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Dokumentenidentifikation DE102005009200A1 31.08.2006
Titel Polyamid-Formmassen mit verbesserter Fließfähigkeit
Anmelder LANXESS Deutschland GmbH, 51373 Leverkusen, DE
Erfinder Joachimi, Detlev, Dipl.-Chem. Dr., 47800 Krefeld, DE;
Persigehl, Peter, Dipl.-Chem. Dr., 40878 Ratingen, DE;
Jeschke, Kurt, 40597 Düsseldorf, DE;
Schäfer, Marcus, Dipl.-Chem. Dr., 47829 Krefeld, DE;
Ulrich, Ralph, Dipl.-Chem. Dr., 40882 Ratingen, DE;
Mullekom, Robert van, Dipl.-Chem. Dr., AL Venlo, NL;
Endtner, Jochen, Dipl.-Chem. Dr., 51065 Köln, DE;
Joschek, Jens Peter, Dipl.-Chem. Dr., 51061 Köln, DE;
Bienmüller, Matthias, Dipl.-Chem. Dr., 47803 Krefeld, DE
DE-Anmeldedatum 25.02.2005
DE-Aktenzeichen 102005009200
Offenlegungstag 31.08.2006
Veröffentlichungstag im Patentblatt 31.08.2006
IPC-Hauptklasse C08L 77/00(2006.01)A, F, I, 20051017, B, H, DE
IPC-Nebenklasse C08L 33/08(2006.01)A, L, I, 20051017, B, H, DE   C08J 5/10(2006.01)A, L, I, 20051017, B, H, DE   
Zusammenfassung Diese Erfindung betrifft thermoplastische Formmassen mit verbesserter Fließfähigkeit auf Basis eines thermoplastischen Polyamids und eines Copolymerisates aus mindestens einem Olefin mit mindestens einem Methacrylsäureester oder Acrylsäureester eines aliphatischen Alkohols, wobei der MFI des Copolymerisates 100 g/10 min nicht unterschreitet, ein Verfahren zur Herstellung dieser Formmassen sowie die Verwendung dieser Formmassen zur Herstellung von Formteilen für die Elektro-, Elektronik-, Telekommunikations-, Kraftfahrzeug-, Computerindustrie, im Sport, in der Medizin, im Haushalt oder in der Unterhaltungsindustrie.

Beschreibung[de]

Diese Erfindung betrifft Formmassen auf Basis mindestens eines teilkristallinen thermoplastischen Polyamids und mindestens eines Copolymerisats aus mindestens einem Olefin, bevorzugt einem &agr;-Olefin, mit mindestens einem Methacrylsäureester oder Acrylsäureester eines aliphatischen Alkohols, wobei der MFI (Melt Flow Index) des Copolymerisats 100 g/10 min nicht unterschreitet, ein Verfahren zur Herstellung dieser Formmassen sowie die Verwendung dieser Formmassen zur Herstellung von Formteilen oder Halbzeugen durch Spritzguss oder Extrusion.

Hochfließfähige thermoplastische Zusammensetzungen sind für eine Vielzahl von Spritzgussanwendungen interessant. Beispielsweise erfordern Dünnwandbauteile in der Elektro-, Elektronik- und Kfz-Industrie niedrige Viskositäten der Thermoplastzusammensetzung, damit ein Füllen der Form bei möglichst geringen Fülldrücken bzw. Schließkräften der entsprechenden Spritzgießmaschinen möglich ist. Dies trifft auch auf das gleichzeitige Füllen von mehreren Spritzgussbauteilen über ein gemeinsames Angusssystem in sogenannten Vielfachwerkzeugen zu. Des weiteren können häufig mit niederviskosen thermoplastischen Zusammensetzungen auch kürzere Zykluszeiten realisiert werden. Darüber hinaus sind gute Fließfähigkeiten gerade auch bei hochgefüllten thermoplastischen Zusammensetzungen beispielsweise mit Glasfaser- und/oder Mineralgehalten von über 40 Gew.-% sehr wichtig.

Trotz hoher Fließfähigkeit der thermoplastischen Zusammensetzungen werden jedoch hohe mechanische Anforderungen an die daraus herzustellenden Bauteile selber gestellt, so dass durch die Viskositätserniedrigung keine Beeinträchtigung der mechanischen Eigenschaften verursacht werden darf.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, hochfließfähige, niederviskose thermoplastische Formmassen zu realisieren.

Eine Möglichkeit ist der Einsatz von niederviskosen Polymerharzen mit geringerem Molekulargewicht als Basispolymere für die thermoplastischen Formmassen. Der Einsatz niedermolekularer Polymerharze ist aber häufig mit Einbußen bei den mechanischen Eigenschaften, insbesondere der Zähigkeit, verbunden. Außerdem erfordert die Herstellung eines niederviskosen Polymerharzes auf einer bestehenden Polymerisationsanlage oftmals aufwändige und mit Investitionen verbundene Eingriffe.

Eine andere Möglichkeit ist der Einsatz von sogenannten Fließhilfsmitteln, auch als Fließmittel, Fließhilfen oder innere Gleitmittel bezeichnet, die dem Polymerharz als Additiv zugegeben werden können.

Derartige Fließhilfsmittel sind aus der Literatur wie z.B. in Kunststoffe 2000, 9, S. 116–118 bekannt und können beispielsweise Fettsäureester von Polyolen oder Amide aus Fettsäuren oder Aminen sein. Derartige Fettsäureester, wie beispielsweise Pentaerythritoltetrastearat oder Ethylenglykoldimontanoat, sind jedoch mit polaren Thermoplasten wie Polyamiden, Polyalkylenterephthalaten oder Polycarbonaten nur begrenzt mischbar. Sie reichern sich daher an der Formteiloberfläche an und werden deshalb auch als Entformungshilfsmittel eingesetzt. Sie können allerdings besonders bei höheren Konzentrationen bei Wärmelagerung oder im Falle von Polyamiden auch bei der Feuchteaufnahme aus diesen Formteilen an die Oberfläche migrieren und sich dort anreichern. Dies kann beispielsweise zu Problemen hinsichtlich Lack- oder Metallhaftung bei beschichteten Formteilen führen.

Alternativ zu den oberflächenaktiven Fließhilfsmitteln können interne Fließhilfsmittel eingesetzt werden, die mit den Polymerharzen verträglich sind. Hierfür eignen sich beispielsweise niedermolekulare Verbindungen oder verzweigte, hochverzweigte oder dendritische Polymere mit einer dem Polymerharz ähnlichen Polarität. Derartige hochverzweigte oder dendritische Systeme sind aus der Literatur bekannt und können beispielsweise auf verzweigten Polyestern, Polyamiden, Polyesteramiden, Polyethern oder Polyaminen basieren, wie sie in Kunststoffe 2001, 91, S. 179–190, oder in Advances in Polymer Science 1999, 143 (Branched Polymers II), S. 1–34 beschrieben sind.

EP-A 0 682 057 beschreibt den Einsatz des stickstoffhaltigen 4-Kaskadendendrimers der ersten Generation: 1,4-Diaminobutan[4]propylamin (N,N'-tetrabis(3-aminopropyl)-1,4-butandiamin) DAB(PA)4 zur Erniedrigung der Viskosität in Polyamid 6, Polyamid 6,6 und Polybutylenterephthalat (PBT). Während beim Einsatz von DAB(PA)4 zur Viskositätserniedrigung in Polyamiden die Schlagzähigkeit der erhaltenen Formmassen praktisch unbeeinflusst bleibt (Unterschied < 5%), nimmt die Schlagzähigkeit bei PBT um mehr als 15% ab.

WO-A 95/06081 (= US 5 493 000) beschreibt den Einsatz von dreidimensionalen verzweigten Polymeren mit starren aromatischen Einheiten in Blends mit Polyamid zur Erhöhung der Materialsteifigkeit und der Reißfestigkeit bei gleichzeitiger Reduktion der Viskosität und der Reißdehnung der Blends.

EP-A 0 994 157 (= AU 6 233 499 A) beschreibt den Einsatz von hochverzweigten, auf Aromaten basierenden Polymeren, die bei der Caprolactam-Polykondensation zugesetzt und damit einpolymerisiert werden. Dabei zeigen Zusammensetzungen aus Polyamiden, bei denen hochverzweigte Polymere einpolymerisiert wurden, bessere mechanische Eigenschaften und bessere Fließfähigkeiten als Vergleichszusammensetzungen ohne die hochverzweigten Komponenten.

Beschrieben wird die Zugabe der hochverzweigten Polymere während der Polymerisation, nicht aber die Zugabe zu einer Polymerschmelze.

Grundsätzlich lassen sich Verbesserungen der Fließfähigkeit von Polyamiden auch durch Zusatz von Phenolen, Bisphenolen und ähnlichen niedermolekularen Additiven erzielen. EP-A 0 240 887 (= US 5 212 224) beschreibt Formmassen aus Polyamid, einem Kautschuk und einem Bisphenol, die eine durch das Additiv hervorgerufene verbesserte Fließfähigkeit aufzeigen.

In DE-A 32 48 329 (= US 4 628 069) wird der Zusatz von phenolischen Verbindungen zu Polyamid zur Verringerung der Wasseraufnahme beschrieben. Phenol-Formaldehyd-Harze werden nicht erwähnt.

Neben der Verbesserung der Fließfähigkeit ist es oft erwünscht, die Zähigkeit der Materialien zu verbessern. Dazu können den eingesetzten Thermoplasten zusätzlich weitere Copolymere auf Basis von Ethen und Acrylsäure- oder Methacrylsäureestern zugesetzt werden, die eine Verbesserung der Zähigkeit bewirken.

DE-A 2 758 568 (= US 4 362 846) und DE-A 2 801 585 (= US 4 362 846) beschreiben die Zähmodifizierung von Polyamiden mit acrylatgepfropften Polyolefinen. Es wird betont, dass die Verwendung der acrylatmodifizierten Polyolefine zu einer Erhöhung der Schmelzeviskosität führt.

EP-A 1 191 067 (= US 6 759 480) beschreibt die Zähmodifizierung von Thermoplasten, unter anderem von Polyamid und Polybutylenterephthalat, durch eine Mischung aus einem Copolymerisat aus Ethen mit einem nichtreaktiven Alkylacrylat sowie einem Copolymerisat aus Ethen mit einem Acrylat mit zusätzlicher reaktiver Gruppe. Die Fließfähigkeit der Formmassen wird nicht diskutiert.

FR-A 2 819 821 beschreibt die Verwendung von Copolymeren aus Ethen mit 2-Ethylhexylacrylat, die einen MFI (Melt Flow Index) kleiner 100 aufweisen, als Bestandteil von Schmelzklebermischungen. Hinweise auf Anwendungen zur Elastomermodifizierung und oder Fließfähigkeitsverbesserung von teilkristallinen Thermoplasten finden sich nicht.

Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung bestand nun darin, eine Erniedrigung der Viskosität von Polyamid-Polykondensatzusammensetzungen durch Additivierung der Polymerschmelze zu erreichen, ohne dabei Verluste bei Eigenschaften wie Schlagzähigkeit und Hydrolysebeständigkeit in Kauf nehmen zu müssen, wie dies beim Einsatz niederviskoser linearer Polymerharze oder bei literaturbekannten Additiven auftritt. Bezüglich Steifigkeit und Reißfestigkeit sollten sich die Polyamid-Zusammensetzungen möglichst nicht signifikant von den nicht additivierten Polyamid-Polykondensatzusammensetzungen unterscheiden, damit ein problemloser Austausch der Materialien für Kunststoffkonstruktionen auf Basis von Polyamid ermöglicht wird.

Die Lösung der Aufgabe und somit Gegenstand der Erfindung sind Polyamid-Formmassen enthaltend

  • A) 99,9 bis 10 Gew.-Teile, bevorzugt 99,5 bis 40 Gew.-Teile, besonders bevorzugt 99,0 bis 55 Gew.-Teile mindestens eines teilkristallinen thermoplastischen Polyamids und
  • B) 0,1 bis 20 Gew.-Teile, vorzugsweise 0,25 bis 15 Gew.-Teile, besonders bevorzugt 1,0 bis 10 Gew.-Teile mindestens eines Copolymerisats aus mindestens einem Olefin, vorzugsweise einem &agr;-Olefin, mit mindestens einem Methacryslsäurester oder Acrylsäureester eines aliphatischen Alkohols, vorzugsweise eines aliphatischen Alkohols mit 5–30 Kohlenstoffatomen, wobei der MFI des Copolymerisats B) 100 g/10 min, vorzugsweise 150 g/10 min nicht unterschreitet.

Der MFI (Melt Flow Index) wurde im Rahmen der vorliegenden Erfindung einheitlich bei 190°C und einem Prüfgewicht von 2,16 kg gemessen bzw. bestimmt.

Überraschend wurde gefunden, dass Mischungen aus mindestens einem teilkristallinen thermoplastischen Polyamid mit Copolymerisaten von Olefinen mit Methacrylsäureestern oder Acrylsäureestern aliphatischer Alkohole, die einen MFI von 100 g/10 min nicht unterschreiten, zur gewünschten Erniedrigung der Schmelzviskosität der daraus hergestellten erfindungsgemäßen Formmassen führen. Im Vergleich zu reinen thermoplastischen Polykondensaten gleicher Fließfähigkeit zeichnen sich die aus den erfindungsgemäßen Polyamid-Formmassen hergestellten Formteile durch eine höhere Schlagzähigkeit aus. Die Formmassen sind zum Einsatz in der Dünnwandtechnologie hervorragend geeignet.

Als Komponente A) enthalten die Zusammensetzungen erfindungsgemäß mindestens ein teilkristallines thermoplastisches Polyamid.

Die erfindungsgemäß einzusetzenden Polyamide können nach verschiedenen Verfahren hergestellt und aus sehr unterschiedlichen Bausteinen synthetisiert werden und im speziellen Anwendungsfall allein oder in Kombination mit Verarbeitungshilfsmitteln, Stabilisatoren, polymeren Legierungspartnern (z.B. Elastomeren) oder auch Verstärkungsmaterialien (wie z.B. mineralischen Füllstoffen oder Glasfasern) zu Werkstoffen mit speziell eingestellten Eigenschaftskombinationen ausgerüstet werden. Geeignet sind auch Blends mit Anteilen von anderen Polymeren, z.B. von Polyethylen, Polypropylen, ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymer), wobei ggf. ein oder mehrere Kompatibilisatoren eingesetzt werden können. Die Eigenschaften der Polyamide lassen sich durch Zusatz von Elastomeren verbessern, z. B. im Hinblick auf die Schlagzähigkeit von z. B. verstärkten Polyamiden. Die Vielzahl der Kombinationsmöglichkeiten ermöglicht eine sehr große Zahl von Produkten mit unterschiedlichsten Eigenschaften.

Zur Herstellung von Polyamiden sind eine Vielzahl von Verfahrensweisen bekannt geworden, wobei je nach gewünschtem Endprodukt unterschiedliche Monomerbausteine, verschiedene Kettenregler zur Einstellung eines angestrebten Molekulargewichtes oder auch Monomere mit reaktiven Gruppen für später beabsichtigte Nachbehandlungen eingesetzt werden.

Die technisch relevanten Verfahren zur Herstellung von Polyamiden laufen meist über die Polykondensation in der Schmelze. In diesem Rahmen wird auch die hydrolytische Polymerisation von Lactamen als Polykondensation verstanden.

Erfindungsgemäß bevorzugt als Komponente A) einzusetzende Polyamide sind teilkristalline Polyamide, die ausgehend von Diaminen und Dicarbonsäuren und/oder Lactamen mit wenigstens 5 Ringgliedern oder entsprechenden Aminosäuren hergestellt werden können.

Als Edukte kommen aliphatische und/oder aromatische Dicarbonsäuren wie Adipinsäure, 2,2,4- und 2,4,4-Trimethyladipinsäure, Azelainsäure, Sebazinsäure, Isophthalsäure, Terephthalsäure, aliphatische und/oder aromatische Diamine wie z.B. Tetramethylendiamin, Hexamethylendiamin, 1,9-Nonandiamin, 2,2,4- und 2,4,4-Trimethylhexamethylendiamin, die isomeren Diamino-dicyclohexylmethane, Diaminodicyclohexylpropane, Bis-aminomethyl-cyclohexan, Phenylendiamine, Xylylendiamine, Aminocarbonsäuren wie z.B. Aminocapronsäure, bzw. die entsprechenden Lactame in Betracht. Copolyamide aus mehreren der genannten Monomeren sind eingeschlossen.

Erfindungsgemäß besonders bevorzugt werden Caprolactame, ganz besonders bevorzugt &egr;-Caprolactam sowie die meisten auf PA6, PA66 und auf anderen aliphatischen und/oder aromatischen Polyamiden bzw. Copolyamiden basierenden Compounds, bei denen auf eine Polyamidgruppe in der Polymerkette 3 bis 11 Methylengruppen kommen, eingesetzt.

Die erfindungsgemäß als Komponente A) einzusetzenden teilkristallinen Polyamide können auch im Gemisch mit anderen Polyamiden und/oder weiteren Polymeren eingesetzt werden.

Den Polyamiden können übliche Additive wie z.B. Entformungsmittel, Stabilisatoren und/oder Fließhilfsmittel in der Schmelze zugemischt oder auf der Oberfläche aufgebracht werden.

Als Komponente B) enthalten die erfindungsgemäßen Zusammensetzungen Coplymerisate, bevorzugt statistische Copolymerisate aus mindestens einem Olefin, bevorzugt &agr;-Olefin und mindestens einem Methacrylsäureester oder Acrylsäureester eines aliphatischen Alkohols, wobei der MFI des Copolymerisats B) 100 g/10 min, vorzugsweise 150 g/10 min, besonders bevorzugt 300 g/10 min nicht unterschreitet. In einer bevorzugten Ausführungsform besteht das Copolymerisat B) zu weniger als 4 Gew.-%, besonders bevorzugt zu weniger als 1,5 Gew.-% und ganz besonders bevorzugt zu 0 Gew.-% aus Monomerbausteinen, die weitere reaktive funktionelle Gruppen (ausgewählt aus der Gruppe umfassend Epoxide, Oxetane, Anhydride, Imide, Aziridine, Furane, Säuren, Amine, Oxazoline) enthalten.

Geeignete Olefine, bevorzugt &agr;-Olefine als Bestandteil der Copolymerisate B) weisen bevorzugt zwischen 2 und 10 Kohlenstoff-Atomen auf und können unsubstituiert oder mit einer oder mehreren aliphatischen, cycloaliphatischen oder aromatischen Gruppen substituiert sein.

Bevorzugte Olefine sind ausgewählt aus der Gruppe umfassend Ethen, Propen, 1-Buten, 1-Penten, 1-Hexen, 1-Octen, 3-Methyl-1-penten. Besonders bevorzugte Olefine sind Ethen und Propen, ganz besonders bevorzugt ist Ethen.

Ebenfalls geeignet sind Mischungen der beschriebenen Olefine.

In einer weiter bevorzugten Ausführungsform werden die weiteren reaktiven funktionellen Gruppen (ausgewählt aus der Gruppe umfassend Epoxide, Oxetane, Anhydride, Imide, Aziridine, Furane; Säuren, Amine, Oxazoline) des Copolymerisates B) außschließlich über die Olefine in das Copolymer B) eingebracht.

Der Gehalt des Olefins am Copolymerisat B) liegt zwischen 50 und 90 Gew.-%, bevorzugt zwischen 55 und 75 Gew.-%.

Das Copolymerisat B) wird weiterhin definiert durch den zweiten Bestandteil neben dem Olefin. Als zweiter Bestandteil sind Alkyl- oder Arylalkylester der Acrylsäure oder Methacrylsäure geeignet, deren Alkyl- oder Arylalkylgruppe aus 5–30 Kohlenstoffatomen gebildet wird. Die Alkyl- oder Arylalkylgruppe kann dabei linear oder verzweigt sein sowie cycloaliphatische oder aromatische Gruppen enthalten, daneben auch durch eine oder mehrere Ether- oder Thioetherfunktionen substituiert sein. Geeignete Methacrylsäure- oder Acrylsäureester in diesem Zusammenhang sind auch solche, die aus einer Alkoholkomponente synthetisiert wurden, die auf Oligoethylenglycol oder Oligopropylenglycol mit nur einer Hydroxylgruppe und maximal 30 C-Atomen basieren.

Beispielsweise kann die Alkyl- oder Arylalkylgruppe des Methacrylsäure- oder Acrylsäureesters ausgewählt sein aus der Gruppe umfassend 1-Pentyl, 1-Hexyl, 2-Hexyl, 3-Hexyl, 1-Heptyl, 3-Heptyl, 1-Octyl, 1-(2-Ethyl)-hexyl, 1-Nonyl, 1-Decyl, 1-Dodecyl, 1-Lauryl oder 1-Octadecyl. Bevorzugt sind Alkyl- oder Arylalkylgruppen mit 6–20 Kohlenstoffatomen. Bevorzugt sind insbesondere auch verzweigte Alkylgruppen, die im Vergleich zu linearen Alkylgruppen gleicher Anzahl an Kohlenstoffatomen zu einer niedrigeren Glasübergangs-Temperatur TG führen.

Erfindungsgemäß besonders bevorzugt sind Copolymerisate B), bei denen das Olefin mit Acrylsäure-(2-ethyl)-hexylester copolymerisiert wird. Ebenfalls geeignet sind Mischungen der beschriebenen Acrylsäure- oder Methacrylsäurester.

Bevorzugt ist hierbei die Verwendung von mehr als 60 Gew.-%, besonders bevorzugt mehr als 90 Gew.-% und ganz besonders bevorzugt die Verwendung von 100 Gew.-% Acrylsäure-(2-ethyl)-hexylester bezogen auf die Gesamtmenge an Acrylsäure- und Methacrylsäurester in Copolymerisat B).

In einer weiter bevorzugten Ausführungsform werden die weiteren reaktiven funktionellen Gruppen (ausgewählt aus der Gruppe umfassend Epoxide, Oxetane, Anhydride, Imide, Aziridine, Furane, Säuren, Amine, Oxazoline) des Copolymerisates B) ausschließlich über die Acrylsäure- oder Methacrylsäurester in das Copolymer B) eingebracht.

Der Gehalt der Acrylsäure- oder Methacrylsäureester am Copolymerisat B) liegt zwischen 10 und 50 Gew.-%, bevorzugt zwischen 25 und 45 Gew.-%.

Geeignete Copolymerisate B) zeichnen sich neben der Zusammensetzung durch das niedrige Molekulargewicht aus. Dementsprechend sind für die erfindungsgemäßen Formmassen nur Copolymerisate B) geeignet, die einen MFI-Wert gemessen bei 190°C und einer Belastung von 2,16 kg von mindestens 100 g/10 min, bevorzugt von mindestens 150 g/10 min, besonders bevorzugt von mindestens 300 g/10 min aufweisen.

Geeignete Copolymerisate als Komponente B) können beispielsweise ausgewählt sein aus der Gruppe der von der Fa. Atofina unter dem Markennamen Lotryl® EH angebotenen Materialien, die gewöhnlich als Schmelzkleber Verwendung finden.

In einer bevorzugten Ausführungsform können die erfindungsgemäßen Polyamid-Formmassen zusätzlich zu den Komponenten A) und B) eine oder mehrere der Komponenten der Reihe C), D), E), F) und G) enthalten.

In einer solchen bevorzugten Ausführungsform können also zusätzlich zu den Komponenten A) und B) noch gegebenenfalls

  • C) 0,001 bis 70 Gew.-Teile, vorzugsweise 5 bis 50 Gew.-Teile, besonders bevorzugt 9 bis 47 Gew.-Teile mindestens eines Füll- oder Verstärkungsstoffes in den thermoplastischen Polyamid-Formmassen enthalten sein.

Als Füllstoff oder Verstärkungsstoff können aber auch Mischungen aus zwei oder mehr unterschiedlichen Füllstoffen und/oder Verstärkungsstoffen beispielsweise auf Basis von Talk, Glimmer, Silikat, Quarz, Titandioxid, Wollastonit, Kaolin, amorphe Kieselsäuren, Magnesiumcarbonat, Kreide, Feldspat, Bariumsulfat, Glaskugeln und/oder faserförmige Füllstoffe und/oder Verstärkungsstoffen auf der Basis von Kohlenstofffasern und/oder Glasfasern eingesetzt werden. Bevorzugt werden mineralische teilchenförmige Füllstoffe auf der Basis von Talk, Glimmer, Silikat, Quarz, Titandioxid, Wollastonit, Kaolin, amorphe Kieselsäuren, Magnesiumcarbonat, Kreide, Feldspat, Bariumsulfat und/oder Glasfasern eingesetzt. Besonders bevorzugt werden mineralische teilchenförmige Füllstoffe auf der Basis von Talk, Wollastonit, Kaolin und/oder Glasfasern eingesetzt.

Insbesondere für Anwendungen, in denen Isotropie bei der Dimensionsstabilität und eine hohe thermische Dimensionsstabilität gefordert wird, wie beispielsweise in Kfz-Anwendungen für Karosserieaußenteile, werden bevorzugt mineralische Füllstoffe eingesetzt, insbesondere Talk, Wollastonit oder Kaolin.

Besonders bevorzugt werden ferner auch nadelförmige mineralische Füllstoffe eingesetzt. Unter nadelförmigen mineralischen Füllstoffen wird erfindungsgemäß ein mineralischer Füllstoff mit stark ausgeprägtem nadelförmigen Charakter verstanden. Als Beispiel seien nadelförmige Wollastonite genannt. Bevorzugt weist das Mineral ein Länge : Durchmesser – Verhältnis von 2:1 bis 35:1, besonders bevorzugt von 3:1 bis 19:1, insbesondere bevorzugt von 4:1 bis 12:1 auf. Die mittlere Teilchengröße der erfindungsgemäßen nadelförmigen Mineralien liegt bevorzugt bei kleiner 20 &mgr;m, besonders bevorzugt bei kleiner 15 &mgr;m, insbesondere bevorzugt bei kleiner 10 &mgr;m, bestimmt mit einem CILAS GRANULOMETER.

Wie bereits oben beschrieben kann der Füllstoff und/oder Verstärkungsstoff gegebenenfalls oberflächenmodifiziert sein, beispielsweise mit einem Haftvermittler bzw. Haftvermittlersystem z.B. auf Silanbasis. Die Vorbehandlung ist jedoch nicht unbedingt erforderlich. Insbesondere bei Verwendung von Glasfasern können zusätzlich zu Silanen auch Polymerdispersionen, Filmbildner, Verzweiger und/oder Glasfaserverarbeitungshilfsmittel verwendet werden.

Die erfindungsgemäß besonders bevorzugt einzusetzenden Glasfasern, die im Allgemeinen einen Faserdurchmesser zwischen 7 und 18 &mgr;m, bevorzugt zwischen 9 und 15 &mgr;m haben, werden als Endlosfasern oder als geschnittene oder gemahlene Glasfasern zugesetzt. Die Fasern können mit einem geeigneten Schlichtesystem und einem Haftvermittler bzw. Haftvermittlersystem z.B. auf Silanbasis ausgerüstet sein.

Gebräuchliche Haftvermittler auf Silanbasis für die Vorbehandlung sind Silanverbindungen beispielsweise der allgemeine Formel (I) (X-(CH2)q)k-Si-(O-CrH2r+1)4–k(I) in der die Substituenten folgende Bedeutung haben:

X für NH2-, HO- oder

steht,

q für eine ganze Zahl von 2 bis 10, bevorzugt 3 bis 4 steht,

r für eine ganze Zahl von 1 bis 5, bevorzugt 1 bis 2 steht und

k für eine ganze Zahl von 1 bis 3, bevorzugt 1 steht.

Bevorzugte Haftvermittler sind Silanverbindungen aus der Gruppe Aminopropyltrimethoxysilan, Aminobutyltrimethoxysilan, Aminopropyltriethoxysilan, Aminobutyltriethoxysilan sowie die entsprechenden Silane, welche als Substituent X eine Glycidylgruppe enthalten.

Für die Ausrüstung der Füllstoffe werden die Silanverbindungen im Allgemeinen in Mengen von 0,05 bis 2 Gew.-%, vorzugsweise 0,25 bis 1,5 Gew.-% und insbesondere 0,5 bis 1 Gew.-% bezogen auf den mineralischen Füllstoff zur Oberflächenbeschichtung eingesetzt.

Die teilchenförmigen Füllstoffe können bedingt durch die Verarbeitung zur Formmasse bzw. Formkörper in der Formmasse bzw. im Formkörper einen kleineren d97- bzw. d50-Wert aufweisen, als die ursprünglich eingesetzten Füllstoffe. Die Glasfasern können bedingt durch die Verarbeitung zur Formmasse bzw. Formkörper in der Formmasse bzw. im Formkörper kürzere Längenverteilungen als ursprünglich eingesetzt aufweisen.

In einer alternativen bevorzugten Ausführungsform können die Polyamid-Formmassen zusätzlich zu den Komponenten A) und B), und/oder C) noch gegebenenfalls

  • D) 0,001 bis 30 Gew.-Teile, vorzugsweise 5 bis 25 Gew.-Teile, besonders bevorzugt 9 bis 19 Gew.-Teile mindestens eines Flammschutzadditivs enthalten.

Als Flammschutzmittel der Komponente D) können handelsübliche organische Halogenverbindungen mit Synergisten oder handelsübliche organische Stickstoffverbindungen oder organisch/anorganische Phosphorverbindungen einzeln oder im Gemisch eingesetzt werden. Auch mineralische Flammschutzadditive wie Magnesiumhydroxid oder Ca-Mg-Carbonat-Hydrate (z.B. DE-A 4 236 122 (= CA 210 9024 A1)) können eingesetzt werden. Ebenso kommen Salze aliphatischer oder aromatischer Sulfonsäuren in Frage. Als halogenhaltige, insbesondere bromierte und chlorierte Verbindungen seien beispielhaft genannt: Ethylen-1,2-bistetrabromphthalimid, epoxidiertes Tetrabrombisphenol-A-Harz, Tetrabrombisphenol-A-oligocarbonat, Tetrachlorbisphenol-A-oligocarbonat, Pentabrompolyacrylat, bromiertes Polystyrol und Decabrom-diphenylether. Als organische Phosphorverbindungen sind z.B. die Phosphorverbindungen gemäß WO-A 98/17720 (= US 6 538 024) geeignet, wie z.B. Triphenylphosphat (TPP), Resorcinol-bis-(diphenylphosphat) (RDP) und die daraus abgeleiteten Oligomere sowie Bisphenol-A-bis-diphenylphosphat (BDP) und die daraus abgeleiteten Oligomere, ferner organische und anorganische Phosphonsäurederivate und deren Salze, organische und anorganische Phosphinsäurederivate und deren Salze, insbesondere Metalldialkylphosphinate wie z.B. Aluminium-tris[dialkylphosphinate] oder Zinkbis[dialkylphosphinate], außerdem roter Phosphor, Phosphite, Hypophosphite, Phospinoxide, Phosphazene, Melaminpyrophosphat und deren Mischungen. Als Stickstoffverbindungen kommen solche aus der Gruppe der Allantoin-, Cyanursäure-, Dicyandiamid, Glycouril-, Guanidin-Ammonium- und Melaminderivate, bevorzugt Allantoin, Benzoguanamin, Glykouril, Melamin, Kondensationsprodukte des Melamins z.B. Melem, Melam oder Melom bzw. höher kondensierte Verbindungen dieses Typs und Addukte des Melamins mit Säuren wie z.B. mit Cyanursäure (Melamincyanurat), Phosphorsäure (Melaminphosphat) oder kondensierten Phosphorsäuren (z.B. Melaminpolyphosphat) in Frage. Als Synergisten sind z.B. Antimonverbindungen, insbesondere Antimontrioxid, Natriumantimonat und Antimonpentoxid, Zinkverbindungen wie z.B. Zinkborat, Zinkoxid, Zinkphosphat und Zinksulfid, Zinnverbindungen wie z.B. Zinnstannat und Zinnborat sowie Magnesiumverbindungen wie z.B. Magnesiumoxid, Magnesiumcarbonat und Magensiumborat geeignet. Auch können dem Flammschutzmittel sogenannte Kohlenstoffbildner wie z.B. Phenol-Formaldehydharze, Polycarbonate, Polyphenylether, Polyimide, Polysulfone, Polyethersulfone, Polyphenylosulfide und Polyetherketone sowie Antitropfmittel wie Tetrafluorethylenpolymerisate zugesetzt werden.

In einer weiteren alternativen bevorzugten Ausführungsform können die Polyamid-Formmassen zusätzlich zu den Komponenten A) und B), und/oder C) und/oder D) noch gegebenenfalls

  • E) 0,001 bis 80 Gew.-Teile, besonders bevorzugt 2 bis 19 Gew.-Teile, insbesondere bevorzugt 9 bis 15 Gew.-Teile mindestens eines Elastomermodifikators enthalten.

Die als Komponente E) einzusetzenden Elastomermodifikatoren umfassen ein oder mehrere Pfropfpolymerisate von

  • E.1 5 bis 95 Gew.-%, vorzugsweise 30 bis 90 Gew.-%, wenigstens eines Vinylmonomeren auf
  • E.2 95 bis 5 Gew.-%, vorzugsweise 70 bis 10 Gew.-% einer oder mehrerer Pfropfgrundlagen mit Glasübergangstemperaturen < 10°C, vorzugsweise < 0°C, besonders bevorzugt < –20°C.

Die Pfropfgrundlage E.2 hat im allgemeinen eine mittlere Teilchengröße (d50-Wert) von 0,05 bis 10 &mgr;m, vorzugsweise 0,1 bis 5 &mgr;m, besonders bevorzugt 0,2 bis 1 &mgr;m.

Monomere E.1 sind vorzugsweise Gemische aus

  • E.1.1 50 bis 99 Gew.-% Vinylaromaten und/oder kernsubstituierten Vinylaromaten (wie beispielsweise Styrol, &agr;-Methylstyrol, p-Methylstyrol, p-Chlorstyrol) und/oder Methacrylsäure-(C1-C8)-Alkylester (wie z.B. Methylmethacrylat, Ethylmethacrylat) und
  • E.1.2 1 bis 50 Gew.-% Vinylcyanide (ungesättigte Nitrile wie Acrylnitril und Methacrylnitril) und/oder (Meth)Acrylsäure-(C1-C8)-Alkylester (wie z.B. Methylmethacrylat, n-Butylacrylat, t-Butylacrylat) und/oder Derivate (wie Anhydride und Imide) ungesättigter Carbonsäuren (beispielsweise Maleinsäureanhydrid und N-Phenyl-Maleinimid).

Bevorzugte Monomere E.1.1 sind ausgewählt aus mindestens einem der Monomere Styrol, &agr;-Methylstyrol und Methylmethacrylat, bevorzugte Monomere E.1.2 sind ausgewählt aus mindestens einem der Monomere Acrylnitril, Maleinsäureanhydrid und Methylmethacrylat.

Besonders bevorzugte Monomere sind E.1.1 Styrol und E.1.2 Acrylnitril.

Für die in den Elastomermodifikatoren E) einzusetzenden Pfropfpolymerisate geeignete Pfropfgrundlagen E.2 sind beispielsweise Dienkautschuke, EP(D)M-Kautschuke, also solche auf Basis Ethylen/Propylen und gegebenenfalls Dien, Acrylat-, Polyurethan-, Silikon-, Chloropren und Ethylen/Vinylacetat-Kautschuke.

Bevorzugte Pfropfgrundlagen E.2 sind Dienkautschuke (z.B. auf Basis Butadien, Isopren etc.) oder Gemische von Dienkautschuken oder Copolymerisate von Dienkautschuken oder deren Gemischen mit weiteren copolymerisierbaren Monomeren (z.B. gemäß E.1.1 und E.1.2), mit der Maßgabe, dass die Glasübergangstemperatur der Komponente E.2 bei < 10°C, vorzugsweise bei < 0°C, besonders bevorzugt bei < –10°C liegt.

Besonders bevorzugte Propfgrundlagen E.2 sind z.B. ABS-Polymerisate (Emulsions-, Masse- und Suspensions-ABS), wie sie z. B. in der DE-A 2 035 390 (=US-A 3 644 574) oder in der DE-A 2 248 242 (=GB-A 1 409 275) bzw. in Ullmann, Enzyklopädie der Technischen Chemie, Bd. 19 (1980), S. 280 ff. beschrieben sind. Der Gelanteil der Pfropfgrundlage E.2 beträgt bevorzugt mindestens 30 Gew.-%, besonders bevorzugt mindestens 40 Gew.-% (in Toluol gemessen).

Die Elastomermodifikatoren bzw. Pfropfpolymerisate E) werden durch radikalische Polymerisation, z.B. durch Emulsions-, Suspensions-, Lösungs- oder Massepolymerisation, vorzugsweise durch Emulsions- oder Massepolymerisation hergestellt.

Besonders geeignete Pfropfkautschuke sind auch ABS-Polymerisate, die durch Redox-Initiierung mit einem Initiatorsystem aus organischem Hydroperoxid und Ascorbinsäure gemäß US-A 4 937 285 hergestellt werden.

Da bei der Pfropfreaktion die Pfropfmonomeren bekanntlich nicht unbedingt vollständig auf die Pfropfgrundlage aufgepfropft werden, werden erfindungsgemäß unter Pfropfpolymerisaten B auch solche Produkte verstanden, die durch (Co)Polymerisation der Pfropfmonomere in Gegenwart der Pfropfgrundlage gewonnen werden und bei der Aufarbeitung mit anfallen.

Geeignete Acrylatkautschuke basieren auf Pfropfgrundlagen E2, die vorzugsweise Polymerisate aus Acrylsäurealkylestern, gegebenenfalls mit bis zu 40 Gew.-%, bezogen auf E.2 anderen polymerisierbaren, ethylenisch ungesättigten Monomeren. Zu den bevorzugten polymerisierbaren Acrylsäureestern gehören C1-C8-Alkylester, beispielsweise Methyl-, Ethyl-, Butyl-, n-Octyl- und 2-Ethylhexylester; Halogenalkylester, vorzugsweise Halogen-C1-C8-alkyl-ester, wie Chlorethylacrylat sowie Mischungen dieser Monomeren.

Zur Vernetzung können Monomere mit mehr als einer polymerisierbaren Doppelbindung copolymerisiert werden. Bevorzugte Beispiele für vernetzende Monomere sind Ester ungesättigter Monocarbonsäuren mit 3 bis 8 C-Atomen und ungesättigter einwertiger Alkohole mit 3 bis 12 C-Atomen, oder gesättigter Polyole mit 2 bis 4 OH-Gruppen und 2 bis 20 C-Atomen, wie z.B. Ethylenglykoldimethacrylat, Allylmethacrylat; mehrfach ungesättigte heterocyclische Verbindungen, wie z.B. Trivinyl- und Triallylcyanurat; polyfunktionelle Vinylverbindungen, wie Di- und Trivinylbenzole; aber auch Triallylphosphat und Diallylphthalat.

Bevorzugte vernetzende Monomere sind Allylmethacrylat, Ethylenglykoldimethacrylat, Diallylphthalat und heterocyclische Verbindungen, die mindestens 3 ethylenisch ungesättigte Gruppen aufweisen.

Besonders bevorzugte vernetzende Monomere sind die cyclischen Monomere Triallylcyanurat, Triallylisocyanurat, Triacryloylhexahydro-s-triazin, Triallylbenzole. Die Menge der vernetzten Monomere beträgt vorzugsweise 0,02 bis 5, insbesondere 0,05 bis 2 Gew.-%, bezogen auf die Pfropfgrundlage E.2.

Bei cyclischen vernetzenden Monomeren mit mindestens 3 ethylenisch ungesättigten Gruppen ist es vorteilhaft, die Menge auf unter 1 Gew.-% der Pfropfgrundlage E.2 zu beschränken.

Bevorzugte "andere" polymerisierbare, ethylenisch ungesättigte Monomere, die neben den Acrylsäureestern gegebenenfalls zur Herstellung der Pfropfgrundlage E.2 dienen können, sind z.B. Acrylnitril, Styrol, &agr;-Methylstyrol, Acrylamide, Vinyl-C1-C6-alkylether, Methylmethacrylat, Butadien. Bevorzugte Acrylatkautschuke als Pfropfgrundlage E.2 sind Emulsionspolymerisate, die einen Gelgehalt von mindestens 60 Gew.-% aufweisen.

Weitere geeignete Pfropfgrundlagen gemäß E.2 sind Silikonkautschuke mit pfropfaktiven Stellen, wie sie in den DE-A 3 704 657 (= US 4 859 740), DE-A 3 704 655 (= US 4 861 831), DE-A 3 631 540 (= US 4 806 593) und DE-A 3 631 539 (= US 4 812 515) beschrieben werden.

Neben Elastomermodifikatoren, die auf Propfpolymeren beruhen, können ebenfalls nicht auf Propfpolymeren basierende Elastomermodifikatoren als Komponente E) eingesetzt werden, die Glasübergangstemperaturen < 10°C, vorzugsweise < 0°C, besonders bevorzugt < –20°C aufweisen. Hierzu können z.B. Elastomere mit einer Blockcopolymerstruktur gehören. Hierzu können weiterhin z.B. thermoplastisch aufschmelzbare Elastomere gehören. Beispielhaft und bevorzugt sind hier EPM-, EPDM- und/oder SEBS-Kautschuke genannt

In einer weiteren alternativen bevorzugten Ausführungsform können die Polyamid-Formmassen zusätzlich zu den Komponenten A) und B), und/oder C) und/oder D) und/oder E) noch gegebenenfalls

  • F) 0,001 bis 10 Gew.-Teile, bevorzugt 0,05 bis 3 Gew.-Teile, besonders bevorzugt 0,1 bis 0,9 Gew.-Teile weitere übliche Additive enthalten.

Übliche Additive im Sinne der vorliegenden Erfindung sind z.B. Stabilisatoren (zum Beispiel UV-Stabilisatoren, Thermostabilisatoren, Gammastrahlenstabilisatoren), Antistatika, Fließhilfsmittel, Entformungsmittel, weitere Brandschutzadditive, Emulgatoren, Nukleierungsmittel, Weichmacher, Gleitmittel, Farbstoffe, Pigmente und Additive zur Erhöhung der elektrischen Leitfähigkeit. Die genannten und weitere geeignete Additive sind zum Beispiel beschrieben in Gächter, Müller, Kunststoff-Additive, 3. Ausgabe, Hanser-Verlag, München, Wien, 1989 und im Plastics Additives Handbook, 5th Edition, Hanser-Verlag, München, 2001. Die Additive können alleine oder in Mischung bzw. in Form von Masterbatchen eingesetzt werden.

Als Stabilisatoren können zum Beispiel sterisch gehinderte Phenole, Hydrochinone, aromatische sekundäre Amine wie z.B. Diphenylamine, substituierte Resorcine, Salicylate, Benzotriazole und Benzophenone, sowie verschiedene substituierte Vertreter dieser Gruppen und deren Mischungen eingesetzt werden.

Als Pigmente bzw. Farbstoffe können z.B. Titandioxid, Zinksulfid, Ultramarinblau, Eisenoxid, Ruß, Phthalocyanine, Chinacridone, Perylene, Nigrosin und Anthrachinone eingesetzt werden.

Als Nukleierungsmittel können z.B. Natrium- oder Calciumphenylphosphinat, Aluminiumoxid, Siliziumdioxid sowie bevorzugt Talkum eingesetzt werden.

Als Gleit- und Entformungsmittel können z.B. Esterwachse, Pentaerytritoltetrastearat (PETS), langkettige Fettsäuren (z.B. Stearinsäure oder Behensäure) und Ester, deren Salze (z.B. Ca- oder Zn-Stearat) sowie Amidderivate (z.B. Ethylen-bis-stearylamid) oder Montanwachse (Mischungen aus geradkettigen, gesättigten Carbonsäuren mit Kettenlängen von 28 bis 32 C-Atomen) sowie niedermolekulare Polyethylen- bzw. Polypropylenwachse eingesetzt werden.

Als Weichmacher können zum Beispiel Phthalsäuredioctylester, Phthalsäuredibenzylester, Phthalsäurebutylbenzylester, Kohlenwasserstofföle, N-(n-Butyl)benzolsulfonamid eingesetzt werden.

Als Additive zur Erhöhung der elektrischen Leitfähigkeit können Ruße, Leitfähigkeitsruße, Carbonfibrillen, nanoskalige Grafit- und Kohlenstofffasern, Graphit, leitfähige Polymere, Metallfasern sowie andere übliche Additive zur Erhöhung der elektrischen Leitfähigkeit zugesetzt werden. Als nanoskalige Fasern können bevorzugt sogenannte „single wall Kohlenstoff-Nanotubes" oder „multi wall Kohlenstoff-Nanotubes" (z.B. der Firma Hyperion Catalysis) eingesetzt werden.

In einer weiteren alternativen bevorzugten Ausführungsform können die Polyamid-Formmassen zusätzlich zu den Komponenten A) und B), und/oder C), und/oder D), und/oder E), und/oder F) noch gegebenenfalls

  • G) 0,5 bis 30 Gew.-Teile, bevorzugt 1 bis 20 Gew.-Teile, besonders bevorzugt 2 bis 10 Gew.-Teile und höchst bevorzugt 3 bis 7 Gew.-Teile Verträglichkeitsvermittler (Compatibilizer/Kompatibilisator) enthalten.

Als Verträglichkeitsvermittler werden vorzugsweise thermoplastische Polymere mit polaren Gruppen eingesetzt.

Erfindungsgemäß kommen demgemäß Polymere zum Einsatz, die

  • G.1 ein vinylaromatisches Monomer,
  • G.2 wenigstens ein Monomer ausgewählt aus der Gruppe C2 bis C12-Alkylmethacrylate, C2 bis C12-Alkylacrylate, Methacrylnitrile und Acrylnitrile und
  • G.3 &agr;,&bgr;-ungesättigte Komponenten enthaltend Dicarbonsäureanhydride enthalten.

Vorzugsweise werden als Komponente G.1, G.2 und G.3 Terpolymere der genannten Monomeren eingesetzt. Demgemäß kommen vorzugsweise Terpolymere von Styrol, Acrylnitril und Maleinsäureanhydrid zum Einsatz. Diese Terpolymere tragen insbesondere zur Verbesserung der mechanischen Eigenschaften, wie Zugfestigkeit und Reißdehnung bei. Die Menge an Maleinsäureanhydrid in dem Terpolymer kann in weiten Grenzen schwanken. Vorzugsweise beträgt die Menge 0,2 bis 5 Mol-%. Besonders bevorzugt sind Mengen zwischen 0,5 und 1,5 Mol-%. In diesem Bereich werden besonders gute mechanische Eigenschaften bezüglich Zugfestigkeit und Reißdehnung erzielt.

Das Terpolymer kann nach bekannter Weise hergestellt werden. Eine geeignete Methode ist das Lösen von Monomerkomponenten des Terpolymers, z. B. des Styrols, Maleinsäureanhydrids oder Acrylnitrils in einem geeigneten Lösemittel, z. B. Methylethylketon (MEK). Zu dieser Lösung werden ein oder gegebenenfalls mehrere chemische Initiatoren hinzugesetzt. Geeignete Initiatoren sind z.B. Peroxide. Sodann wird das Gemisch für mehrere Stunden bei erhöhten Temperaturen polymerisiert. Anschließend werden das Lösemittel und die nicht umgesetzten Monomere in an sich bekannter Weise entfernt.

Das Verhältnis zwischen der Komponente G.1 (vinylaromatisches Monomer) und der Komponente G.2, z.B. dem Acrylnitrilmonomer in dem Terpolymer liegt vorzugsweise zwischen 80:20 und 50:50.

Als vinylaromatisches Monomer G.1 ist Styrol besonders bevorzugt.

Für die Komponente G.2 ist besonders bevorzugt Acrylnitril geeignet.

Als Komponente G.3 ist besonders bevorzugt Maleinsäureanhydrid geeignet.

Beispiele für erfindungsgemäß einsetzbare Verträglichkeitsvermittler G) sind in den EP-A 0 785 234 (= US 5 756 576) und EP-A 0 202 214 (= US 4 713 415) beschrieben. Erfindungsgemäß bevorzugt sind insbesondere die in der EP-A 0 785 234 genannten Polymere.

Die Verträglichkeitsvermittler können in Komponente G) allein oder in beliebiger Mischung untereinander enthalten sein.

Eine weitere, als Verträglichkeitsvermittler besonders bevorzugte Substanz ist ein Terpolymer von Styrol und Acrylnitril im Gewichtsverhältnis 2,1:1 enthaltend 1 Mol-% Maleinsäureanhydrid. Komponente G) wird insbesondere dann eingesetzt, wenn die Formmasse Pfropfpolymerisate, wie unter E) beschrieben, enthält.

Erfindungsgemäß ergeben sich folgende bevorzugte Kombinationen der Komponenten:

A,B; A,B,C; A,B,D; A,B,E; A,B,F; A,B,G; A,B,C,D; A,B,C,E; A,B,C,F; A,B,C,G; A,B,D,E; A,B,D,F; A,B,D,G; A,B,E,F; A,B,E,G; A,B,F,G; A,B,C,D,E; A,B,C,D,G; A,B,C,F,G; A,B,E,F,G; A,B,D,F,G; A,B,C,D,E,F; A,B,C,D,E,G; A,B,D,E,F,G; A,B,C,E,F,G; A,B,C,D,E,G; A,B,C,D,E,F,G.

Die vorliegende Erfindung betrifft ferner die Herstellung der erfindungsgemäßen Polyamid-Formmassen. Dies erfolgt nach bekannten Verfahren durch Vermischen der Komponenten in den entsprechenden Gewichtsanteilen. Vorzugsweise geschieht das Mischen der Komponenten bei Temperaturen von 220 bis 330°C durch gemeinsames Vermengen, Vermischen, Kneten, Extrudieren oder Verwalzen der Komponenten. Es kann vorteilhaft sein, einzelne Komponenten vorzumischen. Es kann weiterhin vorteilhaft sein, Formteile oder Halbzeuge aus einer bei Raumtemperatur (bevorzugt 0 bis 40°C) hergestellten physikalischen Mischung (Dryblend) vorgemischter Komponenten und/oder einzelner Komponenten direkt herzustellen.

Gegenstand der Erfindung sind ferner die aus den erfindungsgemäßen Polyamid-Formmassen enthaltend

  • A) 99,9 bis 10 Gew.-Teile, bevorzugt 99,5 bis 40 Gew.-Teile, besonders bevorzugt 99,0 bis 55 Gew.-Teile mindestens eines teilkristallinen thermoplastischen Polyamids und
  • B) 0,1 bis 20 Gew.-Teile, vorzugsweise 0,25 bis 15 Gew.-Teile, besonders bevorzugt 1,0 bis 10 Gew-Teile mindestens eines Copolymerisats aus mindestens einem Olefin, bevorzugt einem &agr;-Olefin, mit mindestens einem Methacrylsäureester oder Acrylsäureester eines aliphatischen Alkohols, vorzugsweise eines aliphatischen Alkohols mit 5–30 Kohlenstoffatomen wobei der MFI 100 g/10 min, vorzugsweise 150 g/10 min, nicht unterschreitet, herzustellenden Formteile, Formkörper oder Halbzeuge.

Die aus den erfindungsgemäß eingesetzten Polyamid-Formmassen hergestellten Formteile, Formkörper oder Halbzeuge zeichnen sich durch eine höhere Schlagzähigkeit aus als Formteile, Formkörper oder Halbzeuge aus Formmassen vergleichbarer Schmelzviskosität, die durch Einsatz eines niedrigerviskosen Basisharzes als Komponente A) hergestellt wurden. Dabei ist vielfach auch die Reißdehnung der erfindungsgemäßen Formteile, Formkörper bzw. Halbzeuge im Vergleich zu Formteilen, Formkörpern bzw. Halbzeugen aus Formmassen auf Basis eines niedrigerviskosen Basisharzes höher, wobei der Zugmodul bei den erfindungsgemäßen Formteilen nur geringfügig reduziert wird und somit eine Materialsubstitution möglich ist.

Die erfindungsgemäßen Formmassen zeigen im Vergleich zu gleichviskosen Formmassen auf Basis niedrigerviskoser Basisharze weiterhin folgende Vorteile:

  • – geringere Dichte
  • – häufig isotroperes Schwindungsverhalten, das zu geringerem Verzug der Formteile führt
  • – reduziertes Schwindungsverhalten, das zu geringerem Verzug der Formteile führt
  • – verbesserte Hydrolysebeständigkeit
  • – verbesserte Oberflächenqualität der Formteile.

Die erfindungsgemäßen Formmassen zeigen im Vergleich zu gleichviskosen Formmassen auf Basis niedrigerviskoser Basisharze eine deutlich verbesserte Fließfähigkeit, insbesondere bei für die Thermoplastverarbeitung relevanten Scherraten. Dies zeigt sich u.a. auch an deutlich reduzierten Fülldrücken.

Die erfindungsgemäßen Polyamid-Formmassen können nach üblichen Verfahren, beispielsweise durch Spritzguss oder Extrusion, zu Formteilen oder Halbzeugen verarbeitet werden. Beispiele für Halbzeuge sind Folien und Platten. Besonders bevorzugt ist die Spritzgießverarbeitung.

Die erfindungsgemäß aus den Polyamid-Formmassen herzustellenden Formteile, Formkörper oder Halbzeuge können klein- oder großteilig sein und beispielsweise in der Kraftfahrzeug-, Elektro-, Elektronik-, Telekommunikations-, Informationstechnologie-, Computerindustrie, im Haushalt, Sport, in der Medizin oder der Unterhaltungsindustrie angewandt werden. Insbesondere können die erfindungsgemäßen Polyamid-Formmassen für Anwendungen eingesetzt werden, für die eine hohe Schmelzefließfähigkeit erforderlich ist. Ein Beispiel für derartige Anwendungen ist die sogenannte Dünnwandtechnologie, bei der die aus den Formmassen herzustellenden Formteile Wanddicken von weniger als 2,5 mm, bevorzugt weniger als 2,0 mm, besonders bevorzugt weniger als 1,5 mm und am meisten bevorzugt weniger als 1,0 mm aufweisen. Ein weiteres Beispiel für derartige Anwendungen ist die Zykluszeitverkürzung z.B. durch Absenkung der Verarbeitungstemperatur. Ein weiteres Anwendungsbeispiel ist die Verarbeitung der Formmassen über sogenannte Multiwerkzeuge, bei denen über ein Angusssystem mindestens 4 Formen, bevorzugt mindestens 8 Formen, besonders bevorzugt mindestens 12 Formen, am meisten bevorzugt mindestens 16 Formen in einem Spritzgussvorgang gefüllt werden.

Ferner können Formteile aus den erfindungsgemäßen Formmassen für Teile des Kühlkreislaufs und/oder des Ölkreislaufs von Kraftfahrzeugen eingesetzt werden.

  • Komponente A1: Lineares Polyamid 6 (Durethan® B29, Handelsprodukt der Bayer AG, Leverkusen, Deutschland) mit einer relativen Lösungsviskosität von 2,9 (gemessen in m-Kresol bei 25°C)
  • Komponente A2: Lineares Polyamid 6 (Durethan® B26, Handelsprodukt der Bayer AG, Leverkusen, Deutschland) mit einer relativen Lösungsviskosität von 2,6 (gemessen in m-Kresol bei 25°C)
  • Komponente A3: Lineares Polyamid 6 mit einer relativen Lösungsviskosität von 2,4 (gemessen in m-Kresol bei 25°C).
  • Komponente A4: Lineares Polyamid 66 (Radipol® A45H, Handelsprodukt der Radici, Italien) mit einer relativen Lösungsviskosität von 3,0 (gemessen in m-Kresol bei 25°C)
  • Komponente B1: Copolymerisat aus Ethen und Acrylsäure-2-ethylhexylester mit einem Ethen-Anteil von 63 Gewichts-% und einem MFI von 550 (Lotryl® 37 EH 550 der Atofina Deutschland, Düsseldorf)
  • Komponente B2: Copolymerisat aus Ethen und Acrylsäure-2-ethylhexylester mit einem Ethen-Anteil von 63 Gewichts-% und einem MFI von 175 (Lotryl® 37 EH 175 der Atofina Deutschland, Düsseldorf)
  • Vergleichskomponente V1: Copolymerisat aus Ethen, Methylacrylat und Glycidylacrylat mit einem Anteil von 26 Gew.% Methylacrylat und 8 % Glycidylacrylat sowie einem MFI von 6 (Lotader® AX 8900 der Atofina Deutschland, Düsseldorf)
  • Komponente C1: Mit silanhaltigen Verbindungen beschlichtete Glasfaser mit einem Durchmesser von 11 &mgr;m (CS 7928, Handelprodukt der Bayer Antwerpen N.V., Antwerpen, Belgien)
  • Komponente C2: Mit silanhaltigen Verbindungen beschlichtete Glasfaser mit einem Durchmesser von 10 &mgr;m (Vetrotex® P983, Handelsprodukt der Vetrotex-Saint Gobain, Belgien)
  • Komponente D1: Magnesiumhydroxid [CAS-Nr. 1309-42-8]
  • Komponente D2: Melamincyanurat [CAS-Nr. 37640-57-6]
  • Komponente F: Als weitere Additive wurden die folgenden, für die Verwendung in thermoplastischen Polyamiden gebräuchlichen Komponenten eingesetzt:

    Nukleierungsmittel: Talkum [CAS-Nr. 14807-96-6] in Mengen von 0,01 bis 1 Gew.-%. Stabilisator: handelsübliche sterisch gehinderte Phenole in Mengen von 0,01 bis 1 Gew.-%. Entformungsmittel: N,N'-Ethylen-bis-stearylamid [CAS-Nr. 110-30-5], Calciumstearat [CAS-Nr. 1592-23-0] in Mengen von 0,02 bis 2 Gew.-%.

Die verwendeten weiteren Additive (Komponente F) stimmen in Art und Menge jeweils für die Beispiele und Vergleiche mit F = 0,735 %, F = 2,285 %, F = 0,5 % und F = 1,0 % überein.

Zusammensetzungen auf Basis von PA6 bzw. PA66 der Beispiele in den Tabellen 1–3 wurden auf einem Zweiwellenextruder des Typs ZSK32 (Werner und Pfleiderer) bei Massetemperaturen von 260 bis 300°C zu Formmassen compoundiert, die Schmelze wurde in ein Wasserbad ausgetragen und anschließend granuliert.

Die Prüfkörper der Zusammensetzungen der Beispiele in den Tabellen 1–3 wurden auf einer Spritzgießmaschine des Typs Arburg 320-210-500 bei Massetemperaturen von ca. 270°C (Tab. 1 und 3) bzw. 280°C (Tab. 2) und einer Werkzeugtemperatur von ca. 80°C zu Schulterstäben (3 mm Dicke gemäß ISO 527), Prüfstäben 80x10x4 mm (gem. ISO 178), Normprüfkörpern für die UL94V-Prüfung (0,75 mm Dicke) und Prüfkörpern für die Glühdrahtprüfung nach DIN EN 60695-2-13 (1,5 und 3,0 mm Dicke) verspritzt.

Bis auf die Schmelzeviskositätsmessungen wurden alle in den folgenden Tabellen aufgeführten Untersuchungen an o.g. Prüfkörpern durchgeführt:

Zugversuch zur Ermittlung von Zugmodul und Bruchspannung nach DIN EN ISO 527-2/1A

Reißdehnung: Dehnbarkeit bestimmt nach DIN EN ISO 527-2/1A.

Biegeversuch zur Ermittlung von Biegemodul, Biegefestigkeit und Randfaserdehnung nach DIN EN ISO 178

Schlagzähigkeit: IZOD-Methode nach ISO 180/1U bei Raumtemperatur

Brennbarkeit UL 94 V: nach UL 94

GWIT: Ermittlung der Glühdrahtentzündungstemperatur nach DIN EN 60695-2-13

Schmelzviskosität: Bestimmt nach DIN 54811/ISO 11443 bei der angegebenen Scherrate und Temperatur mit dem Gerät Viscorobo 94.00 der Fa. Göttfert nach Trocknung des Granulates bei 80°C für 48 Stunden im Vakuumtrockner.

Tabelle 2: Verstärkte PA66-Formmassen
  • 1) 1008 h Lagerung in Ethylenglykol-Wasser-Gemisch (1:1) bei 130°C/2 bar. Prüfung (Biegeversuch, Schlagbiegeversuch) bei Raumtemperatur.
Tabelle 3: Flammgeschützte Formmassen

Anspruch[de]
  1. Formmassen enthaltend

    A) 99,9 bis 10 Gew.-Teile mindestens eines teilkristallinen thermoplastischen Polyamids und

    B) 0,1 bis 20 Gew.-Teile mindestens eines Copolymerisats aus mindestens einem Olefin mit mindestens einem Methacrylsäurester oder Acrylsäureester eines aliphatischen Alkohols, wobei der MFI des Copolymerisats B) 100 g/10 min nicht unterschreitet.
  2. Formmassen gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Copolymerisat B) zu weniger als 4 Gew.-% aus Monomerbausteinen besteht, die weitere reaktive funktionelle Gruppen (ausgewählt aus der Gruppe umfassend Epoxide, Oxetane, Anhydride, Imide, Aziridine, Furane, Säuren, Amine, Oxazoline) enthalten.
  3. Formmassen gemäß Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass im Copolymerisat B) das Olefin mit Acrylsäure-(2-ethyl)hexylester copolymerisiert wird.
  4. Formmassen gemäß Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass im Copolymerisat B) das Olefin Ethen ist.
  5. Formmassen gemäß der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass der MFI des Copolymerisats B) 150 g/10 min nicht unterschreitet.
  6. Formmassen gemäß der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass diese zusätzlich zu A) und B) gegebenenfalls eine oder mehrere Komponente(n der Reihe

    C) 0,001 bis 70 Gew.-Teile mindestens eines Füll- oder Verstärkungsstoffes,

    D) 0,001 bis 30 Gew.-Teile mindestens eines Flammschutzadditivs,

    E) 0,001 bis 80 Gew.-Teile mindestens eines Elastomermodifikators,

    F) 0,001 bis 10 Gew.-Teile weiterer üblicher Additive

    G) 0,5 bis 30 Gew.-Teile Verträglichkeitsvermittler

    enthalten.
  7. Verfahren zur Herstellung der Polyamid-Formmassen gemäß der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass man die Komponenten in den entsprechenden Gewichtsanteilen vermischt.
  8. Formteile, Formkörper oder Halbzeuge erhältlich durch Spritzguss oder Extrusion der Formmassen gemäß der Ansprüche 1 bis 6.
  9. Multiwerkzeuge erhältlich durch Füllen von mindestens 4 Formen mit Formmassen gemäß den Ansprüchen 1 bis 6 in einem Spritzgussvorgang über ein Angusssystem.
  10. Verwendung der Formmassen gemäß der Ansprüche 1 bis 6 in der Dünnwandtechnologie.
  11. Verwendung der Formteile, Formkörper oder Halbzeuge gemäß Anspruch 8 oder der Multiwerkzeuge gemäß Anspruch 9 in der Elektro-, Elektronik-, Telekommunikations-, Kraftfahrzeug-, Computerindustrie, im Sport, in der Medizin, im Haushalt oder in der Unterhaltungsindustrie.
  12. Verwendung der Formteile, Formkörper oder Halbzeuge gemäß Anspruch 8 für Teile des Kühlkreislaufs und/oder des Ölkreislaufs von Kraftfahrzeugen.
Es folgt kein Blatt Zeichnungen






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