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Dokumentenidentifikation DE102004046249A1 08.06.2006
Titel Verfahren zum Betrieb einer Zweiwalzengießmaschine zum Gießen von Band aus einer Metallschmelze
Anmelder ThyssenKrupp Nirosta GmbH, 47807 Krefeld, DE
Erfinder d'Hone, André, 47802 Krefeld, DE;
Leenen, René, 47877 Willich, DE;
Klos, Wilfried, 41516 Grevenbroich, DE
Vertreter COHAUSZ & FLORACK, 40211 Düsseldorf
DE-Anmeldedatum 23.09.2004
DE-Aktenzeichen 102004046249
Offenlegungstag 08.06.2006
Veröffentlichungstag im Patentblatt 08.06.2006
IPC-Hauptklasse B22D 11/06(2006.01)A, F, I, 20051017, B, H, DE
Zusammenfassung Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betrieb einer Zweiwalzengießmaschine zum Gießen von Band aus einer Metallschmelze, wobei die Zweiwalzengießmaschine zwei um jeweils eine Drehachse gegenläufig rotierende, in Drehlagern (4a, 4b; 5a, 5b) gelagerte Gießwalzen (1, 2) aufweist, die zwischen sich einen Gießspalt (6) an dessen Längsseiten begrenzen, und jeder Gießwalze (1, 2) jeweils mindestens eine Stelleinrichtung (8, 9, 10, 11) zugeordnet ist, die die jeweilige Gießwalze (1, 2) positioniert, um im Gießbetrieb eine bestimmte Geometrie (W) des Gießspalts (6) aufrechzuerhalten, und wobei die jeweils gemeinsam einer der kurzen Seiten (6a, 6b) des Gießspalts (6) zugeordneten Drehlager (4a, 5a; 4b, 5b) miteinander verbunden sind. Das erfindungsgemäße Verfahren ermöglicht trotz des Auftretens von Crusts einen dauerhaft sicheren Betrieb einer Zweiwalzengießmaschine, ohne dass es dazu eines großen Aufwands bedarf. Dies wird dadurch erreicht, dass für jede der Stelleinrichtungen (8-11) die in ihrem Bereich auftretende Reaktionskraft (Fga, Fgb) erfasst wird, dass dann, wenn eine der erfassten Reaktionskraft (Fga, Fgb) und die Geschwindigkeit des Anstiegs der betreffenden Reaktionskraft (Fga, Fgb) jeweils einen Grenzwert überschreiten, festgestellt wird, an welcher der Stelleinrichtungen (8-11) die betreffende Reaktionskraft (Fga, Fgb) den Grenzwert überschritten hat, und dass die von derjenigen Stelleinrichtung (8-11), an der die Grenzwertüberschreitung festgestellt ...

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betrieb einer Zweiwalzengießmaschine zum Gießen von Band aus einer Metallschmelze, wobei die Zweiwalzengießmaschine zwei um jeweils eine Drehachse rotierende, in Drehlagern gelagerte Gießwalzen aufweist, die zwischen sich einen Gießspalt an dessen Längsseiten begrenzen, und jeder Gießwalze jeweils mindestens eine Stelleinrichtung zugeordnet ist, die die jeweilige Gießwalze positioniert, um im Gießbetrieb eine bestimmte Geometrie des Gießspalts aufrechtzuerhalten, und wobei die jeweils gemeinsam einer der kurzen Seiten des Gießspalts zugeordneten Drehlager miteinander verbunden sind.

Zweiwalzengießmaschinen, in der Fachsprache auch "Double-Roller" oder "Twin-Roller" genannt, werden zum Gießen von Metallband aus Metallschmelze, insbesondere Stahlschmelze eingesetzt. Sie weisen zwei gegenläufig um parallel zueinander angeordnete Drehachsen rotierende Gießwalzen auf, die zwischen sich einen Gießspalt begrenzen, durch den das zu gießende Metallband austritt. An seinen Schmalseiten ist der Gießspalt üblicherweise durch jeweils eine Seitenplatte abgedichtet (WO 98/04369, EP-A 0 714 715, EP-B 0 620 061).

Um das Risiko einer Oxidation der jeweils verarbeiteten Schmelze zu minimieren, wird der über dem Gießspalt entstehende Schmelzensumpf üblicherweise unter einer Schutzgasatmosphäre gehalten. Dazu wird bei aus der Praxis bekannten Twin-Rollern oberhalb des Schmelzensumpfs eine Abdeckung angeordnet, die im Normalbetrieb in einem bestimmten Abstand zu den Gießwalzen gehalten wird, um deren freien Lauf zu ermöglichen. Indem die Atmosphäre über dem Schmelzensumpf mit einem gewissen Überdruck aufrechterhalten wird, wird das Eindringen von Sauerstoff auch im Bereich der zwischen Abdeckung und Gießwalzen unvermeidbaren Spalte vermieden. Voraussetzung dazu ist jedoch, dass die Spalthöhe ein bestimmtes Maximum nicht überschreitet, weil andernfalls der Überdruck der Schutzatmosphäre zu stark abfällt und Umgebungssauerstoff zur Schmelze gelangen kann.

Bei der Erzeugung von gegossenen Bändern nach dem Zweiwalzengießverfahren kommt es häufig zu so genannten "heißen Querstreifen". Diese Querstreifen bilden zum einen eine sich über einen kurzen Längenabschnitt erstreckende Dickenüberhöhung, die für sich gesehen bereits bei der weiteren Verarbeitung des gegossenen Bandes Probleme bereitet. Zum anderen führen sie zu einer Vergrößerung des zwischen den Gießwalzen und zwischen den Gießwalzen gebildeten Gießspalts mit der Folge, dass Luftsauerstoff in den Raum über dem Schmelzensumpf eintreten kann und die Gefahr einer Oxidation der zu vergießenden Schmelze besteht.

Die heißen Querstreifen entstehen aufgrund von parasitären Erstarrungen, so genannten "Crusts", die sich im unteren Bereich der den Gießspalt abdichtenden Seitenplatten bilden. Diese Crusts lösen sich bei einer gewissen Größe oder Gewicht und gelangen als fest erstarrter Körper zwischen die in Erstarrung befindlichen Randschalen des gegossenen Bandes. Dieser Eintrag von festem Material hat zunächst nur eine lokal eng begrenzte Dickenüberhöhung zur Folge. Aufgrund dieser Dickenüberhöhung kommt es dann im engsten Punkt des Gießspalts, dem so genannten Nip-Point, an lokal eng begrenzter Stelle zu einem plötzlich auftretenden hohen Kraftanstieg.

Da diese plötzlich auftretende Kraft asymmetrisch zwischen den beiden Ständern des Gießrahmens, d.h. der Verbindung zwischen den jeweils einer kurzen Seite des Gießspalts zugeordneten Drehlagern der Gießwalzen, wirksam ist, kommt es aufgrund der unvermeidbaren Dehnbarkeit der Verbindung zwischen den Drehlagern zu einem ungleichmäßigen Auffedern des Gießspalts. Dieses Auffedern hat für einen kurzen Augenblick im Bereich der Seite des Gießspalts, an der der jeweilige Crust aufgetreten ist, eine plötzliche starke Dicken- und Festigkeitszunahme über einen eng begrenzten Längenabschnitt des gegossenen Bandes zur Folge, weil in diesem Moment plötzlich hohe Bandformungskräfte im betreffenden Gießspaltabschnitt wirken. In dem Bereich des gegossenen Bandes, der den vom Crust nicht direkt betroffenen Bereich an der anderen Seite des Gießspalts passiert, liegt dagegen eine deutlich geringere Festigkeit vor, da es auch dort aufgrund der Auffederung des aus den Gießwalzen und den Verbindungen zwischen den Drehlagern gebildeten Gesamtsystems zu einer Aufweitung des Gießspalts kommt. Diese Auffederung verursacht eine Abnahme der in diesem Bereich des Gießspalts wirksamen Bandformungskraft, so dass die bereits erstarrten Außenschalen des gegossenen Bandes in diesem Bereich kurzfristig nicht mit der für die geforderte Festigkeit des gegossenen Bandes erforderlichen Kraft zusammengepresst werden.

Die in dem nicht direkt von dem Crust-Eintrag betroffenen Bereich des Gießspalts messbare, auf das Band wirkende Kraft entspricht dabei nicht mehr der im Gießprozess zur Erzielung des gewünschten Gießergebnisses kontrolliert aufgebrachten Bandformkraft, sondern ist gleich einem Anteil der in diesem Bereich wirksamen Reaktionskraft der aus dem Crust-Eintrag im anderen Bereich des Gießspalts entstehenden Aktionskraft. Bei hohen Kraftspitzen oder beim Vergießen von Schmelzengüten mit geringen Erstarrungsintervallen kann dies neben dem Problem der ungleichförmigen Dicken- und Festigkeitsverteilung zu Bandabrissen führen, die unmittelbar zum Gießabbruch führen. Die in Folge der Crusts entstehenden Fehler des Profils des gegossenen Bandes, wie Dickenüberhöhungen und Keilbildung, verursachen zudem Probleme bei der auf das Gießen folgenden Verarbeitung des gegossenen Bandes.

Es sind aus dem Stand der Technik Möglichkeiten bekannt, die unvermeidbare Dehnung der die Gießrollen tragenden und miteinander verbindenden Bauelemente mit dem Ziel einer möglichst gleichmäßigen Aufrechterhaltung der Form des Gießspalts zu kompensieren (US-PS 3 269 160, US PS 3 587 263). Jedes dieser bekannten Verfahren geht dabei davon aus, dass bei Auftreten von überhöhten Kräften, die durch Veränderung im Gießspalt verursacht werden, die auf die Gießwalzen in Richtung des Gießspalts von geeigneten Stelleinrichtungen aufgebrachten Kräfte erhöht werden müssen, um eine übermäßige Aufweitung des Spalts zu verhindern. Im Fall des Einziehens eines Crusts in den Gießspalt und der damit einhergehend plötzlich auftretenden Belastung führen diese Vorgehensweisen allerdings dazu, dass von den Stelleinrichtungen erhebliche Stellkräfte auf die Walzen ausgeübt werden, um den Spalt möglichst schnell wieder zu schließen.

Der Bereich des Gießspalts, in den der Crust eingezogen worden ist und in dem eine höhere Festigkeit des Bandes vorliegt, wird dann unter massivem Krafteintrag geschlossen, weil dort die höheren Kräfte auftreten, während am anderen Ende des Gießspalts eine deutlich geringere Kraftbeaufschlagung vorgenommen werden würde. Diese ungleichmäßige Belastung, die insbesondere im vom Auftreten des Crusts betroffenen Bereich zu extrem hohen Belastungsspitzen führt, kann eine dauerhafte Beschädigung der Gießwalze verursachen.

Die durch die Entstehung von Crusts verursachten Störungen sind auch deshalb besonders schwer zu beherrschen, weil in der Praxis keine Möglichkeit zur Voraussage des Ortes bekannt ist, an dem es zur nächsten Entstehung eines Crust kommen wird.

Ausgehend von dem voranstehend erläuterten Stand der Technik bestand die Aufgabe der Erfindung darin, ein Verfahren zu schaffen, mit dem trotz des Auftretens von Crusts ein dauerhaft sicherer Betrieb einer Zweiwalzengießmaschine möglich ist, ohne dass es dazu eines großen Aufwands bedarf.

Diese Aufgabe wird durch ein Verfahren der eingangs angegeben Art gelöst, welches erfindungsgemäß dadurch gekennzeichnet ist,

  • – dass für jede der Stelleinrichtungen die in ihrem Bereich auftretende Reaktionskraft erfasst wird,
  • – dass dann, wenn eine der erfassten Reaktionskraft und die Geschwindigkeit des Anstiegs der betreffenden Reaktionskraft jeweils einen Grenzwert überschreiten, festgestellt wird, an welcher der Stelleinrichtungen die betreffende Reaktionskraft den Grenzwert überschritten hat, und
  • – dass die von derjenigen Stelleinrichtung, an der die Grenzwertüberschreitung festgestellt worden ist, vorzunehmende Verstellung unter Berücksichtigung der über dem Grenzwert liegenden Reaktionskraft und der jeweils aktuellen Dehnung der Verbindung zwischen denjenigen Drehlagern vorgenommen wird, die derselben kurzen Seite des Gießspalts zugeordnet sind wie die Stelleinrichtung, an der die Grenzwertübertretung aufgetreten ist.

Die Erfindung stellt ein Verfahren zur Verfügung, mit dem es im laufenden Betrieb möglich ist, mittels einer geeigneten Überwachungs- und Auswerteinrichtung die auf die Gießwalzen ausgeübten Kräfte auf Basis einer Positionsregelung so einzustellen, dass einerseits eine Beschädigung der Gießwalzen verhindert und andererseits die Folgen des Auftretens eines Crusts minimiert werden. Zu diesem Zweck werden die aus dem Gießspalt auf die Gießwalzen wirkenden Kräfte hinsichtlich ihrer Höhe und die Geschwindigkeit ihres Auftretens bewertet. Dazu wird die jeweils erfasste Reaktionskraft mit einem Schwellwert verglichen, dessen Überschreiten ein Indiz für das Vorliegen eines Crusts im Gießspalt darstellt.

Wird ein solches Ereignis detektiert, so wird festgestellt, in welchem Bereich des Gießspalts es dazu gekommen ist. Zu diesem Zweck können die im Bereich der beiden kurzen Seiten festgestellten Kräfte miteinander verglichen werden. Die Stelle, an der der höhere Kraftwert erfasst worden ist, markiert den Abschnitt des Gießspalts, in den der jeweilige Crust eingezogen worden ist.

Parallel zur Erfassung und Bewertung der als Reaktion auf die Störung im Gießspalt wirkenden Kräfte wird der Gradient erfasst, mit dem die Änderung der Reaktionskraft eingetreten ist. Überschreitet auch dieser Gradient einen für das Auftreten eines Crusts charakteristischen Schwellwert, so ist dies die Bestätigung dafür, dass ein Crust vorliegt.

Daraufhin wird die Positionsregelung der Gießwalzen nicht mehr nach der Standardprozedur vorgenommen, sondern die von den Stelleinrichtungen vorzunehmende Positionierung erfolgt unter Berücksichtigung der Dehnung, die im Bereich der Verbindung zwischen den Drehlagern unvermeidbar ist, die dem Bereich des Gießspalts zugeordnet sind, an dem sich das Crust-Ereignis abspielt. Auf diese Weise wird es möglich, den Abschnitt des Gießspalts, in den der Crust eingezogen worden ist, unter Berücksichtigung der Eigenschaften des aus den einzelnen Bauelementen der Zweiwalzengießmaschine gebildeten Gesamtsystems so einzustellen, dass zum einen Beschädigungen der Gießwalze vermieden werden und zum anderen die geometrischen Fehler des erhaltenen gegossenen Bandes in Folge der Crust-Bildung minimiert sind. Auf Basis derselben Regelgrößen (effektive Dehnung des Gesamtsystems und tatsächlich aufgetretene Reaktionskraft im nicht vom Crust betroffenen Bereich des Gießspalts) lässt sich in dem Bereich, der nicht direkt vom Auftreten des Crusts betroffen ist, die Positionsregelung der Gießwalzen so vornehmen, dass die dortige Auffederung des Gießrahmens ebenfalls kompensiert wird und ausreichend hohe Bandkräfte vorliegen, um Bandabrisse sicher zu vermeiden.

Mit der erfindungsgemäßen Vorgehensweise steht somit ein Verfahren zur Verfügung, das großen apparativen Aufwand ermöglicht, eine Zweiwalzengießmaschine so zu betreiben, dass der negative Einfluss des Auftretens eines Crusts auf das Gießergebnis und die Gefahr einer Unterbrechung des Gießvorgangs oder einer Beschädigung der Gießwalzen auf ein Minimum reduziert sind.

Die jeweils aktuelle Dehnung der Verbindung zwischen den jeweiligen Drehlagern im vom Auftreten des Crusts betroffenen Bereich des Gießspalts kann auf einfache und im automatischen Verfahren schnell durchführbare Weise anhand einer Dehnungskurve bestimmt werden, die im störungsfreien Betrieb unter einer Normalbelastung ermittelt wird. Dazu bietet es sich beispielsweise an, den von der Kraftbelastung abhängigen Dehnungsverlauf durch ein Polynom wiederzugeben, dessen Konstanten unter Normalbedingungen empirisch ermittelt werden.

Nachfolgend wird die Erfindung anhand einer ein Ausführungsbeispiel darstellenden Zeichnung erläutert.

Die einzige Figur zeigt die Gießwalzen 1, 2 einer Zweiwalzengießmaschine, von der hier nur die zur Erläuterung der Erfindung erforderlichen Elemente dargestellt sind. Die Gießwalzen 1, 2 sind an ihren stirnseitigen Enden jeweils in Drehlagern 4a, 4b (Gießwalze 1) bzw. 5a, 5b (Gießwalze 2) drehbar gelagert und begrenzen zwischen sich die Längsseiten eines Gießspalts 6, in dem die jeweils zu vergießende Metallschmelze in an sich bekannter Weise zu einem gegossenen Band geformt wird. Bei der Metallschmelze handelt es sich beispielsweise um eine Stahlschmelze.

An seinen kurzen Seiten 6a, 6b ist der Gießspalt 6 durch hier nicht dargestellte Seitenplatten abgedichtet, die mit ihren ebenfalls nicht gezeigten Inserts aus einem feuerfesten Material an den Stirnseiten der Gießwalzen 1, 2 anliegen.

Die Drehlager 4a, 4b der Gießwalze 1 und die Drehlager 5a, 5b der Gießwalze 2 werden gemeinsam von einem Maschinenrahmen 7 getragen, dessen Längsseiten mit Abstand um die Gießwalzen 1, 2 parallel zu den Gießwalzen 1, 2 geführt sind. Das zwischen den der einen kurzen Seite 6a des Gießspalts 6 zugeordneten Drehlagern 4a, 5a angeordnete Teilstück des Maschinenrahmens 7 stellt dabei die Verbindung 7a dar, durch die die betreffenden Drehlager 4a, 5a miteinander verbunden sind. In entsprechender Weise ist eine Verbindung 7a der der anderen kurzen Seite 6b des Gießspalts 6 zugeordneten Drehlager 4b, 5b ebenfalls durch ein Teilstück des Maschinenrahmens 7 hergestellt.

Jedem der Drehlager 4a, 4b, 5a, 5b ist jeweils eine Stelleinrichtung 8, 9, 10, 11 zugeordnet, durch die die Position des jeweiligen Drehlagers 4a, 4b, 5a, 5b und mit dieser die Ausrichtung der jeweiligen Gießwalze 1, 2 zum Regeln der Weite W des Gießspalts 6 im jeweiligen Gießspaltbereich verstellt werden kann. Darüber hinaus ist jedem Drehlager 4a, 4b, 5a, 5b eine Detektionseinrichtung 12, 13, 14, 15 zugeordnet, die die vom jeweiligen Drehlager 4a, 4b, 5a, 5b aufgenommenen Teilreaktionskräfte Fga, Fgb erfassen.

Die Detektionseinrichtungen 1215 liefern die von ihnen erfassten Messwerte an eine Überwachungs- und Steuerungseinrichtung 16, die die von den Stelleinrichtungen 811 vorgenommene Positionierung der Gießwalzen 1, 2 steuert und die von den Detektionseinrichtungen 1215 festgestellten Kräfte Fga, Fgb bewertet, um beim Auftreten eines Crusts C im Bereich des Gießspalts 6 die erforderliche Einstellung der Stelleinrichtungen 811 vorzunehmen.

In der Überwachungs- und Steuerungseinrichtung 16 ist zu diesem Zweck das Dehnungsverhalten der Verbindungen 7a, 7b zwischen den Drehlagern 4a, 5a bzw. 4b, 5b in Form jeweils eines Polynoms zweiten Grades hinterlegt, dessen Konstanten ca0, ca1 bzw. cb0, cb1 bei Normalbelastung ermittelt worden sind. Ebenso können die Dehnungskurven rechnerisch ermittelt werden. Die von der jeweils wirkenden Reaktionskraft Fa, Fb abhängigen Dehnungen La, Lb im Bereich der Verbindungen 7a, 7b lassen sich demnach wie folgt ermitteln: La = ca0·Fa2 + ca1·FaVerbindung 7a Lb = cb0·Fb2 + cb1·FbVerbindung 7b

Im Gießbetrieb prüft die Überwachungs- und Steuerungseinrichtung 16 laufend, ob die aus dem Gießspalt 6 im Bereich von dessen kurzen Seiten 6a, 6b wirkenden Gegenkräfte einen Schwellwert überschreiten. Zu diesem Zweck werden die Teilreaktionskräfte Fga, Fgb erfasst, die an den Kraftangriffspunkten der Stelleinrichtungen 811 auftreten.

Überschreitet einer der Kräfte Fga, Fgb den Schwellwert, so ist dies ein erstes Indiz für das Vorliegen eines Crusts C im betreffenden Bereich des Gießspalts 6. Gleichzeitig ermittelt die Überwachungs- und Steuerungseinrichtung 16 die auf die Bandlänge X bezogenen Gradienten dFga/dX bzw. dFgb/dX, mit denen Änderungen der Kräfte Fga, Fgb eintreten. Überschreitet auch einer der Gradienten dFga/dX bzw. dFgb/dX einen zugeordneten Schwellwert, so stellt dies die Bestätigung dafür dar, dass ein Crust C in den Gießspalt 6 eingezogen worden ist.

Durch einen Vergleich der an der einen kurzen Seite 6a erfassten Kraft Fga mit der an der anderen kurzen Seite 6b festgestellten Kraft Fgb wird anschließend der Bereich des Gießspalts 6 bestimmt, an dem sich der Crust C befindet. Ist die Kraft Fga größer als die Kraft Fgb, so liegt der Crust C im Bereich der kurzen Seite 6a des Gießspalts 6 vor. Bei umgekehrten Verhältnissen ist der Crust C in den der anderen kurzen Seite 6b zugeordneten Bereich des Gießspalts 6 eingezogen worden.

Für diejenige kurze Seite 6a bzw. 6b des Gießspalts 6, an der der Crust C festgestellt worden ist, wird anschließend anhand des jeweiligen Polynoms und unter Zugrundelegung der jeweils festgestellten Kraft Fga bzw. Fgb die aktuelle Dehnung La1 bzw. Lb1 ermittelt.

Für die in der Figur gezeigte Konstellation ergibt sich demnach die aktuelle Dehnung La1 zu: La1 = ca0·Fga2 + ca1·Fga

Aus der Multiplikation der Differenz aus der aktuellen Dehnung La1 und der Dehnung La unter Normalbedingungen mit einem entsprechenden Verstärkungsfaktor &eegr;a ergibt sich dann der Zusatzwert &Dgr;Posa der Positionsregelung, um den die Stelleinrichtungen 8,10 die Verstellung der Drehlager 4a, 5a im Bereich der kurzen Seite 6a des Gießspalts 6 vornehmen, um dort die Folgen des Auftretens des Crusts C zu minimieren: &Dgr;Posa = (La1 – La)·&eegr;a

In entsprechender Weise wird für die der anderen kurzen Seite 6b des Gießspalts 6 zugeordneten Stelleinrichtungen 9, 11 der Zusatzwert &Dgr;Posb der Positionsregelung aus der aktuellen dort wirksamen Dehnung Lb1 und der dort unter Normalbedingungen wirksamen Dehnung Lb wie folgt bestimmt: &Dgr;Posb = (Lb1 – Lb)·&eegr;b

Mit nb ist dabei der Verstärkungsfaktor bezeichnet, der ermittelt worden ist, um die im Fall des Auftretens eines Crusts C im Bereich der Seite 6a des Gießspalts 6 sich im Bereich der Seite 6b des Gießspalts 6 einstellende Gießspaltaufweitung zu kompensieren und um dort eine ausreichende Bandformkraft zwischen den Gießwalzen 1, 2 zu gewährleisten.

1, 2Gießwalzen 4a, 4bDrehlager der Gießwalze 1 5a, 5bDrehlager der Gießwalze 2 6Gießspalt 6a, 6bkurze Seiten des Gießspalts 6 7Maschinenrahmen 7aVerbindung zwischen den Drehlagern 4a, 5a 7bVerbindung zwischen den Drehlagern 4b, 5b 8, 9, 10, 11Stelleinrichtungen 12, 13, 14, 15Detektionseinrichtungen 16Überwachungs- und Steuerungseinrichtung Fga, FgbTeilreaktionskräfte CCrust WWeite des Gießspalts 6

Anspruch[de]
  1. Verfahren zum Betrieb einer Zweiwalzengießmaschine zum Gießen von Band aus einer Metallschmelze, wobei die Zweiwalzengießmaschine zwei um jeweils eine Drehachse gegenläufig rotierende, in Drehlagern (4a, 4b; 5a, 5b) gelagerte Gießwalzen (1, 2) aufweist, die zwischen sich einen Gießspalt (6) an dessen Längsseiten begrenzen, und jeder Gießwalze (1, 2) jeweils mindestens eine Stelleinrichtung (8, 9, 10, 11) zugeordnet ist, die die jeweilige Gießwalze (1, 2) positioniert, um im Gießbetrieb eine bestimmte Geometrie (W) des Gießspalts (6) aufrechtzuerhalten, und wobei die jeweils gemeinsam einer der kurzen Seiten (6a, 6b) des Gießspalts (6) zugeordneten Drehlager (4a, 5a; 4b, 5b) miteinander verbunden sind, dadurch gekennzeichnet,

    – dass für jede der Stelleinrichtungen (811) die in ihrem Bereich auftretende Reaktionskraft (Fga, Fgb) erfasst wird,

    – dass dann, wenn eine der erfassten Reaktionskraft (Fga, Fgb) und die Geschwindigkeit des Anstiegs der betreffenden Reaktionskraft (Fga, Fgb) jeweils einen Grenzwert überschreiten, festgestellt wird, an welcher der Stelleinrichtungen (811) die betreffende Reaktionskraft (Fga, Fgb) den Grenzwert überschritten hat, und

    – dass die von derjenigen Stelleinrichtung (811), an der die Grenzwertüberschreitung festgestellt worden ist, vorzunehmende Verstellung unter Berücksichtigung der über dem Grenzwert liegenden Reaktionskraft (Fga, Fgb) und der jeweils aktuellen Dehnung der Verbindung (7a, 7b) zwischen denjenigen Drehlagern (4a, 5a; 4b, 5b) vorgenommen wird, die derselben kurzen Seite (6a, 6b) des Gießspalts (6) zugeordnet sind wie die Stelleinrichtung (811), an der die Grenzwertübertretung aufgetreten ist.
  2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die aktuelle Dehnung der Verbindung (7a, 7b) zwischen den jeweiligen Drehlagern (4a, 4b; 5a, 5b) anhand einer Dehnungskurve bestimmt wird, die im störungsfreien Betrieb unter einer Normalbelastung ermittelt wird.
Es folgt ein Blatt Zeichnungen






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