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Dokumentenidentifikation DE102004048895A1 20.04.2006
Titel Torfverarbeitungseinrichtung
Anmelder Bornhorst, Heinrich, 26197 Großenkneten, DE;
Bley-Hilker Metallbau GmbH, 26169 Friesoythe, DE;
Dahms, Ulrich Paul, 26169 Friesoythe, DE;
Alberdingen, Bernhard, 49681 Garrel, DE
Erfinder Bornhorst, Heinrich, 26197 Großenkneten, DE
Vertreter Eisenführ, Speiser & Partner, 28195 Bremen
DE-Anmeldedatum 06.10.2004
DE-Aktenzeichen 102004048895
Offenlegungstag 20.04.2006
Veröffentlichungstag im Patentblatt 20.04.2006
IPC-Hauptklasse C10F 7/06(2006.01)A, F, I, 20051017, B, H, DE
Zusammenfassung Die Erfindung betrifft eine mobile, bevorzugt selbstfahrende, Einrichtung mit Zugmaschine zur Verarbeitung von Torf.
Erfindungsgemäß wird vorgeschlagen, dass die Einrichtung bevorzugt eine Aufnahmevorrichtung mit einem Grobabscheider aufweist, mittels dem Torf vom Boden während des Fahrens des Fahrzeugs aufgenommen wird und grobe Bestandteile, z. B. Steine, Holz, von der weiteren Verarbeitung durch Abscheidung ausgeschlossen werden und/oder wobei der aufgenommene, lose Torf über eine Transporteinrichtung einer von der Zugmaschine der mobilen Torfverarbeitungseinrichtung mitgeführten Presse zugeführt wird, wo der Torf verdichtet und in Ballen oder Säcken verpackt wird.

Beschreibung[de]

Seit vielen tausend Jahren ist der Abbau und die Verarbeitung von Torf bekannt.

Während Torf jahrhundertelang zunächst manuell abgebaut wurde, geschieht dies seit vielen Jahrzehnten durch intensiven Maschineneinsatz. Dabei wird der Torf von der abzutorfenden Fläche schichtweise abgeerntet und das so geerntete Torfgut wird dann einer lokalen, stationären Torfverarbeitungsanlage zugeführt, wo einerseits die groben Bestandteile, z. B. Steine, Holz, aus dem geernteten Torfgut abgeschieden werden und andererseits der Torf weiterverarbeitet wird, z. B. gepresst wird, mit Zusatzstoffen versetzt wird u.s.w.

Als Stand der Technik sei hierzu insbesondere DE 34 22 140, DE 33 15 134, DE-U-78 25 040, DE 23 42 618, DE 32 34 559 u. DE 30 05 556 genannt.

Die letztgenannte Druckschrift DE 30 05 556 offenbart eine Torfpresse zur Herstellung von nach Trocknung ofenfertigen, grobstückigen Torfbriketts zur Verwendung als Brennstoff und die Torfpresse ist dabei auf einem Anhänger ausgebildet und die Torfpresse wird dabei durch eine Antriebswelle der Zugmaschine angetrieben. Während des Torfpresseneinsatzes selbst wird aber der Anhänger nicht bewegt, sondern wie in der Entgegenhaltung ausgeführt, wird der Anhänger beim Pressvorgang mit Torf beschickt, welcher bereits an Ort und Stelle liegt und nur noch mittels eines Frontladers in eine Aufnahmeeinrichtung gekippt werden muss. So heißt es denn auch in der Entgegenhaltung, dass die Torfpresse mit Hilfe dieses Anhängers an das auszubeutende Torfmoor heranfahrbar sein soll und dort steht dann die Torfpresse für ihren Einsatz zur Verfügung.

Zum Torfabbau selbst sollte man wissen, dass dieser in Stücken gestochen werden kann (Schwarztorf), um dann als Brennmaterial zu dienen oder großflächig schichtweise und in loser Form abgetragen wird. Bei letzterer Methode wird dann, wenn die oberste Schicht des Torfs hinreichend trocken genug ist, eine Schicht von etwa 5 bis 10 cm abgefräst und dann wird diese abgefräste Schicht abgetragen und der abgetragene Torf wird dann in die bereits beschriebenen, stationären Torfverarbeitungsanlagen weiterverarbeitet.

Torf wird heute in Deutschland zum weitestgehend größten Teil in Blumenerde und Kultursubstraten für den Hobby- und Erwerbsgartenbau verarbeitet und lediglich 15 % des Torfs wird noch als Industrietorf genutzt und insbesondere werden hierbei die hervorragenden Eigenschaften, wie hohes Porenvolumen, Strukturstabilität, niedriger pH-Wert des Torfs in den Einsatzgebieten verwendet.

Da in Deutschland die Torfabbaugebiete bis auf winzige Restgebiete bereits verschwunden sind und auch bestehende Moorgebiete aus Gründen des Umweltschutzes nicht mehr für den Torfabbau freigegeben werden, wird Torf, soweit er zukünftig noch in Westeuropa eingesetzt werden soll, aus großen Entfernungen herantransportiert werden müssen.

Hierfür bieten sich die riesigen Moorgebiete im Baltikum, aber auch in Russland an, denn die dortigen Moorflächen übersteigen die Flächen der früheren deutschen Moorgebiete um ein Vielfaches und dort ist der Torf in einer Mächtigkeit abzubauen, wie sie auch in Westeuropa völlig unbekannt ist. Aufgrund der großen Entfernungen zu den Abnehmern, z. B. Deutschland, spielt beim Torfabbau die Logistik eine deutlich wichtigere Rolle als bisher, wo man davon ausgehen kann, dass der Torf weitestgehend schon sehr nahe am Verbraucher ist.

Bislang wird Torf aus Russland als loses Schüttgut in Schiffen verladen und transportiert. Diese Methode erfordert jedoch ein hohes Stauvolumen und damit relativ hohe Transportkosten.

Es ist auch bekannt, den Torf, wie bereits beschrieben, in stationären Torfverarbeitungsanlagen zu Ballen zu pressen und dann diese Ballen, sogenannte BIG-BALES in die Verbraucherländer zu transportieren.

Aufgabe der Erfindung ist es, die Transport- und Verarbeitungskosten für den Torf zu reduzieren und die Qualität und die Struktur des verarbeiteten Torfs zu verbessern.

Die Aufgabe wird erfindungsgemäß mit einer mobilen, bevorzugt selbstfahrbaren Torfverarbeitungseinrichtung mit den Merkmalen nach Anspruch 1 gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen sind in den Unteransprüchen beschrieben.

Die erfindungsgemäße mobile, fahrbare Anlage – siehe Figur – zum Pressen und Fertigumhüllen von Torfballen verarbeitet den Torf nicht mehr zentral in einer lokalen, stationären Anlage, sondern direkt auf dem Abbauort, also dort wo der Torf geerntet wird. Hierbei nimmt die erfindungsgemäße Einrichtung eine oberste, die abzuerntende Schicht, z. B. 5 bis 10 cm stark, auf und trennt im ersten Schritt die groben Fremdbestandteile, z. B. Steine, Holz, heraus und befördert dann das aufgenommene Torfgut zu einer Torfpresse, in der der Torf verdichtet wird und anschließend gleich zu einem Pressballen eingehüllt wird. Der Pressballen wird entweder auf einem weiteren Anhänger gestapelt oder auf dem Torffeld zurückgelassen und später eingesammelt.

Der besondere Vorteil der erfindungsgemäßen Einrichtung besteht in dem flexiblen Einsatz der erfindungsgemäßen Torfverarbeitungsanlage in unterschiedlichen Moorgebieten. Darüber hinaus wird die Zahl der Verarbeitungsschritte auf ein Minimum reduziert und der umständliche, teure Bau von Fabrikgebäuden zum Aufnehmen stationärer Torfverarbeitungsanlagen ist nicht notwendig. Vor allem kann die regelmäßig kurze Erntezeit, dies sind nämlich nur 20 bis 30 Tage im Jahr, bestmöglich genutzt werden und die Transportkosten gegenüber loser Schüttware im Seefrachtverkehr können auf die Hälfte reduziert werden.

Die erfindungsgemäße, mobile, selbstfahrende Torfverarbeitungseinrichtung weist eine Moor-Raupe auf. Dies kann auch ein Schneekettenfahrzeug sein, welche als Zugmaschine dient.

In Fahrtrichtung vor der Zugmaschine – siehe Figur – ist eine Aufnahmevorrichtung, z. B. eine Fräse mit nachführendem schräggestellten Aufnahmeschild, ausgebildet und diese Aufnahmeeinrichtung ist auch mit einem Grobabscheider ausgestattet, so dass die groben Bestandteile, z. B. Steine und Holz, sehr frühzeitig aus der Weiterverarbeitung herausgehalten werden können. Das aufgenommene Torfgut wird über eine Fördereinrichtung, z. B. ein Förderband, wie es z. B. auch von modernen Kartoffelrodeeinrichtungen bekannt ist, dann einem kanalartigen Pressschacht einer mobilen, fahrbaren Ballenpresse zugeführt. Diese Ballenpresse ist entweder auf der Ladefläche der Moor-Raupe oder auf einem Anhänger, der von der Moor-Raupe gezogen wird, angeordnet. Die Aufnahme des Torfs vor der Zugmaschine hat den Vorteil, dass die Aufnahme des Torfs erfolgen kann, bevor sich durch das Befahren die Torfschicht verfestigen kann.

Die Aufnahmevorrichtung mit dem Grobabscheider kann leicht von der Zugmaschine demontiert werden und ist darüber hinaus mit einer Höhenniveau-Ausgleichsregelung versehen, um somit den Unebenheiten des Geländes beim Abfräsen und Aufnehmen gerecht zu werden. Bevorzugt sind auch Stützräder ausgebildet, die ständig den Boden berühren und somit eine optimale Arbeitsstellung der Aufnahmeeinrichtung erlauben.

Die Breite der Aufnahmeeinrichtung (Walze) sollte wenigstens zwei Meter betragen und liegt optimalerweise bei 2,20 m bis 2,50 m oder darüber.

Wie bereits erwähnt, wird der aufgenommene, von störenden und Fremdbestandteilen gereinigter Torf zu einer Raupe transportiert. Dies geschieht mittels einer Schnecke oder einem Förderband und hierbei wird der Torf entweder über die Zugmaschine hinweg oder seitlich an dieser vorbei transportiert.

Der transportierte Torf wird dann der mobilen, fahrbaren Ballenpresse zugeführt, welche über eine eigene Energieversorgung verfügt, weil zum Pressen eine sehr hohe Verdichtung notwendig ist und diese Energie nur schwerlich von der Zugmaschine bereitgestellt werden kann. Sollte allerdings die Zugmaschine, also die Raupe, diese für die Verpressung notwendige Energie bereitstellen können, so kann die Energieversorgung natürlich auch von der Zugmaschine übernommen werden.

Die Presse weist einen kanalartigen, stabilen Schacht – 4.1 auf, welche mit einem rechteckigen Querschnitt und einem Pressstempel ausgestattet ist, dabei ist der Schacht im Wesentlichen horizontal und parallel zur Fahrtrichtung ausgerichtet.

Der Pressstempel hat die Aufgabe, den von vorne zugeführten, aufgelockerten Torf schichtweise im Schacht gleichmäßig zu einem Quader zu verdichten.

Ein Verdichtungswert von etwa 3:1 ist vorteilhaft, wenn eine noch höhere Verdichtung erfolgen soll, so kann dies unter Umständen zu einer ungünstigen Energieeffizienz führen.

Mit der erfindungsgemäßen mobilen, selbstfahrbaren Torfverarbeitungseinrichtung können Torfballen produziert werden, welche bevorzugt über Abmaße von 800 mm × 800 mm × 2100 mm verfügen, so dass diese dann optimal für die Raumausnutzung eines 40 ft – Standard-Containers geeignet sind.

Ein solcher Ballen wird je nach Verdichtungsverhältnis und Feuchtigkeitsgehalts des Torfs etwa 200 kg wiegen und die Ballen mit diesen Abmessungen und Gewichten sind dann noch vom Handling her recht gut zu bewältigen. Ein 40 ft-Container könnte dann etwa 9 t in Ballen verpressten Torf aufnehmen.

Der Antrieb der Presse bzw. des Pressestempels soll mit einem Hydraulikzylinder erfolgen, welcher mit hohem Druck beaufschlagt werden kann. Die Ballenpresse wird mit einem separaten, autarken Stromaggregat 4.2 ausgerüstet, das die Hydraulikanlage Position 4.3 mit Energie versorgt.

Für eine solche Ballenpresse besteht ein Leistungsbedarf von etwa 300 PS und der Druck des Presszylinders wird für maximal etwa 200 bar ausgelegt.

Wenn in der vorliegenden Anmeldung beschrieben wird, dass die gesamte Torfverarbeitungseinrichtung auf einem Anhänger integriert ist, der gezogen wird, so sei damit auch ausdrücklich die Möglichkeit eingeschlossen, dass die gesamte Torfverarbeitung und -verpressung auf einem selbstfahrenden Fahrzeug erfolgen kann. Es ist also durchaus möglich, dass die erfindungsgemäße Torfverarbeitungseinrichtung ähnlich wie nach Art eines Mähdreschers nicht nur das Torfgut aufnimmt, sondern dieses bis zum verpackten Gut weiterverarbeitet.

Um insgesamt die spezifischen Flächengewichte zu verringern ist es besonders vorteilhaft, wenn sowohl die Zugmaschine als auch das Fahrwerk der Weiterverarbeitungsanlage entweder mit einem Kettenlaufwerk oder alternativ mit breiten, sogenannten Ballon-Gummireifen ausgerüstet ist. Schließlich ist daran zu denken, dass im Folgejahr wiederum eine Schicht abgeerntet werden soll und jedwede große Verdichtung des Torfs führt dazu, dass diese weitere Schicht nur schlecht trocknen kann. Die Ballenverpackung bzw. die -umhüllung des Torfs wird direkt im Anschluss an den Presskanal angeordnet und hat die Aufgabe, den Quaderballen allseitig mit Kunststofffolie zu ummanteln. Dies kann auch dadurch geschehen, dass der vorgepresste Torfballen direkt in eine vorgefertigte Schlauchfolie eingeführt wird.

Die Folie kann nach Befüllung geschlossen werden, wozu sich besonders ein Verschließen des Schlauchbeutelendes durch eine Querverschweißung mittels einer Kalt-Schweißvorrichtung eignet. Mittels eines Druckluftimpuls können dabei die Torfreste im Schweißbereich vorher entfernt werden, um einen sauberen Verschluss des Torfballens zu gewährleisten.

Zum Abschluss wird der eingehüllte Ballen, bevorzugt mit mehreren Kunststoff-Bändern umreift, und als verladungsfertiges Produkt auf dem Moorboden hinter der erfindungsgemäßen Einrichtung abgelegt.

Die erfindungsgemäße Lösung ist zeichnerisch in 1 schematisch dargestellt, selbstverständlich sind verschiedene Alternativen denkbar, um die gesamte Verarbeitung und Verpackung zu optimieren.

Ein besonderer Vorteil der erfindungsgemäßen Einrichtung besteht auch darin, dass die gesamte Torfernte nebst Verpackung nur mittels einer einzigen Person durchgeführt werden kann, was gegenüber den bisherigen Lösungen ein erheblicher Fortschritt ist. Dabei kann bei entsprechender Auslegung der gesamten erfindungsgemäßen Einrichtung, vorzugsweise ein Pressballen pro Minute mit einem Gewicht von etwa 200 kg, einer Verdichtung von 3:1 und den vorbeschriebenen Maßen hergestellt werden, wobei die Fahrtgeschwindigkeit im Bereich von etwa 30 bis 40 m/min liegt.

Die erfindungsgemäße Einrichtung hat auch den Vorteil, dass sie bereits den wesentlichen Bestandteil für die Ernte und die Verarbeitung des Torfs beinhaltet und somit eine intensive Ausbildung bisheriger Einsatzfachleute für die Verarbeitung von Torf erübrigt und gleichzeitig kann der verpackte Torf viel schneller als bisher zum Verbrauchsort sicher transportiert werden.


Anspruch[de]
  1. Mobile, bevorzugt selbstfahrende, Einrichtung mit Zugmaschine zur Verarbeitung von Torf, wobei die Einrichtung bevorzugt eine Aufnahmevorrichtung mit einem Grobabscheider aufweist, mittels dem Torf vom Boden während des Fahrens des Fahrzeugs aufgenommen wird und grobe Bestandteile, z. B. Steine, Holz, von der weiteren Verarbeitung durch Abscheidung ausgeschlossen werden und/oder wobei der aufgenommene, lose Torf über eine Transporteinrichtung einer von der Zugmaschine der mobilen Torfverarbeitungseinrichtung mitgeführten Presse zugeführt wird, wo der Torf verdichtet und in Ballen oder Säcken verpackt wird.
  2. Mobile Torfverarbeitungseinrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass durch die Presse der originär lose Torf auf das doppelte bis fünffache, bevorzugt auf das dreifache seiner Dichte verdichtet wird.
  3. Einrichtung nach einem vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass für die Presse ein eigenes Antriebsaggregat vorgesehen ist.
Es folgt ein Blatt Zeichnungen






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