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Superabsorberpulver und dessen Verwendung - Dokument DE102005036992A1
 
PatentDe  


Dokumentenidentifikation DE102005036992A1 08.02.2007
Titel Superabsorberpulver und dessen Verwendung
Anmelder Schill + Seilacher Aktiengesellschaft, 71032 Böblingen, DE
Erfinder Ring, Horst, Dr., 71034 Böblingen, DE
Vertreter Prinz und Partner GbR, 80335 München
DE-Anmeldedatum 05.08.2005
DE-Aktenzeichen 102005036992
Offenlegungstag 08.02.2007
Veröffentlichungstag im Patentblatt 08.02.2007
IPC-Hauptklasse B01J 20/26(2006.01)A, F, I, 20051017, B, H, DE
IPC-Nebenklasse A61F 13/53(2006.01)A, L, I, 20051017, B, H, DE   
Zusammenfassung Die Erfindung betrifft ein Superabsorberpulver, insbesondere zur Absorption und Retention von Körperflüssigkeiten, bestehend aus Polymerpartikeln, die einen in Gegenwart von Wasser aufquellenden Kern und eine oberflächlich nachvernetzte Schale aufweisen, bei dem das Pulver eine Siebfraktion solcher Polymerpartikel ist, die nach der oberflächlichen Nachvernetzung ihrer Schale nicht zerkleinert worden sind. Dieses Superabsorberpulver eignet sich besonders zur Ausrüstung von Hygieneprodukten auf Basis von textilen Flächengebilden aus Feinstfasern oder -filamenten mit einem Durchmesser von weniger als 10 µm.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft ein Superabsorberpulver, insbesondere zur Absorption und Retention von Körperflüssigkeiten, bestehend aus Polymerpartikeln, die einen in Gegenwart von Wasser aufquellenden Kern und eine oberflächlich nachvernetzte Schale aufweisen, sowie dessen Verwendung zur Ausrüstung von Hygieneprodukten auf Basis von textilen Flächengebilden aus Feinstfasern oder -filamenten mit einem Durchmesser von weniger als 10 &mgr;m.

Unter „Superabsorbern" werden polymere Materialien verstanden, die bis zum Tausendfachen ihrer Masse an Wasser aufnehmen können, wobei sie unter Bildung eines Gels aufquellen. Da das Wasseraufnahme- und Retentionsvermögen der Superabsorber durch den „Gelblocking"-Effekt, das Verklumpen der an- oder aufgequollenen Superabsorberteilchen, schnell stark begrenzt wird, hat man bereits verschiedene Verfahren zur oberflächlichen Nachvernetzung der Superabsorberteilchen vorgeschlagen, die zu einem von innen nach außen ansteigenden Gradienten des Vernetzungsgrades der Teilchen, d.h. einem weniger vernetzten Kern und einer stärker vernetzten Schale führen. Solche modifizierten Superabsorber und Verfahren zu ihrer Herstellung sind aus Ullmann's Encyclopedia of Industrial Chemistry, 6th Ed., Vol. 35, pp. 73 ff., 2003, ebenso bekannt wie deren Verwendung zur Ausrüstung von Hygieneprodukten, worunter Windeln und andere Inkontinenzprodukte, Damenbinden und Wundverbände zu verstehen sind.

Studien zufolge leiden in Westeuropa ca. 15 Millionen und in den USA etwa dieselbe Anzahl Menschen an Urininkontinenz. Diese Gesundheitsstörung tritt bei Frauen 10 Mal häufiger auf als bei Männern. Ca. 25 % Frauen im Alter von 30–59 Jahren sind zumindest vorübergehend inkontinent. Aber auch 10–20% der jüngeren Frauen im Alter um die 20 Jahre sind betroffen. In Westeuropa werden jährlich über 5,2 Milliarden Stück Inkontinenzprodukte wie z. B. Erwachsenenwindeln verbraucht. In USA werden die jährlichen Ausgaben für Inkontinenzprodukte auf über 16,4 Milliarden US Dollar beziffert, wovon ca. 35 % in Pflegeheimen anfallen. Hieraus ergibt sich die große soziale und wirtschaftliche Bedeutung der Entwicklung verbesserter Superabsorber, die speziell an die für solche Inkontinenzprodukte verwendeten textilen Flächengebilde, meist Faservliese, angepaßt sind.

Inkontinenzprodukte haben in erster Linie die Aufgabe, Urin aufzunehmen, fest zu absorbieren und effektiv zu binden. Dabei soll Nässe von der Haut ferngehalten und Geruchsbildung unterdrückt werden. Das wird durch einen mehrlagigen Aufbau aus Folie als Flüssigkeitssperre nach aussen, verschiedenen Vliesstoffen zur Steuerung der Flüssigkeitsverteilung und Superabsorber zur sicheren Flüssigkeitsabsorption erzielt.

Neben dieser technischen Funktionalität ist ein gewisser Tragekomfort, gute Passform, Diskretion (Vertriebswege, Volumen, Knistern/Rascheln) und eine hygienische Handhabbarkeit erwünscht.

Inkontinenzprodukte ermöglichen bereits heute geringer betroffenen Personen einen weitgehend normalen Lebensalltag. Dennoch ist die Mobilität eingeschränkt und der Aufenthalt auf eine Umgebung mit einer sanitären Infrastruktur begrenzt, was nicht zuletzt auch die soziale und berufliche Situation beeinflusst.

Im Falle stärkerer Inkontinenz treten diese Beeinträchtigungen besonders hervor, da es mit heutigen Materialien und Konstruktionen von Inkontinenzprodukten zwar gelingt, die technischen Probleme zu beherrschen, jedoch zu Lasten von Tragekomfort, Passform, Diskretion und Handhabung.

Da Inkontinenz ein gesellschaftliches Tabuthema ist, hat die sozialpsychologische Komponente dieser Gesundheitsstörung insbesondere bei jüngeren Frauen eine besondere Bedeutung, die bis hin zu Isolation, Vereinsamung und Verlust von Selbstbewusstsein und Autonomie führen kann.

Hier können neuartige Materialien für den Einsatz in neuartigen Inkontinenzprodukten Abhilfe schaffen, die insbesondere dem Bedürfnis nach Diskretion durch geringes Volumen, geringe Dicke, Geräuscharmut und hohen Tragekomfort Rechnung tragen.

Aus dem US-Patent 5629377 ist es bereits bekannt, Superabsorberpulver aus oberflächlich nachvernetzten Polymerpartikeln zur Ausrüstung von Windeln und anderen Inkontinenzprodukten zu verwenden. Es hat sich jedoch gezeigt, daß kommerziell verfügbare Superabsorberpulver in Kombination mit Feinstfaservliesen, die aus Gründen einer möglichst trockenen Hautoberfläche der Benutzer dieser Produkte bevorzugt werden, noch nicht optimal sind. Sie ließen sich nicht problemlos verarbeiten, waren nicht einwandfrei in die Vliesstruktur eingebunden und quollen bei Benetzung aus der Vliesstruktur heraus.

Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein speziell für die Kombination mit Feinstfaservliesen geeignetes Superabsorberpulver anzugeben, dessen Verwendung bei der Ausrüstung von Hygieneprodukten zu verbesserter Diskretion, verbessertem Tragekomfort und wirtschaftlicheren Herstellungsmöglichkeiten führt.

Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß bei einem Superabsorberpulver der eingangs genannten Gattung dadurch gelöst, daß das Pulver eine Siebfraktion solcher Polymerpartikel ist, die nach der oberflächlichen Nachvernetzung ihrer Schale nicht zerkleinert worden sind.

Es hat sich nämlich überraschenderweise gezeigt, daß die herkömmlichen Superabsorberpulver auch dann, wenn sie an sich eine optimale Korngröße und eine geeignete Korngrößenverteilung für ein bestimmtes Feinstfaservlies gehabt hätten, deshalb versagten, weil sie im Verlauf ihrer Herstellung mehrfach, auch nach ihrer Nachvernetzung, zerkleinert worden sind, wodurch die Kern/Schale-Struktur der Partikel verletzt wurde und der Gelblocking-Effekt erneut einsetzte. Dadurch waren optimale Wasseraufnahme- und Wasserretentionswerte bei Feinstfaservliesen nicht erreichbar, obwohl bei „normalen" bzw. gröberen Faservliesen brauchbare Ergebnisse mit denselben herkömmlichen Superabsorberpulvern erzielt werden konnten. Erst als sorgfältig ausgesiebte, nicht zerkleinerte Partikel als Superabsorberpulver ausgewählt wurden und in Kombination mit Feinstfaservliesen verwendet wurden, stellten sich die gewünschten optimalen Wasseraufnahme- und Wasserretentionswerte ein.

Wenn die verwendete Siebfraktion eine Korngrößenverteilung von d50 = 55 bis 100 &mgr;m und d100 = 100 bis 150 &mgr;m aufweist, werden erfindungsgemäß die besten Ergebnisse in Kombination mit Feinstfaservliesen erzielt. Die Angabe „d50 = 55 &mgr;m" bedeutet, daß 50 Gew.-% der Teilchen eine Korngröße von bis zu 55 &mgr;m, also 55 &mgr;m oder weniger, besitzen, und „d100 = 100 &mgr;m" bedeutet, daß 100 Gew.-% der Teilchen eine Korngröße von bis zu 100 &mgr;m besitzen, also kein Teilchen größer als 100 &mgr;m ist.

Vorzugsweise ist das Polymer, aus dem die Superabsorberpartikel bestehen, ein (Meth)Acrylat oder (Meth)Acryl-Copolymerisat, besonders bevorzugt Natriumpolyacrylat.

Das Superabsorberpulver der ausgewählten Siebfraktion wird erfindungsgemäß zur Ausrüstung von Hygieneprodukten auf Basis von textilen Flächengebilden aus Feinstfasern oder -filamenten mit einem Durchmesser von weniger als 10 &mgr;m verwendet. Vorzugsweise besitzen die Fasern oder Filamente einen Durchmesser von weniger als 1 &mgr;m. Solche Feinstfasern werden als Mikro- bzw. Nanofasern bezeichnet.

Die Verwendung der Superabsorberpulver zur Ausrüstung von Hygieneprodukten auf Basis von Nanofaservliesen, insbesondere von aus elektrostatisch gesponnenen Nanofasern hergestellten Hygieneprodukten, hat sich als besonders vorteilhaft erwiesen, was weiter unten noch ausführlich erläutert werden wird.

Vorzugsweise bestehen die Fasern oder Filamente aus thermoplastischem und hydrophilem oder hydrophiliertem, schmelzspinnfähigem Polymerisat, wobei Polyurethan besonders bevorzugt ist.

Als Hygieneprodukte werden erfindungsgemäß vorzugsweise Windeln und andere Inkontinenzprodukte, Damenbinden und Wundverbände fluidaufsaugend ausgerüstet.

Bevorzugtes Ergebnis der erfindungsgemäßen Verwendung ist somit ein elastisches, superabsorbierendes Vlies aus Nanofasern für den Einsatz in neuartigen Hygieneartikeln, besonders in Inkontinenzprodukten mit verbessertem Tragekomfort, sicherer Geruchsbindung und erhöhter Diskretion. Der Hygieneartikel besteht aus einem Vliesstoff aus thermoplastischem Polyurethan, in das Superabsorberpulver aus Polyacrylat mit einer speziellen Korngrößenverteilung und einer speziellen Nachvernetzung mechanisch eingebunden ist. Der Anteil an speziellem Superabsorber kann bis zu 85 Gew.-% des Gesamtgewichts des ausgerüsteten Textils betragen.

Die Vorteile der Erfindung erweisen sich bei der Diskretion, dem Tragekomfort und der Herstellung der ausgerüsteten textilen Flächengebilde bzw. Hygieneartikel:

1. Verbesserte Diskretion

Der Grund für Dicke und Voluminosität von Inkontinenzprodukten liegt in erster Linie darin, dass Superabsorberpulver (SAP) bei Kontakt mit Wasser quillt und die Partikel untereinander verkleben, wodurch weitere Wasseraufnahme erschwert bzw. verhindert wird (Gelblocking). Um Gelblocking zu vermeiden, wurde SAP bisher immer in Mischung zusammen mit kurzen Cellulosefasern (Pulp) eingesetzt, die die Partikel voneinander getrennt halten sollen. Dabei kann der Anteil von SAP maximal 50 % betragen. Pulp hat eine sehr geringe Dichte, ist deshalb sehr voluminös und vergrößert beträchtlich das Volumen der für die Flüssigkeitsaufnahme benötigten SAP/Pulp-Menge.

Um diese Nachteile zu umgehen und auf Pulp verzichten zu können, dabei jedoch gleichzeitig eine große Oberfläche wie SAP selbst zu gewährleisten, wurden bereits verschiedene Versuche unternommen, den Superabsorber nicht als Pulver zu verwenden, sondern in anderer Aufmachung, z. B. als Schaum, als Faservlies oder in Form mit Superabsorber beschichteter Fasern und Vliese. Diese Konstrukte fanden aber keine Verwendung aufgrund gravierender Nachteile wie z. B. Festigkeitsverlust nach Benetzung, Sprödigkeit/Brüchigkeit im trockenen Zustand oder ausgeprägte Anisotropie des Benetzungsverhaltens.

Der neuartige Ansatz des erfindungsgemäßen Materials besteht nun darin, die einzelnen Partikel von Superabsorberpulver mit definierter Korngrößenverteilung in eine elastische Vliesstruktur so einzubinden, dass die Partikel voneinander räumlich getrennt sind, sich bei Kontakt mit Wasser vollflächig benetzen und dreidimensional frei quellen können, wobei aufgrund der Elastizität der Vliesmatrix dem Gelblocking vorgebeugt wird, da diese dem sich erhöhenden Platzbedarf bei Quellung des Superabsorbers folgen kann und dadurch die Partikel weitgehend voneinander separiert bleiben.

2. Verbesserter Tragekomfort

Durch die elastische Vliesstruktur, die einen hohen Anteil an Superabsorber enthält, ist es möglich, derzeit übliche, voluminöse SAP/Pulp-Mischungen zu ersetzen und die Nachteile herkömmlicher Inkontinenzartikel zu vermeiden. Die Dicke wird auf 1/10 reduziert. Durch die Anschmiegsamkeit, Elastizität und geringe Dicke des erfindungsgemäßen Materials sind dem Designer von Inkontinenzartikeln alle Möglichkeiten gegeben, wäscheähnlichen Tragekomfort mit Diskretion und technischer Performance zu vereinen.

3. Vereinfachter Herstellungsprozess der Hygieneartikel

Darüber hinaus wird eine Vereinfachung des Windelherstellungsprozesses erreicht, indem einer Windelmaschine vorgeschaltete aufwändige Aufbereitungsanlagen für Pulp und Anlagen zur Mischung von SAP mit Pulp ersetzt werden durch Vorlage des elastischen, superabsorbierenden Vlieses in Form von Bahnen, Streifen oder Rollenware. Zusätzlich vereinfacht sich jegliche Windelkonstruktion, da auf Konstruktionselemente wie Tissue und Corewrap verzichtet werden kann. Der Windelaufbau reduziert sich auf z. B. eine elastische, atmungsaktive Membran, auf die der erfindungsgemäße Gegenstand (elastisches absorbierendes Vlies) beim Herstellungsprozess aufgebracht wird, und die Abdeckung mit einem Verteilungs- und/oder Deckvlies. Dabei kann bereits beim Herstellungsprozess des erfindungsgemäßen Materials dieses auf eine Membran oder Folie als Trägermaterial aufgebracht werden und im nachfolgenden Prozessschritt mit herkömmlichen Vliesen abgedeckt werden. Im so erhaltenen Composite entspricht die Membran oder Folie herkömmlichem Backsheet, das erfindungsgemäße Material herkömmlichem Absorbent Core und das Abdeckvlies dem Distributionlayer bzw. Topsheet oder beiden bei geeigneter Konstruktion.

4. Geruch

Konventionelle Ansätze zur Geruchsbindung gehen davon aus, dass flüchtige, meist aminische Verbindungen als Geruchsträger durch bakterielle Zersetzung von Urininhaltsstoffen gebildet werden. Entsprechend wird durch Einstellung des Neutralisationsgrades der Superabsorber, durch Verwendung von pH-Puffern oder Bakteriostatika versucht, der Vermehrung und Aktivität von Mikroorganismen Einhalt zu gebieten. Dabei ist der Einsatz von Bakteriostatika oder gar Bakteriziden wegen der damit verbundenen Risiken, Allergien zu erzeugen, äusserst umstritten.

Basierend auf der Tatsache, dass Uringeruch aber im Wesentlichen der Geruch von Ammoniak-Gas ist, das sich durch enzymatische Zersetzung von Harnstoff bildet, das aktive Enzym zwar von Mikroorganismen zur Verstoffwechselung von Harnstoff benutzt wird, die Wirksamkeit und das Auftreten des Enzyms jedoch nicht an lebende Zellen gebunden ist, besteht der neuartige Ansatz zur Lösung dieses Problems konventioneller Inkontinenzartikel darin, nicht Mikroorganismen zu bekämpfen, sondern die Wirksamkeit harnstoffspaltender Enzyme durch spezifische Enzymblocker zu blockieren.

Der Ersatz herkömmlicher allergieerzeugender Zellgifte wie Bakterizide durch bekannte, unschädliche Enzymblocker beschränkt Techniken zur Geruchsbindung nicht nur auf Patienten bzw. Fälle, bei denen eine entsprechende Nutzen/Risiko-Bilanz vorliegt, sondern ermöglicht eine breite Anwendung zur Verbesserung der Lebensqualität von Inkontinenten.

Die Enzymblocker können bei der Herstellung des elastischen Vlieses der Spinnmasse beigemischt werden und nach Diffusion an der Oberfläche der Fasern wirksam sein, oder sie können nachträglich in Form einer Imprägnierung auf die Faseroberfläche appliziert werden.

5. Textile Flächengebilde

Aus der Literatur, z. B. aus dem US-Patent 4043331, ist bekannt, dass mit der Technologie des Electrospinning Polymere aus Lösung zu Vliesen aus Endlosfilamenten verarbeitet werden können. Das Electrospinning ist eine noch wenig verbreitete überwiegend experimentelle Technologie zur Erzeugung von Vliesstoffen. Es bietet jedoch die Möglichkeit, wie keine andere Vlieslegetechnik, Endlosfilamente aus verschiedenartigen Polymeren, auch Elastomeren, mit Durchmessern im Nanometer-Bereich zu erzeugen und in Form einer Art Spinnvlies abzulegen und während des Spinnprozesses Partikel wie z. B. Körner oder Mikrokapseln (gefüllt mit Wirkstoffen, Duftstoffen u. a., wasser- od. temperaturaktivierbar) in die Vliesstruktur mechanisch einzubinden. Zudem besteht die Möglichkeit, der Spinnlösung Wirkstoffe wie z. B. Enzyme, Enzymblocker, Vitamine, Tenside, Netzmittel u. a. zuzufügen, die infolge Diffusion an die Oberfläche der ersponnenen Fasern dort ihre Wirkung entfalten können.

D. Smith et. al. berichten über ein nach dem Verfahren des „Electrospinning" hergestelltes elastisches Vlies aus thermoplastischem Polyurethan, das mit modifizierter Stärke der Firma Grain Processing Corp., Muscatine, IA, mit der Handelsbezeichnung „Waterlock" als Superabsorber gefüllt ist.

Dieses Material hat bereits interessante Eigenschaften, die jedoch nicht die Anforderungen in Bezug auf spezifische Absorption, Geschwindigkeit der Flüssigkeitsaufnahme und maximalen Füllgrad mit Absorber als Ersatz für ein Absorbent Core in Hygieneartikeln erfüllen.

In Erwartung, die Anforderungen bei Ersatz der modifizierten Stärke (Waterlock) des bestehenden Materials durch Polyacrylate, wie sie als Superabsorber in Hygieneartikeln üblich sind, erfüllen zu können, wurde handelsübliches Superabsorberpulver auf die für die Inkorporation in beschriebenes Nanovlies erforderlich erscheinende Korngröße zerkleinert und damit ein Superabsorber enthaltendes Nanovlies hergestellt. Erwartungsgemäß wurde zwar ein im Vergleich zu mit modifizierter Stärke (Waterlock) gefüllten Vliesen verbessertes Absorptionsverhalten festgestellt, jedoch erbrachten höhere Füllgrade als 50% keine messbare Verbesserung der spezifischen Absorption infolge Gelblocking.

Überraschend wurde nun gefunden, dass Partikel von Superabsorber aus Natriumpolyacrylat geeigneter Korngröße, die nicht durch Zerkleinerung herkömmlicher Superabsorber-Pulver hergestellt wurden, sondern als Siebfraktion oberflächlich nachvernetzter Partikel gewonnen wurden, trotz im Vergleich zu herkömmlichem Superabsorber-Pulver grundsätzlich verzögerter Absorption dem Gesamtkonstrukt aus vorzugsweise Polyurethanvlies und Superabsorber deutlich überlegene Eigenschaften verleihen. Erst der Einsatz von oberflächlich nachvernetztem Superabsorber-Pulver aus Polyacrylat oder anderen geeigneten Copolymeren mit intakter Kern/Schale-Struktur und geeigneter Korngrößeverteilung ermöglicht schnelle Flüssigkeitsaufnahme und -verteilung und hohe spezifische Absorption bei gleichzeitig hohem Füllgrad von bis zu ca. 85% der aus thermoplastischem Polyurethan und Superabsorber-Pulver bestehenden superabsorbierenden Vliese mit Durchmessern der einzelnen Filamente im Nanometer- bis Micrometer-Bereich.

Die Erfindung wird nachfolgend anhand von Beispielen näher erläutert:

Testmethoden A. Teabag Absorption Test (Tb)

Der „Teebeutel"-Absorptionstest gibt Aufschluß über die widerstandslose Flüssigkeitsabsorption. Eine definierte Menge einer SAP-Probe wird in einen handelsüblichen Teebeutel gefüllt; der Teebeutel wird 30 Minuten lang in eine überschüssige 0,9 %ige Kochsalzlösung getaucht, dann herausgenommen; danach läßt man den Beutel 10 Minuten lang abtropfen.

Der Tb-Wert in [g/g] ist das Verhältnis zwischen der absorbierten Wassermenge und der ursprünglichen SAP-Menge.

B. Wasserretentionstest

Der Test zeigt die Wasserretention der aufgequollenen SAP-Probe. Der geqollene Teebeutel aus dem Tb-Test wird in eine Zentrifuge gegeben und bei einer Beschleunigung von 250 g 3 Minuten lang zentrifugiert.

Der CRC-Wert in [g/g] ist das Verhältnis zwischen der zurückbehaltenen Wassermenge und der ursprünglichen SAP-Menge.

C. Vertikaler Dochteffekt

Der Test gibt Aufschluß über die Geschwindigkeit und die Vorzugsrichtung der Ausbreitung der Wasserabsorption. Ein 10 × 1 cm großes Klebeband mit darauf anhaftender SAP-Probe wird im Abstand von jeweils 1 cm markiert und senkrecht in eine 0,9 %ige NaCl-Lösung bis zur ersten 1 cm-Marke eingetaucht; die Flüssigkeitsausdehnung wird kompensiert durch Justieren des Streifens auf die Marke. Die Zeit, wann die Strecke von 1, 2, 3, 4 und 5 cm durch Aufsteigen der Lösung auf dem Band erreicht wird, wird gemessen.

Ergebnisse

Es wurden Vliese aus thermoplastischem Polyurethan und verschiedenen absorbierenden Materialien mit verschiedenen Einsatzmengen nach dem Elektrospinnverfahren auf einer Laborspinnanlage bzw. Pilotspinnanlage hergestellt und den vorstehend beschriebenen Tests unterzogen.

In den erfindungsgemäßen Versuchen 3, 4, 6 und 7 kam als Superabsorber (SAP) oberflächlich vernetztes Natriumpolyacrylat-Pulver mit Kern/Mantel-Struktur zum Einsatz mit einer Korngrößenverteilung der Siebfraktion von d50 ca. 100&mgr; und d100 ca. 150&mgr;, Tb ca. 38 g/g und CRC ca. 22 g/g.

Vergleichsversuch 5 wurde mit mechanisch zerkleinertem (und deshalb nicht erfindungsgemäß) und danach gesiebtem Superabsorber (SAP) mit einer Korngrößenverteilung der Siebfraktion von d50 ca. 55&mgr; und d100 von 100&mgr;, Tb ca. 38 g/g, CRC ca. 22 g/g durchgeführt.

Kommerziell verfügbares SAP in Korngrößenfraktionen, wie sie heute in herkömmlichen Hygieneartikeln üblich sind, erwiesen sich als zu grob. Sie ließen sich nicht problemlos verarbeiten, waren nicht einwandfrei in die Vliesstruktur eingebunden und quollen bei Benetzung aus der Vliesstruktur heraus. Deshalb wurden bereits erste Vorversuche mit handelsüblichen SAP Typen eingestellt.

Die Ergebnisse der Versuche sind in Tabelle 1 zusammengefasst.

Es zeigte sich, dass durch den Einsatz von oberflächlich vernetztem Natriumpolyacrylat-Pulver mit Kern/Mantel-Struktur bei Füllgraden um 50% und einer Korngröße von d50 = 100&mgr;, d100 = 150&mgr; die Geschwindigkeit der Wasseraufnahme von 450 sec. auf 80 sec. herabgesetzt werden konnte und die Wasseraufnahme von 29 g/g auf 40 g/g bzw. von 16 g/g auf 22 g/g gesteigert werden konnte. Bei 50 % Füllgrad ist noch kein Gelblocking festzustellen, vielmehr erreicht überraschend der Tb- wie auch der CRC-Wert die theoretischen Werte des reinen SAP. Ein auf einer größeren Pilotspinnanlage hergestelltes Muster gleicher Zusammensetzung zeigte vergleichbar gute Ergebnisse und bestätigt die Reproduzierbarkeit (Versuch 6).

Ferner zeigte sich in Versuch 5, dass sich eine Verletzung der nachvernetzten Schale der SAP-Partikel durch mechanische Zerkleinerung und eine damit einhergehende Vergrößerung des Anteils kleinerer Korngrößen in der Siebfraktion des SAP nachteilig auf die Geschwindigkeit der Flüssigkeitsaufnahme und Flüssigkeitsverteilung im Vlies auswirkt.

Ferner zeigte sich aus den Versuchen, dass erst die Kombination von elastischer Vliesstruktur mit oberflächlich nachvernetztem SAP mit intakter Kern/Mantel-Struktur und geeigneter Korngröße zur besonders erwünschten Ausprägung der essentiellen Qualitätsmerkmale wie Geschwindigkeit der Flüssigkeitsaufnahme und -verteilung und Absorptionsvermögen (Tb, CRC) führt. Dabei wurde überraschend festgestellt, dass nicht ein besonders feines Pulver die beste Wirkung zeigt, wie aufgrund der feinen Vliesstruktur erwartet wurde, sondern dass es ein Optimum der Partikelgröße gibt, das deutlich grober ist als die Dimensionen der Vliesstrukturen.

  • (*) Pilotspinnanlage


Anspruch[de]
Superabsorberpulver, insbesondere zur Absorption und Retention von Körperflüssigkeiten, bestehend aus Polymerpartikeln, die einen in Gegenwart von Wasser aufquellenden Kern und eine oberflächlich nachvernetzte Schale aufweisen, dadurch gekennzeichnet, daß das Pulver eine Siebfraktion solcher Polymerpartikel ist, die nach der oberflächlichen Nachvernetzung ihrer Schale nicht zerkleinert worden sind. Superabsorberpulver nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Siebfraktion eine Korngrößenverteilung von d50 = 55–100 &mgr;m und d100 = 100–150 &mgr;m aufweist. Superabsorberpulver nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Polymer ein (Meth)Acrylat oder (Meth)Acryl-Copolymerisat ist. Superabsorberpulver nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß das Polymer Natriumpolyacrylat ist. Verwendung des Superabsorberpulvers gemäß einem der Ansprüche 1 bis 4 zur Ausrüstung von Hygieneprodukten auf Basis von textilen Flächengebilden aus Feinstfasern oder -filamenten mit einem Durchmesser von weniger als 10 &mgr;m. Verwendung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Fasern oder Filamente einen Durchmesser von weniger als 1 &mgr;m besitzen. Verwendung nach Anspruch 5 oder 6 zur Ausrüstung von Hygieneprodukten auf Basis von Nanofaservliesen. Verwendung nach Anspruch 7 zur Ausrüstung von aus elektrostatisch gesponnenen Nanofasern hergestellten Hygieneprodukten. Verwendung nach einem der Ansprüche 5 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß die Fasern oder Filamente aus thermoplastischem und hydrophilem oder hydrophiliertem, schmelzspinnfähigem Polymerisat bestehen. Verwendung nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß die Fasern oder Filamente aus Polyurethan bestehen. Verwendung nach einem der Ansprüche 5 bis 10 zur Ausrüstung von Inkontinenzprodukten, Damenbinden und Wundverbänden.






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