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Dokumentenidentifikation DE69919950T2 15.09.2005
EP-Veröffentlichungsnummer 0000987010
Titel Kosmetische zusammensetzung enthaltend einen Polysacchariden von einem hydrothermalen Bakterium
Anmelder LANATECH Laboratoire Nature et Technique, Paris, FR
Erfinder Fristsch, Marie-Claire, 75009 Paris, FR;
Vacher, Anne-Marie, 78150 Le Chesnay, FR
Vertreter Patentanwälte Dr. Solf & Zapf, 81543 München
DE-Aktenzeichen 69919950
Vertragsstaaten AT, BE, CH, CY, DE, DK, ES, FI, FR, GB, GR, IE, IT, LI, LU, MC, NL, PT, SE
Sprache des Dokument FR
EP-Anmeldetag 08.07.1999
EP-Aktenzeichen 994017168
EP-Offenlegungsdatum 22.03.2000
EP date of grant 08.09.2004
Veröffentlichungstag der Übersetzung europäischer Ansprüche 31.08.2000
Veröffentlichungstag im Patentblatt 15.09.2005
IPC-Hauptklasse A61K 7/48
IPC-Nebenklasse A61K 7/06   

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung betrifft eine Kosmetikzusammensetzung, die mindestens ein Polysaccharid, das von Bakterien hydrothermalen Ursprungs stammt, beinhaltet.

Sie ist das Ergebnis der von der Anmelderin durchgeführten Untersuchung an einer Sammlung von ganz bestimmten Bakterien, nämlich mesophilen Bakterien hydrothermalen Ursprungs.

Es ist allgemein bekannt, daß die Meeresbiologen, die in den 70er Jahren an tiefseeozeanographischen Einsätzen teilgenommen haben, zu ihrer großen Überraschung die Existenz von ursprünglichen ökologischen Gemeinschaften, die in der Nähe von hydrothermalen Mündungen leben, entdeckt haben. Diese hydrothermalen Quellen, die für aktive Gebirgszüge der Ozeane typisch sind, gehen auf das Durchsickern von Meereswasser durch das Netzwerk von Brüchen zurück, die es durch die Mächtigkeit der Erdkruste in der Nähe des Magmas zirkulieren lassen. Obwohl in den verschiedenen vergangenen Forschungsreisen gezeigt wurde, daß unter einer Tiefe von 2500 Metern nur wenig Tiere vorkommen, entdeckten die Wissenschaftler zur Überraschung bei diesen hydrothermalen Quellen eine reiche Mollusken-, Wurm- und Schalentierfauna sowie eine komplexe Gesellschaft von Bakterien und Wirbellosen.

Im Laufe diese Expeditionen hat sich eine umfassende Bakteriensammlung ergeben. Diese Arten sind beschrieben worden, und wenn der Großteil nicht pathogen ist und zu bekannten Gattungen gehört, handelt es sich trotzdem immer um neue Arten. Es hat sich herausgestellt, daß manche dieser Bakterien, die in sehr großen Tiefen und unter extremen Bedingungen leben und sich vermehren, unter Laboratoriumskulturbedingungen wachsen können, und in dem Kulturmedium gewisse Moleküle synthetisieren und sezernieren können, die sich einer Untersuchung als äußerst würdig erweisen.

Außerdem ist gut bekannt, daß gewisse Polysaccharide, die von Pilzen, Algen sowie der Zellwand von Hefen oder terrestrischen Bakterien extrahiert werden, in der medizinischen Therapie aufgrund ihrer stimulierenden Wirkung auf die Makrophagen bekannt sind, deren bakterizide und tumorizide Wirkung sie verbessern. So können diese Moleküle das Immunsystem stimulieren und gewissen Leiden vorbeugen.

Manche dieser Polysaccharide, die aus den Zellwänden von unterschiedlichen Organismen bzw. Mikroorganismen extrahiert werden, weisen also interessante biologische Wirksamkeiten auf. Diese biologischen Eigenschaften konnten teilweise auf dem Gebiet der Kosmetik genutzt werden. So wurde zum Beispiel gezeigt, daß ein &bgr;-Glucan, das aus der Wand einer Hefe Saccharomyces cerevisiae extrahiert wurde, eine Regeneration der Haut zuließ.

Genauer gesagt bestand das Ziel der von der Anmelderin durchgeführten Untersuchungen darin, die Wirksamkeit von Exopolysacchariden, die bei der Fermentation von mesophilen Bakterien hydrothermalen Ursprungs abgegeben wurden, auf dem Gebiet der Kosmetik zu bestimmen.

Bei diesen Polysacchariden, die von diesen laboratoriumsmäßig gezüchteten Bakterien produziert wurden, handelt es sich um Polymere mit einem hohen Molekulargewicht (von 100 000 Dalton bis über eine Million Dalton). Sie bestehen aus Verkettungen von unterschiedlichen, neutralen oder sauren Zuckern, wobei die monomere Grundeinheit im allgemeinen 4 bis 10 Reste aufweist. Manche sind geradkettig, der Großteil ist jedoch verzweigt. Andere wiederum weisen eine Struktur auf, die derzeit noch völlig unbekannt ist.

Für die Zwecke dieser Untersuchung wurden von der Anmelderin Wirksamkeitsstudien an drei Polysacchariden durchgeführt, die sich chemisch sehr stark voneinander unterscheiden und die bei der Fermentation von drei unterschiedlichen Arten von mesophilen Bakterien hydrothermalen Ursprungs erzeugt werden, nämlich:

  • – zwei Exopolysaccharide, nämlich POL.1 und POL.2, bestehen aus nativen (das heißt nicht modifizierten) Polymeren mit einem unterschiedlichen Verhältnis zwischen neutralen Zuckern und sauren Zuckern, wobei diese beiden Exopolysaccharide ein sehr hohes Molekulargewicht aufweisen (500 000 bis 1 Million),
  • – ein modifizierten Polysaccharid POL.3, das chemisch sulfatiert und anschließend entpolymerisiert wurde und das ein wesentlich niedrigeres Molekulargewicht aufweist.

In bezug auf diese Untersuchungen ist es günstig, zuvor in Erinnerung zu bringen, daß die Haut die allererste Barriere des Organismus gegen äußerliche Schadfaktoren darstellt. Die Keratinozyten, die den Großteil der Epidermiszellen darstellen, unterliegen einem äußerst präzisen Differenzierungs- und Reifungsprogramm, das den mehrfachen Wechselwirkungen zwischen den Epidermis- und Dermiskompartimenten unterliegt. Dieser Vorgang endet mit der Produktion von komplexen Keratinen und Lipiden, die die Rolle und die Integrität der Epidermis und ihrer "Barriere"-Komponente, dem Stratum corneum gewährleisten. Hier handelt es sich um die gut bekannte, klassische Rolle des mechanischen Schutzes durch die Keratinozyten.

Wesentlich interessanter ist die Rolle, die diese gleichen Zellen beim Vorgang der Immunabwehr der Haut spielen. Es ist heute nachgewiesen, daß die Keratinozyten die Hauptquelle in der Epidermis für Mediatoren von Zellsignalen sind. Diese sind heutzutage gleich wie die Langerhanschen Zellen als wesentliche und grundlegende Aktoren dieses Abwehrsystems anerkannt. Die unterschiedlichen Hautzellen sind aufgrund eines sehr aufwendigen Kommunikationssystems zwischen den Zellen, das unter anderem aus dem Cytokinnetzwerk besteht, perfekt aufeinander abgestimmt. Die Cytokine spielen bei der Aufrechterhaltung eines normalen Immunstatus eine Hauptrolle und sind auch an Entzündung, Narbenbildung, Gefäßbildung, Allergie bzw. Apoptosis beteiligt. Die regulierte Expression dieser jeweiligen Faktoren gestattet die Aufrechterhaltung eines Gleichgewichtszustands bei der lokalen Zellproliferation bzw. des lokalen Zellmetabolismus.

Chemische oder physikalische Schadfaktoren (Ultraviolettstrahlungen, infektiöse Agentien usw.) können dieses Gleichgewicht stören. Langfristig führt dies zu einer geschädigten, ausgetrockneten, gereizten, vorzeitig gealterten Haut, die außerdem immer weniger fähig ist, ihre typische Abwehr sowie ihre Rolle als Schutzbarriere wahrzunehmen.

Hierauf beruht also das Interesse der Kosmetika, zu versuchen, das Abwehr- und Schutzsystem der Hautzellen zu verbessern. Diese Modulation des Immunabwehrsystems der Haut läßt sich mit der topischen Anwendung von Molekülen, die die Keratinozyten zu stimulieren imstande sind und so spezifisch die Expression von gewissen Cytokinen induzieren, erzielen. Dadurch gelangt man zu einer Belebung des Immunabwehrsystems der Haut, die nun besser und rascher auf äußerliche Schadfaktoren reagieren kann.

Das Ziel der von der Anmelderin durchgeführten Forschungsarbeiten bestand darin, eine eventuelle Stimulationswirkung dieser Polysaccharide auf die Expression von Interleukin-1&agr; durch die Keratinozyten nachzuweisen. Interleukin-1&agr; ist der bedeutendste Mediator der Zellkommunikation, der von den Keratinozyten synthetisiert und sezerniert wird und fähig ist, die "Immunkaskade" in Gang zu setzen. Diese Aktivierungseigenschaften wurden an Humankeratinozyten in Primärkultur nach drei unterschiedlichen Versuchsprotokollen durchgeführt, nämlich:

Protokoll 1 (Präventivwirkung auf Keratinozyten):

An Humankeratinozyten in Kultur. Dreistündige Vorinkubation mit den Testverbindungen, anschließend Stimulation mit Phorbolmyristat-acetat (PMA). Quantitative Bestimmung von IL-1&agr; mittels Immunenzymtest (Werte in pg/ml) zu den Zeitpunkten T1h, T6h, T24h nach der Stimulation. Die Ergebnisse sind in Tabelle I unten angegeben.

Tabelle I
Protokoll 2: An Humankeratinozyten in Kultur.

24stündige Vorinkubation mit den Testprodukten, anschließend Costimulation Testprodukte/PMA. Quantitative Bestimmung von IL-1&agr; (Werte in pg/ml) zum Zeitpunkt T48h nach der Stimulation. Die Ergebnisse sind in Tabelle II unten angegeben:

Tabelle II

Protokoll 3 (Kurativwirkung auf Keratinozyten):

An Humankeratinozyten in Kultur. Costimulation: Testprodukte/PMA. Quantitative Bestimmung von IL-1&agr; (Werte in pg/ml) zu den Zeitpunkten T1h, T3h, T6h nach der Stimulation. Die Ergebnisse sind in Tabelle III unten dargestellt:

Tabelle III

Die bei der Durchführung dieser verschiedenen Versuchsprotokolle aufgrund der bei der Durchführung dieser verschiedenen Versuchsprotokolle erhaltenen Werte kann auf eine stimulierende Wirkung der 3 Testpolysaccharide auf die Expression von Interleukin 1&agr; durch Humankeratinozyten in Kultur geschlossen werden. Außerdem wiesen diese Produkte in den geprüften Dosierungen keine Zelltoxizität auf.

Diese drei Polysaccharide, die sich in bezug auf ihre Chemie stark unterscheiden, weisen also in diesem in-vitro-Versuchsmodell unzweifelhaft eine biologische Wirksamkeit auf. Aufgrund dieser Feststellung hat die Anmelderin nun versucht, die positiven Folgen solch einer biologischen Wirksamkeit auf die Haut nachzuweisen. Es wurden daher verschiedene Untersuchungen, nämlich in-vitro-Untersuchungen an Keratinozyten in Kultur, ex-vivo-Untersuchungen an Explantaten von menschlicher Haut oder in-vivo-Untersuchungen am Tiermodell durchgeführt. Das Ziel dieser Untersuchungen bestand darin, eine eventuelle Schutzwirkung der geprüften Polysaccharide gegenüber verschiedenen Schadfaktoren, die auf die Haut einwirken, nachzuweisen.

Untersuchungen über die Zytotoxizität der Polysaccharide POL.1, POL.2 und POL.3 wurden bei Humankeratinozyten in Kultur gegenüber einem Mikroorganismus, typischerweise Candida albicans, durchgeführt.

Es wird in diesem Zusammenhang in Erinnerung gebracht, daß die Keratinozyten unter gewissen Umständen zur Phagozytose befähigt sind, wodurch sie sehr aktiv an der Abwehr des Organismus von mikrobiellen Schadfaktoren teilnehmen können. Es wurde in-vitro an Humankeratinozyten nachgewiesen, daß diese einen Mikroorganismus, nämlich Candida albicans, abtöten können. Der hieran beteiligte Wirkungsmechanismus bewirkt ziemlich sicher ein Einschreiten von Molekülen, die von Keratinozyten gegen den Fremdkörper sezerniert werden. Es liegt daher keine echte Phagozytose des Mikroorganismus, sondern eine Zytotoxizität der Keratinozyten gegen diesen vor. Der Keratinozyt kann nun die Rückstände der abgetöteten Zellen aufnehmen und eliminieren.

Die Haut ist täglich mikrobiellen Schadfaktoren ausgesetzt, nämlich Hefen, Schimmelpilzen, mikroskopischkleinen Pilzen, Bakterien usw. Gewisse Keime sind für die Haut unschädlich, andere sind dadurch, daß sie am Gleichgewicht der saprophytischen Hautflora teilnehmen, nützlich, andere wiederum sind pathogen. Die Entwicklung von pathogenen Keimen an der Hautoberfläche führt natürlich zu einer Verschiebung des Gleichgewichts der Hautflora und zum Auftreten von mehr oder minder schweren Pathologien der Haut, die eine medizinische Behandlung erfordern.

Deshalb ist man in der Kosmetik daran interessiert, zu versuchen, dieser Art von Problemen dadurch vorzubeugen, daß man versucht, die Haut bei ihrer besseren und rascheren Abwehr gegen in erster Linie mikrobielle Schadfaktoren zu unterstützen. Die Anmelderin hat daher versucht, die stimulierende Wirkung von Polysacchariden auf die Fähigkeit der Keratinozyten verschiedene Mikroorganismen, die für die Haut schädlich sind, zu zerstören, nachzuweisen.

Die Bestimmung der Toxizität gegen Candida wurde nach einem modifizierten Verfahren von Lehrer & Cline (Interaction of Candida albicans with human leukocytes & serum, J. Bacteriol. 1969:98:996) durchgeführt. Eine Suspension von Candida albicans (0656CBS Delf 4 × 107 Zellen in PBS) wurde mit der Keratinozytensuspension sowie mit oder ohne unterschiedliche Dosierungen der Versuchspolysaccharide inkubiert. Es wurde eine Stunde lang bei 37°C inkubiert. Es wurde zentrifugiert und die Candida albicans wurden anschließend nach Zugabe von Triton X 100 extrahiert und mit einer 0,1%igen Methylenblaulösung gefärbt. Der Prozentsatz der abgetöteten Candida albicans (die einheitliche gefärbt sind) wurde unter dem Mikroskop bestimmt und die Ergebnisse in Lyse-Prozent ausgedrückt.

Testprodukte: Reine Polysaccharide in Versuchspufferlösung (PBS); Konzentrationen in &mgr;g/ml.

Die in Prozent abgetötete Mikroorganismen ausgedrückten Ergebnisse sind in Tabelle IV unten dargestellt:

Tabelle IV

Es kann geschlußfolgert werden, daß die drei geprüften Produkte eine ausgeprägte Stimulationswirkung auf die Fähigkeit von Humankeratinozyten in Kultur, diesen Mikroorganismus Candida albicans zu zerstören, aufweisen. Das Polysaccharid POL.1 ist jedoch in diesem Modell weniger wirksam als die beiden anderen Moleküle.

Die Anmelderin hat auch Untersuchungen über die Zytotoxizität gegen die wichtigsten Keime, die bei Akne eine Rolle spielen (Propionibacterium acnes, Propionibacterium granulosum und staphylococcus epidermis), durchgeführt.

Man weiß nämlich, daß junge Haut und Haut, die zu Fettigkeit neigt, von diesen Mikroorganismen, die sich bei einem Übermaß von Sebum, was für diesen Hauttyp charakteristisch ist, schrankenlos vermehren, bevorzugt werden. Es muß versucht werden, diesen Teufelskreis (Übermaß an Sebum, Entwicklung von Mikroorganismen, Akne, verstärkte Sebumproduktion) durch kosmetische Pflege zu unterbrechen. Da die geprüften Polysaccharide eine stimulierende Wirkung auf die Fähigkeit der Epidermiszellen, Candida zu zerstören, gezeigt haben, hat die Anmelderin die Wirkung dieser Polysaccharide auf die wichtigsten 3 Keime, die bei Akne eine Rolle spielen, untersucht. Trotzdem ließ nichts erwarten, daß eine Wirksamkeit gegen diese Keime nachgewiesen werden könnte.

Eine erste Untersuchung hat keine direkte Bakterizidwirkung der Polysaccharide auf diese drei Keime ergeben. Es wurde daher eine indirekte Wirkung (Wirkung von Molekülen, die von den stimulierten Keratinozyten sezerniert werden) erforscht.

Zu diesem Zweck nahm die Anmelderin nun eine Auswertung dieser zytotoxizitätsinduzierenden Auswirkungen von reinen Polysacchariden gegen Propionibacterium acnes, Propionibacterium granulosum und Staphylococcus epidermidis des Überstands von Humankeratino zytenkulturen, die mit unterschiedlichen Dosierungen der Testprodukte inkubiert worden waren, vor.

Genauer gesagt wurden drei Dosierungen, nämlich 0,5 &mgr;g/ml, 1 &mgr;g/ml und 5 &mgr;g/ml, nach einem Verfahren geprüft, das folgendes umfaßt:

  • – Inkubation von Polysacchariden mit Keratinozytenkulturen (3 Inkubationszeiträume von 15 Minuten, einer Stunde und 6 Stunden),
  • – Gewinnung des Überstands durch Verdünnen mit Kulturmedium,
  • – Reihenverdünnungen,
  • – Inokulieren von Mikroorganismenstämmen auf Agar sowie
  • – Bestimmung der MHK (minimalen Hemmkonzentration).

Der Inkubationszeitraum der Testprodukte/Keratinozyten, der am relevantesten scheint, ist eine 1 Stunde.

Eine Bakterizidwirkung wird bei den am wenigsten verdünnten Kulturüberstandslösungen beobachtet. Die drei Polysaccharide weisen eine indirekte Wirkung auf Propionibacterium acnes und Staphylococcus epidermidis, zeigen jedoch bei den Prüfkonzentrationen keinerlei Wirkung auf Propionibacterium granulosum.

Es kann geschlußfolgert werden, daß diese Untersuchung eine indirekte Zerstörungswirkung der Versuchspolysaccharide auf zwei der wichtigsten Keime, die an dem Auftreten von Akne beteiligt sind, aufweist. Hier wiederum erweisen sich diese Polysaccharide als wertvolle Hilfe für die Haut, die ihr gestatten, ihre Oberflächenmikroorganismenflora zu regulieren und ins Gleichgewicht zu bringen.

Die Anmelderin hat weiterhin eine Auswertung der Schutzwirkungen von wäßrigen 1%igen Polysaccharidlösungen (Prüfkonzentrationen 0,5% bis 5%) gegen die Langerhanschen Zellen bei mit UVB bestrahlten Humanhautexplantaten in Kultur durchgeführt.

Es sei daran erinnert, daß die Langerhanschen Zellen, also Dendrittenzellen, die in der Epidermis liegen, eine wichtige Rolle im Immunabwehrsystem der Haut spielen.

Die Hautexplantate mit einem Durchmesser von 8 mm, die einer 26jährigen Probandin mittels Abdominalplastie entnommen worden waren, wurden in 24-well-Platten, die 300 &mgr;l Medium pro Näpfchen enthielten, mit der Epidermis nach oben kultiviert.

Die Positivkontrolle bestand aus einer Schutzmischung aus Vitamin C und reduziertem Glutathion in wäßriger Lösung.

Die Aufbringung auf die Oberfläche der zu behandelnden Epidermisproben wurde zu den Zeitpunkten T24h und T48h wiederholt.

Zum Zeitpunkt T72h wurden die Explantate mit UVB bestrahlt (Gesamtbestrahlung 1,5 J/cm2).

Zum Zeitpunkt T96h wurden die Explantate tiefgefroren und es wurden Querschnitte angefertigt. Diese Schnitte, die mit einem Antikörper AntiCD1a (spezifischer Marker von Langerhanschen Zellen) behandelt worden waren, wurden anschließend mit einem Epifluoreszenzmikroskop untersucht, und die fluoreszierenden Langerhanschen Zellen wurden ausgezählt (Auszählung von 6 Feldern pro Plättchen, also 12 Werte pro Behandlung).

Die Ergebnisse dieser Auswertung sind in den Tabellen V und VI unten angegeben (wobei Tabelle VI die Schutzwirkung in Prozent angibt):

Tabelle V

Tabelle VI

Es kann geschlußfolgert werden, daß diese Untersuchung, die an Humanhautexplantaten durchgeführt wurde, einen Nachweis für die gute Schutzwirkung der Polysaccharide bringt. Dieser Schutz ist bei den Polysacchariden Nr. 1 und Nr. 3 besonders stark ausgeprägt. Bei Polysaccharid Nr. 2 jedoch, das eine ausgezeichnete Schutzwirkung bei einer Dosierung von 0,5% (an 1%iger Lösung) zeigt, wird bei einer Dosis von 5% eine zytotoxische Wirkung beobachtet. Dies ist zweifellos auf eine gemeinsame zytotoxische Wirkung von UVB/hochkonzentriertes POL.2 zurückzuführen.

Dieser Nachweis, der an einem Versuchsmodell durchgeführt wurde, das in-vivo-Bedingungen sehr nahe kommt, gestattet keine Schlußfolgerung auf den Mechanismus, der an der beobachteten Schutzwirkung beteiligt ist. Die Anmelderin glaubt jedoch, aufgrund der zahlreichen erhaltenen Werte, daß sowohl ein direkter als auch ein indirekter Schutzmechanismus, der auf die Langerhanschen Zellen wirkt, vorliegt:

  • – Direkter Schutz gegen freie Radikale (wobei die Langerhanschen Zellen auf die Schadwirkung der freien Radikale, die von den UV-Strahlen induziert werden, besonders empfindlich sind).
  • – Indirekter Schutz – Verbesserung der Abwehr- und Schutzmechanismen der Zellen aufgrund einer Stimulation der Zellkommunikation an den Hautexplantaten durch die Polysaccharide.

Die Anmelderin hat auch eine Auswertung der reduzierenden Wirkung der Polysaccharide POL.1, POL.2 und POL.3 in 1%iger wäßriger Polysaccharidlösung gegen durch UVB induziertes Erythem an Tieren (typischerweise Albinomeerschweinchen) durchgeführt. Zu diesem Zweck wurden die Tiere über einen definierten Zeitraum einer Ultraviolett-B-Quelle ausgesetzt, um eine Erythemreaktion der Stufe 2 hervorzurufen. Anschließend wurden die Versuchsprodukte auf die mit UVB bestrahlten Zonen ausgebracht, und zwar im Vergleich zu Kontrollzonen, die mit UVB bestrahlt, jedoch nicht mit Produkt behandelt wurden. Die Erytheme wurden gemäß dem folgenden Boniturschema ausgewertet:

  • – Kein Erythem = 0
  • – Kaum sichtbare Flecken = 0,5
  • – Leichtes Erythem = 1
  • – Deutlich ausgeprägtes Erythem = 2
  • – Stark ausgeprägtes Erythem = 3

Die Ergebnisse dieser Auswertung sind in Tabelle VII unten dargestellt:

Tabelle VII

Es kann geschlußfolgert werden, daß mit dieser Untersuchung eine gute beruhigende Wirkung der Polysaccharide 1 und 2 im Anschluß an UVB-Bestrahlung ("Sonnenbrand") nachgewiesen werden kann. Tatsächlich kann mit diesen 2 Molekülen die für eine Verringerung des durch UVB induzierten Erythems erforderliche Zeitdauer beträchtlich gesenkt werden. Polysaccharid 3 wiederum erweist sich in dieser Untersuchung nicht von besonderem Interesse.

Unschädlichkeitsuntersuchungen wurden unter anderem mit 0,1%igen und 1%igen wäßrigen Lösungen von jedem der drei Polysaccharide, nämlich POL.1, POL.2 bzw. POL.3, durchgeführt:

  • – Unschädlichkeitsuntersuchung mittels einmaliger oraler Verabreichung ("IVO") – Nachweis gemäß EU-Amtsblatt vom 24/04/1984, 84/449 L251, auf eine Dosierung von 2000 mg/kg beschränkt.
  • – Primäre Hautreizungsuntersuchung ("IPC") gemäß Amtsblatt vom 21/02/1982
  • – Augentoleranzuntersuchung ("IO") gemäß Amtsblatt vom 10/07/1992

Diese Untersuchungen, deren Ergebnisse in Tabelle VIII unten angegeben sind, zeigen, daß die Polysaccharide in den Prüfkonzentrationen völlig unschädlich sind.

Tabelle VIII

Wie aus den unterschiedlichen zuvor beschriebenen Prüfungen hervorgeht, weisen die drei geprüften Polysaccharide, die durch Fermentation von mesophilen Bakterien hydrothermalen Ursprungs stammen und chemisch unterschiedlich sind, eine bedeutende biologische Wirksamkeit auf. Die biologische Wirksamkeit drückt sich bei der Haut in verschiedenen Schutzwirkungen aus:

  • – Schutz gegenüber Mikroorganismen
  • – Schutz der Langerhanschen Zellen
  • – Beruhigende Wirkung nach "Sonnenbrand"

Außerdem kann man sich aufgrund der stimulierenden Wirkung der Polysaccharide auf die Produktion von Interleukin 1 durch die Keratinozyten vorstellen, daß diese Polysaccharide narbenbildende Eigenschaften aufweisen. Tatsächlich spielt Interleukin 1 eine mehr als aktive Rolle bei der Gesamtheit der biologischen Vorgänge, die an der Narbenbildung beteiligt sind:

  • – Direkte und indirekte chemotaktische Wirkung (Chemokinproduktion):

    Wanderung der Keratinozyten, Monozyten, Lymphozyten usw.
  • – Stimulation der Proliferation von Keratinozyten, Fibroblasten, Blutkörperchen usw.
  • – Stimulation der Kollagensynthese und Narbenumbildung.

Aufgrund all dieser Elemente kann die Verwendung dieser Polysaccharide in der Kosmetik für die Formulierung von Produkten für die tägliche Pflege für alle Hauttypen mit dem Ziel, die Haut vorzubereiten, sowie für die Formulierung von spezifischen Pflegeprodukten, nämlich Produkten "gegen Alterungserscheinungen", Sonnenschutzprodukten oder After-Sun-Produkten, Produkten für empfindliche Haut, Pflege- und Waschprodukten für jugendliche Haut, fettige Haut oder Haut, die zu Akne neigt, Produkten für geschädigte Hände und Füße, After-Shave-Produkten, Haarpflegeprodukten, Produkten zur Pflege der Kopfhaut usw., empfohlen werden.

Die für eine kosmetische Verwendung empfohlene Polysaccharidkonzentration liegt zwischen 0,001% und 5%, je nach der gewünschten Wirkung und dem verwendeten Formulierungstyp.

Die verwendeten Polysaccharide können nativ (das heißt nicht physikalisch oder chemisch modifiziert) sein. Sie können zu Fraktionen mit niedrigem oder hohem Molekulargewicht entpolymerisiert werden. Sie können auch chemisch modifiziert werden (sulfatiert, mit Säuregruppen versehen, nitriert) werden. Sie können in lyophilisierter Form, in Form von mehr oder minder gelförmigen Lösungen oder auch in verkapselter Form vorliegen.

Die erfindungsgemäßen Zusammensetzungen können natürlich in Form von einfachen oder multiplen Emulsionen (Wasser-in-Öl- oder Öl-in-Wasser-Cremen- oder Milchen, Dreifachemulsionen, Mikroemulsionen, Emulsionen mit Flüssigkristallen), wäßrigen oder öligen Gelen, wäßrigen, öligen, wäßrig-alkoholischen oder biphasischen Lotionen, Stiften oder Pudern oder in Form eines beliebigen Vektorsystems (Systeme mit "kontrollierter Freisetzung" oder Systeme mit "modifizierter Freisetzung") vorliegen. Sie werden topisch angewandt.

Beispiele von Formulierungen der Kosmetikzusammensetzung sollen nun beispielhaft, jedoch nicht einschränkend, beschrieben werden:

Feuchtigkeitspendendes Gel für Haut, die zu Akne neigt
Sonnencreme
After-Sun-Milch
Serum gegen Alterungserscheinungen
Regulierendes Shampoo


Anspruch[de]
  1. Kosmetikzusammensetzung, dadurch gekennzeichnet, daß sie mindestens ein Polysaccharid, das von Bakterien hydrothermalen Ursprungs stammt, enthält, wobei dieses hochmolekulare Polysaccharid von 100 000 bis 1 000 000 Dalton in der Zusammensetzung in einer Konzentration zwischen 0,001 und 5% vorliegt.
  2. Zusammensetzung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das obengenannte Polysaccharid durch Fermentation dieser Bakterien gewonnen wird.
  3. Zusammensetzung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß es sich bei dem obengenannten Polysaccharid um ein Exopolysaccharid handelt.
  4. Zusammensetzung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß es sich bei den obengenannten Bakterien um mesophile Bakterien handelt.
  5. Zusammensetzung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Polysaccharide nativ sind.
  6. Zusammensetzung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Polysaccharide in hoch- oder niedermolekulare Fraktionen entpolymerisiert sind.
  7. Zusammensetzung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Polysaccharide chemisch modifiziert sind.
  8. Zusammensetzung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß das Polysaccharid sulfathaltig, säurehaltig oder stickstoffhaltig ist.
  9. Zusammensetzung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das Polysaccharid in lyophilisierter Form, in Form einer Lösung oder in eingekapselter Form vorliegt.
  10. Zusammensetzung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß sie topisch angewendet wird und in Form von einfachen oder multiplen Emulsionen, wäßrigen oder öligen Gels, wäßrigen, öligen, wäßrig-alkoholischen oder zweiphasigen Lotionen, Stiften, Pudern oder einem Trägersystem vorliegt.
  11. Zusammensetzung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß sie bei Produkten zur täglichen Pflege für jeden Hauttyp angewandt wird.
  12. Zusammensetzung nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß sie bei Mitteln gegen Alterungserscheinungen angewandt wird.
  13. Zusammensetzung nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß sie bei Sonnenschutzmitteln oder After-Sun-Mitteln angewandt wird.
  14. Zusammensetzung nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß sie bei Produkten für empfindliche Haut angewandt wird.
  15. Zusammensetzung nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß sie bei Pflege- und Waschprodukten für jugendliche Haut, fettige Haut oder Haut, die zu Akne neigt, angewandt wird.
  16. Zusammensetzung nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß sie bei Produkten für geschädigte Hände und Füße angewandt wird.
  17. Zusammensetzung nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß sie bei After-Shave-Produkten angewandt wird.
  18. Zusammensetzung nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß sie bei Haarpflegeprodukten angewandt wird.
  19. Zusammensetzung nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß sie bei Produkten zur Pflege der Kopfhaut angewandt wird.
  20. Feuchtigkeitspendendes Gel für Haut, die zu Akne neigt, dadurch gekennzeichnet, daß es mindestens die folgende Zusammensetzung aufweist:
  21. Sonnencreme, dadurch gekennzeichnet, daß sie die folgende Zusammensetzung aufweist:
  22. After-Sun-Milch, dadurch gekennzeichnet, daß sie die folgende Zusammensetzung aufweist:
  23. Serum gegen Alterungserscheinungen, dadurch gekennzeichnet, daß es die folgende Zusammensetzung aufweist:
  24. Regulierendes Shampoo, dadurch gekennzeichnet, daß es die folgende Zusammensetzung aufweist:
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