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Dokumentenidentifikation DE102004048876A1 30.03.2006
Titel Halogenfreie flammgeschützte thermoplastische Formmassen auf Basis von Polyamid mit erhöhter Glühdrahtbeständigkeit
Anmelder Bayer AG, 51373 Leverkusen, DE
Erfinder Endtner, Jochen, Dipl.-Chem. Dr., 51065 Köln, DE;
Joachimi, Detlev, Dipl.-Chem. Dr., 47800 Krefeld, DE;
Wieder, Richard, Dipl.-Chem. Dr., 51381 Leverkusen, DE
DE-Anmeldedatum 07.10.2004
DE-Aktenzeichen 102004048876
Offenlegungstag 30.03.2006
Veröffentlichungstag im Patentblatt 30.03.2006
IPC-Hauptklasse C08L 77/00(2006.01)A, F, I, 20051017, B, H, DE
IPC-Nebenklasse C08K 5/5313(2006.01)A, L, I, 20051017, B, H, DE   C08K 5/3492(2006.01)A, L, I, 20051017, B, H, DE   C08J 5/10(2006.01)A, L, I, 20051017, B, H, DE   
Zusammenfassung Die vorliegende Erfindung betrifft thermoplastische Formmassen, enthaltend unverzweigtes, thermoplastisches Polyamid, ein Phosphin- oder Diphosphinsäuresalz, eine stickstoffhaltige Flammschutzmittelkombination sowie mindestens eine sauerstoffhaltige, stickstoffhaltige oder schwefelhaltige Metallverbindung, sowie die Herstellung und die Verwendung der erfindungsgemäßen Formmassen zur Herstellung von Fasern, Folien und Formkörpern jeglicher Art.

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung betrifft thermoplastische Formmassen enthaltend unverzweigtes, thermoplastisches Polyamid, ein Phosphin- oder Diphosphinsäuresalz, eine stickstoffhaltige Flammschutzmittelkombination sowie mindestens eine sauerstoffhaltige, stickstoffhaltige oder schwefelhaltige Metallverbindung sowie die Herstellung und die Verwendung der erfindungsgemäßen Formmassen zur Herstellung von Fasern Folien und Formkörpern jeglicher Art.

Aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung sind viele Kunststoffe leicht brennbar. Um die von Kunststoffverarbeitern und teilweise vom Gesetzgeber geforderten hohen Flammschutzanforderungen erreichen zu können, müssen Kunststoffe daher in der Regel mit Flammschutzmitteln ausgerüstet werden. Hierzu sind eine Vielzahl unterschiedlicher Flammschutzmittel und Flammschutzmittelsynergisten bekannt und auch kommerziell erhältlich. Aufgrund der vorteilhafteren Brandnebenerscheinungen bezüglich Rauchgasdichte und Rauchgaszusammensetzung sowie aus ökologischen Gründen werden nicht-halogenierte Flammschutzmittelsysteme seit einiger Zeit bevorzugt eingesetzt.

Unter den nicht-halogenierten Flammschutzmitteln haben sich insbesondere für thermoplastische Polymere die Salze von Phosphinsäuren (Phosphinate) als besonders wirksam erwiesen (DE-A-2 252 258 und DE-A-2 447 727). Dabei werden einige Derivate dieser Flammschutzmittelklasse insbesondere aufgrund ihres geringen negativen Einflusses auf die mechanischen Eigenschaften der thermoplastischen Formmassen geschätzt.

Darüber hinaus wurden synergistische Kombinationen von Phosphinaten mit bestimmten stickstoffhaltigen Verbindungen, insbesondere mit Melaminderivaten, gefunden, die in einer ganzen Reihe von Polymeren als Flammschutzmittel effektiver wirken, als die Phosphinate allein (WO-A 2002/28953, WO-A 97/01664 sowie DE-A-197 34 437 und DE-A-197 37 727).

Ferner wurde gefunden, dass die Flammschutzwirkung der verschiedenen Phosphinate in thermoplastischen Polymeren auch durch Zusätze kleiner Mengen anorganischer bzw. mineralischer Verbindungen, die keinen Stickstoff enthalten, deutlich verbessert werden kann und dass die genannten Zusätze auch die Flammschutzwirkung von Phosphinaten in Kombination mit stickstoffhaltigen Synergisten verbessern können (EP-A 024 167, WO-A 2004/016684)).

Bei der Verwendung von phosphinathaltigen Flammschutzmittelsystemen kam es insbesondere bei Verarbeitungstemperaturen oberhalb 300°C anfänglich zu partiellem Polymerabbau, zu Verfärbungen des Polymers und zur Qualmentwicklung bei der Verarbeitung. Diese Schwierigkeiten ließen sich jedoch durch Zusatz von basischen oder amphoteren Oxiden, Hydroxiden, Carbonaten, Silikaten, Boraten oder Stannaten eindämmen (WO-A 2004/022640).

Als besonders problematisch gilt aber nach wie vor das Verhalten der mit phosphinathaltigen Flammschutzmittelsystemen ausgerüsteten thermoplastischen Formmassen hinsichtlich ihrer Glühdrahtbeständigkeit nach IEC 60695-2, insbesondere der Glühdrahtentzündlichkeitsprüfung nach IEC 60695-2-13 („GWIT-Prüfung"), bei dem sich die plattenförmige Formmasse während des Kontaktes mit einem glühenden Draht nicht entzünden darf, wobei „Entzündung" hier als eine Flammenerscheinung ≥ 5s definiert wurde. Diese GWIT-Prüfung ist auch ein wesentlicher Bestandteil der IEC60335-1, in der für bestimmte strom- und spannungsführende Bauteile in unbeaufsichtigten Haushaltsgeräten, Materialien mit einer GWIT-Klassifizierung von mindestens 775°C gefordert werden. Als besonders anspruchsvoll innerhalb der IEC60335-1 gilt die optionale, aber von vielen Anwendern geforderte Glühdrahtentzündlichkeitsprüfung am Fertigteil, bei der während des Bauteilkontaktes mit einem 750°C heißen Glühdraht allenfalls eine Flammenerscheinung von maximal 2s zulässig ist. Aufgrund der vielfältigen Geometrien und Konstruktionsweisen dieser Fertigteile kann aber nur dann von einer hohen Erfolgswahrscheinlichkeit bei der Fertigteilprüfung nach IEC 60335-1 ausgegangen werden, wenn die zugrunde liegende thermoplastische Formmasse auch in der GWIT-Prüfung an der Platte (IEC60695-2-13) bei Glühdrahttemperaturen von mindestens 750°C und unterschiedlichen Wandstärken reproduzierbar keine Entzündung mit Flammenentwicklung > 2s zeigen.

Es war daher Aufgabe der vorliegenden Erfindung, halogenfreie, flammgeschützte, thermoplastische Polyamid-Formmassen auf Basis phosphinathaltiger Flammschutzsysteme zur Verfügung zu stellen, die bei der GWIT-Prüfung nach IEC 60695-2-13 bei einer Glühdrahttemperatur von mindestens 750°C auch bei verschiedenen Wandstärken reproduzierbar keine Entzündung [keine Flammenentwicklung > 2 s] zeigen.

Weiterhin war es Aufgabe der vorliegenden Erfindung, dass das von den phosphinathaltigen flammgeschützten Polyamid-Formmassen bekannte ausgeglichene Eigenschaftsprofil hinsichtlich thermischer und elektrischer Eigenschaften, sowie hinsichtlich Flammschutz (UL94 V0 ab 0,8mm) und Mechanik (Schlagzähigkeit nach IZOD ISO 180 l/U > 45kJ/m2 und Festigkeit größer als 200 MPa) auch bei verbesserter Glühdrahtbeständigkeit weitestgehend erhalten bleiben.

Es wurde nun überraschend gefunden, dass die Glühdrahtbeständigkeit nach IEC 60695-2-13 (GWIT) in phosphinathaltigen flammgeschützten thermoplastischen Polyamiden deutlich verbessert werden kann, wenn die Formmasse zusätzlich zu den Phosphinaten eine spezielle Kombination aus mindestens zwei verschiedenen stickstoffhaltigen Flammschutzmitteln sowie mindestens einer sauerstoff-, stickstoff- oder schwefelhaltigen Metallverbindung der zweiten Haupt- oder Nebengruppe enthält. Bei dieser speziellen Kombination bleibt auch das ausgeglichene Eigenschaftsprofil hinsichtlich elektrischer, thermischer und mechanischer weitestgehend erhalten.

Gegenstand der Erfindung ist somit eine thermoplastische Formmasse, enthaltend

  • A) 20 bis 97 Gew.-% eines unverzweigten thermoplastischen Polyamids,
  • B) 1 bis 30 Gew.-%, bevorzugt 1 bis 20 Gew.-%, besonders bevorzugt 5 bis 15 Gew.-%, der Gesamtzusammensetzung eines oder mehrerer Phosphinsäuresalze der Formel (I) und/oder eines oder mehrerer Diphosphinsäuresalze der Formel (II) und/oder deren Polymere,
    worin

    R1, R2 gleich oder verschieden sind und für Wasserstoff und/oder lineares oder verzweigtes C1-C6-Alkyl, und/oder für Aryl stehen;

    R3 für lineares oder verzweigtes C1-C10-Alkylen, C6-C10-Arylen oder für C1-C6-Alkylarylen oder Aryl-C1-C6-alkylen steht,

    M für Erdalkalimetalle, Alkalimetalle, Aluminium, Zink, Titan, Zirkon, Silizium, Zinn und/oder eine protonierte Stickstoffbase steht;

    m für 1 bis 4 steht;

    n für 1 bis 3 steht und

    x für 1 und 2 steht,

  • C) 1-40 Gew.-% einer stickstoffhaltigen Flammschutzmittelkombination aus

    C1) 0,1 bis 25 Gew.-%, bevorzugt 0,2 bis 10%, besonders bevorzugt 0,5 bis 5% bezogen auf 100 Gew.-% der Gesamtzusammensetzung Melamincyanurat und

    C2) mindestens 0,1 bis 25 Gew.-%, bevorzugt 1 bis 15 Gew.-%, besonders bevorzugt 2 bis 10 Gew.-% bezogen auf 100 Gew.-% der Gesamtzusammensetzung, eines weiteren stickstoffhaltigen Flammschutzmittels ungleich Melamincyanurat, bevorzugt Umsetzungsprodukte des Melamins mit Phosphorsäure oder kondensierten Phosphorsäuren bzw. Umsetzungsprodukte von Kondensationsprodukten des Melamins mit Phosphorsäure oder kondensierten Phosphorsäuren, besonders bevorzugt Melaminpolyphosphat, Melampolyphosphat, Melonpolyphosphat und Melempolyphosphat, ganz besonders bevorzugt Melaminpolyphosphat, und
  • D) 0,1 bis 10 Gew.-%, bevorzugt 0,5 bis 5 Gew.-% besonders bevorzugt 0,75 bis 3,5 Gew.-% mindestens einer sauerstoff-, stickstoff- oder schwefel-haltigen Metallverbindung, bevorzugt der zweiten Haupt- oder Nebengruppe, besonders bevorzugt Ca, Mg und Zn, ganz besonders bevorzugt Zinkborat und Zinksulfid.

In einer bevorzugten Ausführungsform können die thermoplastischen Formmassen zusätzlich zu den Komponenten A) bis D) noch E) 0,01 bis 5 Gew.-%, bevorzugt 0,05 bis 3 Gew.-%, besonders bevorzugt 0,1 bis 2 Gew.-% mindestens eines Gleit- und/oder Entformungsmittels.

In einer bevorzugten Ausführungsform können die thermoplastischen Formmassen zusätzlich zu den Komponenten A) bis E) oder anstelle von E) noch die Komponente F) 0,1 bis 60 Gew.-%, bevorzugt 1 bis 50 Gew.-%, besonders bevorzugt 10 bis 40 Gew.-% eines oder mehrerer Füll- und Verstärkungsstoffe enthalten.

In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform können die thermoplastischen Formmassen zusätzlich zu den Komponenten A) bis F) oder anstelle der Komponenten E) oder F) noch G) 0,01 bis 40 Gew.-%, bevorzugt 0,01 bis 20 Gew.-%, besonders bevorzugt 0,1 bis 15 Gew.-% jeweils bezogen auf die Gesamtzusammensetzung weitere Additive enthalten.

Die Summe der Anteile der Komponenten ergänzt sich jeweils zu 100 Gew.-%.

Überraschenderweise zeigen die thermoplastischen Formmassen enthaltend die Komponenten A), B), C1), C2) und D) die gemäß IEC 60695-2-13 erforderliche Glühdrahtbeständigkeit und liefern reproduzierbar keine Entzündung [keine Flammenentwicklung > 2s], wobei sie gleichzeitig das von phosphinathaltig flammgeschützten Polyamid-Formmassen bekannte ausgeglichene Eigenschaftsprofil beibehalten.

Unter thermoplastischen Polymeren werden laut Hans Domininghaus in „Die Kunststoffe und ihre Eigenschaften", 5. Auflage (1998), S. 14, Polymere verstanden, deren Molekülketten keine oder auch mehr oder weniger lange und in der Anzahl unterschiedliche Seitenverzweigungen aufweisen, die in der Wärme erweichen und nahezu beliebig formbar sind.

Als Komponente A) enthalten die Zusammensetzungen erfindungsgemäß mindestens ein unverzweigtes thermoplastisches Polyamid. Die erfindungsgemäßen Polyamide können nach verschiedenen Verfahren hergestellt und aus sehr unterschiedlichen Bausteinen synthetisiert werden und im speziellen Anwendungsfall allein oder in Kombination mit Verarbeitungshilfsmitteln, Stabilisatoren, polymeren Legierungspartnern (z.B. Elastomeren) oder auch Verstärkungsmaterialien (wie z.B. mineralischen Füllstoffen oder Glasfasern), zu Werkstoffen mit speziell eingestellten Eigenschaftskombinationen ausgerüstet werden. Geeignet sind auch Blends mit Anteilen von anderen Polymeren z.B. von Polyethylen, Polypropylen, ABS, wobei ggf. ein oder mehrere Kompatibilisatoren eingesetzt werden können. Die Eigenschaften der Polyamide lassen sich durch Zusatz von Elastomeren verbessern, z. B. im Hinblick auf die Schlagzähigkeit von z. B. verstärkten Polyamiden. Die Vielzahl der Kombinationsmöglichkeiten ermöglicht eine sehr große Zahl von Produkten mit unterschiedlichsten Eigenschaften.

Zur Herstellung von Polyamiden sind eine Vielzahl von Verfahrensweisen bekannt geworden, wobei je nach gewünschtem Endprodukt unterschiedliche Monomerbausteine, verschiedene Kettenregler zur Einstellung eines angestrebten Molekulargewichtes oder auch Monomere mit reaktiven Gruppen für später beabsichtigte Nachbehandlungen eingesetzt werden.

Die technisch relevanten Verfahren zur Herstellung von Polyamiden laufen meist über die Polykondensation in der Schmelze. In diesem Rahmen wird auch die hydrolytische Polymerisation von Lactamen als Polykondensation verstanden.

Bevorzugte Polyamide sind teilkristalline Polyamide, die ausgehend von Diaminen und Dicarbonsäuren und/oder Lactamen mit wenigstens 5 Ringgliedern oder entsprechenden Aminosäuren hergestellt werden können.

Als Edukte kommen aliphatische und/oder aromatische Dicarbonsäuren wie Adipinsäure, 2,2,4- und 2,4,4-Trimethyladipinsäure, Azelainsäure, Sebazinsäure, Isophthalsäure, Terephthalsäure, aliphatische und/oder aromatische Diamine wie z.B. Tetramethylendiamin, Hexamethylendiamin, 1,9-Nonandiamin, 2,2,4- und 2,4,4-Trimethylhexamethylendiamin, die isomeren Diamino-dicyclohexylmethane, Diaminodicyclohexylpropane, Bis-aminomethyl-cyclohexan, Phenylendiamine, Xylylendiamine, Aminocarbonsäuren wie z.B. Aminocapronsäure, bzw. die entsprechenden Lactame in Betracht. Copolyamide aus mehreren der genannten Monomeren sind eingeschlossen.

Besonders bevorzugt werden Caprolactame, ganz besonders bevorzugt wird &egr;-Caprolactam eingesetzt.

Besonders geeignet sind weiterhin die meisten auf PA6, PA66 und anderen aliphatischen oder/und aromatischen Polyamiden bzw. Copolyamiden basierenden Compounds, bei denen auf eine Polyamidgruppe in der Polymerkette 3 bis 11 Methylengruppen kommen.

Die erfindungsgemäß hergestellten Polyamide können auch im Gemisch mit anderen Polyamiden und/oder weiteren Polymeren eingesetzt werden.

Den Polyamiden können übliche Additive wie z.B. Entformungsmittel, Stabilisatoren und/oder Fließhilfsmittel bereits in der Schmelze zugemischt oder auf der Oberfläche aufgebracht werden.

Als Komponente B) enthalten die Zusammensetzungen erfindungsgemäß eines oder mehrere Phosphinsäuresalze der Formel (I) und/oder eines oder mehrere Diphosphinsäuresalze der Formel (II) und/oder deren Polymere, worin

R1, R2 gleich oder verschieden sind und für Wasserstoff und/oder lineares oder verzweigtes C1-C6-Alkyl und/oder für Aryl stehen,

R3 für lineares oder verzweigtes C1-C10-Alkylen, C6-C10-Arylen und/oder für C1-C6-Alkylarylen oder für Aryl-C1-C6-alkylen steht,

M für Erdalkalimetalle, Alkalimetalle, Aluminium, Zink, Titan, Zirkon, Silizium, Zinn und/oder eine protonierte Stickstoffbase steht,

m für 1 bis 4 steht,

n für 1 bis 3 steht und

x für 1 und 2 steht.

Bevorzugt steht M für Magnesium, Calcium, Aluminium und/oder Zink. Unter protonierten Stickstoffbasen werden bevorzugt die protonierten Basen von Ammoniak, 1,3,5-Triazinverbindungen und Triethanolamin, besonders bevorzugt Melamin verstanden. Bevorzugt sind R1, R2 gleich oder verschieden und bedeuten C1-C6-Alkyl, linear oder verzweigt und/oder Phenyl. Besonders bevorzugt sind R1, R2 gleich oder verschieden und bedeuten Methyl, Ethyl, n-Propyl, iso-Propyl, n-Butyl, tert.-Butyl, n-Pentyl und/oder Phenyl. Bevorzugt bedeutet R3 Methylen, Ethylen, N-Propylen, iso-Propylen, n-Butylen, tert.-Butylen, n-Pentylen, n-Octylen, n-Dodecylen, Phenylen, Naphthylen, Methyl-phenylen, Ethylphenylen, tert.-Butylphenylen, Methylnaphthylen, Ethylnaphthylen, tert.-Butylnaphthylen, Phenylmethylen, Phenylethylen, Phenylpropylen oder Phenylbutylen. Besonders bevorzugt bedeutet R3 Phenylen oder Naphthylen. Geeignete Phosphinate sind in der WO-A 97/39053 beschrieben, deren Inhalt in Bezug auf die Phosphinate von der vorliegenden Anmeldung mit umfasst wird. Besonders bevorzugte Phosphinate im Sinne der vorliegenden Erfindung sind Aluminium-, Calcium- und Zinksalze des Dimethylphosphinats, des Ethylmethylphosphinats, des Diethylphosphinats und des Methyl-n-propylphosphinats sowie deren Mischungen.

Bevorzugt steht m für 2 und 3, besonders bevorzugt für 3

Bevorzugt steht n für 1 und 3, besonders bevorzugt für 3

Bevorzugt steht x für 1 und 2, besonders bevorzugt für 2

Im Folgenden werden mit dem Begriff Phosphinsäuresalz, wie er im Rahmen der vorliegenden Erfindung zu verstehen ist, sowohl Salze der Phosphinsäuren, als auch Salze der Diphosphinsäuren und deren Polymere beschrieben.

Diese Phosphinsäuren, die in wässrigem Medium hergestellt werden, sind im wesentlichen monomere Verbindungen. In Abhängigkeit von den Reaktionsbedingungen können unter Umständen auch polymere Phosphinsäuresalze entstehen.

Geeignete Phosphinsäuren als Bestandteil der Phosphinsäuresalze sind beispielsweise Dimethylphosphinsäure, Ethyl-methylphosphinsäure, Diethylphosphinsäure, Methyl-n-propylphosphinsäure oder Diphenylphosphinsäure.

Die Salze der Phosphinsäuren gemäß der vorliegenden Erfindung können nach bekannten Verfahren hergestellt werden, wie sie beispielsweise in der EP-A 0 699 708 beschrieben werden, deren Inhalt von der vorliegenden Anmeldung mit umfasst wird. Die Phosphinsäuren werden dabei in wässriger Lösung mit Metallcarbonaten, Metallhydroxiden oder Metalloxiden umgesetzt.

Als Komponente C) enthalten die erfindungsgemäßen Zusammensetzungen eine spezielle Kombination aus mindestens zwei verschiedenen stickstoffhaltigen Flammschutzmitteln, von denen die Komponente C1) Melamincyanurat ist, die zu einem Anteil von 0,1 bis 25 Gew.-%, bevorzugt 0,2 bis 10 Gew.-%, besonders bevorzugt 0,5 bis 5 Gew.-% – bezogen auf alle Komponenten der Formmasse – enthalten ist. Unter Melamincyanurat versteht man das Reaktionsprodukt aus vorzugsweise äquimolaren Mengen von Melamin und Cyanursäure bzw. Isocyanursäure. Hierzu zählen u.a. sämtliche handelsüblichen und kommerziell verfügbaren Produktqualitäten. Beispiele hierfür sind u.a. Melapur® MC 25 (Fa. CIBA Melapur, Basel, Schweiz) sowie Budit® 315 (Fa. Budenheim, Budenheim, Deutschland) oder Plastisan® B bzw. Plastisan® S (Fa. 3V, Bergamo, Italien). Das verwendete Melamincyanurat besteht aus Partikeln mit mittleren Teilchendurchmessern von 0,1 &mgr;m bis 100 &mgr;m, vorzugsweise von 0,1 &mgr;m bis 30 &mgr;m, besonders bevorzugt 0,1 &mgr;m bis 7 &mgr;m und kann oberflächenbehandelt bzw. mit bekannten Mitteln beschichtet sein. Hierzu zählen u.a. organische Verbindungen, die in monomerer, oligomerer und/oder polymerer Form auf das Melamincyanurat aufgebracht sein können. Beispielsweise können Beschichtungssysteme verwendet werden, die auf Silizium-haltigen Verbindungen wie organofunktionalisierten Silanen oder Organosiloxanen basieren. Beschichtungen mit anorganischen Komponenten sind ebenfalls möglich. Melamincyanurat wird üblicherweise aus den Ausgangsstoffen in wässrigem Medium bei Temperaturen zwischen 90 und 100°C erhalten.

Komponente C) enthält neben Melamincyanurat C1) mindestens eine weitere stickstoffhaltige, als Flammschutzmittel oder Flammschutzmittelsynergist wirksame Komponente C2), die verschieden von Melamincyanurat ist. Hierzu sind Melamin, Melaminborat, Melaminoxalat, Melaminphosphat prim., Melaminphosphat sec. und Melaminpyrophosphat sec., polymeres Melaminphosphat sowie Neopentylglycolborsäuremelamin geeignet. Ebenfalls geeignet sind Guanidinsalze wie Guanidincarbonat, Guanidincyanurat prim., Guanidinphosphat prim., Guanidinphosphat sec., Guanidinsulfat prim., Guanidinsulfat sec., Pentaerythritborsäureguanidin, Neopentylglycolborsäureguanidin, Harnstoffphosphat sowie Harnstoffcyanurat. Darüber hinaus können auch Amelin, Amelid sowie Kondensationsprodukte des Melamins wie z.B. Melem, Melam, Melon bzw. höherkondensierte Verbindungen dieses Typs Verwendung finden. Geeignet sind ebenfalls Ammoniumpolyphosphat und Tris(hydroxyethyl)isocyanurat oder dessen Umsetzungsprodukte mit Carbonsäuren, Benzoguanamin und dessen Addukte bzw. Salze sowie dessen am Stickstoff substituierten Produkte sowie deren Salze und Addukte. Als weitere stickstoffhaltige Komponenten kommen Allantoin-Verbindungen, sowie deren Salze mit Phosphorsäure, Borsäure oder Pyrophosphorsäure sowie Glycolurile oder deren Salze in Frage. Es können auch anorganische stickstoffhaltige Verbindungen wie z.B. Ammoniumsalze verwendet werden.

Bevorzugt handelt es sich bei der Komponente C2) um Umsetzungsprodukte des Melamins mit Phosphorsäure oder kondensierten Phosphorsäuren bzw. Umsetzungsprodukte von Kondensationsprodukten des Melamins mit Phosphorsäure oder kondensierten Phosphorsäuren sowie Gemische der genannten Produkte. Unter den Umsetzungsprodukten mit Phosphorsäuren versteht man Verbindungen, die durch Umsetzung von Melamin oder den kondensierten Melaminverbindungen Melam, Melem oder Melon etc., mit Phosphorsäure entstehen. Beispiele hierfür sind Dimelaminphosphat, Dimelaminpyrophosphat, Melaminphosphat, Melaminpyrophosphat, Melaminpolyphosphat, Melampolyphosphat, Melonpolyphosphat und Melempolyphosphat bzw. gemischte Polysalze, wie sie z.B. in der WO-A 98/39306 beschrieben sind. Besonders bevorzugt handelt es sich bei der Komponente C2) um Melaminpolyphosphat. Melaminpolyphosphat ist in diversen Produktqualitäten kommerziell verfügbar. Beispiele hierfür sind u.a. Melapur® 200/70 (Fa. CIBA Melapur, Basel, Schweiz) sowie Budit® 3141 (Fa. Budenheim, Budenheim, Deutschland).

Als Komponente D) enthalten die Zusammensetzungen erfindungsgemäß 0,1 bis 10 Gew.-%, bevorzugt 0,5 bis 5 Gew.-% besonders bevorzugt 0,75 bis 3,5 Gew.-% mindestens einer sauerstoffstickstoff- oder schwefelhaltigen Metallverbindung. Geeignet sind hierfür ZnO, insbesondere aktiviertes ZnO (z.B. Bayer AG, Leverkusen, Deutschland), ZnS, TiO2, MgCO3, CaCO3, Zinkborat, CaO, MgO, Mg(OH)2, TiN, Bornitrid, Mg3N2, Zn3N2, Zn3(PO4)2, Ca3(PO4)2, Calciumborat, Magnesiumborat oder deren Mischungen. Erfindungsgemäß bevorzugte Metalle sind Ca, Mg und Zn, besonders bevorzugt Zinkborat und Zinksulfid. Das Zinksulfid wird in der Regel als partikelförmiger Feststoff eingesetzt. Kommerziell erhältliche Produkte sind beispielsweise Sachtolith® HDS oder Sachtolith® HD (beide Fa. Sachtleben, Duisburg, Deutschland). Unter dem Begriff Zinkborat im Rahmen der vorliegenden Erfindung sollen Substanzen verstanden werden, die aus Zinkoxid und Borsäure zugänglich sind. Es sind verschiedene Hydrate der Zinkborate bekannt, z.B. ZnO·B2O3·2H2O und 2 ZnO·3 B2O3·3,5 H2O, wobei Verbindungen der beiden vorgenannten Zusammensetzungen bevorzugt sind. Beispiele für einsetzbare Zinkborate sind in Gmelin Syst.-Nr.32, Zn, 1924, S. 248, Erg.-Bd., 1956, S. 971-972, Kirk-Othmer (4.) 4, 407-408, 10, 942; Ullmann (5.) A 4, 276; Winnacker-Küchler (4.) 2, 556 beschrieben. Kommerziell verfügbare Zinkboratqualitäten sind u.a. die Produkte ZB-223, ZB-467 und ZB-Lite der Fa. Anzon Ltd. (London, England) oder Firebrake ZB der Fa. Deutsche Borax GmbH (Sulzbach, Deutschland).

Ebenso können die Komponenten D) als kompaktiertes Material sowie als Masterbatches in einem polymeren Trägermaterial eingesetzt werden. Die Komponenten D) können ferner oberflächenbehandelt bzw. mit bekannten Mitteln beschichtet sein. Hierzu zählen u.a. organische Verbindungen, die in monomerer, oligomerer und/oder polymerer Form aufgebracht sein können. Beschichtungen mit anorganischen Komponenten sind ebenfalls möglich.

Als Komponente E) können die Zusammensetzungen in einer bevorzugten Ausführungsform Gleit- und/oder Entformungsmittel enthalten. Hierzu eignen sich beispielsweise langkettige Fettsäuren (z.B. Stearinsäure oder Behensäure), deren Salze (z.B. Ca- oder Zn-Stearat) sowie deren Esterderivate oder Amidderivate (z.B. Ethylen-bis-stearylamid), Montanwachse (Mischungen aus geradkettigen, gesättigten Carbonsäuren mit Kettenlängen von 28 bis 32 C-Atomen) sowie niedermolekulare Polyethylen- bzw. Polypropylenwachse. Erfindungsgemäß werden bevorzugt Gleit- und/oder Entformungsmittel aus der Gruppe der Ester oder Amide gesättigter oder ungesättigter aliphatischer Carbonsäuren mit 8 bis 40 C-Atomen mit aliphatischen gesättigten Alkoholen oder Aminen mit 2 bis 40 C-Atomen eingesetzt, wobei Ethylen-bis-stearylamid oder Pentaerythrit-tetrastearat (PETS) ganz besonders bevorzugt sind.

Als Komponente F) können die Zusammensetzungen in einer weiteren bevorzugten Ausführungsform entweder zusätzlich zu E) oder alternativ zu E) einen oder mehrere Füll- und Verstärkungsstoffe enthalten. Als faser- oder teilchenförmige Füllstoffe und Verstärkungsstoffe für die erfindungsgemäßen Formmassen können Glasfasern, Glaskugeln, Glasgewebe, Glasmatten, Kohlenstofffasern, thermisch beständige organische Fasern (z.B. Aramid- oder Polyphthalimidfasern), Kaliumtitanat-Fasern, Naturfasern, amorphe Kieselsäure, Magnesiumcarbonat, Bariumsulfat, Feldspat, Glimmer, Silikate, Quarz, Kaolin, calciniertes Kaolin, Titandioxid, Wollastonit sowie nanoskalige Mineralien (z.B. Montmorillonite oder Nano-Böhmit) u.a. zugesetzt werden, die auch oberflächenbehandelt sein können. Bevorzugte Verstärkungsstoffe sind handelsübliche Glasfasern. Die Glasfasern, die im allgemeinen einen Faserdurchmesser zwischen 8 und 18 &mgr;m haben, können als Endlosfasern oder als geschnittene oder gemahlene Glasfasern zugesetzt werden, wobei die Fasern ggf. mit Oberflächenmodifizierungen wie z.B. Silanen oder Glasfaserschlichten versehen sein können. Geeignet sind auch nadelförmige mineralische Füllstoffe. Unter nadelförmigen mineralischen Füllstoffen wird im Sinne der Erfindung ein mineralischer Füllstoff mit stark ausgeprägtem nadelförmigen Charakter verstanden. Als Beispiel sei nadelförmiger Wollastonit genannt. Vorzugsweise weist das Mineral ein L/D-(Länge Durchmesser)-Verhältnis von 2:1 bis 35:1, bevorzugt von 3:1 bis 19:1 am meisten bevorzugt von 4:1 bis 12:1 auf. Die mittlere Teilchengröße der erfindungsgemäßen nadelförmigen Mineralien liegt bevorzugt bei kleiner 20 &mgr;m, besonders bevorzugt bei kleiner 15 &mgr;m, insbesondere bevorzugt bei kleiner 10 &mgr;m, am meisten bevorzugt bei kleiner 5 &mgr;m, bestimmt mit einem CILAS GRANULOMETER. Der mineralische Füllstoff kann gegebenenfalls oberflächenbehandelt sein. Es werden Füll- und Verstärkungsstoffe in Mengen von 0,1 bis 60 Gew.-%, bevorzugt 1 bis 50 Gew.-%, besonders bevorzugt 10 bis 40 Gew.-% jeweils bezogen auf die Gesamtformmasse eingesetzt. Am meisten bevorzugt sind handelsübliche Glasfasern mit einem Faserdurchmesser zwischen 8 und 18 &mgr;m, die mit Oberflächenmodifizierungen, wie z.B. Silanen oder Glasfaserschlichten, sowie mit nadelförmigen mineralischen Füllstoffen, insbesondere Wollastonit das ebenfalls mit einer Oberflächenmodifizierung ausgestattet sein kann, versehen sein können.

Als Komponente G) können die Zusammensetzungen in einer weiteren bevorzugten Ausführungsform entweder zusätzlich zu den Komponenten E) und F) oder anstelle der Komponenten E) und F) weitere Additive enthalten. Übliche Additive sind z.B. Stabilisatoren (zum Beispiel UV-Stabilisatoren, Thermostabilisatoren, Gammastrahlenstabilisatoren, Hydrolysestabilisatoren), Antistatika, weitere Flammschutzmittel, Emulgatoren, Nukleierungsmittel, Weichmacher, Verarbeitungshilfsmittel, Schlagzähmodifikatoren, Farbstoffe und Pigmente. Die genannten und weitere geeignete Additive sind zum Beispiel beschrieben in Gächter, Müller, Kunststoff-Additive, 3. Ausgabe, Hanser-Verlag, München, Wien, 1989 und im Plastics Additives Handbook, 5th Edition, Hanser-Verlag, München, 2001. Die Additive können alleine oder in Mischung bzw. in Form von Masterbatchen eingesetzt werden.

Als Stabilisatoren können zum Beispiel sterisch gehinderte Phenole und/oder Phosphite, Hydrochinone, aromatische sekundäre Amine wie Diphenylamine, substituierte Resorcine, Salicylate, Benzotriazole und Benzophenone, sowie verschieden substituierte Vertreter dieser Gruppen und deren Mischungen eingesetzt werden.

Als UV-Stabilisatoren seien verschiedene substituierte Resorcine, Salicylate, Benzotriazole und Benzophenone genannt.

Im Falle von Schlagzähmodifikatoren (Elastomermodifikatoren, Modifikatoren) handelt es sich ganz allgemein um Copolymerisate, die bevorzugt aus mindestens zwei der folgenden Monomeren aufgebaut sind: Ethylen, Propylen, Butadien, Isobuten, Isopren, Chloropren, Vinylacetat, Styrol, Acrylnitril und Acryl- bzw. Methacrylsäureester mit 1 bis 18 C-Atomen in der Alkoholkomponente.

Es können anorganische Pigmente, wie Titandioxid, Ultramarinblau, Eisenoxid, Zinksulfid und Ruß, weiterhin organische Pigmente, wie Phthalocyanine, Chinacridone, Perylene sowie Farbstoffe, wie Nigrosin und Anthrachinone als Farbmittel sowie andere Farbmittel zugesetzt werden. Im Rahmen der vorliegenden Erfindung ist die Verwendung von Ruß bevorzugt.

Als Nukleierungsmittel können z.B. Natrium- oder Calciumphenylphosphinat, Aluminiumoxid oder Siliziumdioxid sowie bevorzugt Talkum eingesetzt werden.

Als Verarbeitungshilfsmittel können zum Beispiel Copolymerisate aus mindestens einem &agr;-Olefin mit mindestens einem Methacrylsäurester oder Acrylsäureester eines aliphatischen Alkohols eingesetzt werden. Bevorzugt sind dabei Copolymerisate, bei denen das &agr;-Olefin aus Ethen und/oder Propen aufgebaut ist und der Methacrylsäurester oder Acrylsäureester als Alkoholkomponente lineare oder verzweigte Alkylgruppen mit 6 bis 20C-Atomen enthält. Besonders bevorzugt ist Acrylsäure-(2-ethyl)-hexylester.

Als Beispiele für Weichmacher seien Phthalsäuredioctylester, Phthalsäuredibenzylester, Phthalsäurebutylbenzylester, Kohlenwasserstofföle, N-(n-Butyl)benzolsulfonamid genannt.

Als weitere Flammschutzmittel kommen z.B. phosphorhaltige Flammschutzmittel ausgewählt aus den Gruppen der mono- und oligomeren Phosphor- und Phosphonsäureester, Phosphonatamine, Phosphonate, Phosphinate, Phosphite, Hypophosphite, Phosphinoxide und Phosphazene, wobei auch Mischungen von mehreren Komponenten ausgewählt aus einer oder verschiedenen dieser Gruppen als Flammschutzmittel zum Einsatz kommen können, in Frage. Auch andere hier nicht speziell erwähnte vorzugsweise halogenfreie Phosphorverbindungen können alleine oder in beliebiger Kombination mit anderen vorzugsweise halogenfreien Phosphorverbindungen eingesetzt werden. Hierzu zählen auch rein anorganische Phosphorverbindungen wie Borphosphathydrat. Ferner können auch Salze aliphatischer und aromatischer Sulfonsäuren und mineralische Flammschutzadditive wie Aluminium- und/oder Magnesiumhydroxid, Ca-Mg-Carbonat-Hydrate (z.B. DE-A 4 236 122) Molybdänoxid, Zinkoxid, Magnesiumoxid sowie Zinksalze und Magnesiumsalze eingesetzt werden. Weitere geeignete Flammschutzadditive sind Kohlebildner wie Phenol-Formaldehydharze, Polycarbonate, Polyphenylether, Polyimide, Polysulfone, Polyethersulfone, Polyphenylsulfide und Polyetherketone sowie Antitropfmittel wie Tetrafluorethylenpolymerisate.

Die Additive der Komponente G) können in einer bevorzugten Ausführungsform den erfindungsgemäßen Zusammensetzungen in Mengen von 0,01 bis 40 Gew.-%, bevorzugt 0,01 bis 20 Gew.-%, besonders bevorzugt 0,1 bis 15 Gew.-% jeweils bezogen auf die Gesamtformmasse zugesetzt werden.

Die vorliegende Erfindung betrifft aber auch die Fasern, Folien und Formkörper erhältlich aus den thermoplastischen Formmassen enthaltend

  • A) 20 bis 97 Gew.-% eines unverzweigten thermoplastischen Polyamids,
  • B) 1 bis 30 Gew.-%, bevorzugt 1 bis 20 Gew.-%, besonders bevorzugt 5 bis 15 Gew.-%, der Gesamtzusammensetzung eines oder mehrerer Phosphinsäuresalze der Formel (I) und/oder eines oder mehrerer Diphosphinsäuresalze der Formel (II) und/oder deren Polymere,
    worin

    R1, R2 gleich oder verschieden sind und für Wasserstoff und/oder für lineares oder verzweigtes C1-C6-Alkyl und/oder für Aryl stehen;

    R3 für lineares oder verzweigtes C1-C10-Alkylen, C6-C10-Arylen oder für C1-C6-Alkylarylen oder Aryl-C1-C6-alkylen steht,

    M für Erdalkalimetalle, Alkalimetalle, Aluminium, Zink, Titan, Zirkon, Silizium, Zinn und/oder eine protonierte Stickstoffbase steht;

    m für 1 bis 4 steht;

    n für 1 bis 3 steht und

    x für 1 und 2 steht,
  • C) 1-40 Gew.-% einer stickstoffhaltigen Flammschutzmittelkombination aus

    C1) 0,1 bis 25 Gew.-%, bevorzugt 0,2 bis 10%, besonders bevorzugt 0,5 bis 5% bezogen auf 100 Gew.-% der Gesamtzusammensetzung Melamincyanurat und

    C2) 0,1 bis 25 Gew.-%, bevorzugt 1 bis 15 Gew.-%, besonders bevorzugt 2 bis 10 Gew.-% bezogen auf 100 Gew.-% der Gesamtzusammensetzung, mindestens eines weiteren stickstoffhaltigen Flammschutzmittels ungleich Melamincyanurat, bevorzugt Umsetzungsprodukte des Melamins mit Phosphorsäure oder kondensierten Phosphorsäuren bzw. Umsetzungsprodukte von Kondensationsprodukten des Melamins mit Phosphorsäure oder kondensierten Phosphorsäuren, besonders bevorzugt Melaminpolyphosphat, Melampolyphosphat, Melonpolyphosphat und Melempolyphosphat, ganz besonders bevorzugt Melaminpolyphosphat, und

    D) 0,1 bis 10 Gew.-%, bevorzugt 0,5 bis 5 Gew.-% besonders bevorzugt 0,75 bis 3,5 Gew.-% mindestens einer sauerstoff-, stickstoff- oder schwefel-haltigen Metallverbindung, bevorzugt der zweiten Haupt- oder Nebengruppe, besonders bevorzugt Ca, Mg und Zn, ganz besonders bevorzugt Zinkborat und Zinksulfid.

Schließlich betrifft die vorliegende Erfindung auch ein Verfahren zur Herstellung von Fasern, Folien und Formkörpern, dadurch gekennzeichnet, dass man Formmassen, enthaltend die Komponenten A bis D) sowie in bevorzugten Ausführungen noch gegebenenfalls E), F) und/oder G), einsetzt.

Zum Nachweis der erfindungemäß beschriebenen Verbesserungen bei Flammwidrigkeit und Mechanik wurden zunächst durch Compoundierung entsprechende Kunststoff-Formmassen angefertigt. Die einzelnen Komponenten wurden hierzu in einem Zweiwellenextruder (ZSK 32 Mega Compounder der Fa. Coperion Werner & Pfleiderer (Stuttgart, Deutschland)) bei Temperaturen zwischen 270 und 335°C gemischt, als Strang ausgetragen, bis zur Granulierfähigkeit abgekühlt und granuliert. Nach dem Trocknen (in der Regel zwei Tage bei 70°C im Vakuumtrockenschrank) erfolgte die Verarbeitung des Granulates bei Temperaturen zwischen 270 und 300°C zu Normprüfkörpern für die UL94V Prüfung, zu Prüfkörpern für die Glühdrahtprüfung nach IEC 60695-2-12 sowie zu Prüfkörpern für die mechanischen Untersuchungen nach ISO 180/1U (IZOD Schlagzähigkeit) und ISO 178 (Biegeversuch), mit deren Hilfe die Brandeigenschaften sowie die mechanischen Werte der erfindungsgemäßen Formmassen ermittelt wurden.

Die Flammwidrigkeit der Formmassen wurde zum einen nach der Methode UL94V (Underwriters Laboratories Inc. Standard of Safety, „Test for Flammability of Plastic Materials for Parts in Devices and Appliances", S. 14 bis S. 18 Northbrook 1998) bestimmt.

Die Glühdrahtbeständigkeit wurde anhand der Glühdrahtprüfung GWFI (Glow-Wire Flammability-Index) nach IEC 60695-2-12 sowie an der Glühdrahtentzündlichkeitsprüfung GWIT (Glow-Wire-Ignition-Temperature) nach 60695-2-13 bestimmt. Bei der GWFI-Prüfung wird an 3 Prüfkörpern (beispielsweise an Platten der Geometrie 60 × 60 × 1,5 mm) mit Hilfe eines glühenden Drahtes bei Temperaturen zwischen 550 und 960°C die maximale Temperatur ermittelt, bei der eine Nachbrennzeit von 30 Sekunden nicht überschritten wird und die Probe nicht brennend abtropft. Bei der GWIT-Prüfung wird bei einer vergleichbaren Messprozedur die Glühdrahtentzündungstemperatur angegeben, die 25K (30K zwischen 900°C und 960°C) höher ist als die maximale Glühdrahttemperatur, die in 3 aufeinander folgenden Tests auch während der Einwirkzeit des Glühdrahtes nicht zur Entzündung führt. Als Entzündung gilt dabei eine Flamme mit Brennzeit ≥ 5sec. Vor dem Hintergrund der IEC 60335-1, die bei einer der IEC 60695-2-13 vergleichbaren Prüfung am Fertigteil (z.B. an einer fertig montierten Steckerleiste) bei einer Glühdrahttemperatur von 750°C nur eine Entzündung mit Flamme von maximal 2 sec Dauer zulässt, wird in den relevanten Beispielen zusätzlich die maximale Brennzeit bei einer 30 sec andauernden Glühdrahteinwirkung bei 750°C angegeben.

Mechanische Kennwerte erhielt man aus Schlagzähigkeitsmessungen nach IZOD (ISO 180/1U, 23°C) oder aus Biegeexperimenten gemäß ISO 178.

In den Versuchen wurden verwendet:

Komponente A: Polyamid 6 (Durethan® B29, Fa. Bayer MaterialScience AG (Gruppe Lanxess), Leverkusen, Deutschland)

Komponente B: System nach Formel (I) mit R1 = R2 = Ethyl und M = Aluminium [gemäß EP-A 803508/EP-A 944637]

Komponente C/1: Melamincyanurat, (Melapur® MC25, der Fa. CIBA, Basel, Schweiz)

Komponente C/2: Melaminpolyphosphat (Melapur® 200/70 der Fa. CIBA, Basel, Niederlande)

Komponente D/1: Zinkborat (Firebrake® ZB der Fa. Deutsche Borax GmbH, Sulzbach, Deutschland)

Komponente D/2: Zinksulfid (Sachtolith® HDS der Fa. Sachtleben, Duisburg, Deutschland)

Komponente E: N,N'-Ethylen-bis-stearylamid

Komponente F: Schnittglasfaser CS 7928 der Fa. Bayer AG (Leverkusen, Deutschland)

Komponente G: weitere Additive

wobei sich die Summe der Anteile der Komponenten zu 100 Gew.-% ergänzt.

Tabelle 1
  • Angaben der Komponenten in Gew.-% bezogen auf die Gesamtformmasse
Tabelle 2
  • Angaben der Komponenten in Gew.-% bezogen auf die Gesamtformmasse
Tabelle 3
  • Angaben der Komponenten in Gew.-% bezogen auf die Gesamtformmasse

Tabelle 1 bis 3 zeigt, dass die erfindungsgemäße spezielle halogenfreie Kombination der Komponenten B), C/1), C/2) und D/1) (Beispiel V1, V2 und V3) sowohl hinsichtlich der Flammwidrigkeit (UL94 V0, GWFI 960°C und GWIT 775°C) als auch hinsichtlich der Mechanik (Schlagzähigkeit und Biegefestigkeit) gegenüber dem Stand der Technik eine drastische Verbesserung darstellt. Die Vergleichsbeispiele zeigen ferner, dass ein Verzicht auf die Komponente D1 nicht durch Höherdosierung von C1 kompensiert werden kann (Vgl. 1, 2 und 3), ohne dabei mit Nachteile bei GWIT-Verhalten und Mechanik konfrontiert zu sein. Selbiges gilt auch für ein Verzicht von C1 und eine Höherdosierung von D1 (Vgl. 4 und 5). Bei Entfall sowohl der Komponente C1) als auch D1) bleiben zwar die mechanischen Eigenschaften auf hohem Niveau erhalten, die Glühdrahtentzündlichkeit bleibt aber weit unter den Anforderungen (Vgl.8). Die geschilderte Charakteristik bleibt auch dann unverändert, wenn man den Anteil der Phosphinat-komponente B und der zweiten Stickstoffhaltigen Komponente C2) erhöht (Vgl. 9-12).


Anspruch[de]
  1. Formmassen enthaltend

    A) 20 bis 97 Gew.-% eines unverzweigten thermoplastischen Polyamids,

    B) 1 bis 30 Gew.-%, der Gesamtzusammensetzung eines oder mehrerer Phosphinsäuresalze der Formel (I) und/oder eines oder mehrere Diphosphinsäuresalze der Formel (II) und/oder deren Polymere,
    worin

    R1, R2 gleich oder verschieden sind und für Wasserstoff und/oder für lineares oder verzweigtes C1-C6-Alkyl, und/oder für Aryl stehen,

    R3 für lineares oder verzweigtes C1-C10-Alkylen, C6-C10-Arylen oder für C1-C6-Alkylarylen oder Aryl-C1-C6-alkylen steht,

    M für Erdalkalimetalle, Alkalimetalle, Aluminium, Zink, Titan, Zirkon, Silizium, Zinn und/oder eine protonierte Stickstoffbase steht,

    m für 1 bis 4 steht,

    n für 1 bis 3 steht,

    x für 1 und 2 steht,

    C) 1-40 Gew.-% einer stickstoffhaltigen Flammschutzmittelkombination aus

    C1) 0,1 bis 25 Gew.-%, bezogen auf 100 Gew.-% der Gesamtzusammensetzung Melamincyanurat und

    C2) mindestens 0,1 bis 25 Gew.-%, bezogen auf 100 Gew.-% der Gesamtzusammensetzung eines weiteren stickstoffhaltigen Flammschutzmittels ungleich Melamincyanurat, und

    D) 0,1 bis 10 Gew.-% der Gesamtzusammensetzung mindestens einer sauerstoff-, stickstoff- oder schwefel-haltigen Metallverbindung.
  2. Formmassen gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass sie zusätzlich zu dem Komponenten A), B), C1), C2) und D) noch E) 0,01 bis 5 Gew.-%, mindestens eines Gleit- und/oder Entformungsmittels enthalten.
  3. Formmassen gemäß einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass diese zusätzlich die Komponente F) 0,1 bis 60 Gew.-% eines oder mehrerer Füll- und Verstärkungsstoffe enthalten.
  4. Formmassen gemäß einem der Ansprüche 1, 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass diese zusätzlich die Komponente G) 0,01 bis 40 Gew.-% bezogen auf die Gesamtzusammensetzung weitere Additive enthalten.
  5. Verfahren zur Herstellung von Fasern, Folien und Formkörpern, dadurch gekennzeichnet, dass Formmassen gemäß einem der Ansprüche 1 bis 4 eingesetzt werden.
  6. Fasern, Folien und Formkörper erhältlich durch Einsatz von Formmassen gemäß einem der Ansprüche 1, 2, 3 oder 4.
Es folgt kein Blatt Zeichnungen






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