PatentDe  


Dokumentenidentifikation DE102004023732A1 08.12.2005
Titel Verwendungen von siliciumhaltigen und phosphorfreien Gläsern zur Behandlung entzündlicher Erkrankungen
Anmelder SCHOTT AG, 55122 Mainz, DE
Erfinder Lee, Sean, Dr., 76227 Karlsruhe, DE;
Zimmer, José, Dr., 55218 Ingelheim, DE;
Rosati, Coni, Carlsbad, Calif., US
Vertreter Patentanwälte Kewitz & Kollegen Partnerschaft, 60325 Frankfurt
DE-Anmeldedatum 11.05.2004
DE-Aktenzeichen 102004023732
Offenlegungstag 08.12.2005
Veröffentlichungstag im Patentblatt 08.12.2005
IPC-Hauptklasse A61K 33/00
Zusammenfassung Die vorliegende Erfindung betrifft neue Verwendungen von siliciumhaltigen und phosphorfreien Gläsern und Glaszusammensetzungen zur Behandlung entzündlicher Erkrankungen. Die Gläser eignen sich für verschiedene Applikationsformen und sind bislang bekannten Wirkstoffen überlegen, da Nebenwirkungen vermieden werden können.

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung betrifft neue Verwendungen von siliciumhaltigen und phosphorfreien Gläsern und Glaszusammensetzungen zur Behandlung entzündlicher Erkrankungen.

Die Behandlung entzündlicher Erkrankungen spielt eine zunehmend wichtige Rolle. So ist längst bekannt, dass ernsthafte chronische Erkrankungen, wie beispielsweise Asthma, Multiple Sklerose, Psoriasis, und rheumatoide Arthritis dem entzündlichen Formenkreis angehören.

Entzündliche Reaktionen des Körpers dienen grundsätzlich dessen Schutz. Körperfremde Substanzen sollen als solche erkannt und eliminiert werden. Dabei kann das hochkomplexe System unseres Immunsystems insofern einer Fehlsteuerung unterliegen, als Teile körpereigener Systeme fälschlicherweise als fremd erkannt werden. Solche so genannten Autoimmunerkrankungen gehen mit einer latenten Entzündungssituation einher.

Bei einer Entzündung, unabhängig davon, ob diese autoimmunologisch oder durch äußere Einflüsse bedingt ist, entstehen häufig Symptome wie Schmerz, Wärme, Rötung und Schwellungen, was zu erheblichen Funktionsstörungen führen kann. Die Krankheitsbilder der Entzündung umfassen Infektionskrankheiten (die mit Entzündungen einhergehen), Allergien, Arthritis, Dermatosen, Darmerkrankungen, Autoimmunreaktionen, Speicherkrankheiten, frühe Transplantatabstoßung und nach neueren Erkenntnissen ggf. sogar Arteriosklerose.

Die Therapie entzündlicher Erkrankungen kennt verschiedene Ansätze, welche jedoch allesamt mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden sind. So zeigen Corticosteroide immunsuppressive Wirkungen, welche hochgradig unerwünscht sind. Weiter Nebenwirkungen der Steroide sind Knochenresorption und Osteoporose.

Bei der Gruppe der „nicht-steroidalen anti-inflammatory drugs" (NSAID) werden starke Nebenwirkungen im Bereich des Magens bis hin zu Magengeschwüren beobachtet und zudem Kopfschmerzen, Müdigkeit, Bluthochdruck, Nebenwirkungen an den Nieren, eingeschränkte Wundheilung, verfälschte Leberwerte, Belastung der Leber bis hin zu einer Hepatitis, Verschlimmerung von Asthma und verstärkte Blutungsneigung.

Hinzu kommt, dass gerade im Bereich der Autoimmunerkrankungen, welche in dauerhaft entzündlichen Zuständen enden, eine Therapie mit immunsuppressiven Mitteln, wie Cyclosporin, angezeigt sein kann, wenn die Behandlung mit entzündungshemmenden Arzneimitteln nicht zum gewünschten Erfolg führt. Hier sollte bedacht werden, dass die so genannten Immunsuppressiva als „letzte Mittel" eingesetzt werden sollten, da unter einer solchen Medikation die Immunabwehr stark geschwächt ist, was sogar dazu führen kann, dass daraus bösartige Erkrankungen hervorgehen, da entartete Zellen nicht mehr durch das Immunsystem identifiziert und eliminiert werden.

Im Stand der Technik wird beschrieben, phosphorhaltige Gläser zur Behandlung entzündlicher Erkrankungen einzusetzen. So beschreibt beispielsweise die WO 01/72262 den Einsatz solcher Gläser in Kosmetiken, wobei die anti-inflammatorischen und antimikrobiellen Eigenschaften dieser Verbindungen erwähnt werden. Die offen gelegte US-Patentanmeldung US 2003/0167967 betrifft eine biokompatible Glaskeramik, welche Silizium-, Calcium- und Phosphorionen frei setzt und insbesondere als Implantat im Dentalbereich eingesetzt werden kann. WO 02/04606 beschreibt die Verwendung phosphorhaltiger Glaszusammensetzungen zur Stimulation der Produktion von Osteoblasten, z.B. nützlich bei der Integration von Implantaten und Prothesen in das körpereigene Gewebe. WO 00/66086 betrifft den Einsatz phosphorhaltiger Gläser mit kleiner Partikelgröße, welche eingesetzt werden, um entzündliche Auswirkungen von TNF-&agr; zu minimieren. Auch US 6,190,643 B1 betrifft phosphorhaltiges Glas, welches in der Mundhöhle angewendet Infektionen und Karies verhindern soll. Ebenso beschreibt die WO 00/15167 Zusammensetzungen, die phosphorhaltiges Glas enthalten, die für eine beschleunigte Wundheilung eingesetzt werden können und Auswirkungen von Entzündungen und bakteriellen Infektionen verringern. Die WO 03/018496 betrifft ein Glaspulver, welches keinen hohen Phosphoranteil aufweist und in Kosmetika und auch zur Wundheilung auf der Haut eingesetzt wird.

Anwendungen im kosmetisch/medizinischen Bereich, die aus dem Stand der Technik bekannt sind, betreffen insbesondere so genannte „bioaktive" Gläser mit entzündungshemmender Wirkung, wobei diese Gläser einen signifikanten Phosphoranteil von > 1 Gew.-% aufweisen.

Die Eigenschaften von phosphorhaltigem, „bioaktivem" Glas sind dem Fachmann wohl bekannt und beispielsweise in der US 5,074, 916 beschrieben. Danach unterscheidet sich das Glas von herkömmlichen Gläsern dadurch, dass es lebendes Gewebe binden kann, was mit der Ausbildung einer Hydroxyl-Apatitschicht einhergeht.

Nachteilig an phosphorhaltigen „bioaktiven" Gläsern ist jedoch gerade der Phosphoranteil, der bei der Herstellung der Gläser zu Fertigungsproblemen führt. Des Weiteren sind die phosphorhaltige Gläser aufgrund ihrer niedrigen hydrolytischen Beständigkeit nur sehr beschränkt für eine Mahlung in wässrigen Medien geeignet, wobei aber gerade für den Einsatz im Bereich pharmazeutischer Erzeugnisse eine kleine Partikelgröße von Bedeutung ist.

Weiterhin ist die relativ hohe Hykroskopieneigung dieser Gläser in Pulverform für Lagerung, Transport und Verarbeitung von Nachteil.

Zur Therapie entzündlicher Erkrankungen ist derzeit kein Mittel bekannt, welches ohne Nebenwirkungen den entzündlichen Kreislauf eindämmen kann. Gerade aber im Lichte der zunehmenden Autoimmunerkrankungen, die eine Dauermedikation notwendig machen, besteht ein gesteigerter Bedarf an Wirkstoffen, die gegen Entzündungen wirksam eingesetzt werden können und die Nachteile hinsichtlich der Nebenwirkungen der bekannten Wirkstoffe nicht aufweisen.

Die Aufgabe der Erfindung ist es, einen vorteilhaften Wirkstoff zur Verfügung zu stellen, welcher entzündungshemmend wirkt und zur Behandlung entzündlicher Erkrankungen eingesetzt werden kann. Es hat sich überraschenderweise gezeigt, dass nicht „bioaktive" und somit phosphorfreie Gläser geeignet sind, entzündliche Erkrankungen zu behandeln. Insbesondere sind diese auch für die orale, parenterale (intravenöse, intramuskuläre, subcutane), rekatale und vaginale Verabreichung geeignet. Die Gläser können auch als Aerosole über die Atemwege verabreicht werden. Ferner sind die erfindungsgemäßen Wirkstoffe für die die Anwendung auf Schleimhäuten, im Auge oder im Ohr geeignet.

Der Begriff „Glas oder Gläser" soll auch Glaspulver und Glaszusammensetzungen umfassen. Das Glas, Glaspulver oder eine Glaszusammensetzung sind im Zusammenhang mit dieser Erfindung als Wirkstoff zu verstehen.

Begriffe wie Glas, Gläser oder Glaszusammensetzungen sollen auch Glaskeramiken mit entsprechenden Zusammensetzungen umfassen.

Die Verwendung der erfindungsgemäßen Gläser oder Glaspulver ist gegenüber dem Einsatz phosphorhaltiger Gläser bevorzugt, da phosphorfreie Gläser einfacher herzustellen sind und dabei auch toxikologisch den erforderlichen Standards entsprechen. Zudem können die erfindungsgemäßen Gläser aufgrund ihrer hydrolytischen Beständigkeit vorteilhafterweise auch in wässrigen Mahlmedien zu Glaspulvern gemahlen werden. Unter einem Glaspulver wird ein Pulver umfassend eine Vielzahl von Glaspartikeln beliebiger Form, worunter auch Glasfasern, Glasflakes, Glaskugeln, und Glasgranulate fallen, verstanden, beispielsweise Glaspartikel mit einer mittleren Partikelgröße (d50) von < 1 mm, bevorzugt < 100 &mgr;m, noch bevorzugter < 10 &mgr;m, am meisten bevorzugt < 1 &mgr;m.

Die Glaspulver umfassen auch Glaszusammensetzungen. Zur oralen Verabreichung können die Gläser gemäß dem Fachmann bekannten Verfahren formuliert werden. Dabei sind Tabletten, Kapseln und auch sirupartige Verabreichungsformen möglich. Tabletten können mittels herkömmlicher Techniken, wie durch Anwendung von Trocken- oder Nassgranulierung und anschließendem Verpressen, hergestellt werden. Die Wahl geeigneter Hilfsstoffe, wie Füllstoffe, (beispielhaft sei hier Calciumphosphat genannt), Bindemittel (z.B. Povidone), Gleitmittel (z.B. Stearylfumarate) trifft der Fachmann je nach Anwendungsgebiet. Ebenso je nach Anwendung kann die sofortige Freisetzung des Wirkstoffes oder auch dessen verzögerte Freisetzung gewünscht sein, was der Fachmann durch Verwenden geeigneter Hilfsstoffe umsetzt. Für Retardformulierungen sind an sich bekannte Matrices verwendbar, um eine verzögerte Freisetzung zu erwirken. Nur beispielhaft seien Matrizes wie Glycerylbehenat (Compritol®), oder polymere Matrizes genannt. Tabletten, die das entzündungshemmende Glas gemäß der vorliegenden Erfindung als Wirkstoff enthalten, können überzogen werden, wobei zur Behandlung von entzündlichen Darmerkrankungen magensaftresistente Überzüge verwendet werden können. Wie dem Fachmann bekannt ist, kann durch geeignete Überzüge ein pH-abhängiges Freisetzungsverhalten des Wirkstoffes erreicht werden.

Sofern Kapseln als geeignete Formulierung gewählt werden, so können durch das Verwenden kleiner beschichteter Kügelchen innerhalb der Kapsel (z.B. bestehend aus inerten Kernen aus Zuckern) genau abgestimmte Freisetzungsprofile erreicht werden. Der Wirkstoff kann auf den inerten Kern so aufgebracht sein, dass dieser im wässrigen Medium sofort freigesetzt wird. Der mit Wirkstoff beschichtete Kern kann aber auch nochmals mit einem retrardierenden Überzug versehen kann. Ein solches Kügelchen weist folglich eine verzögerte Wirkstofffreisetzung auf. Durch das Kombinieren von den Wirkstoff schnell freisetzenden Kügelchen mit „Retrad-Kügelchen" innerhalb einer Kapsel kann das Profil der Freisetzung des Wirkstoffes so gestaltet werden, dass einerseits eine schnelle Freisetzung und Wirkung erfolgt, andererseits aber auch ein so genannter Retardeffekt auftritt.

Bei der Behandlung entzündlicher Darmerkrankungen ist auch die Applikationsform der Suppositorien denkbar, wobei dem Fachmann bekannte Hilfsstoffe zur Formulierung herangezogen werden.

Zur Behandlung von H. pylori Infektionen kann das Glas auch in der Form einer Suspension verabreicht werden, welche wahlweise als Trockenpulver vorliegen kann und durch den Patienten mit Wasser rekonstituiert wird. Auch möglich ist es, die Gläser oder Glaszusammensetzungen als Aerosole einzusetzen, was insbesondere zur Behandlung von Asthma eine geeignete Applikationsform sein kann.

In Fällen, nach welchen es sich als sinnvoll herausstellt, die Gläser intravenös, intramuskulär oder subkutan zu verabreichen, werden diese mittels geeigneter Lösungen verabreicht.

Zur Anwendung auf Schleimhäuten, oder in den Ohren sind insbesondere auch wässrige Formulierungen geeignet, wobei je nach Anwendung auch hier gängige Verfahren und Hilfsstoffe verwendet werden, um die Gläser zu formulieren.

Das erfindungsgemäße Glaspulver, kann in großtechnischen Maßstab mittels Standardverfahren hergestellt werden, insbesondere die Glaszusammensetzung kann im großtechnischen Maßstab erschmolzen werden.

Die Gläser, die zu Glaspulvern gemahlen werden, entsprechen pharmakologischen Standards was die Reinheit betrifft, insbesondere die Belastung durch Schwermetalle ist gering. So beträgt die Maximalkonzentration vorzugsweise für Pb < 20 ppm, Cd < 5 ppm, As < 5 ppm, Sb < 10 ppm, Hg < 1 ppm, Ni < 10 ppm.

Ein besonderer Vorteil des erfindungsgemäßen Glaspulvers ist, dass dieses ein Glas umfasst, das aufgrund seines Schmelz-und Heißformgebungsverhaltens geeignet ist, in entsprechenden großtechnischen Anlagen hergestellt zu werden. Da die Prozesstemperaturen aufgrund der geringen Viskosität des Glases niedrig gehalten werden können, ist es möglich, kostengünstige Werkstoffe beim Schmelzen und der Heißformgebung einzusetzen.

Neben der Herstellung über ein Schmelzverfahren sind auch alternative Herstellungsverfahren über die „Sol-Gel"- oder Reaktionssinter-Route denkbar.

Der Mahlprozess kann sowohl trocken als auch mit wässrigen und nichtwässrigen Mahlmedien durchgeführt werden.

Mischungen von Glaspulvern mit unterschiedlichen Zusammensetzungen und Korngrößen können zur Einstellung spezieller Eigenschaften der einzelnen Glaspulver synergistisch kombiniert werden. So ist es beispielsweise möglich, eine zusätzlich auftretende entzündungshemmende Wirkung des Glaspulver-Implantats durch die Partikelgröße zu steuern.

Das Glas des Glaspulvers enthält SiO2 als Netzwerkbildner zwischen 1 und 100 Gew.-%. Bevorzugt werden mehr als 10 Gew.-%, bevorzugter mehr als 40 Gew.-%, weiter bevorzugt mehr als 60 Gew.-% und am meisten bevorzugt mehr als 70 Gew.-% verwendet.

Typischerweise gewählte Mengen für SiO2 betragen zwischen 35 bis 100 Gew.-%, bevorzugter zwischen 35%-80 Gew.-% und am meisten bevorzugt zwischen 40-75 Gew.-%.

Alkalien wie Na2O, K2O, Li2O können als Flussmittel beim Schmelzen des Glases eingesetzt werden. Die Alkalien wirken als Netzwerkwandler im Glas. Dabei betragen geeignete Mengen für Natriumoxid zwischen 0-65 Gew.-%, vorzugsweise zwischen 0-30 Gew.-%, weiter bevorzugt zwischen 0-20 Gew.-% und am meisten bevorzugt zwischen 0-8 Gew.-%. Die gleichen Mengen können jeweils unabhängig voneinander für Lithiumoxid und Kaliumoxid verwendet werden.

Die Konzentration aller Alkalioxide liegt vorzugsweise zwischen 0-65 Gew.-%.

Erdalkalioxide können hinzugesetzt werden. Die Konzentration für alle Erdalkalioxide zusammen beträgt vorzugsweise zwischen 0-50 Gew.-% und weiter bevorzugt zwischen 0-25 Gew.-%. Für Magnesiumoxid können Mengen von 0-25 Gew.-%, bevorzugt von 0-10 Gew.-% und weiter bevorzugt von 0-5 Gew.-% gewählt werden. Für Calciumoxid können Mengen von 0-35 Gew.-%, bevorzugt von 0-25 Gew.-% und weiter bevorzugt von 0-15 Gew.-% gewählt werden.

Die Menge an Al2O3 kann zur Erhöhung der chemischen Beständigkeit, der Kristallisationsstabilität sowie der Steuerung einer der Ionen- und Molekülabgabe des Glases hinzu gegeben werden. Vorzugsweise können Mengen von bis zu 25 Gew.-% gebraucht werden.

B2O3 wirkt als zusätzlicher Netzwerkbildner und kann auch der Steuerung der entzündungshemmenden und antimikrobiellen Wirkung dienen. Der Boroxidgehalt liegt zwischen 0-80 Gew.-%, vorzugsweise zwischen 0-30 Gew.-% und ganz bevorzugt zwischen 0-14 Gew.-%.

ZnO ist eine Komponente der Glaspulver, welche die Kristallisationsstabilität und chemische Beständikeit erhöht. Ferner kann ZnO eine zusätzlich gewünschte entzündungshemmende Wirkung verstärken. ZnO kann in Mengen von 0-30 Gew.-%, vorzugsweise 1-10 Gew.-% und ganz bevorzugt in Mengen von 0,1-3 Gew.-% vorliegen. Um die zusätzlich vorteilhaften entzündungshemmenden, antimikrobiellen und somit heilenden Wirkungen der Glaspulver verstärken, können Ag2O, CuO und Iod als Zusätze zugegeben werden.

BaO kann in Mengen von 0-35 Gew-%, vorzugsweise von 0-25 Gew.-%, weiter bevorzugt von 0-10 Gew.-% und am meisten bevorzugt von 0-5 Gew.-% in den erfindungsgemäßen Glaspulvern vorliegen. Bariumoxid zeichnet sich dadurch aus, dass die Komponente auf Röntgenbildern gut sichtbar ist und dazu dienen kann, bei bedarf nach der Therapie auch noch als „Röntgenkontrastmittel" zu dienen. Den erfindungsgemäßen Glaspulvern können verschiedene Hilfsstoffe zugesetzt werden. Auch ist es denkbar, andere Wirkstoffe zuzusetzen. Beispielhaft seien genannt: Antibiotika, Fungizide, Steroide, Antihistaminika, Antidemenzmittel, Antihypertonika und viele mehr, je nach der speziellen Anwendung der erfindungsgemäßen Glaszusammensetzungen. Zusammensetzungen, die mehrere Wirkstoffe enthalten können auch mittels sequentieller Verabreichung der entsprechenden Wirkstoffe verabreicht werden.

Je geringer die mittlere Partikelgröße des Glaspulvers, desto höher ist die entzündungshemmende Wirkung, wahrscheinlich aufgrund der Erhöhung der reaktiven Oberfläche des Glases.

Überraschenderweise wird die entzündungshemmende Eigenschaft auch bei Gläsern gefunden, die als Halbzeug eine relativ hohe hydrolytische Beständigkeit aufweisen.

Bei den erfindungsgemäßen Gläsern werden durch Reaktionen an der Oberfläche des Glases Alkalien des Glases durch H+-Ionen des wässrigen Mediums ausgetauscht. Die entzündungshemmende Wirkung kann unter anderem auf einer Freisetzung von Ionen sowie auf Oberflächeneffekten beruhen.

Gemahlene Glaspulver mit Teilchen geringer Partikelgröße und großer Oberfläche zeigen eine deutliche Erhöhung der Wirksamkeit.

Mit Hilfe von Mahlprozessen, wie oben gesagt auch mittels hydrolytischer Mahlprozesse, können die Glaszusammensetzungen zu Glaspulvern mit Partikelgrössen < 100 &mgr;m gemahlen werden. Als zweckmäßig haben sich Partikelgrößen < 50 &mgr;m bzw. 20 &mgr;m erwiesen. Besonders geeignet sind Partikelgrößen < 10 &mgr;m sowie kleiner 5 um Als ganz besonders geeignet haben sich Partikelgrößen < 1 &mgr;m herausgestellt. In besonderen Fällen können auch Partikelgrößen < 0,5 &mgr;m erreicht werden.

Mischungen verschiedener Glaspulver mit unterschiedlichen Zusammensetzungen und Korngrößen sind möglich, um bestimmte Effekte zu kombinieren.

Je nach Partikelgröße, Konzentration und der Zusammensetzung des Pulvers werden verschiedene pH-Werte erreicht. Die Glaspulver stellen in wässrigen Medien je nach Konzentration ph-Werte zw. 4 und 13 ein. Höhere pH-Werte sind insbesondere vorteilhaft im Bereich Magen und Mund.

Die Zusammensetzungen können zusätzliche Elemente wie Ag, Cu, I, F in oxidischer oder nicht oxidischer Form bis zu jeweils 5 Gew% enthalten.

Das Glaspulver kann in jeder geeigneten Form eingesetzt werden. Mischungen unterschiedlicher Glaspulver aus dem Zusammensetzungsbereich mit unterschiedlichen Zusammensetzungen sind ebenfalls möglich. Die Mischung mit anderen Glaspulvern ist ebenfalls möglich, um bestimmte Effekte zu kombinieren.

Komponenten wie Fluor können je nach Anwendungsgebiet dem Glas bis zu Konzentrationen von in Summe 5 Gew.-% zugesetzt werden.

Ausführungsbeispiel 1

Aus den Rohstoffen wurde das Glas 6 (Borosilikatglas) in einem Kieselglas-Tiegel erschmolzen, das anschließend zu Ribbons verarbeitet wurde. Die Ribbons wurden mittels Trockenmahlung zu Pulver mit einer Partikelgrösse d50 = 4 &mgr;m weiterverarbeitet.

Ausführungbeispiel 2:

Aus den Rohstoffen wurde Glas 1 (Kalk-Natron-Glas) in einem Platintiegel erschmolzen und zu Ribbons verarbeitet. Die Ribbons wurden in einer Nassmahlung in H2O mit Attritormühle mit anschließender Gefriertrocknung zu Partikeln einer Größe von d50 = 1 &mgr;m weiterverarbeitet.

Ausführungsbeispiel 3:

Glaspulver gemäß einem der Ausführungsbeispiele 1 oder 2 wurden in pharmazeutisch verträglichen Zusammensetzungen verarbeitet. Hierbei werden die Glaspulver beispielsweise zu Tabletten verarbeitet. Zunächst werden diese mit anderen Tablettengrundstoffen vermahlen und/oder vermischt und durch Trockenverpressen zu Tabletten verarbeitet, welche dann in einem weitern Schritt bei Bedarf mit einem entsprechenden Tablettenüberzug versehen werden.

Wahlweise können die Glaspulver auch in Kapseln gefüllt werden.

Ebenso denkbar ist das suspendieren der Glaspulver in geeigneten Trägern, wie Polyethylenglycol, wobei für das Polymer Molekulargewichte von 400 bis 20.000 Dalton bevorzugt sind. Die erhaltende Suspension kann je nach Bedarf mit Wasser gemischt werden. So kann eine Suspension zur beispielsweise oralen Verabreichung erhalten werden.


Anspruch[de]
  1. Verwendung von siliciumhaltigen und phosphorfreien Gläsern als Wirkstoff zur Herstellung eines Medikamentes zur Behandlung entzündlicher Erkrankungen.
  2. Verwendung nach Anspruch 1, wobei die Glaspulver folgende Zusammensetzung (in Gew.,-%) aufweisen:

    SiO2: 1–100;

    B2O3 0–80;

    Na2O 0–65;

    Li2O 0–65;

    K2O 0–65;

    CaO 0–35;

    MgO 0–25;

    BaO 0–35 und

    ZnO 0–30.
  3. Verwendung nach einem der Ansprüche 1 oder 2, wobei die Elemente Ag, Cu, I, F in oxidischer oder nicht oxidischer Form bis zu 5 Gew.-% enthalten sind.
  4. Verwendung nach Anspruch 1 bis 3, wobei die Gläser in der Form von Glaspulvern vorliegen.
  5. Verwendung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, wobei die Gläser oral, parenteral, rektal, vaginal, als Aerosol, auf den Schleimhäuten, am Auge oder in der Nase appliziert werden.
  6. Verwendung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 5, wobei die Gläser zur Behandlung von entzündlichen Autoimmunerkrankungen verabreicht werden.
  7. Verwendung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 6, wobei die Gläser zur Behandlung von Infektionskrankheiten (die mit Entzündungen einhergehen), Allergien, Arthritis, Dermatosen, und Magen-Darmerkrankungen verabreicht werden.
  8. Verwendung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 7, wobei die Gläser zur Behandlung einer Heliobacter pylori Infektion verwendet werden.
  9. Verwendung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 8, wobei die Gläser zur Behandlung entzündlicher Zustände der Schleimhäute verwendet werden.
  10. Verwendung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 9, wobei die Gläser zur Behandlung entzündlicher Zustände der Augen oder Ohren verwendet werden.
Es folgt kein Blatt Zeichnungen






IPC
A Täglicher Lebensbedarf
B Arbeitsverfahren; Transportieren
C Chemie; Hüttenwesen
D Textilien; Papier
E Bauwesen; Erdbohren; Bergbau
F Maschinenbau; Beleuchtung; Heizung; Waffen; Sprengen
G Physik
H Elektrotechnik

Anmelder
Datum

Patentrecherche

Patent Zeichnungen (PDF)

Copyright © 2008 Patent-De Alle Rechte vorbehalten. eMail: info@patent-de.com