PatentDe  


Dokumentenidentifikation DE202006001645U1 04.05.2006
Titel Pferdesattel
Anmelder PROTOTEC AG, Vaduz, LI
Vertreter Grünecker, Kinkeldey, Stockmair & Schwanhäusser, 80538 München
DE-Aktenzeichen 202006001645
Date of advertisement in the Patentblatt (Patent Gazette) 04.05.2006
Registration date 30.03.2006
Application date from patent application 02.02.2006
IPC-Hauptklasse B68C 1/12(2006.01)A, F, I, 20060202, B, H, DE

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung betrifft einen Pferdesattel sowie eine Satteldecke sowie Pferdebandagen und Gamaschen.

Hochwertige Pferdesättel zeichnen sich durch eine gute Anpassung an dem jeweiligen Pferderücken sowie den Reiter aus, um dadurch zum einen die Kontrolle auf das Pferd seitens des Reiters zu verbessern und andererseits sowohl für das Pferd als auch den Reiter unnötige Druckstellen zu vermeiden.

In der Praxis ist die Anpassung in der Regel jedoch weit vom Optimalen entfernt. Insbesondere werden Sättel in der Regel für mehrere unterschiedliche Pferde verwendet, wodurch sich eine perfekte Abstimmung von vorneherein ausschließt.

1 zeigt den Aufbau eines typischen Pferdesattels mit untergelegter Satteldecke.

Der Sattel 1 weist eine Sitzfläche 2 auf, die nach vorne und hinten jeweils durch die sog. Sattelkammer 3 sowie den Sattelbaum 4 begrenzt ist. Daran schließen sich zu beiden Seiten die sog. Sattelblätter 6 an, die im gesattelten Zustand zu beiden Seiten des Pferdes herunterreichen und über die Steigbügelriemen 8 mit daran angebrachtem Steigbügel 9 verlaufen. Unter den Sattelblättern befindet sich jeweils ein Deckblatt 10, das die drei Sattelgurtstrupfen 5 abdeckt an denen der Sattelgurt 11 mit Schnallen befestigt wird. Unter dem Schweißblatt 12, das am weitesten am Pferd hinunterreicht, und dem Sattelkissen 13 befindet sich typischerweise zusätzlich eine nicht gezeigte Satteldecke, die unmittelbar auf dem Fell des Pferdes liegt.

Hochwertige Sättel werden in der Regel einschließlich ihrer Einzelteile aus Leder gefertigt, wobei dieses Material aufgrund seiner Anpassungsfähigkeit eine zufriedenstellende Anpassung an dem Pferderücken ermöglich. Jedoch kommt es bei hohen Belastungen in der Regel zu Druckstellen, die die Gesundheit bzw. die Belastungsfähigkeit des Pferdes negativ beeinflussen. Insbesondere nicht zu akzeptieren sind derartige Auswirkungen im Bereich der hohen Belastungen von Turnierpferden etc.

Es ist die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine verbesserte Anpassung eines Sattels an den Pferderücken zu schaffen.

Diese Aufgabe wird durch die Gegenstände und in den unabhängigen Ansprüchen gelöst. Bevorzugte Ausgestaltungen sind Gegenstand der Unteransprüche.

Die Erfindung baut insbesondere auf der Erkenntnis auf, dass ein nur aus Leder gefertigter Sattel zwangsläufig keine optimale Anpassung an die Kontur des Pferderückens ermöglicht. Zwar kann durch längere Verwendung des gleichen Sattels auf dem gleichen Pferd die Anpassung stetig verbessert werden, jedoch ist diese gesteigerte Anpassung besonders nachteilhaft, wenn dann derselbe Pferdesattel auf dem Rücken eines anderen Tiers verwendet wird.

Die vorliegende Erfindung baut daher auf der Erkenntnis auf, dass insbesondere nicht die einmalige Anpassung auf einem bestimmten Pferderücken sinnvoll ist, sondern dass es erforderlich ist, den Pferdesattel flexibel auf unterschiedliche Pferderücken einstellen zu können. Die Erfindung verändert im Gegensatz zu Luftpolstern die Bauhöhe des Sattels oder Satteldecke nicht, was sich positiv auf das Einwirken des Reiters auf das Pferd auswirkt.

Die Erfindung schlägt hierzu vor, in den Sattel und/oder in die Pferdedecke ein mit Füllmaterial gefülltes Vakuumkissen einzuarbeiten, welches ein Ventil aufweist, über das die Luft aus dem Kissen abgesaugt werden kann und in diesem Zustand verschlossen werden kann. Durch das Absaugen der Luft aus dem Kissen, d.h. durch das Herstellen eines Vakuums erhält das Kissen eine harte Struktur, die durch die Verteilung des darin befindlichen Füllmaterials definiert wird. Als Füllmaterial eignet sich hierbei insbesondere kleine Kunststoffkügelchen, die eine ausreichende Elastizität aufweisen z.B Elastomere, so dass selbst nach perfektem Absaugen der Luft das Kissen nicht völlig hart wird, sondern weich bleibt und somit ein Reiben auf dem Pferderücken verhindert wird.

Das Vakuumkissen wird vorzugsweise in das Sattelkissen eines Sattels eingearbeitet, da das Sattelkissen der Teil eines Sattels ist, der unmittelbaren Kontakt zu dem Pferderücken hat. Um einen noch unmittelbareren Kontakt herzustellen, kann das Vakuumkissen stattdessen auch in die Satteldecke eingearbeitet werden, die im gesattelten Zustand noch unterhalb des Sattels aufgelegt ist.

Im Falle beider Varianten kann unter das Vakuumkissen nochmals eine Schicht aus Leder aufgebracht sein, um in jedem Fall auszuschließen, dass das im Kissen befindliche Füllmaterial eine unangebrachte Reibung auf dem Pferderücken verursacht.

Bevorzugte Ausführungsformen der vorliegenden Erfindung werden im Folgenden unter Bezugnahme auf die beiliegenden Zeichnungen näher erläutert. Dabei zeigen die Zeichnungen im Einzelnen

1 eine Illustration eines typischen Aufbaus eines Pferdesattels;

2 eine schematische Darstellung gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung, bei der das Vakuumkissen in das Sattelkissen eines Sattels eingearbeitet ist, und

3a – c eine schematische Darstellung des Vakuumkissens gemäß einer bevorzugten Ausführungsform.

Das Vakuumkissen ist vorzugsweise aus flexiblem Kunststoff gefertigt und weist eine Außenhaut auf, wodurch im Inneren eine Luftkammer gebildet wird. Über ein Ventil kann die Luft mittels einer Vakuumpumpe aus dem Kissen abgesaugt werden. Anschließend kann das Ventil geschlossen werden, um den Vakuumzustand zu fixieren. Das Kissen ist in seinem Inneren mit einem Füllmaterial, vorzugsweise mit Kunststoffkügelchen gefüllt. Wenn nun die Luft aus dem Kissen abgepumpt wird entsteht eine starre Form, deren Oberfläche durch die momentane Verteilung des Füllmaterials definiert wird. Wird nun, im Zustand des geöffneten Ventils das Vakuumkissen als Teil des Sattels oder als Teil der Pferdedecke auf das Pferd aufgelegt und das Pferd anschließend geritten, so verteilt sich das Füllmaterial in dem Vakuumkissen automatisch in einer Weise, die eine gute Anpassung des Sattels an den Pferderücken darstellt. Wird nach dieser Anpassungsphase dann die Luft aus dem Vakuumkissen abgesaugt, so wird das Kissen hart und die Verteilung des Füllmaterials in diesem Zustand gesichert. Dies bedeutet, dass dadurch eine Schicht geschaffen wurde, welche sich optimal an den Pferderücken und den Sattel anpasst. Auf diese Weise ist eine nahezu perfekte Anpassung des Sattels auf den Pferderücken realisierbar.

Um dennoch Scheuerungen auf dem Rücken des Pferdes zu vermeiden, sollte das Füllmaterial noch eine gewisse Elastizität aufweisen und/oder es sollte unter dem Vakuumkissen eine weitere Schicht aus Leder vorgesehen sein. Dies kann sowohl bei der Variante, bei der das Vakuumkissen in den Pferdesattel eingenäht ist als auch in der Variante bei der das Vakuumkissen in die Pferdedecke eingearbeitet ist, realisiert sein.

2 zeigt in schematischer Weise die Verbesserung, die die vorliegende Erfindung bei einem Pferdesattel leistet. Vorzugsweise ist in die in 1 mit der Bezugsziffer 13 bezeichnete Sattelkammer das erwähnte Vakuumkissen eingearbeitet. Die Einarbeitung des Vakuumkissens in die Sattelkammer stellt jedoch nur eine bevorzugte Ausführungsform dar und das Kissen kann nahezu beliebig in den Sattel integriert werden, solange durch das Absaugen der Luft aus dem Vakuumkissen eine Beeinflussung der Form des Sattels derart erfolgt, dass dieser sich besser an den Rücken des Pferdes adaptiert. Wie in 2 gezeigt, ist somit gemäß einer bevorzugten Ausführungsform eine Veränderung an der Sattelkammer 14 vorgenommen worden. Die Schraffierung deutet an, dass ein Vakuumkissen eingearbeitet wurde.

3a3c zeigen das Vakuumkissen in schematischer Ansicht, wobei für den Fachmann klar ist, dass das Kissen jeweils die Form aufweisen muss, die sich für die Integration in den Sattel am besten eignet. Dementsprechend ist die in 3a3c dargestellte Form nur ein Beispiel. Ersichtlicherweise weist das Vakuumkissen 15 ein Ventil 16 auf, mittels dem mit Hilfe einer Pumpe die im Vakuumkissen anfänglich vorhandene Luft abgesaugt werden kann. Entsprechend ist die Hülle des Vakuumkissens luftundurchlässig und vorzugsweise aus einem flexiblen Kunststoff gefertigt. Das Kissen kann Strukturelemente 17 aufweisen, die beim Absaugen der Luft eine gewisse Form vorgeben. Die Struktur 17 kann auch dazu dienen, im Inneren die Verteilung des Füllmaterials in einer gewissen Ordnung zu halten, so dass das Füllmaterial nicht eine gewisse Grundordnung verliert, wenn das Kissen Luft enthält. Wie erläutert, befindet sich im Inneren des Vakuumkissens ein Füllmaterial, vorzugsweise aus Kunststoffkügelchen. Denkbar sind jedoch auch Füllungen aus Kork oder Kunststoffpartikeln.

Das Kissen weist im Grundzustand, d.h. solange sich Luft im Kissen befindet, eine flexible Struktur auf und wird nach Absaugen der Luft relativ hart. Die eigentliche Härte wird im Zustand ohne Luft im Wesentlichen durch das Füllmaterial bestimmt.

Neben einer Integration des Vakuumkissens im Sattel selbst, kann auch eine Integration in der darunter liegenden Satteldecke vorgesehen sein, da die Satteldecke letztendlich direkt auf dem Pferderücken liegt und hier eine besonders genaue Anpassung des Pferderückens an den darüber Liegenden herstellbar ist.

Um Reibung auf dem Rücken des Pferdes zu vermeiden, sollte das Füllmaterial einen gewissen Grad an Weichheit/Flexibilität aufweisen. 3b und 3c veranschaulichen, dass die Dicke des Vakuumkissens abnimmt, wenn die Luft aus der Kammer abgesaugt wird.

Gemäß einem Nebenaspekt betrifft die vorliegende Erfindung darüber hinaus eine Gamasche, die aus einem derartigen Vakuumkissen selbst besteht oder in die ein derartiges Kissen integriert wurde. Eine derartige Gamasche, die beispielsweise aus dem Vakuumkissen selbst bestehen kann, in welchem Fall das Kissen wie eine Art Strumpf aussehen muss, hat den Vorteil, dass die Gamasche im Zustand, in dem das Kissen mit Luft gefüllt ist, relativ leicht aufgezogen werden kann und dann, wenn eine zufriedenstellende Positionierung erreicht worden ist, die Luft abgesaugt werden kann, wodurch sich die Gamasche erhärtet und den gewünschten Effekt, sei es Schutzeffekt oder Stabilisierung, zeigt. Eine derartige Gamasche kann darüber hinaus mit einem Schlauchsystem im Inneren versehen sein, über das kühlende Flüssigkeit oder wärmende Flüssigkeit an die Körperstelle des Pferdes transportiert werden kann, um beispielsweise einen Heilungsprozess positiv zu beeinflussen. Im Falle, dass die Gamasche lediglich eine Schutzfunktion aufweist, so bietet sich zumindest der Vorteil, dass derartige Gamaschen druckfrei angebracht werden können und zwar in kürzester Zeit. Nach Absaugen der Luft kann eine Schutzfunktion erreicht werden, die durch Bandagierung allein in der Regel nicht erreicht wird.

Gemäß einem weiteren Aspekt der vorliegenden Erfindung wird ein Verfahren zur Anpassung des Sattels oder der Satteldecke mit integriertem Vakuumkissen an den Rücken des Pferdes vorgeschlagen. In diesem Zusammenhang wird vorgeschlagen, dass der Sattel oder die Satteldecke mit dem integrierten Kissen zunächst auf das Pferd gelegt wird. Dann steigt der Reiter auf und reitet das Pferd für eine Weile, wodurch sich das Füllmaterial optimal in dem Vakuumkissen verteilt und eine gute Anpassung hergestellt wird. Anschließend steigt der Reiter ab und die gewonnene Verteilung des Füllmaterials, die zu einer guten Adaption führt, wird anschließend dadurch gesichert, indem die Luft aus dem Kissen abgesaugt wird, wodurch sich die aktuelle Verteilung des Materials feststellt. Dies passiert, da sich aufgrund des Vakuums die Hülle des Luftkissens von beiden Seiten an das Füllmaterial presst und dieses fest umschließt. In diesem Zustand ist nun eine perfekte Anpassung zwischen Pferderücken und Sattel entweder durch das Vakuumkissen, das im Sattel bereits integriert ist, oder durch die Satteldecke, in der das Kissen integriert ist, erreicht worden. In diesem Zustand kann nun der eigentliche Ritt beginnen.

Durch das erfindungsgemäße Vakuumkissen kann der gleiche Sattel für unterschiedliche Pferde verwendet werden, da stets eine individuelle Anpassung vor dem Austritt stattfinden kann. Auch eine Veränderung des Pferdes, z.B. durch Wachstum, muss daher nicht mehr dazu führen, dass der Sattel gewechselt wird, sondern das Wachstum wird durch die sich ändernde Adaption ausgeglichen.


Anspruch[de]
  1. Sattel, insbesondere Pferdesattel, dadurch gekennzeichnet, dass in dem Sattel ein Vakuumkissen integriert ist, welches ein Füllmaterial enthält, derart, dass nach Absaugen der Luft aus einem Ventil des Vakuumkissens das Füllmaterial dem Sattel eine Form verleiht, die an den Rücken des entsprechenden Pferdes angepasst ist.
  2. Sattel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Vakuumkissen in das Sattelkissen eingearbeitet ist.
  3. Sattel nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Vakuumkissen als Füllmaterial Kunststoffkügelchen oder Kunststoffpartikel oder Kork aufweist.
  4. Sattel nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass unterhalb des Vakuumkissens nochmals eine Schicht Leder oder ein vergleichbares weiches Material vorhanden ist, um ein Scheuern des Vakuumkissens auf dem Pferderücken zu vermeiden.
  5. Pferdedecke mit integriertem Vakuumkissen, welches ein Füllmaterial enthält.
  6. Pferdedecke nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass unterhalb des Vakuumkissens nochmals eine Schicht Leder vorhanden ist, um ein Scheuern des Vakuumkissens auf dem Pferderücken zu vermeiden.
Es folgen 3 Blatt Zeichnungen






IPC
A Täglicher Lebensbedarf
B Arbeitsverfahren; Transportieren
C Chemie; Hüttenwesen
D Textilien; Papier
E Bauwesen; Erdbohren; Bergbau
F Maschinenbau; Beleuchtung; Heizung; Waffen; Sprengen
G Physik
H Elektrotechnik

Anmelder
Datum

Patentrecherche

  Patente PDF

Copyright © 2008 Patent-De Alle Rechte vorbehalten. eMail: info@patent-de.com