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Dokumentenidentifikation DE102004058383B4 15.02.2007
Titel Verfahren zum direkten Kühlen von Reaktionsmedien
Anmelder DyStar Textilfarben GmbH & Co. Deutschland KG, 65929 Frankfurt, DE
Erfinder Hagedorn, Stefan, 51375 Leverkusen, DE;
Perner, Andreas, 51109 Köln, DE;
Pickelein, Rainer, 40764 Langenfeld, DE
DE-Anmeldedatum 03.12.2004
DE-Aktenzeichen 102004058383
Offenlegungstag 08.06.2006
Veröffentlichungstag der Patenterteilung 15.02.2007
Veröffentlichungstag im Patentblatt 15.02.2007
IPC-Hauptklasse F25B 19/00(2006.01)A, F, I, 20051017, B, H, DE
IPC-Nebenklasse F25B 23/00(2006.01)A, L, I, 20051017, B, H, DE   

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung liegt auf dem Gebiet der chemischen Verfahrenstechnik und betrifft ein Verfahren zum direkten Kühlen von Reaktionsmedien mit Hilfe flüssiger Gase.

Die Wärmeabfuhr bei chemischen Prozessen durch ein Kühlmedium kann indirekt oder direkt erfolgen. Die indirekte Kühlung geschieht entweder mit Hilfe eines reaktoreigenen Kühlmantels oder eines intern oder extern angeordneten Wärmetauschers, wie beispielsweise einer Kühlschlange. Bei diesem Verfahren nimmt der Wärmetauscher die abzuführende Wärmemenge mittels eines Wärmeträgers, beispielsweise Sole, auf. Charakteristisch dabei ist, dass das Kühlmedium keinen direkten Kontakt mit dem Reaktionsmedium hat.

Es ist auch bereits bekannt und gängige Praxis, chemische Prozesse direkt zu Kühlen. Dabei kommen Wassereis, Trockeneis-Pellets aus Kohlendioxid und Kohlendioxid-Schnee, welcher durch eine Schneekanone auf die Oberfläche innerhalb des Reaktors zugegeben wird, zur Anwendung. Diese Verfahren sind aber allesamt mit zum Teil erheblichen Nachteilen belastet.

Eine Kühlung mittels Wassereis ist naturgemäß nur bei wässrigen Systemen möglich und scheidet bei nichtwässrigen Systemen, bei starken Säuren, Oleum und dergleichen aus. Die Zugabe von Wassereis führt zu einer Verdünnung des Reaktionsmediums und damit zu einer Erniedrigung der Produktkonzentration. Verbunden damit sind beispielsweise ein höherer apparativer Aufwand durch größere Behältervolumen, sowie Mehrkosten durch erhöhtes Abwasservolumen.

Die Zugabe von Kohlendioxid-Pellets oder Kohendioxid-Schnee ist wegen des Eintrags von Feststoff schlecht regelbar und kann somit zu Nachkühleffekten durch noch nicht sublimiertes Kohlendioxid führen. Außerdem können durch die relative lange Verweilzeit der Kohlendioxid-Pellets das Produkt oder sogar der Reaktor selbst durch örtliche Unterkühlungen geschädigt werden. Örtliche Unterkühlungen treten insbesondere dann auf, wenn die Dichte der Kohlendioxid-Pellets größer ist als die Dichte des zu kühlenden Reaktionsmediums und sich in strömungsberuhigten Zonen des Reaktors Pellets ansammeln.

Bei der Verwendung von Kohlendioxid-Schnee können ähnlich negative Auswirkungen durch Aufschwimmen des spezifisch sehr leichten Schnees an der Oberfläche des Reaktionsmediums auftreten. Da der Wärmetausch nur durch das relativ unvollständige Einrühren des Kohlendioxid-Schnees unter die Oberfläche des Reaktionsmediums abläuft, kann sich aufgrund der im Gasraum ablaufenden Sublimation eine tiefkalte Gasphase (max. ca. –70°C bei 1 barDS) einstellen, die den Reaktor, sowie nachfolgende Bauteile und Apparate, wie beispielsweise Rohrleitungen, Behälterauskleidungen, Beschichtungen, metallische Plattierungen unterschiedlicher Wärmeausdehnung usw., schädigen kann. So besteht insbesondere die Gefahr des Abplatzens von Emailbeschichtungen und des Versprödens von Gummierungen und Kunststoffen.

Aus der US 5,077,080 ist bereits ein Verfahren bekannt, bei dem ein Reaktionsgemisch in ein flüssiges Gas eingebracht und gekühlt wird, um es in eine bearbeitbare feste Form zu bringen.

Die DE 197 48 069 A1 beschreibt ein Verfahren, bei dem flüssige oder pastöse Stoffe oder Stoffgemische abgekühlt und zerstäubt werden, indem diese mit flüssigem oder überkritischem Koheldioxid zusammengeführt und anschließend das Gemisch aus beiden entspannt wird. Dabei entsteht aus dem flüssigen oder pastösen Stoff oder Stoffgemisch ein feinteiliges, relativ gut rieselfähiges Produkt.

Die DE 101 38 290 A1 beschreibt die Kaltgaserzeugung mit Flüssiggas, welches zur Atmosphäre hin entspannt wird.

Es bestand damit erheblicher Bedarf nach einem verbesserten Verfahren zum direkten Kühlen von Reaktionsmedien, das die oben beschriebenen Nachteile nicht aufweist.

Gegenstand vorliegender Erfindung ist ein Verfahren zum direkten Kühlen von Reaktionsgemischen, das dadurch gekennzeichnet ist, dass ein geeignetes flüssiges Gas als Kühlmedium über eine Rohrleitung unter die Oberfläche des Reaktionsgemisches gebracht wird.

Geeignete flüssige Gase, die in dem erfindungsgemäßen Verfahren verwendet werden können, sind insbesondere flüssige Gase, die nach Eintrag in das Reaktionsgemisch unter Wärmeaufnahme entspannt werden können und sodann das Reaktionsgemisch in gasförmigem Zustand wieder verlassen, ohne mit den Bestandteilen des Reaktionsgemisches chemisch in eine Wechselwirkung getreten zu sein. Dafür kommen beispielsweise flüssige Edelgase, wie insbesondere Helium in Betracht. Bevorzugt sind solche flüssigen Gase aber flüssiges Kohlendioxid und flüssiger Stickstoff.

In einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens erfolgt der Eintrag des flüssigen Gases unter die Oberfläche des Reaktionsgemisches über eine Rohrleitung. Diese kann am untere Ende offen sein, ist aber vorteilhafter Weise mit einer Düse, wie zum Beispiel einer Venturidüse, bevorzugt aber einer Injektordüse, ausgestattet, an der die Entspannung des flüssigen Gases stattfindet. Es hat sich darüber hinaus als besonders vorteilhaft erwiesen, eine Injektordüse mit nachgeschalteter Venturidüse zu verwenden. Dadurch findet eine intensive Vorvermischung des noch teilweise flüssigen Gases mit dem Reaktionsgemisch statt und der Masseimpuls der Düsenströmung (3 Phasenströmung im Falle von Kohlendioxid, 2 Phasenströmung im Falle von Stickstoff), erhöht sich, so dass die Verdüsung stabiler abläuft.

Im Falle von flüssigem Kohlendioxid werden die sich am Düsenaustritt bildenden Eiskristalle normalerweise durch die hochturbulente Strömung weggerissen. Gegebenenfalls kann die Injektordüse aber auch örtlich begleitheizt werden.

Sofern gewünscht bzw. erforderlich kann die Einbringung des Kühlmediums in an sich bekannter Weise automatisiert und Temperatur geregelt erfolgen.

Verwendbare Injektordüsen sind dem Fachmann bekannt und im Handel erhältlich. Hersteller solcher Düsen sind beispielsweise die Firmen Düsen-Schlick GmbH in Coburg und Lechler GmbH in Metzingen, beide Bundesrepublik Deutschland.

In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird zusätzlich für eine gute Durchmischung des Reaktionsgemisches mit dem Kühlmedium gesorgt und lokale Unterkühlungen vermieden. Dies geschieht in der Regel durch geeignete Mischvorrichtungen, bevorzugt durch einen elektrische betriebenen Leitstrahlmischer. Die Mischvorrichtung, bevorzugt ein Leitstrahlmischer, ist bevorzugt unterhalb des Eintritts des flüssigen Gases in das Reaktionsgemisch getaucht. Ganz besonders bevorzugt ist ein Leitstrahlmischer so angebracht, dass das flüssige Gas über die Injektordüse in deren Ansaugbereich gedrückt wird.

Eine Mischvorrichtung, bevorzugt ein Leitstrahlmischer, sorgt insbesondere für einen intensiven Kontakt zwischen dem Reaktionsgemisch und dem noch kalten, gasförmigen Kühlmedium. Dies führt zu einer effizienten Restkälteausnutzung des gasförmigen Kühlmediums und damit zu einem reduzierten Kühlmittelbedarf.

Mischvorrichtungen wie beispielsweise Leitstrahlmischer, sowie andere im erfindungsgemäßen Verfahren verwendbare Vorrichtungen sind dem Fachmann an sich bekannt und in der Literatur ausführlich beschrieben.

Die Kühlleistung des erfindungsgemäßen Verfahrens kann über die Regelung des Massenstrom des flüssigen Gases in weiten Grenzen eingestellt werden. Dies geschieht insbesondere über den gewählten Durchmesser der Injektordüse, falls eine solche verwendet wird, sowie über den Systemdruck des Vorratstanks des Kühlmediums. Falls gewünscht ist eine Feinregulierung beispielsweise über ein schaltbares Magnetventil (Auf/Zu-Regelung) möglich.

Das erfindungsgemäße Verfahren löst die gestellte Aufgabe in hervorragender Weise. Es kann automatisiert und prozessnahe, sowie Temperatur geregelt gefahren werden. Verglichen mit der Kühlung mit Wassereis, zeichnet es sich durch eine bessere Raumausnutzung des Reaktors und durch weniger Abwasser aus.

Bei geringerem Kühlmittelverbrauch sind u.a. durch effiziente Ausnutzung der Restkälte des gasförmigen Kühlmediums auch große Kühlleistungen möglich, die auch Spitzenlasten abdecken. Das erfindungsgemäße Verfahren ermöglicht eine effiziente Kühlung auch in tiefkalten Bereichen (ab –40°), wobei bei Verwendung von flüssigem Stickstoff tiefere Temperaturen als bei Verwendung von flüssigem Kohlendioxid erreicht werden können. Dabei entstehen durch die gute Durchmischung kaum örtliche „Kältespitzen" und somit auch keine Produktunterkühlungen und keine Beschädigungen an beispielsweise Email-Systemen oder anderen kälteempfindlichen Werkstoffsystemen. Insgesamt resultiert also bei kürzeren Reaktionszeiten eine höhere Produktionskapazität als bei Verfahren des Standes der Technik und nicht zuletzt auch durch geringeren Reinigungs- und Instandhaltungsaufwand geringere Betriebskosten..

Das erfindungsgemäße Verfahren kann auch als Notkühlsystem bei sicherheitstechnisch kritischen Reaktionen, z.B. bei Exothermie- oder Explosionsgefahr, eingesetzt werden.

Bei Verwendung von flüssigem Stickstoff und eingeschränkt auch bei Verwendung von flüssigem Kohlendioxid erfolgt durch das aus dem Reaktionsgemisch austretende Gas automatisch eine Inertisierung des Reaktors, was bei empfindlichen Reaktanten von erheblichem Vorteil ist.

Durch den direkten Wärmeaustausch (es werden keine Wärmeaustauschflächen benötigt) zwischen dem Kühlmedium und dem Reaktionsgemisch werden Hygiene- bzw. Kontaminationsprobleme verhindert oder zumindest minimiert. Das erfindungsgemäße Verfahren eignet sich deshalb auch in besonderer Weise für Bioprozesse bzw. für die Herstellung von Vor-, Zwischen- und Endprodukten für die Pharmaindustrie.

Von weiterem Vorteil ist, dass sich gebräuchliche Rührwerksbehälter (RWB) ohne großen Aufwand nachrüsten lassen, so dass das erfindungsgemäße Verfahren ausführbar ist. Auch der Einsatz von neuartigen Rührwerksbehältern, zum Beispiel solche, die einen hochwertigen chemisch und thermisch beständigen Inliner bzw. eine Auskleidung aus Perfluoralkoxy-Copolymer (PFA), sowie eine Glasfaser/Epoxidharz-Ummantelung aufweisen (PFA/GFK Behältersysteme), ist möglich. Im Vergleich zu indirekten Wärmeaustausch-Systemen ergeben sich geringere Investitionskosten bei korrosiven bzw. abrasiven Medien.

Das erfindungsgemäße Verfahren ist somit hervorragend geeignet zur Kühlung von Reaktionsgemischen, wie sie bei der Synthese von Spezialchemikalien, beispielsweise Vor- und Zwischenprodukten für die Synthese von Pharmaka oder Farbmitteln, von Pharmaka oder Farbmittel selbst vorkommen.

Die vorliegende Erfindung wird durch nachfolgende Beispiele 1 bis 3 illustriert. Es wurde jeweils ein mit Wasser gefüllter, nicht isolierter Technikums-Reaktor von 250 l Inhalt mit flüssigem Kohlendioxid nach dem erfindungsgemäßen Verfahren gekühlt. Dabei wurde das Kohlendioxid mittels einer handelsüblichen Injektordüse mit einem Durchmesser von 2,0 mm (Beispiele 1 und 2) bzw. 2,3 mm (Beispiel 3) eingeblasen.

Als Vergleich gemäß Stand der Technik wurde Kohlendioxid-Schnee mittels einer Schneekanone auf die Wasseroberfläche geblasen (Vergleichsbeispiele 1 und 2). Bei den Beispielen 2 und 3, sowie Vergleichsbeispiel 2 wurde darüber hinaus ein handelsüblicher Leitstrahlmischer eingesetzt (1050 min-1 in Beispiel 2, 1500 min-1 bei maximaler hydraulischer Systembelastung in Beispiel 3 und Vergleichsbeispiel 2. Es wurden die folgenden Ergebnisse erhalten:

  • M = Massenstrom CO2
  • T = Temperaturabnahme des Wassers
  • QH20 = vom Wasser abgegebene Wärmeleistung (= Kühlleistung)
  • QCO2 = durch Kohlendioxid theoretisch verfügbare Kühlleistung
  • [%] = Wirkungsgrad der Wasserkühlung


Anspruch[de]
Verfahren zum direkten Kühlen eines Reaktionsgemisches, dadurch gekennzeichnet, dass ein geeignetes flüssiges Gas als Kühlmedium über eine Rohrleitung unter die Oberfläche des Reaktionsgemisches gebracht wird. Verfahren gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass als flüssiges Gas flüssiges Kohlendioxid oder flüssiger Stickstoff verwendet wird. Verfahren gemäß Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Rohrleitung mit einer Injektordüse ausgestattet ist, an der die Entspannung des flüssigen Gases stattfindet. Verfahren gemäß Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass unterhalb der Injektordüse ein Leitstrahlmischer so angebracht ist, dass das flüssige Gas über die Injektordüse in deren Ansaugbereich gedrückt wird. Verfahren gemäß einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass eine Kühlleistung über die Regelung des Massenstrom des flüssigen Gases eingestellt wird. Verfahren gemäß einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass Vor- und Zwischenprodukte für die Synthese von Pharmaka oder Farbmitteln, Pharmaka oder Farbmittel hergestellt werden.






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