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Dokumentenidentifikation DE102004041868B3 02.03.2006
Titel Transferfolie, deren Verwendung sowie Verfahren zur Herstellung von dekorierten Kunststoffartikeln
Anmelder Leonhard Kurz GmbH & Co. KG, 90763 Fürth, DE
Erfinder Hirschfelder, Andreas, Dr., 90766 Fürth, DE;
Reuther, Uwe, Dr., 90482 Nürnberg, DE
Vertreter LOUIS, PÖHLAU, LOHRENTZ, 90409 Nürnberg
DE-Anmeldedatum 27.08.2004
DE-Aktenzeichen 102004041868
Veröffentlichungstag der Patenterteilung 02.03.2006
Veröffentlichungstag im Patentblatt 02.03.2006
IPC-Hauptklasse B41M 3/12(2006.01)A, F, I, ,  ,  ,   
IPC-Nebenklasse B29C 45/14(2006.01)A, L, I, ,  ,  ,      B44C 1/16(2006.01)A, L, I, ,  ,  ,      B32B 33/00(2006.01)A, L, I, ,  ,  ,      
Zusammenfassung Die Erfindung betrifft eine Transferfolie, umfassend eine Trägerfolie mit einer ersten Seite und einer zweiten Seite, wobei auf der ersten Seite der Trägerfolie eine Ablöseschicht und auf der der Trägerfolie abgewandten Seite der Ablöseschicht eine Übertragungslage als Dekorelement angeordnet ist, wobei entweder auf der zweiten Seite der Trägerfolie oder auf der der zweiten Seite der Trägerfolie gegenüberliegenden Seite der Transferfolie partiell eine Strukturschicht mit einer Schichtdicke von mindestens 20 µm aus einem Strukturierungslack angeordnet ist, dessen Druckfestigkeit mindestens bis zu einer Temperatur von 200°C im wesentlichen konstant ist, sowie die Verwendung von Transferfolien. Die Erfindung betrifft weiterhin zwei Verfahren zur Herstellung eines mit einer Übertragungslage einer solchen Transferfolie dekorierten Kunststoffartikels, der im Bereich der Übertragungslage eine räumliche Strukturierung aufweist.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft eine Transferfolie umfassend eine Trägerfolie mit einer ersten Seite und einer zweiten Seite, wobei auf der ersten Seite der Trägerfolie eine Ablöseschicht und auf der, der Trägerfolie abgewandten Seite der Ablöseschicht eine Übertragungslage angeordnet ist, sowie deren Verwendung. Die Erfindung betrifft weiterhin zwei Verfahren zur Herstellung eines mit einer Übertragungslage einer Transferfolie dekorierten Kunststoffartikels, der im Bereich der Übertragungslage eine räumliche Strukturierung aufweist, unter Verwendung einer solchen Transferfolie.

Transferfolien der oben genannten Art sowie geeignete Verfahren zur Dekoration von Kunststoffartikeln mit einer Übertragungslage, wobei im Bereich der Übertragungslage eine räumliche Strukturierung erzeugt wird, sind bekannt.

So offenbart die JP 2002264268 A ein sogenanntes Inmold-Dekorationsverfahren zur Herstellung eines mit einer Dekorfolie dekorierten Spritzgussartikels mit einer räumlichen Strukturierung im Bereich der Dekorfolie. Dabei wird eine unstrukturierte Dekorfolie in einer Spritzgussform angeordnet, deren Oberfläche strukturiert ist. Nach dem Schließen der Spritzgussform wird gemäß 2 der JP 2002264268 A die Dekorfolie mit einer Kunststoffspritzmasse hinterspritzt, wobei die Dekorfolie gegen die strukturierte Wandung der Spritzgussform gedrückt wird. Dabei erfolgt eine Strukturierung der, der Wandung zugewandten Schicht der Dekorfolie, die thermoplastische Eigenschaften und eine Glasübergangstemperatur von 130°C oder darunter aufweist. Durch den Kontakt der heißen Kunststoffspritzmasse mit der Dekorfolie erweicht die thermoplastische Schicht und wird gemäß der Strukturierung der Spritzgussform geformt.

Mit dem in der JP 2002264268 A offenbarten Verfahren kann eine anders ausgestaltete Strukturierung des Spritzgussartikels nur erreicht werden, wenn eine weitere Spritzgussform mit einer geänderten Strukturierung der Innenwandung bereitgestellt wird. Auch unstrukturierte Spritzgussartikel sind unter Verwendung der strukturierten Spritzgussform nicht herstellbar. Nachdem die Herstellung eines Spritzgusswerkzeugs und auch dessen Strukturierung generell kosten- und zeitintensiv ist, entstehen somit bei einem Wechsel der dekorativen Strukturierung gemäß dem Verfahren nach der JP 2002264268 A unerwünscht hohe Kosten und regelmäßig Maschinenstillstände, auch wenn die generelle Form des Spritzgussartikels beibehalten werden soll.

Die DE 691 17 752 T2 offenbart eine Transferfolie mit einer ein Muster bildenden Schicht. Die ein Muster bildende Schicht weist ein umgekehrtes Reliefmuster bildende Vertiefungen auf. Weiterhin weist die Transferfolie eine Halteschicht auf, die die Vertiefungen abdeckt und ausfüllt, wobei die das Muster bildende Schicht von der Halteschicht entfernbar ist.

Die JP 57025913 A beschreibt ein Verfahren zur Herstellung von konkaven und konvexen Oberflächenstrukturen auf spritzgegossenen Bauteilen. Dabei wird eine wasserlösliche Harzschicht musterförmig auf eine Trägerschicht aufgebracht und die Trägerschicht in eine Spritzgussform eingelegt, wobei die wasserlösliche Harzschicht in Richtung des einzuspritzenden Kunststoffmaterials zeigt. Nach Schließen der Spritzgussform und Einspritzen des Kunststoffmaterials wird die Trägerschicht abgelöst und die wasserlösliche Harzschicht abgewaschen.

Die JP 2003312193 A beschreibt eine Transferfolie mit einer Trägerschicht, einer konkav-konvexen musterförmigen Schicht und einer zwischen der Trägerschicht und der musterförmigen Schicht angeordneten Haftvermittlerschicht, wobei an die musterförmige Schicht angrenzend eine ablösbare Transferschicht angeordnet ist.

Es ist nun Aufgabe der Erfindung, eine Transferfolie zur Dekoration eines Kunststoffartikels, der im Bereich der Übertragungslage eine räumliche Strukturierung aufweist, bereitzustellen, die einen schnelleren und kostengünstigeren Wechsel der räumlichen Strukturierung ermöglicht. Weiterhin sollen zwei kostengünstige Verfahren zur Dekoration eines Kunststoffartikels mit einer Übertragungslage, der im Bereich der Übertragungslage eine räumliche Strukturierung aufweist, bereitgestellt werden, die unter Verwendung der erfindungsgemäßen Transferfolie einen schnelleren und kostengünstigeren Wechsel der räumlichen Strukturierung ermöglichen.

Die Aufgabe wird für die Transferfolie, welche eine Trägerfolie mit einer ersten Seite und einer zweiten Seite, wobei auf der ersten Seite der Trägerfolie eine Ablöseschicht und auf der, der Trägerfolie abgewandten Seite der Ablöseschicht eine Übertragungslage angeordnet ist, umfasst, dadurch gelöst, dass entweder auf der zweiten Seite der Trägerfolie oder auf der, der zweiten Seite der Trägerfolie gegenüber liegenden Seite der Transferfolie partiell eine Strukturschicht mit einer Schichtdicke von mindestens etwa 9 &mgr;m aus einem Strukturierungslack angeordnet ist, dessen Druckfestigkeit mindestens bis zu einer Temperatur von 200°C im wesentlichen konstant ist und eine Formstabilität des Strukturierungslacks im wesentlichen gewährleistet.

Wird eine derartige Transferfolie in einem Inmold-Dekorationsverfahren oder beim Heißpressen eingesetzt, wird die Strukturschicht nicht beziehungsweise nur unwesentlich verformt, nachdem Kunststoffspritzgussmassen üblicherweise bei Temperaturen unterhalb von 200 bis 300°C in Werkzeugen mit einer Temperatur von etwa 30 bis 70°C verspritzt werden und ein Heißprägen üblicherweise ebenfalls unterhalb von 230°C erfolgt. Der Einsatz der erfindungsgemäßen Transferfolie zum Inmold-Dekorieren oder Heißpressen ermöglicht die Ausbildung räumlicher Strukturen im Bereich der Übertragungslage auf einem mit einer solchen dekorierten Kunststoffartikel, wobei am Kunststoffartikel und der damit verbundenen Übertragungslage, je nach Anordnung der Strukturschicht, ein räumliches Positiv- oder Negativbild der Strukturschicht erzeugbar ist.

Dabei kann die Strukturschicht durch ein Druckverfahren wie Tiefdruck, Tampondruck oder Siebdruck auf der Trägerfolie in einfacher und kostengünstiger Weise in der geforderten Schichtdicke erzeugt werden. Die Bildung der Strukturschicht mittels Siebdruck wird hierbei bevorzugt, nachdem damit besonders hohe Schichtdicken ausgebildet werden können. Dabei können flache Siebe oder Rotationssiebe zum Einsatz kommen. Das Siebmaterial sollte für das gewünschte Druckbild einen maximalen Strukturschichtauftrag ermöglichen. Dazu werden bevorzugt Edelstahlgewebe mit einer Feinheit von beispielsweise 110 Fäden pro cm eingesetzt. Je nach gewünschter Druckauflösung kann dieser Wert noch reduziert werden, was zu einer weiteren Erhöhung der erzielbaren Schichtstärke führt.

Bei einem Wechsel des Dekors der räumlichen Strukturierung eines mit der Übertragungslage der erfindungsgemäßen Transferfolie dekorierten Kunststoffartikels beschränken sich die notwendigen Schritte demnach auf die Bereitstellung einer geänderten Druckvorlage für die Strukturschicht. Falls keine räumliche Strukturierung mehr gewünscht wird, kann das Aufbringen der Strukturschicht entfallen und ein dekorierter Kunststoffartikel mit glatter Oberfläche sofort im bisher verwendeten Spritzgusswerkzeug gefertigt werden. Weder die verwendete Übertragungslage noch die bislang verwendeten Apparaturen, wie beispielsweise Spritzgussformen oder Prägewalzen, brauchen verändert zu werden. Dies minimiert die Kosten und die Umstellungszeiten bei einem Dekorwechsel. Wie ein Verfahren zur Ausbildung einer räumlichen Strukturierung unter Verwendung der erfindungsgemäßen Transferfolie im Detail ausgeführt wird, ist nachfolgend zu den erfindungsgemäßen Verfahren erläutert.

Die Aufgabe wird für ein erstes Verfahren zur Herstellung eines mit einer Übertragungslage einer Transferfolie dekorierten Spritzgussartikels, der im Bereich der Übertragungslage eine räumliche Strukturierung aufweist, mit folgenden Schritten gelöst:

  • – Anordnen der erfindungsgemäßen Transferfolie in einer Spritzgussform derart, dass die Trägerfolie an einer Innenwandung der Spritzgussform anliegt,
  • – Hinterspritzen der Transferfolie mit einer Kunststoffspritzmasse,
  • – Aushärten der Kunststoffspritzmasse zu einem ersten Kunststoffmaterial,
  • – Entfernen des ersten Kunststoffmaterials inklusive der damit fest verbundenen Transferfolie aus der Spritzgussform, und
  • – Abziehen der Trägerfolie von der Übertragungslage der Transferfolie.

Während die Spritzgussform, die keinerlei Strukturierung an ihrer Innenwandung aufweist, mit Kunststoffspritzmasse gefüllt wird, wird in dem Fall, dass die Strukturschicht direkt auf der Trägerfolie angeordnet ist, die Strukturschicht und gleichzeitig auch die von der Strukturschicht freien Bereiche der Trägerfolie gegen die üblicherweise starre Innenwandung einer Spritzgussform gedrückt. Die Trägerfolie verläuft demnach in von der Strukturschicht freien Bereichen entlang der Innenwandung der Spritzgussform und wird in den Bereichen, in denen eine Strukturschicht vorhanden ist, von der Innenwandung der Spritzgussform weggeführt beziehungsweise durch die Strukturschicht von der Innenwandung der Spritzgussform beabstandet. Der gebildete dekorierte Spritzgussartikel weist im Bereich der Übertragungslage eine haptisch erfassbare räumliche Strukturierung auf.

Wird eine Transferfolie verwendet, deren Strukturschicht auf der, der Trägerfolie gegenüber liegenden Seite der Transferfolie angeordnet ist, erzeugt die Strukturschicht entweder eine, lediglich sichtbare, nicht haptisch erfassbare –räumliche Strukturierung durch den Strukturierungslack selbst, also auf der dem Betrachter abgewandten Seite der Übertragungslage, die von der Kunststoffspritzmasse aufgefüllt wird, oder eine haptisch erfassbare Strukturierung im Bereich der Übertragungslage.

Wird die Innenwandung der Spritzgussform, beispielsweise mittels elastischer Einlagen, so ausgebildet sein, dass sie unter Spritzbedingungen deformierbar ist, so wird eine haptisch erfassbare Strukturierung erzeugt, da Bereiche mit Strukturierungslack eine stärkere Deformation der Innenwandung der Spritzgussform bewirken als Bereiche ohne Strukurierungslack. Elastische Einlagen können dabei beispielsweise durch Silikon ausgebildet sein. Wird andererseits die Innenwandung der Spritzgussform so ausgebildet, dass sie unter Spritzbedingungen nicht deformierbar ist, so wird eine lediglich sichtbare Strukturierung erzeugt, da keine Deformation der Innenwandung der Spritzgussform erfolgt und somit die Bereiche zwischen den Strukturierungslackbereichen lediglich aufgefüllt werden, ohne dass die Übertragungslage dabei deformiert wird. Die Oberfläche der Übertragungslage beziehungsweise des damit dekorierten Spritzgussartikels bleibt in diesem Fall glatt.

Es hat sich als vorteilhaft erwiesen, wenn die Kunststoffspritzmasse aus ABS, einer ABS/PC-Mischung, PC, PA, SAN, ASA, TPO, PMMA, PP oder einer Mischung aus mindestens zwei dieser Materialien, sofern diese miteinander kompatibel sind, gebildet wird. Derartige Kunststoffmaterialien lassen sich zuverlässig auf Spritzgussmaschinen verarbeiten.

Die Aufgabe wird für ein zweites Verfahren zur Herstellung eines mittels Heißprägens mit einer Übertragungslage einer Transferfolie dekorierten, thermoplastischen Kunststoffartikels, der im Bereich der Übertragungslage eine räumliche Strukturierung aufweist, gelöst durch folgende Schritte:

  • – Anordnen der erfindungsgemäßen Transferfolie auf dem Kunststoffartikel derart, dass die Trägerfolie dem Kunststoffartikel abgewandt ist,
  • – Heißprägen der Transferfolie auf den Kunststoffartikel, und
  • – Abziehen der Trägerfolie von der Übertragungslage der Transferfolie.

Für ein Prägewerkzeug und eine Gegendruckfläche, zwischen welchen die Transferfolie und der thermoplastische Kunststoffartikel beim Heißprägen hindurchgeführt werden, können je nach Anwendungsfall unterschiedliche Materialien zum Einsatz kommen. So kann einerseits das Prägewerkzeug, beispielsweise eine Prägewalze, starr und die Gegendruckfläche zum Prägewerkzeug, beispielsweise ebenfalls eine Walze, elastisch sein, oder aber die Gegendruckfläche starr und das Prägewerkzeug elastisch oder sowohl das Prägewerkzeug als auch die Gegendruckfläche starr oder elastisch ausgebildet sein. Die Elastizität ist dabei experimentell auf die anwendungsspezifischen Druckverhältnisse passend auszulegen. Dabei besitzt weder das Prägewerkzeug noch die Gegendruckfläche eine Oberflächenstruktur, sondern beide sind an ihren Kontaktflächen zur Transferfolie und zum thermoplastischen Kunststoffartikel glatt ausgebildet. Allerdings muss die Materialauswahl so getroffen werden, dass eine ausreichende Wärmeübertragung auf die Transferfolie und den Kunststoffartikel beim Heißprägen gewährleistet ist. Die nachfolgenden Ausführungsbeispiele gehen davon aus, dass beim Heißprägen das Prägewerkzeug in Kontakt zur Transferfolie steht, während die Gegendruckfläche in Kontakt zum thermoplastischen Kunststoffartikel steht. Dies ist allerdings nicht zwingend notwendig und soll hier nur zur Verdeutlichung der erzielbaren Effekte dienen.

Wird ein starres, beispielsweise metallisches Prägewerkzeug gegen die Transferfolie, den Kunststoffartikel und eine starre, beispielsweise ebenfalls metallische Gegendruckfläche gedrückt, wird in dem Fall, dass die Strukturschicht direkt auf der Trägerfolie angeordnet ist, die Strukturschicht und gleichzeitig auch die von der Strukturschicht freien Bereiche der Trägerfolie gegen die glatte Oberfläche des Prägewerkzeugs gedrückt. Die Trägerfolie verläuft demnach in von der Strukturschicht freien Bereichen entlang der Oberfläche des Prägewerkzeugs und wird in den Bereichen, in denen eine Strukturschicht vorhanden ist, von der Oberfläche des Prägewerkzeugs weggeführt beziehungsweise durch die Strukturschicht von der Oberfläche des Prägewerkzeugs beabstandet. Der gebildete dekorierte Kunststoffartikel weist im Bereich der Übertragungslage eine haptisch erfassbare, räumliche Strukturierung auf.

Wird ein starres, beispielsweise metallisches Prägewerkzeug gegen die Transferfolie, den Kunststoffartikel und eine elastische Gegendruckfläche, beispielsweise aus Silikon, gedrückt, wird in dem Fall, dass die Strukturschicht direkt auf der Trägerfolie angeordnet ist, die Strukturschicht und gleichzeitig auch die von der Strukturschicht freien Bereiche der Trägerfolie gegen die glatte Oberfläche des Prägewerkzeugs gedrückt. Die Trägerfolie verläuft demnach in von der Strukturschicht freien Bereichen entlang der Oberfläche des Prägewerkzeugs und wird in den Bereichen, in denen eine Strukturschicht vorhanden ist, von der Oberfläche des Prägewerkzeugs weggeführt beziehungsweise durch die Strukturschicht von der Oberfläche des Prägewerkzeugs beabstandet, wobei der angrenzende Bereich des Kunststoffartikels in die elastische Gegendruckfläche gedrückt und diese deformiert wird. Der gebildete dekorierte Kunststoffartikel weist im Bereich der undekorierten, der Übertragungslage gegenüberliegenden Oberfläche des Kunststoffartikels sowie im Bereich der Übertragungslage eine haptisch erfassbare, räumliche Strukturierung auf.

Wird nun eine Transferfolie verwendet, deren Strukturschicht auf der, der Trägerfolie gegenüber liegenden Seite der Transferfolie angeordnet ist, erzeugt die Strukturschicht entweder eine – lediglich sichtbare, nicht haptisch erfassbare – räumliche Strukturierung oder eine haptisch erfassbare räumliche Strukturierung.

Wird ein starres Prägewerkzeug gegen die Transferfolie, den Kunststoffartikel und eine starre Gegendruckfläche gedrückt, wird die direkt auf der Übertragungslage angeordnete Strukturschicht in den thermoplastischen Kunststoffartikel gedrückt. Der gebildete dekorierte Kunststoffartikel weist im Bereich der Strukturierungsschicht eine lediglich sichtbare Strukturierung auf, die auf der Welligkeit der Oberfläche des thermoplastischen Kunststoffartikels resultiert, die an die Übertragungslage angrenzt. Diese Oberfläche muss demnach entweder von der Übertragungslage aus oder von der, der Übertragungslage gegenüberliegenden Oberfläche des Kunststoffartikels aus sichtbar sein.

Wird ein starres Prägewerkzeug gegen die Transferfolie, den Kunststoffartikel und eine elastische Gegendruckfläche gedrückt, wobei die Strukturschicht direkt auf der Übertragungslage angeordnet ist, wird die Strukturschicht in Richtung der elastischen Gegendruckfläche gedrückt und diese deformiert. Der gebildete dekorierte Kunststoffartikel weist im Bereich der, der Übertragungslage gegenüberliegenden, freien Oberfläche des Kunststoffartikels eine haptisch erfassbare, räumliche Strukturierung auf.

Wird ein elastisches Prägewerkzeug gegen die Transferfolie, den Kunststoffartikel und eine starre Gegendruckfläche gedrückt, wobei die Strukturschicht direkt auf der Übertragungslage angeordnet ist, wird die Strukturschicht in Richtung des elastischen Prägewerkzeugs gedrückt und dieses deformiert. Der gebildete dekorierte Kunststoffartikel weist im Bereich der von der Übertragungslage bedeckten Oberfläche des Kunststoffartikels eine haptisch erfassbare, räumliche Strukturierung auf.

Wird ein elastisches Prägewerkzeug gegen die Transferfolie, den Kunststoffartikel und eine elastische Gegendruckfläche gedrückt, wobei die Strukturschicht direkt auf der Übertragungslage angeordnet ist, führt die Strukturschicht sowohl zu einer Deformation des elastischen Prägewerkzeugs als auch der elastischen Gegendruckfläche. Dabei ist ein elastisches Material für das Prägewerkzeug und/oder die Gegendruckfläche zu verwenden, das imstande ist, die zum Heißprägen erforderliche Wärmemenge auf den thermoplastischen Kunststoffartikel und die Transferfolie zu übertragen. Der gebildete dekorierte Kunststoffartikel weist im Bereich der von der Übertragungslage bedeckten Oberfläche des Kunststoffartikels sowie auf der, der Übertragungslage gegenüberliegenden Oberfläche jeweils eine haptisch erfassbare, räumliche Strukturierung auf, deren Strukturtiefe allerdings im Hinblick auf die oben genannten Verfahrensweisen natürlich um mindestens die Hälfte geringer ist.

Für die erzeugbare Tiefe der räumlichen Strukturierung ist für die erfindungsgemäßen Verfahren generell die Schichtdicke der Strukturschicht maßgebend. Um eine haptisch erfassbare, räumliche Strukturierung zu erzielen, ist eine Strukturschicht von mindestens 20 &mgr;m Dicke erforderlich, die sich unter den Verarbeitungsbedingungen für die Transferfolie nicht oder nur gering deformieren lässt. Selbstverständlich kann die Dicke der Strukturschicht auf einer Trägerfolie dabei unterschiedlich ausgebildet werden, so dass gleichzeitig räumliche Strukturen unterschiedlicher Tiefe erzeugt werden können.

Besonders bewährt hat es sich, wenn der Strukturierungslack einen Duroplasten oder einen Thermoplasten mit einer Glasübergangstemperatur Tg oberhalb von 200°C aufweist. Aber auch der Einsatz eines Strukturierungslacks aus einem mit einem Füllstoff gefüllten, nicht vernetzenden Lacksystem, wobei der Füllstoff bevorzugt aus anorganischen Füllstoffen wie beispielsweise Titandioxid gebildet ist, hat sich bewährt. Derartige Strukturierungslacke sind bis zu hohen Temperaturen formstabil und druckfest, so dass eine Deformation der Strukturschicht unter Spritzbedingungen nicht oder nur in äußerst geringem Maßstab erfolgt.

Hier hat sich insbesondere bewährt, wenn der Strukturierungslack ein strahlungshärtbarer, ein ESH-härtbarer, ein Epoxy-härtbarer, ein Isocyanat-härtbarer oder säurehärtbarer Lack ist. Derartige vernetzende Lacke weisen die geforderte Form- und Druckstabilität bei hohen Verarbeitungstemperaturen auf und sind auch bei hohem Festkörpergehalt gut verarbeitbar.

Besonders bevorzugt ist es dabei, wenn der Strukturierungslack einen Festkörpergehalt von mindestens 40 %, vorzugsweise von 100 % aufweist. Der hohe Festkörpergehalt erhöht die erzielbare Schichtdicke der Strukturschicht und verbessert die Transkriptionsfähigkeit der Strukturschicht. Somit wird die erzielbare Tiefe der räumlichen Strukturen erhöht.

Wenn die Strukturschicht auf der zweiten Seite der Trägerfolie angeordnet ist, hat es sich als vorteilhaft erwiesen, wenn der Strukturierungslack unterschiedlich zur Trägerfolie eingefärbt ist. Dies ermöglicht eine optische Überprüfung der Strukturschicht, beispielsweise im Hinblick auf deren Vollständigkeit, sowie eine einfachere und genauere, auch automatische, Positionierung der Transferfolie im gewählten Verarbeitungsverfahren.

Ist die Strukturschicht auf der, der zweiten Seite der Trägerfolie gegenüber liegend angeordneten Seite der Transferfolie angeordnet, kann der Strukturierungslack sowohl farblos oder eingefärbt sein. Ob eine Einfärbung gewünscht ist, hängt selbstverständlich auch davon ab, ob die eingesetzte Übertragungslage den Blick auf die zwischen Kunststoffartikel und Übertragungslage verbleibende Strukturschicht überhaupt freigibt.

Vorzugsweise wird die Strukturschicht in Form eines regelmäßigen oder unregelmäßigen Musters und/oder in Form von alphanumerische Zeichen und/oder in Form von bildlichen Darstellungen auf der Trägerfolie ausgebildet. Das für die Strukturschicht gewählte Design wird je nach Anordnung der Strukturschicht und der Transferfolie ein Positiv oder ein Negativ für das Muster, das alphanumerische Zeichen oder die bildliche Darstellung sein. Wird die Trägerfolie inklusive der Strukturschicht entfernt, so verbleibt als räumliche Strukturierung ein Negativbild der Strukturschicht, was bedeutet, dass die Bereiche der Übertragungslage, in denen die Trägerfolie frei von der Strukturschicht war, die erhöhten Bereiche darstellen, während die Bereiche der Übertragungslage, in welchen eine Strukturschicht vorgesehen war, die – gegebenenfalls unterschiedlich – vertieften Bereiche darstellen.

Eine Dicke der Trägerfolie der erfindungsgemäßen Transferfolie im Bereich von 12 bis 100 &mgr;m hat sich bewährt. Beim Heißprägen werden üblicherweise dünne Trägerfolien im Bereich von etwa 19 bis 23 &mgr;m eingesetzt. Als Material für die Trägerfolie kommt beispielsweise PET, aber auch andere Kunststoffmaterialien in Frage.

Die räumliche Strukturierung des dekorierten Kunststoffartikels ist etwa um die doppelte Dicke der Trägerfolie breiter als die Breite der Strukturschicht, was zusammen mit der maximalen Druckauflösung für gedruckte Strukturschichten das Auflösungsvermögen der Verfahren begrenzt. Bei einer Dicke einer PET-Trägerfolie von ca. 75 &mgr;m, einer darauf im Siebdruckverfahren aufgebrachten Strukturschicht und einer gewünschten Tiefe der räumlichen Strukturierung von etwa 25 &mgr;m kann circa eine Mindestlinienbreite von 350 &mgr;m angesetzt werden.

Der Abstand zwischen zwei räumlichen Strukturen im fertig dekorierten Kunststoffartikel sollte ebenfalls in dieser Größenordnung liegen. Bei Verwendung dünnerer Trägerfolien oder amorphen Filmen, ungereckten Folien oder BOPP-Folien (biaxially-oriented Polypropylen), kann dieser Wert noch reduziert werden, um die Auflösung zu erhöhen.

Um als Dekorelement eingesetzt zu werden, umfasst die Übertragungslage der erfindungsgemäßen Transferfolie mindestens eine Schutzschicht und/oder eine Dekorschicht mit einem dekorativen Effekt. Ein solcher dekorativer Effekt kann dabei unter anderem durch eine zumindest partiell angeordnete, gegebenenfalls spiegelnd reflektierende Metallschicht und/oder eine zumindest partiell angeordnete Interferenzschicht und/oder eine zumindest partiell angeordnete Replizierschicht mit Reliefstrukturen wie makroskopischen Reliefstrukturen, diffraktiven Strukturen oder Hologrammen und/oder eine zumindest partiell angeordnete Farbschicht und/oder eine zumindest partiell angeordnete pigmentierte Schicht erzeugt werden, die fluoreszierende, phosphoreszierende, thermochrome oder photochrome Pigmente oder Pigmente mit blickwinkelabhängigen Farbwechseleffekten aufweist.

Wird ein geeignetes Material für die Transferfolie gewählt, das sich leicht von der Übertragungslage lösen lässt, kann auf eine zusätzliche Ablöseschicht verzichtet werden, da dann bereits eine Oberfläche der Trägerfolie die Ablöseschicht bildet.

Das Heißprägen gemäß dem zweiten erfindungsgemäßen Verfahren erfolgt vorzugsweise durch Abrollen beheizter Walzen auf der Transferfolie oder im Hubverfahren mittels beheizter Flächen- oder Formstempel.

Bildet der beim Heißpressen eingesetzte Kunststoffartikel eine Folienbahn, so hat es sich bewährt, wenn die mit der Übertragungslage dekorierte Folienbahn mittels Tiefziehen oder Stanzen zu einem Halbzeug weiterverarbeitet wird. Das Halbzeug kann schließlich in eine Spritzgussform eingelegt und zumindest auf einer seiner beiden Seiten mit einer Kunststoffspritzmasse bespritzt werden. Ein derartiges Verfahren wird üblicherweise als Insert-Molding-Verfahren bezeichnet.

Generell hat es sich bewährt, wenn zumindest die in den erfindungsgemäßen Verfahren erzeugte räumliche Strukturierung in einem nachfolgenden Spritzgussprozess mit einer Kunststoffspritzmasse überspritzt wird, so dass sich spezielle optische Tiefeneffekte ergeben.

Die Verwendung einer erfindungsgemäßen Transferfolie zur Herstellung eines mit einer Übertragungslage dekorierten Kunststoffartikels, der im Bereich der Übertragungslage eine räumliche Strukturierung aufweist, ist ideal. Derartige dekorierte Kunststoffartikel werden bevorzugt als Dekorbauelemente für den Innen- oder Außenbereich eines Kraftfahrzeugs, für Haushaltsgeräte, Radios, Fernsehgeräte, Monitore, PCs oder (Mobilfunk-)Telefone verwendet. Unzählige weitere Anwendungsmöglichkeiten sind denkbar.

Die 1 bis 4 sollen die Erfindung beispielhaft erläutern. So zeigt:

1a eine handelsübliche Transferfolie im Querschnitt,

1b eine erfindungsgemäße Transferfolie im Querschnitt,

2a bis 2c ein Ablaufschema zum ersten erfindungsgemäßen Verfahren,

3 einen gemäß einem ersten erfindungsgemäßen Verfahren dekorierten Spritzgussartikel, und

4 einen weiteren gemäß einem zweiten erfindungsgemäßen Verfahren dekorierten Spritzgussartikel.

1a zeigt eine handelsübliche IMD-fähige (IMD = Inmold decoration) Transferfolie im Querschnitt, wie sie häufig für Inmold-Dekorationsverfahren eingesetzt wird. Die Transferfolie weist eine Trägerfolie 1, eine Ablöseschicht 2, eine transparente Schutzlackschicht 3, mindestens eine Dekorschicht 4, eine Hinterlegungsschicht 5 sowie eine Grundierungs- oder Kleberschicht 6 auf. Die Ablöseschicht 2, die transparente Schutzlackschicht 3, die mindestens eine Dekorschicht 4, die Hinterlegungsschicht 5 sowie die Grundierungs- oder Kleberschicht 6 können auf der Trägerfolie 1 mittels eines Druck- oder Gießverfahrens aufgebracht sein. Die Trägerfolie 1 und die Ablöseschicht 2 bilden ein erstes Schichtsystem 8, das nach dem Aufbringen der aus der transparenten Schutzlackschicht 3, der mindestens einen Dekorschicht 4, der Hinterlegungsschicht 5 sowie der Grundierungs- oder Kleberschicht 6 gebildeten Übertragungslage 7 auf einen zu dekorierenden Grundkörper von der Übertragungslage 7 abgezogen wird. Dies erfolgt erst zu einem Zeitpunkt, da die Grundierungs- oder Kleberschicht 6 bereits mechanisch fest mit dem Grundkörper verbunden ist.

1b zeigt eine erfindungsgemäße Transferfolie 10 im Querschnitt. Die Transferfolie 10 weist zusätzlich zu der in 1a dargestellten, handelsüblichen Transferfolie eine Strukturschicht 9 auf, die partiell auf der Trägerfolie 1 mit einer Schichtdicke von mindestens 20 &mgr;m angeordnet ist. Die Strukturschicht 9 wird aus einem Strukturierungslack mit einem hohen Festkörpergehalt gebildet, der eine Glasübergangstemperatur Tg oberhalb von 200°C aufweist.

Hier wird als Strukturierungslack zur Bildung der Strukturschicht 9 in Tiefdrucktechnik folgende, melaminvernetzende Zusammensetzung verwendet: 8 Teile Ethanol 8 Teile Isopropanol 10 Teile Toluol 3 Teile Methylethylketon 26 Teile Hexamethoxymethylmelamin 30 Teile Lösung eines hydroxy-funktionalisierten Polymethylmethacrylates (60%) in Xylol 7 Teile Pigmentruss 2 Teile hochmolekulares Dispergieradditiv 6 Teile p-Toluolsulfonsäure

Alternativ kann als Strukturierungslack zur Bildung der Strukturschicht 9 in Siebdrucktechnik folgende, UV-härtende Zusammensetzung verwendet werden: 25 Teile Hexandioldiacrylat HDDA 35 Teile Oligomer eines aliphatischen Urethanacrylates 30 Teile acryliertes Oligoaminharz 4 Teile Photoinitiator Typ 1 (z. B. Irgacure® 1000) 6 Teile Pigment Rot 122

Außerdem kann folgender, vernetzender Strukturierungslack eingesetzt werden: 10 Teile Ethanol 8 Teile Isopropanol 5 Teile Methylethylketon 8 Teile Toluol 20 Teile Hexamethylmethylmelamin 27 Teile Lösung eines hydroxy-funktionalisierten Polymethylmethacrylates (60%) in Xylol 15 Teile pyrogene Kieselsäure 7 Teile p-Toluolsulfonsäure

Weiterhin kann folgender, nicht vernetzender, mit einem anorganischen Füllmittel hochgefüllter Strukturierungslack eingesetzt werden: 30 Teile Methylethylketon 10 Teile Butylacetat 10 Teile Cyclohexanon 8 Teile Polymethylmethacrylat (MG 60000 g/mol) 4 Teile Polyvinylchlorid-Mischpolymerisat mit einem Vinylchlorid-Gehalt von 80 bis 95% 3 Teile hochmolekulares Dispergieradditiv 35 Teile Titandioxid

Ein Strukturierungslack gemäß obigen Zusammensetzungen weist eine gute Haftung zu einer Trägerfolie 1 aus PET auf und ist so flexibel, dass die gegebenenfalls bei der Verarbeitung der Transferfolie auftretenden Verformungen der Trägerfolie 1 ohne ein Abplatzen oder Einreißen überstanden werden. Eine besonders geeignete Trägerfolie zur Durchführung der erfindungsgemäßen Verfahren weist dabei eine Reißdehnung im Bereich von etwa 110 bis 135 %, eine Zugfestigkeit im Bereich von etwa 27 bis 31 kpsi und einen E-Modul im Bereich von etwa 500 kpsi auf.

Der Strukturierungslack wird partiell in Form eines Musters gebildet, wobei eine Schichtdicke der ausgehärteten Strukturschicht im Bereich von 9 von 35 &mgr;m erzeugt wird.

Bei der Ablöseschicht 2 kann es sich hierbei aber auch um eine Funktionsschicht der Übertragungslage 7 handeln, die ein Ablösen der Übertragungslage 7 von der Trägerfolie 1 ermöglicht. Beispielsweise kann so die Schutzlackschicht 3 gleichzeitig die Funktion einer Ablöseschicht erbringen und so als Ablöseschicht dienen. Es ist aber genauso möglich, dass eine geeignete Trägerfolie 1 oberflächlich die Funktion einer Ablöseschicht bereitstellt und somit keine separate Ablöseschicht zwischen Trägerfolie 1 und Übertragungslage 7 erforderlich ist

2a zeigt nun schematisch, wie die Transferfolie 10 in einem Inmold-Dekorationsverfahren eingesetzt wird. Es ist schematisch ein Ausschnitt aus einer Spritzgussform 20 dargestellt, an deren starrer Innenwandung die Transferfolie 10 angelegt wird, wobei die Strukturschicht 9 beziehungsweise die Trägerfolie 1 zur Spritzgussform 20 in Kontakt steht. Nach einem Schließen der Spritzgussform 20 wird eine Kunststoffspritzmasse, symbolisiert durch den dargestellten Pfeil, in die Spritzgussform 20 gespritzt und die Spritzgussform 20 damit gefüllt. Dabei wird die Transferfolie 10 gegen die Spritzgussform 20 gedrückt.

In 2b ist erkennbar, dass die Kunststoffspritzmasse die Transferfolie 10 derart gegen die Spritzgussform 20 drückt, dass die Bereiche der Transferfolie 10, die keine Strukturschicht 9 aufweisen, in Richtung der Spritzgussform 20 gedrückt werden, so dass diese Bereiche in direkten Kontakt zur Spritzgussform 20 gelangen. Die Bereiche der Transferfolie 10, die mit der Strukturschicht 9 versehen sind, verbleiben dagegen im wesentlichen in ihrer Position. Die Strukturschicht 9 wirkt als Abstandshalter zwischen der starren Innenwandung der Spritzgussform 20 und der Transferfolie 10, nachdem die Strukturschicht 9 dem Spritzdruck und den Spritztemperaturen standhält, was bedeutet, dass die Strukturschicht 9 keine oder nur eine sehr geringe Deformation erfährt. Die Transferfolie 10 weist in Abhängigkeit von der Ausbildung der Strukturschicht 9 einen wellenförmigen Verlauf auf. Nach Aushärtung der Kunststoffspritzmasse zu einem ersten Kunststoffmaterial 11 beziehungsweise Abkühlung der Kunststoffspritzmasse wird die Spritzgussform 20 geöffnet und der mit der als Dekorelement ausgebildeten Übertragungslage 7 der Transferfolie 10 fest verbundene Spritzgussartikel 13 entnommen.

2c zeigt den Entformungsschritt, bei dem gleichzeitig das erste Schichtsystem 8, bestehend aus der Trägerfolie 1 und der Ablöseschicht 2, inklusive der Strukturschicht 9 von der Übertragungslage 7 abgezogen wird. Der mit der als Dekorelement ausgebildeten Übertragungslage 7 dekorierte Spritzgussartikel 13 weist eine räumliche Strukturierung 12 im Bereich des Dekorelements auf, wobei in den Bereichen, in denen keine Strukturschicht 9 vorhanden war, Erhebungen ausgebildet sind und in den Bereichen, in denen die Strukturschicht 9 angeordnet war, Täler ausgebildet sind. Bei Verwendung einer Trägerfolie 1 aus PET mit einer Dicke von 75 &mgr;m und einer Strukturschicht 9 von 35 &mgr;m Dicke beträgt die hier erzeugte Profiltiefe der räumlichen Strukturierung 12 am dekorierten Spritzgussartikel 13 etwa 25 &mgr;m. Wie aus 2c zu ersehen ist, ist die räumliche Strukturierung 12 des dekorierten Spritzgussartikels 13 etwa um die doppelte Dicke der Trägerfolie 1 breiter als die Breite der Strukturschicht 9, was zusammen mit der maximalen Reißdehnung der Transferfolie und der Druckauflösung das Auflösungsvermögen des Verfahrens begrenzt. Bei einer Dicke der Trägerfolie 1 von ca. 75 &mgr;m, einer darauf im Siebdruckverfahren aufgebrachten Strukturschicht 9 und einer gewünschten Tiefe der räumlichen Strukturierung von etwa 25 &mgr;m kann circa eine Mindestlinienbreite von 350 &mgr;m angesetzt werden. Der Abstand zwischen zwei räumlichen Strukturen in fertig dekorierten Kunststoffartikeln sollte ebenfalls in dieser Größenordnung liegen. Bei Verwendung dünnerer Trägerfolien kann dieser Wert noch reduziert werden.

3 zeigt einen weiteren, mit einer als Dekorelement ausgebildeten Übertragungslage 7 dekorierten Kunststoffartikel 14 im Querschnitt, der einen als Folienbahn ausgebildeten Kunststoffkörper 11'' aufweist. Die Sichtfläche des dekorierten Kunststoffartikels 14 weist eine räumliche Strukturierung 12'' auf. Die räumliche Strukturierung 12'' wurde gebildet, indem eine Transferfolie 10 gemäß 1b mit ihrer Grundierungs- oder Kleberschicht 6 auf die Folienbahn gelegt und heißgeprägt wurde. Mittels beheizter Prägewalzen, die eine starre, glatte Oberfläche aufweisen, wird die Transferfolie 10 auf die Folienbahn und gegen eine starre Gegendruckfläche gedrückt, wobei ein fester Verbund zwischen der als Dekorelement ausgestalteten Übertragungslage 7 der Transferfolie 10 und der Folienbahn hergestellt wird. Die Strukturschicht 9 der Transferfolie 10 bewirkt beim Heißprägen, dass die räumliche Strukturierung 12'', im Prinzip wie beim in den 2a bis 2c gezeigten Spritzgießen, ausgebildet wird. Hier liegt die räumliche Strukturierung 12'' lediglich im Dekorelement beziehungsweise der Übertragungslage 7 vor, sie kann sich je nach gewähltem Material für Prägewerkzeug und Gegendruckfläche, wie oben bereits ausgeführt, aber auch in die Folienbahn fortsetzen oder nur die Folienbahn betreffen. Die erzielte Strukturierung kann weiterhin beispielsweise in einem nachfolgenden Spritzgussprozess mit einem transparenten Spritzgussmaterial überspritzt werden, um spezielle Tiefeneffekte zu erzielen. Bei Verwendung einer transparenten Folienbahn kann auch die dem Dekorelement gegenüberliegende Seite der Folienbahn als Sichtfläche, also einem Betrachter zugewendet, eingesetzt werden, falls eine Strukturierung an der Grenzfläche Dekorelement – Folienbahn erzeugt wurde.

4 zeigt einen weiteren, mit einer als Dekorelement ausgebildeten Übertragungslage 7'' dekorierten Spritzgussartikel 15 im Querschnitt, der einen transparenten Kunststoffkörper 11'' aus PMMA aufweist. Die Sichtfläche des dekorierten Kunststoffartikels 15 ist glatt, während im Spritzgussartikel 15 eine räumliche Strukturierung 12'' vorhanden ist. Die räumliche Strukturierung 12'' wurde gebildet, indem eine handelsübliche Transferfolie gemäß 1a auf ihrer Grundierungs- oder Kleberschicht 6 mit einer partiell angeordneten Strukturschicht 9'' bedruckt wurde. Die so modifizierte Transferfolie wird in einem Inmold-Dekorationsverfahren, analog zu 2a bis 2c, eingesetzt. Allerdings liegt nun die Trägerfolie 1 glatt an der Spritzgussform an und die Strukturschicht 9' zeigt zur Spritzgussmasse. Nach einem Schließen der Spritzgussform wird die Kunststoffspritzmasse in die Spritzgussform gespritzt und die Spritzgussform damit gefüllt. Dabei wird die Transferfolie gegen die Spritzgussform gedrückt. Die Transferfolie inklusive der Strukturschicht 9' verbleibt im wesentlichen in ihrer Position, während die Kunststoffspritzmasse die Grundierungs- oder Kleberschicht sowie die Strukturschicht 9' umfließt. Die Strukturschicht 9'' bewirkt in Abhängigkeit von der Ausbildung der Strukturschicht 9'' einen wellenförmigen Verlauf der Oberfläche des Kunststoffkörpers 11'', die mit der Übertragungslage 7'' und der Strukturschicht 9'' in Kontakt steht. Nach Aushärtung beziehungsweise Abkühlung der Kunststoffspritzmasse 11'' wird die Spritzgussform geöffnet und der mit der als Dekorelement ausgebildeten Übertragungslage 7'' der Transferfolie fest verbundene Spritzgussartikel 15 entnommen. Das erste Schichtsystem, bestehend aus der Trägerfolie und der Ablöseschicht, wird von der Übertragungslage 7'' abgezogen. Der mit der als Dekorelement ausgebildeten Übertragungslage 7'' dekorierte Spritzgussartikel 15 weist eine lediglich sichtbare, jedoch haptisch nicht erfassbare räumliche Strukturierung 12'' im Bereich des Dekorelements beziehungsweise der Übertragungslage 7'' auf. Die Strukturschicht 9'' verbleibt im dekorierten Spritzgussartikel 15 unter der Übertragungslage 7'' eingeschlossen. Um eine ausreichende Haftung zwischen der Grundierungs- oder Kleberschicht der Übertragungslage und der Kunststoffspritzmasse 11'' zu gewährleisten, ist auf eine ausreichend große Fläche an Grundierungs- oder Kleberschicht zu achten, die von der Strukturschicht 9'' nicht bedeckt ist und direkt mit der Kunststoffspritzmasse 11'' in Kontakt tritt.

Durch eine geschickte Auswahl an Durchsichtigkeit und Farbe für die zu dekorierenden Kunststoffartikel in Kombination zu den von der mindestens einen Dekorschicht der Übertragungslage bereitgestellten Dekoren sind optisch eindrucksvolle Effekte erzielbar. So können durch transparente Bereiche in der Übertragungslage hindurch Einfärbungen der Kunststoffartikel erkannt werden. Eine Überlagerung der erzeugten räumlichen Struktur im Bereich des Dekorelements mit Reliefstrukturen wie diffraktiven Strukturen oder Hologrammen in der mindestens einen Dekorschicht kann weitere optische Effekte erzielen. Besonders eindrucksvoll erscheinen räumliche Strukturen, die registerhaltig zu mindestens einem Dekor einer Dekorschicht angeordnet sind.

Es erschließen sich dem Fachmann in nicht erfinderischer Weise ohne weiteres diverse weitere Gestaltungsmöglichkeiten, die vom Erfindungsgedanken umfasst sind.


Anspruch[de]
  1. Transferfolie (10) umfassend eine Trägerfolie (1) mit einer ersten Seite und einer zweiten Seite, wobei auf der ersten Seite der Trägerfolie (1) eine Ablöseschicht (2) und auf der, der Trägerfolie (1) abgewandten Seite der Ablöseschicht (2) eine Übertragungslage (7) angeordnet ist, dadurch gekennzeichnet, dass entweder auf der zweiten Seite der Trägerfolie (1) oder auf der, der zweiten Seite der Trägerfolie (1) gegenüber liegenden Seite der Transferfolie (10) partiell eine Strukturschicht (9, 9') mit einer Schichtdicke von mindestens 9 &mgr;m aus einem Strukturierungslack angeordnet ist, dessen Druckfestigkeit mindestens bis zu einer Temperatur von 200°C im wesentlichen konstant ist und eine Formstabilität des Strukturierungslacks im wesentlichen gewährleistet.
  2. Transferfolie nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Strukturierungslack einen Duroplasten oder einen Thermoplasten mit einer Glasübergangstemperatur Tg oberhalb von 200°C aufweist.
  3. Transferfolie nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Strukturierungslack aus einem mit einem Füllstoff gefüllten Lacksystem gebildet ist.
  4. Transferfolie nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass der Strukturierungslack ein strahlungshärtbarer, ein ESH-härtbarer, ein Epoxy-härtbarer, ein Isocyanat-härtbarer oder säurehärtbarer Lack ist.
  5. Transferfolie nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass der Strukturierungslack einen Festkörpergehalt von mindestens 40 %, vorzugsweise von 100 % aufweist.
  6. Transferfolie nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Strukturschicht (9) auf der zweiten Seite der Trägerfolie (1) angeordnet ist und dass der Strukturierungslack unterschiedlich zur Trägerfolie (1) eingefärbt ist.
  7. Transferfolie nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Strukturschicht (9'') auf der, der zweiten Seite der Trägerfolie (1) gegenüber liegend angeordneten Seite der Transferfolie (10) angeordnet ist und dass der Strukturierungslack farblos oder eingefärbt ist.
  8. Transferfolie nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Strukturschicht (9, 9') in Form eines regelmäßigen oder unregelmäßigen Musters und/oder in Form von alphanumerischen Zeichen und/oder in Form von bildlichen Darstellungen auf der Trägerfolie (1) gebildet ist.
  9. Transferfolie nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Strukturschicht (9, 9'') ein Positiv oder ein Negativ für das Muster, das alphanumerische Zeichen oder die bildliche Darstellung ausbildet.
  10. Transferfolie nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Trägerfolie (1) eine Dicke im Bereich von 12 bis 100 &mgr;m aufweist.
  11. Transferfolie nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Übertragungslage (7) als Dekorelement ausgebildet ist und mindestens eine Schutzschicht (3) und/oder eine Dekorschicht (4) mit einem dekorativen Effekt umfasst.
  12. Transferfolie nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass der dekorative Effekt durch eine zumindest partiell angeordnete, gegebenenfalls spiegelnd reflektierende Metallschicht und/oder eine zumindest partiell angeordnete Interferenzschicht und/oder eine zumindest partiell angeordnete Replizierschicht mit Reliefstrukturen wie makroskopischen Reliefstrukturen, diffraktiven Strukturen oder Hologrammen und/oder eine zumindest partiell angeordnete Farbschicht und/oder eine zumindest partiell angeordnete pigmentierte Schicht erzeugt ist, die fluoreszierende, phosphoreszierende, thermochrome oder photochrome Pigmente oder Pigmente mit blickwinkelabhängigen Farbwechseleffekten aufweist.
  13. Transferfolie nach Anspruch 11 oder 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Strukturschicht (9, 9'') registerhaltig zu mindestens einem Dekor mindestens einer Dekorschicht (4) angeordnet ist.
  14. Transferfolie nach einem der Ansprüche 1 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass eine Oberfläche der Trägerfolie (1) die Ablöseschicht (2) bildet.
  15. Verfahren zur Herstellung eines mit einer Übertragungslage (7, 7'') einer Transferfolie (10) dekorierten Spritzgussartikels (13, 15), der im Bereich der Übertragungslage (7, 7'') eine räumliche Strukturierung (12, 12'') aufweist, mit folgenden Schritten:

    – Anordnen der Transferfolie (10) nach einem der Ansprüche 1 bis 14 in einer Spritzgussform (20) derart, dass die Trägerfolie (1) an einer Innenwandung der Spritzgussform (20) anliegt,

    – Hinterspritzen der Transferfolie (10) mit einer Kunststoffspritzmasse,

    – Aushärten der Kunststoffspritzmasse zu einem ersten Kunststoffmaterial (11, 11''),

    – Entfernen des ersten Kunststoffmaterials (11; 11") inklusive der damit fest verbundenen Transferfolie (10) aus der Spritzgussform (20), und

    – Abziehen der Trägerfolie (1) von der Übertragungslage (7, 7'') der Transferfolie (10).
  16. Verfahren zur Herstellung eines mit einer Übertragungslage (7) einer Transferfolie (10) dekorierten, thermoplastischen Kunststoffartikels (14), der im Bereich der Übertragungslage (7) eine räumliche Strukturierung (12'') aufweist, mittels Heißprägen,

    gekennzeichnet durch folgende Schritte:

    – Anordnen einer Transferfolie (10) nach einem der Ansprüche 1 bis 14 auf dem Kunststoffartikel (14) derart, dass die Trägerfolie (1) dem Kunststoffartikel (14) abgewandt ist,

    – Heißprägen der Transferfolie (10) auf den Kunststoffartikel (14), und

    – Abziehen der Trägerfolie (1) von der Übertragungslage (7) der Transferfolie (10).
  17. Verfahren nach Anspruch 16, dadurch gekennzeichnet, dass das Heißprägen durch Abrollen beheizter Walzen auf der Transferfolie (10) oder im Hubverfahren mittels beheizter Flächen- oder Formstempel erfolgt.
  18. Verfahren nach einem der Ansprüche 16 oder 17, dadurch gekennzeichnet, dass der Kunststoffartikel (14) als Folienbahn ausgebildet ist und dass die mit der Übertragungslage (7) dekorierte Folienbahn mittels Tiefziehen oder Stanzen zu einem Halbzeug verarbeitet wird.
  19. Verfahren nach Anspruch 18, dadurch gekennzeichnet, dass das Halbzeug in eine Spritzgussform eingelegt und zumindest auf einer seiner beiden Seiten mit einer Kunststoffspritzmasse bespritzt wird.
  20. Verfahren nach einem der Ansprüche 15 bis 17, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest die räumliche Strukturierung (12, 12'') in einem nachfolgenden Spritzgussprozess mit einer Kunststoffspritzmasse überspritzt wird.
  21. Verwendung einer Transferfolie nach einem der Ansprüche 1 bis 14 zur Herstellung eines mit der Übertragungslage (7, 7'') dekorierten Spritzgussartikels (13, 15) oder Kunststoffartikels (14), der im Bereich der Übertragungslage (7, 7'') eine räumliche Strukturierung (12, 12', 12'') aufweist.
  22. Verwendung nach Anspruch 21, wobei der dekorierte Spritzgussartikel (13, 15) oder Kunststoffartikel (14) ein Dekorbauelement für einen Innen- oder Außenbereich eines Kraftfahrzeugs, ein Haushaltsgerät, ein Radio, ein Fernsehgerät, einen Monitor, einen PC oder ein Telefon ist.
Es folgen 4 Blatt Zeichnungen






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