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Dokumentenidentifikation DE102004048969B3 18.05.2006
Titel Anbausystem für von Baukörpern auskragende Konstruktionen
Anmelder Kröger, Claus, 21335 Lüneburg, DE
Erfinder Kröger, Claus, 21335 Lüneburg, DE
Vertreter Hansen, J., Dipl.-Geophys., Pat.-Anw., 21680 Stade
DE-Anmeldedatum 07.10.2004
DE-Aktenzeichen 102004048969
Veröffentlichungstag der Patenterteilung 18.05.2006
Veröffentlichungstag im Patentblatt 18.05.2006
IPC-Hauptklasse E04B 1/00(2006.01)A, F, I, 20051017, B, H, DE
Zusammenfassung Die Erfindung betrifft ein Anbausystem für von Baukörpern (1) auskragende Konstruktionen (2), insbesondere Balkone, Vordächer oder sonstige auskragende Anbauten, wobei der Baukörper (1) ein lastaufnehmendes Decken- oder Dachelement (10) aufweist, an dem Decken- oder Dachelement (10) Einspannungen (21) vorgesehen sind, an denen die auskragende Konstruktion (2) befestigt ist, wobei die auskragende Konstruktion (2) einen Querträger (23) aufweist, der nahe am und im Wesentlichen parallel zum Baukörper (1) angeordnet ist; der Querträger (23) an wenigstens zwei Einspannungen (21) fest eingespannt ist und der Querträger (23) an wenigstens einer Einspannung (22) über ein Querkraftgelenk eingespannt ist, so dass an dieser Einspannung (22) im Wesentlichen nur Biegemomente und ggf. Normalkräfte in das Decken- oder Dachelement (10) übertragen werden.
Ferner betrifft die Erfindung ein Querkraftgelenk (3), das im Wesentlichen nur Momente und Normalkräfte überträgt, für ein erfindungsgemäßes Anbausystem, wobei am freien Ende (201) der Einspannung (22) im Decken- oder Dachelement (10) eine parallel zur Längserstreckung des Querträgers (23) und lotrecht ausgerichtete Platte (31) befestigt ist und die Platte Langlöcher (311) hat, deren Längsachsen vertikal angeordnet sind; außenseitig der Platte (31) eine Befestigungsplatte (32) vorgesehen ist, die mit dem Querträger (23) fest verbunden ist; innenseitig der Platte (31) eine Gegenplatte (33) vorgesehen ist, die die Einspannung (22) mit ...

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein Anbausystem für von Baukörpern auskragende Konstruktionen, insbesondere Balkone, Vordächer oder sonstige auskragende Anbauten, wobei der Baukörper ein lastaufnehmendes Decken- oder Dachelement aufweist, an dem Decken- oder Dachelement Einspannungen vorgesehen sind, an denen die auskragende Konstruktion befestigt ist.

Bei frei auskragenden Anbauten an bestehenden Baukörpern besteht insbesondere die Schwierigkeit, die von der auskragenden Konstruktion herrührenden Lasten in geeigneter Weise auf den bestehenden Baukörper zur Ableitung in den Baugrund zu übertragen.

Im Stand der Technik sind unterschiedliche Methoden zur Einleitung der Lasten von auskragenden Konstruktionen bekannt. Bei geringen Lasten, beispielsweise bei kleineren Vordächern, reicht meist eine Befestigung in der Außenwand des bestehenden Baukörpers mittels Dübelkonstruktionen als Zuganker und entsprechenden Auflageflächen an der Wand als Drucklager aus.

Bei höheren Lasten, wie sie beispielsweise bei frei auskragenden Balkonen oder größeren Vordächern auftreten, ist die Verankerung am bestehenden Baukörper schwierig. Häufig werden daher aufgeständerte Balkone verwendet, die über separate Stützen die Last der angebauten Balkone eigenständig auf ein neu zu erstellendes Fundament bzw. Fundamente in den Boden leiten. Dieses Verfahren ist kostenaufwendig und oftmals optisch störend, da die hervortretenden Stützen das bestehende Gebäude optisch zergliedern.

Demgegenüber sind für auskragende Balkone aufwendigere Konstruktionen zur Einspannung der auskragenden Konstruktion am vorhandenen Baukörper bekannt. Insbesondere ist eine Verankerung an im bestehenden Baukörper befindlichen Stahlbetondecken vorteilhaft. Eine Stahlbetondecke besitzt in der Regel genug obere Randbewehrung zur Aufnahme der durch den auskragenden Anbau hervorgerufenen zusätzlichen Kräfte, nämlich Zugkräfte auf den oberen Teil der Decke und Druckkräfte auf den unteren Teil der Decke. Auch das darunter befindliche, stützende Mauerwerk hat im Normalfall genug Lastreserve zur Ableitung der Lasten in den Baugrund. Problematisch wird jedoch ein Anbau einer auskragenden Konstruktion im Bereich von Tür- oder Fensterstürzen im vorhandenen Baukörper, da dort meist keine ausreichenden Lastreserven vorhanden sind. Die nachträgliche Verstärkung eines Sturzes ist kostspielig, häufig unästhetisch und in vielen Fällen auch nicht möglich, da Durchgangshöhen von Türen etc. reduziert werden müßten.

Entsprechend sind im Stand der Technik Balkonanbausysteme bekannt, die mit sichtbaren Elementen wie Stützen und Streben arbeiten, die sich oftmals optisch störend auf den Gesamteindruck des Gebäudes auswirken, aber keinen aufwendigen Eingriff in die bestehende Gebäudesubstanz erfordern. Beispielhaft wird für ein derartiges System auf ein Balkonanbausystem der Firma Weland GmbH, Spengler Str. 89–91, 23556 Lübeck verwiesen. Bei dem Balkonanbausystem sind an senkrecht verlaufenden Hohlprofilen, die mittels Klebeankern im Deckenbereich befestigt sind, Balkonmodule einhängbar.

Bei dieser Konstruktion werden die Lasten über das senkrecht verlaufende Hohlprofil und die im Deckenbereich angeordneten Klebeanker in den bestehenden Baukörper eingeleitet. Da die Balkonmodule jeweils zwischen zwei beabstandet angeordneten Hohlprofilen eingehängt sind, ist dieses System sehr starr und hinsichtlich der Balkonbreite, die frei tragend zu überbrücken ist, begrenzt. Ferner stören auch hier die auf der Fassade angebrachten Konstruktionselemente.

Aufgabe der Erfindung ist es, ein Anbausystem für auskragende Konstruktionen an vorhandenen Baukörpern anzugeben, mit dem ein Lasteintrag in den vorhandenen Baukörper ohne an der Fassade aufgesetzte Verstärkungsprofile etc. und auch Tür- oder Fenstersturzbereiche überdeckend möglich ist.

Gelöst wird diese Aufgabe mit einem Anbausystem gemäß Anspruch 1. Die auskragende Konstruktion wird im Bereich eines lastaufnehmenden Decken- oder Dachelementes über Einspannungen erreicht. Das Besondere ist jedoch, dass die auskragende Konstruktion einen Querträger aufweist, der nahe am und im wesentlichen parallel zum Baukörper angeordnet ist; der Querträger an wenigstens zwei Einspannungen fest eingespannt ist, und der Querträger an wenigstens einer Einspannung über ein Querkraftgelenk eingespannt ist, so dass an dieser Einspannung im wesentlichen nur Biegemomente und ggf. Normalkräfte in das Decken- oder Dachelement übertragen werden.

Dabei ist das Querkraftgelenk jeweils an Einspannungen im Bereich von Schwächungszonen des bestehenden Baukörpers, beispielsweise im frei tragenden Sturzbereich vorzusehen. Damit wird erreicht, dass die Einspannung mit Querkraftgelenk lediglich Biegemomente im Bereich dieser Einspannung auf den vorhandenen Baukörper übertragt. Die daraus resultierenden zusätzlichen Lasten sind erheblich geringer, als wenn an dieser Einspannung auch Querkräfte, nämlich insbesondere die Auflastkräfte der auskragenden Konstruktion eingeleitet würden. Durch das vorgesehene Querkraftgelenk an dieser wenigstens einen Einspannung wird das Auflastgewicht über den Querträger auf die wengistens zwei fest angeordneten Einspannungen in den bestehenden Baukörper eingeleitet.

Querkraftgelenke sind im Bereich der Bautechnik unter Tragwerken bekannt. Ein idealisiertes derartiges Gelenk kann keine Querkräfte übertragen, sondern nur Momente und Normalkräfte. Ein derartiges Querkraftgelenk ist beispielsweise im Brückenbau als Widerlager bekannt. Dabei sind die Lagerflächen horizontal angeordnet und können über eine dazwischen liegende Zylinderwalzenlage Auflasten als Normalkräfte auf den Brückenpfeiler übertragen, wohingegen Querkräfte nicht übertragen werden.

Ein derartiges Zylinderwalzenlager wird in der DE 30 34 514 A1 als bekannt gewürdigt.

Das im Anbausystem verwendete Querkraftgelenk hat hingegen eine vertikale Orientierung, wobei am freien Ende der Einspannung im Decken- oder Dachelement eine parallel zur Längserstreckung des Querträgers und lotrecht ausgerichtete Platte befestigt ist, wobei die Platte Langlöcher hat, deren Längsachsen vertikal angeordnet sind; außenseitig der Platte eine Befestigungsplatte vorgesehen ist, die mit dem Querträger fest verbunden ist; innenseitig der Platte eine Gegenplatte vorgesehen ist, die die Einspannung mit Spiel umgreift; die Befestigungsplatte mit der Gegenplatte mittels durch die Langlöcher der Platte durchgreifenden Bolzen verspannt ist; und zwischen Gegenplatte und Platte sowie zwischen Platte und Befestigungsplatte Gelenkwalzen angeordnet sind, dessen Achsen senkrecht zur Langlochlängsachse und parallel zu den Platten ausgerichtet sind.

Wenn ein Lagerkäfig zur Lagehaltung der Gelenkwalzen vorgesehen ist, können die im Querkraftgelenk vorgesehenen Gelenkwalzen auch in ihrer Einbauorientierung an lotrecht ausgerichteten Platten lagerichtig positioniert werden. Insbesondere wir mit einem Lagerkäfig die Montage des Querkraftgelenks erheblich vereinfacht, da das Gelenk sich senkrecht zur freien Achse zusammenbauen läßt.

In weiter bevorzugter Ausgestaltung ist der Lagerkäfig als Schutzkasten ausgebildet, der Gegenplatte, Platte und Befestigungsplatte im wesentlichen umschließt. Neben der Positionierung der Gelenkwalzen bei der Montage des Querkraftgelenks auf der Baustelle werden gleichzeitig die Gelenkwalzen vor Schmutz, der zwischen die Lagerplatten geraten könnte, geschützt. Es wird somit vermieden, dass die gewünschte Enkopplungsfunktion des Querkraftgelenks für wirkende Querkräfte durch Schmutzablagerungen und Anhaftungen an den Gelenkwalzen gemindert würde.

In weiterer Ausgestaltung des Anbausystems ist vorgesehen, dass die Einspannung zum Lasteintrag in das Decken- oder Dachelement eine Kombination von horizontalen Zugstab und Druckstab aufweist, wobei der Zugstab auf dem Decken- oder Dachelement und der Druckstab am zur auskragenden Konstruktion zeigenden Rand des Decken- oder Dachelementes befestigt sind. Dabei wird der Zugstab bevorzugt unmittelbar auf die Rohdecke aufgedübelt und der Druckstab an der Stirnseite der Decke angesetzt und ebenfalls mittels Schraubdübelverbindung fixiert. Bei dem Anbau einer auskragenden Konstruktion mittels Zug- und Druckstab ist somit lediglich das Enfernen des Estrichs im Bereich des Zugstabes zu dessen Montage auf der Stahlbetondecke erforderlich. Handelt es sich beispielsweise um einen Anbaubalkon sind jedoch häufig entsprechende Umbaumaßnahmen im zum Balkon angrenzenden Raum des bestehenden Gebäudes erforderlich, wie beispielsweise Abbruch der Fensterbrüstung, Austausch eines Fensters gegen ein Fenster-Tür-Element etc. Somit kann die Montage des Zugstabes problemlos in die Umbauarbeiten integriert werden und bedeutet folglich keinen größeren zusätzlichen Aufwand. Diese Konstruktion ist auch anwendbar für Decken- oder Dachelemente aus Holz und für Ziegelhohlkörperdecken.

In alternativer Ausgestaltung weist die Einspannung zum Lasteintrag in das Decken- oder Dachelement einen Biegestab auf, der in einer in die zur auskragenden Konstruktion zeigenden Stirnseite der Stahlbetondecke eingebrachten Horizontalbohrung verankert ist. Ausschließlich für Stahlbetondecken kann jedoch durch Vorsehen eines in eine Horizontalkernbohrung in der Stahlbetondecke einzementierten Biegestabes eine die bisherige Gebäudesubstanz am wenigstens beeinträchtigende Lösung angegeben werden. Bei diesem Verfahren können Fußbodenarbeiten im Gebäudeinneren vorteilhaft entfallen.

Bevorzugt ist die wenigstens eine Einspannung mit Querkraftgelenk zwischen zwei festen Einspannungen angeordnet. Damit wird die als Querkraft im Bereich der Einspannung mit Querkraftgelenk wirkende Gewichtskraft über den Querträger dieser Konstruktion auf die beiden einander gegenüberliegenden festen Einspannungen übertragen. Selbstverständlich kann auch der Querträger teilweise selbst „auskragend" durch Vorsehen einer Einspannung mit Querkraftgelenk am Ende des Querträgers ausgebildet werden. In diesem Falle würde die zu dieser Einspannung nächstliegende feste Einspannung die gesamte Auflast dieses Teils der Konstruktion tragen, wobei am Querträger zusätzlich Biegemomente wirken würden, die teilweise die entferntere feste Einspannung entlasten würde.

Demgegenüber ist die von der Lastverteilung her bevorzugte und für viele Anwendungsbereiche auch geeignetste Ausgestaltung dadurch gekennzeichnet, dass an beiden Enden des Querträgers je eine feste Einspannung und dazwischen wenigstens eine Einspannung mit Querkraftgelenk vorgesehen sind. Handelt es sich beispielsweise um einen Balkonanbau kann im gesamten Mittenbereich zwischen den an beiden Enden des Querträgers angeordneten festen Einspannungen am bestehenden Gebäude durch die Lastaufnahme des Querträgers und die Querkraft entkoppelnde Einspannung mit Querkraftgelenk eine deutliche Entlastung erreicht werden. Folglich können in diesem Bereich vorhandene Fensterstürze etc. ohne eine ergänzende Verstärkung beibehalten werden. Die Auflast des angebauten Balkons wird dabei im wesentlichen nur über die festen Einspannungen an den beiden Enden des Querträgers in die Decke des bestehenden Gebäudes eingebracht und von den Sturzauflagerbereichen in den Baugrund abgeleitet. Es wird also ein Großteil der Balkonlast durch Umlagerung zu den festen Einspannungen im Bereich der Sturzlager, also in stützendes Mauerwerk mit ausreichender Lastreserve eingeleitet. Eine Sturzverstärkung ist somit in der Regel nicht erforderlich. Gleichwohl können die aufgrund der auskragenden Konstruktion an den Einspannungen angreifenden Biegemomente über die Querkraftgelenke in den bestehenden Baukörper geleitet werden.

Wenn am Querträger vorkragende Träger als Unterkonstruktion für einen Balkon oder ein Vordach befestigt sind, wird ein kompakter Unterbau beispielsweise für den Balkonboden oder ein Vordach bereitgestellt. Der Querträger wie auch die daran angesetzten vorkragenden Träger sind bevorzugt aus Doppelflanschträger gleicher Höhenabmessung hergestellt und miteinander verschweißt. Für eine Balkonunterbaukonstruktion können somit Balkontiefen bis 1,5 m und Balkonbreiten von 4 m oder mehr erzielt werden. Die Anordnung der festen Einspannungen und der Einspannungen mit Querkraftgelenk ist variabel, womit beliebige Balkonlagen und Balkonbreiten realisiert werden können.

Um die Auflastgewichte der Balkonlast im Bereich der Einfassung mit Querkraftgelenk von der Einspannung abzukoppeln und über den Querträger in die festen Einspannungen umzulagern, ist das Querkraftgelenk so ausgebildet, dass lotrechte Kräfte nicht aufgenommen werden.

Nachfolgend wird ein Ausführungsbeispiel des Anbausystems sowie des dabei verwendeten Querkraftgelenks unter Bezugnahme auf die beiliegenden Zeichnungen detailliert beschrieben.

Darin zeigt:

1 in einer teils geschnittenen Draufsicht eine von einem bestehenden Baukörper auskragende Konstruktion nach dem erfindungsgemäßen Anbausystem,

2 in einer Draufsicht eine Einspannung mit Querkraftgelenk entsprechend der in 1 dargestellten Konstruktion,

3 die in 2 dargestellte Anordnung in geschnittener Seitenansicht entlang der in 2 mit A-A dargestellten Fläche und

4 das Querkraftgelenk in einer Darstellung entlang der in 2 bzw. 3 dargestellten Ebene B-B.

In 1 ist in teils geschnittener Draufsicht ein vorhandenes Gebäude 1 auf der linken Seite der Zeichnung und eine auskragende Konstruktion 2 auf der rechten Seite der Zeichnung dargestellt. Der bestehende Baukörper oder das vorhandene Gebäude 1 weist ein Deckenelement 10 in Form einer Stahlbetondecke auf. Im unter der Stahlbetondecke 10 liegenden Geschoss ist eine große Fensteröffnung mit einem langen Sturz 11 verwirklicht. Der Sturz 11 ist auf Mauerabschnitte als Sturzauflager 12 und 13 abgestützt.

An einer Stirnseite 100 der Stahlbetondecke 10 ist die auskragende Konstruktion 2 als Balkon angebaut. Für den Balkonanbau 2 sind in der vorhandenen Geschossdecke 10 fünf horizonale Kernbohrungen 101 in die Stirnfläche 100 der Geschossdecke 10 eingebracht.

Die Horizontalbohrung 101 weist beispielsweise einen Durchmesser von 100 mm und eine Bohrtiefe von 1000 mm auf. In jede der fünf Horizontalbohrungen 101 wird ein Biegestab 20 in Form eines geeigneten Rohres, beispielsweise der Dimension Durchmesser 88,9 × 8 mm einzementiert. Diese einzementierten Biegestäbe 20 bilden insgesamt fünf Einspannungen 21 bzw. 22.

Nahe am und im wesentlichen parallel zum Baukörper 1 ist ein Querträger 23 an der auskragenden Konstruktion 2 vorgesehen. Der Querträger 23 ist an seinen Enden fest mit den Einspannungen 21 verbunden. Die zwischen den festen Randeinspannungen 21 angeordneten drei weiteren Einspannungen 22 sind mit einem Querkraftgelenk 3 mit dem Querträger 23 derart verbunden, dass Auflasten senkrecht zur Zeichenebene der 1 nicht auf die Einspannungen 22 übertragen werden.

Am Querträger 23 sind in Verlängerung der die Einspannungen 21, 22 bildenden Biegestäbe 20 vorkragende Träger 24 befestigt.

Diese auskragende Konstruktion 2 bildet den Unterbau eines hier nicht näher dargestellten Balkons. Dabei ist diese Konstruktion 2 bevorzugt aus genormten Doppelflanschträgern hergestellt. Der Querträger 23 besteht beispielsweise aus einem Doppelflanschträger HEB 180 und die vorkragenden Träger 24 aus Doppelflanschträgern der Dimension IPE 180. In den Knotenbereichen der vorkragenden Träger 24 mit dem Querträger 23 sind die Träger miteinander verschweißt.

Eine Einspannung 22 mit Querkraftgelenk 3 ist in den 2 bis 4 im Detail dargestellt. In 2 ist in der Draufsicht ein Teil der Stahlbetondecke 10 mit darin befindlicher Horizontalbohrung 101 dargestellt. Ebenso ist in der Schnittdarstellung der 3 die Stahlbetondecke 10 mit darin integriertem Sturz 11 wiedergegeben. In der Horizontalbohrung 101 ist der Biegestab 20 fest einzementiert.

Am freien Ende 201 des Biegestabes 20 ist das Querkraftgelenk 3 angesetzt. Das Querkraftgelenk 3 weist eine lotrecht ausgerichtete Platte 31 als erste Lagerplatte auf. Diese erste Lagerplatte 31 ist beispielsweise mit dem freien Ende 201 des Biegestabs 20 verschweißt. In der Platte 31 sind vier Langlöcher 311 eingebracht, deren Längsachsen vertikal angeordnet sind. Außenseitig, also von dem bestehenden Gebäude 1 abgewandt, ist parallel zur Platte 31 eine Befestigungsplatte oder zweite Lagerplatte 32 angeordnet. Die Befestigungsplatte 32 ist mit dem Querträger 23, beispielsweise durch eine Schweißverbindung, verbunden.

Innenseitig der Platte 31, also zum bestehenden Gebäude gerichtet, ist eine Gegenplatte oder dritte Lagerplatte 33 vorgesehen, die den Biegestab 20 der Einspannung 22 mit Spiel umgreifend ausgebildet ist.

Die zur ersten Lagerplatte 31 parallel angeordneten zweite und dritte Lagerplatten 32, 33 weisen jeweils vier zu den vier Langlöchern 311 der ersten Lagerplatte 31 korrespondierende Durchgangsbohrungen 321, 331 auf. Durch die Durchgangsbohrungen 321, 331 und Langlöcher 311 sind vier Schraubbolzen 34 durchgesteckt. Mit den Bolzen 34 werden die Befestigungsplatte 32 mit der Gegenplatte 33 verspannt.

Zwischen der dritten Lagerplatte 33 und der ersten Lagerplatte 31 sowie zwischen der ersten Lagerplatte 31 und der zweiten Lagerplatte 32 sind jeweils Gelenkwalzen 35 in zur Lastaufnahme ausreichender Zahl auf den korrespondierenden Lagerflächen verteilt angeordnet. Die Gelenkwalzen 35 sind dabei mit ihren Zylinderachsen zueinander parallel und horizontal, also zur Längsachse der Langlöcher 311 senkrecht ausgerichtet. Damit erlauben die Gelenkwalzen 35 eine reibungsarme Lateralbewegung senkrecht zur Zeichenebene der 2, also in lotrechter Richtung im Umfang des Spielraums in den Langlöchern 311 der ersten Lagerplatte 31. Entsprechend werden an der auskragenden Konstruktion 2 wirkende lotrechte Kräfte als sog. Querkräfte von dem Querkraftgelenk 3 nicht auf die Einspannung 22 übertragen. Entsprechend nimmt der in der auskragenden Konstruktion 2 vorgesehene Querträger 23 die Auflast auf und lagert die Auflast auf die festen Einspannungen 21, 21 (s. 1) um.

Mit dem erfindungsgemäßen Anbausystem mit Querkraftgelenk können somit auskragenden Konstruktionen, insbesondere Balkone und Vordächer an bestehenden Gebäuden im Bereich von Decken- oder Dachelementen lasteinbringend befestigt werden, auch wenn im von der Konstruktion überdeckten Bereich Schwächungszonen, wie beispielsweise Tür- oder Fensterstürze vorhanden sind.

Im Gegensatz zu separat aufgeständerten Balkonen sind keine sichtbaren Stützen und neu zu gründende Fundamente erforderlich. Im Gegensatz zu den bekannten, an bestehenden Gebäuden angebauten Balkonsystemen fehlen auch jegliche auf der Gebäudefassade aufgebrachte Streben oder Verstärkungselemente.

Mit der Konstruktion können bei entsprechender Materialwahl eine Auskragung des Balkons bis 1,5 m problemlos realisiert werden. Da auch große Balkonbreiten von 4 m oder mehr erzielt werden können, können sehr großflächige Anbaubalkone als auskragende Konstruktionen realisiert werden. Aufgrund der stützen- und strebenlosen Konstruktion werden unter dem Balkon liegende Wohnungen weniger beeinträchtigt. Ferner können Balkone auch sehr individuell, beispielsweise nur für einzelne Wohnungen oder an unterschiedlichen Positionen an der Fassade montiert werden, da eine Lastverteilung in der Anbaukonstruktion über mehrere Geschosse nicht nötig ist.

Somit ist das erfindungsgemäße System vor allem bei Gebäuden geringerer Geschosszahl eine wirtschaftliche Lösung. Dabei kann die tragende Balkonkonstruktion (auskragende Konstruktion 2) aus genormten, leicht beschaffbaren und entsprechend kostengünstigen Bauteilen, wie Doppelflanschträgern, hergestellt werden.

Durch die punktuellen Anschlüsse der auskragenden Konstruktion an die vorhandene Stahlbetondecke werden Wärmebrücken weitestgehend vermieden. Zusätzlich kann eine umlaufende Wärmedämmung um die auskragende Konstruktion vorteilhaft sein.

1Baukörper, vorhandenes Gebäude 10Decken- oder Dachelement, Stahlbetondecke 100Stirnfläche 101Horizontalbohrung 11Sturz 12Sturzauflager, Mauerwerk 13Sturzauflager, Mauerwerk 2auskragende Konstruktion, Balkonanbau 20Biegestab 201freies Ende 21Einspannung 22Einspannung 23Querträger 24vorkragender Träger 3Querkraftgelenk 31Platte, erste Lagerplatte 311Langloch 32Befestigungsplatte, zweite Lagerplatte 321Durchgangsbohrung 33Gegenplatte, dritte Lagerplatte 331Durchgangsbohrung 34Bolzen 35Gelenkwalzen

Anspruch[de]
  1. Anbausystem für von Baukörpern (1) auskragende Konstruktionen (2), insbesondere Balkone, Vordächer oder sonstige auskragende Anbauten, wobei

    – der Baukörper (1) ein lastaufnehmendes Decken- oder Dachelement (10) aufweist,

    – an dem Decken- oder Dachelement (10) Einspannungen (21) vorgesehen sind, an denen die auskragende Konstruktion (2) befestigt ist,

    dadurch gekennzeichnet, dass

    – die auskragende Konstruktion (2) einen Querträger (23) aufweist, der nahe am und im wesentlichen parallel zum Baukörper (1) angeordnet ist;

    – der Querträger (23) an wenigstens zwei Einspannungen (21) fest eingespannt ist, und

    – der Querträger (23) an wenigstens einer Einspannung (22) über ein Querkraftgelenk eingespannt ist, so dass an dieser Einspannung (22) im wesentlichen nur Biegemomente und ggf. Normalkräfte in das Decken- oder Dachelement (10) übertragen werden.
  2. Anbausystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Einspannung (21, 22) zum Lasteintrag in das Decken- oder Dachelement (10) eine Kombination von horizontalen Zugstab und Druckstab aufweist, wobei der Zugstab auf dem Decken- oder Dachelement (10) und der Druckstab am zur auskragenden Konstruktion zeigenden Rand (100) des Decken- oder Dachelementes (10) befestigt sind.
  3. Anbausystem nach Anspruch 1 mit einer Stahlbetondecke (10) als Decken- oder Dachelement, dadurch gekennzeichnet, dass die Einspannung (21, 22) zum Lasteintrag in das Decken- oder Dachelement (10) einen Biegestab (20) aufweist, der in einer in die zur auskragenden Konstruktion zeigenden Stirnseite (100) der Stahlbetondecke (10) eingebrachten Horizontalbohrung (101) verankert ist.
  4. Anbausystem nach Anspruch 1, 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass die wenigstens eine Einspannung (22) mit Querkraftgelenk (3) zwischen zwei festen Einspannungen (21) angeordnet ist.
  5. Anbausystem nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass an beiden Enden (231, 232) des Querträgers (23) je eine feste Einspannung (21) und dazwischen wenigstens eine Einspannung (22) mit Querkraftgelenk (3) vorgesehen sind.
  6. Anbausystem nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass am Querträger (23) vorkragende Träger (24) als Unterkonstruktion für einen Balkon oder ein Vordach befestigt sind.
  7. Anbausystem nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Querkraftgelenk (3) so ausgebildet ist, dass lotrechte Kräfte nicht aufgenommen werden, wobei

    – am freien Ende (201) der Einspannung (22) im Decken- oder Dachelement (10) eine parallel zur Längserstreckung des Querträgers (23) und lotrecht ausgerichtete Platte (31) befestigt ist, wobei die Platte Langlöcher (311) hat, deren Längsachsen vertikal angeordnet sind;

    – außenseitig der Platte (31) eine Befestigungsplatte (32) vorgesehen ist, die mit dem Querträger (23) fest verbunden ist;

    – innenseitig der Platte (31) eine Gegenplatte (33) vorgesehen ist, die die Einspannung (22) mit Spiel umgreift;

    – die Befestigungsplatte (32) mit der Gegenplatte (33) mittels durch die Langlöcher (311) der Platte (31) durchgreifenden Bolzen (34) verspannt ist; und

    – zwischen Gegenplatte (33) und Platte (31) sowie zwischen Platte (31) und Befestigungsplatte (32) Gelenkwalzen (35) angeordnet sind, dessen Achsen senkrecht zur Langlochlängsachse und parallel zu den Platten (31, 32, 33) ausgerichtet sind.
  8. Anbausystem nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass am Querkraftgelenk (3) ein Lagerkäfig zur Lagehaltung der Gelenkwalzen (35) vorgesehen ist.
  9. Anbausystem nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass der Lagerkäfig als Schutzkasten ausgebildet ist, der Gegenplatte (33), Platte (31) und Befestigungsplatte (32) im wesentlichen umschließt.
Es folgen 2 Blatt Zeichnungen






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