PatentDe  


Dokumentenidentifikation DE102004058176A1 08.06.2006
Titel Pre-Safe-Aktivierung eines Fahrzeugs
Anmelder Robert Bosch GmbH, 70469 Stuttgart, DE
Erfinder Zimmer, Joachim, 77880 Sasbach, DE
DE-Anmeldedatum 02.12.2004
DE-Aktenzeichen 102004058176
Offenlegungstag 08.06.2006
Veröffentlichungstag im Patentblatt 08.06.2006
IPC-Hauptklasse B60R 21/34(2006.01)A, F, I, 20051017, B, H, DE
Zusammenfassung Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Auslösen und Überführen eines Fahrzeugs in einen Fußgänger-Pre-Safe-Zustand zur Erhöhung der passiven Sicherheit eines Unfallgegners,
bei welchem eine Auslösebedingung des Fußgänger-Pre-Safe-Zustands des Fahrzeugs aufgrund eines Signals wenigstens eines Fahrzeugsensors generiert wird, das eine hohe Unfallwahrscheinlichkeit des Fahrzeugs, insbesondere mit einer Fußgängerin oder einem Fahrradfahrer, für eine unmittelbar bevorstehende Zeitspanne anzeigen kann, und
bei Vorliegen einer positiven Auslösebedingung des Fußgänger-Pre-Sage-Zustands ein Teil oder ein Abschnitt des Fahrzeugs, welcher dem Unfallgegner im Fall eines Unfalls mit dem Fahrzeug zusätzlichen körperlichen Schaden zufügen könnte, aus einem Bereich eines wahrscheinlichen Aufpralls des Unfallgegners verbracht und/oder zusätzlich abgeschirmt wird, wodurch das Fahrzeug wenigstens teilweise in den Fußgänger-Pre-Safe-Zustand überführt wird.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Auslösen und Überführen eines Fahrzeugs, insbesondere eines Kraftfahrzeugs, in einen Pre-Safe-Zustand zur Erhöhung der passiven Sicherheit eines Unfallgegners, insbesondere eines Fußgängers oder einer Fahrradfahrerin.

Nach WHO-Angaben sterben jedes Jahr 1,26 Millionen Menschen im Straßenverkehr, wobei es in der EU rund 40 000 Tote und 1,6 Millionen Verletzte jährlich gibt. Für eine Erhöhung der Verkehrssicherheit und somit auch für eine Verringerung der Opferzahlen im Straßenverkehr sind dabei Systeme interessant, die sich an der Schnittstelle zwischen aktiver und passiver Sicherheit des Fahrzeugs bewegen und die bei unvermeidbaren Unfällen Insassen und Fahrzeug auf einen Anprall vorbereiten und die Verletzungsschwere der Insassen dadurch reduzieren können.

Hierfür nutzen sogenannte Pre-Safe-Systeme, in einer Situation, in welcher ein Unfall wahrscheinlich ist, die Zeit vor dem Unfall des Fahrzeugs derart, dass das Fahrzeug von einem Komfortmodus in einen Sicherheitsmodus wechselt. Der Sicherheitsmodus wird bevorzugt einem kritischen Fahrzustand aktiviert, der z. B. anhand von Signalen eines Anti-Blockier-Systems oder eines ESP-Systems detektierbar ist. Melden die Sensoren eine kritische Fahrsituation, so werden beispielsweise die Gurte straffer gezogen, die Sitze bewegen sich in eine für einen Anprall des Fahrzeugs günstigere Position und für den Fall eines Überschlags des Fahrzeugs schließt sich das Schiebedach, um das Eindringen von Gegenständen zu vermeiden, die die Insassen zusätzlich verletzten könnten.

Ferner sind Pre-Safe-Systeme bekannt, die anhand eines Kontaktsensors, der z. B. in einem Kotflügel oder einer Stoßstange untergebracht ist, bei einer Kollision des Fahrzeugs mit einem Fußgänger oder einem Fahrradfahrer Pre-Safe-Maßnahmen für den Unfallgegner treffen.

So ist aus der DE 103 05 857 A1 eine Scheibenwischvorrichtung für ein Kraftfahrzug offenbart, bei welchem ein Wischhebel bei einem mit einem Kontaktsensor detektierten Anprall eines Fußgängers am Fahrzeug in eine Position unterhalb einer Windschutzscheibe des Fahrzeugs verbracht wird. Hierdurch verschwindet der Wischarm aus einem Gefahrenbereich für den Fußgänger, was dessen Verletzungsrisiko bei einem Anprall an der Windschutzscheibe minimiert. In einer bevorzugten Ausführungsform hebt sich zusätzlich die Motorhaube im Bereich der Windschutzscheibe an, wodurch einerseits mehr Platz für das Verschwinden des Wischhebels geschaffen wird und andererseits mehr Deformationsraum für den verunfallten Fußgänger zur Verfügung steht, der mit den harten Teilen des unter der Motorhaube liegenden Motors nicht mehr oder nicht mehr so stark in Kontakt gerät.

Der Einsatz einer Kontaktsensorik eignet sich vor allem für Fahrzeuge der gehobenen Klassen mit langer Motorhaube. Der Einsatz einer Kontaktsensorik bei kompakten Fahrzeugen mit kurzer Motorhaube (z. B. einem Kleinwagen oder einem Van), insbesondere, wenn der Unfallgegner klein (z. B. ein Kind) ist, eignet sich nicht mehr für obige Konstellationen, da der Zeitraum zwischen einem Auslösen der Kontaktsensorik durch den Unfallgegner und einem Kopfaufprall des Unfallgegners zu kurz ist, um z. B. rechtzeitig die Wischhebel der Scheibenwischvorrichtung abzusenken.

Es ist daher eine Aufgabe der Erfindung für Unfallgegner Pre-Safe-Maßnahmen eines Fahrzeugs derart zu bestimmen und zu initiieren, dass diese bereits eingeleitet werden, wenn der Unfallgegner noch gar keinen physischen Kontakt mit dem Fahrzeug hat. Insbesondere sollten hierbei die Pre-Safe-Maßnahmen des Fahrzeugs derart getroffen werden können, dass, falls ein Anprall erfolgt, die verbleibende Zeit auch bei einem Unfall zwischen einem Fahrzeug mit kurzer Motorhaube und einem Kind ausreicht, die Pre-Safe-Maßnahmen vor dem Anprall abzuschließen bzw. diese vor dem ersten Kontakt des Kinds mit dem Fahrzeug einzuleiten, aber erst nach dem ersten Kontakt des Kinds mit dem Fahrzeug und noch vor dem weiteren Anprall des Kinds (Windschutzscheibe, Motorhaube) abzuschließen.

Die Aufgabe der Erfindung wird dadurch gelöst, dass in einer Situation, in welcher sich ein Unfall mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit in einer nahen Zukunft abzeichnet, sich das Fahrzeug auf eine drohende Kollision vorbereitet. Diese einem Unfall unmittelbar vorausgehende Zeit kann drei Sekunden und mehr betragen, die für das Initiieren eines Pre-Safe-Zustands des Fahrzeugs auch für den Unfallgegner genutzt werden kann. Hierbei werden Sensorinformationen des Fahrzeugs verwendet, die eine hohe Unfallwahrscheinlichkeit des Fahrzeugs mit einem Dritten anzeigen können, womit eine Auslösebedingung des Pre-Safe-Zustands des Fahrzeugs generiert wird. Dieser sogenannte Fußgänger-Pre-Safe-Zustand des Fahrzeugs wird wenigstens teilweise vor dem ersten Anprall des Dritten vom Fahrzeug eingenommen, wobei z. B. ein Teil oder ein Abschnitt des Fahrzeugs aus einem unfallträchtigen Bereich entnommen wird oder zusätzlich abgeschirmt wird, was das Verletzungsrisiko des Dritten erheblich minimieren kann.

Durch ein Verlängern des Zeitfensters zum Einnehmen des Fußgänger-Pre-Safe-Zustands des Fahrzeugs ist es möglich, aufgrund der im Vergleich zum Stand der Technik zusätzlich zur Verfügung stehenden Zeit, umfassende Pre-Safe-Maßnahmen für Fußgänger o. a. am Fahrzeug zu ergreifen. Ferner können je nach Pre-Safe-Maßnahme, diese vergleichsweise langsam und somit sanft und geräuscharm initiiert werden. Darüber hinaus können bereits vorhandene, vorausschauende Sensorsysteme zur Aktivierung des Pre-Safe-Zustands genutzt werden.

In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung führt das Fahrzeug zusätzlich eine automatisch ausgelöste und bevorzugt auch automatisch gesteuerte Vollbremsung durch. Hierdurch ist es einerseits möglich, einen drohenden Unfall vielleicht vollständig zu verhindern, da die Reaktionszeitspanne der Fahrzeugelektronik im Vergleich zur menschlichen Reaktionszeitspanne viel kürzer ist. Darüber hinaus findet andererseits ein Unfall, der sich nicht vermeiden lässt, mit einer geringeren Geschwindigkeit statt, was eine Verletzungsgefahr eines Dritten erheblich minimiert.

In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist eine solche Fußgänger-Pre-Safe-Maßnahme des Fahrzeugs ein Absenken einer Scheibenwischvorrichtung. Hierbei senkt sich bevorzugt wenigstens ein Wischhebel der Scheibenwischvorrichtung in einen Bereich unterhalb einer gewöhnlichen Ruhelage des Wischhebels ab. Erfindungsgemäß ist eine rechtzeitige Wischhebelabsenkung bei Kollisionen mit kurzen Kopfaufprallzeiten (Zeitspanne zwischen Kollision des Fahrzeugs mit dem Unfallgegner und Auftreffen dessen Kopfs am Fahrzeug) gewährleistet, insbesondere bei Kollision eines Fahrzeugs mit kurzer Fahrzeugfront und einem Kind.

Mittels des erfindungsgemäßen Verfahrens ist es möglich, z. B. die Wischhebel ausschließlich über ein vorrausschauendes Sensorsystem anzusteuern und bei Vorliegen entsprechender Unfallkriterien die Wischhebel der Scheibenwischvorrichtung präventiv aus einem für einen Unfallgegner gefährlichen Bereich zu entfernen, ohne dass ein Kontakt mit dem Unfallgegner stattgefunden hat. Kommt es nun zu einer Kollision, so können die Wischhebel dem Dritten überhaupt nicht mehr gefährlich werden. Eine solche präventive, automatische Wischhebelabsenkung zum Fußgängerschutz ist mit heutiger Wischsystemtechnologie möglich. Zur Wischhebelabsenkung bietet sich der Einsatz von mechatronischen Systemen an, d. h. Wischergestänge mit elektronisch geregelten Reversier-Motoren (Einmotoren- oder Zweimotorentechnik) oder Wischersystemen mit Direktantrieb (WDA mit integrierter Elektronik).

In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung wird eine Fronthaube des Fahrzeugs anhand der Fußgänger-Pre-Safe-Aktivierungsbedingungen in einem Bereich in der Nähe der Windschutzscheibe angehoben. Dies ermöglicht ein Vergrößern der Knautschzone für den Unfallgegner, der von den harten Motorteilen im Inneren des Fahrzeugs besser abgeschirmt ist.

In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung verschwindet die Scheibenwischvorrichtung, bevorzugt deren Wischhebel, bei ihrer Abwärtsbewegung unter der sich aufstellenden Fronthaube. Hierbei ist die nach unten gerichtete Bewegung der Scheibenwischvorrichtung und die nach oben gerichtete Bewegung der Fronthaube aufeinander abgestimmt, sodass eine Kollision von Fronthaube und Scheibenwischvorrichtung vermieden wird.

Die Information zum Bestimmen einer Auslösebedingung für den Fußgänger-Pre-Safe-Zustand des Fahrzeugs stammt von wenigstens einem vorausschauenden Sensor. Hierbei ist unter einem vorausschauenden Sensor ein Sensor zu verstehen, der mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit einen drohenden Unfall des Fahrzeugs anzeigen kann. Ein solcher Sensor ist z. B. ein Verzögerungsmesssensor, der bei Detektieren einer Vollbremsung einen drohenden Unfall anzeigt. Genauso kann ein Sensor eines ESP-Systems oder ein Sensor eines Antiblockiersystems einen kritischen Fahrzustand des Fahrzeugs anzeigen. Ferner sind zur Detektierung des Fahrzeugumfelds Radareinrichtungen, Kamerasysteme oder IR-Sensoren geeignet. Sollte eine Radareinrichtung zur Detektierung verwendet werden, so ist ein sog. Short-Range-Radar bevorzugt, das vom Fahrzeug weg ca. 5-10m weit blickt.

Bevorzugt ist eine Kombination einer Mehrzahl von Sensoren, die eine gewisse Unfallwahrscheinlichkeit anzeigen können. So sollte z. B. eine Wischhebelabsenkung dann stattfinden, wenn einerseits ein Sensor einen nahenden Fußgänger und andererseits ein Bremssensor eine Vollbremsung detektiert. Ferner ist dies auch in Verbindung mit einem kritischen Fahrzustand, welcher durch den ESP-Sensor angezeigt wird durchführbar. Darüber hinaus ist eine Wischhebelabsenkung auch nur bei Detektieren einer Vollbremsung möglich, da diese bevorzugt reversibel abläuft.

In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung wird das Pre-Safe-Aktivierungssystem des Fahrzeugs von einem Kontaktsensor unterstützt, der einen Anprall eines Dritten oder eines Gegenstands detektieren kann. Solche Kontaktsensoren befinden sich z. B. in den Kotflügeln und den Stoßstangen des Fahrzeugs.

Mittels Einsatz eines solchen Kontaktsensors lässt sich die Pre-Safe-Aktivierungsstrategie für den Fußgängerschutz noch perfektionieren. So ist es z. B. beim Detektieren eines Fußgängers in einer kritischen Fahrsituation möglich, die Pre-Safe-Aktivierung des Fahrzeugs einzuleiten und zu Beginnen z. B. die Wischhebel abzusenken, was vergleichsweise langsam, sanft und geräuschlos möglich ist. Detektiert dann das Fahrzeug mittels des Kontaktsensors eine Kollision mit einem Fußgänger, so sollte der Wischermotor maximal bestromt werden, wodurch der Wischhebel schnellstmöglich aus einem Gefahrenbereich verschwindet. Bevorzugt wird hierbei der Wischhebel gegen einen Festanschlag gefahren. Dieses Vorgehen ermöglicht einerseits eine hohe passive Sicherheit des Unfallgegners und andererseits einen hohen Grad an Reversibilität der Aktuatorik. Findet keine Detektion durch den Kontaktsensor statt, so ist es problemlos möglich, den Wischhebel wieder in seine ursprüngliche Ruheposition zurück zu bewegen, ohne dass hierfür ein Zurückstellen per Hand notwendig ist oder eine Werkstätte aufgesucht werden muss. Detektiert aber andererseits der Kontaktsensor eine Kollision, so wird der Wischhebel mit maximaler Geschwindigkeit wegbewegt. Ebenso kann z. B. auch mit der Fronthaube des Fahrzeugs verfahren werden, wobei für eine Fußgänger-Pre-Safe-Aktivierung des Fahrzeugs ohne Signal eines Kontaktsensors Federn zum Auslösen und Stellmotoren zum Zurückbringen der Fronthaube eingesetzt werden können, wohingegen bei einem Signal des Kontaktsensors z. B. eine Sprengpatrone zum Aktivieren der Fronthaube zum Einsatz kommen kann.

Als ein reversibler Aktuator bei einer Fußgänger-Pre-Safe-Aktivierung eignet sich z. B. die Ansteuerung des Wischermotors. Die reversible Wischhebelabsenkung ist notwendig, da nicht nach jeder Fußgänger-Pre-Safe-Aktivierung ein Zusammenstoß auch erfolgt.

In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung wird die Entscheidung zum Absenken z. B. der Scheibenwischvorrichtung von einer Steuerelektronik des Scheibenwischermotors getroffen, wodurch im Vergleich zu einer herkömmlichen Signalverarbeitung im Fahrzeugcomputer Zeit eingespart werden kann.

Weitere bevorzugte Ausführungsformen der Erfindung ergeben sich aus den übrigen Unteransprüchen.

Die Erfindung wird im Folgenden anhand von Ausführungsbeispielen anhand der beigefügten Zeichnung näher erläutert. In der Zeichnung zeigen:

1 ein Schaubild eines Verfahrens zur Fußgänger-Pre-Safe-Aktivierung eines Fahrzeugs gemäß des Stands der Technik,

2 ein Schaubild eines Verfahrens zur Fußgänger-Pre-Safe-Aktivierung eines Fahrzeugs gemäß der Erfindung,

3 ein Schaubild einer weiteren erfindungsgemäßen Ausführungsform des Verfahrens,

4 ein weiteres Schaubild einer erfindungsgemäßen Ausführungsform des Verfahrens,

5 ein Ausführungsbeispiel einer Fußgänger-Pre-Safe-Aktivierung des Fahrzeugs, bei welchem ein Wischhebel abgesenkt und eine Fronthaube aufgestellt wird, und

6 ein Blockschaltbild zur Positionierung eines Wischhebels mittels einer Steuerelektronik eines Wischermotors.

Die folgenden Ausführungen beziehen sich hauptsächlich auf das Absenken eines Wischhebels 12 eines Scheibenwischersystems in eine Position unterhalb seiner tiefsten Ruheposition und/oder das Aufstellen einer Fahrzeugfronthaube 20 bei einer Fußgänger-Pre-Safe-Aktivierung eines Kraftfahrzeugs, also auf eine Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens auf eine Ausführungsform gemäß der 5. Es soll jedoch an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass mittels des erfindungsgemäßen Verfahrens andere passive Schutzmaßnahmen, insbesondere für Fußgänger und Fahrradfahrer, getroffen werden können. So ist es z. B. beim Überführen eines Fahrzeugs in einen Fußgänger-Pre-Safe-Zustand möglich, andere Teile oder Abschnitte des Fahrzeugs, wie z. B. die Fahrzeugantenne, Spiegel und ähnliche hervorspringende Teile, mittels des erfindungsgemäßen Verfahrens aus einem Gefährdungsbereich in einer Unfallsituation für Dritte zu entfernen oder abzuschirmen.

1 zeigt ein Schaubild eines Verfahrens gemäß des Stands der Technik zur Wischhebelabsenkung und zur Haubenaufstellung mittels einer Kontaktsensorik, welche sich in einem vorderen Bereich des Fahrzeugs befindet. Zu einem bestimmten Zeitpunkt registriert die Kontaktsensorik einen Anprall eines Fußgängers an einer Fahrzeugfront, wobei unmittelbar danach eine Auslöseentscheidung für die Wischerabsenkung und die Haubenaufstellung getroffen wird. Unmittelbar nach dem Fußgänger-Anprall findet in einer Unfallstandardsituation (Frontalunfall mit einem Fußgänger) ein Aufprall des Kopfs des Fußgängers 40 auf der Motorhaube 20 bzw. auf der Windschutzscheibe 30 statt (s. a. 5), wobei ein Kopfaufprall eines Kindes oder eines kleinen Menschen zeitlich vor einem Kopfaufprall eines Erwachsenen stattfindet.

Bei Fahrzeugen mit langer Motorhaube 20 und einer Kollision mit einem normal gewachsenen, erwachsenen Fußgänger genügt die zur Verfügung stehende Zeitspanne zwischen Auslösen der Kontaktsensorik und dem Kopfaufprall gerade noch die Scheibenwischhebel 12 abzusenken und die Motorhaube 20 genügend hoch aufzustellen. Ist an einem solchen Unfall ein Fahrzeug mit kurzer horizontaler oder vertikaler Motorhaube 20 (Kleinwagen, Van, Lastwagen) beteiligt und/oder findet ein solcher Unfall mit einem Kind statt, so findet ein Kopfaufprall wesentlich früher statt, wodurch die verbleibende Zeit nicht mehr hinreichend ist, die Wischhebel 12 abzusenken oder auch die Haube genügend weit aufzustellen.

2 zeigt eine Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens. Bei der Erfindung wird nun die Auslöseentscheidung oder Auslösebedingung A für eine Wischhebelabsenkung und/oder eine Haubenaufstellung vor einem Anprall eines Dritten 40 an der Fahrzeugfront getroffen. Die hierdurch zusätzlich zur Verfügung stehende Zeit wird jetzt dergestalt genutzt, dass vor dem eigentlichen Anprall des Dritten 40 die Wischhebel 12 oder die gesamte Scheibenwischvorrichtung abgesenkt werden und/oder die Fronthaube 20 in einem Bereich nahe der Windschutzscheibe 30 aufgestellt wird. Findet nun ein Kopfaufprall eines Kindes oder eines Erwachsenen statt (insbesondere bei Fahrzeugen mit kurzer oder vertikaler Motorhaube), so haben sich bereits die Wischhebel aus der Gefahrenzone bewegt und/oder sich die Haube vollständig aufgestellt.

Dies wird vorzugsweise mittels einer vorausschauenden Sensorik realisiert, mit der es möglich ist, eine entsprechende Auslöseentscheidung zu treffen. Ist diese Auslöseentscheidung einmal getroffen, so wird das Fahrzeug in einen Fußgänger-Pre-Safe-Zustand überführt, in welchem sich das Fahrzug auf einen Unfall mit einem außenstehenden Dritten 40 vorbereitet und sich selbst dabei so konfiguriert, dass eine Verletzungsgefahr für diesen Dritten 40 möglichst gering ist. Eine solche vorausschauende Sensorik ist z. B. eine Kamera, ein Radar oder ein IR-Sensor, die in einem nahen Umfeld um das Fahrzeug herum Fußgänger 40 detektieren können. Darüber hinaus eignen sich Sensordaten von ESP-Sensoren (z. B. der Regelbeginn des ESP-Systems, was einen kritischen Fahrzustand anzeigt) oder z. B. von Sensoren eines Antiblockiersystems. Ein Detektieren einer Vollbremsung oder auch ein Stillstehen der Räder (z. B. bei eingeschlagener Lenkung und einem vereisten Untergrund) sind ebenfalls Informationen, die einen drohenden Unfall anzeigen können. Eine Kombination dieser Sensorsignale ist natürlich sinnvoll.

Darüber hinaus ist es beim Einsatz von vorausschauenden Systemen zum Fußgängerschutz, die den Bereich rund um das Fahrzeug überwachen und bei Detektieren eines plötzlich auftauchenden Fußgängers 40 möglich, automatisch eine Vollbremsung auszulösen und gleichzeitig die Wischer 12 abzusenken und/oder die Haube 20 aufzustellen. Dies ermöglicht es einerseits, den Unfall vielleicht sogar auf Grund der sehr kurzen Reaktionszeit durch einen Bordcomputer durch Vollbremsung zu verhindern bzw., wenn dieser unvermeidlich ist, diesen mit einer geringeren Geschwindigkeit stattfinden zu lassen, wodurch eine Verletzungsgefahr für Dritte stark vermindert werden kann.

Da sich ein Unfall nicht mit 100 Sicherheit im Vorfeld detektieren lässt, ist es bei erfindungsgemäßen Ausführungsformen von Vorteil, wenn die getroffenen Maßnahmen reversibel bzw. reversierbar sind. Insbesondere sollten die getroffenen Maßnahmen derart reversibel sein, dass sie automatisch z. B. über einen Elektromotor für die Motorhaube 20 oder über den Wischermotor für die Wischhebelabsenkung oder wenigstens per Hand ohne Einsatz von Werkzeug möglich sind. Bevorzugt bei Scheibenwischvorrichtungen ist der Wischermotor (WSM oder WDA) als reversibler Aktuator angesteuert. D. h. der Wischermotor übernimmt einerseits den normalen Wischbetrieb bei Regen, andererseits ist es ihm möglich, den Wischhebel 12 in dessen Pre-Safe-Lage zu bewegen. Hierbei sollte die reversible Wischhebelabsenkung ohne ein Gegenlaufen gegen einen Festanschlag stattfinden, da, wie oben beschrieben, nicht nach jeder Situationserkennung ein Zusammenstoß mit einem Dritten erfolgt und bei einem Gegenlaufen gegen einen Festanschlag der Wischer 12 beschädigt werden könnte.

Eine solche Ausführungsform einer reversiblen Wischhebelabsenkung ohne Gegenlaufen gegen einen Festanschlag ist in 3 dargestellt. Bei einer solchen Ausführungsform wird der Wischer 12 vergleichsweise langsam nach einer positiven Auslöseentscheidung A abgesenkt, wobei die ihm zur Verfügung stehende Zeit ausreicht sich vollständig abzusenken bevor ein Kopfaufprall stattfindet. Eine solche Ausführungsform eignet sich z. B. dann, wenn eine positive Auslöseentscheidung A möglichst früh getroffen wird; wobei diese wiederum stärker fehlerbehaftet ist, als eine spätere Auslöseentscheidung A, bei der weniger Zeit für eine Wischerabsenkung zur Verfügung steht. Da diese Auslöseentscheidung A fehlerbehaftet ist, ist es notwendig, den Wischermotor reversibel anzusteuern.

Eine weitere Ausführungsform der Erfindung stellt 4 dar, in welcher eine vorausschauende Sensorik mit einer Kontaktsensorik kombiniert ist. Diese Ausführungsform der Erfindung funktioniert wie die eben beschriebenen, nur dass ab dem Zeitpunkt ab dem die Kontaktsensorik eine Kollision meldet, ab einem Zeitpunkt also, ab dem ein Unfall eine Wahrscheinlichkeit von 100% hat, die Geschwindigkeit, mit welcher der Fußgänger-Pre-Safe-Zustand des Fahrzeugs eingenommen wird, erhöht wird bzw. maximal ist. Hierbei wird z. B. der Wischermotor voll bestromt, wobei die Wischhebel 12 sich mit maximaler Geschwindigkeit nach unten bewegen und bevorzugt gegen einen Festanschlag gefahren werden. Ähnlich kann mit der Fronthaube 20 verfahren werden, bei welcher bei Detektion einer Kollision, z. B. Sprengpatronen gezündet werden, die die Fronthaube 20 schnellstmöglich in ihre obere Position bewegen.

5 zeigt den Fußgänger 40 nach einer Kollision mit einem Kraftfahrzeug, wobei der Kopf des Fußgängers 40 im ungünstigsten Fall auf eine Windschutzscheibe 30 prallt. In der dargestellten Situation befindet sich das Fahrzeug in seinem Fußgänger-Pre-Safe-Zustand, wobei mittels des erfindungsgemäßen Verfahrens schon vor der Kollision die Motorhaube 20 angehoben wurde und die Wischhebel 12 einer Scheibenwischvorrichtung 10 unterhalb einer Windschutzscheibe 30 positioniert wurden. Daher kann der Kopf des Fußgängers 40 nicht mehr durch einen Wischhebel 12 verletzt werden.

6 zeigt ein Blockschaltbild einer erfindungsgemäßen Ausführungsform des Verfahrens, wobei eine Steuerelektronik eines Wischermotors neben den Wischinformationen des Lenkstockschalters ebenfalls die Sensorinformationen des Fahrzeugs eingangsseitig verarbeiten kann. Hierbei entscheidet die Steuerelektronik, ob der Wischhebel 12 in seine Fußgänger-Pre-Safe-Lage abgesenkt wird.

Eine Pre-Safe-Detektierung eines kritischen Fahrzustands des Fahrzeugs ist insbesondere die Detektierung einer Vollbremsung. In einer solchen Situation wird der Wischermotor als reversibler Aktuator angesteuert, wobei das Verarbeiten von Sensor- oder Auslösesignal in der Wischermotorelektronik erfolgt (siehe 6) hierbei wird die vorhandene Wischsystem-Mechatronik verwendet, die bei einem Wischergestänge mit elektronisch geregeltem Reversiermotor (WSM2M) oder einem Wischerdirektantrieb (WDA) vorliegt. Der Wischerantrieb senkt dabei die Wischhebel 12 in eine tiefere Position ab. Ein wichtiger Faktor ist der Zeitraum, den das Sensorsystem benötigt, um die Auslöseentscheidung A zu generieren. Je größer dieser Zeitraum ist desto mehr Zeit hat der Aktuator bezüglich der Absenkung der Wischhebel 12. Aufgrund der erfindungsgemäß langen Zeitspanne zwischen Detektierung (Vollbremsung) und dem Zusammenstoß mit einem Fußgänger (Kontaktsensorik) können die Wischhebel 12 rechtzeitig abgesenkt werden. Diese Wischhebelabsenkung kann zu Beginn also relativ langsam ohne Auflaufen gegen einen Festanschlag erfolgen. Diese Absenkung ist reversibel und läuft geräuscharm ab. Dies ist notwendig, da nicht nach jeder Situationserkennung ein Zusammenstoß mit einem Fußgänger 40 erfolgt. Nach Detektieren eines Fußgängeraufpralls mittels der Kontaktsensorik muss der Wischermotor voll bestromt und gegen einen Festanschlag gefahren werden, um die Wischhebel 12 schnellstmöglich in deren tiefste Position zu bringen. Da beide beschriebene Unfallsituationen auftreten können, ist es sinnvoll, beide Fälle zu berücksichtigen.

Mittels des erfindungsgemäßen Verfahrens besteht die Möglichkeit durch präventive Maßnahmen die Sicherheit Dritter zu erhöhen und eine möglichst hohe passive Sicherheit zu gewährleisten.

Bevorzugt ist eine erfindungsgemäße Wischhebelabsenkung in sämtlichen Zuständen der Wischhebel 12 möglich. Insbesondere sollte dies in den Ruhephasen des Wischers (auch in erweiterter Parklage oder Intervallparklage) möglich sein. Ferner ist es sinnvoll, für den Fall einer Fußgänger-Pre-Safe-Aktivierung des Fahrzeugs ein eventuelles Wischen der Scheibenwischer zu unterdrücken, damit bei einem Aufprall eines Fußgängers sich die Wischhebel nicht auf der Windschutzscheibe befinden. Andererseits, um die Sicherheit der Fahrzeuginsassen nicht zu gefährden, ist es denkbar, z.B. bei Starkregen trotz Wischhebelabsenkung ein Weiterwischen der Wischerblätter zu gewährleisten, damit der Fahrer für Ausweichmanöver noch genügend Sicht hat und erst bei Auslösen der Kontaktsensorik ein Wischen, bevorzugt in einer Ruhelage der Wischhebel 12, einzustellen.

10Scheibenwischvorrichtung 12Wischhebel 20Fronthaube 30Windschutzscheibe 40Unfallgegner (z. B. Fußgänger, Farradfaher) AAuslösebedingung (A = +/–) Fußgänger-Pre-Safe-Zustand soll nicht ausgelöst werden +Fußgänger-Pre-Safe-Zustand soll ausgelöst werden

Anspruch[de]
  1. Verfahren zum Auslösen und Überführen eines Fahrzeugs in einen Fußgänger-Pre-Safe-Zustand zur Erhöhung der passiven Sicherheit eines Unfallgegners,

    bei welchem eine Auslösebedingung (A) des Fußgänger-Pre-Safe-Zustands des Fahrzeugs aufgrund eines Signals wenigstens eines Fahrzeugsensors generiert wird, das eine hohe Unfallwahrscheinlichkeit des Fahrzeugs, insbesondere mit einer Fußgängerin oder einem Fahrradfahrer, für eine unmittelbar bevorstehende Zeitspanne anzeigen kann, und

    bei Vorliegen einer positiven Auslösebedingung (A = +) des Fußgänger-Pre-Safe-Zustands, ein Teil oder ein Abschnitt des Fahrzeugs, welcher dem Unfallgegner im Fall eines Unfalls mit dem Fahrzeug zusätzlichen körperlichen Schaden zufügen könnte, aus einem Bereich eines wahrscheinlichen Aufpralls des Unfallgegners verbracht und/oder zusätzlich abgeschirmt wird, wodurch das Fahrzeug wenigstens teilweise in den Fußgänger-Pre-Safe-Zustand überführt wird.
  2. Verfahren gemäß Anspruch 1, wobei das Fahrzeug zusätzlich eine automatisch ausgelöste Vollbremsung durchführt.
  3. Verfahren gemäß Anspruch 1 oder 2, wobei eine Scheibenwischvorrichtung (10), bevorzugt ein Wischhebel (12) eines Frontscheibenwischers, bei Überführen des Fahrzeugs in den Fußgänger-Pre-Safe-Zustand wenigstens teilweise in einen Bereich unterhalb ihrer Funktionsposition abgesenkt wird.
  4. Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 3, wobei zum Erzeugen von zusätzlichem Deformationsraum für den Unfallgegner eine Fronthaube (20) des Fahrzeugs bei Überführen des Fahrzeugs in den Fußgänger-Pre-Safe-Zustand, in einem Bereich, welcher nahe an der Windschutzscheibe (30) liegt, angehoben wird.
  5. Verfahren gemäß Anspruch 4, wobei der Wischhebel (12) bei seiner Abwärtsbewegung unter der sich aufstellenden Fronthaube (20) wenigstens teilweise verschwindet und bevorzugt zum Vermeiden einer Kollision zwischen Wischhebel (12) und Fronthaube (20) das Aufstellen der Fronthaube (20) und das Abtauchen des Wischhebels (12) zeitlich aufeinander abgestimmt sind.
  6. Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 5, wobei eine Information zum Erzeugen der Auslösebedingung (A) von wenigstens einem Signal eines zeitlich vorausschauenden Sensors oder einer Verknüpfung von einer Mehrzahl von Signalen von vorausschauenden Sensoren stammt, wobei wenigstens einer der vorausschauenden Sensoren ein Verzögerungsmesssensor, ein Radsensor, ein Sensor eines Antiblockiersystems, ein IR-Sensor, ein ESP-Sensor, ein Kamerasystem oder eine Radareinrichtung ist.
  7. Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 6, wobei ein hinreichendes Kriterium für das Auslösen des Fußgänger-Pre-Safe-Zustands des Fahrzeugs eine starke Verzögerung des Fahrzeugs, insbesondere eine Vollbremsung, oder ein kritischer Fahrzustand des Fahrzeugs zusammen mit der Detektion einer Person außerhalb des Fahrzeugs ist.
  8. Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 7, wobei ferner ein Signal eines Kontaktsensors, insbesondere zum Detektieren eines Fußgängeraufpralls, während des Übergangs des Fahrzeugs in den Fußgänger-Pre-Safe-Zustand berücksichtigt wird und bei Detektieren eines Aufpralls mittels des Kontaktsensors, der Teil oder der Abschnitt des Fahrzeugs, welcher dem Unfallgegner im Fall eines Unfalls mit dem Fahrzeug zusätzlichen körperlichen Schaden zufügen könnte, bevorzugt der Wischhebel (12), mit maximaler Geschwindigkeit aus dem Gefährdungsbereich weg und bevorzugt gegen einen Festanschlag gefahren wird.
  9. Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 8, wobei die für den Fußgänger-Pre-Safe-Zustand initiierbaren Maßnahmen für das Fahrzeug, insbesondere dann, wenn die Erkennungssicherheit eines Fußgängeraufpralls unter 100 liegt, für das Fahrzeug, bevorzugt unmittelbar nach einem Beinaheunfall, reversibel sind.
  10. Verfahren gemäß einem der Ansprüche 3 bis 9, wobei eine Entscheidung zum Absenken des Wischhebels (12) in den Fußgänger-Pre-Safe-Zustand von einer Steuerelektronik des Scheibenwischermotors getroffen wird.
Es folgen 4 Blatt Zeichnungen






IPC
A Täglicher Lebensbedarf
B Arbeitsverfahren; Transportieren
C Chemie; Hüttenwesen
D Textilien; Papier
E Bauwesen; Erdbohren; Bergbau
F Maschinenbau; Beleuchtung; Heizung; Waffen; Sprengen
G Physik
H Elektrotechnik

Anmelder
Datum

Patentrecherche

Patent Zeichnungen (PDF)

Copyright © 2008 Patent-De Alle Rechte vorbehalten. eMail: info@patent-de.com