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Dokumentenidentifikation DE102004002192B4 21.09.2006
Titel Verwendung von ethylenisch ungesättigten Isocyanatderivaten zur kovalenten Bindung von aktive Wasserstoffatome aufweisenden Verunreinigungen in härtbaren Massen
Anmelder Hilti AG, Schaan, LI
Erfinder Dierker, Sascha, 86504 Merching, DE
Vertreter TER MEER STEINMEISTER & Partner GbR Patentanwälte, 81679 München
DE-Anmeldedatum 15.01.2004
DE-Aktenzeichen 102004002192
Offenlegungstag 18.08.2005
Veröffentlichungstag der Patenterteilung 21.09.2006
Veröffentlichungstag im Patentblatt 21.09.2006
IPC-Hauptklasse C08L 33/04(2006.01)A, F, I, 20060313, B, H, DE
IPC-Nebenklasse C09D 5/34(2006.01)A, L, I, 20060313, B, H, DE   C04B 24/24(2006.01)A, L, I, 20060313, B, H, DE   C08G 18/81(2006.01)A, L, I, 20060313, B, H, DE   C08L 33/14(2006.01)A, L, I, 20060313, B, H, DE   C08L 75/16(2006.01)A, L, I, 20060313, B, H, DE  

Beschreibung[de]

Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist die Verwendung von bestimmten ethylenisch ungesättigten Isocyanaten als Mittel zur kovalenten Bindung von aktive Wasserstoffatome aufweisenden Verunreinigungen in härtbaren Massen auf der Grundlage von ethylenisch ungesättigten Monomeren, Oligomeren und Polymeren als Harzkomponente und organischen Peroxiden als Härter.

Härtbare Massen auf der Grundlage von ethylenisch ungesättigten Monomeren, Oligomeren und Polymeren, insbesondere Vinylestern und (Meth)acrylsäureestern, werden in starkem Maße als Dübelmassen und Befestigungsmörteln für beispielsweise Ankerstangen und dergleichen auf dem Bausektor eingesetzt. Dabei liegen die Harzkomponente und die Härterkomponente in getrennten Behältern vor und kommen nach dem Vermischen der beiden Bestandteile unter Aushärtung der härtbaren Masse zur Reaktion. Sowohl die Harzkomponente als auch die Härterkomponente enthalten häufig aktive Wasserstoffatome aufweisende Verbindungen, beispielsweise Wasser in Form von Feuchtigkeit, oder aber auch Phlegmatisierungsmittel für das organische Peroxid, beispielsweise Phthalate, Glycerol oder ähnliche ein- oder mehrwertige Alkohole. Diese aktive Wasserstoffatome aufweisenden Verbindungen sind insofern nachteilig, als sie in dem ausgehärteten Netzwerk als Weichmacher fungieren und dadurch dessen Festigkeitseigenschaften beeinträchtigen können.

Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht nun darin, die schädliche Wirkung solcher in den härtbaren Massen der in Rede stehenden Art unvermeidbaren, aktive Wasserstoffatome aufweisenden Verbindungen auf die physikalischen Festigkeitseigenschaften der ausgehärteten Harzmasse zu verhindern.

Es hat sich nunmehr überraschenderweise gezeigt, daß diese Aufgabe dadurch gelöst werden kann, daß man in die Harzkomponente und/oder die Härterkomponente bestimmte ethylenisch ungesättigte Isocyanatverbindungen einarbeitet, welche mit diesen aktive Wasserstoffatome aufweisenden Verbindungen reagieren und sie durch kovalente Bindung in das ausgehärtete Netzwerk einbinden. Hierdurch wird diesen Verbindungen, beispielsweise den Phthalaten, Phlegmatisierungsmitteln, Glycerol und Alkoholen, die Möglichkeit genommen, in dem ausgehärteten Netzwerk als Weichmacher zu wirken und dadurch die angestrebten mechanischen Festigkeitswerte zu beeinträchtigen.

Gegenstand der Erfindung ist daher die Verwendung gemäß Anspruch 1. Die Unteransprüche betreffen bevorzugte Ausführungsformen dieses Erfindungsgegenstandes.

Die Erfindung betrifft somit die Verwendung von ethylenisch ungesättigten Isocyanatderivaten der allgemeinen Formel (I):

in der

X eine Gruppe der folgenden Formeln X1 bis X4:
A eine geradkettige oder verzweigte Alkylengruppe mit 4 bis 6 Kohlenstoffatomen oder eine Gruppe der folgenden Formel A1 bis A6:
(in denen R unabhängig voneinander Wasserstoffatome oder Methylgruppen, m ganze Zahlen mit Werten von 0 oder 1 und n ganze Zahlen mit Werten von 0 bis 4 darstellen),

R1 ein Wasserstoffatom oder eine Methylgruppe und

R2 eine geradkettige oder verzweigte Alkylengruppe mit 1 bis 6 Kohlenstoffatomen bedeuten, als Mittel zur kovalenten Bindung von aktive Wasserstoffatome aufweisenden Verunreinigungen, Weichmachern und/oder Phlegmatisierungsmitteln in härtbaren Massen auf der Grundlage von ethylenisch ungesättigten Monomeren, Oligomeren und Polymeren als Harzkomponente und organischen Peroxiden, vorzugsweise Benzoylperoxid, als Härter.

Vorzugsweise werden als ethylenisch ungesättigte Isocyanate gemäß der vorliegenden Erfindung mindestens ein Vertreter der Diphenylmethan-4-isocyanato-4'-urethanethylenmethacrylat, Toluol-2-urethanethylenmethacrylat-6-isocyanat, Diphenylmethan-4-isocyanato-4'-urethanethylenacrylat, Toluol-2-urethanethylenacrylat-6-isocyanat, Diphenylmethan-4-isocyanato-4'-urethanpropylenacrylat, Diphenylmethan-4-isocyanato-4'-urethanpropylenmethacrylat, Toluol-2-urethanpropylenacrylat-6-isocyanat und Methacrylsäure-2-isocyanatoethylester umfassenden Gruppe verwendet.

Erfindungsgemäß werden die ethylenisch ungesättigten Isocyanate der allgemeinen Formel (I) vorzugsweise für die Bindung von Wasser, ein- oder mehrwertigen Alkoholen, vorzugsweise Glycerol, Polyethylenglykol mit Molekulargewichten im Bereich von 62 bis 750, Polypropylenglykol mit Molekulargewichten im Bereich von 76 bis 3500 und Phthalatweichmachern in Dübel- und/oder Befestigungsmassen verwendet.

Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der Erfindung werden die ethylenisch ungesättigten Isocyanatderivate der allgemeinen Formel (I) in Kombination mit zusätzlichen feuchtigkeitsbindenden Mitteln in den in Rede stehenden Dübel- und/oder Befestigungsmassen eingesetzt, wobei als feuchtigkeitsbindende Mittel vorzugsweise Zeolithe, Molekularsiebe mit Porenweiten von 2 Å bis 9 Å, vorzugsweise 3 Å bis 6 Å, und insbesondere 3 Å und 4 Å, welche die Absorption von Wasser, nicht jedoch der ethylenisch ungesättigten Monomere der Harzkomponente ermöglichen, Tonerde, Tonerdezemente, eisenoxidfreie oder eisenoxidarme Portlandzemente, beispielsweise "Dykerhoff Weiß", Calciumoxid, Calciumsulfat, Calciumsulfat-Hydrat, beispielsweise Calciumsulfat-Semihydrat, oder Mischungen davon eingesetzt werden können.

Einer weiteren bevorzugten Ausführungsform der Erfindung zufolge sind die erfindungsgemäß verwendeten ethylenisch ungesättigten Isocyanatderivate der allgemeinen Formel (I) zusammen mit der Harzkomponente in einer ersten Komponente eines Zweikomponenten-Befestigungsmörtels oder einer Zweikomponenten-Dübelmasse und der Härter in einer davon getrennten zweiten Komponente enthalten, wobei die beiden Komponenten in getrennten Behältern vorliegen, aus denen sie beispielsweise unter Anwendung von Druck ausgepresst und unter Einsetzen der Härtungsreaktion vermischt werden können.

Die erfindungsgemäß verwendeten ethylenisch ungesättigten Isocyanatderivate der allgemeinen Formel (I) sind entweder im Handel erhältlich oder aber mit Hilfe dem Fachmann bekannter Verfahren der organischen Synthese erhältlich, beispielsweise durch Umsetzen eines Isocyanats mit einer äquivalenten Menge eines Hydroxylgruppen-haltigen (Meth)acrylats. Beispielsweise kann man 4,4'-Diphenylmethandiisocyanat, 2,4'-Diphenylmethandiisocyanat (MDI), 1,6-Hexamethylendiisocyanat (HDI), Isophorondiisocyanat (IPDI) als Isocyanat einsetzen und als Hydroxylgruppen-haltiges (Meth)acrylat Hydroxybutylmethacrylat (HMPA) verwenden.

Erfindungsgemäß ist es möglich, die genannten Isocyanatverbindungen auch in Form der Isomerenmischungen einzusetzen, so daß man Mischungen der ethylenisch ungesättigten Isocyanatderivate der allgemeinen Formel (I) erhält, die für die erfindungsgemäße Verwendung ebenfalls geeignet sind, unabhängig davon, ob die funktionellen Gruppen in ihren Stellungen in Abhängigkeit von dem bei der Herstellung eingesetzten Ausgangsprodukt variieren.

Die Umsetzung der Isocyanatverbindungen mit den Hydroxylgruppen-haltigen (Meth)acrylaten kann durch Beschleuniger, beziehungsweise Katalysatoren, gefördert werden.

Es hat sich überraschenderweise gezeigt, daß es mit Hilfe der erfindungsgemäßen Verwendung der definierten ethylenisch ungesättigten Isocyanatderivate der allgemeinen Formel (I) gelingt, bei sonst identisch aufgebauten Zweikomponenten-Befestigungsmörteln die physikalischen Eigenschaften, namentlich die Lastwerte (Ausziehkraft) des ausgehärteten Befestigungsmörtels in signifikanter Weise zu steigern.

Die folgenden Beispiele dienen der weiteren Erläuterung der Erfindung.

BEISPIEL 1 Herstellung eines erfindungsgemäß verwendeten Diphenylmethan-4-isocyanato-4'-urethanpropylenmethacrylats

Man legt 4,4'-Diphenylmethandiisocyanat vor und gibt dann unter Rühren eine äquivalente Menge Hydroxypropylmethacrylat bei einer Temperatur von 40°C zu. Nachdem das Hydroxypropylmethacrylat vollständig zugetropft ist, entfernt man die Heizquelle und rührt so lange weiter, bis die Temperatur nach dem anfänglichen Anstieg aufgrund der Reaktionsenthalpie wieder abfällt.

In gleicher Weise erhält man ausgehend von 2,6-Toluolendiisocyanat und Hydroxypropylmethacrylat Toluol-2-urethanpropylenmethacrylat-6-isocyanat.

Die übrigen erfindungsgemäß eingesetzten ethylenisch ungesättigten Isocyanatderivate der allgemeinen Formel (I) erhält man in analoger Weise unter Anwendung entsprechender Ausgangsmaterialien.

BEISPIELE 2 bis 4 und VERGLEICHBEISPIEL A

Zur Verdeutlichung des durch die erfindungsgemäße Verwendung der definierten ethylenisch ungesättigten Isocyanatderivate der allgemeinen Formel (I) erzielten technischen Wirkung wurden ausgehend von den in der nachfolgenden Tabelle angegebenen Bestandteilen Zweikomponenten-Befestigungsmörtel hergestellt, die bei dem Vergleichsbeispiel A kein erfindungsgemäß verwendetes Isocyanatderivat enthielten, während die Befestigungsmörtel der Beispiele 2 bis 4 im Handel erhältlichen Methacrylsäure-2-isocyanato-ethylester als erfindungsgemäß verwendetes ethylenisch ungesättigtes Isocyanat der allgemeinen Formel (I) in unterschiedlichen Mengen enthalten.

Nach der Herstellung der Harzkomponente beziehungsweise der Härterkomponente durch entsprechendes Vermischen der angegebenen Bestandteile wurden die beiden Komponenten zur bestimmungsgemäßen Verwendung vermischt und wurden dann in Bohrlöcher mit einem Innendurchmesser von 14 mm und einer Tiefe von 110 mm in Beton der Qualität B 25 eingebracht. Anschließend wurde eine Gewindestange M12 in das mit dem Befestigungsmörtel gefüllte Bohrloch eingebracht, worauf die Masse während einer Stunde bei Raumtemperatur ausgehärtet wurde. Anschließend wurde mit Hilfe einer hydraulischen Ziehvorrichtung der Auszugswert in [kN) bestimmt. Dabei wurden für jede Mörtelmasse 10 Versuche durchgeführt, wobei die in der nachfolgenden Tabelle angegebenen Lastwerte jeweils den Mittelwert der 10 Versuche darstellen.

  • *Bei diesem Vinylesterharz handelt es sich um ein vierfach ethoxyliertes Bisphenol-A-dimethacrylatharz der folgenden Formel:

Aus der obigen Tabelle ist ohne weiteres ersichtlich, daß die unter erfindungsgemäßer Verwendung des Methacrylsäure-2-isocyanato-ethylesters als Mittel zur kovalenten Bindung der in beiden Komponenten enthaltenen, aktive Wasserstoffatome aufweisenden Verunreinigungen in der Härterkomponente, namentlich Glycerol, Polypropylenglykol 3500 und Polyethylenglykol 400 beziehungsweise Feuchtigkeit, erhaltene Befestigungsmörtel sprunghaft verbesserte Lastwerte im Vergleich zu dem Mörtel des Vergleichsbeispiels A zeigen, der keine Verbindung zur kovalenten Bindung dieser Verbindungen enthielt.


Anspruch[de]
  1. Verwendung von ethylenisch ungesättigten Isocyanatderivaten der allgemeinen Formel (I):
    in der

    X eine Gruppe der folgenden Formeln X1 bis X4:
    A eine geradkettige oder verzweigte Alkylengruppe mit 4 bis 6 Kohlenstoffatomen oder eine Gruppe der folgenden Formel A1 bis A6:
    (in denen R unabhängig voneinander Wasserstoffatome oder Methylgruppen, m ganze Zahlen mit Werten von 0 oder 1 und n ganze Zahlen mit Werten von 0 bis 4 darstellen),

    R1 ein Wasserstoffatom oder eine Methylgruppe und

    R2 eine geradkettige oder verzweigte Alkylengruppe mit 1 bis 6 Kohlenstoffatomen bedeuten, als Mittel zur kovalenten Bindung von aktive Wasserstoffatome aufweisenden Verunreinigungen, Weichmachern und/oder Phlegmatisierungsmitteln in härtbaren Massen auf der Grundlage von ethylenisch ungesättigten Monomeren, Oligomeren und Polymeren als Harzkomponente und organischen Peroxiden als Härter.
  2. Verwendung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als ethylenisch ungesättigte Isocyanate mindestens ein Vertreter der Diphenylmethan-4-isocyanato-4'-urethanethylenmethacrylat, Toluol-2-urethanethylenmethacrylat-6-isocyanat, Diphenylmethan-4-isocyanato-4'-urethanethylenacrylat, Toluol-2-urethanethylenacrylat-6-isocyanat, Diphenylmethan-4-isocyanato-4'-urethanpropylenacrylat, Diphenylmethan-4-isocyanato-4'-urethanpropylenmethacrylat, Toluol-2-urethanpropylenacrylat-6-isocyanat und Methacrylsäure-2-isocyanatoethylester umfassenden Gruppe verwendet wird.
  3. Verwendung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die ethylenisch ungesättigten Isocyanatderivate der allgemeinen Formel (I) zur Bindung von Wasser, ein- oder mehrwertigen Alkoholen, vorzugsweise Glycerol, Polyethylenglykol mit Molekulargewichten im Bereich von 62 bis 750, Polypropylenglykol mit Molekulargewichten im Bereich von 76 bis 3500 und Phthalatweichmachern in Dübel- und/oder Befestigungsmassen eingesetzt werden.
  4. Verwendung nach mindestens einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die ethylenisch ungesättigten Isocyanatderivate der allgemeinen Formel (I) in Kombination mit feuchtigkeitsbindenden Mitteln in den Dübel- und/oder Befestigungsmassen eingesetzt werden.
  5. Verwendung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß als feuchtigkeitsbindende Mittel Zeolithe, Molekularsiebe mit Porenweiten von 2 bis 9 Å, vorzugsweise 3 bis 6 Å, welche die Absorption von Wasser nicht jedoch der ethylenisch ungesättigten Monomere ermöglichen, Tonerde, Tonerdezemente, eisenoxidfreier oder eisenoxidarmer Portlandzement, Calciumoxid, Calciumsulfat oder Mischungen davon verwendet werden.
  6. Verwendung nach mindestens einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die ethylenisch ungesättigten Isocyanatderivate der allgemeinen Formel (I) zusammen mit der Harzkomponente in einer ersten Komponente eines Zweikomponenten-Befestigungsmörtels und der Härter in einer davon getrennten zweiten Komponente vorliegen.
  7. Verwendung nach mindestens einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß Benzoylperoxid als Härter verwendet wird.
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