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Dokumentenidentifikation DE102004022048A1 24.11.2005
Titel Sattel für Reittiere
Anmelder Graßl, Peter, 82418 Murnau, DE
Erfinder Graßl, Peter, 82418 Murnau, DE
Vertreter Brose und Kollegen, 82319 Starnberg
DE-Anmeldedatum 03.05.2004
DE-Aktenzeichen 102004022048
Offenlegungstag 24.11.2005
Veröffentlichungstag im Patentblatt 24.11.2005
IPC-Hauptklasse B68C 1/02
Zusammenfassung Sattel (1) für Reittiere mit einem mit Leder oder dergleichen überzogenen Sattelbaum (2), welcher auf seiner Oberseite (4) einen Sitz (6) für den Reiter aufweist. Der Sattel (1) ist mit auf dem Rücken des Reittieres (3) beidseitig aufliegenden Trachten oder Bars (8) versehen, an welche sich Sattelblätter oder Skirts (10) anschließen. Die Bars (8) sind getrennt von dem den Sitz (6) tragenden Teil (12) des Sattelbaums in den Sattelblättern oder Skirts (10) befestigt. Der Sitz (6) ist von einer Anzahl federnd aufspreizbarer Brücken (14, 16) getragen, deren Außenenden (18, 20) auf den Trachten oder Bars während der federnden Verformung gleiten. Die Trachten oder Bars (8) sind bevorzugt als über im wesentlichen die Gesamtlänge des Sattels (1) reichende flexible Platten (62) ausgebildet.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft einen Sattel für Reittiere mit einem mit Leder oder dergleichen überzogenen Sattelbaum, welcher auf seiner Oberseite einen Sitz für den Reiter aufweist, und mit auf dem Rückendes Reittieres beidseitig aufliegenden Trachten oder Bars versehen ist, an welche sich an den Seiten des Reittieres anliegende Sattelblätter oder Skirts anschließen.

Bei Sätteln englischer Bauart wird der eigentliche Sitz des Reiters von einstückig mit dem Sattelbaum verbundenen Trachten getragen, welche über mit Kapok oder dergleichen gefüllten Polstern auf dem Rücken des Reittieres aufliegen. Die Trachten sind hierbei durch die vergleichsweise seitlich weit nach unten reichenden Sattelblätter abgedeckt. Bei Westernsätteln weist der Sattelbaum, welcher gleichzeitig den Sitz des Reiters bildet, sogenannte großflächige Bars auf, die durch die seitlichen Skirts abgedeckt sind, wobei die Steigbügel des Westernsattels mit vergleichsweise großflächigen Fendern versehen sind. Da die vorliegende Erfindung Sättel beider Bauarten betrifft, werden im Rahmen der vorliegenden Beschreibung Trachten und Bars synonym verwendet, wie auch Sattelblätter und Skirts.

Im Pferdesport hat es sich in der Praxis mehrfach herausgestellt, dass insbesondere aufgrund der Tatsache, dass keine zwei Pferde im Bereich, in welchem der Sattel aufliegt, in anatomischer Hinsicht identisch gebaut sind, so dass es selten erreicht wird, dass die Trachten oder Bars tatsächlich großflächig aufliegen, sondern es häufig zu linienförmigen und punktförmigen Belastungen kommt. Ferner wurden auf diesem Gebiet die unterschiedlichsten Versuche unternommen, eine Art von Federung zwischen dem auf der Sitzfläche des Sattels ruhenden Gewicht des Reiters und den auf dem Rücken des Pferdes aufliegenden Bars oder Trachten vorzusehen. Ferner hat sich im Reitsport, insbesondere bei verantwortungsbewussten Reitern, immer mehr durchgesetzt, für das Pferd jeweils spezielle Maßsättel anfertigen zu lassen. Hierbei handelt es sich allgemein um einen vergleichsweise umständlichen Vorgang, nachdem zunächst der Rücken des Pferdes vermessen werden muss, wozu spezielle Apparate notwendig sind, wonach dann anschließend der Sattel in einer halbwegs der gemessenen Form angepassten Gestaltung gefertigt werden muss. Diese Vorgehensweise weist auf jeden Fall den Nachteil auf, dass der jeweils hergestellte Sattel nur für ein bestimmtes Pferd geeignet ist, wobei hinzu kommt, dass sich insbesondere bei vermehrter Arbeit oder auch bei Ruhepausen die anatomische Form des Pferderückens ändern kann, so dass der aufwändig hergestellte Maßsattel dann bereits nicht mehr optimal passt.

Ausgehend von diesem Hintergrund liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, eine vollständig neuartige Bauweise eines Sattels vorzuschlagen, welcher einerseits eine optimale Abfederung des Reitergewichts ermöglicht, andererseits ohne Aufwand an den Rücken des Reittieres anpassbar ist und gleichzeitig Veränderungen der Anatomie des Reittieres Rechnung trägt.

Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass die Trachten oder Bars getrennt von dem den Sitz tragenden Teil des Sattelbaums in den Sattelblättern oder Skirts befestigt sind, und dass der Sitz von einer Anzahl federnd aufspreizbaren Brücken getragen ist, deren Aussenenden auf den Trachten oder Bars während der federnden Verformung gleiten. Es ist offensichtlich, dass hierdurch eine optimale Abfederung des Reitergewichts erreicht wird und gleichzeitig der Vorteil erzielt wird, dass sich die Trachten oder Bars ohne weiteres leicht mit einer gewissen Flexibilität verwenden lassen, so dass sie aufgrund der durch die Brücken übertragenen Kräfte quasi selbsttätig an den Rücken des Reittieres anpassen. Darüber hinaus lässt sich ohne weiteres die Flexibilität der Brücken individuell wählen, so dass eine optimale Verteilung des Reitergewichts und eine Anpassung an dieses ohne weiteres möglich ist.

Bei einer bevorzugten Ausführungsform nach der Erfindung ist vorgesehen, dass die Brücken in Längsrichtung vom Vorderende zum Hinterende des Sattelbaums mit abnehmender Wölbung ausgebildet sind. Hierdurch wird optimal der anatomischen Rückenform des Reittieres Rechnung getragen und gleichzeitig gewährleistet, dass die Wirbelsäule selbst auf jeden Fall von einer Belastung freigehalten wird.

Im Einzelnen ist es bevorzugt, dass die Brücken an ihren Aussenenden eine nach oben gerichtete Gegenwölbung aufweisen, derart, dass die Aussenenden auf ihren auf den Trachten oder Bars gleitenden Innenseiten abgerundet sind. Hierdurch ist ein leichtes Auf- und Zufedern der Brückenteile gewährleistet, indem zwischen den Enden der Brückenteile und den Trachten oder Bars jeweils lediglich eine linienförmige Berührung hergestellt wird.

Für die Gegenwölbung hat sich ein halbkreisförmiges oder kreissegmentförmiges Profil als besonders zweckdienlich erwiesen.

Eine besonders bevorzugte Ausführungsform kann dadurch geschaffen werden, dass die Brücken zu einem oder mehreren Brückenbauteilen zusammengefasst sind, wobei die Federarme der Brücken durch seitliche Schlitze in dem oder den Brückenbauteilen gebildet sind. Hierdurch wird der Vorteil erzielt, dass einerseits die Fertigung des Sattelbaums erheblich erleichtert wird und andererseits durch Wahl der Länge und Breite der Schlitze die Federeigenschaften der Federarme leicht beeinflussbar sind.

Um zu gewährleisten, dass auf jeden Fall der Wirbelsäulenbereich des Reittieres unbelastet bleibt, ist es bevorzugt, dass die Federarme durch einen vergleichsweise starren Mittelteil verbunden sind.

Obwohl Ausführungsformen möglich sind, bei denen Sitzfläche und Brücken einstückig ausgebildet sind, ist es erfindungsgemäß besonders bevorzugt, zwei derartige, voneinander getrennte Brückenbauteile vorzusehen.

Hierbei ist es besonders bevorzugt, dass der Sitz des Sattelbaums getrennt von den Brücken ausgebildet und mit diesen durch Befestigungsmittel verbunden ist.

Eine besonders bevorzugte Ausgestaltung dieser Ausführungsform kann dadurch geschaffen werden, dass das Vorderende des Sitzes einen zusätzlichen, auf den Trachten oder Bars federnd gleitenden Brückenabschnitt aufweist. Hierdurch wird eine besonders vorteilhafte Verteilung des Reitergewichtes erreicht.

Im Einzelnen kann die Erfindung bevorzugt dadurch weitergebildet werden, dass der Sitz aus zwei durch ein beschränkt in Längs- und Querrichtung bewegliches Gelenk miteinander verbundenen Teilen besteht.

Besonders bevorzugt ist es hierbei, dass die Teile des Sitzes durch einen mit dem zusätzlichen Brückenabschnitt einstückig verbundenen Vorderteil und einem Hinterteil gebildet sind, und dass das Gelenk derart ausgebildet ist, dass bei Belastung der Sitzfläche eine Übertragung der Kräfte zwischen Vorderteil und Hinterteil und umgekehrt erfolgt. Durch diese Ausführungsform ist gewährleistet, dass das Reitergewicht möglichst gleichmäßig auf die Brückenteile übertragen wird. Ferner wird durch die beschränkt gelenkige Verbindung von Vorder- und Hinterteil eine laterale Flexibilität des Sattelbaums erreicht, was besonders beim Reiten von engen Wendungen von großem Vorteil ist, da hierdurch der Sattelbaum der dabei auftretenden Biegung der Wirbelsäule des Reittieres folgt.

Bei einer besonders bevorzugten Ausführungsform nach der Erfindung ist das Gelenk durch ineinander greifende Federarme bildende Laschen an Vorder- und Hinterteil gebildet, wobei im Bereich der Laschen eine vertikale Schwenkachse vorgesehen ist. Durch die Laschen wird optimal das Gewicht zwischen Vorder- und Hinterteil verteilt. Ferner bietet diese Ausgestaltung des Gelenks den erheblichen Vorteil, dass durch entsprechende Verschiebung von Vorder- und Hinterteil in Längsrichtung eine leichte Anpassung der Größe des Sitzes an den speziellen Reiter möglich ist, ehe der Sattelbaum mit Leder oder dergleichen überzogen wird.

Zur bestmöglichen Verteilung des Gewichts ist es ferner bevorzugt, dass an dem Vorderteil des Sitzes hinter dem zusätzlichen Brückenabschnitt ein vorderer Brückenbauteil befestigt ist, und dass der Hinterteil mit einem hinteren Brückenbauteil verbunden ist. Beide Brückenbauteile weisen hierbei mehrere Federarme auf, wobei beispielsweise der hintere Brückenbauteil mit zwei Federarmen und der vordere Brückenbauteil mit drei derartigen Federarmen versehen ist.

Eine ganz besonders bevorzugte Ausführungsform nach der Erfindung kann dadurch geschaffen werden, dass die Trachten oder Bars als über im wesentlichen die Gesamtlänge des Sattels reichende flexible Platten ausgebildet sind. Hierdurch wird eine besonders gut an dem Rücken des Reittieres anliegende Tragfläche für das Gewicht des Reiters mit geringstem Aufwand geschaffen.

Um eine punktuelle Wirkung der durch die Brücken übertragenen Lasten auszuschließen, ist es hierbei bevorzugt, die Platten im Bereich der Auflage der Brückenenden mit einer Verstärkung zu versehen.

Im Einzelnen kann die Erfindung dadurch weitergebildet werden, dass die Platten aus einem Kunststoffmaterial bestehen, welches ein Formgedächtnis aufweist. Hierdurch wird erreicht, dass die Anpassung an den Rücken des Reittieres durch die über die Brückenenden übertragenen Lasten auch nach der Entlastung erhalten bleibt.

Ferner ist es bevorzugt, dass unter den Trachten oder Bars eine Schicht aus Protektorschaum angeordnet wird.

In vorteilhafter Weise kann die Erfindung ferner dahingehend ausgestaltet werden, dass die Lage und Neigung des Sitzes gegenüber den Brücken verstellbar ist. Hierdurch kann die sogenannte Balance des Sattels leicht eingestellt werden.

Dies kann in einfacher Weise dadurch erfolgen, dass unterschiedliche Distanzstücke zwischen dem Sitz und den Brücken eingefügt werden.

Ferner ist es bevorzugt, dass die Trachten oder Bars, d.h. insbesondere die diese bildenden Platten in die Sattelblätter bildende Taschen eines Überzuges befestigt sind.

Ferner ist es bevorzugt, dass der Sattelbaum an dem Überzug mittels flexibler Verbindungsmittel befestigt ist. Hierdurch wird die Gesamtelastizität nochmals verbessert.

Diese flexiblen Verbindungsmittel können bevorzugt aus einem vorderen Gurt und einem hinteren Gurt bestehen.

Im Einzelnen kann dieses Merkmal dadurch weitergebildet werden, dass die Unterenden der Gurte innerhalb des Überzuges beidseitig durch einen Steg verbunden sind, welcher ein oder mehrere Befestigungspunkte für den Sattelgurt trägt. Hierdurch wird erreicht, dass auch die Gurtung des Sattels entsprechend der Ausbildung der Sattellage des Reittieres leicht verstellbar ist, indem der jeweils optimale Befestigungspunkt für den Sattelgurt gewählt wird.

In vorteilhafter Weise ist hierbei der vordere Gurt im Bereich des Gelenkes über die Sitzfläche geführt und an dieser befestigt, wobei es ferner bevorzugt ist, dass der vordere Gut beidseitige Befestigungsmittel für die Steigbügelriemen aufweist. Hierdurch wird erreicht, dass auch das in den Steigbügeln aufgebrachte Reitergewicht optimal auf den Sattelbaum übertragen wird und diese gleichzeitig festgehalten wird.

Bei der beschriebenen Art der flexiblen Verbindung des Sattelbaums an dem Überzug ist der hintere Gurt bevorzugt über das Hinterende des vorderen Brückenbauteils geführt und an diesem befestigt, wobei ebenfalls bevorzugt der hintere Brückenbauteil in dem Überzug aufgenommen und an diesem befestigt ist.

Im Folgenden wird die Erfindung an Hand einer in den Zeichnungen beispielhaft veranschaulichten Ausführungsform näher erläutert. Es zeigt:

1 eine teilweise aufgeschnittene Seitenansicht einer Ausführungsform des Sattels nach der Erfindung, wobei der Sattelbaum ohne Überzug dargestellt ist;

2 eine Draufsicht auf den Sattelbaum gemäß 1;

3 einen Längsschnitt durch den Sattelbaum gemäß 2 und

4 eine schematische Schnittansicht des auf dem Rücken eines Reittieres aufliegenden Sattelbaums gemäß 2.

Der in den Zeichnungsfiguren dargestellte Sattel 1, bei welchem es sich von der grundsätzlichen Bauart um einen sogenannten Westernsattel handelt, weist einen mit Leder oder einem anderen geeigneten Material (nicht dargestellt) überzogenen Sattelbaum 2 auf, welcher auf seiner Oberseite 4 einen Sitz 6 für den Reiter aufweist. Der Sattel 1 ist mit beidseitig auf dem Rücken des Reittieres, insbesondere Pferdes, aufliegenden Bars 8 spezieller Bauart versehen, welche weiter unten noch näher beschrieben sind, welche üblicherweise in an den Seiten des Pferdes anliegenden Sattelblättern oder Skirts 10 aufgenommen sind.

Erfindungsgemäß sind bei dem veranschaulichten Ausführungsbeispiels des Sattels 1 die Bars 8 getrennt von dem den Sitz 6 tragenden Teil 12 des Sattelbaumes ausgebildet und in den Skirts 10 befestigt. Der Sitz 6 ist mit einer Anzahl federnd aufspreizbarer Brücken 14, 16 verbunden und wird von diesen getragen. Die Aussenenden 18, 20 der Brücken 14, 16 gleiten auf den Bars 8, sobald sie durch das Gewicht eines Reiters federnd verformt werden.

Entsprechend der grundsätzlichen Form eines Pferderückens sind die Brücken 14, 16 in Längsrichtung des Sattels 1 vom Vorderende 22 zum Hinterende 24 des Sattelbaums 2 mit einer Wölbung abnehmender Höhe ausgebildet, da der Pferderücken ausgehend vom Widerrist in Richtung der Hinterhand zunehmend flacher gewölbt ist.

Wie insbesondere aus der schematischen Darstellung gemäß 4 ersichtlich ist, sind die Brücken 14, 16 an ihren Aussenenden 18, 20 mit einer nach oben gerichteten Gegenwölbung 26 versehen, welche bevorzugt kreissegmentförmig gestaltet ist. Hierdurch werden die Aussenenden 18, 20 auf ihren, auf den Bars 8 gleitenden Innenseiten 26 abgerundet gestaltet, so dass je nach Pferd und je nach Reitergewicht sich der Eingriff der Aussenenden 18, 20 an den Bars 8 unter Beibehaltung einer linienförmigen Berührung ändern kann und ein Gleiten der Aussenenden 18, 20 auf den Bars bei der federnden Verformung der Brücken 14, 16 nicht behindert wird.

Obwohl es bei anderen Ausführungsbeispielen ohne weiteres möglich ist, die Brücken 14, 16 als einzelne Teile auszubilden, sind bei der bevorzugten und in den Zeichnungen dargestellten Ausführungsform die Brücken 14, 16 zu einem oder mehreren, beim Ausführungsbeispiel 2, Brückenbauteilen 30 und 32 zusammengefasst. Die Federarme 34 der Brücken 14 und 16 sind durch seitliche Schlitze 33 in den Brückenbauteilen 30 und 32 gebildet, wobei die Federarme 34 durch einen vergleichsweise starren Mittelteil 36 miteinander verbunden sind. Wie in 3 angedeutet, kann der vergleichsweise starre Mittelteil 36 der Brücken 14, 16 bzw. der Brückenbauteile 30, 32 durch entsprechende Verstärkungsrippen 37 hergestellt werden. Es ist offensichtlich, dass durch die Länge, Breite und Anzahl der Schlitze 33 eine einfache Veränderung der Federungscharakteristika der Federarme 34 erzielbar ist, so dass diese in ihrem Verhalten leicht optimiert werden können.

Der gesamte Sattelbaum 2 kann aus einem geeigneten Kunststoff, insbesondere einem faserverstärktem Kunststoff, hergestellt werden. Soweit bisher beschrieben, ist es ohne weiteres möglich, den Sitz 6 mit den Brückenbauteilen 30 und 32 in einem Stück herzustellen. Bei der bevorzugten Ausführungsform ist jedoch wegen der weiter unten näher erläuterten zusätzlichen Vorteile der Sitz 6 des Sattelbaums 2 getrennt von den Brücken 14, 16 bzw. den Brückenbauteilen 30 und 32 ausgebildet und mit diesen durch geeignete Befestigungsmittel 38, beispielsweise durch Schrauben, verbunden.

Bei dem dargestellten Ausführungsbeispiel ist das Vorderende des Sitzes 6 mit einem zusätzlichen, ebenfalls auf den Bars 8 federnd gleitenden Brückenabschnitt 42 versehen, welcher entsprechend dem Widerrist des Pferdes ausgesprochen hoch ausgebildet ist und sich ebenfalls wegen seiner federnden Eigenschaften der Form des Widerristes des Pferdes anpassen kann. Der zusätzliche Brückenabschnitt 42 weist ebenfalls eine Verstärkungsrippe 43 (sh. 3) auf und ist am Vorderende 40 nach aussen und oben gewölbt ausgebildet, so dass hierdurch das Vorderende des Sattelbaumes 2 in seiner Form definiert wird. An dieser Stelle ist, was in den Zeichnungen nicht dargestellt ist, das die Sattelblätter bildende Sattelleder an der Unterseite befestigt.

Wie ferner aus den Zeichnungen ersichtlich, ist bei der bevorzugten Ausführungsform der Sitz 6 ebenfalls nicht einstückig ausgebildet, sondern besteht aus zwei Teilen 46 und 48, welche durch ein beschränkt in Längs- und Querrichtung bewegliches Gelenk 44 miteinander verbunden sind.

Der Teil 46 des Sitzes 6 besteht aus einem mit dem zusätzlichen Brückenabschnitt 42 einstückig verbundenen Vorderteil 50. Der Teil 48 ist durch einen Hinterteil 52 gebildet. Das Gelenk 44 ist hierbei derart ausgebildet, dass bei Belastung der Sitzfläche 54 eine Übertragung der Kräfte zwischen dem Vorderteil 50 und dem Hinterteil 52 und umgekehrt erfolgt. Zu diesem Zweck ist das Gelenk 44 durch ineinander greifende Laschen 56 und 58 an dem Vorderteil 50 bzw. dem Hinterteil 52 gebildet, welche die durch das Reitergewicht erzeugten Kräfte übertragende Federarme bilden. Im Bereich der Laschen 56, 58 ist eine vertikale Schwenkachse 60 vorgesehen, um welche sich Vorderteil 50 und Hinterteil 52 unter Verschiebung der Laschen 56 und 58 im begrenzten Maße seitlich verschwenken lassen. Hierdurch wird eine laterale Flexibilität des Sattelbaumes 2 erzielt, welche insbesondere beim Reiten enger Wendungen von Vorteil ist. Zusätzlich ermöglicht diese Ausgestaltung eine leichte Verstellbarkeit der Größe der Sitzfläche 54, indem vor Einbau der vertikalen Schwenkachse 60 eine Verschiebung des Hinterteils 52 gegenüber dem Vorderteil 50 möglich ist.

Um diese laterale Beweglichkeit zu unterstützen, ist der vordere Brückenbauteil 30 bei dem veranschaulichten Ausführungsbeispiel hinter dem zusätzlichen Brückenabschnitt 42 an dem Vorderteil 50 des Sitzes befestigt, während der Hinterteil 52 mit dem hinteren Brückenbauteil 32 verbunden ist.

Wie insbesondere aus den 1 und 4 ersichtlich ist, wobei in 4 lediglich eine schematische Darstellung wiedergegeben ist, in welcher die Sattelblätter 10 oder Skirts 10 nicht dargestellt sind, sind bei dem bevorzugten Ausführungsbeispiel die Bars 8 des Sattels 1 als im wesentlichen über die Gesamtlänge des Sattels 1 reichende flexible Platten 62 ausgebildet, welche im Bereich der Auflage der Aussenenden 18 und 20 der Brücken 14 und 16 eine Verstärkung 64 aufweisen. Die die Bars 8 bildenden Platten 62 schmiegen sich an den Pferderücken an, sobald die Brücken 14, 16 mit dem Reitergewicht belastet werden. Hierbei ist es bevorzugt, die Platten 62 möglicherweise aus einem Kunststoffmaterial herzustellen, welches ein Formgedächtnis aufweist, so dass die durch die Aussenenden 18, 20 der Brücken 14 und 16 eingestellte Anschmiegung an den Pferderücken erhalten bleibt. Abweichend von diesem Kunststoffmaterial für die Platten 62 ist es selbstverständlich bevorzugt, für die Brücken 14, 16 ein Material mit gutem Rückstellvermögen zu verwenden.

Unter den Platten 62 ist bevorzugt noch eine Schicht aus Protektorschaum vorgesehen, was in den Zeichnungen nicht dargestellt ist.

Wie ferner aus 3 ersichtlich ist, lässt sich bei der beschriebenen Ausführungsform die Lage und Neigung des Sitzes 6 gegenüber den Brücken 14, 16, d.h. die Balance des Sattels, leicht verstellen, indem entsprechende, nicht dargestellte Distanzstücke im Bereich der Befestigungsmittel 38 bzw. der Schwenkachse 60 verwendet werden.

Wie aus 1 ersichtlich, sind die die Bars 8 bildenden Platten 62 in Taschen 66 eines Überzugs 68, welcher die Sattelblätter 10 bildet, befestigt. Der aus Sattelleder oder einem anderen geeigneten Material bestehende Überzug 68 ist üblicherweise auf seiner, dem Pferd 3 zugewandten Seite mit Lammfell oder ähnlichem Material (nicht dargestellt) überzogen.

Erfindungsgemäß ist es ferner bevorzugt, dass der Sattelbaum 2 an dem Überzug 68 mittels überwiegend flexiblen Verbindungsmitteln befestigt ist, welche allgemein die Bezugszeichen 70 und 72 tragen.

Bei der veranschaulichten Ausführungsform bestehen die flexiblen Verbindungsmittel 70 und 72 aus einem vorderen Gurt 74 und einem hinteren Gurt 76. Die Unterenden 78 und 80 der Gurte 74 und 76 sind innerhalb des Überzugs 68, durch dessen Taschen 66 sie hindurchlaufen, auf beiden Seiten durch je einen Steg 62 miteinander verbunden, welcher fest an das Material des Überzugs 68 angenäht sind. Die Stege 82 sind bevorzugt mit mehreren Befestigungspunkten 84 in Form geeigneter Ösen für den Sattelgurt versehen, so dass sich entsprechend der Ausbildung der Sattellage des jeweiligen Pferdes auch hierdurch der Angriffspunkt der Gurtung wählen lässt, indem der Sattelgurt an einem der gewählten Befestigungspunkte 84 befestigt wird.

Zur Deutlichkeit der Darstellung sind in 1 die Gurte 74 und 76 lediglich in gestrichelten Linien dargestellt. Der vordere Gurt 74 ist im Bereich des Gelenkes 44 über die Sitzfläche 54 geführt und dort an dieser befestigt. Ferner ist der vordere Gurt 74 auf beiden Seiten mit je einer Befestigungsvorrichtung 86 für die nicht dargestellten Steigbügelriemen versehen, welche hierdurch gleichzeitig bei Belastung über den Sitz 6 die Brücke 14 bzw. 16 gegen die Platten 62 drücken. Der hintere Gurt 76 ist über das Hinterende 31 des vorderen Brückenbauteils 30 geführt, so dass durch die Gurte 74 und 76, abgesehen von der Befestigung am Vorderende 40, der Sattelbaum flexibel mit dem Überzug 68 verbunden wird.

Der hintere Brückenbauteil 32 ist bei dem Ausführungsbeispiel vollständig in dem Überzug 68 aufgenommen und an dessen äusserer Hülle befestigt.

Sämtliche aus der Beschreibung, den Ansprüchen und Zeichnungen hervorgehenden Merkmale und Vorteile der Erfindung, einschließlich konstruktiver Einzelheiten und räumlicher Anordnungen, können sowohl für sich als auch in beliebiger Kombination erfindungswesentlich sein.

1Sattel 2Sattelbaum 3Pferd 4Oberseite von 2 6Sitz 8Bars oder Trachten 10Sattelblätter oder Skirts 12Trageteil 14Brücke 16Brücke 18Aussenende von 14 20Aussenende von 16 22Vorderende von 2 24Hinterende von 2 26Gegenwölbung 28Innenseite von 26 30Brückenbauteil 31Hinterende von 30 32Brückenbauteil 33Schlitz 34Federarm 36Mittelteil 37Verstärkungsrippen 38Befestigungsmittel 40Vorderende von 6 42Brückenabschnitt 43Verstärkungsrippe 44Gelenk 46Teil von 6 48Teil von 6 50Vorderteil von 6 52Hinterteil von 6 54Sitzfläche 56Lasche 58Lasche 60Schwenkachse 62flexible Platten 64Verstärkung von 62 66Tasche 68Überzug 70flexible Verbindungsmittel 74vorderer Gurt 76hinterer Gurt 78Unterende von 74 80Unterende von 76 82Steg 84Befestigungspunkt 86Befestigungseinrichtung

Anspruch[de]
  1. Sattel für Reittiere mit einem mit Leder oder dergleichen überzogenen Sattelbaum, welcher auf seiner Oberseite einen Sitz für den Reiter aufweist und mit auf dem Rücken des Reittieres beidseitig aufliegenden Trachten oder Bars versehen ist, an welche sich an den Seiten des Reittieres anliegende Sattelblätter oder Skirts anschließen, dadurch gekennzeichnet, dass die Trachten oder Bars (8) getrennt von dem den Sitz (6) tragenden Teil (12) des Sattelbaums (2) in den Sattelblättern oder Skirts (10) befestigt sind, und dass der Sitz (6) von einer Anzahl federnd aufspreizbarer Brücken (14, 16) getragen ist, deren Aussenenden (18, 20) auf den Trachten oder Bars (8) während der federnden Verformung gleiten.
  2. Sattel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Brücken (14, 16) mit in Längsrichtung vom Vorderende (22) zum Hinterende (24) des Sattelbaums (2) abnehmender Wölbung ausgebildet sind.
  3. Sattel nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Brücken (14, 16) an ihren Aussenenden (18, 20) eine nach oben gerichtete Gegenwölbung (26) aufweisen, derart, dass die Aussenenden (18, 20) auf ihren auf den Trachten oder Bars (8) gleitenden Innenseiten abgerundet sind.
  4. Sattel nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Gegenwölbung (26) kreissegmentförmig ausgebildet ist.
  5. Sattel nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Brücken (14, 16) zu einem oder mehreren Brückenbauteilen (30, 32) zusammengefasst sind, und dass die Federarme (24) der Brücken (14, 16) durch seitliche Schlitze (33) in dem oder den Brückenbauteil(en) (30, 32) gebildet sind.
  6. Sattel nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Federarme (34) durch einen vergleichsweise starren Mittelteil (36) miteinander verbunden sind.
  7. Sattel nach Anspruch 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, dass zwei derartige Brückenbauteile (30, 32) vorgesehen sind.
  8. Sattel nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Sitz (6) des Sattelbaums (2) getrennt von den Brücken (14, 16) ausgebildet und mit diesem durch Befestigungsmittel (38) verbunden ist.
  9. Sattel nach Anspruch 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, dass das Vorderende (40) des Sitzes (6) einen zusätzlich- auf den Trachten oder Bars federnd gleitenden Brückenabschnitt (42) aufweist.
  10. Sattel nach einem der Ansprüche 5 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass der Sitz (6) aus zwei durch ein beschränkt in Längs- und Querrichtung bewegliches Gelenk (44) miteinander verbundenen Teilen (46, 48) besteht.
  11. Sattel nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Teile (46, 48) des Sitzes (6) durch einen mit dem zusätzlichen Brückenabschnitt (42) einstückig verbundenen Vorderteil (50) und einen Hinterteil (52) gebildet sind, und dass das Gelenk (44) derart ausgebildet ist, dass bei Belastung der Sitzfläche (54) eine Übertragung der Kräfte zwischen Vorderteil (50) und Hinterteil (52) und umgekehrt erfolgt.
  12. Sattel nach Anspruch 10 oder 11, dadurch gekennzeichnet, dass das Gelenk (44) durch ineinander greifende, Federarme bildende Laschen (56, 58) an Vorder- und Hinterteil (50, 52) gebildet ist, wobei im Bereich der Laschen (56, 58) eine vertikale Schwenkachse (60) vorgesehen ist.
  13. Sattel nach einem der Ansprüche 10 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass an dem Vorderteil (50) des Sitzes (6) hinter dem zusätzlichen Brückenabschnitt (42) ein vorderer Brückenbauteil (30) befestigt ist, und dass der Hinterteil (52) mit einem hinteren Brückenbauteil (32) verbunden ist.
  14. Sattel nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Trachten oder Bars als über im wesentlichen die Gesamtlänge des Sattels (1) reichende flexible Platten (62) ausgebildet sind.
  15. Sattel nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, dass die Platten (62) im Bereich der Auflage der Brückenenden (18, 20) eine Verstärkung (64) aufweisen.
  16. Sattel nach Anspruch 14 oder 15, dadurch gekennzeichnet, dass die Platten (62) aus einem Kunststoffmaterial mit Formgedächtnis bestehen.
  17. Sattel nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass unter den Trachten oder Bars (8) eine Schicht aus Protektorschaum angeordnet ist.
  18. Sattel nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Lage und Neigung des Sitzes (6) gegenüber den Brücken (14, 16) verstellbar ist.
  19. Sattel nach Anspruch 18, dadurch gekennzeichnet, dass die Lage und Neigung des Sitzes (6) durch Einfügung von Distanzstücken verstellbar ist.
  20. Sattel nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Trachten oder Bars (8) in die Sattelblätter (10) bildenden Taschen (66) eines Überzugs (68) befestigt sind.
  21. Sattel nach Anspruch 20, dadurch gekennzeichnet, dass der Sattelbaum (2) an dem Überzug (68) mittels flexibler Verbindungsmittel (70, 72) befestigt ist.
  22. Sattel nach Anspruch 21, dadurch gekennzeichnet, dass die flexiblen Verbindungsmittel (70, 72) aus einem vorderen Gurt (74) und einem hinteren Gurt (76) bestehen.
  23. Sattel nach Anspruch 22, dadurch gekennzeichnet, dass die Unterenden (78, 80) der Gurte (74, 76) innerhalb des Überzugs (68) beidseitig durch je einen Steg (82) verbunden sind, welche ein oder mehrere Befestigungspunkte (84) für den Sattelgurt trägt.
  24. Sattel nach Anspruch 22 oder 23, dadurch gekennzeichnet, dass der vordere Gurt (74) im Bereich des Gelenks (44) über die Sitzfläche (54) geführt und an dieser befestigt ist.
  25. Sattel nach Anspruch 24, dadurch gekennzeichnet, dass der vordere Gurt (74) beidseitige Befestigungsvorrichtungen (86) für die Steigbügelriemen aufweist.
  26. Sattel nach einem der Ansprüche 22 bis 25, dadurch gekennzeichnet, dass der hintere Gurt (76) über das Hinterende (31) des vorderen Brückenbauteils (30) geführt und an diesem befestigt ist.
  27. Sattel nach einem der Ansprüche 22 bis 26, dadurch gekennzeichnet, dass der hintere Brückenbauteil (32) in dem Überzug (68) aufgenommen und an diesem befestigt ist.
Es folgen 3 Blatt Zeichnungen






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