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Dokumentenidentifikation DE102005016714A1 12.10.2006
Titel Verwendung von Sporopollenin und/oder deren Derivaten als Bestandteil von Arzneimitteln, Medizinalprodukten und Nahrungsergänzungsmitteln
Anmelder Maack, Andreas, Dipl.-Chem.Dr., 31717 Nordsehl, DE;
Maack, Ines, 31717 Nordsehl, DE
Erfinder Maack, Andreas, Dipl.-Chem. Dr., 31717 Nordsehl, DE
Vertreter COHAUSZ DAWIDOWICZ HANNIG & SOZIEN, 40237 Düsseldorf
DE-Anmeldedatum 11.04.2005
DE-Aktenzeichen 102005016714
Offenlegungstag 12.10.2006
Veröffentlichungstag im Patentblatt 12.10.2006
IPC-Hauptklasse A61K 36/00(2006.01)A, F, I, 20060719, B, H, DE
IPC-Nebenklasse A61K 35/64(2006.01)A, L, I, 20060719, B, H, DE   A23L 1/03(2006.01)A, L, I, 20060719, B, H, DE   A23L 1/015(2006.01)A, L, I, 20060719, B, H, DE   A61P 39/00(2006.01)A, L, I, 20060719, B, H, DE   
Zusammenfassung Offenbart wird die Verwendung von Sporopollenin und/oder deren Derivaten als Bestandteil von Arzneimitteln oder Medizinalprodukten zur therapeutischen und/oder prophylaktischen Behandlung und/oder von Nahrungsergänzungsmitteln (zur Prophylaxe) von durch radioaktive Mittel und/oder Cytostatika und/oder durch Schwermetalle, Dioxine und/oder polychlorierte Biphenyle hervorgerufene Nebenwirkungen und/oder Vergiftungen.

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung betrifft die Verwendung von Sporopollenin und/oder deren Derivaten als Bestandteil von Nahrungsergänzungsmitteln, Medizinalprodukten oder von Arzneimitteln zur Behandlung von Vergiftungen, die durch Mittel hervorgerufen werden, die ausgewählt sind aus der Gruppe der Chemotherapeutika, Radiotherapeutika, Schwermetalle, Dioxine und polychlorierten Biphenyle.

Die WO 2003/094942 = EP-A-1,503,772 = JP2004503025 (Dr. Andreas Maack) beschreibt eine Sporopollenin enthaltende Zusammensetzung, die als Lösung oder als Festform für kosmetische, pharmazeutische Zwecke wie Vergiftungen allgemein und zur Behandlung von mikrobiellen Erkrankungen, als Chelatbildner und als Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt werden kann.

WO 05/000280 A2 (Dr. Mackenzie et al) betrifft eine pharmazeutische oder diätetische Zubereitung, die eine wirksame Menge eines Wirkstoffs enthält, die auf den Träger Sporopollenin aufgebracht ist.

Unter einem Sporopollenin versteht man beispielsweise gemäß Römpp – Lexikon Naturstoffe, 1997, Seite 604, Stichwort: Sporopollenin, ein in Blütenstaub (Pollen) vorkommendes Polyterpen, das möglicherweise durch oxidative Polymerisierung aus Carotinoiden und deren Estern entsteht. Sporopollenin findet man weiterhin in kleinen Mengen in Sporen und Pollen von Pflanzen, beispielsweise Farnen, Bärlapp, Blütenpollen, aber auch als Bestandteil von speziellen Algenarten. Kommerziell erhältlich ist es aus Bärlappsporen über die Polysciences Europe GmbH, Eppelheim, DE oder aus Chlorella-Algen über die RTC GmbH, Norsehl, DE.

Es wurde überraschend gefunden, dass Sporopollenin und/oder deren Derivaten als Bestandteil von Nahrungsergänzungsmitteln, Medizinalprodukten oder von Arzneimitteln zur Behandlung von speziellen Vergiftungen/Nebenwirkungen eingesetzt werden können.

Dies sind Vergiftungen, die durch Mittel hervorgerufen werden, die ausgewählt sind aus der Gruppe der Chemotherapeutika (= Antineoplastika), Radiotherapeutika, Schwermetalle, Dioxine und polychlorierten Biphenyle.

Die vorliegende Erfindung betrifft somit die Verwendung von Sporopollenin und/oder deren Derivaten als Bestandteil von Nahrungsergänzungsmitteln, Medizinalprodukten oder von Arzneimitteln zur Behandlung von Vergiftungen, die durch Mittel hervorgerufen werden, die ausgewählt sind aus der Gruppe der Chemotherapeutika, Radiotherapeutika, Schwermetalle, Dioxine und polychlorierten Biphenyle.

Unter Vergiftungen in Sinne der vorliegenden Erfindung versteht man auch die Linderung von Nebenwirkungen, die durch Chemo- und Radiotherapeutika hervorgerufen worden sind.

Die Behandlung der Vergiftungen kann sowohl prophylaktisch, beispielsweise bei einem Umgang mit Schwermetallen, Dioxinen und perchlorierten Biphenylen und vor/während und/oder nach Beginn der Radio- und Chemotherapie als auch im Anschluss an eine Vergiftung therapeutisch in Form der Nahrungsergänzungsmittel oder Arzneimittel durchgeführt werden.

Nach einer bevorzugten Ausführungsform sind die Radiotherapeutika, bei denen hier eine Therapie durchgeführt werden kann, insbesondere Radiopharmaka und/oder ionisierende Strahlen aussetzende Stoffe wie Uran, Radium, Technetium usw.

Als Chemotherapeutika, deren Schädigungen/Nebenwirkungen gemindert werden sollen, kommen insbesondere Antineoplastica in Betracht, wie sie z.B. in Kleemann-Engel – Pharmaceutical substances, Version 4.0, auf CD-ROM, Stuttgart/New York: 2001 by Georg Thieme Verlag unter dem gleichnamigen Stichwort zu finden sind.

Beispielhaft genannt seien hier als gängige Krebsbehandlungsmittel wie Zytostatika:

Diamindichlorplatin (SP-4-2) im Handel erhältlich als Cisplatin, Platiblastin, Platinex, Cisplatyl, Neoplatin, Platosin oder Platamine; (SP-4-2)-diamin [1,1-cyclobutandi (carboxylato-kO)(2-)]platin, im Handel erhältlich als Carboplat, Ribocarbo oder Paraplatin; [5R-[5a,5ab,8aa,9b(R*)]]-9-[(4,6-O-ethyliden-b-D-glucopyranosyl)oxy]-5,8,8a,9-tetrahydro-5-(4-hydroxy-3,5-dimethoxyphenyl)furo[3',4' :6,7]naphtho[2,3-d]-1,3-dioxol-6(5aH)-on, im Handel erhältlich als Etoposid, Etomedac, Vepesid, Celltop, Vepesid oder Vepesid oder 22-oxovincaleukoblastin, im Handel erhältlich als cellcristine, FARMISTIN, Vincristin oder Oncovin.

Unter Radiotherapeutika im Sinne der vorliegenden Erfindung, deren Schädigungen/Nebenwirkungen gemindert werden sollen, versteht man Kontrastmittel sowie die Anwendung von ionisierender Strahlung während/vor und/oder nach Krebstherapien.

Unter Schwermetallen im Sinne der vorliegenden Erfindung, deren Schädigungen gemindert werden sollen, versteht man sowohl die entsprechenden Elemente, beispielsweise Stäube als auch deren Verbindungen, beispielsweise lösliche Verbindungen, wobei die Elemente eine Dichte von mehr als 5 g/cm3 aufweisen. Beispielhaft seien genannt: Arsen, Blei, Kadmium, Chrom, Quecksilber, Zink, Thallium, Nickel, Molybdän, Mangan sowie radioaktive Schwermetalle wie Uran, Radium, Technetium sowie deren Verbindungen.

Unter Dioxinen in Sinne der vorliegenden Erfindung, deren Schädigungen gemindert werden sollen, versteht man zweifach ungesättigte sechsgliedrige Ringsysteme mit 2 Sauerstoffatomen im Ring. Wir verweisen auf Römpp Chemie Lexikon [Herausgeber: Falbe, Reglitz] 9te Aufl. 1989, Stichwort Dioxin, S. 996 f.

Unter polychlorierten Biphenylen (PCB), deren Schädigungen gemindert werden sollen, versteht man Verbindungen, die durch Umsetzen von elementarem Chlor auf Biphenyl in Gegenwart eines Eisenkatalysators entstehen. Wir verweisen auf Römpp a.a.O., 1991, Stichwort PCB, Seite 3243 f..

Nach einer weiteren bevorzugten Ausführungsform werden die Arzneimittel peroral, insbesondere als Kapsel oder Tablette über die Körperhöhlen, insbesondere als Suppositorien, Kapseln oder Tabletten oder als flüssige Arzneiform, insbesondere als Nasenspray oder zur Inhalation appliziert werden.

Nach einer weiteren bevorzugten Ausführungsform handelt es sich bei den peroral applizierten Arzneimitteln um eine gegebenenfalls magensaftresistente Kapsel, eine überzogene oder gegebenenfalls magensaftresistente Tablette, eine Tablette mit verzögerter Wirkstofffreisetzung oder eine Tablette zur Anwendung in der Mundhöhle. Wir verweisen hierzu auf Ursula Schöffling, Arzneiformenlehre, 3. Auflage, Deutscher Apotheker Verlag Stuttgart, 1998, Seite 164–205.

Nach einer weiteren bevorzugten Ausführungsform werden die Arzneimittel parenteral, insbesondere als Infusions- oder Injektionspräparate appliziert. Wir verweisen auf Schöffling a.a.O., Seite 362–377.

Zu Arzneiformen für Körperhöhlen verweisen wir auf Schöffling a.a.O., S. 339–352, bei Suppositorien wird vorzugsweise eine lipophile Grundmasse auf Basis von Hartfett (adeps solidus) gemäß Schöffling S. 342–344 a.a.O. eingesetzt.

Bei flüssigen Arzneiformen verweisen wir auf Schöffling a.a.O., S. 296 f. und zur Inhalation auf Schöffling a.a.O, S. 297–301.

Nach einer weiteren bevorzugten Ausführungsform werden die vorgenannten Arzneimittel sowohl als Humanarzneimittel, als auch als Tierarzneimittel eingesetzt.

Nach einer weiteren bevorzugten Ausführungsform wird das erfindungsgemäß eingesetzte Sporopollenin und seine Derivate zusammen mit weiteren Hilfs- und Zusatzstoffen, beispielsweise Selen und/oder Zink und/oder Magnesium, Vitamin C, Vitamin E, Carotinen (bevorzugt beta-Carotin und dessen Derivate) und/oder ungesättigten Fettsäuren und/oder anderen Arzneimitteln verabreicht.

Nach einer weiteren bevorzugten Ausführungsform handelt es sich bei den Sporopollenin Derivaten um ein amino-, thiol-, carbonsäure-, aminosäure-, polyol- oder halogenfunktionalisiertes Sporopollenin und bei den löslichen und parenteralen Applikationsformen um ein insbesondere mittels eines Emulgators gelöstes Sporopollenin.

Die Herstellung derartiger Derivate ist in der WO 2005/000280 A1 und dort in den Ausführungsbeispielen 9–15 sowie der entsprechenden allgemeinen Beschreibung näher erläutert.

Nach einer weiteren bevorzugten Ausführungsform wird das Sporopollenin und/oder deren Derivate der vorgenannten Art zur Herstellung und als Bestandteil von Arzneimitteln oder Medizinalprodukten eines Radioprotektivums/Entgiftungsmittels (Antidot) gegen Vergiftung durch Schwermetalle/Dioxine/PCB's eingesetzt.

Unter Radioprotektikum [radio-protective agent, radioprotector It Kleemann-Engel, a.a.O.] im Sinne der vorliegenden Erfindung versteht man ein Mittel, welches die Körperzellen vor der schädigenden Wirkung durch ionisierende Strahlung und/oder Zytostatika schützt. Diese neben Sporopollenin einzusetzende Komponente ist beispielsweise 2-[(3-aminopropyl)amino]ethanthiol dihydrogenphosphat(ester), auch bekannt als Amifostine, Ethiophos, Gammaphos, im Handel erhältlich als Ethyol, als Radioprotektor für cis-platin Schädigungen eingesetzt. Gleiches gilt für den Radioprotektor 9-methoxy-7H-furo[3,2-g][1]benzopyran-7-on, auch bekannt als Methoxsalen, Ammoidin, Methoxypsoralen, Methoxysalen; Xanthotoxin, das im Handel als Meladinin verwendet wird. Schließlich sei auf den Radioprotektor 6-(trifluoromethoxy)-2-benzothiazolamin hingewiesen, auch bekannt als Riluzol.

Die vorliegende Erfindung wird nunmehr durch Herstellbeispiele näher erläutert.

Beispiel 1 – Verwendung von Sporopollenin in einer Gelatinekapsel:

Eine Gelatinesteckkapsel mit einem Füllvolumen von 0,5 ml (Kapselgröße 1) wurde mit einer Mischung von 150 mg Sporopollenin und 10 mg des Füllstoffs (Mannitol, Milchzucker, Cellulosepulver) bestückt.

Beispiel 2 – Sporopollenin als Suppositorium:

Durch Verreiben von 1 g Sporopollenin mit 9 g eines Hartfettes mit hoher Hydroxylzahl (Stadimol® der Stada Arzneimittel AG, Bad Vibel, Gemisch aus Mono-Di- und Triglyzeriden gesättiger Fettsäuren, HZ: 40–50) wurde eine Grundmasse erstellt und aufgeschmolzen. Die Masse wurde unter Rühren bei 40°C in die einzelnen Kanülen ausgegossen, die Suppositorien erstarren gelassen und die Gießschwarte entfernt.

Beispiel 3 – Injektionslösung mit Sporopollenin

Eine Injektionslösung wurde aus 0,1 g Sporopollenin, 2 g des Emulgators Brij 35 P (Laureth-23) sowie 20,1 g Wasser hergestellt, nachdem die Komponenten bei 121°C mindestens 15 Minuten bei 2 bar einer Hitzesterilisation unterzogen worden sind.

Beispiel 4 – Nahrungsergänzungsmittel nach Intoxikation durch Schwermetalle und/oder Dioxinen

Eine Gelatinesteckkapsel mit einem Füllvolumen von 0,68 ml (Kapselgröße 0) wurde mit einer Mischung von 250 mg Sporopollenin und 30 mg des Füllstoffs (Mannitol, Milchzucker, Cellulosepulver) bestückt.


Anspruch[de]
Verwendung von Sporopollenin und/oder deren Derivaten als Bestandteil von Arzneimitteln oder Medizinalprodukten zur therapeutischen und/oder prophylaktischen Behandlung und/oder von Nahrungsergänzungsmitteln (zur Prophylaxe) von durch radioaktive Mittel und/oder Cytostatika und/oder durch Schwermetalle, Dioxine und/oder polychlorierte Biphenyle hervorgerufene Nebenwirkungen und/oder Vergiftungen. Verwendung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei den radioaktiven Mitteln um radioaktive Stoffe, insbesondere Radiopharmaka und/oder ionisierende Strahlen ausstrahlende Stoffe und bei den Cytostatika um Antineoplastika handelt. Verwendung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Arzneimittel peroral, insbesondere als Kapsel oder Tablette, oder über die Körperhöhlen, insbesondere als Suppositorien, Kapseln oder Tabletten appliziert werden. Verwendung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass das peroral applizierte Arzneimittel eine ggf. magensaftresistente Kapsel, eine überzogene oder ggf. magensaftresistente Tablette, eine Tablette mit verzögerter Wirkstofffreisetzung oder eine Tablette zur Anwendung in der Mundhöhle ist. Verwendung nach Ansprüchen 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Arzneimittel parenteral, insbesondere als Infusions- und Injektionspräparate appliziert werden. Verwendung nach irgendeinem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei dem Arzneimittel um ein Human- oder ein Tierarzneimittel handelt. Verwendung nach irgendeinem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Sporopollenin oder seine Derivate zusammen mit weiteren Hilfs- und Zusatzstoffen, beispielsweise Selen, Zink, Magnesium, Vitamin C, Vitamin E, Karotinen und/oder ungesättigten Fettsäuren und/oder anderen Arzneimitteln verabreicht wird. Verwendung nach irgendeinem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei dem Sporopolleninderivat um ein amino-, thiol-, carbonsäure-, aminosäure-, polyhydroxyl- oder halogenfunktionalisiertes Sporopollenin und bei den löslichen parenteralen Applikationsformen um ein insbesondere mittels eines Emulgators gelöstes Sporopollenin handelt. Verwendung von Sporopollenin und/oder deren Derivaten nach irgendeinem der vorstehenden Ansprüche zur Herstellung und als Bestandteil von Arzneimitteln oder Medizinalprodukten eines Radioprotektivums/Entgiftungsmittels (Antidot) gegen Vergiftung durch Schwermetalle/Dioxine/PCB's.






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