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Dokumentenidentifikation DE102005013186A1 28.09.2006
Titel Nähgarn aus Polybutylenterephthalat
Anmelder INVISTA Technologies S.a.r.l., Zürich, CH
Erfinder Gebauer, Elke, 36251 Bad Hersfeld, DE;
Schomberg, Clemens, 36251 Bad Hersfeld, DE;
Mondl, Joachim, 36251 Bad Hersfeld, DE;
Kauer, Frank, 36286 Neuenstein, DE;
Leimbach, Frank, 36179 Bebra, DE
Vertreter Zounek, Plate, Schweitzer Patentanwaltskanzlei, 65203 Wiesbaden
DE-Anmeldedatum 22.03.2005
DE-Aktenzeichen 102005013186
Offenlegungstag 28.09.2006
Veröffentlichungstag im Patentblatt 28.09.2006
IPC-Hauptklasse D02G 3/46(2006.01)A, F, I, 20051017, B, H, DE
Zusammenfassung Die vorliegende Erfindung betrifft ein aus Polybutylenterephthalat-Multifilamentgarnen hergestelltes Nähgarn mit einer elastischen Erholung von mindestens 60% aus 20%iger Reckung, ein Verfahren zu seiner Herstellung und seine Verwendung.

Beschreibung[de]
Technisches Gebiet

Die vorliegende Erfindung betrifft ein Nähgarn aus Polybutylenterephthalat (PBT) sowie damit hergestellte elastische Artikel.

Nähgarne sind in unterschiedlichen Konstruktionen bekannt: als Nähzwirn, Coregarn, verwirbeltes Nähgarn oder bondiertes Nähgarn.

Aus der EP 0 569 890 A ist ein Nähzwirn bekannt. Bei dieser Nähgarnkonstruktion handelt es sich also um ein Nähgarn aus mindestens zwei, vorzugsweise jedoch drei miteinander verzwirnten multifilen Garnkomponenten. Die den Zwirn bildenden Garnkomponenten werden jeweils ebenfalls vor dem Zwirnen vorverdreht, wobei die Vordrehung der jeweiligen multifilen Garnkomponente der Zwirnrichtung entgegengerichtet ist.

Aus der EP 0 569 891 A ist als Nähgarn ein Coregarn bekannt. Hierbei wird eine multifile erste Garnkomponente von einer aus Natur- oder Synthesefasern bestehende zweite Garnkomponente umsponnen.

In der EP 0 295 601 A wird ein aus multifilen Synthesefasern bestehendes Nähgarn mit der Konstruktion eines luftverwirbelten Nähgarns beschrieben, wobei eine multifile erste Seelenfadenkomponente mit einer zweiten Effektfadenkomponente mit Hilfe eines Luftstroms verwirbelt ist.

Aus der EP 0 919 649 A ist ein bondiertes Nähgarn aus synthetischen Multifilamenten bekannt, wobei das Nähgarn mindestens zwei Garnkomponenten aufweist, deren Einzelfilamente jeweils parallel zueinander ausgerichtet sind. Die beiden Garnkomponenten sind miteinander verwunden, wobei zum erforderlichen Fadenschluß die beiden miteinander verwundenen Garnkomponenten noch vollflächig mit einer polymeren Beschichtung überzogen sind.

Die zuvor beschriebenen bekannten Nähgarne lassen sich nur bedingt für das Vernähen von elastischen Artikeln verwenden. Wird eine Stretch- bzw. Dehnware mit einem unelastischen Nähgarn vernäht, so läßt die Dehnbarkeit der Ware in den vernähten Teilen zu wünschen übrig und der Vorteil der Stretchware wird nicht voll genutzt. Wird zudem auf die Nähte einer vernähten Stretchware eine übergroße Kraft ausgeübt, so hat die Ware den Nachteil, daß das Nähgarn leicht reißt.

Sollen die Nähte also eine gewisse Elastizität besitzen, so ist man bisher wie folgt verfahren: Zur Erzielung einer Elastizität der Nähte bildet man Nähte mit einer Konstruktion eines Mehrfadenkettenstichs, eines Überwendlichstichs oder eines Zickzackstichs. Diese Nähte haben jedoch folgende Nachteile: Bildung der Konstruktion erfordert eine spezielle Nähmaschine; Nahtbildung ist zeitaufwendig; ein großer Nähgarnbedarf ist erforderlich; und die Nähte sehen schlecht aus. Zudem läßt die Elastizität der Ware in den vernähten Teilen oft zu wünschen übrig.

Aus den japanischen Patentveröffentlichungen (Kokai) Nr. 01-260030 und 02-026945 ist die Verwendung einer elastischen Faser, wie eines auf Polyurethan basierenden Garns, umhüllt mit einem löslichen Garn wie einem Garn auf Basis Polyvinylalkohol, als elastisches Nähgarn bekannt. Nach Vernähen der Stretchware wird das lösliche Garn aufgelöst und entfernt.

Aus der EP 1 188 852 A1 ist ein dehnbares Nähgarn aus Polytrimethylenterephthalat (PTT) bekannt. Nachteilig an PTT ist die zur Verhinderung von Kristallisation im Spinnfaden, die zu instabilen Wickelkörpern führt, erforderliche langsame Schmelzspinngeschwindigkeit von etwa 1500 m/min. Zudem muß man PTT-Nähgarne auf einer Spule mit einer speziellen geringen Dichte aufwickeln und bei 90 °C naß verarbeiten, damit man ein einheitlich relaxiertes Garn erhält, das bei der Färbung nicht schrumpft und ein einheitlich gefärbtes Nähgarn ergibt.

Aus der EP 1 479 802 A sind ebenfalls gut elastische Nähgarne bekannt, die wiederum auf PTT basieren.

Darstellung der Erfindung

Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist die Bereitstellung eines dehnbaren, zur Bildung eines hochdehnbaren Steppstichs geeigneten Nähgarns und eines aus einer Stretchware hergestellten Nähguts mit ausgezeichnet aussehenden und elastischen Nähten.

Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist ferner die Bereitstellung eines dehnbaren Nähgarns ohne die mit den vorbekannten Lösungen verbundenen Probleme.

Es wurde gefunden, daß mindestens ein Multifilamentgarn aus Polybutylenterephthalat (PBT) enthaltendes Nähgarn eine hohe Dehnbarkeit ergibt und das Nähen von elastischen Nähten mit ansgezeichneter Optik ermöglicht, die speziell für Stretchwaren gut geeignet sind.

Weiterhin wurde erfindungsgemäß gefunden, daß mindestens ein Multifilamentgarn aus PBT enthaltende Nähgarne die oben erwähnten Probleme lösen.

Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist somit ein Nähgarn, enthaltend mindestens ein Multifilamentgarn, bei dem mindestens eines der Multifilamentgarne Polybutylenterephthalat enthält.

Dabei wurde völlig unerwartet gefunden, daß PBT-Multifilamentgarne zwar eine geringere elastische Erholung als PTT-Multifilamentgarne aufweisen, die fertig gefärbten Nähgarne jedoch vergleichbare Werte für die elastische Erholung und die Nahtdehnbarkeit besitzen. Die Verwendung eines PBT-Nähgarns ist somit der von PTT-Nähgarn vorzuziehen, denn seine Elastizität läßt im Laufe der Färbung und Präparation des Herstellungsverfahrens für das Nähgarn nicht nach.

Die vorliegende Erfindung wird nun näher erläutert.

Erfindungsgemäß ist unter einem PBT-Garn ein Garn aus einem Polyester zu verstehen, der vornehmlich aus wiederkehrenden Einheiten von Butylenterephthalat (Tetramethylenterephthalat) besteht und die wiederkehrenden Einheiten von Butylenterephthalat in einer Menge von 50 Mol-% und mehr, vorzugsweise 70 Mol-% und mehr und besonders bevorzugt 90 Mol-% und mehr enthält. Das Garn aus PBT kann als dritte Komponente eine weitere Säurekomponente und/oder Glykolkomponenten und/oder weitere Zuschlagstoffe oder Farbmittel in einer Gesamtmenge von 50 Mol-% und weniger enthalten.

Die Herstellung von Polybutylenterephthalat erfolgt durch Umsetzen von Terephthalsäure oder ihrer funktionellen Derivate mit Butandiol in Gegenwart eines Katalysators, üblicherweise Titanverbindungen, unter geeigneten Reaktionsbedingungen. Im Laufe der Synthese kann man auch noch weitere Disäuren und Diole zusetzen, um einen Copolyester herzustellen.

Zu Beispielen der zuzusetzenden dritten Komponenten zählen aliphatische Dicarbonsäuren wie Oxalsäure und Adipinsäure, alicyclische Dicarbonsäuren wie Cyclohexandicarbonsäure, aromatische Dicarbonsäuren wie Isophthalsäure und Natriumsulfoisophthalat; aliphatische Glykole wie Ethylenglykol, 1,2-Propylenglykol und Tetramethylenglykol, alicyclische Glykole wie Cyclohexandimethanol, aliphatische Glykole jeweils mit einer aromatischen Gruppe wie 1,4-Bis(&bgr;-hydroxyethoxy)benzol, Polyetherglykole wie Polyethylenglykol und Polypropylenglykol, aliphatische Oxycarbonsäuren wie (&ohgr;-Oxycapronsäure und aromatische Oxycarbonsäure wie p-Oxybenzoesäure. Darüber hinaus kann man auch eine Verbindung mit einer oder drei und mehr esterbildenden funktionellen Gruppen wie Trimethylolpropan oder Pentaerythrit einsetzen, solange die dabei entstehenden Polymere weitgehend linear aufgebaut sind.

Bei dem erfindungsgemäß verwendeten Polybutylenterephthalatgarn handelt es sich üblicherweise um ein durch Schmelzspinnen aus Polybutylenterephthalat hergestelltes Garn. Zur Herstellung von PBT-Garn kann man auch von PBT verschiedene Polyester wie Polytrimethylenterephthalat (PTT), Polyethylenterephthalat (PET), Polyamide getrennt herstellen und die Polymere mischen; die Garne kann man auch durch Kompositspinnen (Kernmantel, Seite-an-Seite) herstellen.

Das PBT-Garn kann Mattierungsmittel wie Titandioxid, Stabilisierungsmittel wie Phosphorsäure, ultraviolette Strahlung absorbierende Mittel wie Hydroxybenzophenonderivat, Flammschutzmittel, Antistatika, Pigmente, Lösungsmittel, optische Aufheller, Nukleiermittel, Infrarotstrahlung absorbierende Mittel, Entschäumungsmittel und dergleichen und deren Mischungen enthalten.

Erhältlich ist das das erfindungsgemäße Nähgarn bildende PBT-Garn nach einem der folgenden Verfahren: einem Verfahren, bei dem man das PBT-Polymer aus der Schmelze verspinnt, das Garn mit einer Geschwindigkeit zwischen 700 und 5000 m/min als unverstrecktes Garn aufwickelt und das unverstreckte Garn verstreckt und verdrillt; einem einstufigen Direktstreckverfahren, bei dem Spinnen und Strecken in einem Arbeitsgang erfolgen; und einem Hochgeschwindigkeitsspinnverfahren mit einer auf 5000 m/min oder höher eingestellten Wickelgeschwindigkeit. Bevorzugt erspinnt man das Garn mit > 1500 m/min und verstreckt und relaxiert es mit einem Verhältnis von 1,2 bis 2,3, um die gewünschte Ausgewogenheit der physikalischen Eigenschaften zu erzielen.

Das Multifilamentgarn kann im Filamentprofil vieleckig geformt sein, beispielsweise auch rund, dreieckig, L-förmig, T-förmig, trilobal, Y-förmig, W-förmig, achtblättrig, flächig, hundeknochenförmig, mehrblättrig, hohllochförmig und beliebig geformt sein. Unter diesen Profilen ist ein runder Querschnitt besonders bevorzugt.

Als Filamentgarn kann man ein nach einem der verschiedenen obigen Spinn- und Streckverfahren erhaltenes verstrecktes Glattgarn, ein nach dem Falschdrahtverfahren gedrehtes Garn, (unter anderem auch ein strecktexturiertes Garn aus vororientiertem PBT-Garn (POY)), einen nach dem Falschdrahtverfahren hergestellten Zwirn, (so beispielsweise ein in S- oder Z-Richtung gedrehtes und in Z- oder S-Richtung nach dem Falschdrahtverfahren verzwirntes Garn) sowie ein lufttexturiertes Garn einsetzen. Aufgrund der dabei erreichten ausgezeichneten Eigenschaften ist es bevorzugt, ein Nähgarn aus einem verstreckten Glattgarn oder einem nach dem Falschdrahtverfahren gedrehten Garn herzustellen.

Das Polybutylenterephthalat-Multifilamentgarn hat bevorzugt einen Gesamttiter von 20 bis 550 dtex.

Ein verstrecktes Polybutylenterephthalat-Multifilamentglattgarn, das sich insbesondere zur Herstellung eines dehnbaren PBT-Nähgarns eignet, ist dadurch gekennzeichnet, daß das Multifilamentgarn eine Feinheitsfestigkeit zwischen 25 cN/tex und 50 cN/tex und bevorzugt zwischen 30 und 40 cN/tex aufweist. Es ist ferner gekennzeichnet als ein Garn mit einer Reißdehnung zwischen 30 und 60 % und bevorzugt zwischen 40 und 50 %. Es ist ferner gekennzeichnet durch eine elastische Erholung aus einer 20 %igen Reckung von mindestens 60 % und besonders bevorzugt von mindestens 75 %.

Das erfindungsgemäße PBT-Nähgarn besitzt eine Reißfestigkeit zwischen 20 und 50 cN/tex und bevorzugt zwischen 30 bis 40 cN/tex sowie eine Reißdehnung zwischen 25 bis 100 % und bevorzugt zwischen 40 und 50 %. Bei einer Reißfestigkeit von weniger als 20 cN/tex ergibt sich eine ungenügende Nahtfestigkeit. Andererseits ergibt eine Reißfestigkeit von über 45 cN/tex ein Nähgarn mit schlechter Reißdehnung und eine schlechte Nahtelastizität der damit vernähten Artikel.

Weiterhin zeigt das erfindungsgemäße Nähgarn eine elastische Erholung aus einer 20 %igen Reckung von 60 % und mehr und bevorzugt von 70 bis 85 %. Vernäht man eine Dehnware mit einem Nähgarn, dessen elastische Erholung in dem oben erwähnten Bereich liegt, zeigt auch die Dehnware eine äußerst gute Erholung.

Das erfindungsgemäße Nähgarn kann als Nähzwirn, als Coregarn, als verwirbeltes Nähgarn oder als bondiertes Nähgarn ausgeführt sein. Das erfindungsgemäße Nähgarn enthält mindestens ein multifiles PBT-Garn oder Spinngarne aus PBT-Stapelfasern.

Zur Herstellung eines Nähzwirns kann man zunächst das Multifilamentgarn mit bevorzugt 200 bis 2000 Drehungen pro Meter (T/m) verdrillen.

Beispiele für das Fachen sind zweifacher, durch das Fachen und Verdrillen von zwei Garnen erhaltener Zwirn, dreifacher, durch das Fachen und Verdrillen von drei Garnen erhaltener Zwirn, zwei mal dreifacher Zwirn, erhalten durch das Fachen und Verdrillen dreier zweifacher Zwirne, jeweils erhalten durch das Fachen und Verdrillen zweier Garne. Wünschenswerterweise beträgt die Endverdrillung das 0,7- bis 0,8-fache der Vordrillung, um so die Bildung eines schlaufigen Garns soweit wie möglich zu vermeiden. Darüber hinaus sollte die Enddrillung grundsätzlich in Z-Richtung erfolgen. Bei Nähgarnen wie einem für einen Doppelsteppstich wird jedoch bevorzugt sowohl in S- als auch in Z-Richtung verdrillt. Bei mindestens einem der Multifilamentgarne muß es sich um PBT handeln, wobei für die anderen Garne PTT, PET, Polyamid oder deren Kombination in Betracht kommen.

Zur Herstellung eines Nähgarns in der Konstruktion eines Coregarns kann man das PBT-Multifilamentgarn mit Fasern natürlicher oder synthetischer Herkunft umhüllen. Aus zwei oder mehr dieser umhüllten Einfachgarne erzwirnt man ein Nähgarn. Als Naturfasern seien beispielsweise Baumwollfasern und als Synthesefasern beispielsweise PBT, PET, PTT und Polyamide genannt.

Zur Herstellung von luftverwirbelten Nähgarnen kann man zwei Multifilamentgarne texturieren, indem man das Filamentmaterial der Blasdüse mit größerer Geschwindigkeit zuführt als aus ihr abzieht. Der Geschwindigkeitsüberschuß der Zuführung gegenüber dem Abzug, ausgedrückt in Prozenten, bezogen auf die Abzugsgeschwindigkeit, bezeichnet man als die Voreilung. Verfahrensgemäß werden nun die miteinander zu vermischenden Garnstränge mit unterschiedlicher Voreilung der Texturierdüse zugeführt. Der Vorgarnstrang, aus dem die Steherfilamente des Garns hervorgehen, wird der Blasdüse üblicherweise mit einer Voreilung von 3 bis 10 %, der Vorgarnstrang, aus dem die Effektfilamente des erfindungsgemäßen Garns hervorgehen, üblicherweise mit einer Voreilung von 10 bis 60 % zugeführt. Als Coregarn wird ein multifiles PBT-Garn eingesetzt, als Effektgarn kommt multifiles PBT-, PET-, PTT- oder Polyamidgarn in Frage.

Zur Herstellung bondierter Nähgarne kann man zwei oder mehr Multifilamentgarne miteinander verdrillen und mit einer polymeren Beschichtung, wie einer wäßrigen Emulsion aus linearem Polyurethan, verbinden. Bei mindestens einem der Multifilamentgarne muß es sich um PBT-Garn, bei den anderen Garnen um multifiles PBT-, PET-, PTT- oder Polyamidgarn handeln.

Zur Färbung wird das Nähgarn bevorzugt auf eine Kreuzspule umgewickelt und nach den üblichen Verfahren gefärbt. Zur Verbesserung der Schlüssigkeit und Nähleistung eines Nähgarns kann man eine ein Nähleistungsverbesserungsmittel, ein Glättungsmittel und ein Bindemittel enthaltende Lösung um die nach dem Färben abgereinigte Garnspule zirkulieren, so daß die Mittel daran haften bleiben können. Zu Beispielen für Nähleistungsverbesserer und Glättungsmittel zählen Silikonverbindungen, auf Polyethylen basierende Emulsionen und Wachsverbindungen. Zu Beispielen für das Bindemittel zählen auf Polyester basierende Harze, auf Polyurethan basierende Harze sowie auf Acrylat basierende Harze.

Unter einer Stretch- bzw. Dehnware ist im Sinne der vorliegenden Erfindung eine Ware zu verstehen, die in Kett- und/oder Schußrichtung eine Dehnbarkeit von 5 bis 200 % zeigt. Hierbei erhält man die Dehnbarkeit nach folgendem Verfahren: man erstellt zwei Proben mit den Abmessungen 140 mm × 165 mm (zugbelastete Seite mal eingespannte Seite), wobei die zugbelastete Seite der einen Probe in Kettrichtung der Ware und die der anderen Probe in Schußrichtung genommen werden; man verzieht die Proben jeweils mit einer Geschwindigkeit von 60 cm/min, so daß man eine Zugdehnungskurve erhält; von der Kurve wird die Dehnung der Warenprobe unter einer Spannung von 2 kg pro 5 cm Breite abgelesen. Zu Beispielen für eine Ware zählen eine Webware, eine Maschenware und ein Vliesstoff. Von den Waren sind eine Webware und eine Maschenware insbesondere bevorzugt. Zu Mitteln zur Dehnung dieser Waren zählen ein Verfahren, das die Dehnung der die Ware bildenden Garne nutzt, ein Verfahren, das die Dehnung der Krümmungsbildung der Ware nutzt, sowie ein Verfahren, das eine Kombination der obigen beiden Techniken nutzt.

Zu speziellen Beispielen für die erfindungsgemäße Dehnware zählen Kleidungsstücke mit einer Dehnbarkeit von 10 bis 25 % wie Röcke, Blusen, Arbeitskleidung, Uniformen, Hosen, Jacken, Anzüge und Mäntel, Kleidungsstücke mit einer Dehnbarkeit von 20 bis 40 % wie Sportjacken, Trainingsbekleidung, Spielbekleidung, T-Shirts, Unterwäsche und Pullover sowie Kleidungsstücke mit einer Dehnbarkeit von 40 bis 200 % wie Miederwaren, Bodys, Badebekleidung, Skibekleidung und Skatebekleidung. Mit dem erfindungsgemäßen Nähgarn kann man zwar alle diese Stretchwaren vernähen, Verwendung bei Waren mit Dehnbarkeit von 20 % und mehr und insbesondere 40 % und mehr ist aber bevorzugt, weil die Nähte eine ausgezeichnete Elastizität zeigen und die so erhaltenen vernähten Artikel den Träger nicht einengen und ausgezeichneten Tragekomfort zeigen.

Darüber hinaus weisen die mit dem erfindungsgemäßen Nähgarn erstellten Nähte, insbesondere Doppelsteppstichnähte, eine ausgezeichnete Nahtelastizität auf, die auch dann vorhanden ist, wenn in einer derartigen Naht keine oder nur eine sehr geringe Garnüberlänge des Nähgarnes vorliegt, wobei aufgrund der hohen Elastizität des erfindungsgemäßen Nähgarnes und insbesondere der hohen zugelastischen Dehnung desselben sichergestellt ist, daß auch nach einer wiederholten Belastung sowie auch nach einer wiederholten Überbelastung der Naht kein unerwünschtes Aufklaffen der Naht auftritt, da sich das Nähgarn an die Elastizität der Stretchware anpaßt.

Prüfverfahren Höchstzugkraft und Höchstzugkraftdehnung

Mit einem Statimat wird bei einer Probenlänge von 100 mm und einer Verformungsgeschwindigkeit von 600 mm/min eine Zugdehnungskurve erhalten und die Spannung bei 5 % Dehnung und 30 % Dehnung, die Reißfestigkeit (cN/tex) und die Reißdehnung (%) gemessen.

Elastische Erholung Garn und Zwirn

Der Faden wird mit 0,05 cN/dtex vorgespannt und mit einer konstanten Geschwindigkeit von 100 mm/min unter Aufzeichnung einer Kraftdehnungskurve bis zu einer vorbestimmten Prüflast gedehnt und die dabei resultierende Prüfdehnung notiert. Das Garn wird entlastet und die bleibende Dehnung bestimmt. Dann wird das Garn wieder auf eine höhere Prüflast gedehnt. Dieses Verfahren wird solange mit einer in Stufen von 25 cN zunehmenden Testlast wiederholt, bis das Garn versagt. Die elastische Erholung bei jeder Prüflaststufe errechnet sich wie folgt: Elastische Erholung (%) = elastische Dehnung/Prüfdehnung × 100 wobei elastische Dehnung den Unterschied zwischen Prüf- und bleibender Dehnung bezeichnet. Beispielsweise entspricht eine bleibende Dehnung von 1,1 % nach einer Prüfdehnung von 15,1 % einer elastischen Dehnung von 14 % (= 15,1 % – 1,1 %) und einer elastischen Erholung von 92,6 % (= 14 %/15,1 % × 100) bei 15,1 % Dehnung. Die elastische Erholung aus 20 %iger Reckung ermittelt man durch Interpolierung zwischen zwei Meßpunkten in Nachbarschaft der 20 %igen Reckung.

Spezifische Viskosität

Man löst ein Polymer bei 55 °C in Dichloressigsäure bei einer Konzentration von 0,1 g/cc. Die so erhaltene Lösung wird in das Viskosimeter Ubbelhode überführt und bei 25 °C vermessen. Die spezifische Viskosität (SV) errechnet sich wie folgt: SV = T/T0 – 1 wobei T die Tropfzeit der Probenlösung und T0 die Tropfzeit des Lösungsmittels bedeutet.

Beispiel 1

Ein Polybutylenterephthalat (SV = 1,1) wurde bei einer Spinntemperatur von 260 °C und einer Aufwickelgeschwindigkeit von 3000 m/min zu POY-Garn versponnen. Das Garn wurde anschließend auf einer Streckdrehmaschine zu verstrecktem Garn des Titers 95 f 32 verstreckt, wobei das verstreckte Garn eine Reißfestigkeit von 35 cN/tex und eine Reißdehnung von 44 % sowie eine elastische Erholung von 78 % aus 20 %iger Reckung zeigte.

Das so erhaltene PBT-Glattgarn wurde mit 760 T/m in S-Richtung vorgverdrillt. Drei derartige vorverdrillte PBT-Glattgarne wurden mit 570 T/m in Z-Richtung zu einem Dreifachzwirn ausverdrillt. Der Dreifachzwirn wurde anschließend auf einer perforierten Kunststoffhülse aufgewickelt und in einem Färbebad bei 100 °C mit einem Dispersionsfarbstoff gefärbt. Der gefärbte Zwirn wurde mit Siliconöl präpariert.

Das so erhaltene Nähgarn zeigte eine Reißfestigkeit von 30 cN/tex, eine Reißdehnung von 44 % und eine elastische Erholung von 84 % aus 20 % Reckung. Beim Vernähen von elastischer Maschenware aus PET und Lycra®, die eine Reißdehnung der Ware von 96 % aufwies, mit diesem Nähgarn und anschließender Streckung des konfektionierten Teils zeigte sich eine Nahtdehnung von 60 %. Die Naht zeigte auch nach wiederholtem 30 %igem Dehnen der vernähten Ware eine ausgezeichnete Optik.

Beispiel 2

Analog Beispiel 1 wurde PBT mit 1180 m/min versponnen. Das 91 dtex starke verstreckte Garn besaß eine Feinheitsfestigkeit von 34,7 cN/tex, eine Reißdehnung von 29,5 % und eine Erholung von 80 % aus 20 %iger Reckung.

Analog Beispiel 1 wurde ein gefärbter Nähzwirn hergestellt. Der gefärbte Nähzwirn zeigte eine Reißfestigkeit von 32,3 cN/tex, eine Reißdehnung von 37 % und eine elastische Erholung von 82 % aus 20 %iger Reckung.

Vergleichsbeispiel 1

Analog Beispiel 1 wurde aus einem aus Polyethylenterephthalat, SV 0,95, bestehenden Multifilamentgarn des Titers 95 f 32 ein gefärbter Dreifachnähzwirn hergestellt. Der Nähzwirn zeigte eine Feinheitsfestigkeit von 63 cN/tex und eine Dehnung von 22,5 %. Die elastische Erholung des Fadens aus 20 %iger Reckung betrug nahezu 0. Eine mit diesem Nähzwirn vernähte elastische Maschenware aus PET und Lycra® mit einer Reißdehnung von 96 % zeigte beim Strecken eine maximale Dehnung von nur 29,7 %.

Vergleichsbeispiel 2

Analog Beispiel 1 wurde aus einem aus Polyethylenterephthalat, SV 0,95, bestehenden Multifilamentgarn des Titers 95 f 24 ein gefärbter Dreifachnähzwirn hergestellt. Das Multifilamentgarn zeigte eine Feinheitsfestigkeit von 46,4 cN/tex und eine Reißdehnung von 45,3 %. Die elastische Erholung aus 20 % Reckung betrug nur 45 %. Eine mit diesem Nähzwirn vernähte elastische Maschenware aus PET und Lycra® mit einer Reißdehnung von 96 % zeigte beim Dehnen eine maximale Dehnung von nur 55 %. Die Naht war auch nach einem 30 %igen Dehnen der vernähten Ware überdehnt und bewirkte eine Deformation der Ware.

Vergleichsbeispiel 3

Ein Polytrimethylenterephthalat PTT (SV = 1,1) wurde mit einer Aufwickelgeschwindigkeit von 1180 m/min versponnen. Das Garn wurde anschließend auf einer Streck-Drehmaschine auf einen Titer von 64 f 32 verstreckt, wobei das verstreckte Garn eine Reißfestigkeit von 36 cN/tex und eine Reißdehnung von 49,8 % sowie eine elastische Erholung von 95 % aus 20 %iger Reckung zeigte.

Das so erhaltene PTT-Glattgarn wurde gefacht und mit 650 T/m in S-Richtung vorverdrillt. Zwei derartig vorverdrillte PTT-Glattgarne wurden mit 600 T/m in Z-Richtung zu einem Zweifachzwirn miteinander verdrillt. Der Zweifachzwirn wurde anschließend auf eine perforierte Kunststoffhülse gewickelt und in einem Färbebad bei 100 °C mit einem Dispersionsfarbstoff gefärbt. Der gefärbte Zwirn wurde mit Silikonöl präpariert.

Der so erhaltene Nähzwirn zeigte eine Reißfestigkeit von 29,1 cN/tex, eine Reißdehnung von 51,4 % sowie eine elastische Erholung von 90 % aus 20 %iger Reckung. Wird eine elastische Maschenware aus PET und Lycra® mit einer Reißdehnung der Ware von 96 % mit diesem Nähgarn vernäht und gedehnt, zeigt sich eine Nahtdehnung von 65 %.

Bei einem Versuch, das PTT-Polymer bei höheren Spinngeschwindigkeiten (3000 mpm) zu verspinnen, ergab sich ein schlechter Spulenaufbau und ein inakzeptables Verstrecken des ersponnenen Garns.

Gewerbliche Anwendbarkeit

Das dehnbare PBT-Nähgarn gemäß der vorliegenden Erfindung zeigt ein ausgezeichnetes Nähverhalten, und das ergibt eine Naht mit ausgezeichneter Optik und Elastizität sowie Eignung zum Vernähen einer dehnbaren Ware. Obwohl das PBT-Multifilamentgarn eine gegenüber PTT-Multifilamentgarnen geringere elastische Erholung aus 20 %iger Reckung aufweist, besitzen die fertig gefärbten Nähgarne vergleichbare elastische Erholung und Nahtdehnungen. Die Verwendung eines PBT-Nähgarns ist also PTT-Nähgarnen vorzuziehen, denn seine Elastizität läßt beim Färben und Präparieren im Laufe der Nähgarnherstellung nicht nach.


Anspruch[de]
  1. Nähgarn, enthaltend mindestens ein Multifilamentgarn, bei dem mindestens eines der Multifilamentgarne Polybutylenterephthalat enthält.
  2. Nähgarn nach Anspruch 1, bei dem das Polybutylenterephthalat-Multifilamentgarn aus einem Polyester besteht, der als wiederkehrende Einheiten vornehmlich von Butylenterephthalat abgeleitete Einheiten in einer Menge von 50 Mol-% und mehr enthält.
  3. Nähgarn nach Anspruch 2, bei dem der Polyester 70 Mol-% und mehr Butylenterephthalat enthält.
  4. Nähgarn nach Anspruch 2, bei dem der Polyester 90 Mol-% und mehr Butylenterephthalat enthält.
  5. Nähgarn nach einem der Ansprüche 2 bis 4, bei dem der Polyester weitere wiederkehrende Einheiten enthält, die sich von Komponenten aus der Gruppe, enthaltend aliphatische, alicyclische und von Terephthalsäure verschiedene aromatische Dicarbonsäuren und von Butylenglykol verschiedene aliphatische, alicyclische und Polyetherglykole, ableiten.
  6. Nähgarn nach Anspruch 1, bei dem das Polybutylenterephthalat-Multifilamentgarn Zuschlagstoffe und/oder Farbmittel enthält.
  7. Nähgarn nach Anspruch 1, bei dem die Multifilamentgarne miteinander verzwirnt sind.
  8. Nähgarn nach Anspruch 1, bei dem die Multifilamentgarne nach dem Falschdrahtverfahren oder lufttexturiert sind.
  9. Nähgarn nach Anspruch 1, bei dem die Multifilamentgarne mit Natur- oder Synthesefasern umhüllt sind.
  10. Nähgarn nach Anspruch 1, bei dem die Multifilamentgarne miteinander verbunden sind.
  11. Nähgarn nach Anspruch 1 mit einer elastischen Erholung aus 20 %iger Reckung größer/gleich 60 % und einer Höchstzugkraftdehung größer/gleich 25 %.
  12. Nähgarn nach Anspruch 1 mit einer Feinheitsfestigkeit von 20 bis 50 cN/tex und einer Höchstzugkraftdehnung von 25 bis 100 %.
  13. Verfahren zur Herstellung eines Nähzwirns, bei dem man Multifilamentgarne facht und zu einem zweifachen, dreifachen oder vierfachen Zwirn verdrillt, wobei mindestens eines der Multifilamentgarne aus Polybutylenterephthalat besteht und einen Titer von größer/gleich 20 dtex aufweist, den Zwirn färbt und den gefärbten Zwirn mit einem Nähgarngleit- und/oder einem Glättungsmittel und/oder einem Bindemittel oder einer Mischung davon beschichtet.
  14. Verfahren zur Herstellung eines Nähzwirns, bei dem man ein Multifilamentgarn aus Polybutylenterephthalat mit einem Titer von 20 bis 550 dtex mit 200 bis 1800 T/m in S-Richtung verdrillt, zwei oder drei der dabei entstandenen S-verdrillten Garne zusammen mit 180 bis 1600 T/m in Z-Richtung verdrillt, den dabei entstandenen Z-gedrehten Zwirn färbt und den gefärbten Zwirn mit einem Nähgarngleit- und/oder einem Glättungsmittel und/oder einem Bindemittel oder einer Mischung davon beschichtet.
  15. Verfahren zur Herstellung eines Nähgarns in der Konstruktion eines Coregarns, bei dem man ein Multifilamentgarn aus Polybutylenterephthalat mit Natur- oder Synthesefasern umspinnt.
  16. Verfahren zur Herstellung eines luftverwirbelten Nähgarns, bei dem man einer Lufttexturierungsdüse ein erstes Multifilamentgarn aus Polybutylenterephthalat unter Bildung eines Coregarns und ein zweites Multifilamentgarn mit einer höheren Voreilung als das Coregarn zuführt.
  17. Verfahren zur Herstellung eines bondierten Nähgarns, bei dem man zwei oder mehr Multifilamentgarne verzwirnt, wobei mindestens eines der Multifilamentgarne aus Polybutylenterephthalat besteht, und mit einem polymeren Bindemittel miteinander verbindet.
  18. Verwendung von Polybutylenterephthalat zur Herstellung mindestens einer Multifilamentgarnkomponente eines Nähgarns.
  19. Verwendung von Multifilamentgarnen aus Polybutylenterephthalat zur Herstellung eines gezwirnten, umsponnenen, verwirbelten oder bondierten Nähgarns.
  20. Verwendung von Polybutylenterephthalat-Nähgarn gemäß den Ansprüchen 13 bis 17 zum Nähen von Nähten in Stretchwaren.
Es folgt kein Blatt Zeichnungen






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