwickeln und wegen Materialtoleranzen eine ungewollte passive Übergabe erfolgen kann.

    Die Anordnung und Bewegung der horizontal in Bandlaufrichtung hintereinander liegenden Rollen entspricht Skizze B2. Das Coil C, oder C' liegt auf den schwenkbaren Rollen 2 auf und wird in Richtung der Treiberrollen T abgewickelt. Es erfolgt eine Übergabe des Coils auf die schwenkbaren und verschiebbaren Rollen 3 bis zu einer oder mehreren Rollen G. Nach Einführen des Haltedorns D wird das Coil vollständig abgewickelt.

    Der Vorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens besteht darin, eine aktive und passive Übergabe zu kombinieren und damit auch während einer aktiven, dornlosen Übergabe eine passive zuzulassen oder zu erzwingen. Damit verringert sich die Zeitdauer der Übergabe im Diagrammbereich AP für mittlere Bandgewichte auf die untere Linie. Die jetzt mögliche Kombination der beiden Verfahren verkürzt bei Bändern mit mittleren Bundgewichten die Belegungszeit der ersten Station.

    Auch können die Rollenabstände der Rollen 3, 4 und 5 (sowie fallweise weiterer Rollen) verringert werden, so daß das Coil zu jedem Zeitpunkt einer Übergabe sich bis zu den Rollen G bewegen kann, ohne in eine Rollgangslücke zu fallen.

    Weiterhin können ein oder mehrere Rollen 4 horizontal in Bandlaufrichtung verschiebbar angeordnet werden, um eine entstehende Rollgangslücke zu schließen. Bei verschiebbaren Rollen 4 entstehen im Gegensatz zu einschwenkbaren Rollen keine Rollgangslücken.

    Das Verfahren des Aktivtransfers kann in der Form weiter entwickelt werden, daß sich die Rollen 2, 3, 4 und 5 immer auf annähernd gleicher Höhe befinden. Damit kann zu jedem Zeitpunkt des Aktivtransfers das Coil ohne größere Höhenbewegung passiv transferiert werden.

    Zum Abbremsen des Coils wird eine oder mehrere Rollen G eingesetzt. Die Rollen G können in der Höhe verstellbar sein und sich damit im technisch notwendigen Bereich auf die Höhe des Coilmittelpunktes einstellen.

    Mit mindestens einer der Rollen G wird das abzuwickelnde Restcoil gehalten und mit dem in die Zentralachse des Coils eingeführten Dornes D werden die letzten Windungen des Coils geöffnet.

    Unter Nutzung der Andrückvorrichtung 1 wird bei bestimmten, leichteren Bundgewichten erst die Nutzung des Diagrammbereichs P und untere Linie von AP (Diagramm D1) ermöglicht. Diese Coils würden aufgrund ihres Bundgewichtes ohne Andrückvorrichtung gar nicht verarbeitet werden können.

    Auch wird ein Verfahren zur Vorausberechnung des Übergabeverfahrens und der Mindestpause eingesetzt. In dieses Verfahren fließen die praktischen Ergebnisse aus bereits verarbeitetem Bandmaterial ein und dienen zur gesicherten Vorhersage der Mindestspause.

    Schließlich wird über die Vorausberechnung der Mindestpause der Zeitpunkt des Einlaufs des Vormaterials in die Walzgerüste vor der Coilbox gesteuert. Dies ist besonders für Kontistraßen entscheidend für die Ausnutzung der Mindestpause und zur Erreichung eines erhöhten Materialdurchsatzes, da schon vor Verarbeitung des aktuellen Bandes in der Coilbox das nachfolgende Band mit einer vorherbestimmten Mindestpause in die Kontistraße einlaufen soll.

    Ein modifizierte Ansteuerung des auslaufseitigen Treibers erlaubt einen frühzeitigen Start des Übergabevorganges. Sobald das abzuwickelnde Band den Treiber erreicht hat und die Treibrollen reibschlüssig geschlossen sind, wird die Übergabe von der ersten zur zweiten Station eingeleitet.

    Letztendlich kann eine dritte Wickelstation eingesetzt werden und damit eine weitere Verkürzung der Belegungszeiten der ersten Station erreicht werden. Das Band wird auf der ersten Station aufgewickelt. Nachdem das Band aufgewickelt ist, wird das Coil auf die zweite Station übergeben. Dort beginnt der Abwickelvorgang. Während des Abwickelns wird das Coil auf dritte Station übergeben. Da auf der ersten Station keine Zeit für das Abwickeln mehr benötigt wird, ist die erste Station schneller wieder frei für das nachfolgende Band.

    Die Kombination von drei Wickelstationen mit einer Übergabe ohne Dorn von der ersten zur zweiten und von der zweiten zur dritten Station ist besonders vorteilhaft. Die Übergabe kann durch Wiegeverfahren oder mit einer ungefähr in Höhe der Zentralachse angreifenden Schieberolle oder einer Kombination dieser Verfahren erfolgen.

    Die aus dem Stand der Technik bekannten Nachteile eines sich auf dem Dorn drehenden Coils und des Verlustes der Position des Bandkopfes bei einer dornlosen Übergabe von der ersten zur zweiten Station werden vermieden.

    Durch die Maßnahmen gemäß der Erfindung kann gegenüber bisherigen Lösungen in einer Coilbox ein deutlich höherer Materialdurchsatz erreicht werden. Die Erfindung ermöglicht in Abhängigkeit vom Produktionsprogramm auch bei kleinen Bundgewichten eine jährliche Produktionsleistung der Coilbox von ca. 3 Millionen Jahrestonnen und höher.
  • 3. Erfindungsgemäß weist die Coilbox Einrichtungen zur passiven und aktiven, variablen Erhöhung und Vergleichmäßigung der Bandtemperatur, insbesondere durch eine Bandheizung (z.B. eine Induktionsheizung oder ein Durchlauf-Gasofen) auf. Auch kann die Temperatur kälterer Bandbereiche (wie Bandkopf, Bandfuß und Bandaußenseiten) gezielt gegenüber anderen Bereichen erhöht werden. Damit wird die vorhandene Temperaturdifferenz verringert und gleichzeitig die Durchschnittstemperatur erhöht.

    Bei Kombination einer Coilbox mit einer Erwärmungsanlage kann die Geschwindigkeit des durchlaufenden Bandes in der Erwärmungsanlage verringert und damit für die kälteren Bandbereiche die Heizwirkung erhöht werden. Die Bandgeschwindigkeit kann unabhängig von der Geschwindigkeit der vor und hinter der Coilbox liegenden Walzgerüste gewählt werden und zwar für den Bandfuß mit einer hinter und für den Bandkopf mit einer vor der Coilbox angeordneten Erwärmungsanlage. Die Heizleistung kann längs oder auch quer zur Bandlaufrichtung für kältere Bandbereiche verstärkt und für wärmere Bandbereiche reduziert werden. Zwischen Erwärmungseinrichtung und Coilbox können Einrichtungen zur seitlichen Führung und zum Unterteilen des Bandmaterials angeordnet sein.

    Weiterhin kann die Betriebssicherheit der Erwärmungsanlage durch einen Richttreiber an der Auslaufseite der Coilbox oder durch einen eigenständigen Richttreiber vor der Erwärmungsanlage erhöht werden. Mit dem Richttreiber werden in der Coilbox oder anderen Einrichtungen entstandener Bandschief- und Bandwelligkeiten reduziert und Banddoppelungen erkannt.

    Zur Vermeidung von Zundereinwalzungen und damit zur Erhöhung der Bandqualität werden vor oder innerhalb des Richttreibers Entzunderungsvorrichtungen, wie beispielsweise Spritzbalken eingesetzt. An den Richtrollen des Richttreibers können Reinigungsvorrichtungen angebracht werden zur Vermeidung und Entfernung von Aufwalzungen von Fremdmaterial, beispielsweise Zunder.

    Weiterhin kann die Wärmeabstrahlung innerhalb der Coilbox durch den Einsatz breitenverstellbarer Wärmedämmhauben verringert werden. Mit Verkürzung der Coilbox durch kürzere Transportzeiten und damit der kürzeren Zeit für die Wärmeabstrahlung wird dem Material weniger Wärme entzogen. Auch können auf dem Rollgang vor oder hinter, oder vor und hinter einer Coilbox Wärmedemmhauben eingesetzt werden.

    Weiterhin kann mit gegenüber den Walzgeschwindigkeiten der Walzgerüste vor und hinter der Coilbox erhöhten Aufwickel- und Abwickelgeschwindigkeiten die Transportzeit auf dem Rollgang verringert und damit die Wärmeabstrahlung reduziert werden.

    Infolge der erfindungsgemäßen Maßnahmen wird eine deutlich höhere und über die Bandlänge gleichmäßigere Materialtemperatur erreicht. Damit wird eine wichtige Voraussetzung für das Walzen mit einer Endbanddicke zwischen 0,5 und 2,0 mm geschaffen.
  • 4. Die erfindungsgemäßen, unter obigen Ziffern 1 bis 3 beschriebenen Einzelmaßnahmen können auch mit einander kombiniert werden.

    Der bisherige Betriebsbereich einer Coilbox (siehe Diagramm C1) liegt innerhalb der Diagrammfläche O. Dieser Bereich wird auch nach der Einführung der Maßnahmen der Erfindung weiterhin abgedeckt. Durch sinnvolle Kombination der unter obigen Ziffern 1 bis 3 beschriebenen Maßnahmen kann zusätzlich eine deutlich größere Erweiterung des Einsatzgebietes einer Coilbox erreicht werden als mit den Einzelmaßnahmen.

    Werden nur die Maßnahmen zur Verringerung des Mindestgewichts des Bandes gemäß Ziffer 1 angewendet, erhöht sich das zu verarbeitende Produktionsspektrum um Bänder mit geringeren Bundgewichten (Diagramm C1, Diagrammfläche A). Da aber mit geringeren Bundgewichten der erreichbare Materialdurchsatz in einer Coilbox sinkt, ergibt sich hierdurch als unvermeidbarer Nachteil ein geringerer Materialdurchsatz.

    Werden nur die Maßnahmen zur Erhöhung des Materialdurchsatzes gemäß obiger Ziffer 2 angewendet, kann der Nutzen der Erfindung nur im Bereich mittlerer Mindestbundgewichte erzielt werden (Diagramm C1, Diagrammfläche B).

    Durch Kombination der erfindungsgemäßen Maßnahme zur Verringerung des Mindestgewichtes des Bundes mit den Maßnahmen zur Erhöhung des Materialdurchsatzes können Bänder mit geringerem Bundgewicht mit hohem Materialdurchsatz in einer Coilbox verarbeitet werden (Diagramm C1, Diagrammflächen A, B und zusätzlich AB).

    Hierbei ist festzustellen, daß auch nur ein Teil der erfindungsgemäßen Maßnahmen unter Ziffer 1 bis 3 in ihrer teilweisen Kombination eine sinnvolle Erweiterung des Einsatzgebietes der Coilbox je nach konkreter technischer Anforderung bieten.
  • 5. Zusammenfassend lassen sich mit den erfindungsgemäßen Maßnahmen folgende Vorteile erzielen:

    Das Mindestgewicht der zu verarbeitenden Bänder wird deutlich herabgesetzt. Damit kann eine Coilbox nunmehr auch bei geringen Bundgewichten eingesetzt werden.

    Der erreichbare Durchsatz einer Coilbox wird deutlich erhöht. Damit kann eine Coilbox nunmehr in Walzstraßen mit hohem Materialdurchsatz eingesetzt werden.

    Temperaturdifferenzen und unstetige Temperaturverläufe im Band werden weiter verringert. Die Wärmeverluste durch Abstrahlung werden reduziert und gegebenenfalls kompensiert. Damit sind Voraussetzungen geschaffen für das Warmwalzen mit Endbanddicke zwischen 0,5 und 2,0 mm.

    Durch Kombination einzelner erfindungsgemäßer Maßnahmen zur Verringerung des Mindestgewichtes oder zur Erhöhung des Materialdurchsatzes ergeben sich nochmals Erweiterungen des Einsatzgebietes der Coilbox besonders für Produktionsprogramme mit kleinen Bundgewichten und hohem Materialdurchsatz.

Anspruch[de]
  1. Verfahren zur Erweiterung des Einsatzes einer Aufwickel- und Abwickelstation (Coilbox) zwischen Vorstraße und Fertigstraße für gewalztes Bandmaterial in Warmwalzwerken,

    dadurch gekennzeichnet,

    daß zur Behandlung kleinerer Bundgewichte in einer dornlosen Coilbox dem abzuwickelnden Coil eine zum Rollengang (4) gerichtete Andrückkraft (F) aufgezwungen wird und/oder das Coil in eine Rollgangssenke gelegt wird, und/oder

    daß zur Erhöhung des Materialdurchsatzes bei einer dornlosen Coilbox der Aktivtransfer und der Passivtransfer eines Coils von einer ersten Wickelstation zu einer zweiten Wickelstation zeitlich und gewichtsmäßig miteinander kombiniert werden, und/oder

    daß zur variablen Erhöhung und Vergleichsmäßigung der Bandtemperatur vor oder hinter der dornlosen Coilbox dem Band Wärme zugeführt wird und/oder Band bzw. Coilbox wärmeisoliert werden.
  2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, mittels der Andrückkraft die Reibkräfte zwischen Coil und Abwickelrollen erhöht wird und/oder mit einer vorgegebenen geometrischen Gestaltung der Rollgangssenke ein ungewollter Transfer des Coils verhindert wird.
  3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Größe der Andrückkraft (F) die Coilunrundheit, die Materialeigenschaften, Betriebsweisen und weitere Betriebsparameter berücksichtigt.
  4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Anordnung und Bewegung der in Bandrichtung hintereinander liegenden Rollen (2, 3, 4, 5) so gewählt wird, daß zunächst ein Passivtransfer des Coils (C, C') erfolgt, gefolgt von einem Abbremsen des Coils mittels mindestens einer Rolle (G) und Halten des Coils nach Einführen eines Haltedorns (D) in das Coil (C'').
  5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß durch Absenken der Rolle (2a) und Anheben der Rolle (2b) eine frühest mögliche Passivübergabe des Coils (C, oder C') in Richtung der Treibrollen (T) eingeleitet wird.
  6. Verfahren nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß zur Verausberechnung des Übergabeverfahrens und der Mindestpause der Coilbehandlung die praktischen Ergebnisse aus bereits verarbeitetem Bandmaterial einfließen.
  7. Verfahren nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß vor Start des Übergabevorganges von der ersten zur zweiten Wickelstation ein auslaufseitiger Treiber (T) angesteuert wird, um einen bestimmten Bandzug aufzubringen.
  8. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Wärmezufuhr längs oder quer zur Bandlaufrichtung geregelt erhöht oder reduziert wird.
  9. Vorrichtung zur Erweiterung des Einsatzes einer Aufwickel- und Abwickelstation (Coilbox) zwischen Vorstraße und Fertigstraße für gewalztes Bandmaterial in Warmwalzwerken, dadurch gekennzeichnet,

    daß zur Behandlung kleinerer Bundgewichte in einer dornlosen Coilbox dem abzuwickelnden Coil eine Andrückvorrichtung zugeordnet ist und/oder das Coil in einer Rollgangssenke liegt, und/oder

    daß zur Erhöhung des Materialdurchsatzes bzw. zur Verringerung der Belegungszeit bei einer dornlosen Coilbox, die Tragrollen für das Coil schwenkbar (2, 3), horizontal in Längsrichtung bewegbar (3, 4) oder im Abstand verschiebbar (4) angeordnet sind, und/oder

    daß zur Erhöhung und Vergleichsmäßigung der Bandtemperatur vor oder hinter der Coilbox, ggf. regelbare, Bandheizeinrichtungen und/oder Rollgangs-Wärmedämmhauben angeordnet sind und/oder innerhalb der Coilbox vorzugsweise breitenverstellbare Wärmedämmhauben vorgesehen sind.
  10. Vorrichtung nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß die Andruckvorrichtung mit Andrückrollen (1a, 1b) versehen ist, und/oder die Rollgangssenke durch verstellbare Bodenrollen (2a, 2b) ausgebildet ist.
  11. Vorrichtung nach Anspruch 9 oder 10, dadurch gekennzeichnet, daß Mittel zum Schwenken der Rollen (2a, 2b) und Mittel zum Einstellen der Abstände bzw. der Höhe der Rollen (3, 4, 5) vorgesehen sind.
  12. Vorrichtung nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß dem Restcoil (C'') ein Haltedorn (D) zum Öffnen und Abwickeln der letzten Coilwindungen zugeordnet ist.
  13. Vorrichtung nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche 9 bis 12, dadurch gekennzeichnet, daß der Coilbox auslaufseitig ein ansteuerbarer Treiber (T) nachgeordnet ist.
  14. Vorrichtung nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche 9 bis 13, dadurch gekennzeichnet, daß an der Auslaufseite der Coilbox ein Richttreiber oder vor den Bandheizeinrichtungen ein Richttreiber angeordnet ist.
  15. Vorrichtung nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche 9 bis 14, dadurch gekennzeichnet, daß vor oder innerhalb des Richttreibers mindestens eine Entzunderungsvorrichtung vorgesehen ist.
  16. Vorrichtung nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche 9 bis 15, dadurch gekennzeichnet, dass der Richttreiber mit mindestens einer Reinigungsvorrichtung für die Richtrollen ausgebildet ist.
  17. Vorrichtung nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche 9 bis 16, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorrichtung drei Wickelstationen für dornlosen Transfer der Coils aufweist.
Es folgen 3 Blatt Zeichnungen






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