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Dokumentenidentifikation DE102004035175B4 29.06.2006
Titel Verfahren zur Fahrstraßeneinstellung bei Relaisstellwerken
Anmelder Siemens AG, 80333 München, DE
Erfinder Raimer, Jürgen, 38304 Wolfenbüttel, DE
DE-Anmeldedatum 16.07.2004
DE-Aktenzeichen 102004035175
Offenlegungstag 16.02.2006
Veröffentlichungstag der Patenterteilung 29.06.2006
Veröffentlichungstag im Patentblatt 29.06.2006
IPC-Hauptklasse B61L 21/04(2006.01)A, F, I, 20051017, B, H, DE
IPC-Nebenklasse B61L 23/08(2006.01)A, L, I, 20051017, B, H, DE   

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Fahrstraßeneinstellung bei Relaisstellwerken gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1.

Aus betrieblichen Gründen ist es gelegentlich erforderlich, insbesondere zum Schutz von Gleisbauarbeitern, sicherzustellen, dass das entsprechende Gleis nicht befahren wird. Dazu werden gemäß der EP 448 796 A2 Befahrbarkeitssperren gesetzt, welche als Relaisgruppen im Relaisstellwerk nachgerüstet werden und auf die Spur des Spurplanstellwerkes wirken. Diese Befahrbarkeitssperren können mittels einer Fernbedienung von außerhalb des Relaisstellwerkes bedient werden. Bei der üblichen Start-Ziel-Projektierung sucht das Stellwerk aus den möglichen Fahrwegen zwischen Start und Ziel nach einer hierarchischen Ordnung einen geeigneten Fahrweg heraus. Dieser Fahrweg darf nicht durch ein anderes Fahrzeug belegt oder quasi vorbestellt sein und auf keinem seiner Gleiselemente Befahrbarkeitssperren aufweisen. Die Befahrbarkeitssperren in Form der oben genannten Relaisgruppen müssen nachgerüstet werden. Dazu ist ein kostenintensiver und problematischer Umbau unter „rollendem Rad", d. h. im laufenden Betrieb erforderlich. Häufig ist eine Nachrüstung auch aus Platzgründen nicht möglich. Um eine Nachrüstung im Relaisstellwerk zu sparen, können die Befahrbarkeitssperren außerhalb des Relaisstellwerks in der Fernsteuerung installiert werden, die ihrerseits die Ausgabe eines Fahrstraßenkommandos verhindert, wenn die Befahrbarkeitssperre in der Fernsteuerung gesetzt ist. Bei Relais-Spurplanstellwerken ist davon auszugehen, dass die Fahrstraßenwahl nicht sicherungstechnisch erfolgt und im Fehlerfall bei bedienter Regelfahrstraße vom Relaisstellwerk eine Umfahrstraße eingestellt wird. Ist für ein Gleis dieses abweichenden Fahrweges eine Befahrbarkeitssperre außerhalb des Relaisstellwerks gesetzt, hindert diese das Relaisstellwerk nicht, den Fahrweg über das gesperrte Gleis einzustellen.

Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Fahrstraßeneinstellung der gattungsgemäßen Art anzugeben, welches den sicherungstechnischen Anforderungen genügt, wobei ein Einbau von zusätzlichen Relaisgruppen in das Stellwerk zu vermeiden ist.

Erfindungsgemäß wird die Aufgabe durch die kennzeichnenden Merkmale des Anspruchs 1 gelöst. Anstelle der Start-Ziel-Projektierung werden die Fahrstraßen im Relais-Stellwerk als Umfahrstraßen projektiert. Das bedeutet in der Praxis, dass die im Allgemeinen vorhandene Regelfahrstraßeneinstellung, dass heißt, die Start-Ziel-Projektierung, deaktiviert, dass heißt ausgebaut, wird. Dadurch erfolgt das Einstellen von Zug- und Rangierfahrstraßen immer als Umfahrstraßenbedienung. Das bedeutet, dass Weichen nicht mehr automatisch umgestellt werden und somit vor der Ausgabe des Umfahrstraßenkommandos in die gewünschte Lage gestellt werden müssen. In der Fernbedienung werden für jede Fahrstraße die möglichen Fahrwege mit dem erforderlichen Meldezustand der spitz zu befahrenden Weichen projektiert. Dadurch ist die Fernbedienung in der Lage, nicht nur die Elemente der einzustellenden Fahrstraße auf gesetzte Befahrbarkeitssperren zu prüfen, sondern auch die Lagezustände der Weichen auf korrekte Lage zu überprüfen. Ein Umfahrstraßenkommando wird erst dann an das Relaisstellwerk ausgegeben, wenn für einen bestimmten Fahrweg die Einstellbedingungen erfüllt sind, d. h., wenn für diesen Fahrweg keine Befahrbarkeitssperren gesetzt sind und die Weichenlagezustände mit den in der Fernbedienung gespeicherten Weichenlagezuständen übereinstimmen.

Auf diese Weise wird erreicht, dass in fernzusteuernden Relaisstellwerken keine zusätzlichen Umbaumaßnahmen erforderlich werden. Die aus dem Stand der Technik bekannten zusätzlichen Relaisgruppen entfallen. Die Fahrstraßenbedingungen werden in der Fernsteuerung per Projektierung eingegeben, so dass auch hier kein zusätzlicher Hardwareaufwand entsteht.

Eine eventuell vorhandene automatische Zuglenkung ist dahingehend zu erweitern, dass sie vor Ausgabe eines Umfahrstraßenkommandos die zu befahrenden Weichen überprüft und gegebenenfalls in die gewünschte Lage stellt.

Die Erfindung wird nachfolgend anhand einer figürlichen Darstellung näher erläutert.

Die Figur zeigt einen Mustergleisplan.

Es ist ersichtlich, dass zwischen dem Signal S1 – Start – und dem Signal S2 – Ziel – zwei verschiedene Fahrwege einstellbar sind, nämlich ein Regelfahrweg von dem Signal S1 über die Weiche W1, das Gleis Gl1 und die Weiche W2 zum Signal S2 oder ein Umfahrweg von dem Signal S1 über die Weiche W1, das Gleis Gl2, die Weiche W3 und die Weiche W2 zum Signal S2.

Wenn das Gleis Gl2 mit einer Befahrbarkeitssperre belegt ist, darf nur der Regelfahrweg über das Gleis Gl1 eingestellt werden. Bei der bekannten Start-Ziel-Projektierung könnte bei einer Störung im Relaisstellwerk dennoch der Umfahrweg über das Gleis Gl2 eingestellt werden. Die Befahrbarkeitssperre in der Fernbedienung für das Gleis Gl2 würde diese Fahrstraßeneinstellung über Gleis Gl2 nicht verhindern.

Erfindungsgemäß ist die Start-Ziel-Projektierung, d. h. die Regelfahrstraßeneinstellung deaktiviert. Bei einer Befahrbarkeitssperre auf Gleis Gl2 wird hierbei zunächst die Weiche W1 in Linkslage gestellt und überprüft, ob dieser Weichenlagezustand vorhanden ist und anschließend wird von der Fernbedienung ein Umfahrstraßenkommando von Signal S1 nach Signal S2 über das Gleis Gl1 ausgegeben. Ein Ignorieren dieser Fahrwegeinstellung ist nicht möglich, da die automatische Fahrwegwahl mit automatischer Weichenumstellung deaktiviert wurde.

Durch das erfindungsgemäße Verfahren wird erreicht, dass das Relaisstellwerk infolge einer Unterbrechung der Verbindung zwischen der Fernbedienung und dem Relaisstellwerk kein Umfahrstraßenkommando empfangen würde, so dass sich keine Fahrstraße einstellen kann und jede weitere Fahrstraßeneinstellung quasi blockiert ist. Diese Art von Fehler ist leicht detektierbar und kann nicht zu Fehlinterpretationen oder gefährlichen Fahrstraßeneinstellungen führen.

Die Erfindung beschränkt sich nicht auf das vorstehend angegebene Ausführungsbeispiel. Vielmehr ist eine Anzahl von Varianten denkbar, welche auch bei grundsätzlich anders gearteter Ausführung von den Merkmalen der Erfindung Gebrauch machen.


Anspruch[de]
  1. Verfahren zur Fahrstraßeneinstellung bei Relaisstellwerken mittels einer Fernbedienung, in welche bedarfsweise, insbesondere zur zeitlichen Überbrückung von Gleisbauarbeiten, Befahrbarkeitssperren für bestimmte Elemente, insbesondere Gleise (Gl1) und Weichen (W1, W2) von Regelfahrstraßen und Umfahrstraßen bildenden Fahrwegen eingebbar sind,

    dadurch gekennzeichnet,

    dass im Relaisstellwerk die Regelfahrstraßeneinstellung mit automatischer Weichenumstellung deaktiviert wird,

    dass in der Fernbedienung für jede Fahrstraße die Elemente der möglichen Fahrwege projektiert werden und

    dass mittels der Fernbedienung die Elemente der einzustellenden Fahrstraße auf gesetzte Befahrbarkeissperren geprüft werden und die Lagezustände spitz zu befahrender Weichen für einen Fahrweg geprüft und ggf. angepasst werden, wobei ein Umfahrstraßenkommando an das Relaisstellwerk ausgegeben wird, wenn für diesen Fahrweg keine Befahrbarkeitssperre/n gesetzt ist/sind und die Lagezustände der spitz zu befahrenden Weichen mit den Projektierungszuständen in der Fernbedienung übereinstimmen.
  2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass im Falle einer automatischen Zuglenkung diese die Überprüfung und ggf. Einstellung der Weichenlagezustände übernimmt.
Es folgt ein Blatt Zeichnungen






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